Norbert regt sich auf vom 17.11.

 

über

Gerber raus, Präsidium raus, alle raus oder „Des isch` net mehr mei` Bauli“

Alles klar?

Guten Abend liebe Leser, da besucht man an einem Wochenende drei Spiele und hat am Ende nicht wirklich Bock über eines dieser Spiele zu schreiben.

Nur soviel zu den beiden von wenigen St. Paulianern besuchten Spielen. Lübeck gegen Burghausen war ein sehr nett anzusehendes Spiel mit vier schönen Toren, wir sind im Block sehr nett aufgenommen worden, auch wenn Sprache und Mentalität teilweise so weit auseinander sind wie die beiden Städte. Wenn ich jedoch schon wieder die Diskussionen um irgendwelche Fanfreundschaften lese, höre bzw. verfolge, dann kann ich nur wieder meinen alten Spruch über St. Paulifans aufsagen: „Man ist so lange tolerant, so lange alle anderen die gleiche Meinung haben.“ Mensch, ist doch vollkommen egal, ob man das nun Fanfreundschaft oder nicht nennt. Wir sind damals nett aufgenommen worden und ich persönlich bin schlichtweg der Meinung, dass man sich dann auch mal revanchieren kann. Das ist teilweise beim Hamburg-Besuch geschehen und ist jetzt eben fortgeführt worden. Das dies gleichzeitig eine super nette Fahrt mit 16 sehr lustigen Businsassen war, sei auch nebenbei erwähnt. Insbesondere das vollkommen übertriebene Polizeiaufgebot um uns 16 zu bewachen sowie die Fragen ob das Geweih nun steht oder nicht sorgten für stundenlange Belustigung. Seht euch einfach die Bilder an, wenn ich sie denn mal online stelle.

Auch unsere Amateure am Sonntag waren eine Quelle von Flachs. Dass ich hier dauernd das Opfer war, sei hier mal mitleidheischend erwähnt. Insbesondere die Benennung eines Harburger Vogels brachte Gesänge wie „Norbert, tschiep doch mal“ zu Tage. Tja und nachdem ich dann auch noch das „Aux Armes“ verkackt hatte, waren alle eigentlich zufrieden. Nur der ärmste Mathes nicht, der durch eine Kombination von falscher Wegbeschreibung, kaputten Handy und unglücklichen Umständen zwei Stunden durch Billstedt irrte. Naja, immerhin tauchte er wieder auf und konnte glücklich gen Heimat fahren.

Und nun geht es los.

These eins: Gerber ist ein Fussballfachmann. Mhmm... ich weiss nicht. Ehrlich gesagt kann ich seine Kompetenz im Fussball nicht vollständig beurteilen. Ich kann nur erkennen, wie sich die Mannschaft entwickelt und wie sie die Handschrift des Trainers trägt. Und da erkenn ich solides Mittelmaß, aber einen Übertrainer, welcher eine Mannschaft formt und auch mit einer Mannschaft die nicht 100 % super toll besetzt ist, was reisst, erkenne ich nicht. Nehmen wir im Gegenbeispiel doch mal Trainer wie Hans Meyer. Kein toller Trainer, aber immerhin haben seine Mannschaften eine ganz klare Handschrift, nämlich Offensivfussball mit drei Stürmern. Oder nehmen wir Neururer. Nicht nur, dass er öffentlich lange über taktische Fragen diskutieren kann, nein, seine Truppen haben auch eine Handschrift (nicht, dass ich ihn als Trainer für St. Pauli haben möchte, aber das hat andere Gründe). All dieses sehe ich bei Gerber nicht. Seine Truppe hat keine Handschrift, seine Truppe hat kein festes System (gegen Braunschweig spielt der Libero plötzlich de facto Manndeckung in einer verkappten Viererkette...) und seine Interviews drehen sich eigentlich immer nur darum, dass nicht er an einer vermeintlichen Niederlage Schuld hat, sondern die äusseren Umstände. Nie hört man von ihm Sätze wie „wir hatten uns hier das und das vorgenommen...“ oder „die gewünschte Taktik ist nicht aufgegangen“. Nein, Schuld hat immer die starke Belastung, das Verletzungspech oder die Qualität der Mannschaft. Letzteres liegt dabei natürlich nie an ihm, sondern am fehlenden Geld etc.

Kommen wir zum positiven: Die Mannschaft kämpft bis zum Umfallen. Das muss man auch Gerber zusprechen und relativiert teilweise die oben genannte Kritik.

These zwei: Die Querelen entstehen durch das unfähige Präsidum. Ich will nicht die Qualitäten unseres jetzigen Präsidiums in Schutz nehmen, denn dass dieses zumindest eine grosse Mitschuld an den finanziellen Unzulänglichkeiten des Vereines trägt, wird gleich noch Thema sein. Aber: Bei Gerber sind Querelen im Verein Programm. Dies war bereits in Hannover so und auch bei seinen ganzen Stationen in der Niedersächsischen Provinz. Und das Bild war immer das gleiche: Gerber der Fussballfachmann, der weder für die finanzielle Situation noch für den sportlichen Misserfolg was konnte. Erinnert ihr euch an seine Zeit bei Hannover? Da kamen Verträge zu Tage, die er als Manager (mit Wissen des Präsidiums wohl) abgeschlossen hatte, die weit über den Etatmöglichkeiten lagen. Am Ende war Hannover pleite und schaffte den Aufstieg erst, als Gerber entlassen war. Witzigerweise versuchte er noch die Blumen dafür zu ernten, weil dies ja die Mannschaft sei, die er geformt hatte. Naja.

Auch immer das gleiche Muster hat das Verhältnis zur Presse. Hier in Hamburg wundert man sich, warum ein Sportmanager, der gerade eingestellt ist, sich mit ALLEN Reportern der Springerpresse duzt und sich extrem über private Dinge mit denen unterhält. Das machte den Eindruck einer dicken Männerfreundschaft. Und dieser Eindruck hat sich bis heute nicht geändert. Kein Wunder, dass Gerber im Endeffekt Artikel bekommt, die ihn hofieren. Im Gegenzug ist wahrscheinlich er die Person, die alles Interne an die Blöd ausplaudert. So wie früher die Spieler Wehlmann oder Marin, die noch heute, wo eigentlich keiner mehr was von ihnen wissen will, zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit von der Blöd gehypt werden. Hat eigentlich schon einer von euch mal darüber nachgedacht, dass hier vielleicht die eine Hand die andere wäscht und genau deswegen die Querelen passieren?

Ich weiss, don't kill the messenger, aber teilweise sind das nun wirklich selbst geschaffene Situationen, die Gerber da schafft. Da bekommt er ein Angebot aus Regensburg und anstatt einfach nach Regensburg zu gehen (die - wenn er denn da der angebliche Wunschtrainer gewesen wäre - garantiert 100.000 Ablöse für ihn und Gibbs gezahlt hätten, da die Summe einfach lächerlich wenig ist...), macht er eine öffentliche Show draus, die mit seinem oberpeinlichen Auftritt beim Braunschweig Spiel endet. Natürlich ist es von Littmann peinlich sich erstmal in der Öffentlichkeit zitieren zu lassen, dass Gerber sofort die Freigabe erhält um dann einen Tag später Ablöse zu verlangen, aber a. ist die Ablöse an sich nicht verwerflich und b. eben nicht so hoch gewesen, dass sie Gerber nun Steine in den Weg werfen würde. Letztendlich stellt sich die Frage, ob Gerber wirklich zu Regensburg wollte oder ob er nur ne gute Show abgezogen hat.

Nochwas: Den einzigen Fussballfachmann? Ich persönlich finde das eine Frechheit, die - wäre Gerber wirklich ein Teamplayer und jemand dem es um den Verein geht - von Gerber selbst richtig gestellt werden müsste. Denn Leuten wie Andreas Bergmann, Dirk Zander oder Jürgen Gronau ihr Fachwissen abzusprechen tritt die extrem erfolgreiche Jugendarbeit unseres Vereines mit Füssen. Wenn ich Leute wie Hinzmann (Samstag für mich neben Mölzl der beste Feldspieler auf dem Platz) sehe, dann freu ich mich immer wieder, dass unsere Jugendabteilung trotz aller Widrigkeiten so klasse funktioniert. Das heisst aber auch, dass die Verantwortlichen Fachwissen haben müssen und vor solche Leute sollte sich Gerber mal stellen, sie aus der Schusslinie nehmen und sie vielleicht auch mal für ihre Arbeit loben. Fussballfachleute im Präsidium? Gibt es definitiv nicht!Wäre dann nicht schlimm, wenn das Präsidium seinen Arbeitsbereich sauber bearbeiten würde. Ich sag es mal so: Finanzen, Repräsentation und Gesamtverein in Ordnung bringen und Ruhe reinbringen und der sportlichen Leitung einen gesicherten (wenn auch kleinen Etat) zur Verfügung stellen. Das ist das, was ich von einem Präsidium erwarte. Die sollen nicht Talente erkennen können oder die Mannschaft aufstellen, dafür hat man Leute. Das beinhaltet aber auch, dass sich das Präsidium aus den sportlichen Belangen raushält. Und auch nicht unsinnige Saisonziele wie „sofortigen Wiederaufstieg“ ausgibt. Dieses Saisonziel war mit dem Etat, der bei uns durch wahre Einnahmen möglich gewesen wäre, nicht wirklich zu schaffen und es wäre gut gewesen, wenn man dies direkt gesagt hätte. Dann hätten die Fans gewusst, ob sie sich eine Dauerkarte kaufen und dann hätte auch Gerber sagen müssen, ob ihm das reicht oder nicht. Und wenn es ihm nicht reicht, dann hätte er seinen Hut nehmen müssen, anstatt mehr Geld zu fordern.

Kommen wir zur Vertragssituation. Da lässt Gerber sich öffentlich sinngemäss wie folgt zitieren: „es ist egal was mit meinem Vertrag passiert, die Mannschaft ist wichtiger“ und jede Presse in Hamburg stellt Gerber als selbstlosen Helden hin und erwähnt nur kurz, dass er sowieso einen Anschlussvertrag als Sportmanager hat. Dieser ist nebenbei dem Vernehmen nach ungefähr doppelt so hoch dotiert wie sein Trainervertrag (so zumindest irgendeine Zeitung mal). In dieser Sitiuation hätte ich auch sehr viel Zeit, was eine Vertragsverlängerung als Trainer angeht. Und insbesondere kann er sich in dieser Situation noch am Ende der Saison hinstellen und sagen: „ich hätte ja weitergemacht, aber das Gehalt war nicht akzeptabel“. Diese Haltung ist aus meiner Sicht zumindest fragwürdig. Die andere paradoxe Situation wäre, dass wir nächste Saison Gerber als Sportmanager (eine Position, die wir nicht brauchen...) haben und keinen Trainer.

Jetzt hab ich den Faden verloren....#überleg# Und das schlimmste ist: Die ach so kritischen St. Paulifans machen das noch mit und glauben der verhassten Bild und MoPo aufs Wort. Selbst unsere sonst so kritischen und eigentlich auch sehr auf eigene Meinung bedachten Ultras feiern Gerber ab. In den Kieler Nachrichten (Fachblatt für unseren Verein...) war davon die Rede, dass es ein Plakat gegeben hätte „Gerber bleibt oder wir gehen zum ...“ sollte dies stimmen, so fordere ich die Macher dieses Plakates auf, diesen Schritt bitte jetzt schon zu vollziehen und dort dann „Toppmöller raus“ zu brüllen. Wenn man solche Fans hat, dann braucht man keine Feinde. Loyalität zu einem Verein sollte nicht von Personen abhängen. Gerade beim FC St. Pauli von 1910 e.V.

Kurz und abschliessend: Gerber ist Teil des Problems. Erst wenn er weg ist, tritt bei unserem Verein endlich das ein, was er dringend braucht: Ruhe! So und nun steinigt mich. Denn ich weiss, dass ich mit dieser Meinung nahezu alleine stehe. Aber was vielleicht deutlich werden sollte: Mir geht es weniger um die Qualitäten von Gerber als „Fussballfachmann“, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie er einen Verein durcheinander bringt. Ähnlich wie bei Uli Maslo (sportlich immer noch der beste Trainer, den wir hatten, wenn man mal vom letzten halben Jahr absieht...), wird mich sportlicher Erfolg alleine auch nicht beruhigen. Ganz mal davon ab, dass ich bezweifele, dass sich dieser einstellt.

Kommen wir zum Präsidium: Ja, klar, Koch war an allem Schuld. Wie eigentlich immer. Neue Präsidien neigen dazu immer dem vorhergehenden Präsidenten die Schuld zu geben. Und teilweise mag dies auch so sein. Was hat denn eigentlich den zwei-Millionen-Verlust letztes Jahr gebracht? Man beachte: Ein Jahr für das die jetzige Mannschaft schon mitverantwortlich war. Zum einen eine Abschreibung auf die Stadionbetriebsgesellschaft, die mit einem irrsinnigen Wert in den Bilanzen geführt wurde, der aufgrund der angeblichen Werthaltigkeit des Stadionmodelles von Weisener berechnet wurde. Hier endlich eine Abschreibung auf Null vorzunehmen ist vollkommen richtig, auch wenn die mal eben eine Million Euro kostet. Denn: Das Modell war von Anfang an nix wert und wird auch nie irgendwas wert werden. Damit ist auch endlich eine der letzten Altlasten aus der Weisener-Ära getilgt. „Schuld“ daran würde ich aber weder Koch noch Littmann geben. Die Schuld dafür ist in einer Präsidenten-Ära zu suchen, die glücklicherweise weit hinter uns liegt.

Der zweite teure Posten sind aber wohl doch Spielergehälter gewesen. Und die sind auch in der Winterpause und in der Rückrunde entstanden und die hat Littmann ganz alleine zu verantworten. Ebenso den Fakt, dass auch der neue Etat nicht gedeckt ist. Und wenn man dann in den Zeitungen liest, dass der befreundete Anwalt des Präsidenten für uns tätig ist und das Architektenbüro, welches auch für das Schmidts tätig ist, dann kann man einfach nur sagen: „Vetternwirtschaft, ick hör dir trapsen“. Das mag alles mit rechten Dingen zugehen und es mag auch alles super korrekt sein, aber wenn ich weiss, dass sich mein Anwaltetat erheblich erhöhen wird (die angeblichen 160.000 Euro möchten viele Anwälte gerne überhaupt mal verdienen), dann schieb ich den doch nicht irgend jemanden zu, der mit mir befreundet ist. Alleine schon um den Anschein von Unregelmässigkeiten zu entkräften. In einem solchen Fall lass ich mich von irgendeiner renommierten Hamburger Kanzlei vertreten und alles ist gut.

Da passt es auch ins Bild, dass der Nascimento-Transfer nicht vom Aufsichtsrat genehmigt sein soll. Man darf nicht vergessen: Ohne diesen Spieler (und es handelt sich um einen von über 20 die wir haben) wäre der Etat locker im Rahmen. Erst sollten Hamburger Geschäftsleute ihn finanzieren, dann plötzlich doch der Etat. Alleine diese Lüge gepaart mit der fehlenden Genehmigung des Aufsichtsrates sollte eigentlich für einen Rücktritt der Verantwortlichen reichen.

Was ich anderseits eine Sauerei finde ist, wie im Privatleben von Aufsichtsrat Münster von der Blöd rumgekramt wird. Ich will nicht wissen, ob er gesundheitliche Probleme hat und ich finde es eine Frechheit jetzt angebliche berufliche und private Probleme hervorzukramen. Hallo? Das ist ein Ehrenamt! Herr Münster wird für seine Tätigkeit nicht bezahlt und sollte daher auch mit „Ehre“ behandelt werden. Ihn mit Schmutz zu bewerfen, insbesondere, da es sich auch nicht wirklich um eine Person des öffentlichen Lebens handelt, finde ich absolut daneben. Kritik daran, dass er den Haushaltsausschuss bei St. Pauli leitet und daher natürlich für den erneut überzogenen Etat mitverantwortlich ist, lass ich gelten. Aber diese Kritik noch mit einem Kübel von Unterstellungen zu seinem Privatleben (alle natürlich nur angedeutet, damit auch viel Raum für Spekulationen bleibt) zu würzen ist einfach schlimm und unterste Schublade. Gleiches gilt nebenbei auch für viele Vorwürfe gegen Frank Fechner. Ich finde es auch etwas albern, wenn Sportreporter versuchen wirtschaftliche Kompetenz von Leuten zu beurteilen. Ja, diese Frechheit nehme ich mir auch raus. Jedoch ist Wirtschaft mein täglicher Beruf.

Zwar ist eine Entlastung nur noch eine alberne Formalie, die eigentlich keine Auswirkung mehr hat, aber alleine als Zeichen des Protestes sollte man sowohl dem alten, wie auch dem neuen Präsidium am 5.12. die Entlastung nicht erteilen. Leider - und das ist befürchte ich das grösste Problem - wird auch der nächste Präsident nicht besser werden, denn wenn man die Gerüchteküche hört, wie gewisse Familienclans mobilisieren um wieder einen der Ihrigen an die Macht zu bekommen, dann schlackert man mit den Ohren... Nur ein Wirtschaftsfachmann, der den Verein ruhig und kompetent führt, diesen werden wir auch in den nächsten 20 Jahren nicht bekommen.

und dann war da noch...

mein Bürgerrecht, welches ich immer wieder abgebe, wenn ich Fussballfan bin. Jetzt wird das Spiel in Münster aus diffusen Sicherheitsbedenken kurzfristig abgesagt. Nicht nur, dass damit Buchungen für Hotels, die gerade dieser Fanclub mehrfach getätigt hatte hinfällig sind, nein es gibt auch keine sinnvolle Begründung für die kurzfristige Absage. Irgendeine „Grossveranstaltung“ muss von der Polizei begleitet werden. Mal ehrlich: Zum einen fallen die nicht wirklich vom Himmel und zum anderen handelt es sich um ein Spiel ohne grosse Sicherheitsrisiken. Beide Fangruppen kennen sich nicht und das Spiel zieht eigentlich kein Randalepotential. Sorry, aber das ganze kommt einem so übertrieben vor wie die Begleitung in Lübeck. Man hat immer mehr das Gefühl, dass die Polizei bei allen Sicherheitsbedenken vollkommen übertreibt, damit ja nicht die lukrativen Posten bei der „Fanpolizei“ wegfallen. Ich weiss aus eigener Anschauung, wie lukrativ Dienstreisen für Beamte sind. Und die können jeden Besuch bei einem Fussballspiel als Dienst mit Abwesenheitspauschale geltend machen. Da würde ich auch irgendwelche Bedrohungssituationen schaffen, damit ich nix anderes machen muss. Insbesondere, da ich wahrscheinlich auch sehr wenig Schichtdienst fahren muss. Es ärgert mich nur masslos, dass die Polizei in diesem Land einfach Fussballspiele verlegen kann, wenn sie selber aus Unzulänglichkeiten nicht in der Lage ist vernünftig Dienst zu schieben. Dadurch werde ich in meinem Freizeitvergnügen und damit auch in meiner Erholung extrem gestört.

In Richtung Polizeistaat geht auch die Durchsuchung beim FSK (für auswärtige: Das ist ein unkommerzieller Radiosender in Hamburg, welcher sich insbesondere durch eine Verankerung in der linken Szene und eine sehr kritische Berichterstattung auszeichnet), da wird das Sendegebäude gestürmt und durchsucht, weil ein Band gesucht wird, weil angeblich das „vertraulich gesprochene Wort“ veröffentlicht wurde (das ist eine Straftat, aber nicht gerade eine sehr schwere) und nun der Verantwortliche gesucht wird. Der Gag dabei ist, dass alle Radiosender in Hamburg verpflichtet sind Aufzeichnungen von ihren Sendungen zu machen und diese an die strafverfolgenden Stellen auszuhändigen, wenn die einen freundlichen Brief schreiben. Kurz: Die ganze Hausdurchsuchung war vollkommen überflüssig. Hinzu kommt noch, dass nicht „das FSK“ beschuldigt ist, sondern ein namentlich der Staatsanwaltschaft bekannter Mitarbeiter. Ist die Durchsuchung von Presseräumen alleine schon ein Skandal, da die Presse in einer Demokratie zu Recht einen absoluten Schutz geniesst, so wird es zu einem riesigen Skandal, wenn man bedenkt, welche Straftat im Raum stand und dass die Räume eines Dritten durchsucht wurden.

Richtig bitter finde ich, dass dieser Skandal keine andere Presse in Hamburg interessiert. Sind doch nur die „linken Chaoten“. Das erinnert für mich bedenklich an den Satz mit „Als die Nazis den und den holten...“ (wobei das jetzt bitte kein Vergleich mit Nazimethoden sein soll!). Stillhalten solange es keinen aus meinem politischen Spektrum trifft finde ich mehr als gefährlich. Denn wenn es denn einen trifft, dann kann es vielleicht schon zu spät sein und die Presse ist ein ähnlicher Einheitsbrei wie in Italien, wo die Rechte von kritischen Journalisten mit Füssen getreten wird. Und das in einer westlich orientierten Demokratie.

Um es auch mal gleich klarzustellen: Die politische Meinung, die FSK grosstenteils vertritt ist nun definitiv nicht meine. Das ist mir alles viel zu links und erinnert mich viel zu doll an diese „Floralinken“ (oh Gott, Klau_s erschlägt mich, wenn er das liest), aber: Genauso wie die Frankfurter Allgemeine Teil einer lebenden und guten Presselandschaft ist, ist auch das FSK Teil einer guten und alle gesellschaftlichen Meinungen abbildenden Presselandschaft.

Der FC 42 hat sich zumindest entschlossen eine kleine Anerkenntnisspende zu tätigen und ich kann nur alle Leser auffordern entweder zu spenden oder Fördermitglied bei FSK zu werden. Die relevanten Daten reiche ich mal bei Gelegenheit nach.

Leid tun mir nebenbei auch die Polizisten, welche diese unsinnige Hausdurchsuchung und die danach folgende Demo begleiten durften. Überflüssiger Dienst für unsinnige Entscheidungen der Dienstherren. Die hätten ihre Zeit garantiert sinnvoller nutzen können.

Kommen wir doch zum nächsten Skandal. Ich sag nur WMP und Gerster. Was soll das in dieser Kolumne fragt ihr? Fragte ich mich auch, bis ich hörte, welches Hobby der Vorstandsvorsitzende von WMP hat. Der ist nämlich Präsident von Hertha BSC. Tja, sein Beruf scheint es zu sein Strippen zu ziehen, wobei es einem schon eigenartig vorkommt, dass Herr Marseille von der Schill Partei und irgendwelche SPD Politiker in einem Aufsichtsrat sitzen können.

So leider fällt mir immer noch nix lustiges ein. Bin immer noch gefrustet wegen der Absage von Münster. Hatte mich auf eine Glühweinfahrt aller Nürnberg vor zwei Jahren gefreut. Nur meine Leber findet diese Absage hervorragend.