Norbert regt sich auf vom 12.09.
über
Die grossen Fussballabenteuer beginnen mit dem einsteigen in einen roten Kastenwagen französischer Bauart. Unser Gefährt nach Velbert und Braunschweig kam auch zum Länderspiel in Dortmund zur Nutzung. Länderspiel? Ich? Naja spontane Entscheidung als Karten im Forum frei wurden ohne darüber nachzudenken, dass das ein Mittwoch ist und das Spiel in Dortmund ist. So machten sich also am Mittwoch morgen drei 42er, ein Lokalrivalensympathisant und eine Schalkesympathisantin auf in die Stadt nahe Hagen. Kurze Zeit später hatte ich kampflos den Beifahrerplatz erorbert und damit auch die Macht über den CD Player. Und somit war wieder das Program Bravo Hits, Ska und Punkska. Ab Hollenstedt wurde unser brutaler Hooliganmob von einer weissen Maus begleiter, wahrscheinlich damit wir die Nordheidischen Wildschweingegend nicht platt machen. Was macht man eigentlich gegen frische Landluft, die durch die Lüftung eingeblasen wird? Lösungen bitte an scheissestinktdas@poptown-ultras.de. Weiter hangelte man sich über die Themen Abitur, Ossishows (was für Schwachsinn) , Straßenstricher (Autobahnarbeiter), Niederländern und Delmenhorsterinnen mit vermeindlichem Gesangstalent weiter. Die Kieler Nationalmannschaftsfans auf der Raste getroffen, freundlich gelächelt (schön mal wieder einen auf dicke Hose machen zu können), sich gefragt, warum "Geschwisterliebe" verboten wurde und ob es sich als Signatur im Forum eignet und andere wichtige Dinge passierten auf der Hinfahrt.
In Dortmund angekommen haben wir uns erstmal mit der B 1 durch die Stadt gequält um dann am Stadion einen relativ guten Parkplatz zu finden. Tja und hier nahm das Unglück seinen Lauf. War es den gesamten Tag trocken gewesen, so begann es ziemlich genau bei unserer Ankunft in Dortmund an zu schütten. Und dieses hörte auch nicht auf bis wir uns auf unseren überdachten Sitzplätzen befanden.
Kurz betrachteten wir die heutige Spielstätte und die Spielstätte der Dortmund Amateure (wenn ihr ins Westfalenstadion ausweicht gegen uns, dann gibbet aber Haue!) um uns dann Richtung Innenstadt zu begeben. Tja, die Bahn stand da schon und von den zwei von mir vorgeschlagenen Alternativen (fährt weg, wenn wir drei Meter entfernt sind oder wartet noch 30 min) nahm die sie lieber die Letztere. Bereits hier waren viele Schotten unterwegs, die alle auf einer Mottofahrt waren, die das uralte Motto „Schotten dicht“ hatte.
Am HBF wurden dann erstmal bekannte Gesichter begrüsst, hatte sich doch LBF Dirk mit ein paar Düsseldorfern nach Dortmund verirrt und sang fröhliche Fortuna Weisen am Bahnhof.
In der Innenstadt das gleiche Bild. Jeder Laden, welcher Alkohol führte war rappelvoll mit Schotten, welche sich gepflegt die Kante gaben. Erstaunlich ist bei denen die Anzahl an Kiltträgern. Nahezu jeder von denen trägt seinen Kilt. Meistens mit einem Mannschaftstrikot kombiniert, häufig noch einen Hut mit einer Fasanenfeder dran. Den Vogel abgeschossen hatte aber ein Schotte, der einen Plastikfasan vor sich hertrug, welcher tanzte und irgendwelche schottischen Lieder von sich trällerte.
Der Versuch unseren Ex-Karolisten zu treffen, scheiterte am Wetter, da man irgendwann einfach zu genervt vom Wetter und rumirren war. So konnten wir nur Jens einsammeln und es uns in einer komischen Kneipe mit komischen DJ und komischer Musik gemütlich machen. Das war wahrscheinlich der einzige Ort in ganz Dortmund, welcher nicht vollkommen überfüllt mit Schotten war.
Gegen 17:30 wollte man sich gerade Richtung Stadion aufmachen, als man folgendes Handygespräch mitanhören durfte: „Ja, wir sind hier draussen, ja kommst gleich hinterher. Ja, da steht die Polizei. Die haben bei uns gerade von jedem die Pässe eingesammelt und kontrolliert. Ja das werden sie bei euch auch machen.“ Kurz: Die deutschen Freunde der 3. Halbzeit waren gefunden. An der besagten Kneipe, die von ca. 2 Einheiten Bereitschaftspolizei umlagert wurde, gingen wir dann kurze Zeit später vorbei.
Am Bahnhof musste man dann leider erkennen, dass nicht nur Neckermänner dieses Spiel sehen wollten, sondern auch Faschomänner. Da lief ziemliches Pack rum. Auffällig Leute mit kodierten Zeichen. Z.b. eine Jacke, auf der eine Marke steht, dann darunter „Nordland“ und vorne drauf eine Wolfsangel als Symbol. Genauso scheisse Shirts mit „Made in Germany“ und Springerstiefeln drauf. Insgesamt alleine am Bahnhof so ca. 20 Gestalten, die sich lustigerweise fröhlich mit den Schotten unterhielten.
Bei Shirts muss ich aber auch noch mal auf die Schotten zurückkommen. Die sangen alle Naslang „We hate England more than you“ und hatten dies auch übersetzt auf Shirts. Jedoch in Deutsch in zwei vollkommen widersprüchlichen Versionen. Einmal: „Wir hassen England mehr als ihr“ und einmal „Wir hassen England mehr als euch.“ Was nun wirklich gemeint war? Nobody knows, but the scots. Gross auch die Typen, die einfach Shirts an hatten, auf denen vorne ein „Wo bitte geht’s zur Bierbar?“ stand und hinten ihr Name.
Dann wollten wir in unseren Block (73 Nordkurve), dachten, da bekommen wir in Ruhe was zu essen und zu trinken und erlebten unser „Neues Fussballwelt“ Wunder. Der Block ist ein ganz normaler Sitzplatzblock auf der Obertribüne. Keine Besonderheiten. Es ist nur so, dass man in Dortmund auf die Obertribüne durch Treppenhäuser kommt, die links und rechts vergittert sind und keinen Durchgang zu den anderen Blöcken erlauben. Und eigentlich erwartet man dann auf diesen Treppen irgendwie Klo und Essensstände. Doch genau dort, wo man diese erwartet befinden sich in Block 73 VIP Räume für irgendwelche Kleinsponsoren. Kurz: VIP Räume aber im gesamten Block für ca. 1.500 Leute kein Klo. Auf meine Frage, wo diese denn seien, sagte mir der freundliche Ordnungsdienst nur, dass ich das Stadion wieder verlassen müsse, meine Karte beim Nebenblock vorzeigen müsse und dann dort auf Klo gehen könne. Nicht nur, dass dies ziemlich umständlich ist und ab ca. eine Stunde vor Spiel nicht mehr möglich wegen den Schlangen, nein es birgt auch die absolute Gefahr in sich, dass man Freunde locker ins Stadion schmuggeln kann. Gut, irgendwann stellten wir dann fest, dass man leicht in den Block neben uns gelangen konnte und von dort in die Gänge wo Klos waren. War trotzdem jedes Mal ein ziemlicher Weg.
Langsam füllte sich das Stadion, wobei unser Block vollkommen gemischt war. Leute mit Anzug und Krawatte, vor uns Schotten, hinter uns „normale Deutsche“, ganz hinten Fussballfans. Das Vorprogramm vor so einem Länderspiel ist vollkommen für den Arsch. Zwei oberpeinliche Moderatoren labern Scheisse über Stadion TV und fragen alle 20 min nach der Stimmung. Ich sag nur „kn we hear the scottisssccchhhh subborts?“ und nach dem Gegröhle „Und nun die Deutschen Fans.“
Nach einer oberpeinlichen Ballett Nummer kam es dann endlich zum Einlauf der Mannschaften und zu den Nationalhymnen. Die Schotten können ihre schön mitgröhlen (warum Daniel LFB (noch einer ;-)) die anderseits mitsingen kann, bleibt sein Geheimnis) und ich glaube das einzige Land der Welt, wo man den Text der Nationalhymne einblenden muss, nennt sich Deutschland. Peinlich auch die angeblich grösste Nationalflagge auf der Südtribüne. Shirts gesponsort von allen möglichen Sponsoren und dazu noch in der Mitte des Blockes ein Streifen von ca. 5 leeren Sitzen pro Reihe, so dass das ganze eigentlich komplett Scheisse aussah. Insbesondere, da man das Schwarz oben auf der Tribüne einfach nicht sah.
Zum Spiel schreib ich jetzt nix. Für einen neutralen garantiert spannend, wenn auch nicht sportlich toll. Der Support auf der deutschen Seite ganz okay, wenn auch vollkommen unkreativ. Was auffällt ist, dass sich kein wirklicher „Stimmungsblock“ gebildet hat, sondern das Gesänge eigentlich aus jeder Ecke des Stadions gestartet wurden und dann auf den „billigeren“ Plätzen übernommen wurden. Die Schotten teilweise mit oberkompliziertem Liedgut, welches ich textlich nicht verstanden habe, denn die Akustik des Stadions verzerrt das sehr (die Sprache und der Suff natürlich auch ;-)).
Gut geflucht nach der roten Karte und doch noch auf den Ausgleich gehofft, aber ein insgesamt verdienter Sieg der DFB Auswahl. Bester Mann auf dem Platz – und das sollte jeden Celtic Freund freuen – war aus meiner Sicht Rob Douglas, welcher grossartig hielt.
In der Halbzeit wurde noch jemand als Fan des Spieles geehrt, welcher über 100 Länderspiele der DFB Auswahl vor Ort gesehen hat. Ehrlich gesagt: Respekt vor dieser Leistung!
Die Rückfahrt habe ich locker verschlafen, ausser Regen und irgendwelchem Soul und Urpunk im Hintergrund kann ich nix erinnern. Danke Sylvens, dass du uns so sicher durch dunkle Nacht kutschiert hast. Und wenn da nicht eine Ikeatüte gestanden hätte, dann hätte meine persönliche Wärmflasche :D auch weitergeschlafen, als ich ins Bett kroch.
Gute Nacht!