Norbert regt sich auf vom 25.10.2004
über
Ich will mich ja nur unterhalten, aber sie wollen ja nur meinen Körper
Nun sitz ich hier, halt mir die doch etwas dicke Birne und frage mich, was war eigentlich gestern? Ach, ich erinnere... Auswärtsspiel in Bremen. Und warum habe ich eine so dicke Birne? Mädchenbier und Cider ist die Antwort. Oha!
Neben einer etwas längeren Fassung des Auswärtsberichtes, den ich oben geschrieben habe, bekommt ihr auch noch ein paar warme Worte zur zweiten Mannschaft und ein paar Döntjes. Seid also willkommen bei der neusten Ausgabe meiner warmen Worte zum Spieltag.
Viele Fahrten haben Vorgeschichten und so auch diese. So hatten sich die Passanten endlich mal wieder vorgenommen eine kleine Zettelchoreo zu machen. Und da zur Zeit immer noch "Fare-Aktion-Week" gegen Rassismus im Stadion ist, hatte man sich entschlossen den Spruch "No Borders, no Nations - St. Pauli bleibt bunt" zu pinseln und diesen mit bunten Zetteln zu unterlegen.
Aber eigentlich begann das Elend dieser Fahrt bereits am Donnerstag, hatte ich doch dort das Vergnügen den englischen Foodshop gegenüber des Holstenstraße-Bahnhofs zu besichtigen. Lustiger Laden. Das ganze ist auf drei Ladengeschäfte aufgeteilt, welche keine Verbindung zueinander haben. In dem einen Ladengeschäft sitzt einer, die anderen beiden werden nur durch Kameras überwacht. Neben ganz viel Schweinkram führt der Laden auch viele englische Bücher. Ich kaufte ganz viel Cider ein und verliess diese nette Stelle Richtung Fanladen.
So trafen sich vier Verrückte am Samstagmorgen, um den Spruch zu pinseln und die Zettel bunt durcheinander zu legen. An der strengsten Schule Hamburgs konnten wir Natur pur (sprich ein Eichhörnchen; dabei wohnt Petruschka da doch gar nicht ;-)), komische Parkanordnungen (die hatten am Ende die Strasse so verstopft, dass der dahinter liegende grosse Parkplatz nicht mehr erreicht werden konnte...) und sehr viel Wasser von oben bewundern.
Aber durch die klare Arbeitsweise, die schöne Handschrift eines schönen Menschen und die schöne Sortierung waren wir doch schnell fertig.
So konnte meinereiner sich zu den Amateuren bewegen, wo er kurz vor Spielbeginn erschien, sich über die komplette Abwesenheit von USP wunderte (wo hat Babelsberg gespielt?), sich über die Anwesenheit komischer Cloppenburger ärgerte, sich über ein 1-3 ärgerte und sich darüber freute, dass er von Hossa schon die Mannschaftsaufstellung gereicht bekam. So nach dem Prinzip "damit du das lernst". Spaddel hatte am Samstag schon ein Ziel, sagte er doch nur "gehen wir jetzt saufen?" und als eine Kneipe als Ziel genannt wurde, da kam nur "mir egal, aber gehen wir jetzt saufen?" Okay, die Planung des Weges ist verbesserungswürdig, aber das Ziel hatte er klar definiert.
Weitere Erkenntnisse aus dem Sternschanzenpark? 190 Zuschauer sind absoluter Minusrekord seit Menschengedenken, es gibt Leute, die Rooney nicht mögen (TzTzTz), Trommeln gehören nicht in Stadien und Megafone auch nicht, wenn man nicht mindestens 100 Mitsänger hat, H. Elberfeld hat uns ganz alleine abgeschossen und ich verlier wohl eine Wette gegen Südzeckenandi.
Meinereiner zog es nach dem Amateurespiel dann doch vor, die Sportschau zu geniessen, hatte ich doch schon am Freitag eine Begegnung der Whiskeyart gehabt. Erkenntnis aus der Sportschau? Alter Schwede, was hat Mpenza einen Oberkörper... Da kann man(n) wirklich neidisch werden und frau geniessen. Meine Idylle vor dem Fernseher wurde nur kurz von Frida und Mann gestört, welche die nun hübsch in Packpapier eingewickelten Zettel vorbei brachten.
Sonntagmorgen. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, dass man um kurz nach acht aufsteht um zum Fussball zu fahren? Verdammt bescheuert, aber wer möchte schon normal sein, wenn doch mal irgendein Rockstar festgestellt hat, dass nach der Entdeckung von irgendwelchen Massenmördern immer die Nachbarn befragt werden und diese dann erklären, der Mörder sei doch ein "netter, normaler, junger Mann gewesen". So ging es zum Hauptbahnhof, wo ich mir erstmal Tragehilfe organisierte. Spaddel mag zwar nur passiver Passant sein, konnte sich aber nicht wehren, da ich ihn als "kräftigen jungen Mann" ansprach. So hatte man die Sachen schnell zum vereinbarten Treffpunkt geschleppt und konnte nun entspannt auf alle Mitfahrer warten. Diese trafen auch schnell ein, nur leider hatte sich das eine Ticket in der Zwischenzeit davon gemacht. Aber nach kurzer Verwirrung, etwas Planlosigkeit und ein paar Schrecksekunden hatten wir Tickets und Reisegruppe zusammen. Netterweise hatte Moritz auch schon Plätze für uns aufgetrieben und so konnten wir es uns im Untergeschoss eines netten Metronomzuges bequem machen.
Untergeschoss? Ja, und das obwohl Elvis nicht zu Unrecht auf die grosse Gefahr von Flutwellen hinwies. Aber immerhin waren wir so besser von einem Erdbeben gesichert. Oder so ähnlich. Kurz: Es wurden wirklich wilde Thesen durchgespielt.
Eine Fahrt in Richtung Süden bringt es mit sich, dass man über die Elbe fährt und so konnten sich die Mitreisenden Ciderboys and -Girl sich ohne schlechte Gewissensbisse (kein Getränk vor Überschreiten der Elbe) ihrem Lieblingsgetränk widmen. Da nur zwei Becher vorhanden waren, nutzen wir eine Art "Obelix"-Aufteilungsart. Die Freibeuterin und ich nahmen die Becher, der Spaddel die Flasche. Später einsteigende Mittrinker nutzen Bierdosen oder Spaddels Flasche. Kennt ihr diesen komischen Reflex beim Hund, wenn die Glocke klingelt? Ähnlich war es hier. Wenn mein Becher alle war, dann rief ich "Spaddel", was die Freibeuterin nahezu automatisch dazu veranlasste auszutrinken. Spaddel konnte so beide Becher nachfüllen und danach sein Baby wieder in Empfang nehmen. Klappte eigentlich ganz gut, denn bis kurz vor Bremen hielten die fünf Liter, so dass wir - anders als in Richtung Lübeck - die Notreserven nicht anfassen mussten. SPADDEL!
Über Cider kam man dann auch zu der Frage danach, was man denn so essen möge. Die Feststellung, dass sich Oliven ohne Martini einsam fühlen, mag ja sein, aber wir konnten Martini auch leider nicht dazu überreden den Oliven Gesellschaft zu leisten. SPADDEL!
Rispi unterhielt uns noch mit Geschichten aus ihrer Jugend, hatte sie doch ungefähr in jeder Haltestelle gelebt, die wir durchfuhren. SPADDEL!
Was Sprötze und Tostedt dazu veranlasst hat auf den jeweiligen Bahnhofsschildern neben dem Ortsnamen noch Platz zu lassen, wird wahrscheinlich immer ihr Geheimnis bleiben. Unsere Theorie, dass die schonmal vorbauen wollten, falls ihre Gemeinden unglaublich wachsen und sie zwei Bahnhöfe benötigen, liessen sich nicht erhärten. SPADDEL!
Grossartig auch der Zugbegleiter, welcher die Ansagen machte. "Hallihallo, könnte der junge Mann mit dem hellen Basecap mal bitte aus der Tür gehen, dann könnten wir auch weiterfahren?" oder ein vollkommen enthusiastisches "Nächster Halt Lauenbrück" liessen doch die gesamte Besatzung vor Lachen sich krümmen. SPADDEL!
Habe ich mich eigentlich schon meiner Mitfahrer gewidmet? Noch nicht wirklich, oder? Neben drei 42ern fand man dort einen AktionSüdler, einen Intergalaktischen, zwei Kopfschussgründungsmitglieder, ein Kopfschussmitfahrer, zwei BWUler, einen Unschuldsengel, drei Chaotiker, eine Rispi und einen Elvis (damit nebenbei auch vier Tigerenten auf dem Weg zu ihrem Zweitverein). Das ganze verteilt auf drei Tickets. Ja, ihr habt richtig gezählt, das sind 16 Leute, aber irgendwie passte das schon. Sonst war der Zug auch erstaunlich leer, was uns alle doch sehr verwunderte. Letztes Jahr sollen die Züge alle noch knüppeldicke voll gewesen sein. Insofern hatten der mitreisende Sicherheitsdienst (warum eigentlich?) auch nicht wirklich was zu tun. SPADDEL!
So genug nach Spaddel gerufen. Die Fahrt war zu Ende und wir begaben uns in die Hansestadt, die nicht wirklich schön ist. Mit der Strassenbahn ging es Richtung Stadion, aber da es doch noch reichlich früh war, beschloss man eine Kneipe aufzusuchen. Der Imbiss an der Ecke wurde mangels Klo abgelehnt und so ging man gerade weiter, als linker Hand das "Da Vinci" auftauchte. Schnell hiess es "Da rein" und was nun passierte, kann man mit Worten schwerlich beschreiben. Ca. 10 Leute kommen rein, legen ihre Sachen auf die Stühle, gehen an der Wirtin vorbei, rufen "Ein grosses Bier" "Ich auch" "Ja, für mich auch" etc. und verschwinden auf Klo.
So konnte die restliche Zeit in netter Runde verbracht werden, bis man sich dann irgendwann Richtung Stadion aufmachte. Hier traf man dann alle anderen bekannten Gesichter, wobei doch einige Leute mal wieder mit Abwesenheit glänzten und somit auch nicht in diesem Bericht erwähnt werden können, nech, Herr PauPi und Herr Lustri?
Noch kurz ein Bier gezischt und schon nahm man die Plätze im Block ein. Die Eingangskontrollen erwiesen sich als harmlos (da bin ich in Bremen schlimmeres gewohnt), und schon befand man sich im Block. Ich begab mich ganz nach unten im Stadion, da ich doch so nah wie möglich dran sein wollte, um Fotos machen zu können. Die restliche Bezugsgruppe hatte sich weit nach oben gestellt, so dass ich alleine, aber nicht einsam das Spiel verfolgte. Schön auch, dass meine Berichte anscheinend Wirkung zeigen, kam doch mein Kartenklauer vom Willinghusenspiel zu mir und versprach mir als Entschuldigung ein Bier. Das klingt doch schonmal gut.
Die oben beschriebene Choreo lief eigentlich ganz gut, war aber von meinem Platz nicht wirklich gut zu verfolgen. Insgesamt hatte man von unten keine gute Fotosicht, so dass zwar - mal wieder - alle Seiten die gleichen Fotos haben werden, diese aber bei allen Seiten relativ schlecht aussehen werden. Mal sehen, ob das jemand aus dem Innenraum aufgenommen hat. Das müsste eigentlich ziemlich gut aussehen.
Die Stimmung im Block war durchwachsen. Mal sehr laut und von allen getragen, dann aber auch immer wieder mit riesigen Lücken, wo nur unten von den Ultras gesungen wird. Hier muss dringend an der Koordination gearbeitet werden. Insbesondere, da Dauergesänge der melodischen und langsamen Art (ich versuch das jetzt mal neutral auszudrücken) bei St. Pauli zu einem Verstummen von allen Leuten führen, die nicht direkt im Ultra Bereich stehen. Hier muss dringend dran gearbeitet werden!
Etwas trist war hingegen der Besuch. Waren letztes Jahr noch ca. 5.000 Hamburger nach Bremen gefahren, so waren es jetzt vielleicht noch 2.000. Und auch auf Bremer Seite hatten sich so gut wie gar keine Zuschauer eingefunden, so dass der Besuch doch verdammt trist war.
Zum Spiel: Wenn du neunzig Minuten überlegen bist, wenn du eigentlich nur am Ball bist, wenn du auf ein Tor spielst und auch noch führst, dann musst du so ein Spiel gewinnen. Nur leider taten wir dies nicht. Ich gebe der MoPo ungern Recht, aber "verschenkten einen Dreier" umschreibt das Spiel perfekt. Gerade in der Offensive sind wir immer noch viel zu harmlos, was auch an einem erneuten Totalausfall von Herrn Dinzey lag. Die Abwehr stand bis zum 1-0 eigentlich auch gewohnt sicher und lässt sich dann zweimal absolut einfach und dämlich ausspielen.
Glücklicherweise traf Agu noch zum Ausgleich, sonst wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden. Und wahrscheinlich nicht nur ich. So aber konnte mit der Mannschaft noch ein wirklich absolut verdienter Auswärtspunkt gefeiert werden.
Gut, hier gab es nichts mehr zu sehen und so machte man sich auf den Heimweg. Elvis verabschiedete sich aus unserer trauten Runde, da er es vorzog, mit dem Auto zurück zufahren. Gut, und da vertat ich mich im Brausebrand, hatte ich doch gedacht, alle Mitfahrer zu haben. Aber leider hatte ich unseren vierbeinigen Freund von Kopfschuss und Orsen und Co. vergessen. So räumten wir etwas schnell den Treffpunkt und konnten unsere Leute erst wieder in der Bahn in die Arme nehmen. Sorry dafür, war definitiv mein Fehler. Kurz wurde noch eine Kneipe um einen Satz Becks Gold erleichtert und dann machten wir uns mit dem komischsten Taxifahrer Bremens auf zum Hauptbahnhof. Spaddel durfte in seinem Taxi nicht trinken, der Taxifahrer gab komische Sprüche von sich und ich glaube nicht, dass er begriffen hat, dass wir Fussballfans waren.
Gleis 10 wurde für die nächste Stunde unsere Heimat, wo wir genüsslich unser Becks Gold seiner Bestimmung zuführten und auf unseren Zug warteten. Erneut im unteren Teil fanden wir nette Plätze, tranken Fazitbiere, wunderten uns über komische SMS von Elvis und fuhren einfach nur nach Hause. Das Fazitguiness im Max und Consorten habe ich dann ziemlich unangefasst stehen lassen und habe mich auf den Weg zu einem Taxi gemacht.
Auf dem Weg fragte Spaddel noch nach, ob ich wirklich arbeiten müsse, was ich nur mit "JA!" beantworten konnte und Petruschka teilte noch mit, dass ManU Arsenal geschlagen hatte. BTW: Wer mochte noch ROOOOOOONNNNNNNEY nicht? ;-)
Irgendwann war ich dann zu Hause, ehrlich gesagt nach viel zu viel Alkohol für einen Sonntag, und reif fürs Bett.
Ziehen wir doch mal ein Fazit: Nette Reisegruppe, nette Tour, doofes Spiel, viel getrunken und viel Spass gehabt. Ich danke allen Mitfahrern und freue mich bereits auf die nächste Tour durch den Norden der Republik.
Was bleibt noch von diesem Tag? Ein nerviger Wespenstich am linken Zeigefinger. Wundert euch also nicht, wenn ich zur Zeit mit erhobenen Zeigefinger durchs Leben laufe.
... die Hamburger Morgenpost, welche dieser Kolumne bei der Falschschreibung von Spielernamen Konkurrenz macht. In einem Bericht von Samstag war sowohl von Woijcik als auch von Wojcik die Rede.
... der Wasserturm im Sternschanzenpark, welcher in ein Luxushotel umgewandelt werden soll. Nix dagegen, dass in diese Immobilie investiert wird, aber versprechen wie "die Nutzung des Parks bleibt unverändert" erscheinen doch sehr gelogen, wenn man die Nutzungsweise ansieht. Kein Gast eines Luxushotels möchte einen lauten Fussballplatz in der Nähe haben und ein abendliches Kino (mit entsprechender Lärmbelästigung) haben. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Konzept eine wirklich dauerhaft sinnvolle Nutzung des Gebäudes sicherstellt. Auch gerade weil der Standort doch ein ganzes Stück weg von den Touristenströmen ist. Nicht ablehnen kann man aus meiner Sicht aber, dass das Gebäude irgendeiner Nutzung zugeführt wird. Denn zum einen kann nur so der wirklich schöne Turm erhalten bleiben und zum ande