Norbert regt sich auf vom 18.07.2004

 

über

Ein Null-Null Sieg, der Hoffnung auf mehr macht...

Vorwort

Liebe Leser, herzlich willkommen in der Saison 2004/2005. Eine Saison, welche die zweite für uns in der Regionalliga und damit in der unattraktivsten Liga Deutschlands ist, und eine Saison, in welcher unser geliebter Verein immerhin seinen 95sten Geburtstag feiert.

Ausgewaschene Lilatrikots, aber doch Champions League-uali?

Testspiele sollte man nicht überbewerten. Man muss immer bedenken, dass der Trainingsstand der Mannschaften sehr unterschiedlich sein kann und man nie weiss, ob eine Mannschaft wirklich mit ihrer besten Mannschaft auftritt. Dies gilt umso mehr, wenn man gegen eine ausländische Mannschaft spielt, wo die Saison vielleicht zu einem ganz anderen Zeitpunkt beginnt und wo man nicht wirklich eine Aussage über die erste Mannschaft machen kann.

Trotzdem muss man Trabzonspor doch als Härtetest nehmen. Denn immerhin ist die Mannschaft zweiter der türkischen Liga geworden und diese Liga ist ja im internationalen Vergleich auch nicht mehr nur eine Operettenliga. Zwar teile ich nicht die Ansicht einer Person, die heute neben mir stand und meinte, die Liga sei stärker als die Bundesliga, aber die ersten fünf Teams dieser Liga halten einem internationalen Vergleich doch locker stand.

So traf man sich bei bestem Wetter so gegen 15:30 vor dem AFM-Container und konnte folgende Feststellungen treffen: Es sitzen da eigentlich immer noch die gleichen Gesichter wie letztes Jahr rum, das Bier wird einem von den gleichen Personen gereicht, es läuft immer noch die gleiche Musik wie letztes Jahr (wer könnte dem Autor dieser Zeilen eigentlich mal alle Platten von TonSteineScherben zur Verfügung stellen?).

Einiges hat sich aber auch geändert, so haben wir neue Ordner. Wobei halt. Das ist eher alter Wein in neuen Schläuchen, denn in den jetzt blauen Leibchen stecken zum grössten Teil die gleichen Personen wie letztes Jahr. Nicht das mich hier jemand falsch versteht: Das ist gut so, denn zum grössten Teil war ich mit der Ordnerleistung bei St. Pauli immer sehr zufrieden.

Und noch etwas hat sich in der Sommerpause geändert. Wir haben eine Firma, die sich um das Catering kümmert. Der für mich beim ersten Spiel auszumachende grösste Wandel ist, dass das Bier nun gezapft wird und nicht mehr aus Flaschen umgefüllt wird. Führt dazu, dass nicht mehr grosse Batterien Kästen an den Ständen bereit stehen. Ob der neue Betreiber sonst eine Verbesserung oder Verschlechterung ist, muss aus meiner Sicht abgewartet werden. Heute war das Zapfen zumindest so langsam, dass es bei nur 4.700 Zuschauern zu Schlangen kam.

Für absoluten Unsinn halte ich es den Betreiber alleine deswegen zu verdammen, weil er in der Führung von Hansa Rostock ist. Mensch, die Leute stehen nicht gerade Schlange, um bei uns das Catering zu machen und dafür auch noch was zu zahlen (!!!) und wo der sonst tätig ist, ist mir dann vollkommen egal, wenn er gute Arbeit macht und gute Produkte anbietet.

Ein Blick ins weite Rund zeigte, dass die Mehrheit der Zuschauer türkischer Abstammung war und es mit Trabzon hielt. Stört mich nicht wirklich und ich finde es äusserst positiv, dass die Leute auch von einem deutsch-türkischen Moderator auf türkisch begrüsst wurden. Äusserst negativ finde ich jedoch die teilweise getragenen türkischen Nationaltrikots. Mir persönlich ist jeder Nationalismus zuwider und es ist dabei egal, ob es türkischer oder deutscher ist. Und ich finde Nationalmannschaftstrikots bei Spielen von Vereinsmannschaften vollkommen fehl am Platz.

Ein zweiter Blick ins weite Rund zeigte, dass wir jetzt nicht mehr auf französisch stehen müssen, sondern einen Sponsor gewonnen haben, der den Optimismus gepachtet hat und mit dem Spruch "Deutscher Meister 2007... ... nichts ist unmöglich" wirbt. Kann ich mich mit anfreunden.

Ich finde die neuen Trikots von uns immer noch hübsch, insbesondere, da sie nicht 08/15 sind und auch nicht der Retromode angehören, wie viele andere Trikots für die neue Saison. Exkurs: Habt ihr schon die neuen 1860-Trikots gesehen? Erinnert ihr euch an die Portas Trikots von Werder so Mitte der Achtziger? Genauso und zwar haargenauso sehen die neuen 1860-Trikots aus. Erstaunlicherweise nur von Nike hergestellt. Exkurs Ende. Trikots ist ein sehr gutes Stichwort, denn logischerweise hatte auch Trabzon Trikots an. Vereinsfarben dieses Vereines sind blau und rot/lila, ähnlich den Farben von West Ham. Eigentlich ganz nette Farben und hier auch auf Kappatrikots ganz nett aufgeteilt. Nur leider hatte irgendjemand entweder die Beflockung der Nummern zu dünn gemacht oder die Trikots zu heiss gewaschen, denn anstatt weiss wirkten die auf rot/lila Untergrund rosa. Und dies auch noch in unterschiedlichen Schattierungen bei den einzelnen Spielern. Dieser Umstand sorgte dann doch für sehr viel Belustigung.

Kommen wir zum Spiel: Null-Null gegen einen Champions League Qualifikanten? Ist allemal okay. Natürlich hatte Trabzon viele gute Chancen und die Null stand, weil wir einen Torhüter hatten, der in absoluter Frühform ist und drei bis vier Hundertprozentige Chancen vereitelte. Aber auch unsere Mannschaft machte einen sehr guten Eindruck. Was mir gefiel war, dass ein klares System erkennbar war. Unsere Mannschaft spielt ein klares 4-4-2 und versucht, den Ball mit Kurzpassspiel laufen zu lassen. Ich mag es, wenn bei Trainern eine klare taktische Handschrift zu erkennen ist, und das hat diese Mannschaft.

Ob das nun zu einer tollen Saison führt? Keine Ahnung, lassen wir uns überraschen.

Nach dem Spiel gab es sehr viel Applaus für die Mannschaften und leider auch ein paar unschöne Szenen als einige Türken den Platz stürmten. Wir machten uns schnellstens nach Hause, hatte man doch lange genug in der Wärme gesessen.

Rasenverkauf und andere Dinge

"Eure Politik ist Pump, kein Versuch ist euch zu plump" und "Nicht einmal der Rasen ist mehr heilig?!?" waren die Kommentare heute im Stadion. Und sie treffen ziemlich genau den Punkt. Letztes Jahr hat meines Wissens Herr Littmann gesagt, dass man nicht jedes Jahr eine Retteraktion machen könne, da man die Leute dann überfordert. Nur leider hat er nicht Wort gehalten. Grundsätzlich ist die Rasenpatenschaft eine nette Idee, aber in dieser Situation und so wie sie vorbereitet ist, ist das Problem einfach, dass jeder an "Retter II" denkt. Insbesondere, wenn das Präsidium dann schon wieder davon spricht, dass wir pro Jahr 300.000 bis 500.000 Miese machen würden. Wie kann dies sein? Warum schaffen wir es nicht, die Einnahmen und Ausgaben so in Einklang zu bringen, dass das Geld reicht? Wie machen dies andere Vereine? Diese Fragen müssen jetzt endlich gestellt werden und müssen endlich einer knallharten Analyse unterzogen werden. Denn ewig können wir nicht jede Sommerpause mit dem Betteln um Geld verbringen. Und noch viel schlimmer wird es, wenn vorher noch so alberne unsinnige Kunstaktionen laufen, die natürlich kein Geld bringen. Man überfordert einfach den Änhänger dieses Vereines. So werde ich bei dieser Rasenpatenschaft auch nur unter zwei Voraussetzungen mitmachen: Wenn ich ein Stück bekomme, was zugunsten des Fanladens verkauft wird, und wenn mir der Fanladen versichern kann, dass das Geld bei ihm auch ankommt. Denn diesem Präsidium glaube ich nix mehr.

Ich finde es genauso traurig, dass es mal wieder heisst "Aufsichtsrat versus Präsidium". Warum muss der Verein eigentlich seine Differenzen immer öffentlich austragen? Wer spricht eigentlich immer noch mit der Presse über Interna, obwohl die Jahreshauptversammlung dies doch mit grosser Mehrheit verbieten wollte? Insbesondere die Fragen der Personalien sind etwas sehr traurig gelaufen. Denn: Aus meiner Sicht kann es nicht sein, dass ein AR öffentlich ausdiskutiert, ob ein Trainer nun einen Einjahres- oder Zweijahres-Vertrag bekommt. Denn so etwas führt nur dazu, dass man einen Trainer bereits nach kürzester Zeit demontiert. Gleiches gilt bei Stani. Natürlich ist es äusserst unglücklich vom Präsidium, einen dritten Vizepräsidenten einzusetzen, wenn dies nicht geht, aber diese Person sollte im Verein absolut unstrittig sein. Insbesondere da nach meinem Eindruck Spieler erst dann unterschrieben, als Stani die Verhandlungen in die Hand nahm. Und man darf nie vergessen, dass Stani nicht als Manager oder so angestellt werden kann, da seine Umschulung von der Berufsgenossenschaft bezahlt wird und er diese dann nicht bekommen würde. Ganz mal davon ab, dass der Verein ihn so nicht