Norbert regt sich auf vom 9.06.

 

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Rettung, Überleben, Leid, Spass und Verzweifelung / Der Saisonrückblick 2003 / 2004

Präskriptum

Ein frohes neues Jahr, liebe Leser! Leider denken nicht viele so, so dass der Saisonkalender des Fanladens ein riesiger Flop wurde. Schande über euch, dass ihr den nicht gekauft habt und ich nun in meinem Büro keinen neuen Kalender habe... Aber - um beim Thema zu bleiben - für mich ist mal wieder Jahreswechsel und es ist Zeit, das Jahr zusammen zufassen. Aber bevor ich das mache, muss ich auch die aktuellen Ereignisse zusammenfassen. Eigentlich wollte ich die Braunschweigfahrt mit den Worten "wir haben gut gesoffen..." zusammenzufassen, denn weder fantechnisch noch sportlich ging es noch um irgendwas. Nur leider ist gestern so viel Scheisse passiert, dass ich doch einen Bericht schreiben muss (der Bericht ist nebenbei über mehrere Tage geschrieben, da ich doch ein bißchen Zeit brauche...).

Ich weiss schon, warum ich eigentlich nie gerne nach Braunschweig fahre oder "Erst Bayern das Stadion zahlen und dann ins Grünwalder gehen, dass nenn' ich arrogant"

Die Fahrt war eigentlich ganz nett, unser Sektfrühstück mit nachträglichem Becks-Meisterbier-Trinken führte auf dem Hinweg zu dem gewünschten Erfolg (BTW: Habt ihr schon mal diesen komischen spanischen Sekt getrunken? Teufel, ist das Zeug süss. Das kann man überhaupt nicht trinken. Anderer Ansicht ist nur eine junge Dame aus einem Hamburger Stadtteil, welche meinte, dies sei ihr Lieblingssekt. Pfui Spinne...). Man war gut angeheitert, als man in Braunschweig ankam. Was hier mit auswärtigen Fussballfans passiert, ist jedes Jahr wieder eine absolute Frechheit. Man wird wie Vieh durch einen unbeleuchteten Nebenausgang zu den Bussen geschickt. Ein Abbiegen nach links und rechts ist nicht erlaubt, der Kauf von Getränken oder Essen unmöglich. Auch pinkeln ist unmöglich. Danach wird man in die Busse gepfercht, die Polizei steigt zu, man wird ca. eine halbe Stunde durch Braunschweig gekarrt. Die Polizei fährt neben den Bussen, filmt durch die Scheiben die Fans, ohne dass irgendwas in den Bussen passiert ist. Beim Stadion wird man rausgeschmissen und darf nur in den Gästeblock. Die Eingangskontrollen werden durchgeführt von irgendwelchen Naziordnern, die teilweise als Männer Frauen bzw. Taschen von Frauen durchsuchen (was meines Erachtens verboten ist). Natürlich Gedrängel, weil gerade mal vier kleine Tore für ca. 1000 Leute offen sind.

Erstmal zum Verhalten der Polizei: Gelinde gesagt geht es mir langsam auf den Geist, dass sämtliche gesetzlichen Regeln sofort nicht mehr gelten, wenn man sich mit einem Fussballschal durch eine Stadt bewegt. Normalerweise ist das Recht auf freie Beweglichkeit grundgesetzlich geschützt. Nicht so bei Fussballfans. Diese werden gezwungen, irgendwo hinzugehen. Wobei zumindest ich persönlich noch nie irgendwo Ärger begonnen habe, nicht aufgefallen bin, selber im Staatsdienst bin und ausser ein paar Geschwindigkeitsüberschreitungen ein gesetzestreuer Bürger bin (ich ziele jetzt bewusst ab auf diese egoistische Schiene). Was ist also mein Verbrechen, welches eine solche Behandlung rechtfertigt? Oder kommt jetzt wieder die Ausrede "Ist doch alles zu Ihrem eigenen Schutz". Wirklich? Weiss ich nicht selber, wie ich mich am besten schütze? Ist es der Polizei erlaubt, mich zu schützen, wenn ich gar keinen Schutz in Anspruch nehmen will? Ich denke nein. Okay, wird die Polizei sagen. Dann berufen wir uns auf die allgemeine Gefahrenabwehr. Die Braunschweiger könnten doch was tun, mich angreifen zum Beispiel, und diese Straftat muss verhindert werden. Also als ich noch Polizeirecht gelernt habe, da war das so, dass ein unbeteiligter Dritter nur unter ganz schweren Voraussetzungen mit Zwang bedroht werden durfte. Scheint bei Fussballfans nicht zu gelten. Oder wirft mir die Polizei etwa doch vor, dass ich eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung bin? Ich glaube, das nennt man dann üble Nachrede und das ist strafbar.

Kurz: Hier muss sich dringend was an der Polizeitaktik ändern. Bei vielen Betroffenen schlägt diese Hilflosigkeit immer mehr in Fassungslosigkeit und Wut um und irgendwann entlädt sich diese Wut, ob man das nun gut findet oder nicht.

Und wenn ich dann noch sehe, dass von meinen Steuergeldern solche Hampelmänner wie die angeblich szenekundigen Beamten bezahlt werden, dann kommt mir die Galle hoch. Diese beiden Typen haben nicht einmal den Mut, selber Leute aus dem Block zu holen, die vermeintlich Stadionverbot haben. Lieber schicken sie Vertreter und drohen mit behelmten Einsatz. Noch peinlicher wird es natürlich dann, wenn die ach so szenekundigen Beamten nicht wissen, dass das Stadionverbot für die betreffende Person bereits aufgehoben worden ist. Und letztendlich zu einem Skandal entwickelt sich das Ganze, wenn trotzdem die Personalien des Betroffenen aufgenommen werden, obwohl dieser nichts anderes tat als ca. drei Meter neben mir ein Fussballspiel zu gucken.

BTW: Mit welchem Grund setzen diese Nasen eigentlich private Stadionverbote durch? Ist das nicht Aufgabe des Ordnungsdienstes? Hausfriedensbruch kann nebenbei nur auf Antrag verfolgt werden und den Antragssteller sehe ich immer nicht. Insofern ist der deren Handeln nicht nur albern, sondern schlichtweg Amtsanmassung (setzt ein sz für das ss ein).

Kommen wir zu dem nächsten Aufreger des Tages. Die Braunschweiger Ordner: Was die sich leisteten war nicht mehr mit Worten zu beschreiben. Es ist erschreckend, dass beinah bei jedem zweiten Auswärtsspiel sich irgendwelche Neonazis und/oder Schläger als Ordner getarnt in den Kurven tummeln. Hier muss der DFB dringend (!!!!) eingreifen, wenn es nicht irgendwann zu einer Katastrophe kommen soll. Hier der Sachverhalt: Nach dem Spiel kommt die Mannschaft in die Kurve. Leute sitzen auf dem Zaun. Okay, muss man nicht machen, ist aber nun wirklich kein schweres Verbrechen. Einer fällt/steigt runter, als die Mannschaft in die Kurve kommt. Okay, darf er nicht, wenn er jetzt des Stadions verwiesen wird, dann hat er selber Schuld. Stattdessen schlagen diese Mutantenordner auf einen Fan, der sich nicht wehrt, hemmungslos ein. Hier geht es nicht um "Ordnung" oder um "Sicherheit", nein, hier wird ein Gewalttrieb ausgelebt, welcher bei Ordnungskräften definitiv fehl am Platze ist. Zum Skandal wird das Ganze dann, als auch die Mannschaft von den Ordnern nahezu verprügelt wird, als sie sich schützend vor den Fan stellt.

Und mal ganz ehrlich: Dröge und Hollerieth und auch einige andere haben ab jetzt einen grossen Platz in meinem Herzen. Denn sich so da hinzustellen, volle Kanne einzustecken und auch auszuteilen, um einem eigenen Fan zu helfen - riesigen Respekt dafür. Da können die noch so scheisse spielen, bei solchen Szenen hat man wieder genügend Gründe, denen zuzujubeln.

Kommen wir zu den unwichtigen Fragen des Tages

Die Choreo von USP habe ich nicht sehen können, die Stimmung im Block war okay, aber nicht doll. Die Anfangschoreo der Braunschweiger war schön, dass AntiUSP-Plakat eher niedlich. Auch die Stimmung auf der Gegenseite war nicht doll.

Nur eines gefällt mir schon lange nicht mehr: Der Umgang untereinander wird immer schlimmer. So wurde in der zweiten Halbzeit der Mann mit dem Megafon von einem Typen mit Bier beworfen und als "Scheiss-Ultra" bezeichnet. Das kann doch nicht ernsthaft die Argumentationsebene sein, oder? Ich habe wenig Probleme damit, wenn man den Anfeuerungsstil mit Megafon nicht mag, aber das kann man doch anders ändern als mit Bierbecherwürfen und Beschimpfungen, oder? Mal ganz ehrlich: Natürlich ist da nicht alles im reinen, natürlich wird teilweise gegeneinander gesungen, weil man den anderen nicht hörte, natürlich kann man auch ohne Megafon Stimmung machen, aber das klärt man nicht mit Bierbecherwürfen.

Der sportliche Teil ist schnell erzählt: Es ging um nix mehr. Das erkannte man spätestens dann, als Michi Hempen in der ersten Mannschaft den Libero mimen durfte. Schade, dass die beiden Tore nicht gezählt wurden. Ob der Ball aus war, kann ich nicht sagen, das angeblich gefährliche Spiel von Bounoua war eine Lachnummer. Wie meinte Andy so schön? "Der Schiri zeigt an, dass er geschossen hat und das ist anscheinend verboten."

So, irgendwann hatte man alles überlebt und konnte sich vom Acker machen. Schnell fand sich ein Sitzplatz im ersten Bus, Elvis wurde für blind und taub erklärt (ELVIS, hier sitzen wir...), Mathes (wie viele Bremer mit einem eigenen Bus angereist) wurde noch kurz per Handy vor der Verzweifelung gerettet und dann konnte man sich wieder gen Heimat aufmachen. Nach kurzer Zeit wurde festgestellt, dass die Biervorräte nicht reichen würden um das angestrebte Ziel zu erreichen (jetzt war dies die Volltrunkenheit), so dass man kurzerhand nachorderte. Spaddel konnte noch als Kassier für den Tigerentenklub (siehe dazu unten) gewonnen werden und leider hatten wir kein Haarspray dabei, sonst hätte die Freibeuterin eine neue Frisur ;-)). Grossartig auch die Weiterdichtung von "Mit Korn nach vorn". U.a. gab es in Liedform "Mit Barcadi gibt es Party", "Mit Cider geht es weiter" oder "Mit Bier bleiben wir hier" (welches von Jens immer mit "jetzt gelangweilt" angekündigt wurde). Höhepunkt war dann aber "Am nächsten Tag hilft nur Aspirin" (oder so ähnlich, ich kann mir keine Texte merken). Grossartiges Texttennis.

Ich bin ehrlich gesagt aber auch froh, dass dies der letzte Sonderzug für eine geraume Zeit war. So nett es immer wieder mit Paulchen, Orsen, Moritz, Freibeuterin und dem Rest ist, aber irgendwie nervt das. Wobei ich ein gespaltenes Verhältnis zu Sonderzügen habe. Wie immer ging ich zweimal durch den Zug. Bereits auf dem Hinweg (direkt hinter Lüneburg), schwammen zwei Waggons völlig, war ein Klo bereits zum Kotzen benutzt worden und waren mehrere Leute absolut nicht mehr Herr ihrer Sinne. Diese negativen Begleiterscheinungen können nicht die super netten Stories aufwiegen wie die junge Dame mit ihrer Mutter (???), welche mich aufgrund meines Kranke-Franken-Trikots ansprachen, ob ich denn von dort käme. Ich verneinte und erklärte, dass ich mir eigentlich immer ein Shirt kaufe, wenn es denn frei verkäuflich sei. Und dies sei hier der Fall gewesen. Irgendwie kamen wir ins Gespräch und irgendwann meinte die junge Dame, dass ich aber doch nix mit dem FC 42 zu tun habe, oder? Naja, meinte ich, nicht "viel", ich sei nur Vizepräsident. Dann fragte sie, wie ich denn hiesse. Und ich meinte, sie solle raten. Das Ergebnis dürfte bekannt sein. ;-). Falls du also meine Berichte liest, seist du hiermit gegrüsst.

Irgendwann war man dann wieder zu Hause und machte sich auf ins Jolly (ich blende nebenbei ganz bewusst alle Lokalrivalenaktivitäten aus, die kommen gleich). Leider finden nach einer solchen Auswärtsfahrt immer nur wenige Gesichter den Weg in unsere geliebte Stammkneipe. So war es zwischenzeitlich etwas schwer, jemand viertes zum Kickern zu bewegen. Und nachdem ich die Lücke bei Elvis gefunden habe, musste ich feststellen, dass Orsen diese Lücke nicht lässt. Oder lag es einfach daran, dass er ausgeschlafener war? ;-)

Kommen wir doch jetzt mal zu den schwarz-weiss-blauen Idioten

Leider kam es so, wie ich befürchtet habe. Leider haben die Auseinandersetzungen zwischen dem Lokalrivalen und uns die Ebene der harmlosen Kindergartenscherze, welche zwar albern sind (und zwar von beiden Seiten), aber niemandem richtig weh tun, verlassen und haben mal wieder die Ebene der schwersten Straftaten erreicht.

Bereits auf der Hinfahrt wurde der Zug nach Braunschweig von Lokalrivalenfans mit Farbbeuteln und mit Steinen beworfen. Die Lokalrivalenfans waren in grösserer Anzahl am Hauptbahnhof anwesend, da sie die Fahrt zum letzten Spiel ihrer Amateure bei Werder gesponsort bekommen haben. Diese grosse Anzahl Leute wurde anscheinend von einigen Nasen dazu benutzt, die oben beschriebenen Taten zu begehen (andere Schilderungen sagen, die Sachen sind ca. Höhe Wilhelmsburg auf den fahrenden Zug geworfen worden... mir nicht ganz klar, was stimmt, ändert aber sonst nix). Der Zug wurde glücklicherweise nur leicht beschädigt und glücklicherweise wurde nur ein St. Paulianer durch einen Farbbeutel getroffen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ein Stein einen Menschen getroffen hätte. Aber auch so ist das kein Dummejungenstreich. Steine und Farbbeutel auf fahrende Züge zu werfen gefährdet Menschen aufs Äusserste. Nicht zu Unrecht ist der gefährliche Eingriff in den Schienenverkehr eine Straftat, welche mit einer erheblichen Strafandrohung versehen ist.

Aber die Idioten wollten noch mehr. Auf dem Rückweg stellte man ein paar Lockvögel hin und liess die St. Paulianer, die auf die Provokationen eingingen, in eine schön bereit gestellte Falle tappen und lauerte mit einer Übermacht diesen auf. Klar ist es schön doof, sich provozieren zu lassen, insbesondere, weil man dann natürlich wieder die klassische Ausrede für die Lokalrivalenfans a la "ihr habt doch angefangen" geschaffen hatte, aber trotzdem ist ein "Falle stellen" schlichtweg kein Kinderscherz mehr. Insbesondere, da einige Betroffene wohl doch erhebliche Verletzungen abbekommen haben.

Ihren Heldentaten mussten die Lokalrivalenidioten dann noch einen Angriff auf das spärlich besetzte Jolly folgen lassen. Wieder schwerste Straftaten, die von einer Polizei begleitet wurden, die nicht konsequent eingriff und dann nichts Besseres zu tun hatte als Verhaftungsproporz herzustellen, indem sie einige St. Paulianer festnahm. Das nur zum Labern von "Burgfrieden" oder "faires Match". Das Jolly greifen die Nasen immer nur dann an, wenn sie ganz genau wissen, dass sie keine Gegenwehr zu befürchten haben. Sehr mutig. Ich kann mir richtig vorstellen, wie bei unseren 16jährigen Freunden die Hose schwellt. Leider wurde ein Mädel von uns doch erheblich verletzt. Man kann nur hoffen, dass diese Idioten schwere Strafen erhalten und das Opfer (und den Rat geb ich ihr auch noch persönlich) den Mut aufbringt, zivilrechtlich gegen diese Nasen vorzugehen.

Es drohen somit mal wieder ungemütlichere Zeiten in Hamburg. Nur auch hier gilt mal wieder: Der Klügere gibt nach! Natürlich wäre emotional jetzt jede Racheaktion verständlich. Aber das gäbe den Lokalrivalenidioten nur wieder neue Argumente für irgendwelche unsinnigen Aktionen. Insofern kann man die nur ignorieren, haben sie es doch geschafft, sich selber ins Abseits zu stellen. Die Offiziellen des Lokalrivalen sollten sich nebenbei mal fragen, wie es sein kann, dass anscheinend im Umfeld einer offiziell gesponsorten Auswärtsfahrt schwerste Straftaten verübt werden und keiner dafür zur Verantwortung gezogen wird. Hier muss dringend an der Fanbetreuung gearbeitet werden.

Nur als Hinweis: Die Schilderungen erfolgen nach Augenzeugenberichten, welche aus meiner Sicht glaubwürdig sind. Ich selber war glücklicherweise bereits im Bett. Dies gilt umso mehr, als dass ich mich wahrscheinlich nur schwer emotional zurückhalten kann in solchen Situationen.

Verlassen wir das Tagesgeschehen

und kommen zu dem allseits erwarteten Saisonrückblick. Dieser umfasst: Eine Gewinner- und Verliererliste (die bitte nicht immer ernst zu nehmen und teilweise auch tierisch verkürzt ist), eine Bewertung aller Spieler (!!! das Abendblatt hat das diese Saison auch gemacht, ich mach das seit Jahren), ein Ausblick und ein Rundblick. In diesem Sinne viel Spass!

Gewinner der Saison

In der Reihenfolge, wie sie mir einfallen. Das hat nix mit einer Wertung untereinander zu tun.

Corny Littmann: Hat er es doch geschafft, dass wir diese Saison überhaupt spielen dürfen.

USP: Haben es mit einem unermüdlichen Einsatz geschafft, sich eine gewisse Lobby bei den aktiven Fans zu schaffen. Haben die Gazetta etabliert und mit der Gegengrade einen lange gehegten Traum verwirklicht.

Frank Fechner: Eben noch arbeitslos, jetzt der Herr der Reusen in der Geschäftsstelle

Franz Gerber: Von der Hamburger Presse vergöttert, hat er es geschafft, dem Präsidium noch einen neuen Vertrag aus den Zähnen zu ziehen, als klar war, dass sein Stern bei diesem Verein am verglühen war. Nun lebt er von der Gehaltsfortzahlung.

Jens: Da Leute über 3000 Euro bieten, um ihn nackt zu sehen.

Holger Stanislawski: Knie kaputt, Karriere zu Ende? Nein! Karriere als Trainer exellent gestartet und die A-Jugend (fast) vor dem Abstieg bewahrt.

Die Hamburger Polizei: Hat sie es doch endlich geschafft, St. Paulianer so zu kriminalisieren, dass sie ihren Repressionsapparat vollständig in Gang bringen kann. Stadionverbote, bis zu sechs Zivis und ständige Drangsalierung waren die Folge.

Der AFM Vorstand: hat es mit einem Schmusekurs geschafft, seinen Einfluss beim Hauptverein zu erhöhen (Achtung: Extrem subjektiver Eindruck). Gewinner ist auch der eine zurückgetretene Vorständler: Wer beweist in diesem Verein schon so etwas wie Rückgrat?

Die AGiM: Regelt alles perfekt "intern".

Der Übersteiger: Endlich mal wieder eine vollkommen ausverkaufte Ausgabe und zweimal hintereinander in der Hamburger Tagespresse. Und weil Pelsthino und Thees herrlich verquere Sachen schreiben.

Das Forum: Steigende Userzahlen, zahlreiche fruchtbare Diskussionen, erfolgreich verkaufte Pullis und nicht zuletzt viele Partnerschaften sind eine Erfolgsbilanz.

Die Passanten: Schöne Choreos, schöne Schwenkfahnen und den schönsten Mann der Welt.

Die Mannschaft. Schlechte Leistungen, enttäuschende Saison und am Ende doch in der Vereinsgeschichte mit dem ersten Freilufttitel der ersten Mannschaft in Jahrzehnten.

Der Paulipirat und der Lustri: Wer so verrückt ist und seine Freizeit in Autos oder Bahnen für diesen Verein zu verbringen, der muss Gewinner sein. Die beiden stellvertretend für alle Auswärtigen.

Der Webmaster: Weil er bald endlich Steuerklasse drei ist.

Der FC 42, da er mit seinem Mix aus Bayern, Norddeutschen, Sechzigern, Polizisten, Bayernfans (die Polizei dazwischen zur Fantrennung), Anarchos und Bankern wirkliche Völkerverständigung lebt. Und weil er selbst auf dem Ultraabend erwähnt wird.

Der Fanladen und seine Mitarbeiter: Weil sie es auch dieses Jahr geschafft haben, die einzige Institution im Verein zu sein, die nur von wenigen nicht akzeptiert wird. Das ist bei der Streitlustigkeit der St. Paulianer eigentlich das grösste Lob, was man bekommen kann.

Andy Bergmann: Vom Jugendkoordinator zum Cheftrainer.

Diese Kolumne: War sie mal als kleine Gagkolumne mit wenig Inhalt geplant (wer dies nicht glaubt, der suche mal NRSA 1 und 2), so entwickelt sie sich doch zu einer Kolumne, die von vielen verschiedenen Leuten gelesen wird.

Die Verlierer...

Corny Littmann: So schnell hatte noch kein Präsident sein komplettes Vertrauen verspielt. Die Masche "Versuchsballon und dann zurückrudern" wurde zum Eigentor (siehe aber auch den Ausblick).

USP haben es jedoch nicht geschafft, in der gesamten Fanschaft akzeptiert zu werden. Einige unglückliche Aktionen (AOL-Arena z.B.) und die bereits sprichwörtliche Toleranz der St. Paulianer haben dies verhindert.

Frank Fechner: Tricksen, Mauscheln, hinbiegen scheint sein System zu sein. Er wirkt schlichtweg überfordert.

Franz Gerber: Für einen Machtmenschen wie ihn kann nichtstun nicht befriedigend sein. Hat viel Ruf als Trainer verspielt.

Jens: Weil er die 3000 Euro nicht annahm. Und weil er Besuche zur Pflicht machte "Was machst du denn hier?" "Pflichtspiel" (Dialog in Meiendorf).

Holger Stanislawski: Weil er nie wieder auf dem geheiligten Rasen auflaufen wird. Mach es gut!

Die Hamburger Polizei: Weil nicht nur viele der Stadionverbote rückgängig gemacht wurden, sondern weil sie nun auch unsinnige Überstunden ohne Ende kloppen muss (Polizeibegleitung bei Vorwärts/Wacker und Meiendorf als Beispiel).

Der AFM Vorstand: Weil er mal wieder nicht für die ganze Wahlperiode gehalten hat und weil er die Abteilungsversammlung schlichtweg hintergangen hat (Stimmung dort war "kein Verkauf des Jugendhauses", doch Vorstand verkauft Jugendhaus, egal welche Verträge da ausgehandelt wurden, gegen die Stimmung der Versammlung verstösst es) und weil er es nicht verstanden hat, sich vernünftig gegen den Fanladen abzugrenzen.

Die AGiM: Ist aufgrund des internen Regelns für Aussenstehende nahezu nicht mehr fassbar. War früher irgendwie öffentlich präsenter und "greifbarer" (man lese sich mal alte Übersteiger durch).

Der Übersteiger: Forenartikel (<= einseitige Darstellung eines Streitfalles ohne die Gegenseite zu fragen), Eich-Artikel und andere waren eigentlich nicht das Niveau, was den Übersteiger zum besten deutschen Fanzine gemacht hat.

Das Forum: Weil viele Nutzer einfach die Irrelevanz nicht verstehen. Und damit meine ich nicht nur die, die meinen, das Leben spielt sich dort ab, sondern auch die, die alles kritisieren, aber doch dauernd mitlesen. Weil viele Diskussionen einfach im Nichts endeten.

Die Passanten: Weil sie es nicht geschafft haben, im öffentlichen Licht zu glänzen ("Passanten? Ist das ne Untergruppe von USP?") und weil sie keine willfährigen Jugendlichen haben, die sich Freitagnachmittag zur Bastelstunde treffen können.

Die Mannschaft: kurz am Aufstiegsplatz gerochen und dann kläglich abgeschmiert. Fussballerisch in der ganzen Saison ein Offenbarungseid.

Der Paulipirat und der Lustri: Wer so viele Kilometer für so einen Scheiss fährt, muss einfach Verlierer sein (stellvertretend für alle Auswärtigen).

Der Webmaster: Weil er für Steuerklasse 3 heiraten muss.

Der FC 42: Weil er es nur nach Kiel fertig brachte mit einer grösseren Anzahl von Leuten zu reisen. Sonst waren eigentlich immer nur ein bis zwei Personen an Bord. Und eine der beiden klassischen "zweiten" Personen bezeichnet den FC St. Pauli auch noch als ihren Zweitverein. Und weil er es immer noch nicht geschafft hat, ein eigenes Shirt rauszubringen.

Der Fanladen und seine Mitarbeiter: Weil die dritte Stelle verloren ging und weil der Verein immer noch nicht richtig begreift, was er an dem Laden hat.

Andy Bergmann: Weil auch er es nicht geschafft hat, dieser Mannschaft guten Fussball beizubringen, und weil er seinen sicheren und angenehmen Job als Trainer der 2. gegen den Schleudersitz 1. Mannschaft getauscht hat.

Diese Kolumne, weil sie wahlweise nicht bissig genug, zu bissig, zu undifferenziert oder zu differenziert ist. Der Autor nimmt sich ja jede Kritik zu Herzen, weiss aber leider auch nicht, was er ändern soll.

Und nun die Spieler...

Auch hier vorweg: Extrem subjektiver Eindruck. Über sportliche Belange kann man sich ungefähr so gut streiten wie über Geschmack.

Hollerieth: Zwischen Genie und Wahnsinn. Bei Elfmeterschiessen eine Bank, ansonsten teilweise auch mit üblen Fehlern. Muss dringend seine Nerven unter Kontrolle bringen. Hatte mehrere Ausraster in der Saison.

Dröge: So, wie man sich ein Ersatzmann wünscht. Nicht mit zuvielen Ansprüchen und wenn er gebraucht wird, dann ist er 100 % da. Grosse Geste von Hollerieth, ihn im letzten Spiel zwischen die Pfosten zu lassen.

Morena: Alter Schwede! Dieses Auge. Endlich mal wieder ein Verteidiger, der nahezu nur gutes Stellungsspiel braucht. Leider nach vorne teilweise mehr als blind.

Gruszka: Sportlich eine Stütze, menschlich eher eine Katastrophe. Anscheinend die zweite Saison hintereinander ohne Verein. Vielleicht hätte er einfach in Hamburg verlängern sollen und sich nicht alles durch Geplärre in der Zeitung versauen sollen?

Matthies: Naja, zwar ganz okay, aber sein Talent endet in der Regionalliga. Meint auch in einem Anflug von Grössenwahn, dass er nun Millionen verdienen muss. Wird scheitern und bald auf Hamburger Verbandsligaplätzen zu bewundern sein.

Gunesch: Menschlich ziemlich aufgeschlossen. Ein Spieler, der sich nach einem Spiel mal freiwillig ins Jolly traut und dort auch länger als die Anstandssekunden bleibt, hat eigentlich schon gewonnen. Auch auf dem Feld ein echter Kämpfer.

Miletic: so selten dabei, dass ich ihn nicht bewerten möchte...

Bobrowski: Nochmal Grössenwahn. Auch sein Talent reicht nicht weiter als Regionalliga.

Palikuca: Der einzige Fussballer, der nicht Stürmer spielen will. Dabei als Stürmer brandgefährlich. Sollte weniger in der Presse reden und seinen Ehrgeiz ausschliesslich auf dem Platz ausleben. Dann ist er auch jemand für höhere Ligen.

Brückner: Hatte endlich einen Platz im Kader, seitdem verletzt. Schade. Menschlich auch einer der Supernetten.

Sager: Grössenwahn. Hat fussballerisches Talent. Ist aber viel zu schwankend um irgendwo was wirklich zu werden. Nächstes Jahr bei den Stuttgarter Kickers. In drei Jahren in der Verbandsliga Hamburg.

Mayer: Nie der eingekaufte Führungsspieler. Unter Gerber ein Totalausfall, unter Bergmann wenigstens der Kopf, wenn es um Einsatz und Kampf ging. Ich hoffe auf den Durchbruch nächste Saison.

Uilacan: Sucht ihr ein anderes Wort für "unauffällig"? Uilacan wäre so eines. Nie wirklich schlecht, nie wirklich gut.

Mölzl: Lag es an der unsicheren Zukunft? In der Rückrunde eine Katastrophe. Aber auch vorher schon das Lieblingsobjekt von OZ, wenn es um Spieler beschimpfen ging ;-)

Hupkes: Fiel nur mit seiner Frisur auf.

Ansorge: Nächstes Jahr der Durchbruch? Kann allemal sehr viel.

Bounoua: Hinrunde? Super! Rückrunde? Grauenhaft! Spielte unter Bergmann aus meiner Sicht die falsche Position. Im Kampf konnte man ihm nie etwas vorwerfen.

Hinzmann: siehe Ansorge.

Boll: Ein toller Spieler, der wirklich was kann, der jedoch durch die Doppelbelastung gebremst wird und nun am Scheideweg seiner Karriere steht. Gewinner des Trainerwechsels.

Nwosu: Der soll mal ein Tor gemacht haben? Ich kann mich an ihn ehrlich gesagt überhaupt nicht erinnern.

Hanke: Auch wenn ich langsam der einzige bin. einer unser wirklich talentierten Stürmer. Ist leider nur ein Strafraumwühler. Bälle im Mittelfeld an ihn sind verloren. Würde mit einem funktionierenden Mittelfeld garantiert 10 bis 20 Tore machen.

Agu: Ne, das war nix. Auch so ein Abseitskönig

Musci: Als Sturmspitze nicht zu gebrauchen, da er mit der Abseitsregel nicht klar kommt. Als hängende Spitze aus dem Mittelfeld aufgrund seiner Schnelligkeit eventuell ein Knaller. Dafür müsste er aber Abseits wenigstens zu 50 % verstehen.

Albrecht: Endlich und vollkommen verdient der Durchbruch. Mit keinem Spieler (ausser vielleicht mit Göbel) wurde so gezittert, dass er endlich mal eine Chance in der ersten Mannschaft erhält. Kampf und Einsatz stimmt bei ihm immer. Die Chancenauswertung tat es noch nicht. Könnte nächstes Jahr mit Hanke und/oder Musci den Sturm bilden

Gibbs: Das halbe Jahr, wo er uns noch erhalten blieb, wirklich eine Stütze.

Nascimento: Wer auch immer auf die Idee gekommen ist für diesen launischen, verletzungsanfälligen und überbewerteten Spieler soviel Geld auszugeben, sollte gesteinigt werden. Muss dringend verkauft werden, damit wir endlich Luft für andere Spieler haben. Wirkte auch in den absolvierten Spielen lustlos und war so keine Stütze.

Und was kommt jetzt?

Nachdem nun die Vergangenheit abgehandelt ist, muss man sich mit der Zukunft beschäftigen. Und die sieht nicht wirklich rosig aus. Trennen wir das ganze doch mal in drei Bereiche: sportlich, vereinspolitisch und Fanszenetechnisch.

Sportlich

Jetzt ist die dritte Liga schwer auszurechnen und natürlich ist noch nicht aller Tage Abend, aber unser Kader wird mal wieder sehr dünn sein. Zwar wird unsere erste Elf wettbewerbsfähig sein und wird auch mit der Spitze der dritten Liga mithalten können. Nur in der Tiefe fehlt es völlig. Weiterhin fehlt uns immer noch ein "Leitwolf". Scharping wäre dies aus meiner Sicht nicht gewesen, auch wenn er natürlich ein Stürmer ist, der einem 10 Tore pro Saison garantiert. Eine Möglichkeit wäre es, Stefan Hanke von den Lokalrivalen-Amateuren zurückzuholen. Der hat dort eine ansprechende Saison gespielt, spielt irgendwo in der Defensive, wo wir definitiv Leute gebrauchen können, ist noch nicht zu alt und war immer ein kämpferisches Vorbild. Der ist nebenbei auch ablösefrei, da der Lokalrivale (in einem aus seiner Sicht garantiert vollkommen richtigen Schritt) die Mannschaft verjüngen will.

Für Spieler wie Brückner, Boll, Albrecht oder auch Bounoua ist das nächste Jahr ein absolut entscheidendes ihrer Karriere. Wenn sie sich in der Saison 2004 / 20005 nicht durchsetzen, dann werden sie in der Hamburger Verbandsliga enden. Diese Motivationssituation sollte zumindest dazu führen, dass diese Spieler alles versuchen, um an ihre Leistungsgrenze zu gehen. Das sollte eigentlich auch dem Verein zu Gute kommen.

Wir haben zwar einen guten Stamm in der Mannschaft, aber ein ähnliches Verletzungspech wie diese Saison können wir uns nicht leisten, sonst stecken wir gleich wieder direkt im Abstiegskampf. Gleiches gilt, wenn wir den Saisonstart verkacken. Denn diese Mannschaft ist auch eine Schönwetter-Mannschaft.

Allemal haben wir einen Trainer, welcher mit der Mannschaft Punkte holt. Zwar ist er in der Hamburger Presse aus mir unerfindlichen Gründen durchgefallen und würde wahrscheinlich nach zwei Niederlagen am Beginn so unter Druck geraten, dass die Spieler wahrscheinlich keinen Handschlag mehr tun würden. Nur: was mir gefällt, ist dass die Mannschaft wieder eine Handschrift hat. Zumindest ist eine Abwehrformation erkennbar und eine Aufstellung im Mittelfeld. Ich hoffe, dass er diese Ansätze nun in einer vollständigen Vorbereitung ausbauen kann und die Mannschaft wirklich eine echte Taktik spielt. Teilweise sollte aus meiner Sicht die Taktik noch an die Spieler angepasst werden, denn zwei Stürmer ist zumindest mit Hanke im Sturm unsinnig. Hier wäre vielleicht selbst eine Aufstellung mit zwei echten Aussenstürmern und einem echten Mittelstürmer (Hanke) besser. Nur dann müssten die beiden Aussenstürmer wirklich Flanke um Flanke schlagen.

Insofern können wir auch nächste Saison irgendwo zwischen dem 1 - 19. Platz landen. Und das ist jetzt kein Witz, sondern einfach die Feststellung, dass die 3. Liga unglaublich unberechenbar ist. Und das vermeindliche "Aufrüsten" einiger Vereine sollte nicht zu Verzweifelung führen. Diese vermeintlichen Verstärkungen gibt es jede Saison und bei den meisten Vereinen erweist sie sich als Ergänzung und das auch nur dann, wenn es gut läuft.

Dringend zu hoffen wäre, dass die A-Jugend in der Bundesliga bleibt und auch die B-Jugend in die höchste deutsche Spielklasse kommt (ist sie meines wissens nicht, verbessert mich). Nachwuchs muss bei uns das Zauberwort sein. Auf kurz oder lang müssen wir die jüngste Regionalligatruppe und Oberligatruppe stellen. Nur so können wir ohne viel Geld zum Erfolg kommen. Und da wäre es wichtig, wenn bereits die A-Jugendlichen auf höchstem Niveau spielen würden.

Vereinspolitisch

"Littmann raus" hiess die Devise der letzten Wochen. Aber anscheinend haben diese zu deutlichen Änderungen in seinem Verhalten geführt. Gerade in Sachen Stadionverbot setzte er sich in den letzten Wochen sehr für die Betroffenen ein und ging dabei auch Konflikten mit der Polizei nicht aus dem Weg. Und eine nahezu absolute Ablehnung von bundesweiten Stadienverboten ist sehr zu begrüssen. Dies sei ihm deutlich positiv angerechnet.

Bisher nicht in den Griff bekommen hat unser Präsidium das finanzielle Chaos in diesem Verein. In diesem Zusammenhang interessant ist die Aussage von Markus Schulz, welcher letztens im Chat meinte, dass der Verein jedes Jahr in der dritten Liga eine Deckungslücke von ca. 300.000 bis 600.000 Euro habe oder einen Etat von 1,4 Mio Euro. Diese Aussicht lässt einen nicht gerade optimistisch in die Zukunft schauen. Warum wir nur so wenig Geld einnehmen, ist mir immer noch nicht klar, liegt aber vermutlich an den Werberechten, die nicht beim Verein liegen.

Dies muss Littmann dringend ändern. Weiterhin muss endlich das Geld an die einzelnen Abteilungen zurück und der Verein befriedet werden. Sonst verliert man sich in solchen internen Infights.

Und es wäre dringend notwendig, dass Littmann keine weitere Fettnäpfe trifft. Sonst wäre seine Bewährung endlich vorbei und er sollte zurücktreten. Ich wandele langsam meine Meinung von einem "Littmann raus" in ein "naja, nicht doll, aber mal sehen was kommt." Insofern: abwarten, Tee trinken.

Was wir brauchen ist ein Bindeglied zwischen sportlichem und Vereinsführungsbereich. Ein Manager wäre dringend notwendig. Ob Stanislawski das macht, ist nicht klar, aber allemal wäre er ein Mensch, der im sportlichen Bereich sehr viel Erfahrung und auch noch sehr viel Erfahrung in diesem Verein hat und ausserdem seine komischen Besonderheiten kennt.

Nicht helfen tut natürlich auch, dass wir bisher nur 3.500 Dauerkarten verkauft haben. Da davon wahrscheinlich über 90 % Stehplatz-Gegengrade sind bringt das nicht gerade viel Geld in den Verein. Es bleibt zu hoffen, dass sich bald mehr Karten verkaufen, sonst könnte das eine verdammt öde Saison werden. Denn mit 7.000 Zuschauern macht auch das Millerntor weniger Spass. Mal ganz davon ab, dass die grosse Fanbasis bisher das einzige Kapital des Vereines war. Hoffen wir also, dass sich dieses Ergebnis noch ändert und bis zum 12.6. noch einige Leute Dauerkarten kaufen.

Fanszenetechnisch

Hier muss sich dringend was ändern. So schön der neugewonnene Zusammenhalt im kleinen inneren Kreis ist, so ärgerlich ist, dass immer mehr eine Situation "ihr gegen uns" entsteht. Hier muss dringend dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Dazu ist der Ultraabend ein erster schöner Ansatz gewesen, welcher hoffentlich weitergeführt wird. Auch viele Einzelgespräche waren hoffentlich erfolgreich. Jedoch: das ist wirklich eine zweiseitige Sache. Sowohl vom aktiven Kreis als auch von den namenlosen anderen muss endlich wieder das gelebt werden, was St. Pauli gross gemacht hat: Toleranz, der Hang sich zu informieren und zu engagieren und eine deutlich ruhigere und entspanntere Diskussionskultur. Und gerade in diesem Punkt sind alle öffentlichen Meinungsführer gefragt. Wer die fehlende Diskussionskultur bemängelt, der sollte mit leuchtendem Beispiel voran gehen und wirklich immer nur sachlich sein. Mit der Grenze des guten Geschmackes sollte man nicht spielen, denn dann muss man sich nicht wundern, wenn andere diese überschreiten. In Führungskräftefortbildungen bekommt man immer wieder eingebläut, dass man durch Vorbild führen sollte. Also: wer sich über besoffene Assis aufregt, der sollte überlegen, ob es richtig ist, sich mit Alkohol oder auch anderen Drogen auf Auswärtsfahrten zu benebeln, wer eine offene und sachliche Diskussionskultur anmahnt, sollte diese selber penibel einhalten, wer Toleranz fordert, muss auch Toleranz selber üben. Und so weiter und so fort. Da nimmt sich der Autor absolut nicht aus, denn auch ich habe gegen diese Grundsätze mehrfach verstossen. Insofern müssen wir uns alle an die Nase fassen, denn nur dann kann man die wirklichen Verstösse ächten.

Ob wir nun einen Umbruch hinbekommen, ist nicht wirklich klar. Aber allemal bröckeln viele alte Leute ab und werden durch neue Leute ersetzt werden müssen. Bisher ist dies - wie die leeren Sonderzüge zeigen - nur bedingt erfolgt. Insofern, liebe Leute: Auf. auf! Diese Fanszene braucht frisches Blut und ich persönlich würde mich freuen, wenn sie es bekommt. Das heisst aber auch, dass die etablierten mal ungestüme und vorpreschende neue Gruppen ertragen müssen. Bei USP oder der Basis (ohne beide Gruppen vergleichen zu wollen), wurde den Mitgliedern ein Vorpreschen sehr übel genommen und beide Gruppen haben lange gebraucht, um wenigstens eine gewisse Anerkennung zu erreichen (die beide nebenbei aus meiner Sicht zu Recht geniessen).

Weiterhin werden wir Fans weiter daran arbeiten müssen, in diesem Verein noch mehr selbstverwaltet und selbstorganisiert hinzubekommen. Die AFM Arbeitskreise sind ein sehr guter Anfang, werden aber noch ergänzt werden. Aber bei unseren knappen Ressourcen wird noch mehr ehrenamtlich und noch mehr durch Spenden gemacht werden müssen, als sowieso schon gemacht wird.

Also Leute: Ran an die Kartoffeln! Arbeitet mit! Ob euer Betätigungsfeld nun Basis, USP, Passanten, AFM oder wie auch immer heisst. Der Autor kann hier nur bedingt durch Vorbild führen, da er zwar in vielen Gruppen Mitglied ist, aber überall nur passiv. Naja, ein bißchen basteln bei den Passanten ab und zumal, aber sonst eher nicht. Meine - zu Recht - bescheinigte Gruppenallergie.

Ende der Durchsage

Sommerpause, wir kommen! Magische sieben Wochen. Dann geht es wieder los. Und ja, ich freu mich jetzt schon. Lieber Fanladen, der Platz im ersten Auswärtsbus ist bereits gebucht.

Und dann war da noch...

... der Lokalrivale, welcher endlich mal eine gute Idee hatte. Er will nämlich die Südkurve zurück auf Stehplätze wandeln. Grund ist, dass alle Nordstehplätze durch Dauerkarten ausverkauft sind und so jungen Leuten der Besuch nicht möglich ist. Tja, hättet ihr gleich auf BAFF und andere gehört, wäre dies euch nicht passiert. Das haben alle Fangruppen immer gesagt, dass der Abbau von Stehplätzen Unsinn ist und dazu führt, dass der Nachwuchs draussen bleibt. Schön, so Recht zu behalten. Bisher ist nicht klar, wie der Plan durchgeführt werden soll, insbesondere, da eventuell die Gästefans die Verlierer wären, wenn sie nur noch Sitzplätze auf dem Oberrang erhalten würden.

Weiterhin ist dies nur ein Teilerfolg. Wann endlich begreift die UEFA, dass das Verbot von Stehplätzen falsch war, falsch ist und falsch bleiben wird? Hier sollte der DFB die sich wendende Stimmung nutzen und endlich eine Aufhebung des Verbotes fordern. Denn wenn bei den meistens brisanteren nationalen Spielen nix auf Stehplätzen passiert, dann wird auch nix bei den internationalen Spielen passieren.

... die WM 2006, welche für den Kauf eines Tickets verlangt, dass man seine gesamten persönlichen Daten angibt. Weiterhin soll das Ticket mit einem Überwachungschip ausgestattet werden. Big Brother in Reinkultur. Noch ein Grund mehr, kein Ticket für dieses "Event" zu kaufen.

... der Tigerentenklub, das Ergebnis der hier an früherer Stelle erwähnten Bemühungen, sich offiziell bei 1860 eintragen zu lassen. Mal sehen, was die zu dem Namen sagen. Lustig nebenbei auch die Fragen, die gestellt werden. "Habt ihr ein Vereinslokal?" (Ja/Nein), "Wo trefft ihr euch?" (freie Antwortmöglichkeit, meine Antwort: "Im Vereinslokal"). Es wird aber nie nach der Adresse des Vereinslokales gefragt. Dann verlangen die noch, dass der Fanclub einen "Kassier" und einen Schriftführer hat. Lieber Fanladen: diese Voraussetzungen bitte nicht übernehmen. Der FC 42 kann nur mit einem dreiköpfigen Vorstand und einer selbsternannten Frauenbeauftragten samt selbsternannter Sekretärin dienen.

Postskriptum

Erschein ich jede Woche in der Sommerpause? Erschein ich überhaupt nicht? Jedes Jahr die