Norbert regt sich auf vom 20.10.
über
Willst du Ärger?
Lange schon plante ich, diese Saison nochmal den Gladbacher Böckelberg zu besuchen. Warum? Ganz einfach: Aus meiner Sicht geht hier das schönste Stadion Deutschlands unter. Es ist wirklich schade, dass Gladbach den gesichtslosen Neubau einer Rettung des schönsten Stadions vorzog. Und da wir erst am Sonntag in die Messestadt Leipzig spielen mussten, bot es sich an, dieses Wochenende für eine kleine Reiserunde zu nutzen. Karten waren schnell über einen Vertreter des Gladbach Fanclubs Waterkant besorgt, diese Karten hatten jedoch nur einen klitzekleinen Fehler: Sie waren für den Bruder des Fanclub-Mitgliedes bestimmt, und der ist Bayern Fan...
Aber fangen wir vorne an: Da ich am Sonntag noch nach Leipzig musste, wollte ich nach Gladbach mit dem Auto fahren, um dann bei Hooligirl zu übernachten, um dann die USP Westfraktion einzupacken, um dann nach Leipzig zu fahren. Okay, der Haken kommt jetzt: Die Rückfahrt beinhaltete dann den kleinen Umweg über den Pott. Der besagte Waterkanter und besagter Bruder, nennen wir sie M. und D., wollten mit dem Bus des Fanclubs Waterkant fahren. Ich wollte sie kurz treffen, damit ich meine Karte einsammeln kann, damit ich dann nach Düsseldorf fahren kann, um dort mein Auto stehen zu lassen, um dann nach Gladbach mit der Bahn zu fahren.
So wollte man sich eigentlich um sieben Uhr am Hamburger Hauptbahnhof treffen. Nur leider hatten wir die Rechnung ohne die Bahn gemacht, die einen kleinen Schienenersatzverkehr einbaute, so dass die beiden nicht um sieben, sondern um halb acht am Bahnhof ankamen. Insgesamt zu sechst, übergaben sie mir im Laufschritt die Karte, um dann noch zu versuchen ihren Bus zu erreichen, der ab Stellingen fahren sollte. Ich machte mich also alleine über die Elbbrücken gen Westen auf. Nur um ca. eine halbe Stunde später wieder umzudrehen, da der Bus dann doch schon losgefahren war und ich die beiden nun mitnehmen musste. Später stellte sich heraus, dass sie den Bus um ca. 5 Minuten verpasst hatten, da ihre Fanclubkollegen auf sie gewartet hatten. Egal, da ich die AAAAAHHHH KLASSE meines Vaters hatte, konnten wir unseren Rückstand locker aufholen und kamen um ca. 13 Uhr in Gladbach an. Geparkt wurde nicht am Stadion, sondern amGladbacher Fanprojekt, welches einen eigenen Laden in der Innenstadt von Gladbach betreibt (dass dieser Fanladen heisst, war euch klar, oder?). Und ich muss euch sagen: Was für ein genialer Laden! Ca. doppelt so gross wie unser Fanladen und mit einem richtig schönen Tresen. Die Decke mit Gladbachschals vollgehangen, viele alte und neue Fotos an der Wand und in der Ecke lief ein Video von irgendeinem grossen Pokalerfolg der Gladbacher. Sowieso geil: Hinter dem Tresen hatten die tierisch viele Videokassetten, die einfach nur durchnummeriert waren. Schon was anderes, wenn man ein Verein mit Erfolgen ist ;-).
Dann gab es aber Gründe zum SMSen. Der Schweizerbär bekam erstmal eine SMS, dass im Fanprojekt ganz viele Kutten rumliefen, der Bonnerbär bekam erstmal eine SMS, dass seine Freunde von Preuszen 93 da sind. Beides muss noch ausgeführt werden: Es ist schon lustig, was so alte Vereine an Kutten haben. Wirklich noch die richtigen Old-School-Aufnäher-Kutten mit allem drum und dran. Die schönsten Exemplare konnte ich leider nicht fotografieren, aber teilweise waren die seit 20 Jahren mit Liebe gepflegt, aber nie gewaschen worden.
Preuszen 93 ist ein ultraorientierter Fanclub bei Gladbach und der Pullover mit vorne „Gladbach“ und hinten im Nacken „Deutschland“ in Fraktalschrift sagt eigentlich alles.
Irgendwann ging es dann in Richtung Stadion. Vor uns die Ultras von Bayern, die von mehreren Hundertschaften der Polizei begleitet wurden. Sah ziemlich lächerlich aus. Auch vor dem Eingang wurden die wie Blöde gefilzt. Alles ein bißchen übertrieben, bedenke man doch, dass hier nicht irgendwelche brutalen Hauer rumliefen, sondern ca. fünfzig Typen, die zum grössten Teil Jugendlichen Alters waren und die Kleidergrösse XS tragen.
Irgendwann mussten sich die beiden furchtbaren Brüder trennen, da der Gladbacher Bruderteil seine Dauerkarte entjungfern wollte. Bittere aber auch sehr schöne Geschichte, war er doch kurz vor seiner ersten Dauerkartensaison glücklicher Vater einer Tochter geworden.
D. und ich begaben sich also in Richtung unseres Blockes. Es ist immer mal wieder lustig als "neutraler" Fan durch Eingangskontrollen zu kommen. Kurzes Abtasten, "Was ist das?" "Kamera" "Okay" ohne das nachgeguckt wurde. Unsere Karten waren eigentlich für Block 31 bestimmt, da dies aber der Eckblock ist, orientierten wir uns zu Block 32, welcher direkt an den Gästeblock grenzt. Natürlich war dies kein Heimblock mehr, sondern ein Bayernmodefan Block. Sprich viele Familien und kleine Mädels mit Trikot. Warum sich an den Zaun neben mir auch ein junger Mann im klassischen Ultraoutfit lehnte und sich vor dem Spiel auch mit anderen Ultras durch den Zaun unterhielt, entzieht sich meiner Kenntnis. War dies noch eine Folge der zwischenzeitlichen Verbote der Ultragruppierungen?
Mal wieder SMS Zeit, galt es doch einer gewissen Sechzigerin zu vermelden, dass ich im Bayern Block stehe. Die Antwort "Iiiihhhgitt" lies nicht lange auf sich warten. ;-) Was ich nicht vermisse in der Dritten Liga, ist das Bundesligaentainment. Blaskapelle und Werbung (auf der Anzeigentafel ist die ganze Zeit ein Gladbachzeichen eingeblendet mit „präsentiert Stadionwerbung“ daneben. Auch irgendwie lächerlich) ohne Ende. Angenehm ist dabei, dass auf dem Böckelberg die Beschallung so leise ist, dass sie dieses langsame einsingen, welches ich so liebe, noch stattfinden kann. Erst leise, vereinzelte Gesänge, die dann kurz vor Spielbeginn in einen megalauten Wechselgesang zwischen Nordtribüne und Gegengrade/Haupttribüne mündete. Dieser zwar vom Stadionsprecher gestartet, aber auch im Spiel kam der teilweise megalaut.
Zwar füllte sich auch auf unserer Seite der Block stetig, aber ein Einsingen fand auf Bayern Seite nicht statt.
Während Gladbach keinen wirklich erkennbaren Vorsinger und Ultrablock hat, stieg mit Anpfiff der Münchener Vorsinger auf den Zaun. Passend zu Bayern München ein Beau mit halblangen lockigem Haar und einem München Manics Pullover (wäre es nicht der definitiv der komplett falsche Verein, dann würde ich diesen Pulli gut aussehend finden), in der zweiten Halbzeit dann nur mit Shirt und die Haare mit Band zurückgebunden. Hach war der Schön. ;-) Nur Stimmung verbreiten konnte er nicht wirklich, denn im Bayern Block war 90 Minuten sehr wenig bis gar nix los. Vielleicht 100 Leute unten, die Alarm machen aber sonst absolut nix! Sorry, aber da verbreitet USP bei ihren schlechten Spielen mehr Alarm.
Von der Gladbacher Seite schwappten doch ziemliche laute Gesänge rüber, wobei insbesondere der "VFL" Wechselgesang Hölle laut war.
Ach der Böckelberg, geliebt und doch gehasst, denn die Steilheit führt zwar zu einem super schönen Blick, aber auch dazu, dass es oben ziemlich eng wird, während unten doch noch viel Platz bleibt. So standen auch wir oben im Gedrängel, da der Abstieg doch sehr mühsam ist. Nervig waren nur die einzigen drei Gladbachfans, welche in unserem Bereich standen. Nicht nur, dass sie sich ziemlich unverschämt in den Block drängelten, nein sie laberten auch nur Unsinn, welcher Körperverletzungswerte erreichte als sich Laurenz Aidoe von Gladbach warm machte. Ein Typ meinte nämlich witzig zu sein, wenn er von ganz oben "Laurenz" brüllt und auf eine Reaktion des Spielers zu spekulieren. Jedem normalen Menschen wäre klar gewesen, dass der Spieler dies unmöglich hören kann in einem vollem Stadion, aber diese Flachpfeiffe meinte nur, dass der Typ ja voll cool sei und dies garantiert absichtlich mache. Das seine Sprüche teilweise auch rassistisch waren, als er meinte, der bewege sich ja voll wie im Busch (Aidoo machte gerade so tänzelnde Schritte), machte das ganze nicht einfacher. Gerade als ich mir wünschte, dass Holger Fach diese Saison wenigstens einmal was Nettes für mich macht und einen anderen Spieler einwechselt, da kam dann auch schon besagter Aidoo. Als dieser gar nichts riss, da wurden Ausflüchte gesucht. „Falsche Taktik des Trainers.“ „Der muss anders angespielt werden.“ „Zwanzig Minuten sind zu kurz“. Jede Aussage wurde dabei mit einem komischen Lachen abgeschlossen, was wohl noch mal den Witz und die Richtigkeit der Aussage unterstreichen sollte. Nur einer aus seinem Freundeskreis wurde immer stiller. Der wusste vorher alle Gladbacher Namen auswendig, während unser Freund immer fragen musste, wer den wer sei. Sprich: Diesem Freund war das ganze Gesabbel peinlich. Kurz: Wie ihr an meinem langen Aufregen merkt, hat der Typ mir die zweite Halbzeit ziemlich versaut.
Habe ich eigentlich schon was zum Spiel geschrieben? Das war nicht gerade berauschend und Bayern einfach nur schwach. Gladbach hätte gewinnen müssen, konnte aber auch beste Torchancen nicht nutzen. So blieb es beim 0-0, welches die Gladbacher mehr befriedigte. Und wie sagten zwei Bayernfans so schön: „Hier kommen wir nie wieder hin.“ (gemeint war da noch ein Gladbacher Abstieg) „Ach ja, so oder so nicht.“
Ich wahrscheinlich auch nicht mehr und daher sage ich jetzt: Tschüss Böckelberg. Ich werde meinen Enkeln - werde ich denn mal welche haben - mit glänzenden Augen erzählen, welche grossen Spiele meiner Helden ich auf deinen Traversen verfolgt habe. 1-1 mit Volkers gehaltenem Elfer in der letzten Minute. 4-2 gegen Effenberg und Co. mit Jens Scharping in Weltklasseform. 1-2 mit Blutgrätsche von Markus Ahlf gegen Ketelaer. Es kommt mir wie gestern vor, wie sich Pectoris auf dem Rückweg aufregt und meint „wenn er das schon macht, dann muss er ihm wenigstens das Schienbein kompliziert brechen.“, 2-2 mit Kullertor in der letzten Bundesligasaison an Christines Geburtstag mit späterer Rückfahrt nach Cuxhaven und ein Spiel in der Aufstiegssaison, welches ich irgendwie verdrängt habe (muss ja das mit der Polizeiaktion gewesen sein, aber es ist das einzige, an das ich nicht wirklich Erinnerung habe. Obwohl ich auch damals mit dem Auto und nüchtern da war.). Und zum Abschied nun ein trostloses 0-0. Wahrscheinlich so trostlos wie das neue gesichtslose Stadion, welches beinah in Holland steht. Mach es gut, Böckelberg!
Nach dem Spiel ging es wieder ins Fanprojekt, welches sehr politisch unkorrekt einen Premieredecoder sein eigen nennt. Politisch mehr als bedenklich ist auch ein Schal, welcher die Decke ziert. Sind auf diesem doch neben den Gladbachfarben auch die Farben schwarz-weiss-rot in einer Flagge verarbeitet. Schade, dass so ein Schal in einem Fanprojekt hängt, welches u.a. auch „Gladbachfans gegen Rassisten“ Aufkleber vertreibt.
Es galt sich dann von den mitgereisten Brüdern zu verabschieden und den nächsten Abschnitt meiner Tour einzuläuten. So fuhr ich in die zur zeitige Aufenthaltsstadt von Hooligirl und fand in ihrem Schloss (okay, wohnt da nur zur Untermiete, aber die Aussage „wir gehen jetzt mal in den anderen Flügel“ beschrieb die Dimensionen der Wohnung sehr gut) ein sehr weiches Sofa zum schlafen, jedoch nicht ohne vorher noch kurz eine Geburtstagsfeier zu besuchen, die mit netten Leuten und gutem Essen den Schlaf auf fünf Stunden reduzierte.
Lautete meine erste SMS gen Heimat am nächsten Morgen. Das diese mit einem ;-) beendet wurde, sei dabei nur am Rande erwähnt. Es ist schon erstaunlich, wie Leute teilweise morgens fit sein können. Hooligirl war es. Als sie mich weckte, sprang sie schon bester Laune durch die Wohnung. Meiner einer, musste sich erstmal orientieren und überlegen, wo er eigentlich war und warum er eigentlich schon wieder aufgestanden war, bevor die Sonne gleiches getan hatte.
Gut mit ein bißchen Verspätung und teilweise gebremst durch Nebel ging es Richtung Hagen, wo wir unsere beiden anderen Mitfahrer Behle und C. aufsammeln sollten. Hat alles ganz gut geklappt, auch wenn C. beinah mehrfach auf dem Weg zum Treffpunkt überfahren worden wäre, bzw. dies behauptete. Tja und kaum hatte ich zwei USPler im Auto begannen die auch schon gnadenlos irgendwelche Gesänge zu starten. Und natürlich nur die guten Eiergesänge. Wohlgemerkt: Es war morgens um sieben Uhr! Gut, das mit Behle ein ruhiger Gegenpool im Auto war.
Die weitere Hinfahrt ist schnell erzählt. A 2, A 14 und schon ist man da. Naja, ein bißchen wehmütig wurde mir dann schon in dem Moment, als wir am Kreuz Hannover die Ausschilderung „Hamburg 1XX km“ passierten. Da die beiden USPler wieder am singen waren, drohte ich ihnen damit, dass ich sie auf dem Rückweg hier aussetzen würde. Tja, letztendlich hat mich Behle davon abgehalten diesen Plan zu verwirklichen ;-). Die Busse wurden auch noch kurz überholt (leider bemerkten wir zu spät, dass es sich um unseren Busse handelte um die von der Bahn zu drängen. Aber immerhin der Tod hatte bemerkt, wer ihn hier überholte...
In Leipzig angekommen, versuchte man sich an der Wegbeschreibung die der Fanladen uns dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte, zum Stadion durchzukämpfen. Hat nicht so wirklich reibungslos geklappt, so dass wir an einer Tankstelle fragen mussten. Hooligirl schockte erstmal irgendeinen Opa mit dem Satz „Ey willst du Ärger?“ und der Tankwart antwortete auf die Frage, wie ich denn zu Sachsen Leipzig käme nur damit, dass dies doch Chemie hiesse. Mal so eine dumme Frage: Warum hat sich der Verein umbenannt? Und warum macht man diesen Punkt nicht einfach wieder rückgängig, wie es Dynamo Berlin gemacht hat?
Am Stadion wollte dann ein Ordner Ärger. Wollte dieser uns doch nicht auf den Parkplatz lassen, da dieser angeblich voll sei. Später stellte sich heraus, dass er noch komplett leer war und auch viele Hamburger dort noch problemlos parken durften. Sorry, aber wenn solche Lügen von Ordnern erzählt werden, dann finde ich das zum Kotzen. Gut, was will man von einer Ordnertruppe (Löwen Security), die zum grössten Teil aus irgendwelchen Typen bestand, die tierisch nach Fascho oder Türsteherszene aussahen erwarten? So musste etwas entfernt vom Stadion geparkt werden. Jedoch: Wir waren nicht die einzigen und kurze Zeit später konnte MoPri aus Berlin begrüsst werden. Da dort gar nix war, ging man also Richtung Gästeblock. Auch hier war eigentlich nix los, so dass viele Leute sich Richtung Vereinsheim aufmachten. War dies am Anfang noch problemlos möglich, wurde später der Durchgang von Ordnern blockiert und man mit der Aussage ein „Durchgehen sei nicht erwünscht“ zurückgeschickt. Sorry, aber das ist definitiv eine Straftat. Ausserhalb des Stadions darf mir so ein Ordner so etwas nicht verbieten, da er auf diesem Weg, der definitiv dem öffentlichen Verkehr gewidmet war, kein Hausrecht in dieser Art geltend machen kann. So etwas darf nur die Polizei und die war nur im Hintergrund. Okay, da ich kein Bock hatte auf Diskussionen bin ich einfach dort geblieben und habe auf meine Leute gewartet. Wäre nur mal interessant gewesen, wie der Ordner reagiert hätte, wenn ich ihm das so erklärt hätte, dann nochmal gefragt hätte ob ich durch darf und dann die Polizei gebeten hätte eine Strafanzeige aufzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich dann das Spiel gesehen hätte ;-).
Nach und nach trudelten bekannte Gesichter ein, man nutze das Klo des örtlichen Kegelvereines, der dankenswerterweise keine Einwände hatte und verlaberte so die Zeit. Der Förderhund teilte sich mit dem Tod noch ein Bier, Orsen trank heisse Zitrone (mensch, du musst dich nicht wundern, dass du dann am nächsten Tag in Sauer liegst ;-)) und ich wartete einfach nur auf Pectoris und Becks.
Irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich ging in den Block, wobei ich die Karten durch den Zaun reichen wollte. Kurz bei Martini gelabert, dann rumgelaufen, da ich des Stehens aus Nervösität nicht wirklich mächtig war. Und wen seh ich da, als er draussen vorbei ging? Meine Lieblingssüdzecke! Kurze Begrüssung durch den Zaun und das bestellte Shirt wechselte über den Zaun den Besitzer. Natürlich wurde der den Zaun bewachende Ordner mit involviert und ihm das Shirt genaustens gezeigt. Hatte Sachsen doch ausgegeben, dass alle Aufdrucke auf Rechte Parolen etc. kontrolliert werden sollten, was bei uns auch haarklein gemacht wurde. Ob die Typen mit „Leutzsch bleibt arisch“ Shirts auch kontrolliert wurden?
Naja, irgendwann waren dann alle lieben im Block und man verteilte sich auf den Stehrängen. USP und die Skins sozusagen in einem eigenen kleinen Block hinterm Tor, der Rest rechts daneben. Der USP Block hatte was von Käfig und nur Spötter würden behaupten, dass hier USP zu Recht endlich mal wie im Zoo stand.
Das Stadion an sich ist irgendwie komisch. Flache Gästekurve, die sich gerade ans Spielfeld schmiegt. Die Heimkurve steilaufragend mit einem Absatz drin. Die Gegentribüne mit einem schönen Dach und die Haupttribüne mit einem Haus und neben der sehr kleinen Tribüne noch ein fahrbares Dach, was sehr an diese Dachdinger auf Zeltplätzen erinnerte. Nicht wirklich schön, aber sehr interessant. Wirklich tolle Sicht hat man nur leider nicht aus dem flachen Gästeblock.
Meiner Einer plazierte sich mit fünf anderen supportwilligen Passanten direkt am USP Block und harrte der Dinge die da kommen mögen. Das Intro mag super ausgesehen haben und sah zumindest auf Chemie Seite super aus. Da ich von meinem Platz und mit der Schwenkfahne beschäftigt das alles aber nur flüchtig gesehen habe, wage ich nicht ein abschliessendes Urteil zu bilden.
Kurz vor dem Spiel verlas der Stadionsprecher noch einen von den Diablos (ohne o hinter dem b, wobei das nicht nur mir fehlte...) und Roter Stern Leipzig (hier ist dann der Fanclub von Chemie gemeint...) verfasste Erklärung, welche in sehr deutlichen Worten Rassismus und Faschismus ablehnte. Schön, dass ein Stadionsprecher mal so eine deutliche Erklärung verliest, noch schöner, dass er sie mit den Worten „gute Sache das“ beendete. Schade, dass der Verein anscheinend selber noch Arbeit zu tun hat (siehe Ordnungsdienst). Lobenswert, dass auch während des Spieles rassistische Sprüche vom Stadionsprecher deutlich angesprochen wurden und deutlich gemacht wurde, dass man so etwas nicht haben möchte.
Zum Spiel: Es gibt eine alte Regel: Lobe nie einen Spieler, der gerade spielt, er wird Murks machen. Hallo Morena ;-) Gerade als ich dem Pauligucker sagte, dass ich Morena aufgrund seiner Spielweise so mag, fing er auch schon an Scheiss zu machen, welcher in seinem Fehler vor dem 1-0 mündete.
Hatte man das Spiel schon verloren, als Henry (so stand es auf seinem Trikot, dazu noch bunte Schuhe und er hatte Jens davon überzeugt, dass das nix wird (mich nebenbei auch)) zweimal zum 1-1 einschob. Einmal mit, einmal ohne Abseits. Grosser Jubel, ich hatte schon das „So spielt ein Aufsteiger“ auf den Lippen, als im Gegenzug leider kein St. Paulianer verteidigen wollte und es wieder zu so einer Situation kam, wo man schon weiss dass es schief geht, wenn die Flanke nach innen kommt. So auch hier. Völlig freistehend musste der Chemiker nur noch einschieben. Und tschüss.
Gefallen hat mir die Reaktion von Guenesch. Gerade neu im Verein, setzte er sich an die Bande und ärgerte sich still vor sich hin. Hier will ein Spieler was reissen und zuckt nicht einfach nur mit den Schultern.
Die Stimmung im St. Pauli Block war ziemlich mau. So richtig wollte die Mehrheit nicht singen. Von USP ging zwar viel aus, aber bereits auf unserer Höhe sangen vielleicht noch 10 Leute mit und wir standen direkt am USP Block. Schade eigentlich, denn vollkommen ungeeignet für Stimmung war der Block mit seiner Enge eigentlich nicht. Gut, das Spiel unserer Truppe spornte nicht wirklich zum Support an.
Den Support von Chemie war aber auch nicht wirklich doll. Selbst nach dem Tor war nur kurz Alarm.
Nach dem Spiel sammelten wir uns kurz um dann zu unseren Autos zu gehen. Zwar stand da auch Potential für die Dritte Halbzeit rum, aber die interessierten sich für uns überhaupt nicht. Wahrscheinlich auch deswegen, weil sie doch eng von der Polizei gedeckt wurden.
Nach einem kleinen Umweg waren wir auf der Autobahn und begannen die Rückfahrt. Die Stimmung hob sich erst ab 17:30 und den Zwischenergebnissen des Lokalrivalen. So bot sich den Zeugen auf einer Raststätte irgendwo in Niedersachsen folgendes Bild: Vier erwachsene Menschen springen um ein Auto rum, freuen sich und rufen abwechselnd „Jara raus“ und „Wir haben die Schnauze voll“ um dann wieder lachend zusammenzubrechen. Entschuldigen muss ich mich bei dem alten Ehepaar aus Basel, da wir doch uns sehr freuten die Bande Basel zu treffen und ihnen (in nahezu perfekten Schwitzerdeutsch) ein „Ey, wollt ihr Ärger?“ zuwarfen. Sorry, aber wir hatten unseren Spass.
Damit endet aber dieser Bericht. Kurz noch die drei abgeliefert und meinen kleinen Umweg ins Bett um zwei Uhr beendet. Und ich habe heute gearbeitet, wenn auch nur sechs Stunden. Ich habe mich zu bedanken. Zuerst bei Hooligirl, die nicht nur ein bequemes Sofa, sondern auch ein lecker Frühstück zur Verfügung stellte. Dann noch bei den beiden anderen Mitfahrern. Hat Spass gemacht.
Schön die Nachbetrachtung heute in den Hamburger Zeitungen. Den Vogel schoss - mal wieder - die MoPo ab. Bild von Hanke „kämpfte 90 min vergeblich“ (oder so ähnlich). Guter Spruch, wenn man daneben veröffentlicht, dass er nach ca. 70 min ausgewechselt