Norbert regt sich auf vom 12.09.
über
Our Sunday breath kills on Thursday
Gute Nacht, liebe Leser, wir sind 38 min unterwegs und ich beginne meinen Bericht. Ich glaube das ist Rekord. Wohin fahren wir eigentlich? Ach ja München. Champions League. Warum tut man sich das an sich 20 Stunden in einen Bus zu setzen, um 90 min Fussball zu gucken? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Die Nacht ist dunkel, nebelig und jeder widmet sich dem Getränk seiner Wahl, wobei die Auswahl von Holsten Cooler Alkfrei bis Astra ging, sprich sehr irish ist.
Seid ihr schonmal nachts über die Autobahn gefahren, insbesondere in der Woche? Absolut keine PKW, sondern nur Laster und Busse. Nicht gerade spannend, so dass man sich irgendwann langsam zum schlafen bettete. Wobei so richtig bequem ist das alles nicht. Da nützt auch das vom Reiseleiter gereichte Kissen nichts (trotzdem danke). In den Schlaf geträllert wurde man von einem Schlager / Oldiemix, welchen ich ganz angenehm zum schlafen fand, andere Mitfahrer bei einer Pinkelpause um 5:40 jedoch zu folgenden Aussagen animierte: "Da berieseln die uns fünf Stunden mit dieser Musik und nun zwingen sie uns zu pinkeln. Das verstösst doch gegen die Genfer Konvention." "Mit diesem Sender haben sie in Jugoslawien Gefangene gefoltert. " Zwischenzeitlich durfte Heiko seinen ersten grossen Erfolg feiern, wurde doch der Fresstempel in Kirchheim von der gesamten Busbesatzung verschlafen.
Die Nacht schritt voran und produzierte Stilblüten wie "Sieben ist seine Lieblingszahl. Selbst ficken hat sieben Buchstaben."
Nur der Schlaf litt. Immer wenn man gerade eingeschlafen war, dann musste man schon wieder Pause machen. Frühstück auf Raststätten ist immer noch affenteuer und die Abendzeitung übte sich im Zusammenhang mit dem Frankenderby (letzter Clubsieg vor sechs Jahren durch ein Tor von Martin Driller) in hoher Mathematik. Zitat: "XY der Pressesprecher des Clubs hat nachgerechnet. Es ist das 249. Derby. Davon war der Club 135 mal siegreich, die Fürther gewannen 135 Spiele, 44 endeten unentschieden. " Zitat Ende.
Jetzt ist es 7:49 ds erste Holsten ist offen und man hat noch 275 km bis in die Stadt an der Isar die am Wochenende einen Regierungswechsel erleben wird mit dem niemand rechnet (irrational Träumen darf erlaubt sein). Ab jetzt passierte nicht viel. Die Musik wechselte zu Punkrock, die Heimat bekam erste Busfrontberichte (Zitat: Guten Morgen ihr Wixer. Gut geschlafen? Antwort: Guten Morgen du Wixer. War okay nur Flo ist so knochig bei Kuscheln.) Flo meint eben, dass ich ja auch keine Frau sei. Im Hintergrund läuft zu vierten mal heute Fields of ... (es blieb bei vier Abspielungen und einer Liveaufführung im englischen Garten), die Mitfahrer vertreiben sich die Zeit mit Wetten ob der nächste Brummifahrer einen Schnautzer hat oder nicht.
Die nächste Raststätte brachte dann die schöne neue Servicewelt. Ein Klo was automatisch 50 Cent verlangte, dafür aber einen Warengutschein in gleicher Höhe auswarf. Einer jungen Chaotikerin ist es zu verdanken, dass diese 50 Cent in einen Lolly umgesetzt werden konnten, welcher genau den passenden Preis hatte, jedoch leider alles passend/unpassend blau färbte.
Langsam nähert man sich München. Erste komische Meldungen erreichen uns. War doch unsere Kurzhaarfraktion vorgefahren und durfte sich nachdem sie einen Kasten Bier gekauft hatte, die Innenstadt Verordnung von der Polizei anhören, da Biertrinken in der Öffentlichkeit verboten ist (!!!!!). Die ersten Autos mit irischen Fahnen wurden auch gesichtet und so langsam stieg die Spannung und Laune. Kurze Zeit später kam dann die Nachricht, dass auch singen und zusammenrotten verboten ist. "Hier ist Deutschland noch in Ordnung" war die trockene Aussage im Bus. Mal sehen, was uns noch blüht.
Okay, wir hatten keinen Ärger mit der Polizei, aber ein gemeinsamer geballter Treffpunk fand sich unter diesen Umständen nicht. So irrten wir in einer kleinen Gruppe durch die Innenstadt, um sich dann Richtung Englischen Park und den Biergarten am Chinesischen Park abzusetzen. Dort sassen nun fünf St. Pauli Lads und verzehrten Bier und Essen. Alleine Flo, das Ex Karo Viertel und der Netzer verzehrten vier Schweinehaxen, wobei ihr jetzt mal raten könnt, wer zwei gegessen hat ;-). Allemal war danach ein Verdauungsschlaf auf der Nacktenwiese im Englischen Garten angesagt, bevor man sich wieder dem Biertrinken widmete. Zusammen mit einem alternden Schlagerstar und unserer Clubheimwirtin wurde gut gezecht und langsam gesellten sich immer mehr Celts zu uns, die Bier, Blasmusik und Sonne genossen. Nette Leute kennengelernt, als der CFC "Undergound" (so benannt, da er von U-Bahnfahrern gegründet wurde) und kurze Zeit später eine Horde Iren sich zu uns gesellten. Gemeinsam genoss man die Sonne die Blasmusik, welche sich mit Celtic Gesängen abwechselten und kam langsam in Stimmung. Gegen Fünf machte man sich zum Marienplatz auf, wo sich langsam die restlichen Celts sammelten. Dumm nur, dass gleichzeitig Joschka Fischer versuchte den Wahlkampf der Bayern-Grünen zu beenden. Hier ist zum zweiten mal innerhalb von sechs Monaten zu bewundern, wie man ausländische Gäste nicht behandelt. Was für ein Unsinn diese einfach in die Innenstadt zu lassen ohne irgendein Angebot. Wenn man dann noch versucht alle normalen Verhaltensweisen von Fussballfans wie z.B. trinken, zusammenrotten und singen verbieten will dann macht man sich lächerlich. Als wir da ankamen hatte die Polizei es auch gelassen und stand nur noch mit grossem Aufgebot rum.
Joschka Fischer hatte so seine stimmungsvolle Kulisse nur ob die in Bayern wahlberechtigt ist? Ich bezweifele dies. Wir guckten uns das ganze nicht sehr lange an, sondern machten uns Richtung Stadion auf.
Die Anfahrt empfand ich als sehr beeindruckend. Ca. 20 Celts, welche anfingen Rebelsongs zu intonieren. Lustig, das nahezu alle Anwesenden sofort mit einstiegen.
Am Stadion haben wir uns dann direkt ins Stadion gewagt, da ein namentlich nicht genannter Mitfahrer sehr viel Angst an den Kontrollen zu scheitern. Naja, war alles kein Problem, so dass wir uns in einem vollkommen leeren Stadion wiederfanden. Auf Bayern Seite waren die Ultras am Fahnen aufhängen und oben in den Gängen wandelten ein paar Leute, aber sonst nix da. Erst als Pauline, der Insolvenzbeauftragte und andere Mitglieder der Göttinger Gruppe auftauchten, kam wieder Leben in unsere müden Knochen. Gut Zeit mit rumalbern, labern und Quatsch vertrieben. Irgendwann tauchte dann auch unsere Südzeckenfraktion auf und so langsam fragte man sich, ob man auf den jeweils gekauften Plätzen bleiben sollte, oder ob man Richtung Celtic Block sollte. Zwar waren die Plätze nette Sitzplätz Höhe Mittellinie, aber in einem Bayernblock mit gutem Abstand zu den Celts. Als wir uns eigentlich für die Illegal und los gehts Nummer entschieden hatten, kam unser Reiseleiter und erklärte, dass er auch die hochoffizielle Erlaubnis erhalten habe, das wir umziehen dürfen. Tja Herr Aumann wollte ihn wohl in seinen VIP Räumen nicht empfangen und eine Hostess hinderte ihn am Büffet plündern, aber immerhin durften wir jetzt auch offiziell wechseln. Danke für den Einsatz. So verschlechterte sich zwar unsere Sicht, aber wir waren mittendrin statt nur dabei.
Eine kleine Anekdote am Rande. Auch die Rasselbande Reutlingen hatte sich auf den Weg nach München gemacht und hatte auf dem Weg zum Stadion einen Schalrockfan von Bayern getroffen. Und auf die Frage, wieviele Schals dies waren, wurde ihm geantwortet, dass es ca. 40 seien. Danke Lustri für die Weiterleitung dieser Story.
Irgendwann füllte sich das Stadion und immerhin 48.000 Zuschauer sorgten für eine nette Kulisse. Die Stimmung auf der Celticseite war eigentlich ziemlich gut. Nur so melodisch die Iren, Schotten, Amerikaner etc. zusammen singen können, was sie nicht können, ist sich auf einen Takt zu einigen. So war zwar immer Gesang im Block unterwegs, aber das mal die ganze Kurve zusammen singt, passierte äusserst selten. Erschwerend hinzu kommt noch, dass die in vielen Liedern eine Zeile „verschleppen“ was ein gemeinsames singen noch schwieriger macht. Nur wenn es mal klappt, dann wird es richtig laut.
Auf Bayern Seite mag ja richtig Alarm gewesen sein, aber so wirklich bei uns angekommen ist das nicht. Dafür ist das Stadion einfach zu weitläufig. So konnte ich die von Fernsehsehern geäusserte Wünsche doch bitte endlich den Trompeter der Bayern zu töten auch erst verstehen, als nach dem 2-1 unsere Seite komplett ins Schweigen verfiel. Vorher nervte viel mehr die Ankündigung von Zwischenständen. Diese wird nicht mehr mit einem einfachen Gong oder so angekündigt, sondern wirklich mit der Melodiefolge der Telekom. Super nervig.
Was auch nervte waren die Typen so ca. 5 Reihen vor uns, die meinten Kahn mit Affengeräuschen zu belegen. Ohne jetzt jemanden unschuldig anzuschwärzen, aber der SPP und ich waren uns eigentlich einig, dass es sich um den „Celtic Fanclub Croatia“ handelte. Den geäusserten Vorschlag die gesamte Reihe doch bitte zu töten, wurde dann aber aufgrund unserer Gesetzestreue nicht umgesetzt (beim Bayerntrompeter war das eher Bequemlichkeit ;-))
Zum Spiel: Celtic aus meiner Sicht erstaunlich stark und insbesondere bei der Frage „Direktspiel“ und „Laufarbeit“ sollte sich unsere Mannschaft viel abschneiden. Bei denen wird beinah kein Ball im Mittelfeld gehalten, sondern die meisten Bälle werden direkt weiter gespielt. So wird das Spiel enorm schnell und die Bayernabwehr war mehrfach unter Druck. Nur ein Tor fiel nicht, so dass es mit einem 0-0 in die Pause ging.
Hier machte nun ein Göttinger schlapp, welcher felsenfest von sich behauptet in Bussen nicht schlafen zu können. Okay, Stadien sind ja keine Busse, aber so wirklich leise war es aufgrund des musikalischen Entertainment nicht wirklich. Dieses war nebenbei auch nervig wie immer. Wirklich bis Anpfiff und ab Abpfiff, tierisch laut und Stimmungshits. Was die Celts aber nicht davon abhielt eigentlich jedes bekannte Lied abzufeiern.
In der zweiten Halbzeit dann Bayern deutlich überlegen und mit einer Chance nach der anderen. Nur lustigerweise genau in diese Phase schiesst Celtic die Führung. Und als man gerade dachte, dass das Spiel 1-0 oder vielleicht gerade 1-1 ausgeht, drehte Bayern nochmal auf und kam zu Chance auf Chance. Und leider auch zu zwei Toren von RoyMa (sprecht das mal aus). Gut, nicht unverdient, aber doch schade für die stark kämpfenden Celts.
Nicht wirklich getrübt, da man sich doch sehr gut verkauft hatte, ging es Richtung Bahn. Naja, mit ziemlichen Umwegen, da die Ausschilderung doch ziemlich komisch ist und man sich im Dunkeln etwas vortasten musste. Von allen sozialen Kontakten isoliert machten Flo und ich uns auf Richtung Hauptbahnhof. Zwischendurch haben wir noch versucht einen Celt zu helfen, welcher die Kneipe nicht mehr wiederfand, in der er mit Freunden verabredet war. Da er uns aber nicht glauben wollte, dass er vermutlich am Ostbahnhof gewesen war und er uns weiterhin nicht glauben wollte, dass Münchener Taxifahrer nicht jeden Pub in der Stadt kennen, war ihm leider nicht zu helfen.
Als Treffpunkt war das Cafe Schiller ausgegeben worden, welches u.a. bis 1:30 aufhaben sollte. Nur leider entpuppte sich der Laden als überfüllter, nerviger Laden mit wichtigen Türstehern. So machte sich die Mehrheit der Reisegruppe dann doch in den Weissbierkeller auf. Diese zwei Kneipen waren nebenbei auch die einzigen beiden, wo man sein Bier nicht mit irgendwelchen Animierdamen trinken sollte. Ziemlich kranke Straße insgesamt.
Gut, im Weissbierkeller zeigte Flo Qualitäten im besorgen von Bier, da er nach drei Minuten mit Bier wieder da war, während ein namentlich nicht genannter Inhaber eines ehrenamtlichen Amtes bei der AFM nach einer Viertelstunde gescheitert war. Danach wurde der Rest des Abends mit der Grupo Göttingen und netten Celts verlabert. Pauline wurde noch genötigt endlich einen Celt anzulabern, damit sie ein Trikot gegen ihres tauschen kann (hat geklappt) und es wurden einige Sachen gesehen, die man doch gerne sieht und andere Sachen, die man lieber nie gesehen hätte. Und damit meine ich nicht den Kollegen RDS schlafend ;-).
Unser Bus stand da schon schön kuschelig und es hat ca. 10 Minuten nach Abfahrt gedauert, bis ich geschlafen habe. Erstaunlich nebenbei auch: Alle Abfahrten auf der Fahrt erfolgten komplett pünktlich und nur bei der Abfahrt vom Klubheim mussten wir kurz auf ein paar Leute warten. Einschub Ende Relativ unruhig schläft man, da man insbesondere immer dann aufwacht, wenn sich die Geräuschkulisse ändert, z.B. durch einen kurzen Halt. Aber sonst war der gesamte Bus bis ca. 7:30 am Schlafen. Die Frühstückspause produzierte nicht nur wachere Gesichter, sondern auch die Überschrift, welche sich auf einem Aufkleber fand. Erst jetzt so gegen 9:00 Uhr wurden mal wieder Stimmen im Bus laut. Erstaunlich ist, dass schon die gesamte Rückfahrt keine Kassette oder CD läuft, sondern leise Radio und es auch nur eine Beschwerde gab. Ich glaube wir werden alt. Das schöne ist ja: Es ist jetzt 9:00 und in vierzig Stunden sitzen ca. die gleichen Hackfressen in einem Bus nach Chemnitz. Kann man sich richtig dran gewöhnen. (Jetzt stehen wir aber erstmal im Stau und warten was da passiert).
Tja liebe Leser, passiert ist eigentlich nix mehr und ca. 100 km vor Hamburg kann ich diesen Bericht eigentlich nur mit einem Fazit beenden. Es war wieder sehr nett und trotz aller Vorbehalte gegen München, die sich ja teilweise auch bewahrheitet haben, hat sich aus meiner Sicht auch diese Tour auf europäisches Level gelohnt.
Ein Dank gilt allen Mitfahrern, die diese Fahrt doch sehr entspannt gemacht haben. Und ein grosser Dank gilt dem Fanladen für die Organisation von Tickets, Bus und allem anderen. Natürlich hätte ich das wahrscheinlich auch alles alleine gemacht, aber so war es schon sehr angenehm den Pauschaltouristen zu mimen. Und insbesondere durch den Bus preiswerter.