Norbert regt sich auf vom 10.11.

 

über

Das war ein Klassenunterschied...

Liebe Leser, ich befinde mich gerade auf dem Weg in die Festung der Finsternis um die -hoffentlich- tapferen Sechziger zu sehen. Damit sehe ich in meinem Leben das zweite Spiel des Lokalrivalen ohne das meine Helden dort antreten müssen. Das erste war 1987 oder 1988 gegen Blau Weiss Berlin(2-1, Ernst Happel war Trainer, der Lokalrivale wurde Vizemeister und wir hofften auf einen Sieg von Blau Weiss um nicht gegen Homburg in der Relegation antreten zu müssen). Aber verlassen wir dieses Thema zu dem die Freibeuterin ein FRSA verfassen darf, soll oder muss (je nach Standpunkt) und widmen uns der freitäglichen Darbietung. Warum ich ganz bewusst kein Wort von Fussball schreibe sollte jedem klar sein. Dabei hatte der Tag so ruhig und entspannt angefangen. Ich und meine Herzensdame schliefen aus (Urlaub allez), genossen ein Mahl beim Chinesen und fielen um 15:30 ganz entspannt in der Hochburg des Sozialarbeitertum ein.

Habt ihr schonmal eine Choreo vorbereitet? Warum dies neben harter Arbeit auch verflucht viel Spass sein kann, konnte der geneigte Beobachter heute bei USP mitbekommen, lief doch Herr C. "ich will meine Fresse nicht im Internet sehen" zu Höchstform auf und redete sich unter seiner Wollmütze heiss. Seine Beschimpfungen der anderen USPler waren einfach Gold wert. Kostproben verbietet mein Anstand.

Irgendwann füllte sich der Laden und spätestens als ein paar Gesellen mit Lokalrivalenfähnchen in ihrer Currywurst erschienen, wusste man, dass es heute ein besonderer Abend wird. Kurz noch die schiefste Folie jemals für eine Pro Fans Bande geklebt, um sich dann auf den Weg ins Stadion zu machen. Es kam anders, denn kurze Zeit später fand man sich dann im Jolly zum Antrinken wieder. Ich hatte mich ja noch gesträubt, da dies das letzte mal richtig übel endete, erlag dann aber letztendlich doch dem Charme von Pieper und Cider.

Einmal noch warme Luft einatmen und ab zum Stadion. Kurz die üblichen Rituale gepflegt und ins Stadion. Da konnte ich noch einen letzten Blick auf meinen Schal werfen, den ich später beim Fahne schwenken verlor. Falls jemand ehrlicher Finder eines grün-weiss-orangen Schals mit "Come on the hoops" Aufdruck ist, kann er sich gerne bei mir melden.

Fahne war ein gutes Stichwort. Gab es doch zum Intro unzählige kleine weisse Fahnen mit einem roten Stern in der Mitte. Ohne viel tiefgründigen Sinn, aber allemal sehr gut anzusehen. Nur meiner Einer hatte heute bei der Ziehung der Schwenkfahnen die Arschkarte gezogen, erhielt ich doch die schwerste von allen. Und da ich mit Winterjacke und dickem Pullover bekleidet war, war erstmal schwitzen angesagt. Richtig schwitzen. Danke an Kopfschuss und Umfeld für die Anfeuerung ;-).

Zurück in Block 1 wurde mir die gesamte erste Halbzeit nicht wirklich kälter, da heute trotz des mehr als enttäuschenden Spieles eigentlich ein ziemlich guter Support herrschte. Jetzt ist diese Empfinden immer sehr subjektiv, aber wenn man vor Falko steht, dann hat man immer das Gefühl hinter einem zieht ein grosser Mob mit ;-). Insbesondere der „We love St. Pauli; Fabulous St. Pauli“ Gesang kam zweimal ausdauernd und ziemlich laut. Und wenn sich jetzt nebenbei Leute über die „hate Volkspark bastard“ und „beat fuckin xy“ Zeile aufregen, dann ist es ihr gutes Recht und man kann es nun wirklich nicht jedem Recht machen, nur vermisse ich diesen Aufschrei bei Liedern wie „Can you hear xy sing“ oder „Scheiss HSV“ die insbesondere auch in der Gegengrade sehr viele Anhänger haben. Wie schon gesagt: Als Geschmackskritik vollkommen okay, als Kritik wo mitschwingt „Was singt ihr da oben für Scheiss“ mit einem bitteren Beigeschmack.

Zum Spiel: LANGWEILIG! Eine SMS von mir, die während des Spieles geschrieben wurde, fasst es zusammen: „Das ist ein Klassenunterschied…“ und ganz ehrlich: Wenn Mölzl (oder wie der sich auch immer richtig schreibt…) den Fairplaygedanken kennen würde, dann hätte er den Elfer absichtlich zur U-Bahn Feldstraße gejagt. So ein Ding kann man einfach nicht in dieser Situation als Elfer pfeiffen. Und da ist es mir vollkommen egal, ob wir vielleicht irgendwann einen Punkt mehr gebraucht hätten zum Aufstieg. Falls sich immer noch jemand wundert, warum ich Robby Fowler als Lieblingsspieler angebe: Der hat so etwas schon mal gemacht und einen Elfer absichtlich verschossen…

Zu einzelnen Spielern muss ich nix schreiben, da einfach ALLE schlecht waren. Alle Feldspieler muss man sagen. Hollerieth erreichte gute Normalform und rettete noch zwei drei Bälle.

Wie im letzten NRSA geschrieben: Damit ist die Saison gelaufen und fertig ist der Lack. Gucken wir uns den Rest der Saison entspannt an.

Die Auslosung im Fanladen wurde locker geknickt (ist ja sowieso nix bei rumgekommen) und der Abend klang bei Newcastle Brown Ale in unserer Stammkneipe aus. Dabei wurden noch so Aussagen wie „Schatz, rede mit mir im Bett“ getroffen, die ich aber aus Persönlichkeitsrecht der Betroffenen nicht vertiefen will. Um 0:30 hatte mich mein Bett in die Arme geschlossen…

Der nächste Schritt im St. Pauli Krieg

Diesmal ein Artikel in der TAZ, welcher sehr gegen Littmann und Fechner schiesst. Ich möchte ehrlich gesagt die Fakten nicht diskutieren, finde es aber schade, dass anscheinend bei unserem Verein eine direkte Kommunikation weiterhin nicht möglich ist, sondern jede Interessengruppe irgendwann die Presse als Sprachrohr nutzt. Ich denke dies ist absolut nicht förderlich und bringt uns nicht wirklich weiter. Schade auch, dass die Presse dies immer wieder in reisserischen Stories verarbeitet, anstatt sich da mal rauszunehmen. Und da ist die TAZ nicht besser als die Blöd oder die MoPo. Ob die Fakten nun stimmen, kann ich nicht nachprüfen und will ich deswegen auch nicht wirklich kommentieren. Schlechte Stimmung wäre mehr als verständlich, in welcher Firma würde das nicht herrschen, wenn Personal und Gehalt gekürzt würde, aber die Arbeit im Endeffekt mehr wird.

Andere Zeitungen zerreissen dafür unseren Etat, der ja wohl mit der extrem heissen Nadel gestrickt wurde. Auch nächstes Jahr soll ein Etat nicht darstellbar sein. Mich würde immer noch interessieren, wo wirklich das Geld bleibt. Und wie bitte machen Mannschaften wie Oberhausen in der zweiten Liga oder Paderborn, Kiel oder Essen das in der dritten Liga? Woher bekommen die mehr Geld? Ist das einfach Glück? Sind es Sponsoren, die man in Hamburg aufgrund der Konkurrenz nicht bekommt? Oder ist es einfach besseres Management? Was mich ehrlich gesagt schockiert hat, ist der Fakt, dass wir bei einem ausverkauften Millerntor nur 190.000 Euro Einnahmen haben (so stand es nach dem Spiel gegen Lübeck in der Zeitung). D.h. pro verkaufter Karte unter 10 Euro! Wenn man bedenkt, dass ein „normaler“ Gegengradestehplatz für dieses Spiel 10 Euro gekostet hat, dann kann man nur zu einem Schluss kommen: Wir ermässigen uns zu Tode. Es ist wirklich löblich, dass wir eine unbegrenzte Anzahl von ermässigten Karten verkaufen, aber aus wirtschaftlicher Sicht ist es – wenn man diesen Zahlen glauben will - unser Untergang. Wir werden in nächster Zeit eine üble Diskussion darüber führen müssen, wie viel sozialen Anstand sich das Wirtschaftsunternehmen FC St. Pauli leisten kann. Und die wird extrem schmerzhaft.

Schluss

Das wars für diese Woche. Kontakt wie immer über die unten angegebene Mailadresse…