Norbert regt sich auf vom 26.4.
über
Als ich diese Kolumne mal vor dreieinhalb Jahren anfing, da wollte ich eigentlich nie was über Heimspiele schreiben. Mensch, wäre ich dabei mal geblieben. Denn ich weiss irgendwie heute gar nicht, was ich dazu schreiben soll.
Es war ein Scheisstag! Eigentlich hatte jeder schlechte Laune oder war einfach müde. Und dabei versuchte man alles, was in unserer Macht ist, um den Tag zum Erfolg zu machen. Man schlief aus, verzichtete auf das Frühstück, um dem Aberglauben entsprechend eine Currywurst zu vertilgen. Und ich kann euch sagen, die stand mir bis Mitte 1. Halbzeit vor dem Magen, denn ganz ehrlich: 11:30 ist nicht wirklich die Zeit für eine Currywurst. Dann musste ich ja drei Biere vor dem Spiel trinken und auch diese drei waren nicht wirklich lecker.
Naja, viel mehr passierte auch nicht im Fanladen, noch kurz alle möglichen Bekannten getroffen, kurz noch Wohnungsanzeigen vermittelt und Frauen getröstet, die alleine vor dem Fanladen sassen ;-) Naja, erwähnenswert war ansonsten nur noch die Hose vom PauPi, welche sich irgendwie durch ein Loch und einen Fleck auszeichnete.
Interessant auch ein sehr lieber Mensch, der aufgrund des Faktes, dass er irgendwie seine Heimatstadt nicht mag und den Dialekt nicht mag, noch schlechter gelaunt war als alle anderen. Kopf hoch Mensch, man sollte seine Herkunft nicht verleugnen, sondern immer das Beste daraus machen.
Man ging zum Stadion und auch hier war irgendwie gute Laune Mangelware. Die Chemiker liefen kreuz und quer vor dem Stadion und teilweise fragt man sich denn doch, was irgendwelche Antirassismus-Aussagen bringen, wenn doch viele Leute mit "Leutsch bleibt deutsch" Aufnähern, Shirts etc. oder anderen bedenklichen Sachen rumlaufen. Bitte daran arbeiten!
Das Stadion bei uns wird von Spiel zu Spiel leerer. Es ist wirklich deutlich, dass viele Leute mit Dauerkarte nicht mehr zu Spielen kommen. Früher stand man zu zweit und teilweise zu dritt auf einer Stufe. Jetzt steht man alleine auf einer Stufe.
Schwenkfahne schwenken ist keine leichte Sache, wenn ein böiger Wind herrscht. Das Intro bestand diesmal aus einer kleinen irischen Trikolore, welche vor Block 1 präsentiert wurde und einem Glückwunschspruch für Celtic. Ob die Trikolore nun über Kopf war oder nicht, das kann ich sowieso nicht sagen, da ich mich mit Nationalfahnen nicht auskenne.
Die Stimmung war auf unserer Seite nicht wirklich doll. In das Aux Armes, welches D. nun mal machen wollte, fiel das 0-1, so dass sich dieses nicht durchsetzte und auch der Rest des Spieles war nicht viel los. Nur im Bereich von USP war überhaupt ein bisschen was los. Anders bei den Chemikern, die wirklich neunzig Minuten ziemlich Alarm machten. Sowieso erstaunlich, dass die zu einem Spiel, wo alles schon gegessen ist und man in die vierte Liga abgestiegen ist und welches auch noch mit die längste Auswärtsfahrt ist, mit 1.200 Leuten auftaucht. Geil auch die Beschimpfung hinter uns, welche den Schiedsrichter als "Eiernacken" bezeichnete. Was zum Teufel ist ein Eiernacken?
Das Spiel kommentiere ich jetzt nicht. Das war einfach nur scheisse, und teilweise führte uns Chemie vor. Was mit Bounoua los ist, kann ich nicht wirklich sagen, aber er ist wirklich ein Totalausfall gewesen. Ebenso eigentlich auch alle anderen Spieler...
Notiert werden muss, dass insgesamt zwei Leute nackt auf den Platz liefen. Der erste wurde von der Polizei noch mehr vom Zaun vor dem Chemie-Block gezogen als dass er lief, der zweite lief aus der Nordkurve. Die Typen, die so etwas machen, sind aus meiner Sicht nicht ganz dicht. Und mal ehrlich: gross Abfeiern muss man die nicht auch noch. Jedoch man muss diese Leute auch nicht so brutal behandeln, wie die Polizei es insbesondere bei dem Chemiker tat. Insbesondere kann man dem auch 'ne Decke oder irgendwas geben, bevor man den abführt.
Nach dem Spiel ging man nur noch kurz in den Fanladen und ins Jolly, aber insgesamt war alles doch sehr ruhig nach diesem enttäuschenden Unentschieden und dem Fakt, dass Sonntag ist.
Ein Nachtrag noch: Seit heute bin ich förderndes Mitglied bei USP. Nicht, dass ich alles von denen (ha, von uns ;-)) gut finde, aber ich denke, dass auch diese Gruppe und ihr Idealismus gefördert gehört. Das wird euch (ha, uns) aber nicht vor Kritik schützen, wenn Kritik angebracht ist. Aber nächste Saison möchte ich die Mitgliedsnummer 666 oder 42. ;-).
Block 1 aufgelöst
Der Block 1 wird nächste Saison nicht mehr vom Fanladen verkauft, sondern wird wieder vom Verein verkauft. Unklar dabei ist noch, ob er als normale Sitzplätze verkauft wird oder ob wenigstens das "auf den Sitzen stehen" erhalten bleibt. Zumindest habe ich noch keine endgültige Aussage zu diesem Thema gehört.
Aber egal wie diese Frage auch entschieden wird oder ist, insgesamt ist die Entwicklung des Block 1 doch ein Armutszeugnis für unsere Fanszene. Jede andere Fanszene würde sich die Finger nach einem selbstverwalteten Block (!!!) lecken und den auch wirklich versuchen weiter zu entwickeln. Bei uns reduzieren sich Versammlungen darauf, dass man da oben Vorkaufsrecht hat und es eigentlich egal ist, wer diesen Block verkauft. Leute, so kann es nicht gehen! Der Block war mal mit viel Mühe gegründet worden, um Support zu verbessern und ihr tretet diese Idee mit Füssen, weil man dann eben doch das Gefühl hat, dass es den meisten Leuten dort um einfaches Bier und spätes Kommen geht. Und das kann nicht Sinn der Sache sein... Dass diese Passivität auch ein Schlag ins Gesicht des Fanladens ist, sei hier nur am Rande erwähnt.
Nehme ich die organisierten Gruppen aus dieser Kritik noch aus, so muss ich nun auch diese Gruppen kritisieren. Denn auch in diesen Kreisen herrscht teilweise der Gedanke vor "das ist ja besser, da oben zu stehen, als bei den ganzen Assis auf der Gegengrade". Ne, Leute, so geht es nicht. Man kann sich nicht auf der einen Seite mit der tollen Fanszene rühmen, sich aber vor der Verständigungsarbeit mit dem durchschnittlichen Stadionbesucher drücken und sich immer absondern wollen. Isolation führt zu Vorurteilen und damit in die falsche Richtung. Natürlich laufen da ziemliche Assis rum, aber es wäre Aufgabe aller organisierten Gruppen, gegen solche Personen zu wirken und dies insbesondere auch durch eine Anwesenheit in der GG während der Spiele zu machen. Ach ja: Gleiches gilt auch, wenn man meint, dass die Fanszene scheisse ist. Warum versucht man dann nicht sie zu ändern? Durch Absonderung tut man dies nicht.
Ein weiterer Aspekt ist, dass der Block mal für bessere Stimmung eingerichtet war. Das ist eigentlich ein gutes Anliegen, da die seitliche Akkustik in unserem Stadion nun wirklich nicht doll ist. Aber leider hat der Block diese Aufgabe nicht erfüllt, wie auf vielen Seiten schon berichtet wurde. Mehr als 50 von 200 Leuten machen nur in den seltesten Fällen richtig Alarm. Im Endeffekt wäre es wahrscheinlich besser, wenn sich diese 50 Leute zu USP gesellen würden, damit diese endlich mal ein paar Stimmen mehr haben. Dafür müsste zwar auch USP vieles in ihrer Gesangesart und Auswahl ändern, aber schön wäre dies schon. Insbesondere, wenn sich in der Süd auch noch ein kleiner Stimmungsblock sammeln würde, welcher dann für die Akkustik auf der gesamten GG sorgen könnte (die hört man nämlich auf meiner Position viel besser als USP). Also Leute, traut euch, runter auf die GG mit euch!
Ralf nicht mehr im Fanladen
Eine menschliche und eine Fanszenenseite gibt es im Rahmen dieses Verlustes.
Die menschliche: Ich weiss nicht, was genau vorgefallen ist, sein Abschiedsbrief an die Fanclubs lässt viele Fragen unbeantwortet. Aber eins weiss ich: Ich mochte ihn und finde es schade, dass seine grantelige, komische und doch beruhigende Art nicht mehr da ist. Ich finde es schade, dass keiner mehr die Auswärtsplakate bemalt und ich finde es schade, dass keiner mehr die lustigsten Tattoos durch den Fanladen spazieren trägt. Umso mehr hoffe ich, dass wir Dich, lieber Ralf, nach einem gewissen Abstand als regelmässiger Gast in irgendwelchen Bussen und Bahnen wiederfinden, die uns zu der nächsten Auswärtsniederlage durchs ganze Land fahren. Ich würde für Dich immer ein Bier (wahlweise Wasser, Cola, was auch immer...) übrig haben.
Allemal wünsche ich Dir auf Deinem weiteren Lebensweg alles Gute!
Es ist aus meiner Sicht aber auch für die Fanszene schade. Denn wir lernen, dass wir beim Fanladen wenig zu melden haben. Nein, es geht mir nicht um die Person, es geht mir um die Stelle. Denn diese dritte Fanladenstelle haben wir jetzt wahrscheinlich unwiderruflich verloren. Oder hat jemand die Worte "Wiederbesetzung" gehört? Und natürlich können die Arbeit auch zwei leisten oder nur einer oder nur ein ehrenamtlicher, aber die Intensität und der Umfang der Arbeit gehen damit zurück und das ist traurig. Insbesondere in einem Stadtteil wie St. Pauli wäre es gut, wenn eine solche Institution auch die Möglichkeit hat, zeitlich über den Stadionrand zu gucken. Leider ist nie versucht worden, den Fanladen zumindest teilweise unabhängig von staatlichen Zuschüssen zu machen. Wessen Fehler das ist? Keine Ahnung! Ich weiss auch nicht, ob das geklappt hätte, nein falsch, ich bin selbst eher skeptisch, aber versucht hätte bzw. versuchen ich es schon gerne mal. Denn wie heisst es so schön? "Probieren geht über studieren", und vorher einen auf skeptisch machen ist immer am einfachsten (wobei es auch meine Lieblingshaltung ist). Nur eines muss klar sein: Nichts geht, wenn der Trägerverein es nicht will. Nur: zur Zeit habe ich Angst, dass irgendwann auch die anderen beiden Stellen wegfallen wegen "Geldmangel" oder irgendwelchen anderen Gründen und dann werden wir nur traurig gucken.
... der Fussballfan, welcher sich beim Pokalspiel in Meiendorf angeregt mit der Polizei unterhielt, welcher auffiel, dass dieser doch ein bis zwei Bier intus hatte. Dieser Fussballfan setzte sich dann nach dem Spiel ins Auto und wurde von genau den beiden Polizisten angehalten, mit denen er sich unterhalten hat. Ergebnis: 1,16 Promille (Story laut Zeitungen). Und die Moral von der Geschicht? Rede mit der Polizei nicht. ;-) (Ach ja, mehr Worte über Meiendorf zu verlieren wäre Verschwendung.)
... Anja Michalke (nein, keine Neuaufnahme in diesen Fanclub .-)), welche ihre Brötchen, Brote, Cornflakes als Sprecherin des Schmidts Tivioli verdient und letztens in der wöchentlichen Kinobeilage des Hamburger Abendblattes einen Fragebogen beantwortete. Neben Fragen wie "St.Pauli oder Lokalrivale" und "Logo oder CoLiA" findet sich da auch die (typische) Frage "Was magst du nicht" worauf Frau Michalke antwortete: "Machtmenschen". Mhmmm..., man bedenke für wen sie arbeitet. Da stellt sich für mich die Frage, ob Littmann das "Wenschmeissichheuteraus?"-Spiel auch im Tivioli spielt. Dann wäre jetzt Zeit für M. ;-)
... die Bürgermeisterin von Kiel Frau Volquartz, welche zeigte, dass auch nach 14 Jahren die Teilung nicht überwunden ist. Verbot sie doch dem Ballet der Stadt Kiel einen Auftritt zur EU Erweiterung in Dresden, da diese von der PDS organisiert war. Soviel zu Siegermentalität.
... die EU-Erweiterung, welche uns dieses Wochenende 10 neue Mitglieder beschert. Die EU ist ein aus meiner Sicht vollkommen missverstandener Haufen. In der öffentlichen Wahrnehmung eine uneffektive Behörde, welche viel Geld kostet (Stichwort EU-Parlamentarier) und die sich darum kümmert, dass Bananen gerade sein müssen und die Deutschen nicht mehr "Made in Germany" auf ihre Sachen schreiben dürfen. Schön, dass die Wahrheit genau das Gegenteil ist. Die EU hat 18.000 (ca.) Angestellte in Brüssel. Das sind nicht viel mehr als die BRD in Berlin hat. Und die EU regelt viele Dinge hocheffektiv und hat viele staatliche und private Sauereien verhindert bzw. aufgedeckt. Insbesondere als Jurist muss man der EU ab und zum mal richtig dankbar sein. Zwar schafft sie es bis heute nicht, zu ihren Richtlinien Motive (Sitzungsprotokolle) wirklich zu veröffentlichen (was die Auslegung extrem erschwert), aber wenigstens haben die EU-Rechtsakte noch Sinn. Das kann man von der deutschen Gesetzgebung nicht behaupten. Und das wichtigste: wir haben seit fast sechzig Jahren keinen Krieg mehr in Westeuropa gehabt. Das hält unsere Generation für vollkommen normal, dies ist es aber schlichtweg nicht. Immerhin galt Frankreich vor nicht einmal einer Generation noch als ERBfeind.
Natürlich wird die EU-Osterweiterung auch Probleme geben. Insbesondere, da wir von einer Randlage in der EU zum geografischen Mittelpunkt werden (dieser liegt angeblich irgendwo in Brandenburg). Nur muss keiner glauben, dass zwingend Arbeitsplätze nach Osten wandern. Dies können die Deutschen ganz leicht verhindern, sie müssen nur endlich mal ihren Arsch hochbekommen. Nur dies ist natürlich schwieriger als mit der Bildzeitung zu diskutieren, welcher Lohn wofür nun angemessen ist. Herzlich willkommen, ihr neuen Nachbarn!
...unsere Ebayprofiin (und Autorin), welche letztens einen Bayern Looser Schal (welcher nach dem Spiel von uns gegen Bayern gemacht wurde und u.a. Loser schreibt wie eben zitiert) versteigerte, der im Endeffekt über 16 Euro für sie gebracht hat. Wenn man bedenkt, dass dieser Schal früher deutlich weniger gekostet hat, nicht wirklich ein Sammlerstück ist und aufgrund des Printfehlers und unserer sportlichen Entwicklung eher nicht toll ist, dann ist das ein erstaunlicher Preis. Also Leute: Wenn ihr einen solchen Schal noch habt, dann verkauft ihn bei Ebay.