Norbert regt sich auf vom 21.09.
über
Herr Ober, die Rechnung bitte...
Guten Abend, liebe Leser. Es ist Mittwoch. Der 15.10.2003. Und ihr bekommt neben einem aktuellen Bericht aus Wattenscheid und eine kleine Abrechnung…
Um halb zwölf ging es Richtung Wattenscheid. Aber halt! Waren wir diese Saison nicht schon in Wattenscheid? Ja, richtig! Aber komischerweise war das Parkstadion vor zwei Jahren noch erstligatauglich und ist jetzt nicht mal mehr drittligatauglich. Verstehe dies wer will, ich verstehe es nicht. So muss die U 23 von Schalke ihre Heimspiele im Lohrheidestadion in Wattenscheid austragen. Tja unser aller Capo meinte zu dieser Zeile, dass dies doch ganz klar sei, weil das Parkstadion eben keine Zulassung mehr habe. Okay. Ich merke: Der Capo ist eindeutig weiser als ich. Deswegen ist sie auch Capo und ich nur Schreiberling.
Der erste Versuch, dieses Spiel durchzuführen, scheiterte (zutreffendes bitte ankreuzen) an a. zuviel Regen, b. zu wenigen Profis, c. zu wenigen Bullen für Kaiserslautern, Bochum, Schalke und St. Pauli in einer Stadt, d. an irgendeiner anderen Weltverschwörung. Danke, dass man dieses erst merkte, als man die Bahntickets nicht mehr zurückgeben konnte und man 29 Euro in den Wind geschissen hatte. Was ein paar Biber aus dieser Situation machten, ist sehr lesenswert und bei denen nachzulesen (link spar ich mir jetzt). Gut, dass wenigstens die Eintrittskarten zurückgegeben werden konnten.
Tja, so machten sich nicht etwa 2.000 St. Paulianer aus ganz Deutschland auf den Weg, sondern es machten sich ca. 100 unverbesserliche mittags an einem Mittwoch auf. Tja, habe ich schon mal erzählt, dass ich gerne Beamter bin? In welchem Job sonst kann man seinem Chef eigentlich am Mittwoch erzählen, dass man nächsten Mittwoch und Donnerstag leider nicht da ist? Gut, einige andere dieser Jobs scheint es noch zu geben, denn neben den Schülern von USP ;-) war auch die arbeitende Bevölkerung gut am Start.
Start ist ein gutes Stichwort. Einen Start hatte dieses Auswärtsspiel bereits einen Tag vorher. Hatte ich mich doch mit Sa. darauf geeinigt Desperados zu trinken. Und kurz bevor ich diese abholte, fiel mir ein, dass doch auch Sp. mitfuhr. Kurz auf seinem Handy angerufen… mist, nicht da. Nochmal versucht, Mailbox vollgelabert. Kurze Zeit später kam der Rückruf. Ich: „Sp.“ Sp.: „DUUUUUURRRRRRRRSSSSSSSSSSSTTTT“ Ich: „Okay, ich bring dir auch ein paar Desperados mit“.
Aus welcher Zeit stammt eigentlich dieses Gebot, erst nach den Elbbrücken anzufangen zu trinken? Ich habe mich noch nie dran gehalten und so kreiste der erste Desparado Höhe des ADAC. Ich muss ja an dieser Stelle mal den Fanladen kritisieren. Ich mache das ja wirklich ungern, aber diesmal war das echt nicht okay. Ich bin es einfach gewöhnt, dass ich Heiko besoffen zulaber. Da kann man mir doch nicht einfach den Ralf vor die Nase setzen. Nicht, dass dieser irgendwas auch nur annähernd schlechter als Heiko gemacht hätte, aber ich bin ein sehr konservativer Mensch und kann diese kurzfristigen Änderungen nicht ab ;-) Wahrscheinlich war das nur die Rache für die chaotische Leipzig-Bestellung.
So trudelte die Fahrt vor sich hin und ich muss Moritz (Aktion Süd und Sitznachbar) bewundern. Uns nüchtern (!!!!) zu ertragen war garantiert nicht einfach. Unsere Themen drehten sich dementsprechend um Fussball, Auswärtsfahrten, Probleme, Frauen und Männer.
Was passierte noch? Auf einem Zwischenhalt konnte man mal wieder die Fressorganisation von USP bewundern, die ein Erste-Klasse-Menü gezaubert hatten. Danke, dass man ein wenig davon stibitzen konnte. Jedoch: Der USP Vorsänger B. und ich waren uns einig: Die Jungs werden mit vollgefutterten Bäuchen zu träge und singen nicht mehr richtig. Er meinte nur: „Naja, man hat den Löwen im alten Rom vorher ja auch keine Rumpsteaks gegeben.“ Richtig, sonst hätten diese zähen Christen garantiert nicht geschmeckt.
Weiter ging es Richtung Wattenscheid, aber passieren sollte auf der Hinfahrt eigentlich nix mehr. Einige blonde Damen wurden aufgrund etwas viel Alkohols anlehnungsbedürftig, aber sonst blieb es ruhig und entspannt.
Als wir dann „AufWattenscheid“ angekommen waren, mussten wir feststellen, dass wir so ziemlich die einzigen Anwesenden waren. Nur nach und nach trudelten wenigstens ein paar Vertreter der Westfraktion ein, aber insgesamt war das Stadion bis ca. 15 Minuten vor Spiel einfach nur leer. Immerhin konnte so das gute alte „Ultra Szene Poppenbüttel“ aufgehängt werden. Hatten die wahren USPler doch –wie eigentlich immer – eine 100 % Auswärtsquote zu verzeichnen. Vielen Dank nebenbei an unseren Teammanager C.H., welcher aus dem Innenraum beim aufhängen half und so eigentlich zum USPler ehrenhalber ernannt werden müsste.
Mhmm… *guckum* so leer war eine Kurve der Braun-Weissen in meiner Zeit noch nie. Was dabei jedoch immer noch verwunderlich ist: ein Zusammenrücken in einer grossen Kurve findet bei uns nicht statt. Die braun-weissen Anhänger zogen es vor, verteilt in der Kurve zu stehen. Schade eigentlich und der Stimmung nicht sehr förderlich. Gleiches galt für die kleine übrig gebliebene Tribünenfraktion, welche sich auch noch in zwei Lager aufteilte.
Wechselgesänge mit der Tribüne waren dementsprechend eher ein Echoruf ohne Echo. Aber egal. Mit einem richtig fetten Mob am Wochenende hätte das garantiert in dem sonst leeren und somit leisen Stadion geil geklappt.
Kommen wir zum Spiel oder zu „So spielt ein Aufsteiger“. Sorry Leute, aber das war eigentlich gar nix. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir das Spiel sang- und klanglos verlieren. Schalke hatte u.a.: zwei Lattentreffer, zweimal freistehend vorbei, einmal freistehend Hollerieth angebolzt. Wir hingegen hatten ca. drei Chancen und einen Elfer. Trotzdem war die Abwehr absolut überragend und insbesondere muss ich jetzt mal Matthies rausheben. Der hat am Anfang der Saison zu Recht Prügel bezogen, aber er macht wirklich von Spiel zu Spiel riesige Fortschritte nach vorne (sic! Wohin denn sonst?). Mein Papi schwärmt ja auch so für Morena und meint, dies sei ja der beste Einkauf jemals. Mag dies noch übertrieben sein, so muss man doch sagen, dass er mit der beste Spieler dieser Mannschaft ist und der Abwehr einfach unglaublichen Halt gibt. Und wer einen Bounoua (in Spielzwischenstandssms immer nur „Bo… der mit der 22“ genannt) hat, der muss sich nicht verstecken.
Tja und hätte der Schiri nicht – vollkommen ohne Grund ;-)- zwei Stunden nachspielen lassen, dann hätten wir auch nicht gezittert wie blöde und ich bräuchte jetzt nicht ein neues Herz.
Zur Stimmung: Für die Menge Leute und die lange Kurve ohne Dach eigentlich ganz passabel. Insbesondere die Zwischenstände aus der Ukraine sorgten immer wieder für laute Erheiterung. „Jara raus“ Rufe und „Uefa Cup Ade“ Gesänge haben unsere Mannschaft hoffentlich nicht zu doll verwirrt. Hach, was war dat lustig. Schalker? Ja, waren anwesend, auch wenn mir das „Menden Sieg“ Plakat direkt gefehlt hat. Angeblich sollen 1.600 Zuschauer da gewesen sein und unser Fanbeauftragter meinte auch, dies stimme. Ich bin nun kein Schätzergott (haben Sie nebenbei die Arbeit eingestellt?), aber mir kam das doch erheblich zu viel vor.
Nach dem Spiel sah man eigentlich nur vollkommen entrückte Gesichter. Veteran 1 kam vorbei und meinte nur „Ich liebe euch alle“ um beinah allen Anwesenden um den Hals zu fallen. Veteran 2 stellte fest, dass es in der neuzeitlichen Geschichte von St. Pauli noch nie drei Auswärtssiege hintereinander gegeben habe und wir feierten einfach nur den Sieg.
Die Rückfahrt war dann von Animation, Gesängen in der letzten Reihe, S. fehlendem Aufpassens, A. plötzlichem Verschwindens und wieder auftauchens und viel Alkohol geprägt. Das erste Video (Liverpool irgendwann in den Achtzigern) gefiel zwar mir, aber keinem anderen, das zweite (Men in Black 1) interessierte irgendwie niemanden mehr. Eigentlich wäre es alles fröhlich aber unberichtenswert zu Ende gegangen, wenn nicht, ja wenn nicht noch folgender Dialog stattgefunden hätte: „Was, du bist eine Frau?“ „Ja!“ „Na dann sag ich nur: Welcome to the hell of Periode“. Die Beteiligten bleiben lieber anonym.
Nachts um zwei kamen wir dann am Klubheim an, wo mir der Capo irgendwelche Plakate in die Hand drückte, die ich nur in meinen Smart schmiss. Ich mich dann von den Chaotikern verabschiedet, dann eine leichte Orientierungslosigkeit zu überwinden hatte, um dann ein Taxi zu bekommen und mit einer netten Taxifahrerin, die jedoch so übermüdet aussah, dass es mir Angst machte, zu einem warmen weichen Bett zu kommen und in süsse Träume zu verfallen.
Nachtrag: Am Morgen danach roch ich wie eine Kneipe und mein Smart wie ein ganzes Kneipenviertel. Nicht verheimlichen möchte ich meinen blauen Fleck am Gesäss, den ich mir nach einem gemeinen Foul des Capos auf der Bustreppe zuzog. Warum sonst wäre ich auf der Rückfahrt einfach so die Treppe runtergefallen? ;-)
Unser Präsident, der mir langsam nur noch auf den Senkel geht. War er doch letztens bei der Fanclubdelegiertenversammlung eingeladen. Und es nervt mich langsam, dass er in jede Rede einbauen muss, dass er homosexuell ist. Das ist sein gutes Recht, aber muss das eigentlich immer als Beweis für absolute politische Korrektness mit angeführt werden? Wie sang ein gewisser Funny von Dannen mal so schön? „Auch Lesbische, Schwarze, Behinderte können ätzend sein“ Schwule können es auch.
Das Forum: Natürlich geht mir das Forum auch auf den Sack. Aber es geht mir auch auf den Sack, wenn Leute Sachen am Forum kritisieren um dann genau das gleiche zu tun. Ich beziehe mich auf einen Artikel in der vorletzten Gazetta. Vorweg: Ich weiss, wer den geschrieben hat und ich schätze die Person, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind (wobei ich mir die darauffolgende Packungsbeilage tätowieren würde, so wahr ist sie). Nur dies Ding war aus mehreren Gründen ein Griff ins Klo. In seinem Artikel benennt der Autor zwei Leute mit Nicknamen und beschuldigt sie des Denunziantentums und anderem. Kurz: Er beleidigt sie. Nun sind diese beiden Personen zugegeben ziemlich schwierig und hier auch schon mal deutlich angegriffen worden, so finde ich es doch etwas komisch, wenn man sich darüber aufregt, dass im Forum halbanonym denunziert und beleidigt wird (richtig und muss von den Betreibern mehr beachtet werden), wenn man dann halbanonym in der Gazetta denunziert und beleidigt. Und die Ausrede: „Das haben die verdient“ ist mir ehrlich gesagt zu dünne. Denn: Wer bestimmt denn, wer was verdient hat? Ich habe dies auch nicht immer befolgt und klage mich daher selber an, aber aus meiner Sicht hat man, wenn man publizistisch tätig wird eine gewisse Sorgfaltspflicht und sollte nicht einfach nur lospöbeln. Das wird sonst schnell Machtmissbrauch. Und ein „mit gleicher Münze heimzahlen“ ist aus meiner Sicht nun wirklich nicht das richtige. Das ist nicht das, was ich mir unter „United we stand“ vorstelle. Warum ich das jetzt erst schreibe? A. weil ich seitdem keinen richtigen NRSA geschrieben habe B. weil ich erst mal ein bisschen Emotion aus diesem Thema nehmen wollte. Denn: Das Forum ist nur ein Forum und das sollten endlich die Leute begreifen, die dauernd nur dran rummeckern. Sie nehmen das Forum nämlich auch viel zu wichtig. Noch was: Ich habe bewusst hier unten eine Mailadresse und schreibe unter meinem vollen Vornamen. Wenn mir jemand schreiben will oder mich ansprechen will: Kein Durchfragen nötig.
Wenn wir schon beim Thema Internet sind: Natürlich gab es das früher nicht und früher war alles besser, aber aus meiner Sicht kommt es nicht darauf an, ob nun Internet oder nicht, sondern auf die Inhalte. Ein Fanzine wird nicht alleine dadurch besser, dass es auf Papier gedruckt ist und nicht in HTML programmiert. Oder anders gesagt: NRSA wäre genauso so schlecht oder gut, wenn ich das ganze auf Papier drucken würde. Für mich ist es nur bequemer, ohne Layout und ohne Papierkosten zu schreiben. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich bewundere Fanzines und bin über jedes Nachgetreten (ich verpflichte nebenbei jeden Leser dieser Kolumne dazu, dieses Zine im Fanladen zu erwerben und der Redaktion einen Leserbrief zu schreiben, wie grossartig dieses Zine ist), jede Gazetta und jeden Übersteiger mehr als glücklich und bewundere die Leute, die sich Wochenenden um die Ohren hauen um den Kram zu layouten. Nur, sehe ich das Internet nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Ich hoffe, dies geht allen Lesern dieser Kolumne so und sie kaufen fleissig die drei genannten Produkte.
Offtopic: Warum ich das Nachgetreten nun so rausgehoben habe: Weil die einfach das Zine mit der kleinsten Redaktion sind und einfach mal ein Sonderlob verdient haben.
Der Lokalrivale: Welcher nun wahrscheinlich seine Etatplanung endlich auf den Müll schmeissen kann. Gut, passieren wird auch dann nix, wenn er wieder Verluste macht, aber es ist schon erstaunlich, was diese mittelmässigen Fussballer an Geld verlangen. Umso erschreckender ist es, dass in dieser Mannschaft ein deutscher Nationalspieler keinen Stammplatz hat. Ich halte von Christian Rahn nicht wirklich viel, auch wenn er in der Nationalelf gut gespielt hat, aber es ist erschreckend, wie wenig gute deutsche Linksfüsse es noch gibt.
Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen, denen zu einem Weltmeistertitel zu gratulieren ist. Ein zwar nicht hochklassiges, aber immerhin sehr spannendes Finale hatte endlich mal die Einschaltquote, die dieses Team verdient. Endlich bekommen sie von Adidas auch ihr eigenes Trikot mit einem Weltmeisterstern und müssen sich nicht mehr hinter den drei Sternen der Herren verstecken. Weiter so, Mädels! Der FC St. Pauli hat nebenbei auch eine Damenmannschaft und eine Mädchenjugendmannschaft, die garantiert sich auch über mehr Zuschauer und Unterstützung freuen würden (Eat my Words, denn ich habe von denen auch noch kein Spiel gesehen).
Die Abteilung faulender Mitglieder ;-), welche einen sehr lobenswerten Service anbietet, nämlich einen Wochenendspielkalender aller Mannschaften des FC St. Pauli. Nachlesbar im Forum ;-), wo auch steht, wie man den direkt abonnieren kann. Jedoch: Was mich wundert: Spielen die glorreichen Handballdamen 2. Mannschaft eigentlich nicht schon wieder? (Capo: Bitte Aufklärung!)
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