Norbert regt sich auf vom 12.09.

 

über

Scheisstag

Fangen wir doch mit dem positiven dieses Tages an: Danke Heiko für den besten Capo;-)cino auf ganz St. Pauli. Und das sag ich als nicht Kaffeetrinker. Danke Massimo für den Rabatt bei Wal Mart. Danke Bandirra Rosa für die Hilfe beim Tapeten kleben. Und danke dem Nachgetreten für ein zweites Fanzine am Millerntor mit einer grossen Ausgabe. Insbesondere schön, dass zu der AFM Versammlung eine sehr eigene Meinung vertreten wurde.

Tja liebe Leser, wie ihr vielleicht schon daran merken könnt: Es war schlichtweg ein Scheisstag an dem definitiv nichts so klappte, wie es sollte. Es fing damit an, dass das Mellow Mode nicht aufhatte, so dass das Biberfrühstück erst nach einer kleinen Irrungen im Cafe Miller stattfinden konnte. Wobei so wirklich darüber berichten kann ich nicht, da Jens und ich WalMart um zwei Tapeten erleichterten (natürlich gegen Barzahlung ;-)) und die Tapeten für das Spiel vorbereiteten. Ging eigentlich alles ganz gut, ausser das wir irgendwie die Seitenabklebung vergassen, was später zu einem Riss in der Tapete führte. Nochmal Danke an die USPler, die uns geholfen haben.

Kurze Zeit später machte man sich auf zum Stadion, wo Stinker aus Anlass seines Geburtstages ein Frühschoppen gab. Insgesamt kam man nicht aus dem gratulieren heraus, da auch der Kollege West Brom vor kurzer Zeit Burzeltag hatte. Beiden auch an dieser Stelle nochmal Herzlichen Glückwunsch. Wobei auch hier lief alles nicht wirklich nach Plan. Denn Stinker gratulierte ich erst, nachdem ich ihn schon lange begrüsst hatte und mich irgendjemand darauf aufmerksam machte, dass er Burzeltag hatte. Insgesamt musste man an diesem Tag noch ca. dreissig anderen Leuten nachträglich gratulieren, wobei dies meistens Damen waren, die 19 wurden ;-)

Ab ins Stadion um die beliebten Plätze in der ersten Reihe zu sichern und sich noch ein bißchen mit anderen Leuten zu unterhalten. Gerd getroffen, geschnackt. Darüber vergessen, dass ich das einzige Schneidwerkzeug in der Tasche hatte (läuft schief), aus Block 1 irgendwann dann per Handy zurückbestellt worden mit der Bitte, dieses doch mal vorbei zu bringen.

Meine zwei gekauften Wasser stellte ich um die Tapete weiter vorzubereiten auf einen Stuhl und vergass sie, da genau in diesem Moment im Gästeblock ca. alles schief ging. Hatten sich doch die Essener Idioten bereits am „Absperrgitter“ breit gemacht und hinter diesem standen sage und schreibe fünf Ordner. Diesen Umstand nutzen diese Schwachköpfe dazu erstmal rumzurockern und das Absperrgitter zu beseitigen und die Ordner aus dem Block zu treiben. Erst durch einen massiven Polizeieinsatz konnten die Typen wieder auf die ursprüngliche Höhe des Absperrgitters zurückgedrängt werden. Was ich in diesem Zusammenhang nicht mehr lustig fand, war der Fakt, dass sonst bei der Polizei Hamburg der Knüppel immer locker sitzt, sie sich hier aber nicht trauten diesen Nasen einfach einen auf die Fresse zu hauen, sondern diese mit sanften Druck langsam zurück trieben.

Kurz vor Anpfiff präsentierten wir dann die erste von zwei Tapeten „St. Pauli grüsst das Pack von der Hafenstraße“. Lustigerweise hatten die Essener kurze Zeit vorher ein Plakat „Es gibt nur eine Hafenstraße“ präsentiert. Passende Antwort, würde ich mal sagen. Die meisten St. Paulianer bezogen das Plakat nach den Gesprächen, die ich führte eher auf „unsere“ Hafenstraße.

Gut, Plakat weg und eine Schwenkfahne gegriffen, die alleine während Hells Bells sich mal eben locker fünf mal im Dach verfing. Na ganz grosses Tennis. So richtig toll geschwenkt sah das ganze wahrscheinlich dementsprechend nicht aus.

Zum Spiel: Ihr könnt gerne sagen, der Schiri sei schuld gewesen, das lenkt so schön von einer grauenhaften teilweise entsetzlichen Mannschaftsleistung ab. Okay, in der letzten Minute war das wohl ein Elfer, da der Ball vorher nicht aus war und dem Essener gegen die Hand geht. Zwar behauptete das Fernsehen (N3) der Ball sei aus gewesen, vermied es aber eine Zeitlupe zu zeigen, wobei man bereits in Realzeit sehen konnte, dass der Ball eher im Feld geblieben war.

Es ist trotzdem erschreckend, wie schwach sich unsere Mannschaft präsentierte. Bei diesem Spiel war es so, dass der ballführende Spieler die ärmste Sau auf dem Platz war. Denn vor dem Ball standen regelmässig ausschliesslich die beiden Stürmer (wer mir das nicht glaubt: achtet mal auf diesen Fakt. Das war schon in den anderen Spielen so. Und achtet mal drauf, wieviele Leute bei anderen Mannschaften vor dem Ball stehen, wenn der im Mittelfeld geführt wird. Bei Essen waren es teilweise fünf bis sechs Mann) vor dem Ball. Diese beiden anzuspielen war jedoch nahezu komplett unmöglich, da beide sich nicht gerade gut bewegten und trotz Muscis Tor eigentlich 90 min ein Totalausfall waren.

Am Umschalten von der Abwehr in den Angriff muss dringend gearbeitet werden. Und dies ist Trainerarbeit! Das muss Gerber leisten. Das hat nix mit der Qualität der Mannschaft zu tun, sondern damit, dass sie entsprechend Kondition und Bereitschaft eingeimpft bekommt, sich zu bewegen. Und es muss taktisch auch geübt werden, dass die Leute ins Mittelfeld nachrücken.

Noch ein Wort zu unserem Torwart: Wer sich von diesem dämlichen Essener provozieren lässt, der ist selber Schuld. Und da hilft es auch nix, dass der absolut nur schauspielert und natürlich nicht richtig getroffen wurde. Nur mal ehrlich: Ein guter Schiri gibt beiden rot. Dem Essener für eine doppelte Unsportlichkeit (erst jubeln direkt vor dem Gesicht des Gegners, dann den sterbenden Schwan makieren) und Hollerieth für die Tätlichkeit. Er wird uns wahrscheinlich ein paar Spiele fehlen, was absolut ein Verlust ist, denn Dröge ist zwar ein netter Kerl, aber ich befürchte beinah, dass er nicht Hollerieths Qualitäten hat.

Kurz: auch dies lief schief.

Schief ging auch die Tapete zur zweiten Halbzeit „Wir grüssen alle geistreichen Essener. Hallo ihr 2“. Zugegeben ziemlich hart für St. Paulianischen Verhältnisse, aber mal ganz ehrlich: Die hatten ja bereits vor Anpfiff bewiesen, dass die Zahl „2“ schon beinah zu hoch gegriffen war. Tja, eine kleine Notklebung ermöglichte dann, dass die Tapete auch im ganzen lesbar war.

Stimmung? Welche Stimmung? Nur nach der roten Karte mal Alarm und Aggression. Aber auch die war sehr schnell wieder verflogen, als man merkte, dass nicht viel auf dem Rasen passierte. Insbesondere auch alle Block 1 Steher können sich brutal an die eigene Nase fassen. Denn da kam von der ersten Minute viel zu wenig. Ich fragte mich heute: Will man eigentlich noch Stimmungsblock sein? Oder ist der Zweck von Block 1 eher ein „unter sich sein“? Würde ich absolut nicht schlimm finden und teile die häufig im Forum genannte Ansicht, das eben auch viele „externe“ Faktoren für Stimmung entscheidend sind und man diese nicht erzwingen kann. Nur: Warum gibt es leider bei uns so wenig Leute, die Stimmung auch mal dann machen, wenn es richtig weh tut? Sprich, wenn es nicht läuft, wenn auf dem Feld gar nix geht, wenn es kein Bier gibt. Die gibt es bei deutschen Vereinen überall wenig, aber wollten wir nicht immer besser und anders sein? Nur leider und das gebe ich auch zu: Schimpfen hilft uns nicht weiter. Es gibt nach jedem Spiel einen 20 seitigen Stimmungsthread, aber wirklich neu und spannend sind die nicht mehr. Was wir brauchen sind irgendwelche neuen Ideen, welche den gordischen Knoten Stimmungsdiskussion durchschlagen. Da sind aber wirklich kreative Köpfe gesucht.

Genauso unbefriedigend war USP unter Block 1 aus meiner Sicht. Zwar wie immer mit grosser Ausdauer und Hartnäckigkeit beim Singen, aber teilweise schlicht weg vollkommen an der Spielsituation vorbei und viel zu viele melodische Gesänge, wo aus meiner Sicht einfach ein „St. Pauli“ oder ähnliches mehr Druck Richtung Spielfeld gebracht hätte. Aber da ist auch viel Geschmackssache und trotzdem versuche ich eigentlich so viel wie irgend geht mitzusingen. Denn diskutieren kann man hinterher. Ein Boykott und schweigen hilft aus meiner Sicht nicht wirklich weiter.

Was mir diesmal nicht so aufgefallen ist, ist diese Spaltung in USP/Block 1 und Rest Gegengrade. Wenn denn was ging, wurde es eigentlich auch ganz gut von der Gegengrade mitgemacht. Es ging aber eben nur zu selten irgendwas, dann aber sowohl bei USP/Block 1 wie auch beim Rest.

Man kann aber auch nicht wirklich sagen, dass die Essener nun wirklich super Alarm machten. Ganz im Gegenteil für eine ziemlich lange dauernde Führung kam da nicht viel. Und wenn, dann war es schnell Anti St. Pauli. Berichtet wurde nach dem Spiel auch, dass eine kleiner Gruppe Urwaldgeräusche von sich gaben, wenn Gibbs an Ball waren. Waren wohl nicht viele, aber vor dem Block wohl doch deutlich hörbar.

Nach dem Spiel dann über die Nordkurve zum Fanladen gegangen, da ich doch nicht wirklich Lust hatte auf die Essener zu treffen. Weg gegangen bin ich dann nicht mehr, sondern habe mich von dort nach Hause begeben, denn so wirklich gut ging es mir irgendwie nicht mehr. Sorry Klaus, wäre gerne noch vorbei gekommen, aber irgendwie war der Saft raus.

Ach ja: Wären wir jetzt abergläubisch, würden wir die Freibeuterin wieder in Urlaub schicken.

... und dann war da noch...

der tägliche Alltagsrassismus im deutschen Fernsehen, der mal wieder deutlich wird, wenn Rudi Cerne einen dunkelhäutigen Gast fragt, welche Hautfarbe er denn haben möchte, wenn er wählen könnte. Als wäre a. bei dunkel und hell ein Unterschied und b. als wäre dabei auch noch dunkel minderwertig, so dass man sich hell wählen möchte oder was? Und das zu Otto Addo, welcher zu ersteinmal Hamburger ist, egal welche Hautfarbe oder Nationalität er hat (wer das nicht glaubt, höre sich ihn mal im Interview an. Gepflegtes Barmbek Basch würde ich sagen).

der tägliche Antisemitismus, welcher im neusten Match Live deutlich wird, wo aus Holland berichtet wird, dann erzählt wird, das Fans in Amsterdam bereits am Bahnhof zurückgeschickt werden, weil sie antisemitische Gesänge angestimmt werden und dann sinngemäss geschrieben wird, dass dies passierte, obwohl der jüdische Bürgermeister von Amsterdam dies doch bei anderen Fangruppen hätte durchgehen lassen. Es fragt sich nur: Welche Rolle spielt die Religion des Bürgermeisters in diesem Zusammenhang? Und warum wird es weniger schlimm dadurch, dass es andere gemacht haben?