Norbert regt sich auf vom 24.05.
über
Ich setz mal einen Sechziger auf Gladbach
Eigentlich hatte ich ja schon gegen Bayern München meinen Frieden mit dem Gladbacher Bökelberg gemacht und hatte entschlossen, mich nie wieder mit der Schreibweise, den steilen Stufen, der Enge und der Klosituation abzumühen. Nur: irgendwann erzählt einem die Freibeuterin, dass der letzte Gast auf dem Bökelberg ausgerechnet die Münchner Löwen sind. Und plötzlich war das Interesse da. Neumünster hatte man geistig schon auf den Sonntag verschoben, wegen Lokalrivale - Frankfurt und genügend Mitfahrer für einen Bus fanden sich auch schnell. Mitte Januar war das Feld bestellt und man freute sich auf eine grossartige Tour.
Irgendwann begannen jedoch die Probleme. Das erste Problem bestand darin, ein Hotelzimmer zu finden. Das von meinem Gladbacher Ortskenner empfohlene Hotel war komplett ausverkauft und auch sonst stellte sich das Angebot nicht gerade zahlreich dar. Wobei wir hier von Anfragen Anfang Februar reden. Hilfe brachten die Hotelempfehlungen für Dienstreisen von Bundesbeamten, welche das "Best Western" empfohlen. Ein Anruf brachte die Bestätigung, dass dort noch Zimmer vorhanden waren. Vorsichtshalber fragte man auch, wie weit es denn zum Bökelberg sei. Die nette Dame am anderen Ende musste ihre Kollegin fragen, welche "20 Minuten zu Fuss" meinte. Auch die Frage, ob man denn bei denen ein Bus parken könne, wurde erst von der Kollegin beantwortet, welche meinte, dies sei locker machbar.
Das nächste Problem war das Neumünsterspiel, welches leider nicht verlegt wurde, so dass ich meinen 33er diese Saison auf einen 32er kürzen musste. Wie die gemeinsame Nutzung des HBF durch G-Movefans, Lokalrivalenfans, Eintrachtfans und St. Paulifans ausgegangen ist, mag man anderen Berichten entnehmen, war aber garantiert lustig.
Nach und nach fielen leider Mitfahrer ihren Arbeitsverpflichtungen oder Krankheit zum Opfer, so dass man letztendlich mit 4 freien Plätzen starten musste.
So stand am Morgen der Abfahrt eigentlich nur noch ein kleines Problem im Raum: hatten es doch die Münchner Löwen geschafft, sich in akute Abstiegsgefahr zu spielen...
Um 6:30 sammelten sich die Mitfahrer am Clubheim, alle pünktlich ausser Becks und Pectoris, welcher -entgegen seines Versprechens - auch nicht im Bayern-Trikot auflief. (wo war eigentlich die angekündigte Geste auf dem Zaun, du Maulheld ;-))
In Stillhorn wurden noch kurz die beiden Finanzbrüder aufgesammelt und man konnte sich auf den Weg machen. Der Bus sah auf den ersten Blick ziemlich nach einen normalen Gladbachbus aus, hatten sich doch die meisten Leute für Sympathien mit diesem Club entschieden. Unsere Sechzigerin hingegen wurde zumindest optisch alleine gelassen.
Modisch herausragend war Schädel, welcher sich das ganze Wochenende in schwarze Sachen unseres Vereines kleidete. Wie meinte er so schön? "Schwarz macht schlank".
Alles verlief sonst so, als ob man zu einem Auswärtsspiel unseres geliebten Vereines fährt, man trank, laberte und freute sich der Dinge, die da kommen mögen. Der Reiseleiter hatte die Fahrt noch mit einem kleinen Quiz aufgeheitert, welcher u.a. so einfache Fragen enthielt, wer damals bei dem Aufstieg von Sechzig in die erste Liga eigentlich der Gegner im Fernduell war und wo Sechzig spielte. Etwas enttäuscht war ich, dass dies nur drei oder vier Leute richtig beantworten konnten. Denn die meisten St. Paulianer waren an diesem Tag in Wolfsburg und sahen unsere Aufstiegshoffnungen in einem 1-4 zerplatzen, während Sechzig 1-0 in Meppen gewann.
An der Raststätte Tecklenburger Land konnte dann ein ausgiebiges Frühstück zu sich genommen werden, welches aus exzellenten Nudelsalaten, Kartoffelsalaten und ganz vielen Fleischstücken in Form von Frikadellen bestand. Auch hier konnten wir noch einen Mitfahrer aufnehmen und auch sonst erste Kontakte mit Fans machen. Erstaunlicherweise nur Gladbacher, welche aus allen Herren Ländern kamen. So überholte uns ein Bus mit schleswiger Kennzeichen und mehrere Autos mit nordfriesischen Kennzeichen.
Leider musste man auch erkennen, dass bei solchen Vereinen doch ein etwas anderes Niveau herrscht. Wurde doch die Freibeuterin aufgrund ihrer 60-Klamotten angemacht. Komischerweise bekamen die Nasen nicht mehr den Mund auf, als sie auf dem Rückweg von mehreren Leuten begleitet wurde.
Kurz vor Gladbach hatten wir dann noch ein kleines Nothaltproblem, da sich irgendwie keine Raststätte fand, so dass einige Businsassen doch etwas verkrampft guckten. Aber alleine die geschockten Gesichter, wenn man sagte "Ach, lass uns mal weiter fahren", und die Entspannung nach der Pause war herrlich.
In Gladbach wurden alle Leute auf Hotels verteilt, welches sich bei der Wichtelfraktion mit einer halben Weltreise verband, da sich deren Hotel zwar schon noch in Gladbach, aber beinah auch in Holland befand. Ich war noch nie ein Freund von Eingemeindungen... BTW: Ungefähr dort befindet sich auch das neue Stadion. Vor dem Hotel traf man noch ein Auto aus Karlsruhe, welches nach dem Weg fragte. Lustigerweise sahen diese die Freibeuterin und meinten: "Schön, endlich Münchner". Aber West Brom liess seine Ortskenntnis spielen und konnte so hier Hilfe sein.
Danach begab man sich langsam Richtung Stadion. Zuerst zu Fuss und dann spontan mit dem Bus. Hier der erste geschlossene 60-Fanclub, ein Kuttenfanclub aus Salzburg. Alle voll wie ein Eimer und ziemlich assig. Höhepunkt war die Aussage "Lieber ein Schwarzer als ein Russe". Geil auch der Gladbacher und die 60-Dame, welche irgendwie am "busseln" waren, obwohl deren einzige Verbindung wahrscheinlich war, dass sie beide sternhagelvoll waren. Und wenn ich sternhagelvoll schreibe, dann meine ich STERNHAGELVOLL!
"Eickener Straße" war unsere Endhaltestelle und dann erklomm man ihn zum letzten Mal: einen der drei bedeutensten deutschen Fussballberge (wobei die anderen beiden auch mit B beginnen ;-)). Kurz nochmal den Gästeeingang inklusive der kleinen Mauer, auf der man so manche Stunde verbracht hat, bewundert. Dann galt es, die überschüssigen Karten loszuwerden. Ich bin es bei St. Pauli gewöhnt, dass ich den Arm in die Höhe strecke und es ein bißchen dauert, bis jemand reagiert. Hier hatte ich den Arm noch nicht mal ganz oben, da wurde ich überrannt. Dem Ansturm konnte ich nur bedingt Herr werden, aber kurz danach hatte ich mich befreit und konnte das Stadion betreten. Während der Eingang schnell überwunden war, brauchte man für einen Klogang doch erheblich Geduld. Dies ist und bleibt der grosse Schwachpunkt dieses Stadions. Niemand hat jemals daran gedacht ausreichend Klos einzubauen.
Nachdem auch dies geschafft war, erklomm man die Stufen zum Block und wusste wieder, was man in Gladbach nie vermissen wird. Traf man doch A., die mit einigen Sechzigern mit dem "Regelzug" aus München gekommen war. Diese war vollkommen aufgelöst, da sie von der Polizei gekesselt worden waren, geschubst worden waren, eine Kamera bewusst zertreten wurde, um dann die Person, die sich aufregte, mitzunehmen. Wann hören diese Unrechtsstaatsmethoden endlich auf? Wann werden diese Straftäter in Uniform endlich zur Verantwortung gezogen? In einem Rechtsstaat kann es nicht sein, dass eine Gruppe Menschen unter Pauschalverdacht gestellt wird und irgendwelche Hooligans in Uniform ihren Frust ungestraft an diesen auslassen können. Man muss sich bei solchen Methoden nicht wundern, wenn immer mehr junge Leute nicht mehr wählen gehen und sich bewusst ausserhalb unserer Demokratie stellen. So geht es definitiv nicht weiter! Im Stadion reagierte ich nur mit Schulterzucken, hatten wir doch mit der Gladbacher Hooliganpolizei schon so unsere Erfahrungen gemacht. Leider wird sich auch diesmal nix ändern und die Schweine können weiterhin ihre Willkür durchziehen.
Man nahm seinen Platz auf halber Höhe des Blockes ein und begann,, sich Kutten anzusehen. Und hier hatte man dann doch eine schöne Auswahl. Die besten Aufnäher waren "In jeder Stadt ein Kind, bis wir deutscher Meister sind" (Kausalzusammenhang?) , "Germania meine Treue", ein Rangers-Aufnäher direkt neben einem St. Pauli-Aufnäher (nein, wir haben die nicht für einen gewissen Herren von der Northside mitgenommen), "Ich bin ein Löwenfan" in Reichskriegsflaggendesign und so weiter und so fort.
Zum Warmlaufen wurde Kioyo bereits von den Gladbachern mit Beifall begrüsst. Sonst gab es zum Warm-up das übliche Gesabbel und zwei Fallschirmspringer, welche im Stadion landeten. Wann wird dieser vollkommen gefährliche und blödsinnige Unsinn eigentlich endlich verboten? Wenn der irgendwo weggeweht wird, dann sind gleich mehrere Leute tot. Jeder Bengalo wird mit absoluter Härte verfolgt, aber dieser Blödsinn ist ja offiziell und daher problemlos möglich. Man muss jedoch erwähnen, dass die irgendwie Sponsorengeld für das Fanprojekt brachten, was natürlich zu begrüssen ist. Wäre nur schöner, wenn man dies in einer anderen Form präsentiert.
Langsam hangelte man sich dem Start des Spieles entgegen und die Gladbacher zeigten erst eine Konfetti/Schwenkfahnen Choreo, dann tonnenweise Rauch und letztendlich eine Hammerchoreo, welche hoffentlich auf den Fotos ansatzweise zu erkennen ist. Tonnenweise Rauch ist ein schönes Stichwort. Der Fanbeauftrage von Gladbach hatte die lustige Angewohnheit, sich immer mit Leuten von Vereinen zu erzürnen, die in Gladbach gezündelt haben. Ob die nun was dafür konnten war vollkommen egal. Es wird immer grundsätzlich eine Mittäterschaft unterstellt. Diesmal auch? Auf Sechziger Seite wurde auch ordentlich gezündelt, so dass das Fotografieren der Choreo nur unter erschwerten Bedingungen möglich war.
Schädel lieferte noch die Überschrift dieses Artikels, wollte sich aber bei den massig vorhandenen Sechzigern nicht bedienen, um einen zu wetten.
Zum Spiel: Zwanzig Minuten habe ich gedacht: "Okay, die Sechziger können nicht viel, sind vollkommen verkrampft, versuchen hier aber was zu reissen." Schroth holt einen klaren Elfer (wer etwas anderes behauptet, lügt! ;-)) raus, welcher auch sicher verwandelt wurde. Nur nach dem 1-1 lief eigentlich nix mehr und die Truppe ging sang- und klanglos ein. Nur Schädel hätte sich über ein 3-2 in letzter Minute gefreut, wäre dann doch sein Tip aufgegangen. Konnte Schroth nicht auch mal Fussball spielen? Dann hat er es vollkommen verlernt.
Zur Stimmung. Die war auf Gladbacherseite -verständlicherweise- sehr gut. Hier möchte man mal gerne ein paar St. Paulianer hinschicken, welche immer über das Rumgehüpfe der Ultras meckern. Solche Leute haben noch nie einer hüpfenden Kurve gegenübergestanden. Denn das sieht so etwas von Ultra-genial ;-) aus. Lustig auch die Vielfalt der Wechselgesänge. In Gladbach singt die Nordkurve kurz dem Ostwall vor, was sie brüllen sollen. So wurde einfach "Und ihr singt jetzt Bökelberg" angestimmt und kurze Zeit später antwortete der Ostwall auf "bye, bye" wirklich mit "Bökelberg". Kann ich mir bei St. Pauli absolut nicht vorstellen (die Forendiskussion würde 100 Seiten haben) und finde ich hammergenial. Ob die Gladbacher diese Stimmung in den Nordpark retten können? Ich bezweifele dies. Das Publikum wird sich unglaublich schnell in Richtung Familienausflug entwickeln und dann singt eine Ostgrade überhaupt nix mehr, wenn man versucht, ihnen was vorzugeben.
Auf Sechziger Seite war die Stimmung nur die ersten 20 Minuten gut. Sehr kreativ waren die Gesänge jedoch nicht, die halten das eher nach dem Prinzip "Kiss- Keep it stupid simple", welches auch für unseren Verein mal ein vernünftiges wäre. Eine Show für sich ist aber der Vorsänger. Wer glaubt, dass unser geschätzter B. agressiv und hektisch auf dem Zaun rüberkommt, der stelle sich mal bei Sechzig in die Kurve. Alter Schwede, definitiv unbeschreiblich und definitiv das Eintrittsgeld alleine wert... Nach zwanzig Minuten stellte aber auch dieser die Arbeit ein und verbrachte den Rest des Spieles auf dem Zaun hockend.
Die richtige Entscheidung, Neumünster sausen zu lassen, wurde einem gewiss, wenn man SMS wie "Es hagelt" oder "Jetzt hat selbst USP das Singen eingestellt, oberlangweilig" erhielt.
Danach pöbelten die Sechziger eigentlich nur noch gegen ihre eigene Mannschaft, wobei man teilweise froh war, nicht alles zu verstehen, und teilweise eine gewisse Situationskomik entstand ("Das ist schlechter als C-Klasse", im vollkommen enttäuschten Ton kam als Antwort: "Die gibt es nit mehr.") Leider wurde Kioyo nach seiner Einwechslung (was hat sich der Trainer dabei eigentlich gedacht?) teilweise auf das Übelste rassistisch beschimpft. "Du Drecksneger" oder "Scheiss Schwarzer, geh doch nach Afrika" waren mehrfach zu hören.
Bevor das jetzt zu negativ rüber kommt: Man muss auch positiv erwähnen, dass verdammt viele Leute mit "Löwen gegen rechts" Klamotten im Block rumliefen und ich oben ca. drei Schreier mit deutlicher Ausdauer zitiere. Nur das wie bei uns irgendjemand da was gegen unternehmen würde, muss man nicht glauben.
Abstiege sind nicht wirklich schön, auch wenn sich der Anteil der heulenden Leute doch in Grenzen hielt, war der Abstieg doch bereits vor einer Woche sehr nah gekommen. Die Mannschaft kam nur teilweise in die Kurve, wurde aber mit klatschen und "Wir kommen wieder"-Gesängen empfangen. Wo sich diese Fanszene hinwünscht, wurde sehr deutlich, als der vollkommen aufgelöste Präsident Auer in die Kurve kam, der mit lauten und von beinah allen anwesenden gerufenen "Grünwalder Stadion"-Rufen empfangen wurde. Vielleicht sollte man diese Chance nutzen, Allianzarena Allianzarena sein lassen und sich endlich wieder auf seine Heimat besinnen und auch im Falle eines Aufstieges dort bleiben. Den Fans würde es anscheinend gefallen. A. meinte dann auch schon, dass wir dann ja bald gegeneinander spielen könnten. Deinen Optimismus in allen Ehren, aber eher werdet ihr Deutscher Meister, als das wir in naher Zukunft aufsteigen.
Beim Abmarsch wurde auch mir traurig ums Herz. Nicht nur, weil man ja doch ein kleines bisschen Sympathie mit den Löwen teilt, nein, ein letztes Mal liess man den Blick über eine grossartige Arena schweifen. Schade, dass soviel Tradition dem Modernisierungswahn zum Opfer fallen muss. Tschüss, Bökelberg, ich werde dich vermissen! Was habe ich hier erlebt: Meggles Arschtor in der Nachspielzeit (2-2), Ippigs gehaltenen Elfer (es blieb beim 1-1), Scharpings Weltklasseleistung (4-2 Auswärtssieg "So spielt ein Aufsteiger"), die Gedächtnisblutgrätsche von Ahlf gegen Ketelaer und vieles mehr.
Nochmal meinen Lieblingseingang gehuldigt, wobei die von mir so geschätzten Mauern bereits voll waren. Auch hier herrscht der Irrsinn vor, dass sich fliegende Händler mitten in den Weg plazieren um Bier zu verkaufen. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten kaufte ich diesmal auch ein Bier, Veltins. Der vor mir bestellte dementsprechend auch "zwei Schalke Biere".
Nach dem Spiel gingen wir direkt nach Hause. Wir legten nur ein paar Verschnaufpausen ein. Die erste vor dem Gladbacher Fanprojekt, wo es Dosenbierpaletten (Jever!) für 15 Euro gab. Die Hamburger erwiesen sich dabei als Trendsetter, waren wir doch die ersten, die sich auf den Platz setzten. Nebenan fand in einer Halle eine Saisonabschiedsparty ab, so dass eigentlich auch die Klosituation kein Problem darstellte, war doch der Einlass umsonst. Nur leider erwiesen sich die "Fanordner" als ziemliche Arschlöcher, die willkürlich den Eingang sperrten, Leute anmachten, sie willkürlich der Halle verwiesen und motzten ohne Ende.
So musste ich beim zweiten Mal freiluftpinkeln, was jedoch auch zu einer schönen Begebenheit führte, stand da doch ein Gladbacher Fanclub. Und ein Mitglied missachtete vollkommen das von ihm getragene Trikot und schmetterte lauthals "Hamburg, meine Perle".
Preuszen 93 konnte auch noch aus der Nähe bewundert werden (Jens, sind fotografiert :-)) und dann war die Ruhepause vorbei. Man begab sich unter ortskundiger Führung von Kollege West Brom Richtung Altstadt, traf noch ein Sechziger Paar. (Frau von Langer (mehr Namen nicht bekannt), falls du das liest: Die Wette gilt, wenn wir gegeneinander spielen, dann könnt ihr gerne bei uns übernachten.)
Die nächste Ruhepause führte zu einem Drink in einer Kneipe ohne Kicker, welche schnell für eine Kneipe mit Kicker verlassen wurde. Der Kicker war ohne Einwurflöcher, dafür mit Flummibällen und ich hätte mir ein Auge zuhalten sollen, dann hätte ich vielleicht den Ball gesehen. So ging man fröhlich ein. Nachdem auch diese Ruhepause beendet war, ging man ins Hotel, versuchte noch Cocktails zu bekommen, musste mit Campari-Orange vorlieb nehmen, liess die Rechnung aufs Zimmer gehen und begab sich in das selbige.
Irgendwann nachts erschienen noch unsere beiden Untermieter, deren Namen hier mal unerwähnt bleiben. Der eine schnarchte wie ein Monster und der andere liess sich die Getränke des Tages nochmal durch den Kopf gehen und verteilte Teile davon elegant auf Boden und Bett. Kurz: Tolles Hotelzimmer, aber im Gang geschlafen.
Die beiden Finanzbrüder fanden sich zwischenzeitlich noch im Bökelberg nachts um halb eins wieder, bekamen noch eine Geschäftsstellenführung und durften ein Bier auf der Mannschaftsparty trinken. Diese wollten sie nebenbei bezahlen, was eine vollkommen verwirrte Bedienung hinterlies, die nur schüchtern mit "Das ist doch alles bezahlt" antwortete. Wie viele andere Leute den Abend verbrachten, entzieht sich meiner Kenntnis, nur die Kiezwichtel waren etwas hinterher und kamen gerade in der Kneipe an, in der wir waren, als wir aufbrachen. Sorry dafür, aber mein Zeit-/Raumgefühl war etwas gestört.
Das Frühstück wurde zur Vitaminaufnahme genutzt und nun befindet man sich auf der ruhigen Heimfahrt. Ohne Musik, viele ohne vorherigen Schlaf, alle ein bißchen angeschlagen, aber auf dem Weg zur Sternschanze.
(Fortsetzung) Die restliche Rückfahrt verlief ruhig und entspannt, so dass man ein paar Minuten zu spät an der Sternschanze war. Meiendorf gewann verdient gegen unsere Amateure, man erfreute sich des Wiedersehens, flachste rum und schleppte sich dann müde nach Hause. Und ehrlich gesagt: Ich war froh endlich die Füsse hochlegen zu können.
Es gilt Dank zu sagen: Allen Mitfahrern für eine entspannte Fahrt. Der Freibeuterin für die Kartenorganisation und eine Teilkorrektur dieses Berichtes (und natürlich für das Verfassen des eigenen Berichtes und der zur Verfügungstellung weiterer Bilder, auch wenn beides zum jetzigen Zeitpunkt noch in der Zukunft liegt), Knuffi für die restliche Korrektur, West Brom für die Stadtführung und mir für die Bus und Hotelorganisation :D.
Im Rahmen der Vorbereitung auf diese Tour haben wir feststellen müssen, dass es hier oben zwar unzählige Gladbachfanclubs gibt, jedoch nicht einen Sechzigfanclub. Wir haben zwar mehrere Anfragen von Sechzigern gehabt, aber auf eine Organisationsstruktur sind wir nicht gestossen. Und da wir garantiert nochmal irgendwo mit denen hinfahren wollen, hat man mal vorsichtig nach der Möglichkeit einer Gründung eines Fanclubs gefragt. Auf der offiziellen Homepage wurde man an Jutta Schnell (ihres Zeichens offizielle Fanbeauftragte von 1860 München) verwiesen. Die erste Email führte zu nix. Daraufhin fragte man in Köln doch mal nach, wie häufig sie denn ihre Mails abrufe. Da erfuhr man, dass sie diese Mailadresse überhaupt nicht mehr abrufe, weil sie eine neue habe. Okay, erste Verwunderung kam auf, warum dies dem Verein nicht bekannt ist, aber man ist ja von seinem Erstverein viel gewohnt. Also nochmal an die vermeindlich richtige Adresse geschrieben. Wieder sehr freundlich, nett und ausführlich. Antwort bis heute? Keine! Es scheint in München System zu sein, dass man Fanbeauftragte hat, die nicht wissen, was Fans sind.
Nicht nur aus der dritten Liga, nein, auch in der Olympiabewerbung. Und sorry, das war klar und man kann nur sagen, dass die ganze Bewerbung schlichtweg peinlich war. Nichts gegen die Stadt Leipzig, aber genausogut hätte sich auch Merseburg bewerben können. Beide Städte mögen schön, interessant und super sein, aber sie sind für Olympia zumindest in der Denke des IOCs zu klein. Und das hätte auch das Nationale Olympische Komitee wissen müssen. Nur national war es mal wieder wichtiger, versteckte Ostförderung zu machen als eine wirklich sinnvolle Bewerbung zu präsentieren. Dafür wurden dann wieder Unmengen Steuergelder verschwendet, obwohl klar war, dass dies nix wird. Und nein, aus meiner Sicht ist es keine zweite Chance für Hamburg. Denn zum einen würde dann wieder irgendeine Oststadt (Merseburg, bitte übernehmen Sie!) sich bewerben und würde selbst dann nationaler Kandidat werden, wenn sie kein einziges Kriterium erfüllen würde. Und wenn dies nicht passiert, dann würde man Berlin puschen und die würden nationaler Kandidat (und aufgrund der 2000er Geschichte genauso eingehen). Und wenn dies alles nicht passiert, dann würde man international trotzdem scheitern, da die letzten deutschen Bewerbungen schlichtweg so peinlich waren, dass selbst jetzt eine intelligente Bewerbung keine Chance hätte. Insofern: Kein Geld drauf verschwenden, sondern lieber sinnvoll verwenden.
Ich weiss nicht so recht, ob ich mich darüber freuen soll. Richtig ist, dass ich diesem Verein ungefähr die Pest und die Cholera wünsche, aber wenn ich mir so die zweite Liga ansehe, dann wird diese nächstes Jahr ohne einen echten Nord-Vertreter spielen. Auch aus der dritten Liga werden nur West- oder Ostvereine aufsteigen. Aber ein Verein aus den Bundesländern Schleswig-Holstein, Meck-Po, Hamburg, Bremen oder Niedersachsen gibt es in der zweiten Liga nicht mehr. Bitter. Ich kann mich noch an eingleisige 2. Ligen erinnern, wo aus diesen Bundesländern sechs oder sieben Vertreter kamen (Meppen, Braunschweig, Oldenburg, wir, Osnabrück sind nur ein paar Namen, die sich verabschiedet haben).
So stellte die Freibeuterin heute fest, dass in der zweiten Liga die kürzeste Fahrt von ihrem jetzigen Wohnort Essen oder Wuppertal ist (und das sind schon beides Niederrhein-Vereine (!)).
Der Glückwunsch fällt aber relativ klein aus, wenn man sich zweimal danach so abschiessen lässt. Das ist schwach und absolut unsportlich.
Tja über Neumünster schreibe ich nix (wie auch?), aber da wir nun definitiv gerettet sind (auch wenn man dafür einen Rechenschieber braucht und die Blöd es nicht mitbekommen hat), müssen wir uns mit der Planung der nächsten Saison beschäftigen. Angeblich ist ein Etat von 1,9 Mio beim DFB eingereicht worden, gehofft wird auf 2,1 Mio. Bevor ich jetzt wieder das Lamentieren anfange, wie es andere Vereine schaffen doppelt so hohe Etats auf die Beine zu stellen, obwohl sie keine Zuschauer haben (Beispiel Lübeck), frage ich eher, was mit diesem Etat möglich ist.
Von den vermeindlichen Abgängen Sager, Mölzl, Gruszka, Bobrowski, Musci halte ich nur Gruszka für einen wirklichen sportlichen Verlust. Alle anderen Spieler sind aus meiner Sicht nicht wirklich Führungsspieler diese Saison gewesen. Gerade Herr Sager leidet anscheinend auch unter Selbstüberschätzung, denn gerade seine Rückrunde war eine Katastrophe. Mölzl hat garantiert Potential, hat dieses aber nie abrufen können und ist leider kein Führungsspieler. Aus meiner Sicht steht das Gerüst der Mannschaft mit Hollerieth, Morena, Gunesch, Mayer, Boll, Hanke, Palikuca, Albrecht, Bounoua. Was brauchen wir? Definitiv einen Ersatz für Gruszka, da es an guten Verteidigern im Verein mangelt. Und definitiv einen Mann fürs Mittelfeld. Zwar entwickelt sich Mayer in den letzten Wochen sehr positiv weiter (insbesondere im kämpferischen Bereich), aber noch (und vielleicht nie) ist er nicht der Kopf und dieser fehlt der Mannschaft definitiv. Definitiv brauchen wir keinen Stürmer. Wir haben mindestens zwei Stürmer (Hanke, Palikuca), welche für 10 Tore in der Regionalliga gut sind, wenn sie denn mal vernünftig gefüttert werden. Und mit Albrecht und den ganzen Verletzten Stürmern ist auch gutes Ersatzpersonal da. Dabei soll es nebenbei egal sein, dass Palikuca gelernter Abwehrspieler ist. Er macht die Dinger rein, wie interessiert nicht und Feierabend. Da sollte auch nicht die "Schmerzensgrenze" (so Blöd) für einen Jens Scharping überschritten werden. Der hat zwar fussballerisches Talent, aber leider nicht die Einstellung um wirklich eine Ergänzung zu sein.
Ein Sonderfall und auch ein Problemfall wird wahrscheinlich noch Fabian Boll sein. Mit seiner zur zeitigen Leistung gehört er definitiv in die erste Mannschaft, aber wie lange er die Doppelbelastung noch verkraftet, steht auf einem anderen Blatt. Er steht am Scheideweg seiner Karriere. Talent hat er bis ca. 2. Liga. Aber ob ich dafür den sicheren Kommisarposten aufgeben würde? Ich weiss nicht.
Was aber ist mit diesem Stamm und einigen Ergänzungen möglich? Ich würde sagen: Alles! Die dritte Liga ist noch unberechenbarer als die 2. Liga. Nehmen wir Wattenscheid als Beispiel. Letzte Saison knapp am Aufstieg gescheitert und diese Saison als absoluter Mitfavorit gehandelt. Diese Saison immer noch im Abstiegskampf. Oder nehmen wir Paderborn und Wuppertal. Auf beide hätte vor der Saison niemand einen Pfifferling gewettet. Beide können aber immer noch aufsteigen. Oder nehmen wir den grossen Favoriten Braunschweig. Die haben gerade mal drei Punkte mehr als wir. Wichtig wird nur sein, dass wir von Verletzungen verschont bleiben. Diese Saison litt auch erheblich darunter, dass wir nahezu jedes Spiel mit vollkommen anderen Aufstellungen bestreiten mussten und so nie eine Routine in die Mannschaft kam.
Ich denke der Weg sollte folgender sein: Vielleicht noch ein bis zwei Spieler mit Erfahrung holen, die jedoch auch Lust auf die dritte Liga haben. Dann mit jungen Leuten und Spielern mit Potential aufstocken. Danach nicht verrückt machen lassen und ab gehts. Und schon gar nicht von den Hamburger Zeitungen unter irgendwelchen Druck stellen lassen.
Das ärgerliche ist, dass wir die Saison in den letzten vier Spielen (ca.) der Hinrunde und den ersten drei Spielen (ca.) der Rückrunde weggeworfen haben. Wenn wir in dieser Phase etwas mehr Punkte geholt hätten, dann würden wir oben noch locker dran sein. Anscheinend ist aber mit Bergmann das Glück wieder gekommen. Haben wir seitdem doch nur einmal verloren, obwohl wir garantiert nicht toll spielen.
Insofern entspannt in eine Saison, bei der ich jetzt schon weiss, dass ich bei fünf Spielen (alle in der Hinrunde) nicht anwesend sein werde. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Ziel wird dann der 29er plus alle Oddsetpokalbegegnungen. 2005/2006 ist dann wieder "Alle Spiele, alle Tore" angesagt, egal ob 2., 3. oder 4. Liga
Meine persönliche Bilanz der letzten Jahre möchte ich nebenbei im Rahmen einer Selbstbeweihräucherung gerne veröffentlichen: 00/01 27 Spiele, 01/02 34 Spiele, 02/03 34 Spiele, 03/04 32 Spiele vor Ort. Ich muss verrückt sein.
Ab jetzt erwarte ich von jedem St. Paulianer, inklusive Mannschaft, dass man die letzten beiden Spiele geniesst, sich nicht durch irgendwas unter Druck setzen lässt und sich dann Kraft und Lust für die neue Saison holt. Ein Ziel gibt es ja noch: Immerhin können wir immer noch zweitbester Nordverein werden (sprich Braunschweig vom sechsten Platz verdrängen). Das denke ich sollte schon unser Ziel sein und kann auf unserer Abschlussfahrt nach Braunschweig ja aus eigener Kraft erreicht werden.
Und nochwas muss die neue Saison bringen. Eine komplette Änderung im Umgang miteinander und ein Neuanfang in der Fanszene. Wir brauchen neue Kraft, neue Leute, neues Engagement. Viele Leute sind nach vier Abstiegskämpfen in fünf Jahren aufgerieben und in ihren Wegen eingefahren. Insofern ermutige ich alle Leute sich noch mehr einzubringen. Schreibt Berichte, macht Fotoseiten, macht Fanzines (eine Hoffnung wäre ja mal wieder ein viertes Zine), fahrt Auswärts, unterstützt den Fanladen, bringt euch in relevanten und irrelevanten Gruppen ein und seid einfach da.
Ziel - um diesen wirren Teil vollkommen zu verwirren - sollten aus meiner Sicht schon 10.000 Dauerkarten sein. Nicht nur, dass dann der Etat gesichert wäre, nein ich glaube immer noch, dass ein volles Millerntor einer der Gründe ist, warum Spieler hier gerne spielen. Und viel mehr Pfunde haben wir nicht. Wer glaubt, dass eine Neuentwicklung mit 5.000 Zuschauern passieren kann, der irrt. 5.000 Leute am Millerntor kann verdammt schnell langweilig werden.
Insgesamt ein sehr netter Themenabend, der jedoch darunter litt, dass nur sehr sehr wenige Leute anwesend waren, die nicht sowieso mit einer der beiden Gruppen verbunden sind. Insgesamt kam USP etwas besser weg, hatten sie doch ihren wortgewandtesten Vertreter geschickt. Und wenn der noch den FC 42 erwähnt und das auch noch positiv, dann gewinnt er natürlich. Auch wenn ich mal behaupte, dass er von uns wahrscheinlich genau mich und vielleicht noch die Freibeuterin kennt ;-). Am Rande konnte man noch gute Gespräche führen und auch ich habe mal wieder was gelernt. Mehr davon un