Norbert regt sich auf vom 10.05.
über
Manchmal wünsche ich mir, dass wir ein stinknormaler Scheissverein wären.
Ich bin diese Saison dreimal ein ganzes Wochenende gefahren, um ein Spiel vor Ort zu sehen. Einmal nach Leipzig, um vorher Gladbach-Bayern zu sehen, einmal nach Paderborn, um vorher nach Bayern zu fahren, und einmal nach Köln, um vorher Psycho ein Jahr älter zu machen. Ergebnis? Null Punkte! Eines ist klar, diese Saison gibt es keine Vorabfahrt mehr. Wobei.... Hätte es auch ohne Aberglaube nicht gegeben, da ich nach Neumünster nicht fahre und nach Braunschweig locker mit dem Sonderzug gefahren wird.
Bereits am Samstag brachte uns die Deutsche Bahn nach Kamen, da der Webmaster seinen zwanzigsten Geburtstag feierte. Was man ja feststellen muss ist, dass die Menschen, denen man das am wenigstens zutraut die grössten Villen haben. So auch unser geliebter Webmaster, welcher in einer ca. 150 qm Villa mit ca. 2.000 qm Garten wohnt. Ich würde mal sagen: Sozialwohnung!
Die Feier erwies sich als ganz nett, war doch im Flur ein kleiner Kicker vorhanden, an dem ich - wiederholt - beweisen konnte, dass ich nicht kickern kann. Nur der Hinkefuss fand plötzlich gefallen an dem sonst von ihr verhassten Sport und zeigte unglaubliche Leistungen und unglaubliche Siegestänze. Kamen an sich ist ein wirklich tolles Dorf, wo wirklich der Punk abgeht. Man kann auch sagen: Langweilige Kleinstadt. Man nächtigte in dem ersten Haus am Platze, dem Wappen von Kamen, welches sich durch folgende Details auszeichnete: Heinrich Heine (oder sein gleichnamiger Cousin) hat in grauer Vorzeit dort übernachtet, der Kaiser ist einmal vorbei gefahren, die Decken sind niedrig und unten drin ist die einzige Rockkneipe der Stadt. Noch Fragen? Aber immerhin gab es ein Klo im Zimmer. Das war bei dem ersten angefragten Hotel nicht der Fall. Dieses bot Zimmer für 38 oder 42 Euro an. Unterschied? Bei 42 Euro gab es eine Dusche im Bad, bei 38 Euro nicht. Klo war aber immer im Gang. Man lehnte dankend ab und buchte besagtes Wappen von Kamen.
Sonntag morgen wurde man dann von der Westbrigade abgeholt, die einem einen erschöpfenden zehn-Minuten-Marsch zur Bahn ersparte. Zwischenzeitlich stellte man fest, dass man in nächster Zeit mal ein ernstes Wörtchen mit der Haspa sprechen muss und dass die Bild am Sonntag nicht wirklich gut getroffen hat. Hatte diese doch Ailton im Adamskostüm abgedruckt, wobei sein bestes Teil durch eine Werder-Raute verdeckt sein sollte. Nur leider verdeckte dieses eher den Bauchnabel als das besagte Stück.
Verlassen wir den erfolgreichen Fussball und nähern uns langsam dem Südstadion. Der Webmaster lief langsam zu grosser Form auf und stellte fest, dass es nicht um Brüste, sondern um Busen geht. In Düsseldorf wurde noch der Muttertag gefeiert, wobei der Mutter nicht die Tochter (welcher dieses bereits in der Grundschule verboten wurde) sondern der Schwiegersohn in Spe um den Hals fiel.
Köln Hauptbahnhof, alles aussteigen! Der Zug entliess nicht nur Westbrigade und einige Poppenbütteler, sondern auch das übliche sonstige St. Pauli-Volk. Und hier begann ein Detail, welches uns den ganzen Tag verfolgen würde. Nein, ich bin nicht intolerant und ja, ich trinke auch verdammt viel. Aber irgendwie gibt es Grenzen, was Alkoholgenuss und Intelligenz angeht. Sprich: Nur weil ich ein linker Verein bin, muss ich doch nicht so rumasseln, oder?
In Köln ticken die Uhren anders. Was dazu führt, dass eine Strecke, welche eigentlich eine reine Fahrzeit von 15 Minuten hat, insgesamt über eine Stunde verschlang. In Köln werden auch Züge auf dem Fahrplan ausgewiesen, die gar nicht fahren. So traf man am Barbarossaplatz unter anderem die Aktion Süd, die North Side (der Gegensatz passt jetzt), wobei der Ober-North-Sidler durch einen lockeren Rangers-Pin auffiel. Immer diese Minderheitenmeinungen ;-)
Guten Morgen, Tristesse, guten Morgen, Südstadion, guten Morgen, Langeweile. Irgendwie habe ich hier noch nie ein wirklich gutes Spiel gesehen.
Im Block konnte man dann die ganze bekannten Gesichter begrüssen. Schön, dass ihr wieder alle aus Zürich, aus Ahrensburg, aus Poppenbüttel, aus Berne oder aus irgendwo her gekommen seid, um unseren blöden Verein zu unterstützen. Schön, euch zu sehen. Nicht schön ist es anderseits, wenn gewisse Leute, die ab und zu Mal ein Megafon in die Hand nehmen, auf anderen Leuten rumhacken. Weder sind ein gewisser Fanclub nur zum Saufen da noch wollen die anderen Ultras ;-) irgendwas Böses. Wann begreift man endlich, dass man mit solchen Ausfällen mehr kaputt macht als man fördert? Gerade in den aktiven Gruppen brauchen wir mehr Toleranz, mehr Ruhe und mehr Akzeptanz. Mensch, Junge! Ich verstehe absolut jede Aufregung und jede Emotion, aber es nützt nix, irgendwelche aktiven Leute zu bepöbeln. So erreicht man keinen besseren Support und man erreicht nur, dass sich mehr und mehr Leute von einem abwenden und einen riesigen Hass auf einen schieben. Kurz: nicht aufregen, sondern ruhig reagieren, Leute freundlich fragen, ob man nicht weiter zusammenrücken will und auch die Megafonarbeit ruhig machen. Und dabei geht es gar nicht um den Inhalt der geführten Diskussionen, sondern einzig und alleine um den Ton. Dringend dran arbeiten. Der Surfer hatte vorher beim warten auf die Bahn seine Erfahrungen mit dem Kölner Vorsänger erzählt, welcher ihn völlig erstaunt hatte, da dieser in einem ruhigen Ton und vollkommen gelassen die Leute aufforderte zu singen und gewisse Sachen zu machen. Ach wäre das herrlich, wenn dieses bei uns auch endlich gelingen würde.
Im Block wurden die St. Pauli-Bayern 2-1 Schals für fünf Euro verkauft. Wie kann man nach zwei Jahren aus einem solchen Spiel noch Geld machen? Realisieren die Käufer und die Verkäufer eigentlich, in welcher Liga wir nun spielen? Es ist frustrierend und schockierend, dass dieser Schal noch reissenden Absatz findet. Wie ihr euch vielleicht erinnert, hat eine 42erin diesen Schal letztens für ca. 16 Euro bei Ebay verkauft. Die SMS mit dem Text "Du, die verkaufen den Looser-Bayern-Schal hier für 5 Euro" wurde nur mit "Einkaufen :D" beantwortet. Das jedoch war mir dann doch zu peinlich, so dass diese Gelddruckmaschine leider nicht auch durch uns genutzt werden konnte.
Womit wir eigentlich bei einem der grössten Probleme dieser Szene wären. Wir brauchen dringend einen Menschen mit Megafon, welcher von einem grossen Teil der Kurve akzeptiert wird. Das ist zur Zeit leider nicht der Fall. Das liegt teilweise an dem Megafonmann - siehe oben -, liegt aber teilweise auch daran, dass St. Pauli Fans eben super tolerant und toll sind.
Womit (das doppelte "Womit" ist hier mal Absicht) wir wieder bei unserem heutigen Problem sind. In der Kurve hausten absolute Assis. Nein, ich bin nicht intolerant, aber Sprüche wie "Schwule Kölner", "eins-zwei-drei-Oberkörper frei" (zu den Cheerleadern) und "Altbierkanacken" (zu einem verlorenen Jungen Flingern) sind ABSOLUT nicht akzeptabel und solche Typen haben nix in unserem Block zu suchen und müssen sich absolut nicht wundern, wenn sie sie mal einen aufs Maul bekommen. Vollkommen lächerlich wird das Verhalten dieser Scheisser, wenn sie sich dann über "We love St. Pauli; Fabulous St. Pauli" und die Ultras aufregen. Kurz und knapp: Bleibt bitte zu Hause! Ich bin nicht wirklich der Typ für so etwas, aber bald hau ich auch ohne Vorwarnung zu.
Gut, dass immer mehr Leute so ein Verhalten nicht akzeptieren und den Leuten direkt sagen, was sie von diesem Verhalten halten. Schlecht, dass immer meine soziale "wir stehen im Stadion zusammen" Bezugsgruppe direkt neben diesen Leuten steht.
Respekt für alle Leute, die noch das Maul auf bekommen und auch nach dem 1-0 versucht haben, Stimmung zu machen. Und mal ehrlich: dabei ist es mir absolut egal, welches Lied gesungen wird. Darüber sich aufzuregen kann ich absolut nicht verstehen.
Zum Spiel: Vier - Null verloren. Noch Fragen? Um jemanden anonym zu zitieren: Nur Hupkes und Hanke haben Normalform gezeigt: die können auch sonst nix.
Könnte nebenbei irgendjemand mal die Stollen unter den Schuhen unseren Spielern tauschen? Seit ca. fünf Spielen rutschen die wie die Irren über den Platz. Und das bei jedem Wetter.
Da man ab Mitte erster Halbzeit eigentlich sicher war, dass dieses Spiel kein gutes Ende mehr findet, begann man sich langsam zu betrinken. Ich sag nur: "In der Not trinkt der Teufel Kölsch". So passierte es mir zum ersten mal in meinem Leben, dass ich nüchtern in ein Stadion gegangen bin und besoffen wieder rausgekommen bin.
Nach dem Spiel wagten sich die Spieler in die Kurve und wurden mit Beifall (welcher Idiot klatscht eigentlich nach einer solchen Leistung noch?), mit Kritik, welcher sich die Spieler geduldig stellten (Respekt dafür), und mit Trikots, welche zurückgeworfen wurden, empfangen. Gerade letzteres zeigt, dass nicht alle St. Paulianer vollkommen abgestumpft sind. Respekt dafür! Auch wenn Hanke etwas schockiert war, als er das Trikot ins Gesicht bekam.
In der Strassenbahn fingen die Paulifans dann an, zu singen... tja, im Stadion muss man ja nicht singen...
Wusstet Ihr eigentlich, dass es in Köln eine Strassenbahnhaltestelle namens "Autobahn" gibt? Das schlägt aus meiner Sicht Magdeburg-Reform.
Am HBF schnell alle Sachen aus dem Schliessfach geholt und die Bahn geentert. Vorher noch C. und unseren Lieblingsschweizer verabschiedet, welcher seit neustem seinen Reiseproviant verändert hat. Hies es früher noch: "Mit Corni nach vorni", so heisst es jetzt "Mit Banane nach Hause". Wir begrüssen den neusten Teilnehmer im St. Pauli-internen "wir nehmen ab" Wettbewerb.
Und wenn der Fanbeauftragte uns nicht mit Animation (endlich mal!!!!!) versorgt hätte, dann wäre es eine verdammt bittere Rückfahrt geworden. So war sie eigentlich noch ganz lustig. Die Inhalte fallen zu 100 % unter die Zensur, aber die Fotos (welche irgendwann online gehen) geben einen guten Eindruck.
Nachtrag: Auch hier ging es leider nicht ganz ohne Nerv ab. Die Bahn war voll. Und auf den für uns reservierten Plätzen sassen Leute. Und teilweise haben sich auch unsere Leute auf von anderen Leuten reservierten Plätze gesetzt. Beides nicht die feine englische Art und wenn man gebeten wird zu gehen, dann ist es ja wohl erste Bürgerpflicht aufzustehen. Nur warum man zu feige ist denjenigen, der den Platz blockiert zu fragen, ist mir schleierhaft.
Nachtrag II: Nicht so lustig war anscheinend die Busfahrt. Aufgrund der gesplitterten Anfahrtswege hatten sich andere Busbesatzungen als sonst eingefunden und dies führte in dem einen Bus wohl zu vielen unschönen Szenen. So sind Augen- und Ohrenzeugen u.a. als Nutte und Faschisten beschimpft worden. Ein Aussetzen des Täters konnte dieser wohl durch Rufen der Polizei verhindern. Das macht das ganze nicht gerade besser, heisst dies doch wieder Ärger für den Fanladen, obwohl dieser das einzig richtige gemacht hat. Langsam habe ich das Gefühl, dass St. Paulianer eigentlich nicht begreifen, was für ein Glück sie haben, dass der Fanladen die Busse und Bahnen organisiert. Dies ist absolut nicht deren Pflicht und die können das auch locker sein lassen. Selbst bei solchen grossen Vereinen wie Bayern und Dortmund sind die Fans in Eigenverantwortung tätig. Wäre für die organisierten Gruppen wie USP oder Passanten nicht wirklich ein Problem. Nur muss sich der Rest nicht wundern, wenn man sie bei solchen Ausfällen zu Hause lässt. Vielleicht sollte der Fanladen ein allgemeines Alkoholverbot auf Fahrten erlassen. Wäre zwar nicht schön, würde aber vielleicht endlich die Komatrinker ein bisschen abhalten mitzufahren.
Wie geht die Saison weiter? Keine Ahnung, aber gut wird es nicht. Wir haben nun gegen zwei direkte Konkurrenten gespielt, haben einen Punkt geholt und haben drei Punkte Vorsprung. Jetzt spielen wir gegen Bremen (Dritter), Neumünster (Letzter), Krefeld (Sechster oder Siebter) und Braunschweig (auch so Sechster oder Siebter). Wir brauchen mindestens noch sechs Punkte. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Insbesondere, da Neumünster in einer Topform ist. Oberliga wir kommen. Aber auch dort sind WIR überall dabei. Ihr auch?
Wir haben den Supportwettbewerb verloren, unsere Spieler waren einfach langsam, wir waren die schlechtere Mannschaft, wir haben glücklich im Elfmeterschiessen gewonnen, wir haben absolut unverdient gewonnen, Hollerieth hat sich viel zu früh bewegt bei den Elfern, Hollerieth ist ein Idiot, wenn er den Lokalrivalenfans einen Fuckfinger zeigt. Ich hasse den Volkspark und wir haben endlich dort mal gewonnen!