Norbert regt sich auf vom 11.11.2004

 

über

Der vielleicht wichtigste Sieg der Saison

Vorwort

Ja, mein lieber Pathos, ich erinnere mich noch an Freitag, und deinen Wunsch werde ich erfüllen. Jedoch nicht bei diesem Bericht, da lohnt sich das nicht, nein, mein Lieber, so etwas lohnt sich nur beim JHV-Bericht. Diesen erhaltet ihr nächste Woche. Jedoch werdet ihr euch ein bißchen gedulden müssen, denn die Berichte über die JHV werden doch immer sehr umfangreich. Zuerst wollen wir uns aber dem wichtigsten Sieg der Saison widmen.

Die Karikatur eines Spieles

An Wochenenden beginnen Berichte mit den Profis, nicht mit den Amateuren. Dies gilt auch dann, wenn die Amateure bereits Freitags gespielt haben. So beginnt auch dieser Bericht Samstag morgen, als die Poppenbütteler WG und ihr Göttinger Gast sich aufmachten, um unserem Göttinger Gast Schuhe für ihre Doktorprüfung zu besorgen. Unser Göttinger Gast ist nicht gerade ein begeisterter Einkäufer, aber Schuhe sollten laut ihrer eigenen Aussage "ganz einfach" zu kaufen sein. War es eigentlich auch. In jedes Schuhgeschäft gingen wir rein und kamen nach handgestoppten 30 Sekunden wieder raus. "Gefallen mir alle nicht". Okay, kurze Zeit später hatten wir unsere Shopping Tour beendet und konnten uns den wichtigen Dingen an diesem Tag widmen.

Und wichtig an diesem Tag war die Choreo, welche die Passanten vorbereitet hatten. Es sollten dazu braun/weisse Bahnen über die ganze Gegengerade hochgezogen werden. Die Bahnen waren jeweils aus einer Doppelreihe Packpapier oder einer Dreierreihe Tapete und waren in einer äusserst anstrengenden Arbeit die Wochen vorher verklebt worden. Am Spieltag galt es nun, diese Bahnen von unserem Bastelort in Wellingsbüttel zum Stadion zu transportieren. Alles kein Problem, bis wir erkannten, dass die Rollen doch verdammt gross sind und wir nur zwei kleine VW-Fahrzeuge zur Verfügung hatten. Aber mit ein bisschen Geschiebe passte das alles und so konnten wir uns Richtung Stadion aufmachen.

Dort fuhren wir einfach arrogant vor und luden die Sachen vor dem AFM-Container aus. Bereits hier hatten wir dankbare Hilfe und ich möchte bereits jetzt die Gelegenheit nutzen, allen Leuten zu danken, die bei der Choreo geholfen haben. Insbesondere gilt es allen USPlern zu danken, die wirklich tatkräftig beim Ausrollen der ganzen Sachen geholfen haben!

Vielleicht ist das ein System der Zukunft? Eine Gruppe bereitet vor und gemeinsam führt man dann die gesamte Choreo aus. Sah insgesamt auch genial aus, um das mal auch zu sagen. Fotos könnt ihr hier auf der Seite sehen, wenn ich sie denn online habe.

Kommen wir aber in die zeitliche Schiene zurück. Nach dem Ausladen der Sachen ging man erstmal in den Fanladen. Da es jedoch schon sehr spät war, begrüsste man hier nur kurz alle Bekannten um sich dann Richtung "Kleine Pause" zu begeben. So war zumindest der Plan, und Knuffi war schon vorgeschickt worden, um Essen zu bestellen. Nur leider machte uns der einzige Wolkenbruch des Tages uns einen Strich durch die Rechung, denn bei schweren Hagel hatte keiner Lust zur "Kleinen Pause" zu gehen. Glücklicherweise hörte es bald wieder auf und wir konnten uns dann doch Richtung "Kleine Pause" aufmachen.

In irgendwie komischer Besetzung, denn meine normalen Begleiter hatten beide beschlossen, irgendwie den Freitag nicht vertragen zu haben und sich doch lieber zu Hause noch etwas zu schonen. So ging man mit Acki und Pauline was essen, wobei mein Essen sich ja bereits auf dem Tisch befand und noch nicht einmal kalt war. Perfekt! Acki hingegen verwunderte alle Anwesenden und bestellte sich eine Pizza. Leider mussten wir ihn aufgrund des herrschenden Zeitmangels alleine lassen. Sorry dafür!

Am Stadion angekommen, konnte man Fahelor bewundern, wie er die Choreo vollständig organisierte. Sämtliche Bahnen hatten Nummern bekommen und auf einem Zettel hatte er jedem Helfer eine Nummer zugeteilt. Perfekte Organisation. Sehr ungewöhnlich.

Zu danken ist auch dem Verein, welcher die Durchführung durch Arbeitskarten unterstützte, so dass wir die Bahnen bereits vor dem offiziellen Einlass ins Stadion bringen konnten.

Hier klinkte ich mich aus der Vorbereitung der Choreo aus. Ich wollte Fotos machen und begab mich so langsam Richtung Haupttribüne. Ich verweilte eine ganze Zeit in der Nordkurve, bewunderte den kleinen Fanladen Container (der eigentlich viel zu wenig von den Fans genutzt wird. Da müsste der Bär toben) und trank einen leckeren Tee von der Jugend (den lecker aussehenden Kuchen konnte ich nicht mehr probieren).

Irgendwann war es dann Zeit, die Nordkurve zu verlassen und sich auf seinen Platz für Fotos zu begeben. Ich wählte den eigentlichen Gästeblock, da ich dort vermutete am wenigsten im Weg zu stehen. Komisch, wenn nahezu keiner im Gästeblock steht. Angeblich sollen sieben Fans von Wolfsburg da gewesen sein und nach dem Tor jubelten auch ein bis zwei Leute im Gästeblock. Im Gästeblock hing aber ein deutliches Protestplakat über die Stadionverbote beim Lokalrivalen. Dazu folgende Info: Wie hier schon mehrfach erwähnt wurde, haben Leute beim Derby in der letzten Saison Stadionverbote bekommen, obwohl sie absolut NICHTS gemacht haben, was dieses Verbot rechtfertigt. Nach einem Gespräch zwischen den Präsidenten soll sich der Lokalrivale bereit erklärt haben das Verbot dann aufzuheben, wenn das Strafverfahren eingestellt wird. Dies geschah relativ schnell, da die Betroffenen halt nachweislich NICHTS gemacht hatten. Der Lokalrivale erhob gegen diese Entscheidung noch eine Beschwerde, die natürlich auch abgeschmettert wurde. Wer nun glaubte, dass nun die Verbote aufgehoben werden, der kennt den Lokalrivalen schlecht. Dieser stellte lieber eine neue Strafanzeige mit neuen an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen. Somit haben die Betroffenen immer noch unberechtigt Stadionverbot, was die Proteste mehr als überfällig macht. Man kann nur hoffen, dass diese Lügen bald ein Ende haben und die Leute bald wieder in unserem Stadion begrüsst werden können.

Die Choreo klappte gut und ich rannte zurück zu meinem Platz. Glücklicherweise war es relativ leer, so dass ich nach einer kurzen Pause in der Meckerecke ohne grosse Probleme noch einen Platz bei meiner Gang finden konnte. Direkt neben Ryan Giggs konnte ich so entspannt die 90 Minuten verfolgen.

Zum Spiel: Petruschka sprach später von einer Karikatur eines Fussballspieles, und sie hatte nicht ganz unrecht. Das ganze Spiel war unglaublich langsam und unglaublich schwerfällig. Leider haben wir keine spielerischen Mittel um eine so kompakt stehende Mannschaft auseinander zu nehmen. Aber anders als gegen Chemnitz blieb unsere Mannschaft sehr geduldig und versuchte, spielerisch zu Torchancen zu kommen. Und irgendwann wurde diese Geduld belohnt und wir machten zwei sehr schöne Tore.

Etwas leiden musste unser Fussballsachverstand, hatten wir uns doch vor dem ersten Tor vollkommen auf Kollege Dinzey eingeschossen und forderten lautstark seine Auswechselung. Und als unser Coach Hanke gegen Agu tauschte, wollten wir alle Wojcik auswechseln, da dieser doch deutlich erschöpfter wirkte. Okay, es kann ab und zumal gut sein, dass wir keine Trainer sind. ;-) Was mich jedoch beim sonstigen Publikum deutlich störte, war das Gemecker gegen Hanke. Natürlich gelingt ihm nichts alles, aber gegen eigene Spieler höhnisch zu lachen, obwohl sich diese deutlich bemühen und auch wirklich arbeiten für das Team, nee, das ist nicht wirklich freundlich. Hinzu kommt, dass das Publikum Agu auch dann zujubelt, wenn dem viel stärkere Fehler unterlaufen, als Hanke sie vorher gemacht hatte. Leute, das ist positiver Rassismus. Mir persönlich gefiel Hanke, da er schlichtweg arbeitete und ackerte und auch nach hinten sehr sehr viel machte.

Nicht gefallen hat mir zum wiederholten mal Taljevic. Er kann am Ball wirklich alles, aber er muss endlich (!!!) begreifen, dass er auch Zweikämpfe bestreiten und gewinnen muss. Insbesondere muss er auch mal Bälle im Mittelfeld erkämpfen um dann das Spiel schnell machen zu können. Wenn er dies nicht macht, dann kann er dem Team nicht helfen.

Herr Dinzey spielte nicht toll, machte aber ein Tor, aber warum er immer direkt nach dem Spiel abhaut und nicht mit der Mannschaft feiert, wird mir immer unverständlich bleiben. Es fehlt ihm absolut daran ein Teamplayer zu sein.

Die Stimmung im Stadion war nicht sehr doll. Was natürlich an dem relativ langweiligen Spiel und auch an dem Fehlen irgendwelcher Gästefans lag. Was ich aber absolut peinlich vom Publikum fand, war das viele Leute sofort nach dem Abpfiff das Stadion verliessen. Hallo? Das Wort RESPEKT ist vielen St. Paulianern anscheinend nicht bekannt. Es entspricht dem gegenseitigen RESPEKT, dass man der Mannschaft wenigstens leise klatschend bei ihrer Ehrenrunde zusieht. Es entspricht dem RESPEKT, dass man auch nach einer durchschnittlichen Leistung der Mannschaft Anerkennung für den Sieg zeigt. Dass dieser RESPEKT nicht einmal in Teilen der harten Fanszene vorhanden ist, ist sehr sehr traurig. Und so war Block 1 schon fröhlich am Bier trinken, als die Mannschaft ihre Ehrenrunde lief.

Was aber bringt uns nun dieser Sieg? Und da verweise ich auf die Überschrift. Eventuell wird dieser Sieg noch der Wendepunkt der Saison. Wir haben nun die grosse Chance, mit einem Punkt in Krefeld und einem weiteren Heimsieg wieder den Anschluss nach oben zu finden. Viele Mannschaften werden noch an Wolfsburg verzweifeln und dort Punkte lassen. Und das wichtigste ist, dass unsere Mannschaft aus diesem Sieg Selbstvertrauen ziehen muss, da sie nun weiss, dass sie auch schlechte Spiele gewinnen kann.

Lass uns also hoffen, dass die Mannschaft in Krefeld nachlegt. Und wenn dann die Verletzten in der Rückrunde wieder kommen und vielleicht auch Hanke, Agu, Wojcik nicht alle drei irgendwie angeschlagen sind, dann können wir eventuell den Rückstand noch aufholen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und nach unten haben wir nun endlich genug Platz, so dass wir uns dahin keine Sorgen mehr machen müssen. Unsere Saison kann nun ähnlich verlaufen, wie die von Dynamo Dresden letztes Jahr. Diese spielten auch durchschnittlich in der Hinrunde und rollte dann das Feld von hinten auf.

Was fehlt unserer Mannschaft zur Zeit? Definitiv ein Kopf im Mittelfeld. Unser Mittelfeld ist insbesondere in der Rückwärtsbewegung sehr schwach. Bälle werden selten gewonnen, so dass wir die gegnerische Mannschaft nicht in ihrer Vorwärtsbewegung überraschen können. Durch diese defensive Schwäche müssen unsere Stürmer auch viel zu häufig nach hinten arbeiten. Dies machen sowohl Wojcik, Hanke als auch Agu wirklich gut, aber sie fehlen dann natürlich in der Vorwärtsbewegung.

Nach dem Spiel traf man sich am AFM Container, bejubelte den Sieg und über einen Umweg fand man sich in der Marktlücke, -öcke, -ocke oder so ähnlich wieder. Leider ist es mir nicht möglich einen Dänen-Bommel mit Strich durch hier zu tippen, aber so wäre der absolut richtige Name der Kneipe.

Die Kneipe ist nebenbei wärmstens zu empfehlen. Sehr nettes Tresenpersonal, Premieredecoder und sehr leckeres Essen und Trinken. Minuspunkte gibt es aber dafür, dass es vor Weihnachten kein Strongbowcider gibt, da dieser gegen Weihnachtsbier getauscht wird. Nichts gegen das leckere Weihnachtsbier, aber dafür Cider zu opfern ist echt eine Sünde.

Nachdem wir uns gestärkt hatten und entspannt hatten, war es dann doch irgendwann Zeit, Party zu machen. Die konnte bei einer grossartigen Musikauswahl im Jolly auch noch ordentlich genossen werden.

Und Freitag?

Konnte man bei Vicky eine der komischten Schiedsrichterleistungen ever beobachten, da bei einem Tor von Vicky der Schiedsrichter dieses nicht anerkannte, dafür aber auf den Punkt zeigte und Hinzmann die Rote Karte wegen eine Notbremse zeigte. Ich bin nun wirklich kein Regelfanatiker, aber warum lässt er das Spiel nicht so lange laufen, bis der Ball im Tor ist? Nicht nur, dass Hinzmann dann eventuell mit Gelb davon gekommen wäre, nein es hätte auch 1-0 gestanden, was so nicht der Fall war, da der Elfer grossartig gehalten wurde.

Ansonsten leistete unsere Mannschaft mal wieder Aufbauhilfe für Hamburger Mannschaften, da man nach einer ganz schwachen Leistung 2-1 verlor. Insbesondere die Chancenauswertung war unter aller Sau, denn in der zweiten Halbzeit hatten wir Chancen ohne Ende und bekamen den Ball nicht zum Ausgleich ins Tor.

Was gibt es sonst zu berichten? Das Flutlicht bei Vicky ist höchstens ein Trainingslicht und tötet jeden Versuch, Fotos zu machen. Die Tribüne und die Stadionkneipe ist wirklich sehr schön, wobei sich diese älteste deutsche Holztribüne dadurch auszeichnet, dass in der Mitte ein Stützpfeiler im Fussboden verläuft, welcher bei den beschränkten Sichtverhältnissen wirklich zu einer Stolperfalle wird.

Nach dem Spiel begab man sich noch ins Büdchen, wo auf Mias Arm das Konzept für die FSK Sendung "Wir reden vier Stunden Musik, ohne welche zu spielen" geschrieben wurde. Na ich will mal hoffen, dass sie sich nicht gewaschen hat und wir das Konzept noch mal in Reinform schreiben können ;-).

Und dann war da noch...

... die neue Gazetta, die Grösse bewiesen hat, indem sie ihren Fehler vom letzten mal direkt im Vorwort korrigierte. Ansonsten eine wirklich gelungene Ausgabe, die aber eine grosse Lüge enthält. Ich habe nämlich keine Ahnung von Steuern ;-). Und wer Nobby Styles nicht mit dem gehörigen Respekt behandelt, der kann sich auch nicht rausreden, dass In/Out Listen nicht ernst gemeint sind.

... Goleo und Pille, die Maskottchen der WM 06. Alleine schon beim Ansehen der beiden graust mir schon böses. Irgendwie haben es die WM Organisatoren geschafft, dass wir nun ein Smilies auf Acid als Logo, ein Dunkeldeutschland Plakat und nun auch noch einen Löwen, der guckt als ob er 100 kg Haschisch intus hat, als Maskottchen haben. Ganz grosses Tennis. Und bei dem plappernden Ball weiss ich jetzt schon, warum unsere Nachbarn vollkommen zu Recht behaupten, dass wir keinen Humor haben. Ist dieser WM Spuk bald vorbei?

... der tägliche Alltagsrassismus, diesmal präsentiert von Carsten Köthes Frühstücksclub auf RSH. Im Rahmen der Nachrichten wird eine Meldung über die Unruhen in den Niederlanden verlesen und der Moderator sagt wirklich "die Unruhen zwischen Muslime und Einheimischen". Schön, dass man im deutschen Radio so vereinfachen kann: Muslime = keine Einheimischen = Zuwanderer = Ausländer = Böse. Oder wie? Oder gibt es keine einheimischen Muslime in den Niederlanden? Natürlich ist die Bezeichnung der dort aufeinanderprallenden Gruppen nicht wirklich einfach, da auch "Christen gegen Moslems" (so die Blöd) vollkommen irre führend ist, da dort eine Gläubigkeit auf beiden Seiten unterstellt wird, die einfach nicht da ist.

Natürlich melden sich in solchen Situationen auch wieder die üblichen Scharfmacher und Herr Beckstein predigt was davon, dass die Leitkultur angenommen werden müsse. Andere fordern, dass nicht mehr in Arabisch gepredigt werden soll. Dazu folgende Anmerkungen: Hr. Beckstein sollte vielleicht mal die Worthülse Leitkultur mit Leben füllen und sagen, was er sich darunter vorstellt (das wird nämlich verdammt schwierig) und Leute, die fordern, dass nicht mehr in Arabisch gepredigt wird, sollten sich mal überlegen, dass auch grosse Teile eines katholischen Gottesdienstes in Latein ablaufen (man verbessere mich, ich bin - wie ich offen zugeben muss - kein Kenner katholischer Gottesdienste). Mal ganz davon ab, dass man - ob man es nun gut findet oder nicht - feststellen muss, dass Arabisch eine ziemliche Weltsprache ist.