Norbert regt sich auf vom 29.06.
über
Homosfestivalus oder Scheeßel 2004
Es ist Sommerpause, und damit man die Wochenenden nicht einfach zu Hause verbringt, fährt man nach Scheeßel zum Hurricane 2004. Wie jedes Wochenende hat auch dieses eine Vorgeschichte, hatte sich doch der Autor dieser Zeilen verpflichtet, die Karten zu besorgen. Da ich eine absolute Abneigung gegen Kartenvorverkaufsstellen habe, bestellte ich die Karten per Internet. Prompt kam eine Woche später eine Mitteilung der Post, dass ich eine Nachnahmesendung mit 700 plus X Euro abholen solle. Voller Vorfreude ging ich zur Post, wo ich mal wieder feststellen sollte, dass Service und "Handle with care" für die Deutsche Post AG Fremdwörter sind. Das Paket war nämlich durch Regen so stark beschädigt worden, dass das ganze nur noch eine unförmige nasse Masse war. Anstatt dieses nun einfach kommentarlos zurückzuschicken, schicken diese Spassvögel mir doch wirklich eine Mitteilung, dass ich das abholen soll. Und der Schaltertyp kann gar nicht begreifen, dass ich das nicht annehmen will.
Bereits morgens um 8:30 holte mich meine Fahrerin N. ab. In ihr französisches Wunderauto wurden unsere gesamten Materialien verpackt und man machte sich auf den Weg. Auf dem Weg zur Autobahn noch kurz unsere Mitfahrerin B. abgeholt und schon fand man sich auf der Autobahn wieder, um zum vereinbarten Treffpunkt "Hollenstedt" zu kommen. Hier liefen mehrere Partien auf, um sich gemeinsam zu sammeln, um dann eine grosse Zeltburg zu bilden. Die Vorhut hatten OlliO und Konsorten gebildet, welche bereits vor uns da waren, obwohl wir schon viel zu früh waren. Tja, die Vorstellungsrunde geriet mal wieder zum Fiasko, denn ich kann mir alles merken, nur keine Namen. Extremes Sorry dafür geht insbesondere an T.
Zu spät hingegen kamen Pectoris und Konsorten, welche sich etwas verfahren hatten. Wie kann man sich auf einer Autobahn verfahren, fragt sich der geneigte Beobachter. Tja, indem man einfach Richtung Hannover anstatt Richtung Bremen fährt.
Aber irgendwann waren auch diese Liebsten eingefangen und man konnte den Rest der Strecke als Konvoi zurücklegen. Vorweg ein alter VW Bulli, dann OlliO, dann zwei französische Kastenwagen und als Abschluss noch ein VW. Fehlte eigentlich nur die Beflaggung wie bei der Bundeswehr. Sittensen ging es von der Autobahn runter und entgegen unserer Befürchtungen hatten sich morgens noch nicht sehr viele Leute auf den Weg gemacht. Vielmehr sah man bis zum Festivalgelände nur vereinzelt Fahrzeuge mit einem sofort zu erkennenden Ziel. Mitten in der Wildnis standen dann noch zwei jugendliche Jungs als Anhalter am Straßenrand, welche B. sofort vernaschen wollte, welches sie mit ihrer pädophilen Ader begründete. Naja, aufgrund von Platzproblemen konnten wir ihr diesen Wunsch nicht erfüllen.
Wer das Festivalgelände in Scheeßel kennt, der weiss, dass es einen "guten" Parkplatz drei und einen "schlechten" Parkplatz vier gibt. Schlecht deswegen, weil er einfach sehr weit vom Gelände entfernt ist. So will man eigentlich auf Parkplatz drei und dann auf Campingplatz zwei, da dieser der ruhigere und kleinere ist. Nun ist es so, dass die Veranstalter relativ frühzeitig den Parkplatz drei sperren und alle auf Parkplatz vier leiten. Aber wir hatten Leute mit Erfahrung dabei, welche nur meinten: "Frechheit siegt!" und so wurde jedem Ordner, welcher uns nicht durchlassen wollte, vom ersten Fahrer nur ein "wir müssen hier durch" entgegengeworfen und die restlichen Autos sagten nur "wir gehören dazu". Diese einfache wie überzeugende Nummer klappte und kurze Zeit später befanden wir uns auf dem gewünschten Parkplatz und in Sichtweite zu Campingplatz zwei. Nur mit den Zelten bewaffnet hiess es nun, einen schönen Platz zu sichern.
Unserem Alter entsprechend sicherten wir uns einen ruhigen Eckplatz und wollten die Zelte im Kreis um unsere Pavillions aufbauen. Dies rief aber nach kürzester Zeit die Staatsmacht in Form von zwei jungen Polizisten auf den Plan, welche uns erklärten, dass die inneren Zelte im Rettungsweg stehen würden und dieser nun unbedingt frei bleiben müsse. Diese Meinung wurde zwar von den Ordnern nicht geteilt, aber immerhin waren die Polizisten freundlich und vollkommen unaggressiv, und man konnte ihr Grundanliegen ja noch irgendwo verstehen. So gehorchte man irgendwann und stellte seine Zelte in einer Reihe an den Zaun.
Exkurs: Wie die Geschichte ausgegangen ist könnt ihr euch bereits aus der Überschrift vorstellen. Als wir abends zu den Zelten zurückkehrten war von dem Fluchtweg nix mehr übrig, vielmehr war dieser vollständig bezeltet. Gut, dass wir ihn freigehalten haben!
Jetzt ist so ein Rettungsweg ja eigentlich ganz sinnvoll und daher stellt sich natürlich die Frage, warum der Veranstalter diese nicht entsprechend mit rot/weissem Absperrband abgegrenzt hat? Diese Frage stellt sich umso mehr, da genügend Raum auf den Campingplatz vorhanden war.
Den Mittag und frühen Nachmittag verbrachte man dann doch sehr zusammengedrängt unter den Pavillions, da es nach dem Zeltaufbau doch ordentlich anfing zu schütten. Die Zelte wurden dementsprechend auch von innen nass. Exkurs: Vielen Dank an N. und B., welche Andy und Christine zu einem Zelt verhalfen und vielen Dank an Bj. und J. welche mir zu einem Zelt verhalfen. Denn wenn ich eins absolut nicht kann, dann ist es ein Zelt aufbauen. Den Pavillion bauten die Pavilliongötter um Herrn K. auf. Ich muss sagen: Respekt! Denn eine Bauanleitung gab es zu diesem Teil nicht mehr und ich hätte nicht annähernd gewusst, wie man aus dem Berg Stangen einen Pavillion formt.
Der Zeltplatz wurde noch kurz mit einer roten Einkaufstasche und einer grösseren "St. Paulifans gegen Rechts"-Flagge geziert und fertig war unsere lauschige Heimat für die nächsten drei Tage.
Nun galt es, Bekannte zu treffen oder wenigstens die Koordinaten durchzugeben. Stinker wurde relativ schnell lokalisiert und konnte Samstagmorgen begrüsst werden, Pusch entzog sich jeglichem Findversuch, da wir leider nur eine unpräzise Beschreibung hatten. Schade!
Irgendwann machte man sich auf zum Festivalgelände. Sehr weit kam man jedoch nicht, traf man doch SvBFG und Konsorten. Und bevor man die Gespräche beendet hatte fing es an zu giessen. So verweilte man noch kurz und kam etwas zu spät auf das Gelände.
Das Gelände hat sich zu meinem zweiten Besuch etwas geändert. Hat man doch diesmal zwei Open Air Bühnen über Kreuz hingestellt. Dies führt aus meiner Sicht zu einer unsinnigen Verengung vor der Hauptbühne, da der Mischturm etwas nach vorne gerückt wurde. So ist vor dem Mischturm nur Platz für ca. 5.000 Leute, was für ein Festival mit 40.000 Besuchern nicht gerade viel ist. Links neben dem Mischpultturm (unsere Heimat auf einem solchen Festival), stand noch so eine Schwenkkamera an einem langen Arm, welche zusätzlich Platz wegnahm. Dadurch wurde die linke Seite teilweise unverantwortlich eng (alle Angaben beziehen sich auf den Blick zur Bühne).
So kam es zu gewissen Drängelnummern und unsere heutige Jugend muss sich teilweise schon fragen lassen, ob es denn sein muss, durch die Menge einfach mit Ellenbogen durchzulaufen, ohne Rücksicht auf irgendjemanden zu nehmen. So hatten A. und ich zwischenzeitlich einen ziemlich am Wickel, da er so durch die Menge lief. A. meinte, ich hätte den Falschen erwischt, ich meine immer noch, es war der richtige.
Zu den Bands vom Freitagabend (ich kommentiere immer die Bands, die ich annähernd gesehen habe):
Gluecifer: C. schrieb mal eine Konzertkritik über diese Band, welche ich hier vollständig zitieren möchte: "Rockbrett". Das stimmt immer noch, aber etwas kreativer waren die diesmal schon. Allemal gefielen die mir deutlich besser als damals im Schlachthof. Und das ist umso erstaunlicher weil eine solche Band eigentlich in einem Klub besser kommen sollte.
Live of Agony: Ist bei mir ohne besonderen Eindruck geblieben. Ist einfach nicht meine Musik.
Pixies: Alte Männer rocken. Geiler Set, Lieder wirklich gut vorgetragen, aber ein paar Ansagen oder ein paar Döntjes lockern auch auf einem Festival den Set auf. So war das zwar gut, aber eben nicht sehr gut.
Placebo: Das war definitiv das schlechteste Konzert von denen, was ich je gesehen habe. Sie wirkten schlichtweg ausgebrannt nach der langen Tournee. Nur da es sich um eine herausragende Liveband handelt war auch dieses Konzert noch sehr unterhaltsam und gut.
David Bowie: Von den fünf besten Konzerten habe ich bisher zwei in Scheeßel gesehen. New Order vor zwei Jahren und David Bowie diesmal. Eine hervorragende Band (teilweise spielen die seit dem Siebzigern mit ihm zusammen), eine wirklich tolle Liedauswahl u.a. mit China Girl, Station to Station, Major Tom, Heros und Ziggy Stardust und ein zu Scherzen aufgelegter Künstler, welcher u.a. "Under Pressure" wie folgt ansagte (frei übersetzt): "dieses Lied habe ich in den Achzigern mit Freddy Mercury geschrieben, dieser ist heute nicht gekommen, daher muss sein Part von meinem Bassisten gesungen werden" oder Griechenland - Frankreich mit einem "ich will nicht parteiisch sein" und einem fröhlichen Handereiben kommentierte.
Dabei wirkt er auch dann natürlich und absolut überzeugend, wenn er sich einen grauen Pulli, welcher ca. drei Nummern zu gross ist, geben lässt. Was mich jedoch vollkommen erstaunte ist die Meldung, welche ich heute gelesen habe: seinen Auftritt beim parallelen Southside-Festival und viele weitere Konzerte musste er abblasen, nachdem er die Nacht nach Scheeßel im Krankenhaus wegen eines eingeklemmten Nerves verbringen musste. Davon war auf der Bühne absolut nix zu merken.
Danach machten sich der Autor und C. vollkommen verklärt und begeistert wieder Richtung Zelt auf. Okay, ein paar Tropfen Alkohol waren vielleicht auch im Spiel, aber irgendwie beschlossen wir beide, durch den Zaun zu schlüpfen, anstatt über den gesamten schlammigen Zeltplatz zu gehen. An diesem Entschluss hielten wir auch fest, als wir schon sahen, dass Ordner die Löcher in den Zäunen stopften und die Leute zurückholten (verständlich von den Veranstaltern). So liefen wir einmal am Zaun lang, um dann wieder zurück zu gehen. Komische Nummer, insbesondere da man dann gegen das Licht läuft, nix sieht und hoffen muss, dass die Leute ausweichen. Die teilten sich aber wie das Rote Meer (das Gefühl hat man wirklich!) und so kamen wir irgendwann wieder bei den Zelten an. Aber nicht ohne vorher einen Abstecher zu unseren Fanclubgenossen zu machen, wo sich Porno in Hochform befand. Mehr als "Ey Norbert... Porno..." war aus ihm nicht mehr herauszubekommen.
Aber auch andere Genossen hatten einige kleine Probleme. Aus Personenschutzgründen nennen wir sie Frau X und Herrn Y.
Frau X kam bei unserer Burg nicht an. Ihr Göttergatte erhielt irgendwann eine SMS, welche sinngemäss folgenden Text hatte: "S,M ibwi.uv hhksmn ffgg" (das ist jetzt nicht der Originaltext, aber so ungefähr den Inhalt gibt es wieder). Ab jetzt machte sich ihr Göttergatte Sorgen, rief sie an und stellte fest, dass sie doch die Orientierung verloren hatte und vollkommen falsch gelaufen war. Mit einer Käsestange fixiert, konnte sie dann doch eingefangen und nach Hause geleitet werden. Erstaunlich bei der Geschichte ist, dass sie zwar keinen Text mehr in die SMS bekam, aber diese immerhin an die richtige Person schickte. Ist vielleicht auch gut so, denn diese hat sie unter "M" gespeichert und wenn das Ding an "Mama" gegangen wäre, dann hätten sich die falschen Leute Sorgen gemacht ;-) So aber hatte die Geschichte ein schnelles Happy End.
Ob dies auch bei Herrn Y. der Fall ist, sei hier mal dahingestellt. Laut eigener Aussage begann er eine "Ordnerwidrigkeit", wurde danach verhaftet, in Handschellen abgeführt und ohne Einlassband wieder ausgesetzt. Was er gemacht hat, wusste er nicht mehr. Okay, subsumieren wir das ganze mal unter etwas dumm gelaufen und unnötig, wenn auch die Geschichten am nächsten Morgen zu absoluter Erheiterung führten. Es stellt sich nur die Frage, wie die Polizei und der Veranstalter es verantworten können, eine offensichtlich angeheiterte Person mitten in der Nacht auszusetzen, die aufgrund des fehlenden Bandes nicht einmal eine Chance hat, zu ihrem Zelt zurückzukommen. Das nennt man eigentlich Aussetzen von Hilflosen und das ist strafbar.
Irgendwann lag man also im Zelt und es war insgesamt so ruhig, dass ich Nachts davon aufgewacht bin, dass die gespannte Malerfolie sich im Wind bewegt. Grossartig aber auch das streitende Pärchen, welches mich zwischenzeitlich um den Schlaf brachte.
Die erste Überraschung war, dass ich zwar ziemlich geschwollene Augen hatte, aber sonst eigentlich ganz fit meinem Zelt entstieg. Und wie immer auf einem solchen Festival begann wieder die Frage, ob man nun alle Verbindungen zum bürgerlichen Leben aufgeben sollte oder ob man wenigstens ein bißchen Wasser auf die Haut nehmen sollte. Da noch niemand wach war, entschied ich mich für letzteres und begab mich in Richtung der sanitären Anlagen.
Hier war auch noch nicht wirklich der Ansturm zu verzeichnen, so dass eine lauwarme Dusche genossen werden konnte. Gut aufgestellt war das Duschzelt. Ein Problem dieser Duschzelte ist immer wieder, dass man Mann/Frau blickdicht trennen muss. Dies klappt nicht immer, aber hier klappte es sehr elegant, indem man den Frauenbereich einfach nach hinten legte und den Eingang in die hinterste Ecke.
Der Rückweg offenbarte doch einige Kuriositäten. Erstmal die beiden Typen, die sich darüber unterhielten, dass sie seit drei bzw. sechs Stunden ihr Zelt suchen würden. Interessant dabei finde ich, dass der eine zum anderen meinte, er solle doch mal die Ordner fragen und er dann meinte, dies sei eine gute Idee. Okay, auf die Idee wäre ich nach drei bzw. sechs Stunden vielleicht mal von alleine gekommen. Sehr interessant auch der Typ, welcher sich erstmal eine Flasche Jägermeister reinzog. Kurze Kontrolle: Ja, es war erst fünf vor neun.
Am Zelt regten sich weitere Gestalten und so konnte erstmal ein ausgiebiges Frühstück genossen werden. Die oben erzählten Geschichten wurden ausgetauscht und die später aufstehenden Personen wurden nur mit einem freundlichen "na, gestern auch geprügelt?" empfangen, da anscheinend alle aus der Gruppe irgendwie Stress hatten.
Ein banger Blick zum Himmel offenbarte zwar noch Wolken, aber kurze Zeit später öffnete sich der Himmel und gab den Blick auf die Sonne frei, welches mit lauten Beifallrufen des gesamten Zeltplatzes gefeiert wurde (wer noch nie auf einem Festival war, kann sich diesen Moment nicht vorstellen und wird dem wahrscheinlich auch nix abgewinnen. So war das Gänsehaut pur). Irgendwann war wieder Zeit für Roggnrolll, so dass sich die Mitfahrer nach und nach zum Festivalgelände aufmachten. Aus Entspannungsgründen wurde diesmal die rechte Seite gewählt, welches sich langfristig als die definitiv bessere Wahl herausstellte.
Kommen wir heute doch mal auf das kulinarische Angebot zu sprechen. Bier 2,50 Euro, Softdrinks auch, nur Wasser billiger. Das ist nicht gerade billig, aber noch okay. Die Essensstände hatten eine ordentliche Auswahl und waren preislich okay. Nur teilweise bekam man die Pommes eher roh denn wirklich durch.
Der Beginn des Tages wurde zum treffen von bekannten Leuten genutzt. So traf man Samba und CB, welche es sich in sicherem Abstand zur Bühne bequem gemacht hatten. Kurze Zeit später traf man auf die Abordnung von Harrys Vagabunden, welche es sich auf dem Aufbau von "Drum" gemütlich gemacht hatten. Zusammen lies man so die Gedanken schweifen und hatte schon die perfekte Planung für nächstes Jahr: Man macht Scheeßel und Roskilde (ist genau ein Wochenende später), man nimmt drei leere 7,5 Tonner. In den ersten packt man ganz viele Matrazen und nutzt ihn als Campingwagen. In den zweiten packt man eine Wohnzimmereinrichtung mit Stühlen, Tischen und Sofas und in den Dritten kommen die Vorräte. So oder so ähnlich machen wir das nächstes Jahr. Wer will mit? ;-) Aber auch ganz andere Festivals konnten unser Interesse wecken. So sind die Fakten um das Tauberntalfestival doch sehr interessant. Hochinteressantes Programm, aber nur für insgesamt 12.000 Leute zugelassen und dementsprechend schon im Voraus ausverkauft. Das reizt einen Abenteuer wie mich schon wieder zum hinfahren.
Musik? Da war auch noch Musik?
Oh ja, stimmt. Also folgende Bands wurden geguckt:
Danko Jones: Der Sänger hat Power, die Musik ist zwar netter Rock, aber von den Socken gehauen hat es mich insgesamt nicht. Exkurs: Was hat eine Nachmittagsband auf einem Festival grundsätzlich zu tun? A. dreckigen Roggnroll spielen B. folgende Sprüche machen: "Hurricane! Are you ready?" und "We haven't got much time, so lets rock". Exkurs Ende
The (international) noise conspiracy: Haben mich vor zwei Jahren am gleichen Ort zu enttäuscht, dass ich mir nie wieder auch nur die CD angehört habe. Ich war trotzdem nett und habe ihnen eine zweite Chance gegeben. Und ich muss sagen, diese haben sie doch genutzt. Ein Set mit Druck und Power. Mit ihnen begann dann auch die riesige Sammlung an schwedischen Schweinerockbands. Mögen das einige Arschrock, andere Punk und die dritten nur Lärm nennen, für mich ist das einfacher Roggnroll, so wie er gehört. Kleines Döntje am Rande: Neben Chumbawumba würde mir keine radikalere Band einfallen. Aber trotz ihrer politisch extrem linken Ausrichtung erwähnten sie das Spiel der Schweden und hofften, dass man gewinnen möge. Das ist gelebter Antinationalismus :-)
Donots: LANGWEILIG!
Franz Ferdinand: Kannte ich vorher gar nicht und ich muss sagen, die sind ziemlich lustig. Britpop auf Speed und ein wirklich charmant und nett vorgetragener Set. Muss ich mir mal ne Platte von kaufen und dann gucken, ob mir die dann auch gefallen.
Monster Magnet: Ne das ist nicht Roggnroll wie er sich gehört. Ist zwar ganz nette Mukke, aber irgendwie stört das rumgepose doch gewaltig. Und spätestens als die zwei Stripperinnen auf die Bühne holten, war klar, dass dies nicht meine Art von Roggnroll ist. Stellt sich nur folgende Frage: Schleppen sie die beiden Mädels um die ganze Welt mit oder holen sie sich die an jedem Ort neu. Und wenn ersteres, warum konnten die dann für keinen Groschen tanzen?
The Hives: Man fragte sich vor dem Auftritt, wie die denn eine Stunde füllen sollen, wenn sie nicht wirklich Liedmaterial für eine Stunde bisher veröffentlicht haben (beide Platten sind super kurz). Umso beruhigter war man, als eine der ersten Ansagen die Zauberworte "brandnewalbumcomingout" beinhaltete. Trotzdem war das Roggnroll mit sehr viel Pausen. Die Ansagen waren teilweise doch etwas langatmig. Vor der Bühne ging richtig der Punk ab, was dazu führte, dass u.a. ein Mädel umkippte und mehrere Leute über die Absperrung zum Mischpult "flüchteten". Hier zeigte sich, dass der Bereich vor dem Mischpult schlichtweg zu eng war. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Stark war jedoch, dass der Auftritt unterbrochen wurde und der Gitarrist von der Bühne runterkletterte um einen Fan zu helfen, der sich wohl doch etwas getan hatte. Diese Schweden wollten nebenbei, dass Schweden verliert.
The Cure: Schwierig, sehr schwierig. Eigentlich wieder ein super Konzert, welchem zum perfekt sein eigentlich nur ein klarer Sternenhimmel gefehlt hätte. Jedoch: Wie immer spielten sich Robert Smith und Konsorten um ihre grossen Hits herum. Und so konnte man nur Inbetween Days, Lovesong, Pictures of you und Fascination Street mitsingen ohne absoluter Cure Kenner zu sein. Ansagen hat Robert Smith auch nicht erfunden, aber insgesamt doch ein sehr schöner Abschluss.
Within Temptation: Ne Manowar mit Frauenstimme ist nix für mich. Nach ca. eineinhalb Liedern war der Drang zum Zelt grösser. War aber noch eine schöne Backgroundmusik auf dem Weg zum Zelt.
Kleine Anekdote am Rande: Meine Mitbewohnerin kam aus Amsterdam wieder und anstatt mich Sonntag wie geplant abzuholen, beschloss die geworfene Münze sie direkt zum Festivalgelände zu spülen. So musste sie noch ein bißchen Roggnroll mitmachen, obwohl das Verständnis doch etwas fehlte ;-). Robert Smith als Tingeltangelbob zu bezeichnen gab dann auch böse Blicke.
Der Morgen begann ähnlich wie der Samstag. Alle überlebenden wurden gesammelt und es wurde in grosser Runde gefrühstückt. Mr. Y hatte diesmal die Nacht unbeschadet überstanden und wurde wie jeder aufstehende freudig begrüsst. Einige Nachbarn hatte doch etwas Probleme, weil eine junge Dame menschliche Verlangen hatte und keinen Mann fand, der diese befriedigen wollte. Komisch sonst sind Männer auf Alkohol doch eigentlich nicht so wählerisch ;-).
Der Abbau der Zelte erwies sich als vollkommen problemlos, es ist jedoch absolut erstaunlich, wie viele Spinnen und anderes Getier sich innerhalb von zwei Nächten in einem Zelt einnisten. Und wie perfekt die Spinnennetze schon sind.
Ich beschloss mich nach Die Happy zu verabschieden, da ansonsten mich die Bands nicht mehr wirklich interessierten (Ausnahme Sportfreunde Stiller, welche mir aber zu spät waren) und ich langsam merke, dass drei Tage Roggnroll zu viel sind.
Wie häufig habe ich jetzt geschrieben, dass ich zu Alt werde? Keine Panik auch nächstes Jahr gibt es mindestens ein Festival.
Kommen wir zu den Bands, denn sonst gibt es eigentlich nicht viel über den Sonntag zu berichten.
The Bones: Nur kurz reingehört, noch eine schwedische Schweinerockband. Ganz nett, aber hielt mich nicht wirklich vor der Bühne.
Backyard Babies: Schwedischer Schweinerock die 100. waren aber nicht wirklich prall
Ash: Shining Light war ihr grosser Hit, aber auch sonst ein sehr ansprechendes Konzert und der Hit mal wieder eines der eher langweiligen Lieder ;-). Lustig ist, dass früher Frauen an Saiteninstrumenten wirklich eine absolute Seltenheit waren. Heutzutage ist bei sehr vielen Bands eine Frau an der Gitarre oder am Bass. Schöne Entwicklung. Und die Dame hier konnte nicht nur spielen, sondern konnte auch noch sehr gut singen. Dementsprechend ging das Publikum gut ab.
Die Happy: Der krönende Abschluss für mein Hurricane 2004. Marta Jandova ist absolut das Synonym für "Powerfrau". Sie spielte das ganze Konzert mit dem Publikum, forderte zum Mitsingen auf und animierte immer wieder zum mitmachen. Dabei kam sie für mich sehr überzeugend rüber. Aber es wurde auch genug gerockt, so dass ein sehr schönes Konzert unser Wochenende abschloss.
Zu Hause musste erstmal geduscht werden, bevor irgendetwas berührt wurde und dann habe ich persönlich Tschechien nur noch mit einem Auge gesehen, da die Müdigkeit doch erheblich war. Gut, dass ich Montag noch frei hatte.
CU next year! Danke an alle Nachbarn und Mitfahrer. Einen Extradank für meine Fahrerin!
Samstag das erste Testspiel und gestern Trainingsauftakt. Gucken wir uns doch mal unsere Neuverpflichtungen an. Über viele kann man mangels Informationen wenig sagen, aber mit Wojcik und Dinzey haben wir zwei Spieler verpflichtet, die letzte Saison sehr herausragende Leistungen in dieser Liga vollbracht haben. Jedoch bin ich bei Dinzey extrem vorsichtig. Der hatte schon bei seinem ersten St. Pauliaufenthalt viel erzählt und am Ende wenig gehalten. Damals hat er nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber was nicht war, kann ja nun noch werden. Ob man mit dieser Mannschaft in der dritten Liga mithalten kann, wird sich zeigen, ich zumindest bin langsam wieder gespannt auf die Saison.
Immerhin haben wir auch schon unsere 8.000 Dauerkarten verkauft und langsam werden es mehr. Leider etwas sehr langsam um von 10.000 zu träumen. Eine Hürde, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte und die eigentlich wünschenswert wäre. Bleibt