Norbert regt sich auf vom 8.08.2004
über
Wie war Köln? Scheisse! Wie immer!
Mittwoch 12:30, man hat nix Besseres zu tun, als nach Köln zu fahren. Ich bin nun schon acht mal nach Köln gefahren und habe noch nie einen Punkt gesehen. Und auch das neunte mal heute sollte auch keine Punkte bringen.
Erstmal eine klare Ansage: Diese Busbesatzung war vollkommen scheisse! Ich habe keinen Bock mehr auf Typen, die schon vollkommen besoffen in den Bus steigen, die einfach nicht genug Gehirn haben, und die im Suff einfach zu Neandertalern mutieren, die einfach keine Ahnung von nix haben. Das geht damit los, dass nach zwanzig Minuten der erste auf dem Klo sitzt, nach jeder Pause ist das Klo nach drei Minuten wieder besetzt. Genauso geil ist es, locker mit Currywurst-Pommes in den Bus zu kommen. Da muss man sich nicht wundern, dass der Busfahrer nicht gerade begeistert ist.
Ca. zwei Stunden vor Ankunft in Köln war nicht nur die Busbesatzung, sondern auch das Klo voll. Dafür wurden ab jetzt vollkommen unsinnig Lieder in den Bus gesungen, wobei diese mit riesigen Peinlichkeiten gespickt waren. Beispiele? Ein Typ fängt an: "zu den Waffen" - alles schweigt. Er brüllt "Aux armes", alles brüllt mit... noch ein Beispiel? Da wird über Ultras geschimpft und gelästert und kurze Zeit später schallt es "Unser Herz schlägt braun-weiss" durch den Bus. Ganz gross auch "Kölle ist braun-weiss".
Gut, dass man sich -wie üblich - nach vorne platziert hatte und so nur die Akustik mitbekam. Denn vorne fand sich dann doch eine nette Gruppe von Mitfahrern. Nur mit meiner Sitznachbarin zu trinken ist echt gesundheitsgefährdend. Und man muss bei unserem Capo echt aufpassen, noch was abzubekommen ;-). Lustig auch die eine Pause, als man gerade entspannt über den Platz wandert und es plötzlich aus einem Auto nur "Norbert" brüllt. War doch unser altehrwürdiger Hossa an uns vorbei gebraust.
Irgendwann kam man dann doch in Köln an. Glücklicherweise wusste der Capo den Weg, auch wenn man sie zwischenzeitlich nicht ernst nahm. "Wie geht es weiter?" (Capo guckt desinteressiert nach vorne und unterbricht ihre Unterhaltung nur halb) "Geradeaus" (dabei leicht gelangweilt winken). Aber der Weg erwies sich als perfekt und so kam man ca. zwei Stunden vor Beginn am Stadion an. Kleine Anmerkungen noch zu Köln: auch diese Stadt kann mit lustigen Stadtteilen aufwarten, heisst doch ein Stadtteil wirklich Köln-Bildstöckchen.
Eine echte Perle der deutschen Stadien dieses Südstadion, und natürlich verlangten auch heute die Massen lautstark Einlass, obwohl schon seit Tagen alle Karten vergriffen waren. Lustris "gibt es da Faschos" wurde dementsprechend mit "Tausende" beantwortet, was anderseits auch erklärt, warum Sechzig gegen Köln nicht im Sechziger spielen darf. Klar, die Kölner sind echt brutal.
Was soll man noch schreiben, bevor man zum Spiel kommt? Dass sich in dem Südstadion zwei Uhren befinden, die unterschiedlich gehen? Dass das Bier, äääähhhh, das Kölsch Mitte zweiter Halbzeit alle war?
Unser Block füllte sich mit dem üblichen Umlandvolk, wobei mir doch einige Personen tierisch auf den Geist gingen. So lief da echt jemand mit einem "Alex Meier" Trikot rum. Hallo geht es noch? Der spielte für den Lokalrivalen, da kann man doch nicht mit so einem Trikot rumlaufen. Genauso verstehe ich nicht, warum man schon vor dem Spiel so voll sein kann, dass man auf den Stufen des Stadions schlafen muss.
Es ist leider unvermeidlich, ich muss das Spiel erwähnen. 2-1 verloren, zweimal Pfosten getroffen... das klingt nach unglücklicher Niederlage, aber der Eindruck täuscht extrem. Köln hatte unzählige Konterchancen und unsere Mannschaft liess sich ohne Gegenwehr abschlachten. Bereits nach 16 Minuten stand es 2-0, wobei unsere Abwehr wirklich mit einmal Arschwackeln ausgetanzt werden kann. Gerade das 2-0 war absolut erschreckend. Kölner steht 16 Meter vor dem Tor, kann den Ball in Ruhe annehmen, kann gucken, wo der Torwart steht und kann ihn reinschieben. Und selbst in diesem Moment steht der nächste St. Paulianer mindestens fünf Meter weg von ihm.
Was ich nicht verstehe ist, dass wir überhaupt keine Gegenwehr zeigten. Und plötzlich in den letzten fünf Minuten drehen die auf wie die Irren. Warum nicht vorher? Warum geht in den letzten fünf Minuten plötzlich Kampf, wenn man vorher zu faul ist, fünf Zentimeter zu laufen? Taljevic war erneut ein Totalausfall und gehört in dieser Form auf die Tribüne. Er muss dringend begreifen, dass man zum Fussballspielen auch mal einen Zweikampf gewinnen muss. Gleiches gilt für Wojcek. Klar rennt der wie ein Irrer, aber er muss auch mal fair einen Zweikampf gewinnen, sonst macht er nie ein Tor.
Klar wurde noch zweimal der Pfosten getroffen, wobei insbesondere der Schuss von Mayer ein Tor verdient gehabt hätte. Aber wirklich verdient wäre ein Ausgleich nicht gewesen. BTW: ohne das nochmal gesehen zu haben, aber Lattentreffer in der letzten Sekunde war nicht drin, auch wenn einige Leute anderes behaupten.
Erstaunlich gut und ich meine wirklich erstaunlich gut war die Stimmung im Block. USP isolierte sich in der einen Ecke im Block, sang vor sich hin, hatte aber nicht wirklich Einfluss auf den Block. Dieser begann eher von selbst das Singen. Zwar nach dem Prinzip "Keep it stupid simple", aber immerhin war beinah durchgängig was los. Und Jens hatte wirklich die Punker im Griff. Zitat "Ey Punker, jetzt St. Pauli Wechselgesang".
Unverständlich bleibt mir, wie man nach einem solchen Spiel die Mannschaft feiern kann. Wie kann man sich von den letzten fünf Minuten so täuschen lassen? Ich bin lieber gleich Richtung Ausgang getigert und habe in meinem Frust gebadet.
Super toll auch, dass sich unsere Abfahrt verzögerte, weil zwei so Nasen meinten sich unbedingt über eine "echter Fan"-Diskussion so in die Haare zu bekommen, dass sie sich auf Maul hauen mussten. Ganz grosses Tennis. Aber das kommt davon, wenn zu wenig Intellekt auf zu viel Alkohol trifft.
Mir komplett unverständlich ist es auch, dass Leute so breit sind, dass sie sich beim Pinkeln sich aufs Maul legen und nur noch pinkeln können, indem sie sich mit dem anderen Arm an einem Baum festkrallen. Und auch gerade sind die jedes Auswärtsspiel so besoffen. Unglaublich.
Und so sitzen wir jetzt wieder in unserem Bus, haben noch eine riesige Tour vor uns, die letzte Reihe singt immer noch die ganze Zeit irgendwelche unsinnigen Lieder und wenn ich die Biervorräte sehe, die eben gekauft wurden, dann stehen uns noch ein paar Pinkelpausen bevor. USP ist nebenbei heute mit einem 23er Bus ohne Klo unterwegs gewesen und hat die Hinfahrt mit zwei Stops hingelegt. Das nenn ich mal Disziplin.
Schön hingegen ist das Video, welches im Hintergrund läuft, Lokalrivale gegen Villareal, Schnitt in den Gästeblock, "das sind die vier härtesten spanischen Fans, sie haben den Weg hierher geschafft", man sieht ein Mitglied der St. Pauli Veteranen. Grosses Gelächter im Bus.
Danach folgte noch ein hochinteressanter Beitrag über OM von Arte, welcher zeigt, was uns alles noch fehlt, wenn wir Fans wirklich mal was auf die Beine stellen wollen. Mehr Berichtenswertes passierte dann aber wirklich nicht und so fand man sich etwas nach vier Uhr morgens im Bett wieder.
Fazit: Ich bewundere die Geduld unserer Reiseleiterin. Ich wäre mehrfach komplett ausgetickt bei all den dummen Fragen und Anmerkungen. Hinzu kamen noch ein Busfahrer, der vollkommen schlecht gelaunt war und ein weiterer Busfahrer, der eigentlich ganz nett aber doch ziemlich prollig war. Ich möchte diesen Job nicht machen und unser Fanladenpraktikant Martin wurde auch ordentlich durch den Kakao gezogen, darf er doch bald einen Bus alleine machen. Viel Spass dabei.
Letztes Fazit: Gute Nacht St. Pauli
... die Idee die Bänke der Haupttribüne in ehrenamtlicher Fanarbeit neu zu streichen (das ganze soll am Ende braun-weiss-braun werden). Wer auch immer die Idee gehabt hat (und da muss sich der Autor wohl auch an die Nase fassen ;-)), sollte gesteinigt werden, denn das ganze Unternehmen erweist sich als äusserst arbeitsintensiv. Zwei Abende haben immerhin zu fünf halbfertigen Bänken geführt, wobei insbesondere das Schleifen eine sehr anstrengende Arbeit ist. Aber insgesamt macht die Arbeit auch wirklich Spass. Also Leute, achtet auf die nächsten Termine, helft mit unser Stadion zu verschönern und freut euch, wenn ihr am Ende sagen könnt: "Ich habe die Tribüne mitgemalt". Nähere Informationen könnt ihr unter --- (am 19.1.2007 geändert, da nicht mehr aktuell) bekommen. Dort bekommt ihr auch die nächsten Termine.
... die Rechtschreibreform. Gut, dass diese Kolumne damit nicht wirklich ein Problem hat, da der Autor eigentlich alles kann, nur keine Rechtschreibung. Trotzdem: als Schriftsteller (*LOL*) kann ich mich natürlich zu diesem Streit äussern. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: hat Deutschland eigentlich keine anderen Probleme? Ändern tun sich zwei Prozent aller Wörter. Die Auswirkungen sind also eher gering. Unsere Kinder lernen diese Regeln seit fünf Schuljahren, sprich viele Kinder haben nur diese Schreibweise gelernt. Nun diese Sachen zu ändern, würde also insbesondere viele Kinder belasten.
So lieber Springer-Verlag. Schreibt ihr nochmal irgendwas von "zukünftige Generationen beschützen" wenn ihr für einen albernen Populismusgag den von denen gelernten Stoff als "Schlechtschreibreform" geiselt. Besser wäre es gewesen, wenn ihr euch in die zehn Jahre vorher laufende Diskussio