Norbert regt sich auf vom 29.02.

 

über

Versagen auf ganzer Linie

Worte vor den Worten

Sonntag morgen. Nach einem Tag, welcher in die Geschichte eingehen wird... Eben noch kurz gewählt und nun geht es mit kleinen Umwegen zu den Amateuren. Was erwartet euch? *trommelwirbel* Ein Bericht aus Dresden (wer hätte das erwartet?)!

Wie schreibt man einen solchen Bericht?

Wie schreibt man ihn nun? Schreibt man nur über die skandalösen und alles überschattenden Vorgänge in unserer Partnerstadt? Oder erwähnt man auch die ganzen anderen Vorkommnisse an diesem Tag, welche die Fahrt eigentlich zu einer sehr netten Tour gemacht hätten? Ich habe die Nacht darüber gegrübelt und nach einer gewissen Entscheidungsphase habe ich beschlossen einfach vorne anzufangen und sowohl positive wie auch negative Aspekte dieses Tages zu schildern.

Vier Uhr Dreissig. Der Wecker klingelt und man weiss, dass die Winterpause vorbei ist. Erste Orientierungsschwierigkeiten werden behoben und nach ein paar Minuten sind Fragen wie Wohin? Warum? Wieso? Weshalb? geklärt.

Dankenswerterweise brachte mich meine Mitbewohnerin zum Bus. Bus suchen, einsteigen. Ein Blick in die Runde und ein freundliches "Guten Morgen, ich weiss nicht, ob ich euch in der Winterpause vermisst habe, aber es ist schön euch alle wiederzusehen." Kurz: Irgendwie waren wieder die üblichen Gesichter an Bord, Ecki fuhr uns (sprich der gleiche Busfahrer wie immer) und Heiko nahm mal wieder den Platz als Reiseleiter ein.

Ein Busfahrer hatte seelig verschlafen, so dass wir mit etwas Verspätung unsere Reise beginnen konnten. Heiko begann seine Ansprache damit, dass er sich seit drei Monaten darauf gefreut hätte wieder die gleichen Worte an uns zu richten. Sprich, Klo nur im Notfall nutzen, alles heile lassen, und sich nicht zu betrinken auf der Hinfahrt, da man dann den Wurfgeschossen im Stadion besser ausweichen könne. Einwurf von hinten: "Das hast du aber sonst nicht gesagt".

Schädel hatte diesmal die Getränkeversorgung organisiert, so dass es lecker Budweiser und unlecker CAB (Cola und Bier sind eindeutig zwei Getränke, die sich erst hinter meinem Mund mischen dürfen) gab. Nur in begrenzten Mengen (das wort "massen mit sz kann ich hier nicht nutzen, da ich kein sz schreiben kann) weil man dann doch Respekt vor Dresden hatte. Erstmal lockerte aber Ecki die Stimmung auf, als er erzählte, dass er letzte Woche die Lokalrivalenfans gefahren hätten und diese immer nur Lotto hören wollten. Originalton "Die riefen immer nur "wir wollen den Lotto hören", die haben doch einen Arsch offen". Naja, viel besser waren unsere anwesenden drei CDs auch nicht. Insbesondere, da es sich um eine finstere Metal CD und eine Bad Religion CD handelte (letztere zeichnet sich nicht gerade durch Länge aus.). Höhepunkt war aber die Vadder Abraham Technoversion von "Bullenschweine", welche sich auf der einzigen MixCD versteckte. Schon komisch in so einer zu schnell abgespielten Technostimme "dies ist ein Aufruf zur Revolte, dies ist ein Aufruf zur Gewalt" zu hören. Zeichnet sich durch eine gewisse Situationskomik aus.

Die Metalkassette fand grossen Anklang, insbesondere bei mir und meinem Sitznachbarn. Echt, das ist noch Musik mit Attitüde ;-).

So näherte man sich Dresden, wobei erneut die A 14 Strecke der Strecke über Berlin vorgezogen wurde. So ging es vorbei an den ganzen "leben" in denen nahezu kein Leben herrscht und Magdeburg-Reform. Zur Belustigung führten nur noch die grosse Anzahl westlicher Nachbarn (die mit den gelben Kennzeichen), welche die Autobahn bevölkerten. Die Annahme, dass es sich um die Rotterdamer Hoolszene handele, musste leider revidiert werden, als man in die Autos guckten. Das waren schon alte Althools.

Dresdener Tor war erreicht und es begann das Sammeln. Die Göttinger erschienen mit ihren zwei Kleinbussen auch, sowie ein Berliner und ein Leipziger Bus. Für die Hamburger hatte der Fanladen Bauhelme und Schutzhelme vorbereitet, damit man denn auch auf Steinwürfe vorbereitet ist. Was hier noch zu einem lustigen Poserfoto genutzt wurde (in dessen Verlauf ich mich trocken auf die Schnauze packte), sollte später noch unangenehme Verwendung finden. Aber dazu später.

Was jetzt folgte, war und ist mit Worten nur bedingt zu beschreiben und der Witz kommt wahrscheinlich nur raus, wenn man dabei war. Die Polizei setzte sich mit drei Wagen vor uns und die Stadtrundfahrt Marke "VIP" begann. Dabei blieb immer ein Polizeiwagen in den Kreuzungen stehen und blockierte diese. Das dann notwendige vorbeirasen an der Schlange um wieder eine Kreuzung zu blockieren, führte mehrfach zu unglaublich knappen Situationen, welche nur durch Schumi-Einlagen der "Peter"wagenfahrer gelangen. Höhepunkt war die brutale Blokade einer Strassenbahn und das Zusammentreffen mit einem Krankenwagen. Zitat: "Welches Blaulicht geht jetzt vor?"

Ein bißchen mulmig war uns dann doch, als wir ca. 500m vom Stadion weg auf einen Parkplatz eines Hotels gestellt wurden. Auch die Nachricht, dass die Braunschweiger Busse hier ausgeraubt worden seien, führte nicht gerade zu einem besseren Gefühl. Gut, das Abenteuer begann, aber nicht bevor uns nicht schon der dritte Polizist auf Sächsisch erklärt hatte, dass wir die Bauhelme im Bus zu lassen hätten. Komische Sprache.

Der Weg zum Stadion begann und die von mir eigentlich erwartete Fantrennung fand absolut nicht statt. Alles lief durcheinander, aber immerhin befand sich hier noch genug Polizei in der Nähe. So passierte auch nichts und wir kamen ohne Zwischenfälle im Stadion an. Hier konnten auch die Quergänger aus anderen Städten in die Arme geschlossen werden. Franca berichtete von Begegnungen der dritten Art und meinte, dies hätte alles, selbst Chemnitz in den Schatten gestellt. Typen, die sich Hakenkreuze an die Ohrläppchen tätowiert haben, "Sieg Heil" Rufe und Böllerwürfe mitten in Passanten waren ihr begegnet.

Nervös war ich. Der Block eng und klein. Mitten in dem gelb abgehobenen Aufgang befindet sich ein Wellenbrecher und der erste Dresdener Stehplatzblock befand sich nur ca. zwei Meter weg und war durch einen Durchgang für Ordner und Polizei abgegrenzt. Auf der anderen Seite befand sich ein Sitzplatzblock, welcher auch von unseren Leuten genutzt wurde. Das Stadion ist irgendwie nicht schön. Die einzelnen Tribünen sind zu unterschiedlich und wirken überhaupt nicht harmonisch.

Erstmal auf Klo. Und was einen da erwartete, war schon wieder Realsatire. War doch auch die örtliche Punkerszene anwesend und deren auf Sächsisch vorgetragenes "Wir kommen aus dem Norden..." war wirklich nicht zu überbieten. Womit ich sowieso zu einem mir nicht erklärlichen Phänomen komme. Wie kommen einige Gestalten eigentlich immer wieder heil von solchen Spielen nach Hause? Teilweise kilometerweit als Punker und St. Paulianer zu erkennen, voll wie ein Eimer und mit "Gegen Nazi" Aufnähern übersäht. Ich glaube das Sprichwort "Besoffene und Kinder haben Schutzengel" muss stimmen.

Und jetzt komme ich zum Versagen. An diesem Tag haben alle versagt. Zuallererst der Verein Dynamo Dresden. Meines Wissens der einzige Verein, der es nicht verhindert, dass Plakate mit der Aufschrift "Hooligans" in seinem Stadion hängt. Nein, hier hängt das Transparent "Hooligans Elbflorenz" absolut offen an prominenter Stelle. Kein Wunder, dass diese Idioten hier ohne irgendeine Gegenwehr sich entfalten können.

Das Spiel begann und für einen neutralen Zuschauer wäre das wahrscheinlich eine Zumutung gewesen, denn unsere Helden spielten Zerstörerfussball und Dresden gelang auch nur wenig. Und wenn sie mal gute Chancen hatten, dann wurden diese entweder dusselig vergeben oder in letzter Minute gerettet. Und als sich eigentlich jeder mit einem Unentschieden und mit einen gerade eben verdienten Punkt in einem schwachen Spiel abgefunden hatte, da fand der Ball leider doch noch den Weg in unser Tor. Und Feierabend.

Viel schlimmer als das Geschehen auf dem Platz, war das Geschehen nebenan. Da hampelten irgendwelche Hoolfaschos rum, konnten anwesende Leute mit dunkler Hautfarbe extrem rassistisch bepöbeln und die ganze Zeit in den Block gucken und am Zaun rumhampeln. Polizei? War im Stadion nicht anwesend. Weder zwischen den Blöcken, noch wurde der Auswärtsblock in irgendwelcher Art gefilmt. So konnte auch bei uns wie auch nebenan gezündelt werden und alles und nix passierte. Wenn man bedenkt, dass bei jedem harmlosen Spiel der Auswärtsblock umstellt wird und dauergefilmt wird und hier kein einziger Polizist sich blicken lässt, dann ist zeigt dies das Versagen der Polizei. Die Ordner sahen auch nicht gerade sympathisch aus und standen immerhin irgendwann dazwischen, aber irgendwas gemacht haben sie auch nicht.

Zur Halbzeit standen dann plötzlich fünf oder sechs Althools von Dresden im Block. Ob die Fahnen klauen wollten oder was auch immer die tun wollten, ist nicht wirklich klar. Aber die Fahnen hatte ich gerade dem Capo gegeben und auch der Rest reagierte relativ schnell und so wurden die schlichtweg aus dem Block geprügelt. Wieder ein versagen der Ordner. Wie konnten diese trotz Dynamo Abzeichen und trotz offensichtlicher Hoolkleidung in diesen Block kommen? Wie kann es sein, dass diese zwar in den anderen Block dann geführt werden, aber nicht etwa dem Stadion verwiesen werden, sondern wieder im Nebenblock auftauchen? Ehrlich gesagt: Kein Pfennig Mitleid mit diesen Idioten. Die haben im Endeffekt noch viel zu wenig gefangen.

Ehrlich gesagt wenig Mitleid habe ich auch mit den Typen, die teilweise aus dem Osten da waren. Wer mit einem Magdeburg Schal provozieren will, der hat in unserem Block absolut nix zu suchen. Warum das nur einige Leute aus HH diesen deutlich machen konnten, ist mir vollkommen unverständlich. Diese Typen haben Glück, dass sie nicht aus dem Block geprügelt wurden. Insgesamt war es für unsere Fanszene wieder vollkommen peinlich, wie einige hier das Maul im Block aufreissen und wie niveaulos sie zurück pöbeln. Besser war da schon die Reaktion die doch mal zu bitten zu lächeln, damit man sie fotografieren kann und sie sonst zu ignorieren. Aus dem Bereich der Magdeburg Typen kam auch dieses Bomber Harris Plakat. Schlimm genug, dass so ein Lappen in unserem Block hängen darf.

Das liegt aber auch daran, dass wir Hamburger überhaupt keine Geschlossenheit hin bekommen. Wir verteilen uns in kleine Grüppchen in dem Block, anstatt uns zusammen zu stellen. Und das sagen in solchen Situationen hat auch keiner. Auch weil nahezu alle Leute die Nutzung von Megafonen ablehnen. Aber hier wäre klare Ansagen von jemanden, auf den die Leute hören wirklich hilfreich! Tja, was ist eigentlich aus "united we stand divided we fall" geworden?

Stimmung? War lau, was aber auch daran lag, dass man sich nur bedingt aufs Spiel konzentrieren konnte. Und die Akustik des Stadions führt auch nicht gerade zu guter Stimmung. Selbst wenn drüben optisch absolut der Punk abging, hörte man relativ wenig. Was aber nicht an den Dresdenern an sich, sondern an der Akustik liegt. Die "Humba" war mit einem grossen Teil der Kurve sehr beeindruckend.

Nach dem Spiel das nächste Versagen. Einmal auf unserer Seite, da jeder loslief und nicht auf die anderen wartete. So war kein geschlossener Block vorhanden, sondern kleine Grüppchen machten sich auf den Weg zum Bus. Aber auch die Polizei versagte völlig. Kein Versuch (!!!!) der Fantrennung, sondern trotzdem durften alle durcheinander laufen. Kein Versuch potentielle Schlägergruppen zu begleiten. So konnten offensichtliche Dresdener Hools ohne irgendeine Polizeibegleitung auf die St. Paulianer zulaufen. Die Polizei begleitete uns auch nicht oder stand auf dem Weg zum Bus gestaffelt. Nein, sie sammelte sich am Stadionausgang und am Bus. Dazwischen (und das waren ca. 500m) kein einziger Polizist (!!!!!) Insbesondere nicht an der Ecke, wo die beiden Fangruppen aufgrund der Wege aufeinander treffen mussten. So kam es, wie es kommen musste. Die Dresdener sammelten sich hinter uns und machten glücklicherweise einen Fehler, sie warteten nämlich zu lange. Erst als wir nahe den Bussen und damit auch wieder nahe der Polizei waren, griffen sie an. Und wir sprechen hier nicht von irgendwie 50 Leuten. Nein, da stand ein geschlossener Block von 600 Leuten, davon ca. 100 Leute harte erste Reihe. Wobei letzteres eine grobe Schätzung ist, da ich mich nur kurz umdrehte und dann Fersengeld gab. Sorry, aber Held spielen war da nicht. Mehr als seine Haut zu retten war da nicht drin. Oder wie meinte jemand? "Das sind zu viele, viel zu viele"

So war man dann irgendwie heil bei den Bussen angelangt und die Quergänger konnten sich durch das Dorint Hotel retten. Nur leider war man jetzt bei den Bussen und doch kein Stück weiter. Denn anstatt das die Polizei nun die Fläche vor dem Parkplatz räumt, lies sie die Idioten sich in Ruhe sammeln. Was auch erstaunlich ist: In Hamburg machen die jedes dämliche Spiel mit Wasserwerfer und Räumpanzern, hier haben die nix vergleichbares am Start und das obwohl bekannt war, was hier passieren konnte und dies ja nun wirklich nicht das erste mal ist, dass in Dresden was passiert. So sassen wir also in der Mausefallen und sammelten erstmal alle Leute ein. Irgendwann drohte uns dann die Polizei dann Zwang an, wenn wir nicht in die Busse gehen würden. Das war nun wirklich der Höhepunkt und wurde von allen Zuhörern mit lautem Gelächter und Applaus quittiert. Draussen tobte der Mob und uns 200 Leuten drohen sie Zwang an. War wohl ein Gegner mit dem man fertig werden würde, oder?

Erschreckend ist auch, was da mitläuft. Kinder, zwölfjährige Mädchen, die sonst wahrscheinlich in irgendwelche Vorstadtdiscos gehen. Dazu Faschos und absolute Rambotypen. Und das alles in Massen.

Irgendwann entschied sich die Polizei dann uns da rauszulotsen. Nur geräumt hatte sie gar nix. Und so musste das Drama seinen Lauf nehmen. Der erste Bus verlor eine Scheibe und hätte der Junge, der auf dem Platz sass, wo der Stein reinflog nicht seinen Helm getragen, dann hätte er zumindest schwere Verletzungen davon getragen. Und das alles nur, weil die Polizei nichts, aber auch gar nix begriffen hat und keine Taktik oder System hatte. Wie kann das sein, wenn doch schwerste Straftaten hier nicht zum ersten mal passieren? Wir sprechen hier ja immerhin von versuchter schwerer Körperverletzung bzw. versuchten Totschlag.

Geräumt war immer noch nix und ein paar Jugendliche, die sich zu weit vorgewagt hatten, bekamen von der Polizei auf die Nase. Aber Festnahmen? Vernünftiges räumen? Konsequentes zurückdrängen? Fehlanzeige!!!

Aber den Schumi markieren konnten sie, so dass wir wie auf der Hinfahrt schnell wieder aus der Stadt waren. Der Bus wurde mit Pappen geflickt und konnte so nach Hamburg fahren. Bitter.

Die Rückfahrt begann sehr ruhig und alles konzentrierte sich darauf relativ schnell besoffen zu werden. Erst eine Pause brachte wieder Aufhellung, als sich folgender Dialog entspannte. Szene, dunkle Raststätte, Nothalt. A: "Wo sind wir hier eigentlich?" Schädel: "Na guck dich doch mal um, das muss Dunkeldeutschland sein..."

Der Rest der Fahrt verlief dann doch relativ lustig und entspannt. Nur mit den Chaotikern trinke ich langsam nicht mehr. Da liege ich irgendwann am Ende immer unterm Tisch. So konnte ich meinen Sitznachbarn nicht mehr verabschieden, da ich schlichtweg am Schlafen war. Im Jolly konnten dann noch die Daheimgebliebenen die Stories erzählen und sich ins Bett legen.

Ziehen wir ein Fazit! Es kann so nihct weiter gehen. Dresden als Verein muss sich endlich deutlich von all diesen Leuten distanzieren und seine Fanszene in den Griff bekommen. Und wenn sie es nicht schaffen, dann muss Dresden endlich deutliche Strafen hin bis zu einem Lizenzentzug bekommen. Und die Polizei in Dresden sollte sich endlich eine vernünftige Taktik für die Durchführung von Heimspielen anschaffen. Sonst gibt es da in nächster Zeit Tote. Und das alles nur, weil alle versagen.

Und heute?

Die Amateure verloren 0-1, das Spiel war schlecht, aber zum ausnüchtern und wieder gute Laune bekommen, war es perfekt. Und zur Hamburg Wahl sage ich nix mehr. Ich schäme mich für meine Stadt. Wie kann es sein, dass jemand gewählt wird, der nichts, aber auch gar nichts bewegt hat und auch weiterhin nix bewegen wird. Aber jede Stadt bekommt den Bürgermeister, den sie verdient und vielleicht verdient ihr nicht mehr.