Norbert regt sich auf vom 17.4.
über
Weisse Schuhe brachten mit Korn den Erfolg
Ich geniesse gerade diese Tätigkeit. Ich sitze hier, geniesse das wunderbare Wetter draussen und darf euch erneut über die Ereignisse eines Tages berichten, welcher mit einem Sieg gekrönt wurde.
Da gewinnt man an einem Freitag ein Spiel und da man verdammt abergläubisch ist, muss man am nächsten Freitag mit Heimspiel alles genauso machen, wie man es vierzehn Tage vorher gemacht hat. Da kommt es bei mir auf Details an. Das fängt damit an, dass man ein schwarzes Hemd ohne Krawatte zur Arbeit trägt, dass man sich im Amt umzieht, dass man um die gleiche Zeit Feierabend macht, dass man dann direkt in den Fanladen fährt, dort als erstes eine Premium Cola trinkt, dass man vor dem Spiel exakt drei Bier und eine grosse Currywurst Pommes zu sich nimmt und dann ins Stadion geht.
Rückblickend scheine ich ja alles richtig gemacht zu haben. Aber natürlich fasst das noch nicht den ganzen Ablauf vor dem Spiel zusammen. So ca. um 15 Uhr schlug ich im Fanladen auf, nachdem ich wie üblich vor freitäglichen Heimspielen den Vorteil des Beamtentums genutzt und früh Feierabend gemacht hatte. Im Fanladen fand sich neben einer Horde sich sonnender USPler auch mein persönliches Entspannungsmittel mit seiner Pfeife wieder.
Leider hatten wir einem Sprechrratsmitglied versprochen mit unserer Currywurst zu warten, bis sie da ist. So dauerte es bis vier Uhr, bis wir die kleine Pause um ein paar Currywürste erleichtern konnten. Die Zwischenzeit konnte leider auch nicht zum Ordern der nächsten Auswärtskarten genutzt werden. Denn die Fanladenadventuretour fällt aufgrund des Besuches des Spieles Bochum-Werder aus und die Borussia aus Dortmund hatte es nicht nötig Karten, nach Hamburg zu schicken.
Exkurs: Ich finde es sehr schade, dass das Auswärtsspiel in Dortmund nicht in der Roten Erde stattfindet. Dies wäre noch ein Stadion gewesen, welches ich gerne gesehen hätte. Ich finde es ehrlich gesagt auch albern, dass das Spiel verlegt worden ist. Zwar ist es richtig, dass das Stadion Rote Erde keine Zäune um den Platz hat, aber bei erwarteten 2000 Zuschauern hätte das auch anders gelöst werden können. Dass der BvB es dann nicht einmal schafft, Karten nach Hamburg zu schicken, ist ein absolutes Armutszeugnis. Und wahrscheinlich wird am Spieltag das Chaos herrschen, da wahrscheinlich viel zu wenige Eingänge und Kassenhäuschen geöffnet haben werden. Alleine aus diesen Gründen müssen wir dort gewinnen. Und so ein leeres Stadion hallt natürlich auch schön, so dass man dort garantiert gut Stimmung machen kann.
Die" Kleine Pause" ist doch ein sehr angenehmer Laden. Schmeckt alles ziemlich gut und die Bedienung ist irgendwie lustig, wenn auch mit einem herben Charme. Unser Neumegafonmann ging mit uns essen, hatte jedoch erst sein Essen zum Mitnehmen bestellt, und wollte nun diese Bestellung ändern. Originalzitat: "Kann ich das auch zum hier essen bekommen?" "WAS? ZUM HIER ESSEN?" "Bitte!" "Okay!"
Nach dem Essen ging es wieder in den Fanladen, wo kurze Zeit später der Kollege Silversurfer auftauchte, welcher heute im Original Casual Outfit brillierte: inklusive weisser Turnschuhe. Tja, und nachdem ich ihn dafür bewundert hatte, wurde das Ganze zum running gag. Immer wenn ich ihn traf, kam von ihm nur "Du hast hier gar nichts zu sagen, Du hast keine weissen Schuhe!" oder ähnliches.
Zwischendurch musste noch die Choreo vorbereitet werden, welche diesmal aus einem grossen Bild von Stani mit dem Spruch "Danke für alles" bestand. Dieses wurde zur zweiten Halbzeit gezeigt, während zur ersten Halbzeit USP eine Justizwaage zeigte, die Bürgerrechte und Repressionen abwog. Die Stani-Choreo hatte nur das kleine Problem, dass man von der GG aus das Bild von Stani nicht sehen konnte, und das Transparant allein von vielen vollkommen falsch und gegen die Mannschaft gerichtet interpretiert wurde.
Schalke hatte dann ca. 100 Leute mitgebracht, welche eigentlich das ganze Spiel über nicht wirklich auffielen. Wahrscheinlich waren die bereits vor Schock stumm, als sie die Version von "Blau und Weiss" hörten. Die komische Rockversion, die ihnen und uns zugemutet wurde, liess einen sofort die Augen zusammenkneifen.
Die Stimmung war ansonsten eher durchwachsen, es ist immer noch zeitweise sehr ruhig auf der Gegengerade. Positiv ist aber anzumerken, dass Kampf von den Rängen doch sehr angenommen wird und auch entsprechend beklatscht wird.
Zum Geschehen auf dem Platz: Und hier muss eine Premiere vermeldet werden, pfiff uns doch zum ersten Mal eine Schiedsrichterin. Diese machte insgesamt eine sehr gute Figur (und das ist jetzt nicht doppeldeutig gemeint), auch wenn der Elfer eher hart an der Grenze zum "kein Foul" war und auch wenn das Gespann noch nicht geräuschlos zusammenarbeitete. Aber insgesamt kann sie garantiert auch höher pfeifen. Lustig war der Linienrichter, welcher "Hand" anzeigen wollte und zuerst auf seine Brust zeigte um sich dann zu verbessern und auf seinen Unterarm zeigte.
Nicht schön war die Reaktion der Zuschauer auf die Schiedsrichterin. "Was, eine Frau pfeift? Dafür gibt es doch Frauenfussball!" Ja, es ist schon schwierig, Toleranz und Antisexismus zu leben, wenn es drauf ankommt. Klar, in der Stammkneipe ist man immer schön links, aber wichtig wäre dies in konkreten Situationen. Nur da schaffen es eben viele Leute nicht. Schämt Euch!
Zum Spiel: Aus meiner Sicht war das ein Elfmeter. Zwar waren das keine brutalen Fouls oder so. Aber trotzdem ist es eben so: wenn der zweite auch anfängt, am Trikot zu ziehen, dann muss er sich nicht wundern, wenn der Schiedsrichter dann irgendwann Elfmeter pfeifft. Das zweite Tor war schon herausgespielt und so war der Sieg verdient, auch wenn es insgesamt kein tolles Spiel war. Etwas ärgerlich ist jedoch, wenn man sieht, wie gefährlich bei Schalke jeder ruhende Ball war und wie ungefährlich Standards bei uns sind. Da zeigen sich bei uns doch erhebliche Mängel, welche dringend im Training abgestellt werden müssen.
Geil war die 10 von Schalke, der ging Gruszka mal eben bis zur Hüfte. Meine Befürchtung, dass genau dieser mit einem Kopfballtor uns den Garaus machen würde, bestätigten sich glücklicherweise nicht. Unsere eigenen Spieler spielen zwar immer noch nicht doll, aber der Einsatz stimmte 100 %. Insbesondere auch bei Albrecht, welcher zwar nicht einmal auf das Tor schoss, was aber - liebe MoPo - keine Fünf rechtfertigt, da er viel Unruhe in die Abwehr brachte und wie kein zweiter auf dem Platz rackerte. Mayer brachte endlich sein erstes wirklich gutes Spiel für St. Pauli. In dieser Form kann er wirklich noch eine Hilfe werden. Fabian Boll muss sich wohl langsam überlegen, ob er weiterhin Kommissar sein oder Fussballspieler werden will. Wieder ein schönes Tor, und er mausert sich wirklich zu einer Stütze des Teams.
Nach dem Spiel war Jubeln angesagt, welcher auf dem Rasen mit einem Hüpfkreis und ganz vielen Wellen vonstatten ging. Auf den Rängen wurden die Schalke-Spieler zur Welle aufgefordert, was diese jedoch verweigerten.
Danach ging man in den Fanladen, wo sich die üblichen Verdächtigten tummelten. Neu war ein Sechzigerfan, welcher zu Besuch weilte, der jedoch wirklich seit dem Umzug ins Oly kein Heimspiel mehr gesehen hat. Das ist schon bitter. Es dauerte ein bißchen, bis wir zum kickern kommen, aber dafür war das Spiel gegen die Superfliege (schön, dass du mal wieder da warst) umso spannender. Klappte doch dreimal hintereinander der "Ich muss ihn doch jetzt eigentlich nur einfach rein machen, oder?"-Trick. Nur leider war meine Torhüterin und Verteidigerin nicht wirklich in Form und der Trick wollte auch nicht noch ein viertes Mal funktionieren, so dass wir knapp verloren.
Danach ging es in den London Pub, wo man sich mit den zwei Finanzamtsbrüdern und Teilen des FC 42 die Kanne gab. Das alles nur, weil wir gedroht hatten, unser Entführungsopfer abzufüllen und dieses aufgrund unglücklicher Umstände nicht abgeholt wurde. So hatten wir das umgekehrte Helsinki / Stockholm-Syndrom und füllten uns aus Sympathie auch ab. Kurz nach eins waren dann wirklich alle Schotten und auch wir dicht und es ging ins Bett.
Ein Wort noch zum London Pub. Dieser hat renoviert und nun neue Klos. Und ehrlich: Das ist nicht nur positiv. Nicht nur, dass die Kneipe nun überall nach Klostein stinkt, nein, die neuen Klos sind auch einfach definitiv zu sauber für eine Kiezkneipe. Dreckige Klos gehören nun wirklich zum Standard. Saubere Klos führen nur dazu, dass irgendwelche Typen da telefonieren.
... der Fussballglobus, welcher nach Hamburg kommen soll und um dessen Standort sich ein Streit entwickelt hat. Mal ehrlich: Da ist Andre Heller mal wieder von der öffentlichen Hand Geld zugeschoben worden, einem Künstler, der schon seit Jahren weg vom Fenster ist. Ich frage mich, ob das Geld nicht hätte sinnvoller ausgegeben werden können. Und insofern finde ich die Diskussion über den Standort in Hamburg vollkommen überzogen. Das Ding kann genausogut auf dem Kiez stehen oder sonstwo.
... die Hamburger Morgenpost, die am Donnerstag den Handballableger des Lokalrivalen aufforderte, drei Punkte aus Minden mitzubringen. Tja, schade nur, dass es im Handball nur zwei Punkte für einen Sieg gibt.
... unser Stadionsprecher, der jemanden auffordert, ihm doch die Bank zu nennen, wenn seine EC Karte gefunden wurde. Leute, so müsst ihr weiter als Stadionsprecher arbeiten. Die Bank steht doch schon drauf, die Geheimzahl braucht ihr! :-)
... das Hamburger Abendblatt, welches am Donnerstag über eine ausgerissene Kuh in Poppenbüttel berichtete, welche angeblich um vier Uhr auf der Harksheider Strasse von zwei Polizeiwagen gejagd wurde. Zum Thema "Presse und Wahrheit" dazu folgende Anmerkung, es war ca. 5:40, da der Autor dieser Zeilen hinter den Peterwagen hinterher fuhr und die Kuh auch sah (wegen meiner in-der-Woche-Aufstehzeit bitte eine Tonne Mitleid an die unten genannte Emailadresse).
... die Blöd Hamburg, welche seit neustem Sparvorschläge für Hamburg sammelt und es schafft, in einer Ausgabe von dem neuen Trainingsplatz des Lokalrivalen im Volkspark zu berichten, und dass dieser EUR 800.000 kostet, und an einer anderen Stelle berichtet, dass die Stadt Hamburg EUR 800.000 dazu gibt, was ja zu sparen sei. Dann aber schreiben sie einen Tag später, dass der Lokalrivale eventuell das Geld nicht hat für den Platz. Ja, was denn nun?
... die Deutsche Post AG, welche für einen Nachsendeantrag nicht nur unverschämte Gebühren nimmt, sondern die schriftliche Bestätigung eines Nachsendeantrages ohne Witz an die alte Adresse schickt.