Norbert regt sich auf? Mit tatkräftiger Unterstützung von Falko (geschrieben im September 03)
über
Schlechte Laune? Unausgeschlafen? Genervt?
Kein Problem, fahren sie einfach mit nach Kiel und schon werden diese Gefühle einer Extase und einer Partylaune weichen. Nur ein Haken: Das unausgeschlafen, das weicht nicht.
Kiel hiess auch, dass es keine Busfahrt mit dem Fanladen geben würde, so dass man mal wieder einen eigenen Bus machen durfte/konnte/wollte. Das hat weniger was mit irgendwelcher Ausgrenzung oder Abhebung zu tun, als mit Bequemlichkeit und Faulheit einer Fangruppe, deren Mitglieder die 30 doch relativ häufig überschritten haben. Und in diesem Alter ist es verdammt bequem in Kiel vielleicht 100 m per Fuss zurückzulegen. Das ist nebenbei die insgesamte zurückgelegte Strecke.
Los ging es bereits morgens um 9:30, hatten doch mehrere Fangruppen sich gegenseitig dazu eingeladen in einem Irish Pub in Kiel vorzuglühen. Dieser Fakt ist alleine schon deswegen erwähnenswert, weil die Mannschaft laut MoPo erst um 11:15 losgefahren ist und damit dies wahrscheinlich das erste Spiel markiert, bei dem die meisten Fans schon unterwegs waren, als die Mannschaft losfuhr. Im Bus eine illustere Mischung von Passanten und Nichtpassanten. Für Lustri hatten wir extra eine Kutte mitgenommen, für die letzte Reihe die Chaotiker und für die Unterhaltungen in fremdartigen deutsch die Rasselbande Reutlingen. Kurz: Angenehme Besatzung von Platz 1 bis 50).
Die Hinfahrt verlief dann relativ ruhig. Okay, der Bus kam ein paar Sekunden zu spät, welches uns aufgrund fehlender Entspanntheit schon zu Telefonaten mit Hamburger Sportreisen führte. Und der Bus war ein Nichtraucherbus, welches beinah zu Verzweifelungen bei gewissen ketterauchenden Mitfahrer(innen) geführt hätte. Mich als Nichtraucher störte das irgendwie nur bedingt, so dass ich auch nicht wirklich um eine Raucherlaubnis kämpfen wollte.
Die Pause nach 2/3 der Strecke war insofern nicht nur eine Pinkelpause, sondern mehr eine Raucherpause, weil unsere süchtigen langsam hibbelig wurden. Zeit hatten wir genug und kurze Zeit später (und als die ersten schon meinten, sie müssten wieder Pinkeln (nettes schwitzerdütsch nebenbei)) waren wir in Kiel.
An der Ostseehalle ausgestiegen und als japanische Reisegruppe Richtung Pub. War ganz lustig, dass dort einfach so am Samstag Morgen ein Mob Fussballfans durch die Innenstadt wankt. Pub ohne grosse Suche gefunden, mit einem freundlichen „heute für St. Paulifans geschlossen“ begrüsst worden und die Thekenbesatzung erstmal locker überfordert. Na gut, ist vielleicht auch schwer abzuschätzen und ich glaube mal, dass jeder Pub der Welt überfordert ist, wenn plötzlich 60 (mit uns kam nämlich auch noch USP an) neue Leute vor der Theke stehen und jeder ein (gezapftes) Bier haben will. Insofern haben die das noch grossartig gemeistert und hat garantiert auch zu einem netten Zusatzumsatz geführt.
Die Freunde in Grün erschienen auch, stellten sich erst direkt vor den Pub und zogen sich, nachdem sie merkten, dass das ein bisschen doof aussieht in ihre Autos zurück. Nebenbei: obwohl da ungefähr die gesamte Bambule, Mörder, Schiffeversenken und Hauerszene versammelt war, passierte (wie nicht anders zu erwarten) gar nix.
Man konnte also in Ruhe die Kieler Sonne geniessen, sich nett Fangruppenübergreifend unterhalten und den Tag mit einer Mischung von Bier, Schnaps und Barcadi Breezer (bäh) auf sich zukommen lassen.
Viel berichtenswertes passierte nicht. Gut Tropezias Tempo Richtung Klo (ca. 5 Min nachdem sie meinte, sie müsse mal, stand sie immer noch draussen ;-)) war atmenberaubend, aber sonst war es einfach nur nett und entspannt.
Unser Bus sammelte uns wieder auf und mit ca. 30 Mitreisenden fuhren wir Richtung Stadion. Glücklicherweise hatte unser Fahrer einen Plan (im doppelten Sinne), sonst wären wir wohl ziemlich am kurven gewesen. Kurz vor dem Stadion dann ein Stau, welcher zur Auffüllung unserer Biervorräte genutzt wurde, indem Sandra einem Auto vor uns hübsche Augen machte und ihre Bemühungen mit einer Dose Bier belohnt wurde. Die Übergabe war etwas heikel, da der Verkehr doch eigentlich rollte, aber insgesamt mit einmal aussteigen und durch die Scheibe reichen wurde das alles gemeistert.
Holstein Kiel und Organisation sind dann aber zwei Welten, die aufeinander treffen. Uns wurde in Hamburg gesagt: Fahrt mal mit dem Bus zum Stadion, da erwarten euch Ordner und die weisen euch ein. Tja ein Stadion war da und an der berühmten Tankstelle standen auch ziemlich finstere Gestalten rum. Nur Ordner, die waren da nicht. Da aber auch die Polizei uns ignorierte, uns aber überall durchlies, stellten wir den Bus einfach am Gästeeingang ab (die U 16 machte nebenbei ähnliche Erfahrungen). Neben diesem befindet sich nicht nur die Tankstelle, die Treffpunkt der Kielerhärtefraktion ist, sondern auch ein Chinarestaurant, welches den Ansturm nutze seine Biervorräte zu verkaufen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Man merkt, dass die Chinesen das Bierbrauen nicht erfunden haben. Gut, mit einem Bier in der Hand begrüsste man die anders angereisten 42er (mensch Frank, die Hamburg Jacke hätte aber nicht sein müssen;-)) und begab sich dann in die Warteschlange. Es erwartete einen „Kiel und Organisation“ Part II. Der Eingang hatte drei Durchlässe, vor dem Eingang war mit „Hamburger Gittern“ eine Zaun aufgestellt, welcher das Stadion vom Rest der Welt trennte. Hinter diesem provisorischen Zaun befand sich ein Klocontainer. Nun denkt ja der normale Fan, dass dieser „Zaun“ von mindestens 10 Ordnern gesichert wird, so dass man nicht einfach hindurchschlüpfen kann. Dem war aber nicht so. Ein Ordner stand da und der war selbst dann ziemlich desinteressiert, als reihenweise Mädels unter dem „Zaun“ durchstiegen und auf Klo gingen. Irgendwann wurde es mir auch zu blöd da wie Hein Blöd zu stehen und ich ging einfach durch den bereits aufgeschobenen Zaun durch, ging auf Klo und dann ins Stadion. Karte? Durchsuchen? Fiel alles flach, so dass sich innerhalb von zwei Jahren die dritte unabgerissene Karte den Weg an meine Pinnwand findet.
Das Kieler Stadion ist ziemlich alt, eine lange Kurve, eine kleine Sitzplatztribüne und eine grosse Stehplatzgegengrade. Eine Fantrennung fand nur bedingt statt, war aber auch nicht wirklich notwendig, denn die Kieler Fans konnte man per Handschlag begrüssen und hätte nur ca. 10 min gebraucht. Wahrscheinlich deswegen fing das Spiel dann auch 10 min später an, aber das ist ja schon Standard bei unseren Auswärtsspielen.
Es ist müssig zu diskutieren, wie viele St. Paulianer nun wirklich anwesend waren. Ich kann es ehrlich nicht sagen. Insgesamt 9.000 Zuschauer werden für Kiel wohl Saisonrekord bleiben, denn so richtig was zu bieten hatten die Kieler ihren Heimzuschauern nicht.
Zum Intro gab es bei uns Schwenkfahnen und eine Tapete, die ich nicht lesen konnte. Auf Kieler Seite habe ich verzweifelt nach einem Intro gesucht. Gefunden habe ich – zugegeben bei schlechter Sicht – keines.
Ich bezog dann meinen Platz auf der ersten Stufe von unten direkt bei USP, was a. einen schönen dauerhaften Support auf meiner Ecke zur Folge hatte, aber anderseits leider ca. Nullsicht auf das Spielfeld. Nicht nur, weil man zu flach stand, nein am Zaun vor einem hing auch noch KleinLeo von PSP, welcher auch verzweifelt versuchte einen Platz mit Sicht zu ergattern.
Insofern fielen meine SMS Kommentare an die nichtanwesenden auch eher wage aus. Denn Torschützen musste ich absolut raten und Gewissheit hatte ich erst abends auf einer Geburtstagsfeier, als ich in den Videotext gucken konnte.
Unsere Mannschaft schafft es leider immer noch nicht wirklich zwei überzeugende Halbzeiten aneinander zu Reihen. In der ersten Halbzeit war Kiel ebenbürtig und das Tor wirkte (und ich meine das aufgrund meiner Sicht so) eher glücklich. Die zweite Halbzeit war dann im Stile einer Spitzenmannschaft. Gegner und Ball laufen lassen und dann zack bumm und drin ist er.
Agu war aus meiner Sicht sehr gut und auch sonst hat mir die Offensivabteilung gefallen. Mehr sag ich aber zum Spiel nicht, den gesehen habe ich es nicht wirklich.
Lustig in Kiel ist es, dass aus dem Innenraum Getränke gereicht werden, die von einem Bollerwagen aus verkauft werden. Unser OL verkaufte auch ein bisschen mit und so konnten alle bei der Hitze genug trinken.
Was mir aber nicht wirklich gefiel war der Support. Erst nach dem 4-0 regte sich wirklich der gesamte Block. Vorher hatte ich doch den Eindruck, dass viele Leute aus Prinzip nix mehr mitsingen, was von USP und Konsorten kommt und sich erst dann regen, wenn diese ruhig sind. So schön der Zusammenhalt zwischen den „relevanten“ Gruppen ist, so sehr nervt mich, dass zwischen „relevanten“ und „irrelevanten“ (alles aufgrund des Fehlens besserer Begriffe so benannt) immer tiefer wird. Dies wurde noch durch zwei Gespräche mit guten Bekannten vertieft. Tja, Gründe? Gut, viele wurden mir vorgetragen, viele versteh ich, aber ich glaube nicht, dass ich die richtige Person bin um das zu diskutieren. Ich sehne mich nur ab und zumal die Zeiten zurück, als ich noch mit Pectoris auswärts gefahren bin und „irrelevant“ war.
Diese Situation machte sich dann irgendeine Sau zu nutzen um direkt hinter USP einen Bengalo zu zünden, was zu „Ihr seid doof“ Rufen Richtung USP veranlasste, obwohl die nun wirklich nichts dafür konnten. Das sage ich jetzt nicht, weil ich die irgendwie mag, aber alleine der Fakt, dass es sich um einen Bengalo der Firma Tifo handelt, spricht Bände, denn USP bestellt seit Monaten dort nicht mehr. Danke, dass irgendjemand die anscheinend „fanintern“ noch anschwärzen will. Ich finde es wirklich super, auf welcher Ebene man miteinander bei St. Pauli umgeht.
Der Rest war dann nur noch Jubel. Schön, dass sich die Mannschaft wirklich sehr viel Zeit dafür lies, schön, dass sie lange in die Kurve kam. Schön, dass Trikots in die Menge geworden wurden und schön, dass man den Jungs anmerkte, dass ihnen der Fussball Spass macht.
Die Rückfahrt ist für einen Reisehitler (fragt bitte nicht, wie diese wirklich nicht politisch korrekte Bezeichnung entstanden ist, fasst es einfach unter „speziellen Humor“) natürlich nur noch nervig. Das ist einfach Fakt nach einem 5-0. Aufgedrehte Leute, laute Stimmung und viel Alkohol machen so etwas schon grundsätzlich nicht zum Spass. Naja, die Anzahl der Rückfahrer schwankten dann zwischen 100 und 44, aber Details würde die Polizei viel zu doll interessieren, als das ich irgendwas dazu schreibe… ;-)
Und wie geht es jetzt weiter? Naja Essen (ha, was für ein Gegner. Pünktlich dazu erreichte mich ein nettes Paket aus Düsseldorf) und Chemnitz werden jetzt die Spiele der Saison. Wenn wir aus diesen beiden Spielen vier Punkte holen, dann können wir ohne weiteres um den Aufstieg mitspielen. Sollten wir weniger Punkte holen, dann versinken wir im grauen Mittelfeld und würden eine entspannte Saison haben. Denn: Mit dem Abstieg werden wir nix mehr zu tun haben. Dafür sind Mannschaften wie Lokalrivalen (A) und Kiel einfach zu schwach. Was mir zur Zeit gefällt ist, dass sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel steigert und das sie bereits 3 Spiele ohne Gegentor hintereinander absolviert hat.
Gute Nacht! Träumt von neuen schönen Spielen.