Norbert regt sich auf vom 18.11.2004
über
Die JHV 2004
Liebe Leser, dies wird mal wieder viel zuviel Text, um ihn wirklich online zu lesen. Ich würde euch daher dringend empfehlen, diesen Text auszudrucken, wenn ihr ihn denn lesen wollt. Falls ihr irgendwelche lustigen Spielberichte erwartet, dann beendet euer Lesen bitte jetzt, denn dies hier wird knallharte Vereinspolitik mit ein paar witzigen Döntjes, aber grösstenteils richtig trocken zu lesen.
Wie immer eine Gebrauchsanweisung vorweg: Zwar versuch ich immer so genau wie möglich mitzuschreiben, da ich jedoch kein Steno beherrsche, bin ich doch teilweise hinten dran oder kann einfach nicht alles mitbekommen. Dadurch können sich auch inhaltliche Fehler einschleichen, die ich jetzt schon vorab entschuldigen möchte. Es handelt sich bei diesem Bericht einfach nicht um mehr als ein Gedächtnisprotokoll, welches auf ein paar Aufzeichnungen gestützt ist. Wenn ich meine eigene Meinung vertrete, dann kennzeichne ich dieses dadurch, dass ich die jeweiligen Sätze in Klammern setze. Das hat sich bewährt und lässt eine Unterscheidung zwischen Wahrnehmung und eigener Meinung zu.
Und falls ihr nach all diesen warnenden Worten immer noch Lust habt, diesen Bericht zu lesen, dann wünsch ich euch jetzt viel Spass.
Das Vorspiel hatte bereits am Samstag mit dem MiniÜbersteiger begonnen. Dieser nahm die Planzahlen für das Geschäftsjahr 04/05 elegant auseinander und legte seinen Finger in einige Wunden der Planung. Man konnte daher sehr gespannt sein, wie das Präsidium auf diese Sachen antwortet.
Das eigentliche Vorspiel begann aber gegen 18:00 als ich die Hallen der Versammlung betrat. Ich war noch nie vorher im Schmidts Tivoli gewesen, so dass ich hier auch noch einen Groundpoint der besonderen Art feiern konnte. Der Einlass verlief reibungslos, auch wenn die ganzen Tische doch deutlich enger stehen als im mit Platz grosszügig ausgestatteten CCH. Zwar bediente mich diesmal nicht Petruschka wie bei der AFM-Versammlung, und dies obwohl ich das Sonntag noch gefordert hatte, aber mit TAL und Hasso konnte man trotzdem von bekannten Gesichtern in die Halle gelassen werden.
Ein Blick ins weite Rund ergab nur eine Feststellung: Verdammt eng hier. Das Theater ist hinten mit Tischen ausgestattet und die Sitzbänke geben nicht wirklich vielen Leuten Platz. So war der Laden bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung doch sehr ordentlich gefüllt.
Noch zu erwähnen sei, dass THC und Hoppetosse wirklich so durchgeknallt waren für diesen Abend aus Solingen bzw. Kamen anzureisen. Sie blieben jedoch die beiden einzigen mir bekannten Mitglieder, welche eine weitere Reise für diese Versammlung auf sich genommen hatten.
Ja - der Montag als Versammlungstag. Schwieriges Thema. Kein anderer Verein macht sich solche Gedanken darüber und bei nahezu jedem anderen Verein ist die JHV wie selbstverständlich irgendwann in der Woche. Natürlich schliesst man so die auswärtigen Mitglieder von ihrem Stimmrecht de facto aus, was bei einem Verein, der in nahezu ganz Europa Mitglieder hat, natürlich sehr unglücklich ist. Nur, wenn ich anderseits die finanziellen Zwänge des Vereines sehe, dann bin ich froh, dass wir das Tivoli kostenlos bekommen, auch wenn dies heisst, dass man sich an einem Montag treffen muss und dass man sehr beengt sitzen muss.
Die Alternative Sonntagnachmittag kollidiert natürlich mit zu vielen Terminen der Amateurabteilungen. Es wird also sehr sehr schwierig, das Ei des Kolumbus zu finden, wenn es um die Terminierung der JHV geht. Lustigerweise hatte an diesem Montag die Schachabteilung ein Punktspiel, so dass ein Mitglied, welches für eine längere Mitgliedschaft geehrt werden sollte, nicht konnte.
Noch ein paar Vorbemerkungen: Auf dem Spielplan des Tivolis war zu sehen, dass dieser Montag der einzige spielfreie Tag im gesamten Monat November ist. Umso grösser ist Littmann anzurechnen, dass er sein Theater zur Verfügung stellt. Wobei spielfrei ja nicht ganz stimmt, denn welche grössere Show gibt es als eine JHV des FC St. Pauli?
Zu diesem Zeitpunkt ist die Halle schon knüppeldicke überfüllt. Es ergreift unser Präsident Corny Littmann das Wort. In der Halle herrscht noch lautes Gemurmel und erst beim zweiten Versuch kann sich Herr Littmann durchsetzen.
“Herzlich Willkommen auf der Reeperbahn, herzlich willkommen im Schmidts Tivoli”, so beginnt Herr Littmann (ich kürz ihn ab jetzt mal als CL ab, sonst schreib ich mich hier ja dumm und dusselig). Es sei ja ein Heimspiel für ihn, man habe um den Service zu vereinfachen für jedes Getränk und für jeden Brezel den Einheitspreis von ein Euro festgelegt. Es gebe auf Wunsch aller Beteiligten keinen Alkohol, was eine Neuheit für das Tivoli sei. (Der Service war okay, die Preise für ein 0,2 Liter Getränk angemessen, nur leider war bereits nach der Hälfte der Versammlung die normale Cola aus und am Ende waren doch erhebliche Lücken im Sortiment vorhanden. Okay - für so einen Laden lohnt sich ein Euro nicht wirklich, aber hier hat CL in seinem eigenen Laden ein paar Einnahmen verpasst, die ihm niemand missgönnt hätte). Als Chef des Hauses freue er sich immer über einen vollen Saal und heute freue er sich umso mehr.
Er übergab dann an den Versammlungsleiter Herrn Warnke, dieser ratterte die üblichen Formalien runter, dass zum 28.9. eingeladen sei, dass die Bilanz inklusive Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) seit dem 29.10. ausgelegen habe und somit alle Fristen eingehalten worden seien.
(Hmmm…das war zu diesem Zeitpunkt für mich gedanklich noch kein Problem, aber ein bisschen ins Grübeln kommt man dann, wenn man später hört, dass unsere Bilanz bisher einen sehr erheblichen Schönheitsfehler hat. Sie hat nämlich bisher kein Testat der Wirtschaftsprüfer. Das mag man als Formalie abtun, so wie das Präsidium später versuchte es herunterzuspielen, aber es ist aus meiner Sicht eine sehr wichtige Formalie. Heisst dies doch nix anderes als dass die einzige externe Kontrollinstanz, die der Verein hat, bisher nicht mit den aufgestellten Zahlen einverstanden ist. Und ob dies dann eine “Bilanz” ist, die man ordnungsgemäss auslegen kann, wage ich zu bezweifeln. Für mich sollte da schon eine vollständige und absolut abgeschlossene Bilanz liegen.)
Die Presse wurde daran erinnert, dass die Versammlung nicht öffentlich sei und sie daher alle Aufzeichnungsgeräte auszuschalten habe. (Naja, wer glaubt, dass sich diese Geier an so etwas halten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann; handschriftliche Aufzeichnungen waren nebenbei nicht verboten ;-))
Die Art der Abstimmungen werde durch den Versammlungsleiter bestimmt, bei Wahlen könne auch schriftlich abgestimmt werden, wenn dies von mindestens 10 Mitgliedern gewünscht werde. (Ich finde es immer noch einen riesigen Fehler unserer Satzung, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, offen über Personen abzustimmen. Das ist aus meiner Sicht einfach nicht okay und sollte irgendwann mal in der Satzung geändert werden. Personenwahlen haben aus meiner Sicht prinzipiell geheim und schriftlich zu erfolgen.)
Die “grünen” Wahlkarten müsse man abgeben, wenn man den Saal verlassen wolle. (Ungefähr der gesamte Saal brüllte hier: “Mann, die sind blau!”) Und wenn man mit der Leistung des Versammlungsleiters nicht zufrieden sei, dann könne man diesen mit 2/3 Mehrheit abwählen. (Man kann sich vorstellen, dass dies nach der vorher vorgetragenen Farbenblindheit zu Erheiterung im Rund führte)
Die Tagesordnung wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen, wobei erst ein “dies ist die erste Abstimmung” des Versammlungsleiters wirklich dazu führte, dass sich mehr als ein paar Hände regten. Die Versammlung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich wach.
Als erstes wurde den verstorbenen Mitgliedern gedacht, wobei Tattoo-Theo, Horst Manke und Horst Romes herausgehoben wurden. (Für Schreibweisen von Namen übernehme ich absolut keine Garantie und entschuldige mich schon mal dafür)
Danach wurden vier Leute von CL verabschiedet. Er fing mit Brigitte an, die es geschafft habe, dass Klubheim durch eine familiäre Atmosphäre sehr beliebt zu machen. Man habe dort viele Erfolge gefeiert und Niederlagen begossen. Es kam zu Differenzen, aber trotzdem, so sagte CL, finde er es richtig, sich bei ihr zu bedanken.
Brigitte war jedoch nicht da, so dass sie ihren Blumenstrauss nicht in Empfang nehmen konnte, und der ärmste Sven die Aufgabe von CL erhielt, ihr die Blumen zu überreichen. (Schwierig. War diese Verabschiedung nun richtig? Hätte man das Thema totschweigen sollen? Ich weiss es nicht. Fakt ist, dass es ziemlich blutig auseinander gegangen ist und noch nicht genügend Zeit vergangen ist, um wirklich Gras über die Sache wachsen zu lassen.)
Als nächstes wurde Jutta verabschiedet, welche sich um die Bewirtung/Betreuung der Kollaustraße gekümmert hatte und diese aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss. CL meinte, bei ihr würde “harte Schale, weicher Kern! sehr passen. Sowohl Oberliga als auch Regionalligateam (die nebenbei beide nahezu vollständig anwesend waren) erhoben sich spontan von ihren Sitzen, und es erhob sich insgesamt lauter Beifall.
Mit Siegfried Reimer wurde der Platzwart des Brummerskamp in den Ruhestand verabschiedet, genauso Amado, welcher passend als “Herr der Umkleiden” bezeichnet wurde. CL verabschiedete ihn mit einem portugiesischen “Viel Glück”.
Danach erfolgten die Ehrungen. Erwähnenswert ist eine Leistungsnadel in Bronze an die Fussball C-Jugend, welche immerhin in die Regionalliga aufgestiegen ist, welche Hamburger Pokalsieger und Hamburger Vizemeister geworden ist. Kann man hoffen, dass dort der nächste gute Jahrgang für unseren Verein heranwächst? Es bleibt zu hoffen.
Bei den Ehrungen für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde eine ganze Handvoll Mitglieder geehrt, wobei keine bekannten Namen dabei waren. Auffällig war die Häufung von Mitgliedern der Schiedsrichterabteilung. Der erste zu Ehrende stolperte erstmal die Treppe zur Bühne rauf, und viele der Geehrten waren nicht anwesend, um ihre Ehrung persönlich in Empfang zu nehmen. Die Versammlung klatschte trotzdem bei jedem genannten Namen, was Littmann zu der Bemerkung veranlasste, man solle doch nicht so schnell klatschen, sondern erstmal abwarten, ob derjenige denn auch da sei. (Eine von vielen vollkommen überflüssigen und absolut arrogant wirkenden Bemerkungen. Insgesamt machte Littmann den Eindruck eines kleinen absolutistisch regierenden Herrschers. Das fängt damit an, dass er am Empfangstisch erscheint und natürlich weder Personalausweis noch Mitgliedsausweis dabei hat. Mal ganz ehrlich: Natürlich haben die netten Empfangsleute ihn reingelassen, aber ich hätte mich gefreut, wenn hier jemand den Mut gehabt hätte, ihm zu sagen, dass er dann mal brav nach Hause gehen kann und einen Perso holen kann. Wobei dieser danach wahrscheinlich nur noch Lokalrivalenfan hätte werden dürfen, denn bei uns hätte er sich nicht mehr blicken lassen dürfen.)
Bei der Ehrennadel für 40 Jahre sorgte der Name eines geehrten für Belustigung, hiess dieser doch wirklich “Helmut Schmidt”. Okay, es war natürlich nicht unser Altbundeskanzler.
Danach bekam der Altpräsident Ernst Schacht die goldene Ehrennadel, wobei das Dankeswort von Günther Peine (Vorsitzender des Ehrenrates) gesprochen wurde. Herr Peine spricht ein grossartiges Hamburgisches mit leichten lispeln, was einfach super angenehm klingt…
Bei den Leistungen von Herrn Schacht wurde erwähnt, dass in seine Präsidentschaft der erste Bundesligaaufstieg fällt. Lieber verschwiegen wurde, dass dieser Aufstieg aufgrund von finanziellem Chaos auch in einem Lizenzentzug und einem Abstieg in die dritte Liga endete.
Bei den Leuten mit fünfzig Jahren Mitgliedschaft lies sich Herr Littmann wieder zu einer arroganten Bemerkung hinreissen, als er meinte, wenn man fünfzig Jahre im Verein sei, dann könne man auch mal warten, bis derjenige vorne sei.
Zu Ehrenmitgliedern wurden Heinz Lührs und Peter Hasemann ernannt, wobei Herrn Peine nun beide Lobpreisungen in Gedichtsform vortrug. Grosses Tennis und schön. Auch wenn das natürlich alles so wirklich schöne Vereinsmeierei ist.
Bevor ich mit diesem Anfange, ist erst mal Mittag angesagt. Bin jetzt gut zweieinhalb Stunden dabei und bin noch nicht sehr weit.
So, Essen steht im Ofen und es geht weiter.
Mit diesem begann CL, der jedoch, bevor er mit seinem Vortrag begann, erstmal bedeutungsvoll Wasser in sein Glas kippte. Ich habe lange nicht gesehen, dass irgendjemand dies so zelebriert.
CL erklärte, dass man den Bericht in zwei Teilen halten wolle, wobei er den ersten halten werde und dann Markus Schulz (ab hier zur Vereinfachung auch einfach mal MS genannt) über Zahlen und Bilanzen referieren würde.
Vor einem Jahr habe er appelliert, dass endlich Ruhe in den Verein einkehren müsse. Wenn man nun die letzten sechs Monate Revue passieren lasse, dann war es beinah zu ruhig. Gucke man sich die letzten zwölf Monate an, dann sei der Anfang sehr turbulent gewesen und nun sei es ruhiger geworden.
Man sei in der Regionalliga angekommen (eine Phrase, die er immer wieder aufgriff). Dies sei im April noch nicht sicher gewesen, da man aus sieben Spielen nur einen Punkt geholt habe. Danach habe man den Trainer beurlaubt, was für Unruhe gesorgt habe, da man erst im Februar den Vertrag verlängert habe. Wenn man sich jedoch die Situation im Februar angesehen hätte, dann hätte man zu diesem Zeitpunkt auf einem gesicherten Mittelfeldplatz gestanden. Man habe die Planung der nächsten Saison mit dem damaligen Trainer begonnen und die Vereinsöffentlichkeit hatte auch zu diesem Zeitpunkt gefordert mit diesem Trainer die Planung für die nächste Saison voran zu treiben. Dass sich die Dinge anders entwickelt haben sei weder im Interesse des Präsidiums noch im Interesse des Vereines gewesen.
Hinterher sei man immer schlauer, aber er würde in der Situation, die damals herrschte immer wieder so handeln. (Bitter wie sich der Verein damals von der Presse unter Druck hat setzten lassen, denn bereits im Februar war eigentlich klar, dass Gerber nix mehr in diesem Verein erreichen wird. Dies hat gerade der Schreiberling dieser Kolumne immer wieder deutlich gemacht.)
Auch die Verpflichtung von Andreas Bergmann sei als Fehler von der Öffentlichkeit angesehen worden. Er habe uns jedoch vor dem Abstieg gerettet, habe Neuverpflichtungen zusammen mit Stanislawski getätigt und die Mannschaft insgesamt auf einen guten Weg gebracht.
Wichtig sei, wie Andreas Bergmann die Sachen anginge, er sei regelmässig bei der Oberliga und bei der A-Jugend anwesend, setze damit das bereits vor einem Jahr beschlossene Nachwuchskonzept konsequent um, und es sei kein Wunder, dass Spieler wie Ansorge und Akbel verlängert hätten und Spieler wie Rose, Ahrens, Flatken in der Regionalligamannschaft angekommen seien (ups, letzteres mal mit einem grossen Fragezeichen, denn viel mehr als mitzutrainieren machen die drei bisher nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden).
Man habe Fussballkompetenz zuhauf im Verein, wobei insbesondere ehemalige Spieler wie Stanislawski oder Trulsen zu nennen seien. (Ein schöner Seitenhieb an die Presse.)
Noch etwas habe sich mit Andreas Bergmann geändert, “Andy, du gestattest, dass ich das persönlich sage”. Bergmann sei loyal zur Mannschaft und zum Verein, wir erleben nicht mehr, dass Konflikte über die Bande Presse ausgetragen werden, dafür möchte er Bergmann herzlich danken. (Es kam an dieser Stelle zu Beifall. An die Duzart von CL werde ich mich nie gewöhnen, aber inhaltlich kann man an dieser Stelle nur sehr stark nicken. Gerber machte halt seine gesamte - nie bezweifelte - Kompetenz durch seine menschliche Art kaputt.)
Nun sei man plötzlich die graue Maus der Regionalliga, aber er frage die Presse genauso wie die Mitglieder, was ihnen denn lieber sei: Wenn man das Schicksal von Union Berlin teile? Ob es “euch” lieber sei, um die Existenz zu bangen? Er sei heilfroh, das wir nicht nach unten schielen müssen, sondern nach oben schielen können. Es gebe zwar auch Spiele wie das vom letzten Wochenende, “über das wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen”, erfreulich seien aber die drei Punkte gewesen und die selbstkritische Haltung der Mannschaft. (Dass es noch eine andere Alternative zur grauen Maus gibt, nämlich oben mitzuspielen, dies verschwieg CL lieber.)
Man habe aber trotzdem Fehler im sportlichen Bereich gemacht. Einer sei definitiv die Verpflichtung von Nascimento gewesen. Die damals sportlich Verantwortlichen Stefan Beutel und Franz Gerber hätten dazu dringend geraten, weil der Spieler nach ihrer Ansicht bald deutlich mehr wert sein sollte. Diese fachliche Auskunft habe sich als nicht wahr herausgestellt. Der Fehler sei gewesen, sich überhaupt auf ein solch spekulatives Geschäft einzulassen. “Dies werden wir nur einmal machen und nie wieder.”
Es folgte dann eine Passage zu den Stadionverboten, welche von der Versammlung mit äusserster Stille und Anspannung verfolgt wurde.
Unruhe habe es auch gegeben wegen der sechs ausgesprochenen Stadionverbote. Es habe berechtigte Kritik gegeben, aber es habe sich auch um eine notwendige Auseinandersetzung gehandelt. In der AOL Arena habe es einen Vorfall gegeben, welcher dem Ansehen des FC St. Pauli schwer geschadet habe. Er habe sich direkt am nächsten Tag bei Hoffmann entschuldigt. Nach einer Woche sei man dann zur Polizei in der Lärchenstrasse geladen worden und habe deren Erkenntnisse angehört und daraufhin sechs Stadionverbote erteilt. Fünf davon habe man nach Anhörungen wieder aufgehoben. Er halte es für richtig, dass man schnell und entschieden gehandelt habe, es sei jedoch falsch gewesen, dass man vorschnell entschieden habe und dass wir uns alleine auf die Polizei verlassen haben.
(Ja was denn nun? Schnell oder Vorschnell? Und natürlich verschweigt er auch, dass die Anhörung nur erfolgte, nachdem eigentlich die gesamte Fanschaft Amok in Protest lief. Die Anhörungen waren ja nicht auf dem Mist des Vereines gewachsen, sondern kamen erst auf massiven Druck zustande.)
Man kooperiere aber mit der Polizei, was aber nicht heissen soll, dass man alles unkritisch nehme, was die Polizei sage. (Es aber in diesem Fall, wo es mal drauf ankam, natürlich doch gemacht hatte).
Man sei für die Sicherheit im Stadion verantwortlich und wolle dies auch nicht an Dritte delegieren. Drei Jahre Stadionverbote bundesweit seien für junge Menschen kein Strafmass. Zumindest nicht grundsätzlich. In den letzten Jahren habe der FC St. Pauli 14 bundesweite Stadionverbote ausgesprochen, die meisten gegen Fans der Gäste. Man habe nun die jeweiligen Vereine angeschrieben und angeboten, diese Verbote aufzuheben bzw. auszusetzen, wenn denn die Vereine und die Betroffenen dies wollen. Leider habe es jedoch nur wenig Resonanz gegeben.
Man sei der Meinung, dass nach einer angemessenen Frist Stadionverbote zu überprüfen seien. Dies habe man nicht nur zum Thema im Verein gemacht, sondern auch beim DFB und man sei sicher, dass dieses Auswirkungen haben werde. Man sei aber der Meinung, dass drei Jahre Stadionverbot nicht das richtige seien, wenn z.B. ein Jugendlicher mal einen Schal geklaut habe. (HA! Wenn die Betroffenen mal so viel gemacht hätten. Fakt ist doch immer noch, dass die meisten Stadionverbote willkürlich ausgesprochen werden. Irgendwie war das ganze Statement butterweich und leider fehlten Aussagen zu den immer noch existierenden, willkürlichen Stadionverboten des Lokalrivalens).
Man sei in der Regionalliga angekommen (das alte Thema wieder), dies führe zu einer strukturellen Unterdeckung. Man habe aber entscheidende Schritte getan um diese zu decken, indem man die Vermarktungsrechte zurück gekauft habe. Dies sei ein entscheidender Schritt für den Verein (Hier kam Beifall auf, während die ganze Stadionverbotsgeschichte ohne eine Regung des Publikums endete). Jetzt könne jede Abteilung für sich alleine Sponsoren suchen. Dies müsse zwar in Abstimmung mit der Vermarktung geschehen, aber es seien sonst keine Grenzen gesetzt (ausser natürlich der Grenzen, die sich halt aus der Vermarktung ergeben! Das sind doch erhebliche, denn ich geh mal davon aus, dass sich alle Premiumpartner und auch der Hauptsponsor Branchenexklusivität in ihre Verträge schrieben liessen. Und wenn ich so unsere Sponsorenreihe so sehe, dann bleiben da nicht viele Branchen offen. Insbesondere wenn man überlegt, welche Branchen normalerweise im Bereich von Vereinen werben. Das ist nun kein Vorwurf, da eine solche Exklusivität vollkommen üblich ist, zeigt nur, dass die neue Freiheit nicht gerade eine grosse ist).
Man habe eine Unterdeckung von ca. 300.000 bis 500.000 Euro pro Jahr. Dies sei grösstenteils durch die Vermarktung gedeckt, aber es seien weitere Einschnitte notwendig. Man müsse sich überlegen, ob man sich die Kollaustrasse noch leisten könne, da diese ca. 250.000 Euro pro Jahr koste. (Wobei ich mich immer noch frage, wo die Ersparnis herkommen soll, denn irgendeinen Trainingsplatz benötigt man ja doch. Und der kostet immer Geld. Und zurück zum Steinwiesenweg erscheint alleine schon aufgrund der dort herrschenden Bedingungen unmöglich.)
Aber auch andere Baustellen seien nicht geschlossen. So habe man an die Abteilungen bisher 200.000 zurückgeführt von den im Rahmen der Retteraktion geleisteten vereinsinternen Darlehen, jedoch habe man 270.000 Euro bisher nicht zurückgeführt und wolle diese nun langfristig abstottern. Auch habe man die NO1 Gelder bisher nicht der Jugend zuführen können, wie dies geplant gewesen sei. Die Kommunikation mit dem Amateurvorstand, der AFM und dem Aufsichtsrat sei nicht immer einfach gewesen. Er möchte diesen danken, da diese deutlich mehr durchlitten hätten, als der Vorstand. (Ein Applaus der Versammlung kam hier erst nach einer Aufforderung. Wahrscheinlich war die Versammlung aus Erfahrung klug geworden, denn meistens stellt der Vorstand die Sachverhalte deutlich positiver dar als die restlichen Vereinsgremien.)
Danken wolle man auch dem Aufsichtsrat und dem Kassenprüfer. Die Zusammenarbeit sei von der Satzung formal geregelt, aber die Einhaltung sei im normalen Leben nicht immer einfach gewesen, da man Spielerverpflichtungen häufig von einem Tag auf den anderen habe tätigen müssen und es dann schwierig gewesen sei, die Zustimmung rechtzeitig zu holen. Die Zusammenarbeit mit einem ehrenamtlichen Präsidenten sei nicht immer einfach, aber man habe das im Geiste der Solidarität getan und die Konflikte nicht nach aussen getragen.
(Okay, liebe Leser, beachtet bitte, dass CL hier von Spielerverpflichtungen spricht, bei denen es Probleme mit der Einhaltung der Satzung gegeben habe. Behaltet ihr das im Kopf. Ich sag nur: Schlüsselstelle!!!)
Als neues Thema wandte er sich dann dem Klubheim zu. Man betreibe dies nun seit zwei Monaten in Eigenregie. Er bitte alle Mitglieder, das Klubheim zu nutzen, nicht nur zum Bier nach dem Training, sondern gerne auch für Hochzeiten, Verlobungen etc. (Klubheim danach schon wieder kein Thema mehr. Erst in der Fragerunde kam das Thema wieder auf)
Beeindruckend sei auch der neue Caterer, welcher dafür sorgte, dass jeder, der ein Getränk wünscht dies auch bekomme - sogar kalt. Dies habe sich in steigenden Umsatzzahlen niedergeschlagen, welche wirklich beeindruckend seien.
Die dritte Liga sei eine Profiliga ohne Fernsehgelder, man kämpfe mit anderen “Traditions”vereinen für eine Neustrukturierung. U.a. wolle man eine Neuverteilung der Fernsehgelder, weil 80 % der Fernsehgelder an die Profivereine gingen, die damit auch noch ihre Amateurmannschaften finanzieren könnten. Diese Neustrukturierung werde jedoch dauern, da sich die Profivereine mit Händen und Füssen wehren würden. Man meine aber, dass der Druck nötig sei und man dringend eine andere Regionalliga brauche.
Der FC St. Pauli sei vielleicht die graue Maus der Regionalliga, aber er sei auf der anderen Seite immer noch einzigartig und habe immer noch eine einzigartige Unterstützung der Fans, denen man für ihre Treue dankbar sei. Mit Mobilcom habe man einen Partner, welcher einen kreativ und grosszügig unterstütze, der einen immer wieder überrasche. Dieser Partner habe schwere Zeiten hinter sich und sei nun seit einem ¾-Jahr im Aufwind. Mobilcom habe uns sehr geholfen, dafür einen herzlichen Dank. (An dieser Stelle Beifall)
CL zählte dann die prominenten Unterstützer des Vereines auf, wobei der Name “Elton” für ein deutliches Raunen in der Menge sorgte. War die Versammlung bis dahin noch sehr ruhig geworden, kam nun langsam Unruhe auf, da die Raucher nicht länger ohne ihre Zigaretten leben konnten und in Scharen den Raum verliessen.
Man sei aber nicht nur in der Regionalliga angekommen, sondern auch im Stadtteil und in der Stadt. So habe man letztens mit den Spielern an einer Modenschau im Atlantik zugunsten von “Hamburg Leuchtfeuer” und dem Verein “Dunkelziffer” teilgenommen. Auch wenn das Geschehen hinter der Bühne für die Jungs interessanter gewesen sei, da sich dort die Damen umgezogen hätten. (ARGH! Platter sexistischer Spruch. Kann er sich auch verkneifen. Der von ihm kalkulierte Lacher kam nicht wirklich, so dass eine peinliche Stille entstand. Das ist noch meine JHV.)
St. Pauli engagiere sich wieder für soziale Projekte, man habe mit der Tafel in der Südkurve ein Zeichen gesetzt (wobei natürlich nicht wirklich erwähnt wurde, wer diese Tafel initiiert hat und wer für die Umsetzung gesorgt hat, sondern es so klang, als ob er selber die Speerspitze gewesen wäre…).
Man sei in der Stadt gelandet und gehe als ihr als Botschafter nach aussen heraus. Das Trainingslager in Kuba werde nicht nur in Hamburg beachtet, sondern auch dort Beachtung finden. (HÄ? Immer dieses blöde Trainingslager… Ich finde diese Aussage vollkommen übertrieben, denn auf Kuba wird das schlichtweg keine Sau interessieren)
Er schloss seine Ausführungen damit, dass man in der Regionalliga gelandet sei, dort aber nicht bleiben wolle. Zwar sei der Spruch des Sponsors Toyota “Nichts ist unmöglich, Deutscher Meister 2007” etwas hoch gegriffen, aber der Aufstieg nächstes Jahr sei machbar, wenn alle gemeinsam dafür arbeiten würden. “Viva St. Pauli”
Hier endete CLs Part im Bericht des Präsidiums und es übernahm MS.
Er stellte sich erstmal vor, dass er 38 Jahre alt sei, dass er verheiratet sei und einen sechsjährigen Sohn habe, er habe seine sportliche Karriere bei der F-Jugend des FC St. Pauli begonnen und dort auch wieder beendet, er habe sportlich also nix gebracht. (Der Gag ist aus der Vorstellung von Alex bei der AFM Versammlung geklaut. Besser gut geklaut, als schlecht selber erfunden?)
Er habe bei den Versammlungen schon für eine halbe Minute am Pult gestanden, da er der Berechner der 880.000 Euro Lücke vom letzten Jahr gewesen sei. Man habe dann ein System entwickelt, mit dem man den Verein steuern könne. Dieses habe es vorher nicht gegeben.
Man habe die Lizenz geräuschlos, aber nicht ohne Blessuren bekommen. So habe Littmann mit 100.000 Euro aus seinem privaten Geld bürgen müssen. Weiterhin sei eine Bankbürgschaft verlangt worden, welche aber kleiner als im Vorjahr gewesen sei. (Soviel nebenbei auch zu den Aussagen, dass man keine Bankschulden mehr habe, weil einem keine Bank mehr was gebe. Auch eine Bürgschaft wird von einer Bank nur nach eingehender Kreditprüfung vergeben. Insofern scheint man entweder doch kreditwürdig zu sein, oder aber es steht noch irgendjemand dafür gerade. Mal ganz davon ab, dass selbst in der Bilanz ein kleiner Posten “Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstitute” enthalten ist. Sind zwar nur bummelige 1.000 Euro, aber ein “keine Verbindlichkeiten” sieht für mich anders aus.)
Ein Meilenstein sei der Rückkauf der Vermarktungsrechte gewesen. Zwar habe man dafür die Merchandiserechte weggeben müssen, aber trotzdem sei es ein Meilenstein. Zwar habe Upsolut im Verein nicht den besten Ruf, dies könne er aber nicht bestätigen.
Man habe nur “nur” 200.000 Euro von den internen Darlehen zurückführen können, dies sei aber viel, wenn man bedenke, dass man “nur” 80.000 Euro Gewinn gemacht habe. Die Regionalliga sei keine Liga zum Leben und mit diesen (nichtvorhandenen) Polster wird es immer unruhig bleiben, da es immer wieder enge Momente bei der Liquidität geben werde.
Auf Dauer werde man entweder in der zweiten oder vierten Liga spielen. Wenn der Aufstieg nicht gelinge, dann müsse man Einschnitte machen. Dies sei man dem Verein, welcher ja nicht nur aus der Lizenzabteilung bestehe, schuldig.
Man habe einen Umsatzrückgang in Höhe von 54 % gehabt. Wenn man bedenke, dass Unternehmen Probleme bekommen, wenn sie 5 bis 6 % weniger haben, dann könne man sich vorstellen, welche Probleme der Verein habe.
Im Ergebnis seien insgesamt 800.000 Euro aus Aktionen wie z.B. Rasenpatenschaften oder Kunstaktionen enthalten. Man habe dieses Geld auch benötigt.
Man könne immer noch keinen Meter über den Rasen gehen, ohne dass eine Mine hoch komme. So habe man jetzt eine Steuerprüfung für die Jahre 1996 bis 1999 im Haus, bei der es um einen sechsstelligen Nachzahlungsbetrag gehe. Man habe Abschreibungen getätigt und damit Minen beseitigt. Wobei nicht alle Minen aus der Vergangenheit stammen, die Mine Gerber habe man sich z.B. selbst eingebrockt.
Man habe die Verbindlichkeiten senken können, aber diese seien immer noch erheblich. (Immerhin immer noch 1,9 Mio laut Bilanz. Sehr bedenklich dabei ist, dass es sich nahezu nur um Verbindlichkeiten aus Lieferung- und Leistung und Steuerverbindlichkeiten handelt. Beide haben nicht die Tendenz längerfristige Fälligkeiten zu haben. Vielmehr sind diese kurzfristig zu begleichen, so dass die kurzfristige Liquidität angegriffen bleibt. Besser wäre es, wenn wir diese Verbindlichkeiten mit längerfristigen Fälligkeiten hätten. Oder anders gesagt: Umso kürzer Verbindlichkeiten im Durchschnitt sind, umso schlechter. Wir haben beinah nur kurzfristige Verbindlichkeiten. Interessant wird es, wie nächstes Jahr die Verbindlichkeit gegenüber WHolz behandelt wird. Denn dieser hat ja für die Vermarktungsrechte einen Kredit gegeben.)
Der Jahresabschluss sei noch nicht fertig, da man sich mit den Wirtschaftsprüfern über zwei Sachen noch nicht einigen haben können, so dass die Bilanz kein Testat habe. Zum einen sei dies die Bewertung der Ausleihungen an die Stadiongesellschaft, zum anderen sei dies die Bewertung des Spielers Nascimento. (Klar: beides ist definitiv nix mehr wert und beides ist in unserer Bilanz noch mit einem Wert verbucht.) Die Zahlen stünden aber sonst fest. (Auch wenn später Vertrauen in die handelnden Personen eingefordert wurde, hier bleibt eine gehörige Skepsis. Solange eine Bilanz noch in Fragen offen ist und nicht testiert ist, ist sie keine vollständige Bilanz und eigentlich vollkommen ungeeignet sich ein wirkliches Bild zu verschaffen. Insbesondere darf man nicht vergessen, dass die beiden Posten die eventuell schon vorhandene finanzielle Lage noch mal deutlich verschlechtern können. Auch führt eine nichtvorhandene ordnungsgemässe Bilanz nicht gerade zu Vertrauen. Sowohl bei Fans und Mitgliedern wie auch bei potentiellen Sponsoren oder Geldgebern.)
Man sei mal wieder bilanziell überschuldet, was nahezu traditionell der Fall sei (das ist richtig, in meiner ganzen Zeit als St. Pauli-Fan hatten wir bisher nur eine Bilanz, welche nicht überschuldet war.) Früher habe man dieses hinter dem Rechnungsabgrenzungsposten “Medienverwertungsrechte” verstecken können (Rechungsabgrenzungsposten sind Zahlungen, die in ein anderes Geschäftsjahr gehören, aber schon eingegangen sind. Hier sind das u.a. die ersten Zahlungen vom Fernsehen für das Geschäftsjahr 04/05. Um nun in einer Bilanz alles dem richtigen Zeitpunk zuordnen zu können, muss man bei solchen Zahlungen im Vorjahr einen Rechnungsabgrenzungsposten bilden. Das ist hier geschehen und ist auch korrekt so. Dieser bläht aber die passive Seite auf, so dass eine Überschuldung auch dadurch entstehen kann, ohne das sie etwas schlimmes ist. Das liegt nun mal in dem Geschäftsjahr zum 30.06. und den bereits vorher eingehenden Zahlungen für das nächste Geschäftsjahr zusammen.)
Nur leider reicht dieser Abgrenzungsposten dieses Jahr nicht mehr aus, um die Überschuldung zu decken, so führte MS weiter aus. Man habe deswegen auch auf stille Reserven zurückgreifen müssen, welche aber vorhanden seien und zwar auch nach Meinung der Wirtschaftsprüfer. (Stille Reserven zeichen sich dadurch aus, dass sie still sind, wenn man sie denn braucht. Und gerade bei unserem Verein ist dies der Fall, da die Reserven in der Beteiligung an der Vermarktungsgesellschaft liegen. Die ist natürlich zur Zeit etwas wert, aber sofort, wenn der Verein pleite ginge, sind sie definitiv gar nix mehr wert, da sie nun mal am Hauptgeschäftsbetrieb des Vereines hängen. Insofern ist es keine gute Aussicht die Überschuldung durch diese Reserven abdecken zu müssen.)
Dies sei nun der dritte Versuch dies alles zu erklären, besser könne er dies nicht. (Es kam zu Beifall. Mal ehrlich: Was ich an MS mag ist, dass er definitiv jemand vom Fach ist. Er weiss, worüber er spricht und hat auf seinem Gebiet der Bilanzen und der Kontrolle eines Wirtschaftsunternehmens definitiv eine absolute Kompetenz. Diese geht allen anderen Vorstandsmitgliedern vollkommen ab. Und das, obwohl diese auch Unternehmer sind. Weiterhin hat er die vollkommen komplizierte Welt der Zahlen wirklich sehr gut und sehr anschaulich erklärt. Das es wahrscheinlich trotzdem nur eine Minderheit der Anwesenden verstanden hat, liegt auch schlichtweg daran, dass es sich um eine Wissenschaft für sich handelt, die mehr als komplex ist. Insofern kann man nur sagen, dass wir mit diesem Mann einen guten Fang gemacht haben. Leider habe ich trotzdem nicht volles Vertrauen zu ihm, denn er ist Teil des Systems Littmann.)
Man habe eine Struktur, fuhr MS fort, die in der Regionalliga nicht lebensfähig sei. So habe die Geschäftsstelle von Uerdingen in der Woche zwei Stunden auf, unsere sei sechs Tage die Woche geöffnet. (Hier muss ich Zweifel anmahnen. Grosse Teile unserer Geschäftsstelle werden mit dem nicht wirtschaftlichen Teil des Vereines zusammenhängen. Und diesem kann es insgesamt nicht so schlecht gehen, wenn es diesem möglich ist von seinen Konten insgesamt eine halbe Millionen Euro dem Hauptverein zu geben. Ich denke, dass ein nächster Schritt im Controlling des Vereines sein muss, die Kosten des Spielbetriebes “Lizenzmannschaft” sehr genau von den Kosten “Amateurabteilungen” zu trennen. Behaltet diesen Part aber bitte auch noch mal im Gedächnis, denn später wird in dieser Versammlung noch gefordert, die Geschäftsstelle aufzustocken.)
Man habe versucht, mehr Transparenz in die Zahlen zu bringen und habe deswegen auch den Abendblattartikel gemacht. Man habe versucht, die Zahlen deutlich zu machen. Immer noch sei die erste Frage, wenn er mit jemanden über den FC St. Pauli spricht, warum denn die Hütte voll, aber die Kasse leer sei. Dazu müsse man wissen, dass aus dem Spielbetrieb nur eine Million übrig bliebe. Das Millerntor sei so wie es jetzt ist ein Kostenfaktor. Die Kosten für Strom, Gema und Ordnungsdienst seien ein Problem, welches der Verein hat. (Was für ein absoluter Unsinn. Das Millerntor ist kein Kostenfaktor, da man diese Kosten auch in jedem anderen Stadion der Welt hätte. Anders herum wird vielleicht ein Schuh draus. Das Millerntor hindert Einnahmen, da man keine richtige Bespassung der Besserverdienenden machen kann. Dankenswerterweise wurde von LeoManzi in der Fragestunde auch darauf hingewiesen, dass es sich schlichtweg um Unsinn handelt, was hier erzählt wird.)
Man habe einen ausgeglichenen Etat 04/05 vorgelegt, dies sei aber nur die halbe Miete, da man in diesem Etat Risiken und Chancen habe. Bisher seien schon Einnahmen ausgefallen und man liege ca. EUR 300.000 unter der Planung. Er möchte auch auf den kleinen Übersteiger eingehen, welcher gewisse Positionen unter die Lupe genommen habe. Die Vermarktungsrechte würden ca. 1,1 Mio bringen, wenn man von den gleichen Zahlen wie letztes Jahr ausginge, da man von jedem Cent Umsatz eine Provision erhalten würde. Richtig sei aber auch, dass die Rasenpatenschaften ein Risiko seien. Man habe 200.000 eingeplant, diese seien noch nicht erreicht. Er könne nur appellieren, dass jeder eine Rasenpatenschaft kaufe. Er selbst habe 50 Stück für seine Firma gekauft. (Es kam zu Unruhe und zu Tumulten. Erinnert ihr euch noch an die AFM-Planung für nächstes Jahr? Da habe ich was von konservativer Planung geschrieben und davon, dass viele Einnahmen, die zu erwarten sind, erstmal mit null bewertet werden. So sollte eine Planung aussehen. Beim Hauptverein ist es genau andersherum. Man geht in jedem Punkt vom besten aus und hofft, dass dieses erreicht wird. Das kann nur dazu führen, dass man Probleme bekommt. Dabei ist es egal, ob man nun einzelne Zahlen diskutiert oder nicht, entscheidend ist, dass es eine grundsätzliche Einstellung bei der Aufstellung der Zahlen ist. Und da ist die der AFM auf Dauer deutlich gesünder als die des Hauptvereines. Kurz: Auch hier muss sich dringend etwas ändern und wir müssen dringend zu einer konservativeren Planung zurückkehren.)
Geld habe man durch die kostenlose Nutzung des Tivoli gespart, wofür noch Mitarbeiter auf die eigene Weihnachtsfeier verzichtet hätten, um nun heute hier zu bedienen. (Sorry, aber langsam nervte das. Es ist zwar wirklich nett von CL, sein Theater zur Verfügung zu stellen, aber es reicht, wenn man sich einmal diesen billigen Beifall abholt und nicht ungefähr zwanzigmal an einem Abend.)
Abschliessend erklärte MS, dass der Weg steinig bleibe und es für gute Stossdämpfer nicht gereicht habe und dies auch so bleibe, bis man die zweite oder vierte Liga erreicht habe.
Man stieg nun in die Fragerunde ein.
Zuerst fragte ein USP-Mitglied (die nebenbei erneut nahezu vollzählig anwesend waren) nach dem Klubheim, ob man dies ausschreiben wolle oder ob man es in Eigenregie weiterführen wolle.
CL antwortete, dass die Zukunft des Klubheimes Thema im ständigen Ausschuss sei. Man sei in eine Situation gekommen, in der man schnell habe handeln müssen. Man brauchte schnell eine neue Konzession, man habe daher eine Konzession für die Service GmbH erworben. (Mal unabhängig vom Thema, CL ist gut mitzuschreiben, da er relativ langsam redet. Schlecht ist bei ihm, dass er eigentlich nie in zusammenhängenden Sätzen redet, wenn er frei redet, was die Transkription hier extrem schwierig macht.)
Man habe im ständigen Ausschuss beschlossen, dass man die jetzige Situation erstmal beibehalten wolle und dann bei der nächsten Sitzung sehen wolle, wie es weiter geht. Diese sei im Februar. Bis dahin bitte man alle Mitglieder, aktiv zu werden. Im Clubheim seien alle möglichen Veranstaltungen wie Hochzeiten, Weihnachtsfeiern etc. möglich. Man möchte das Klubheim an den Bedürfnissen der Mitglieder ausrichten und einen möglichst grossen Ertrag erwirtschaften.
Weiter nachgefragt wurde danach, ob der Verein nicht investieren wolle, ob der Winter sich denn wirklich für einen Vergleich lohnen würde, da keine Heimspiele seien und ob ein Pächter nicht finanziell sicherer sei.
Zum investieren sagte CL, dass der Fragesteller anscheinend lange nicht mehr im Klubheim gewesen sei, da dort schon viel passiert sei. (Diese Aussage sorgte für allgemeine Erheiterung im Plenum. Sie war nebenbei ein erneuter Beweis dafür, dass CL sehr arrogant an diesem Abend auftrat.)
Es sei viel freiwillige Arbeit geleistet worden, es sei gestrichen worden. In die Küche müsse investiert werden, denn sonst bekomme man keine endgültige Konzession. Die bisher investierte Summe sei gering und aus den laufenden Mitteln finanziert worden.
Zum Winter sagte CL, dass es sich nicht lohne, einfach nur die Tür aufzumachen, die Mitglieder müssen Ideen einbringen. (Ein weiteres Talent von Herrn Littmann ist, dass er auf kritische Fragen grundsätzlich nicht oder nur unzureichend eingeht.)
Zum Thema Pächter: Die nun erzielten Nettoeinnahmen seien weitaus höher als die erzielte Pacht. Man sei verantwortlich, dass Geld fliesse, daher wolle man abwarten und sehen, wie viel Geld fliesst, um daran eine Pacht zu orientieren.
(Da sind mehrere Rechenfehler drin: Wenn nun das Klubheim durch die Mitglieder ausserordentlich genutzt wird, weil dazu aufgerufen wurde und vielleicht viele das auch noch eine gute Idee finden, dann kommt es nun zu Umsatzspitzen, die nicht auf die weitere Entwicklung fortgeschrieben werden können. Hinzu kommt, dass hinter uns verlautet wurde, dass bisher die Leute nicht wirklich marktüblich gezahlt werden, sondern dies auch viele ehrenamtlich machen. Dies verfälscht den Nettogewinn natürlich auch erheblich, da Personalkosten ungefähr das teuerste in einem Kneipenbetrieb sind (neben der Pacht).
H. fragte dann nach dem Bürgschaftsvertrag mit der HSH Nordbank, danach mit wie viel die Kunstaktionen im Etat 2004/ 2005 drin sind und ob Geld für weitere Spielerverpflichtungen vorhanden sei.
Hier antwortete wieder MS, der erklärte, dass eine Liquiditätslücke von 589.000 Euro von der HSH Nordbank abgedeckt worden sei. Das Problem in der Lizenzierung sei, dass der DFB äussert konservativ die Planzahlen bewertet. Er nehme nur die Einnahmen aus Fernsehen, aus Zuschauern, wenn diese plausibel wären und aus Vermarktung, wenn die Verträge abgeschlossen seien. Alles andere streiche er weg. Die dadurch entstandene Lücke habe man mit der Bürgschaft schliessen müssen. Man habe sich gegenüber der HSH Nordbank verpflichtet ein Konto aufzumachen, auf das gewisse Einnahmen fliessen. Auf diesem seien jetzt 200.000 Euro. (Sprich: bisher ist diese Liquiditätsbürgschaft noch nicht wieder erwirtschaftet und könnte uns am Ende der Saison den Hals brechen.)
Aus den Kunstaktionen (+Rasenpatenschaft) seien 250.000 Euro im Etat für die Saison 04/05 drin. Man habe 120.000 Euro erwirtschaftet und müsse nun einen Schritt nach vorne machen. Man hoffe auf das Weihnachtsgeschäft.
(Oh ha! Also, wenn ich mal davon ausgehe, dass die Kunstaktionen nicht mehr viel bringen, dann müssen die fehlenden 120.000 aus den Rasenpatenschaften kommen. Bei 25 Euro Gewinn müssen wir also ca. 4.500 davon noch verkaufen. Wir haben bisher trotz eines erheblichen Werbeaufwandes (Blow up Plakat auf der Reeperbahn, Anzeigen in vielen Zeitungen etc.) gerade mal 2.000 von den Dingern verkauft. Ich glaube alleine dies zeigt, wie realistisch das Ganze ist. Insbesondere wenn man dann noch überlegt, dass ja auch einige für die Jugend oder für den Fanladen waren und einige Leute sich bewusst nur in diesen Teilen Rasenpatenschaften gekauft haben und dies nie irgendwo anders gemacht hätten. Kurz: unmöglich, daraus soviel Geld zu bekommen.)
Geld für neue Spieler: MS antwortete hier, dass aus seinem Geld nicht drin. Aus dem Mangel, den er verwalte, sei kein Geld für neue Spieler vorhanden. (Wieder rumms!, das war die klarste Aussage am ganzen Abend.)
Weiter fragte H. danach, dass hier gesagt wurde, dass ein Controlling eingerichtet worden sei und dass im Bericht stehe, man wolle ein Risikomanagement-System einführen. Ob dies das gleiche sei? MS antwortet, dass dies das gleiche sei und man nun die wesentlichen Instrumente habe.
Weiter wurde nach den Strukturänderungen gefragt, was dort denn noch geplant sei.
MS antwortete, dass dies in erster Linie die Vermarktungsrechte gewesen seien und man nun noch zwei Sachen in Planung habe, die jedoch nicht so seien, dass man darüber reden könne. Man wolle erst an die Öffentlichkeit damit gehen, wenn die Sachen wirklich spruchreif seien…
Kollege Kiezkicker fragte nach, wie die Rasenpatenschaften denn nun verkauft werden sollten.
CL erklärte, dass die Rasenpatenschaften verkauft werden, in dem sie verkauft werden. (Ach nee!) Ausgehend von 6.000 Mitglieder - und selbst für den Fall, dass davon 3.000 mit den anderen 3.000 verheiratet seien - die Mitglieder bräuchten ja alle ein Weihnachtsgeschenk! Und bei 6.000 Mitgliedern sei das dann ja kein Problem (also, ich habe alle Weihnachtsgeschenke!)
Laut MS liegt das Kerngebiet dieser Aktion außerhalb von Hamburg, und man müsse dort die Vermarktung noch verstärken.
LeoManzi fragte dann, ob der neue Ordnungsdienst ausgeschrieben wurde und ob Herr Uhlig an der Gesellschaft Advisor beteiligt sei. (Er fragte auch noch nach den Kosten fürs Millerntor, aber das hab ich ja schon oben verwurstet)
CL antwortete, er würde jetzt für Uhlig antworten und erklärte, dass er sich zusammenreißen müsse, da in dieser Frage eine Unterstellung enthalten sei. Es gebe keine Verquickung von Geschäften der Vorstandsmitglieder und ihrer Vorstandsarbeit. Außer der Präsident stelle sein Theater zur Verfügung (GÄHN!)
(Mal ganz ehrlich: Mir fiel ziemlich die Kinnlade runter. Im Einzelnen: Wer in solchen Fragen gleich eine Unterstellung sieht, der hat etwas zu verbergen. Denn was auch Fakt ist: Ein Verein wie der FC St. Pauli muss seine Verträge nicht ausschreiben, sondern die zuständigen Gremien dürfen frei entscheiden, welche Verträge sie abschliessen und welche nicht. Und das dürfen sie natürlich freihändig. Natürlich ist es schön, wenn Sachen ausgeschrieben werden, aber irgendwo zwingend vorgeschrieben ist das nicht (auch nicht in unserer Satzung). Gleichzeitig wäre es auch überhaupt nicht angreifbar, wenn jemand aus dem Vorstand irgendwelche Geschäfte mit dem Verein macht. Warum sollte dies absolut ausgeschlossen sein? Natürlich sollte man hier andere Masstäbe anlegen, als wenn man mit fremden Firmen Geschäfte macht, aber schlimm finde ich das nicht. Die Aussage: "er ist beteiligt, wir haben nicht ausgeschrieben, halten das aber für marktüblich" wäre ehrlicher und würde vielleicht auch zu mehr Vertrauen führen als diese rumdrücken.)
(Noch etwas: Die Frage war direkt an G. Uhlig gerichtet und CL beginnt mit dem Satz "Ich antworte mal für Guntram Uhlig". Kann das Uhlig nicht selber? Was ist das eigentlich für eine Clownsfigur? Es fällt auch immer wieder negativ auf, dass Uhlig der einzige ist, der nichts sagt. Parteitagsregie muss unser Präsidium noch dringend lernen. Oder ist Uhlig so schlecht, dass er nichts sagen darf?)
Die Aussage des Versammlungsleiters, dass damit die Frage ausreichend beantwortet sei, führte zu kurzfristigem lauten Unmut im Publikum...
Uwe Doll fragte dann nach dem Testat und meinte, dass dann eine Entlastung nicht sinnvoll sei. MS erklärte erneut, dass die Zahlen so stehen, wie sie sind. Es stünden nicht die Zahlen in Frage, auch nicht das Testat. Es liege jedoch noch nicht vor. (Wie oben schon erklärt, schöne Worte, aber nicht wirklich überzeugend. So lange die Bilanz nicht vollständig zu ist, so lange ist sie offen, und das reicht aus meiner Sicht nicht für eine Entlastung.)
Weiter wurde gefragt, was passiere, wenn man in die vierte Liga absteige. CL erklärte, dass dann alles ausser dem ehrenamtlichen Präsidium zur Disposition stehe. (Führte zu grossen Gelächter, zeigt aber was für eine Geisteshaltung CL hat. Der glaubt wirklich, dass er dann immer noch Präsident sein kann.)
Damit war die Aussprache über den Bericht des Präsidiums beendet. Sprich: ab jetzt wurde es interessant.
Immer wieder ein Highlight. Der Vorsitzende Günther Peine berichtete, dass man sich den angenehmen Aufgaben widme. Man habe insgesamt 354 Grusskarten geschrieben, die man für Vereinsjubiläen ab 10 Jahre (ha! Da hab ich ja nur noch fünf Jahre!) und bei Geburtstagen ab 60 schreiben würde. Anhand der Rückmeldungen habe man sehen können, dass sich die Mitglieder sehr freuen über die Grusskarten. Man habe auch im ständigen Ausschuss mitgearbeitet und hoffe, dass die Bemühungen im sportlichen Bereich dazu führten, dass man in die zweite Liga aufsteigt.
(OffTopic: Seit die AFM gegründet wurde, müssen ca. 3.000 Leute in den Verein eingetreten sein. Könnte ziemlich lustig werden, wenn diese alle angeschrieben werden müssen wegen 10 Jahren Mitgliedschaft). Dann berichtet Günter Peine von mindestens 1.000 Schreiben. Und in 25 Jahren muss man wahrscheinlich immer noch ca. 100 bis 200 Leute für ihre 25 Jahre ehren. Ich bin nebenbei seit dem 18.6.1999 Mitglied dieses Chaotenvereines (eben gerade mal nachgeguckt))
Der Vorsitzende Klaus Rummelhagen hielt den Bericht des Amateurvorstandes. Leider kein wirklich berauschender Redner, was die Brisanz seines Vortrages leider teilweise in den Hintergrund treten liess. Okay, muss er auch nicht sein, seine langjährige Arbeit als Amateurvorstand ist ihm nicht hoch genug anzurechnen.
Er sei nun zehn Jahre im Amt, begann er, und in der ganzen Zeit habe man sich mit Kritik zurückgehalten. Diesmal müsse man aber die Dinge, die nicht optimal gelaufen sind, genauer ansprechen. Der Bericht über die Leistungen in den einzelnen Abteilungen müsse kurz ausfallen, da es andere Dinge zu besprechen gäbe. (Letztendlich fiel er ganz aus, was mehr als schade ist, was aber bei den berichteten Dingen absolut verständlich ist.)
Im Rahmen der Retterkampagne habe man dem Verein ein zinsloses Darlehen gewährt. Damals wurde vereinbart, dass der Verein dieses Darlehen bis zum 30.06.2004 zurückzahlt. Bis zu diesem 30.06.04 sei kein Geld bei den Abteilungen eingangen. Erst auf Drängen des AFM-Vorstandes sei es zu einem Termin mit dem Präsidium gekommen, und man habe dann ein Gespräch zwischen Vorstand auf der einen Seite und AFM / Amateurvorstand auf der anderen Seite gehabt. Mit der AFM habe man intensiv zusammengearbeitet, diese habe einen super unterstützt. Ergebnis des Gespräches sei es gewesen, dass der Hauptverein an seine Abteilungen 1.500 Euro pro Monat zurückzahlen sollte. Darüber hinaus sollten bis zu 3.000 Euro aus Geldern gezahlt werden, welche die Berufsgenossenschaft für verletzte Spieler an den Verein zahlt. Als man nach diesem Gespräch die schriftliche Version der Vereinbarung bekam, stand das so nicht mehr drin. Vielmehr stand in der schriftlichen Vereinbarung, dass auch die 1.500 Euro aus Geldern gezahlt werden, welche die Berufsgenossenschaft zahlt. Deswegen sei der Amateurvorstand ausserstande gewesen, diesen Vertrag zu unterschrieben. Mit dem Amateurvorstand wurde kein weiteres Gespräch geführt und es wurde auch nicht erklärt, warum diese Änderung erfolgte. Dies sei zu bemängeln.
(Das sind die Sachen, die ich System Littmann nenne und die dazu führen, dass man kein Vertrauen in diese Führungsriege haben kann. Es werden unheimlich viele Dinge versprochen, aber eingehalten werden die wenigsten. Natürlich ist es das übliche Verhalten von Schuldnern, sich in Versprechungen zu flüchten und zu hoffen, dass irgendwo der Lottogewinn herkommt, aber sinnvoll ist diese Verhaltensweise nicht. Gerade in einem Verein sollte man mit offenen Karten spielen, wenn es um Interna geht. Und wenn man nicht das Geld hat, diese Darlehen zurückzuführen, dann muss man das auch offen sagen.)
(Gehen wir aber noch weiter. Selbst wenn das Präsidium 4.500 Euro pro Monat hätte zahlen können (und dies wäre ja nur dann der Fall, wenn wir ständig verletzte Spieler gehabt hätten), dann hätte die Rückzahlung immer noch 60 Monate, sprich 5 Jahre, in Anspruch genommen. Wenn man bedenkt, dass das Darlehen aus dem gemeinnützigen Teil in den wirtschaftlichen Teil nur ein Jahr zulässig ist, so kann man hier nicht einmal von einem geringfügigen Überschreiten dieser Frist reden. Mal ganz davon ab, dass es sich um zinslose Darlehen handelt, so dass die Abteilungen erhebliche Zinsverluste erleiden.)
Es gebe aber noch ein weiteres Problem, und zwar die Vereinsbeiträge der Mitglieder. Diese seien am 08.10.2004 auf das Konto des Hauptvereines eingezahlt worden. Aufgrund von Fehlern bei der Dienstleistungsfirma AVR, welche diese Sachen abwickelt, konnte nicht gesagt werden, welches Geld für welche Abteilung ist. Auf Bitten hätten einige Abteilungen daher einen Abschlag erhalten, andere haben darauf verzichtet, da sie akut keine Finanzsorgen gehabt hätten. Bis zum 10.11.2004 sei auf den Konten der Abteilungen kein weiteres Geld eingegangen. Am 11.11.2004 habe man dann im ständigen Ausschuss erfahren, dass das Geld für die Zahlung von Gehältern verwandt worden sei. Dies sei einem am Freitag vor der Versammlung von Frank Fechner bestätigt worden. Dieser Vorgang sei ein eklatanter Verstoss gegen die Satzung des Vereins, und man habe es nicht für nötig gehalten, mit den Abteilungen darüber zu reden. Der Amateurvorstand sei der letzte, der dem Verein nicht unter die Arme greifen wolle, man erwarte aber, dass man sich zusammen setzt und darüber redet. (Er bekam für diese Passage langanhaltenden Beifall. Und dies vollkommen zu Recht. Es ist nicht nur ein Unding, überhaupt so Löcher zu stopfen, nein, es ist auch ein Skandal, dies den betroffenen Abteilungen nicht zu sagen. Man trifft sich nun wirklich häufig genug und wolle doch Transparenz schaffen. Diese aber nur dann zu schaffen, wenn es bequem ist, reicht nicht aus. Hier hätte man viel früher den Weg zu den Abteilungen gehen müssen. Wobei es am besten gewesen wäre, wenn man das Geld gar nicht gebraucht hätte.)
Abschliessend dankte er Susanne von der Geschäftsstelle, allen Ehrenamtlichen und insbesondere dem Wahlausschuss für die Zusammenarbeit.
Fragen gab es keine, jedoch äusserte sich MS für das Präsidium. (Ich finde eine fürchterliche Angewohnheit dieses Präsidiums, zu jedem Punkt immer das letzte Wort haben zu wollen.)
MS erklärte, dass es den Ausführungen nicht viel hinzuzufügen gäbe, es sei wahr, was Herr Rummelhagen gesagt habe. Man habe die Information des Amateurvorstandes nach dem Prinzip "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" verpasst. Das Geld sei zwischenzeitlich von CL persönlich überwiesen worden (es geht immerhin um ca. 90.000 Euro), man sei zur Zeit gut 300.000 Euro hinter der Planung, es gehe immer darum, ob man etwas zahlen könne oder nicht. Er versprach abschliessend, dass so etwas nicht wieder vorkommen würde.
(Ich höre die Worte, jedoch es fehlt mir der Glaube)
Anschliessend hielt Andreas Kahrs den Bericht der AFM. Den möchte ich jetzt deutlich kürzen, das kann man grösstenteils im Bericht über die AFM Versammlung nachlesen. Interessant ist vielleicht, dass der Vertrag mit Claus Theister unbefristet verlängert worden sei; das Jugendhaus wachse und gedeihe, und im Frühjahr vielleicht auch der Garten. Man sei weit gekommen (Zwischenruf hier: Im Garten?). Die Anwaltskosten für das Jugendhaus würden nun vom Verein gezahlt (wer es glaubt...), und man wolle mit der Jobbörse einen weiteren Baustein in die inhaltliche Stärke der Jugendabteilung legen, denn vom Geld her könne man nicht mithalten. Die inhaltliche Stärke sei aber einmalig in Deutschland. (und doch vollkommen leicht zu kopieren...) Es gab keine weiteren Fragen und somit ab zum nächsten Punkt:
Kleine Vorbemerkung: Ab hier wurde das Mitschreiben absolut schwierig. Unser Kassenprüfer zeichnet sich nicht nur durch eine hervorragende Fachkompetenz aus, sondern kann auch durch diese Zahlen und Anmerkungen in einem beeindruckenden Tempo galoppieren.
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Der Versammlungsleiter startete diesen Tagesordnungspunkt mit einer sehr eigenartigen Anmerkung. Lars Sörensen, der Kassenprüfer, würde nach dem Bericht sein Amt zur Verfügung stellen. Dies sei deswegen notwendig, da die Satzung eine versetzte Wahl der Kassenprüfer vorsehe. Beim letzten Mal habe man aber beide Kassenprüfer gleichzeitig gewählt, so dass auch beide Kassenprüfer gleichzeitig aus dem Amt scheiden würden. Um dies nun zu vermeiden, möchte Lars Sörensen gerne zurücktreten und dann neu gewählt werden, um dann der Satzung wieder gerecht zu werden. (Wobei diese zwei Jahre Abstand vorsieht und nun nur ein Jahr Abstand zwischen den beiden Wahlen ist.)
Danach begann Lars Sörensen seinen Bericht damit, dass er die Schwerpunkte der Prüfung nannte. Man habe die Liquiditätskontrolle, die Etatüberwachung und die Kostenkontrolle zum Schwerpunkt der Tatigkeit gemacht.
Als ersten Punkt sprach der die Verwendung der zum 8.10.2004 eingegangenen Mitgliedsbeiträge an. Am 8.10.2004 seien 120.000 Euro auf das Mitgliedsbeiträgekonto des Vereines eingegangen (zur Erläuterung: der Verein hat ein eigenes Konto für Mitgliedsbeiträge, da diese von dem Hauptkonto getrennt werden müssen.). Davon seien am 10.10.2004 105.000 Euro auf das Hauptkonto geflossen. Man habe diese Gelder benutzt, um die fällige Umsatzsteuer (08) und Lohnsteuer (09) zu zahlen. Man habe sich als Kassenprüfer dann das Konto weiter angesehen und habe festgestellt, dass am 30.09.04 weitere 60.000 Euro für Löhne und für die Sicherheitsfirma abgezweigt hätte. Insgesamt seien also 175.000 Euro für laufende Kosten vom Mitgliedsbeiträgekonto abgezweigt worden. 90.000 Euro seien durch ein Darlehen von CL ausgeglichen worden. Als Kassenprüfer weise man darauf hin, dass dies nicht erlaubt sei, man erkenne aber an, dass diese Massnahmen nicht zu Ungunsten des Vereines seien. Man mahne die Rückzahlung “wenn möglich” an. Äusserst schwierig sei es mit der Gemeinnützigkeit, da man schon zwei Jahre hintereinander Geld aus dem gemeinnützigen Teil in den wirtschaftlichen Teil verschoben habe. Man habe auch den Amateurvorstand sehr spät informiert.
("Wenn möglich" heisst bei diesem Verein "nie". Dieses Statement war mir zu butterweich. Die Fakten sind erschreckend, zeigen sie doch immer noch auf, dass wir immer noch erhebliche Liquiditätsprobleme haben und dies nicht nur vorübergehend. Vielmehr sind wir klassisch zahlungsunfähig. Zahlungsunfähig ist man dann, wenn man nicht alle seine laufenden Schulden bei Fälligkeit begleichen kann. Das kann der wirtschaftliche Teil dieses Vereines definitiv nicht mehr. Nur ein Griff in die Kasse des gemeinnützigen Teils verhindert, dass dieses auch nach aussen hin sichtbar wird.)
(War bei uns eigentlich schon einmal Ausgliederung ein Thema? Diese Vorgänge hier sind Wasser auf den Mühlen von jedem Befürworter einer Ausgliederung. Denn damit kann verhindert werden, dass die gleichen Personen auf alle Konten Zugriff haben und das Geld einfach so hin und her schieben. Mal ganz davon ab, dass man dann eine Untreue zu Lasten des Vereines hätte. Daher stellt sich für mich nicht die Frage, ob man irgendwann mal ausgliedert, sondern es stellt sich nur noch die Frage, wie man ausgliedert.)
Die Darlehen seien bisher nicht vollständig zurückgezahlt. Man habe am 16.9. eine mündliche Vereinbarung geschlossen, wie diese Gelder zurückgezahlt werden sollten, und die Kassenprüfer mahnen an, diese auch schriftlich zu fixieren. Insgesamt seien 335.000 Euro aus dem gemeinnützigen Bereich in den wirtschaftlichen Bereich geflossen. Diese müssten dringend zurück, wenn "wir" es könnten.
(Als normaler Sporttreibender im FC St. Pauli kann man sich ab und zumal in den Hintern beissen. Der gemeinnützige Bereich an sich verfügt über grossartige Geldmittel und wäre ohne den wirtschaftlichen Bereich nahezu als "reich" zu bezeichnen. Nur der wirtschaftliche Bereich untergräbt diesen Reichtum sehr erfolgreich.)
Weiter führte Lars Sörensen aus, dass man die Zustimmung des Aufsichtsrates bei Spielerverträgen nicht eingeholt habe und damit gegen die Satzung verstossen habe. Man weise dringend daraufhin, dass dies eingehalten werden müsse. (Man behalte dies im Kopf. Auch hier ist von "Spielerverträgen" die Rede).
Ein weiteres Thema sei die Umsatzsteuer für das Leistungszentrum Brummerskamp (siehe dazu auch letzte JHV), man habe diese nicht gezahlt, obwohl die Stadt darauf gedrängt habe. Letztes Jahr habe man noch über die Umsatzsteuerpflicht diskutiert, dieses Jahr seien sowohl der Steuerberater als auch der Wirtschaftsprüfer der Meinung der Kassenprüfer, dass dieses Geschäft Umsatzsteuerpflichtig sei (wie ich schon letztes Jahr geschrieben habe, das war so klar wie Klossbrühe). Man habe bisher 100.000 Euro Umsatzsteuer zu wenig gezahlt, nun solle dieses Geschäft aber nachträglich zur Umsatzsteuer angemeldet werden, so dass die Frage dann für den Kassenprüfer erledigt ist.
Weiterhin habe man die Informationspflichten gegenüber Aufsichtsrat und anderen Gremien verletzt. So lag die Finanzplanung erst im Januar 2004 vor.
Ein weiteres Problem sei die Lohnbuchhaltung gewesen. Man habe Gehaltsdarlehen und -vorschüsse an Mitarbeiter gegeben, welche nun nahezu uneinbringlich seien, da diese Mitarbeiter ausgeschieden seien. Es handele sich um insgesamt ca. 11.000 Euro. Man habe versäumt, diese Gelder mit dem letzten Gehalt der betreffenden Personen zu verrechnen und so einen Rückfluss zu gewährleisten. Weiterhin habe man mehrfach doppelte Gehälter an Mitarbeiter gezahlt. Dies habe daran gelegen, dass man ein Gehaltskonto gehabt habe, was nahezu nicht kontrollierbar war. Dies sei jetzt anders und man könne das neue Gehaltskonto kontrollieren.
(Ein weiterer Anhaltspunkt, wie blauäugig und wie naiv unser Verein in der Vergangenheit geführt wurde. Man arbeitete nach dem Prinzip "Schenk ein, mach keine Striche", alles in der Gewissheit, dass es ja nicht das persönliche Geld ist, was man dort mit Schaufeln aus dem Fenster schmeisst. Der eigentliche Skandal ist, dass dies erst hochkommt, nachdem erneut das Präsidium gewechselt hat.)
Man habe im letzten Jahr insgesamt 60.000 Euro an Zinsen und Säumniszuschlägen zahlen müssen, da man Sachen zu spät gezahlt habe. Dies komme aus Altlasten und dem Präsidium sei dafür kein Vorwurf zu machen, aber man solle dies - wenn möglich - vermeiden.
(Das ist genau das Problem. Wenn man schon finanzielle Schwierigkeiten hat, dann kommt so etwas noch hinzu und dann erhöhen sich die Probleme noch.)
Im Bereich des Amateurvorstandes gebe es keine Beanstandungen. Diese würden ihre Bücher sehr gut führen. Es habe hier und da Nachfragen gegeben, aber diese liessen sich gut klären.
Man sei in seiner Arbeit von allen Beteiligten gut unterstützt worden. Dies sollte die Versammlung auch am Vortrag von MS gemerkt haben, das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. (Das klingt doch schonmal positiv)
Ein Controlling bestehe nun, man sehe aber Handlungsbedarf in der Umsetzung, auch weil alle Handelnden mit einer Arbeitsüberlastung kämpfen würden. Ein Erkennen von Problemen alleine würde nicht ausreichen. (Wie wahr, wie wahr. Zwar ist es wirklich der erste Schritt zu erkennen, dass man nächsten Monat pleite geht, aber der zweite wäre nun, dagegen auch Schritte einleiten zu können.)
Man habe erneut eine bilanzielle Überschuldung. Zum Ausgleich reiche der Rechnungsabgrenzungsposten "Mediale Rechte" nicht mehr aus, man müsse zusätzlich noch auf stille Reserven in Höhe von 229.000 Euro zurückgreifen. Das Vermögen des Vereines nimmt also weiter ab, obwohl man bilanziell einen Gewinn gemacht habe. Ein richtiger Ertrag, welcher einen Vermögenszufluss bedeuten würde, ist in dieser Spielklasse nicht zu erreichen. Ohne Massnahmen, welche zwar zum Teil schon eingeleitet sind, aber immer noch nicht ausreichen, wird es auf absehbare Zeit auch zu einer Überschuldung kommen, wenn man die stillen Reserven hinzurechnet.
Positiv sei anzumerken, dass der Verein früher ein Schiff ohne Kapitän gewesen sei und dies sich nun geändert habe. MS sei nah dran an der Bilanz und man sehe Licht am Ende des Tunnels (welches hoffentlich nicht nur das Licht eines entgegenkommenden Zuges ist. Fassen wir es doch so zusammen: Der Verein wurde über Jahre dilletantisch geführt, hat es auch dadurch versäumt Polster aufzubauen und wird jetzt zwar besser geführt, aber hat definitiv ein Einnahmen und Ausgabenproblem).
Der Kassenprüfer empfahl abschliessend dem Aufsichtsrat für eine Entlastung zu votieren und zwar für beide Vorstandskombinationen, welche im Geschäftsjahr vorhanden gewesen seien. (Das waren einmal CL, Uhlig, Preussker und einmal CL, Uhlig, MS; Vorab: Entlastung heisst nix anderes, als das man sich nicht noch über Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand Gedanken macht. Die Entlastung soll keine Bewertung sein, ob man mit der Tätigkeit des Vorstandes zufrieden ist oder nicht.)
(Okay, gehen wir mal von diesem Massstab aus und gucken, was wir so haben: Wir haben eine Bilanz, die vom Wirtschaftsprüfer nicht testiert ist. Wir haben Handlungen des Präsidiums, welche die Gemeinnützigkeit des Vereines gefährden könnten und welche dann zu erheblichen Zahlungsverpflichtungen der Amateurabteilungen führen können. Nehmen wir nur mal diese beiden Punkte: Bilanz? Keiner weiss, wie diese danach aussieht und welche Auswirkungen das hat. Natürlich versucht uns das Präsidium klar zu machen, dass es sich nur um kleine Punkte handelt, aber ob ich das glauben mag? Wäre man souverän als Präsidium, dann würde man alleine schon deswegen auf eine Entlastung verzichten und diese ins nächste Jahr schieben. Aber auch der zweite Punkt ist erheblich. Es handelt sich um einen schwebenden Zustand, welcher ohne weiteres zu Schadensersatzansprüchen führen kann. Solange dieser Punkt nicht geklärt ist, ist aus meiner Sicht für eine Entlastung kein Platz. Der Autor dieser Zeilen hat sich deswegen bei der Entlastungsabstimmung auch enthalten. Man hätte diese verschieben sollen. Ganz verweigern kann man sie zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht, dafür ist das ganze zu schwebend.)
Es folgte die Fragerunde (oh Wunder). Als erstes fragte ein Mitglied nach der Steuerprüfung und was daraus an Verbindlichkeiten zu erwarten sei. Der Kassenprüfer erläuterte, dass man für diese Risiken Rückstellungen gebildet habe. Diese beliefen sich auf eine Höhe von 220.000 Euro, was der gesamte Betrag ist, den die Prüfer gefordert hätten. Man hoffe aber dieses Ergebnis noch in einigen Punkten drücken zu wollen. Auf Einzelheiten wolle man jedoch nicht eingehen, denn dies würden die Betriebsprüfer ja auch mitbekommen und man würde dann seine Stellung verschlechtern.
Dann ergriff (mal wieder) CL das Wort und erklärte, dass es gut und richtig sei, dass die Kassenprüfer ins Detail gingen und Fehler aufdecken würden. Vieles könne man als Vorstand so nicht sehen und man sei daher für die Arbeit dankbar. (Als wären die Kassenprüfer von seinen Gnaden und König Littmann gibt ihnen Absolution oder was? Ne, so nicht. Es ist nicht nur gut und richtig, was die Kassenprüfer machen, sondern es ist auch in der Satzung vorgeschrieben. Und ob es nun CL gefällt oder nicht, sie prüfen alles und sie informieren darüber und dies auch absolut zu Recht.)
CL führte weiterhin aus, dass man letztens einen lustigen Gerichtstermin gehabt habe, wo man ein Bussgeld für zu spät entrichtete Lohnsteuer bekommen hatte. Dabei habe man doch gleichzeitig 400.000 Euro an Altlasten gezahlt. (Mensch, ein alter Denkfehler von Steuerschuldnern. Es reicht eben nicht, wenn man die Altlasten zahlt, sondern man muss auch die neuen Sachen bezahlen. Dem Finanzamt nützt es nix, wenn die alten Löcher zu sind, dafür aber neue entstanden sind. Was man nie vergessen darf ist, dass Steuern ständig neu entstehen, bis ein Wirtschaftsbetrieb beendet ist.)
Der Kassenprüfer ergänzte, dass man früher eine Tür aufgemacht habe und einem buchstäblich ein Hausen Scheisse entgegen gekommen ist. Auf dem jetzigen Stand sollten nicht mehr viele Leichen im Keller sein - eine oder zwei möglicherweise, aber die Mehrheit der Leichen, die es gab, wurden bisher gefunden (oder sagte dies CL? Mist, habe ich leider nicht absolut 100 % gekennzeichnet).
Allemal sagte der Kassenprüfer wieder, dass es nun einfacher geworden sei, die Sachen zu prüfen, da man wisse in welchen Ordnern man suchen müsse. Man mache nicht mehr - wie früher - einen Ordner auf, greift nach dem obersten Papier und alles springt einen an. Nun habe man ein vernünftiges Ablagesystem und dafür sei Frank Fechner zu danken. (Achtung: Wir sprechen hier über Selbstverständlichkeiten! Ein so grosses Wirtschaftsunternehmen sollte über eine vernünftige Ablage verfügen. Es zeigt nur, wie dilletantisch unser Unternehmen FC St. Pauli bisher geführt wurde. Man muss sich also nicht wundern, dass wir in der Lage sind, in der wir sind.)
Zuletzt fragte LeoManzi nach einer Zahlung von Mobilcom in Höhe von 350.000 Euro, welche zur Liquiditätssicherung verwandt worden sind. MS erklärte, dies sein ein ausserordentlicher Marktingzuschuss und damit ein Zuschuss und kein Darlehen. Er sei nicht als Verbindlichkeit gebucht worden. (Damit haben wir aber wahrscheinlich Einnahmen, die eigentlich die nächste und übernächste Saison finanzieren sollten, verfrühstückt, denn Mobilcom wird aufgrund dieser Zahlung garantiert irgendwann anders weniger bezahlen. Sprich: Wir haben ein Darlehen auf unsere eigene Zukunft gezogen.)
Beinah hätte der Kassenprüfer vergessen sein Amt zur Verfügung zu stellen, tat dies dann aber doch und erklärte, dass er gerne weiter machen würde, dies aber in der Hand der Mitglieder läge.
(Insgesamt ein sehr guter Auftritt unseres Kassenprüfers.Ruhig, extrem sachlich, rhetorisch gut. Nahezu perfekt. Und der Mensch hat absolut Ahnung von dem, was er da erzählt.)
Den ersten Teil hielt Tay Eich, den zweiten dann Michael Burmeester. Tay Eich war erstmal mit der Höhe des Mikrofones unzufrieden und erklärte, dies "sei ja wohl für Zwerge eingestellt", was aus seiner Sicht definitiv stimmte, obwohl der Kassenprüfer, welcher vorher gesprochen hatte, definitiv auch schon relativ lang war. Lustig war dann aber, dass CL ihm zur Hilfe eeilte um das Mikrofon auf die richtige Höhe zu bringen. Ein wirklich sehr skurriles Bild.
Tay Eich führte aus, dass er sich mit den Altjahren beschäftigen wolle, da die alten Präsidien nicht entlastet worden seien. Dies habe der Aufsichtsrat als Aufgabe verstanden zu prüfen, ob Schadensersatzansprüche gegen den alten Aufsichtsrat vorhanden sein könnten. Dazu müsste ein pflichtwidriges Verhalten, ein Verschulden und ein Schaden vorhanden sein.
Normalerweise würde man solche Fragen extern prüfen lassen, damit man sich auch nicht Vorwürfen aussetzt, aber dies sei leider mit Kosten im fünf- bis sechsstelligen Bereich verbunden, die leider nicht zu tragen seien. Deshalb habe man sich selber gekümmert.
Man habe folgende Pflichtwidrigkeiten untersucht:
- Securivita: es stellt sich zum einen die Frage, ob und wieweit dies zu prüfen sei, da es um eine Tochtergesellschaft ginge, zum anderen habe es keinen Schaden gegeben, da die Sponsorengelder erhöht worden seien.
- Überteuerung Brummerskamp: Zwar habe man hier nach dem Motto "schöner, besser, teurer" gehandelt, aber es sei kein Schaden vorhanden, da man eine Gegenleistung erhalten habe. Jedoch sei dadurch die Liquiditätslage verschärft worden.
- Verpflichtung Spieler in der Winterpause, obwohl kein Geld da: Auch hier sei kein Schaden eingetreten, weil die ja ihre Arbeitsleistung erbracht haben. Anders wäre es gewesen, wenn man Konkurs hätte anmelden müssen, denn dann hätte dies ganze die Masse geschmälert und dann wäre ein Schaden vorhanden gewesen.
- Verfahren mit ehemaliger GFin: dies sei ein unschöner Punkt. Man habe ihr aus zwei Gründen gekündigt. Einer davon ist davon abhängig, ob das damalige Präsidium dies so beschlossen hat oder nicht. Sie behauptet "ja", gegenüber dem Verein habe ein Vize "nein" behauptet, der Rest habe sich nicht geäussert. Im Gerichtsverfahren hätten nun ein Vize und der ehemalige Präsi "ja" gesagt und ein Vize konnte sich an nichts mehr erinnern. Wo nun gelogen worden sei, könne nicht festgestellt werden, da nur diese vier Personen an dem fraglichen Beschluss hätten mitwirken könne. Das Arbeitsgericht in erster Instanz hat jedoch den anderen Kündigungsgrund akzeptiert, so dass kein Schaden entstanden sei. Würde dieser in der zweiten Instanz nicht akzeptiert, dann müsse man neu nachdenken.
(Ist dieses Thema aufgrund der Niederlage in der ersten Instanz so schnell aus der Presse verschwunden? Es wunderte mich schon direkt, dass man gar nix mehr von der armen alleinerziehenden Mutter hört.)
(Kommen wir jetzt aber mal zu einer anderen Frage: Ist diese Betrachtung eigentlich so richtig? Ich denke, dass die Punkte Pflichtwidrigkeit und Verschulden in allen Fällen ausser Frage stehen, aber bei dem nichtvorhandenen Schaden musste ich in der Versammlung doch etwas zweifeln. Und wenn man zweifelt, dann guckt man zu Hause einfach mal in schlaue Bücher. Und man stellt entsetzt fest, dass man in diesen auch nix findet. Ich habe nämlich meine Zweifel, ob das wirklich so klar ist. Ein Schaden liegt vor, wenn man nach dem schädigenden Ereignis weniger Vermögen hat, als vorher. Und das könnte bei den Spielerverpflichtungen immer noch der Fall sein, obwohl die ihre Dienste getan haben. Zumindest kam mir das definitiv zu eindeutig rüber. Lieber wäre mir hier ein "das könnte ein Schaden sein, muss es aber nicht und uns ist das Risiko viel zu hoch hier noch einen Prozess zu verlieren und entsprechende kosten zu haben" gewesen. Das hätte ich verstanden und sofort unterschrieben.)
Es übernahm Michael Burmeester um über das Geschäftsjahr 2003/2004 zu sprechen. (Der auch unglaublich schnell sprach und mir daher das Mitschreiben sehr erschwerte, ich bitte daher Fehler zu entschuldigen, hoffe aber keine gemacht zu haben) Es habe sich eines herauskristallisiert in dem letzten Jahr: der Verein brauche mehr Kritik, so begann er, (Schweigen und Verwirrung in der Versammlung) und zwar in konstruktiver Art und Weise. (Irgendwie blieben diese Sätze danach im luftleeren Raum stehen, was er damit bezwecken wollte, blieb für mich unklar, da er nie wieder richtig zu diesen Sätzen zurückkam.) Das Präsidium habe ein hohes Engagement gezeigt, wobei insbesondere MS hervorzuheben sei. Das Controlling sei positiv zu bewerten.
Es habe jedoch in 10 Fällen bei Verträgen Verstösse gegen die Satzung gegeben. Zweimal seien Verträge nicht nachträglich genehmigt worden und einmal habe das Präsidium selbst den Beschluss, den Vertrag nicht zu genehmigen, ignoriert.
(Rumms, das sass. Das sind doch etwas sehr viele Fälle, ich muss eine genauere Betrachtung trotzdem nochmal zurückstellen, da der Punkt in der Fragerunde noch eine Rolle spielte.)
Dem Aufsichtsrat seien Infos vorenthalten worden, teilweise habe sich das Präsidium trotz Vorladung keine Infos an den Aufsichtsrat weiter gegeben. Es habe sich bisher wenig an dieser Praxis geändert. Man habe bis heute nicht den Schritt an die Öffentlichkeit gemacht, da man auf Besserung gehofft hatte.
(Oh ha, das entspricht nicht gerade der von Littmann mal versprochenen Transparenz.)
Es sollte häufiger auf die Komptenz der Gremien zur Beratung zurückgegriffen werden. Trotz Drängen des Aufsichtsrates habe es bisher keine Vereinbarung zur Rückzahlung der Gelder an die Abteilungen gegeben.
Man sei noch nicht über den Berg. Speziell in der Regionalliga herrsche ein strukturelles Defizit, welches immer wieder durch Sondermassnahmen ausgeglichen werden müsse. Die Altlasten können in dieser Situation nur zäh beglichen werden. Aus Sicht des Aufsichtsrates müsse man dringend in die Geschäftsstelle investieren, da die Mitarbeiter überlastet seien und dies auch zu Lasten der Qualität ginge. (Wie dies mit dem Willen des Präsidiums hier noch zu sparen gehen soll, mag jeder selbst überlegen. Fakt ist, dass genug Arbeit da ist, aber nicht genug Geld um die Leute zu bezahlen, die diese Arbeit machen sollen.)
Man danke Mobilcom, da diese einen immer wieder weiter geholfen hätten. Bei Franz Gerber sei man damals einstimmig dafür gewesen, den Vertrag zu verlängern und habe dann auch mehrheitlich für seine Entlassung gestimmt. Die Zusammenarbeit mit Franz Gerber sei vor der Verlängerung nicht problemlos gewesen und nach der Verlängerung sei auch nicht alles falsch gewesen, was er gemacht habe. Es sei eben nicht alles schwarz/weiss, sondern grau.
Es habe einen Wechsel im Aufsichtsrat gegeben. Zwar wirke Jost Münster immer noch mit, aber eben nicht mehr als Vorsitzender. Dem Verein fehle eine vernünftige Streitkultur. Viele Auseinandersetzungen seien nicht sachbezogen, vieles nicht zu Gunsten des Vereines, auch wenn dies alle sagen würden. Wer in Foren, Büchern oder anderen Publikationen nachkate, der handele unverantwortlich. Genauso derjenige, der internes weitergebe. (War dies nun die Anknüpfung an die einleitenden Sätze? War so wohl gewollt, kam aber im gesprochenen Wort nicht rüber, sondern kommt erst jetzt, wenn ich mir das ganz langsam durchlese, annähernd rüber. Wen aber meint er? Irgendwie klang mir das nach einer deutlichen Kritik am Übersteiger, auch wenn "Fanzeitungen" als Medium nicht gesagt wurde. Insgesamt aber so eine etwas diffuse und damit wirkungslose Kritik. Denn diese Worte könnte man über jede kritische Berichterstattung verwenden.)
All dies sei aber nicht mehr so schlimm wie in den früheren Jahren. Ein gutes Beispiel sei der ständige Ausschuss, welcher auch brisante Themen konstruktiv behandele. Er fordere alle Mitglieder auf, auch die letzten Querschüsse abzustellen.
Das Ziel 2. Liga sei nur mit einer Kontinuität in der Führung zu erreichen. Dies ginge nur bei Kompromissen, wenn man sich einander zuhören würde und Vertrauen in die handelnden Personen habe. Der Erfolg hängt damit zusammen, dass gemeinsam am Ziel gearbeitet wird.
Man schlage eine Entlastung vor, da keine finanziellen Schäden erkenntlich sind, diesen Vorschlag habe man einstimmig beschlossen. Man werde aber keine weiteren Pflichtverletzungen tolerieren und werde bei weiteren Pflichtverletzungen Massnahmen bis hin zur Amtsenthebung ergreifen.
(Hieraus machte die Presse dann die Schlagzeilen, was ich ein bißchen übertrieben finde. Er hat ja nicht mit einer sofortigen Amtsenthebung gedroht, sondern allgemein mit Massnahmen und als finale Möglichkeit die Amtsenthebung. Zum Thema Entlastung hatte ich mich bereits beim Kassenprüfer ausgelassen.)
Es folgte die Fragerunde. Als erstes wurde gefragt, welche Folgen denn eine fehlende Zustimmung habe. Burmeester antwortete, dass diese dann schwebend unwirksam seien und man im Notfall die handelnden Personen haftbar machen könne.
Weiter wurde gefragt, ob man denn nun die alten Präsidien entlasten solle. Tay Eich erklärte, dass er dazu "überhaupt keine Veranlassung" sehe.
CL ergriff das Wort und erklärte, dass es bei den Verträgen im wesentlichen um Spielerverträge ginge. Man habe nun mit dem Aufsichtsrat veranlasst, dass ein Vertreter des Aufsichtsrates an den entscheidenden Präsidiumssitzungen teilnehme, damit man dann einen gemeinsamen Infostand habe und es nicht mehr zu Verstössen käme.
Burmeester antwortet, dass man gerne an den Präsidiumssitzungen teilnehme, wenn dies denn möglich sei, da diese Freitags um neun Uhr seien. Es habe sich nebenbei bei den Verträgen auch um Spielerverträge gehandelt, aber die Mehrheit der Verträge seien keine Spielerverträge gewesen. Es könne auch mal passieren, dass man Sachen parallel mache, es dürfe aber nicht der Standard sein. Es könne nicht angehen, dass jeder Vertrag kurzfristig vorgelegt werde oder aus Eile schon unterschrieben sei, wenn er beim Aufsichtsrat lande.
(AHA! Bisher war immer davon die Rede, dass die Probleme bei Spielerverträgen geherrscht hätten, aber auch bei anderen Arbeitsverträgen, welche definitiv nicht so zeitkritisch sind wie Spielerverträge, scheint das Präsidium es mit der Informationspflicht des Aufsichtsrates nicht sehr ernst zu nehmen. Dies hatte CL bisher der Versammlung verschwiegen (man beachte meine Anmerkungen oben), oder es gibt hier eine Wahrnehmungsdifferenz. Insgesamt ist aber festzustellen, dass Transparenz in diesem Verein immer noch sehr klein geschrieben wird und dass es dem Sonnenkönig Littmann sehr sehr schwer fällt sich an Regeln zu halten, wenn sie unbequem werden. Dies wird sich aus meiner Sicht nicht ändern, da Littmann dafür definitiv nicht der Typ ist.)
Der Vorstand wurde in beiden Besetzungen mit einer deutlichen Mehrheit bei vielen Gegenstimmen und vielen Enthaltungen entlastet. Wie oben geschrieben, habe ich mich enthalten.
Der Ehrenrat wurde ebenso wie der Amateurvorstand und der Kassenprüfer einstimmig entlastet.
(Etwas krank in diesem Zusammenhang ist, dass unsere Satzung keine Regelung darüber enthält, wer eigentlich die Entlastung des Ehrenrates und des Kassenprüfers vorschlägt. Dies übernahm hier der Versammlungsleiter, aber insgesamt finde ich das eine Lücke, die man mal bei nächster Gelegenheit schliessen sollte. Denn immerhin ist der Versammlungsleiter nicht wirklich ein Organ unseres Vereines. Aus meiner Sicht sollte beim Ehrenrat der Vorstand das Vorschlagsrecht haben und beim Kassenprüfer der Aufsichtsrat.)
CL ergriff das Wort und schlug vor, MS als Vizepräsidenten zum Ersatz von G. Preussker zu wählen. MS sei erst behilflich gewesen und sei nun als Vizepräsident unverzichtbar. Weiterhin habe er den Vorschlag unterbreitet, einen dritten Vizepräsidenten einzurichten, und er schlage für diesen Posten Holger Stanislawski vor. Man habe immer wieder den Vorwurf gehört, dass man keine sportliche Kompetenz im Vorstand habe. Man sei zwar nicht beratungsresistent gewesen, aber es sei sinnvoll, dass ein Vizepräsident sich primär um das sportliche kümmert. Stanislawski habe den Vorstand bereits beraten und er sei so kompetent, dass man sich wünsche, dass er nun zum Vizepräsidenten werde. Und dies sei bewusst mit allen Rechten und Pflichten, die dieses Amt mit sich bringe. So werde er Arbeitgeber und Chef der Mannschaft werden.
Einschub: 541 stimmberechtigte Mitglieder. Ist meines Wissens zumindest in meiner Zeit absoluter Minusrekord.
MS verzichtete auf eine Vorstellung und wurde dann mit einer Gegenstimme und einigen Enthaltungen gewählt. (Der Autor dieser Zeilen hat sich enthalten. Wie schon erwähnt: Seiner absoluten Fachkompetenz steht einfach gegenüber, dass er Teil des System Littmanns ist und ich dem jetzigen Vorstand einfach zu wenig Vertrauen entgegen bringe um ihn wirklich zu wählen.) Unter Beifall nahm er die Wahl an.
Stanislawski stellte sich kurz vor, auch wenn CL nicht ganz zu Unrecht meinte, dass ihn jeder kennen würde. Stanislawski hatte bis zu diesem Zeitpunkt irgendwo in der Ecke gesessen und kam nun auf die Bühne. Gekleidet im dunklen Anzug mit Krawatte, sah er sehr seriös aus und erklärte, dass ihn die meisten ja wohl nur in kurzen Hosen kennen würden. Er mache gerade eine Umschulung zum Sportmanager Fachwirt. Er habe drei Monate die A-Jugend trainiert (und immerhin vor dem Abstieg gerettet) und habe sich dann um die Kaderplanung gekümmert. Diese sei gut geglückt. Man habe Potential nach oben und die nächsten Spiele werde man Spass an der Mannschaft haben. Das Spiel gegen Wolfsburg klammere er mal aus, er sei sowieso nicht da gewesen, da er aushilfsweise die B-Jugend trainiert habe und ein 7-0 Sieg geholt habe. Man wolle die nächste Saison oben mitspielen und müsse dies auch.
(Nette Rede ohne irgendwelche Ecken und Kanten. Klar ist, dass er sich auf den sportlichen Bereich beschränken will und das ist auch gut so. Der Posten als Vizepräsident ist dabei eine elegante Lösung. Denn seine Umschulung zahlt die Berufsgenossenschaft, da er Invalide ist. Insofern kann man ihn nicht als Manager einstellen, denn dann würde er dies nicht mehr bezahlt bekommen. Mal ganz davon ab, dass ein Manager Geld kostet, was wir definitiv nicht haben.
Er wurde bei einer Gegenstimme und keinen Enthaltungen gewählt. Die Gegenstimme bekam laute "Spalter"-Rufe und Gelächter als Quittung, aber die Motive für diese eine Gegenstimme blieben im Dunklen. (Ha! Aber später haben wir sie doch noch gefunden. Kollege Kiezkicker war es. Und seine Begründung ist nicht uninteressant: Nichts gegen die Person, aber er will keinen weiteren Posten im Präsidium.)
Stanislawski nahm die Wahl an und erklärte, dass er das machen würde, was er bereits auf dem Platz gemacht habe. Er werde für den FC St. Pauli kämpfen, bis er wieder da sei, wo er hingehöre, nämlich in der zweiten Liga. (Ups, was für ein Faux pas am Ende. Wir gehören natürlich in die Champions League. Okay, 2. Liga ist ein angenehmer Zwischenschritt, aber Ziel sollte natürlich irgendwann ganz langfristig mal mehr sein. Auch wenn das schwer wird.)
Der eben zurückgetretene Kassenprüfer wurde auch einstimmig wiedergewählt, konnte seine Annahme aber nicht auf der Bühne erklären, da er kurz vorher von meiner Fotografin so geblendet wurde, dass er meinte, blind zu werden. Hat sich aber wieder gelegt, so dass wir davon ausgehen können, dass er auch dieses Jahr alle Haare in der Bilanzsuppe finden wird.
Allen Neugewählten wünsche ich viel Erfolg bei der Ausübung ihrer Ämter. Umso weniger ihr in dieser Kolumne Thema seid, umso besser.
Anträge gab es keine und auch unter Verschiedenes wurde nicht das Wort gewünscht. CL gab dann ein kurzes Schlusswort, dankte allen für die konstruktive Diskussion und wünschte sich, dass nächste Jahr so weiter läuft. Danach gab er als gemeinsamen Schlachtruf ein dreifaches "Hipphipp Hurra" aus, was Hoppetosse dazu veranlasste festzustellen, dass wir die perfekte Vereinsmeierei haben. In diesem Sinne "Gut Spar!"
Oder auch ein kurzes Fazit: Unsere Situation lässt sich mit einem Satz beschreiben: Wir stecken immer in der Scheisse, nur die Höhe ändert sich. Schwer festzustellen ist, ob wir tiefer in der Scheisse sitzen oder weniger tief als vor einem Jahr. Positive Ansätze wie z.B. dem Controlling, den verminderten Schulden und dem kleine bilanzielle Gewinn stehen negative Faktoren, wie z.B. die Gutsherrenart des CL, die steigende Überschuldung und die vollkommen aus dem Ruder laufende Planung gegenüber. Irgendwoher müssen dringend Einnahmen her, sonst stehen wir nächstes Jahr bis zum Hals in der Scheisse.
Was bringt die Zukunft? Allemal wohl eine Aufgabe der Kollaustrasse. Wie ich schon mehrfach angemerkt habe, wäre dies einfach nur traurig. Schöner wäre es, wenn man die Kosten vielleicht dadurch senken kann, dass man das Gelände erwirbt und damit keine Pachtkosten mehr hätte. Hierfür müsste sich jedoch entweder ein Sponsor finden oder aber der gemeinnützige Teil müsste dies finanzieren. Vielleicht wäre ja eine Lösung darin zu sehen, dass Teile des Trainingsgeländes vom gemeinnützigen Teil (z.B. Rugby oder Football) mitgenutzt werden und dementsprechend von dort auch Geld fliessen kann. Ich weiss es nicht, ich habe keinen Plan, aber schade wäre es, dieses schöne Gelände einfach so durch die Finger rutschen zu lassen.
Zuallerletzt möchte ich noch was zu der Stadionverbotspassage nachtragen. Ungeheuerlich ist, dass CL vergisst zu erwähnen, dass die fünf definitiv unschuldig waren. Dem uninformierten Zuhörer bleibt der Eindruck, dass die fünf an den Vorfällen in der AOL Arena beteiligt waren und man nur aus Gütigkeit die Stadionverbote wieder aufgehoben hat. Es bestand aber definitiv kein Zusammenhang zwischen den Verboten und den Vorfällen in der AOL Arena. Bzw. der einzige Zusammenhang war, dass die Polizei schnell Sündenböcke brauchte.
So nach geschätzten 27 Druckseiten ist hiermit der JHV Bericht beendet. Gute Nacht. Über Reaktionen jeg