Norbert regt sich auf vom 8.12.2004

 

über

Bindemittel in wässriger Lösung

Vorwort

Es ist immer wieder schön wenn auch die jeweilige Arbeitsstätte weiss, warum man an einem Mittwoch übermüdet und schlechtgelaunt zur Arbeit erscheint. Und wenn man dann noch mit einem "Na, Herr Harz, wie lange dauert ein Fussballspiel?" begrüsst wird, dann weiss man: St. Pauli hat verloren.

What did we do there?

Während Moritz und ich ja schon seit langem planten auch diese Version des Krefeldspieles mitzunehmen, gesellte sich Sonntag spontan Petruschka zu unserer illustren Reisegruppe. Zwar kamen ihr Montag noch Zweifel - Originalzitat: "Ich habe nicht ernsthaft gesagt, dass ich mitkomme...?" - aber da hatte sie schon zugesagt, und kneifen ist nicht.

So traf man sich gegen ein Uhr, um in die beschauliche Stadt Krefeld zu starten. Kleine Probleme stellten sich schon zu Beginn, sollte doch Moritz in Hollenstedt abgeholt werden. Jedoch hatte die Autobahn beschlossen, dort gesperrt sein zu wollen, so dass wir eine kurzfristige Umplanung vornehmen mussten.

Petruschka hatte noch kurz sich vergewissert, wo dieses Krefeld eigentlich liegt und meinereiner hatte noch eine uralte Strassenkarte gewälzt, so dass wir ohne Probleme starten konnten. In Stillhorn noch kurz den Moritz aufgesammelt und dann über Hannover gen Westen aufgemacht.

Bis Hannover passierte eigentlich gar nix ungewöhnliches, ausser das der Autor dieser Zeilen mal wieder seinem Hang zur Raserei fröhnte. Themen wie "meine schönste Auswärtsfahrt" wurden abgehandelt und eigentlich war man guter Dinge.

Dies änderte sich ein bisschen bei der ersten Pause irgendwo in der Ostwestfälischen Wildnis. Nicht nur dass der Autor dieser Zeilen seinen versprochenen Picknickbeitrag einfach vergessen hatte, nein, leider mussten wir auch noch direkt neben einem Auto parken, welches sich durch eine komische Flagge mit einer komischen Raute drauf auszeichnete. Unsere lautstark geäusserten Ideen, dem doch mal die Luft rauszulassen, setzten wir als gesetzestreue Bürger selbstverständlich NICHT in die Tat um. In der Raststätte speiste gerade entspannt die Landesverteidigung und wir holten uns Speisen, welche die Welt nicht braucht.

Einschub: Bifi Roll ist zum Beispiel ein solches Essen. Es besteht zu 100 % aus Fett; Nährstoffe oder Vitamine machen um diese Wurst im Teigmantel einen grossen Bogen, und das Papier, auf dem ihr diesen Bericht theoretisch ausdrucken könnt, schmeckt besser als der Teigmantel. Warum nur in aller Welt ist das Teil trotzdem eine echte Lieblingsspeise von mir? Antworten bitte an die bekannten Mailadressen.

Draussen im Auto stellten wir fest, dass auch die Staatsmacht in Grün sich auf den Parkplatz gesellt hatte. Ein kleiner Streifenwagen stand im vollkommenen Halteverbot, während einer der Insassen was zu Essen holte. Paradox wurde es, als wir feststellten, dass die mit uns losfuhren, direkt in der Auffahrt stehen blieben, als sie schneller als wir waren und erst losfuhren, als wir vor ihnen auf die Autobahn einbogen. Was die von uns wollten? Keine Ahnung, aber wirklich lustig fand ich das nicht.

Die Schornsteine wuchsen, so dass wir merkten, dass wir im Ruhrpott sind. Über Dortmund folgte man der A 2 bis Oberhausen um dann mit der A 3 das ganze in südlicher Richtung zu durchqueren.

OffTopic: Damit habe ich nun auch endlich meinen Weg durchs Ruhrgebiet gefunden. Wenn man das ganze in Routenplaner eingibt, dann führen die einen durch die wildesten Gegenden. So musste man nur einmal die Autobahn wechseln und wir brauchten auf dem Rückweg nur 40 Minuten von Krefeld nach Oer.

Auf dem Hinweg brauchten wir etwas länger. Denn mein Tank näherte sich bedrohlich der Nulllinie, während die Urintanks der Mitfahrer sich bedrohlich der Volllinie näherten. Als die Bezeichnungen für die Dringlichkeit sich von "Ich könnte irgendwann mal tanken" in Richtung "Ich muss mal tanken und zwar sofort" änderten, beschloss man in Lintorf (Stadtteil von Ratingen) abzufahren. Nur leider gibt es in diesem Ortsteil keine Tankstellen, die an Ausfallstrassen liegen. So konnte nur nach einer 20minütigen Suche und dem Rat von Einheimischen (Originalzitat: "Sie fahren an der zweiten Ampel links und dann wirklich 30 km/h, denn die blitzen da immer") eine Tankstelle gefunden werden. Meine Frage an den Tankwart, ob es in dieser schönen Stadt auch noch eine zweite Tankstelle gäbe, beantwortete dieser mit der Feststellung, dass Lintorf ja nur eine kleine Gemeinde sei und es wirklich keine zweite Tankstelle gäbe. Gut, dieser Sorge (und auch der Urinsorge) entledigt machte man sich weiter auf den Weg nach Krefeld.

Einschub: Wie gross ist eigentlich Duisburg? Bzw. wieviele Dörfer haben die eigentlich eingemeindet? Wir sind ca. 30 Minuten lang an Ausfahrten vorbei gefahren, die noch irgendeinen Duisburger Stadtteil anzeigen. Und selbst auf der Bundesstrasse nach Krefeld finden sich immer noch Stadtteile von Duisburg. Die Stadt geht anscheinend von Oberhausen bis nach Krefeld.

Die Frage, ob wir den Rhein überqueren müssen, konnte auch kurz vor Krefeld noch geklärt werden, und so kamen wir glücklich und viel zu früh in Krefeld an.

Okay, in die Feuerwehrausfahrt hineinzufahren ohne zu blinken und dann abrupt zu bremsen, ist vielleicht nicht die feine englische Art, aber wir hatten ja ein auswärtiges Kennzeichen.

Nachdem wir nun den richtigen Parkplatz gefunden hatten, traf man auf ganz finstere Gestalten, welche sich beim genaueren Hinsehen als finstere Bremer und finstere Kopfschüssler entpuppten. Diesen folgte man zu einer Kneipe, welche jedoch nur gefunden wurde, da sich R. immer wieder opferte und als Nachführer fungierte. Die erste Kneipe (ein griechisches Restaurant) beschloss, dass sie genügend Geld hat und dass sie Leute, welche nur was trinken möchten, nicht bedienen will. Auch meine Nachfrage, ob der Wirt eigentlich wisse, dass er gerade das Geschäft seines Lebens verpasst habe, änderte nichts an dieser Tatsache. Mathes spekulierte noch, dass der Laden eventuell eher für das Erklären von Geldströmen notwendig sei, da trafen wir auch schon auf die zweite Kneipe. Um nicht wieder zu scheitern, schickte man diesmal die beiden seriösten an die Front, sprich Mathes und mich. Bitte nicht lachen, immerhin hatte diese Taktik Erfolg.

Der Wirt machte uns einen eigenen Raum auf und so konnte man in Ruhe das pre-match-Getränk zu sich nehmen. In der Mehrzahl bestand dieses aus gelben Gerstensaft, nur die Autofahrer und der Lohnmitarbeiter des Fanladens fielen aus der Reihe. Und natürlich der eine Irre, der wirklich Altbier getrunken hat.

Die Zeit wurde mit Krankenhausgeschichten überbrückt, wobei Mathes mit seinen gebrochenen Arm-Geschichten wirklich den Vogel abschoss. Lasst die euch mal bei Gelegenheit erzählen, die sind wirklich lustig. Der Wirt wusste nebenbei auch, wie man Geld macht, er legte die erste Runde schnell auf den Tisch, so dass viele Leute noch eine zweite bestellten.

Trotzdem war es für Moritz und mich irgendwann Zeit, ins Stadion zu gehen. Vor der Polizei über die gerade rot werdende Ampel gelaufen. Als dann die Polizei den Blinker setzte, um zu wenden, da habe ich uns beide schon im Knast für heute abend gesehen, aber unsere Angst erwies sich als unbegründet. Vor dem Stadion konnte die Busbesatzung begrüsst werden und gemeinsam ging es in den vollen Block.

Voller Block? Ich weiss, ich sollte bei der Wahrheit bleiben. Um ehrlich zu sein, war die Beteiligung äussert mau. Insgesamt vielleicht 300 St. Paulianer verliefen sich in der Gästekurve. Darunter eine bunte Mischung aus Vereinen anderer Städte, so dass u.a. Gladbacher, Duisburger, Düsseldorfer und Kölner im Block gesichtet werden konnten.

Einschub: Anhand der Düsseldorfer zeigte sich mal wieder, wie weit es schon mit der Diskriminierung von Leuten in Deutschland ist. Mehreren Düsseldorfern wurde aufgrund eines Fortunaschals der Zutritt zum Stadion verweigert. Begründung: Sie seien Randalemacher und wollten hier nur Stunk provozieren und dann würde es abgehen, und das wolle man nicht. Wenn man dann noch liest, dass das Abendblatt ohne irgendeinen Grund von 30 gewaltbereiten Düsseldorfern schreibt, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Da werden Menschen wirklich aufgrund ihrer Vereinszugehörigkeit in eine Schublade gesteckt und diese wird dann der glaubenden Öffentlichkeit präsentiert. Also ich habe vielleicht insgesamt 30 Düsseldorfer gesehen u.a. ein Mann mit seiner ca. sieben Jahre alten Tochter. Liebes Abendblatt, sehen so gewaltbereite Fans aus?

Auch angereist waren ein englischer St. Pauli-Fan (der ungefähr genauso verrückt wie unser Schweizer ist) und ca. 20 Leute aus Breda. Und ein Fan der Braunschweiger Eintracht, welcher das Spiel seiner eigenen Mannschaft mit dem Satz "ich muss mal wieder schlechten Fussball sehen" sausen lies und sich mit Braunschweigschal in unseren Block stellte. Positiv zu erwähnen ist, dass er trotz dieses Schals von niemanden dumm angelabert wurde.

Die Anzeigentafel in der Grotenburg ist ja immer noch erstklassig, das Spiel war es nicht. Wie die Hamburger Presse zu Aussagen wie "eine Einheit", "gute Leistung", "kämpferisch sehr gut" "überlegenem Spiel" kommt, ist mir ein Rätsel. Fakt ist, dass wir trotz optischer Überlegenheit gerade mal eine wirkliche Chance hatten (die dann von Palikuca super kläglich verballert wurde; besagter Braunschweiger meinte, es seien zwei Chancen gewesen), Fakt ist weiterhin, dass das Spiel unglaublich langsam lief und wenig überraschendes bot. Und die Einzelkritik von Dinzey ist sowohl im Abendblatt wie auch in der Hamburger Morgenpost einfach lächerlich. Zitat Abendblatt: "Unauffällig, teilte sich seine Kraft gut ein." Ja, das stimmt so. Er teilte sich seine Kraft für das Bier danach gut ein. Auf dem Platz zeigte er nichts. Zitat MoPo: "Weiter auf dem aufsteigenden Ast. Verlor nie die Übersicht" Ja er verlor nie die Übersicht sich nicht mehr zu bewegen, als er unbedingt muss. Wobei sein Level dieses ist, dass er sich nicht mehr bewegt als notwendig ist, damit die Fans nicht über den Zaun steigen und ihn lynchen. Und wo die MoPo einen aufsteigenden Ast bei ihm erkennen will, ist mir absolut fraglich. Herr Dinzey verdient es aus meiner Sicht absolut nicht, weiterhin das braun-weisse Trikot zu tragen und sollten SCHNELLSTENS entlassen werden. Auf eine Ablöse oder so würde ich nicht mehr spekulieren. Der Typ kostet uns nur Geld. Das ist nun das fünfte oder sechste Spiel in Folge, in dem er durch eine absolute kämpferische Nichtleistung auffällt.

Leider ähnlich schwach war erneut Bounoua, welchen ich für menschlich okay halte (immerhin war er z.B. einer der wenigen, die auf der Weihnachtsfeier unangenehmen Fragen nicht ausgewichen ist), aber der in dieser Form nichts in einem Team zu suchen hat, welches in der Regionalliga spielt. Leider.

Auch der Rest der Mannschaft spielte äusserst schwach, langsam und ohne wirklichen Siegeswillen. Und so ein bisschen kämpfen reicht einfach nicht aus. Keiner in dieser Mannschaft will den Sieg mit 100 %. Anders die Krefelder, die spielten wirklich gequirlte Scheisse, aber die wollten auch in der Nachspielzeit noch das Tor erzielen. Unsere Spieler dachten in diesem Moment schon an ihre hochdotierten Verträge.

Wahrscheinlich spielt diese Mannschaft auch schon gegen den Trainer. Zuzutrauen wäre es ihr.

Wirklich verdient haben die wenigsten Spieler dieses Trikot und diese Fans. Auch diesmal wurden sie noch relativ freundlich in der Kurve empfangen und nicht einfach verprügelt. Das sich trotzdem einige Spieler nicht in die Kurve trauten, sagt alles aus. Das sind einfach Angsthasen und Weicheier.

Es kann auch nicht sein, dass wir insgesamt ein Eckenverhältnis von 9-2 herausspielen und davon nicht eine (!!!!) wirklich gefährlich vor das Tor kommt. Alle Ecken werden bei uns lasch irgendwo hingebolzt, ohne das eine Abwehr wirklich in Gefahr gerät. Kleiner Gag am Rande: Zur Halbzeit stand es in dieser Rubrik 6-0, was dazu führte, dass Elvis auf seine Frage "Wie steht es denn? Grupo Modefan" nur ein "Wir führen 6-0" als Antwort bekam.

Zur Stimmung: Diese war ganz ordentlich. USP hatte versucht die bekannten Gesichter in der Mitte des Blockes zu sammeln und dies gelang ganz gut. Einige "ich nehm immer Sitzplatz" Gesichter hatten sich auch für Stehplatz entschieden und liehen dem Support ihre Stimme, so dass ein eigentlich ganz guter Support entstand. Nerven tat nur die Trommel, welche auf ca. 3 m Entfernung einem einfach das Trommelfell (sic!) zerstört. Sorry, aber das musste mal raus. Das Ding ist auf kurzer Entfernung einfach zu laut und zu hell um vom Ohr als angenehm wahrgenommen zu werden. So litt mal wieder mein linkes Ohr, welches sowieso schon Iggy Pop-geschädigt ist.

Ach ja, vielleicht sollte ich auch mal die Überschrift erklären. Ich schicke an gewisse Leute eigentlich grundsätzlich einen Ticker über die Ereignisse im weiten Rund. Diesen begann ich diesmal mit "What are we doin here?". Woraufhin einer der Empfänger nur meinte, ich solle die Frage anders stellen. Erst die folgende Aussage "Spiel ist Scheisse" befriedigte ihn. Auch der Ticker wurde zur Halbzeit mit dem 6-0 Gag (hier aber in abgeschwächter Form) belästigt und Elvis wollte das Endergebnis genauso wenig glauben wie das Halbzeitergebnis.

Also verliess man verärgert die Kampfbahn (wie kann man so etwas in Stadion umbenennen?) und machte sich auf den Heimweg. Schnell erhielt ich noch das einzige veröffentlichte Buch, in dem ich mit einer Danksagung erwähnt bin (ich bin stolz auf dich, unbenannte Autorin, auch wenn du immer dieses Buch verheimlichen willst). Es begann die Rückfahrt, welche durch ein schnelles Auto und eine gute Routenplanung schnell und entspannt verlief.

Während dieser wurde aber noch der Titel dieser Kolumne gebohren (Aussage Petruschka: "Ich wollte schon immer "wässrige Bindemittel" auf meinem Firmenschild stehen haben"). Weiterhin wurde festgestellt, das Wicky von "Wicky und den starken Männern" (oder wie heisst diese Kinderserie) eindeutig koksen muss, da vor einer Idee sich immer der Finger unter der Nase gerieben wird und dann eine Idee geboren wird. Schlussendlich beschloss die Autobesatzung, dass wir dringend mal wieder eine Mottofahrt brauchen. Wir hatten auch schon ein passendes Thema, welches wir nun den Gremien vorschlagen werden und die Autobesatzung hatte auch schon sehr schöne Verkleidungen.

Sonst raste man durch die dunkle Nacht und um 1:15 hatte mich mein Bett wieder. Und wie hiess es so schön zum Abschied? Wir sehen uns Richtung Kiel!

Und dann war da noch....

... die beiden Retortenklubs in der Retortenhalle. Beide versuchen ja auf ihre Art sich jeglichen Publikums zu enteignen. Erfolgreicher in dieser Rolle ist der Handballklub. Hier der perfekte Plan für einen Misserfolg: Ich nenne mich nach einem grossen Nachbarn und mache mich damit für ca. 30 % der sportinteressierten Bevölkerung schoneinmal vollkommen uninteressant, da die leider auf den kleinen Nachbarn im Fussball steht und nie zu einem Team mit Raute gehen würde. Ich zahle dafür auch noch Lizenzgebühren. Und ich verschlechtere auch noch meine Vermarktungschancen, weil ich Shirts von dem grossen Fussballnachbarn auch beim Handball tragen kann, ohne aufzufallen. Kurz: Doof. Dazu schaff ich mir noch einen Chef an, gegen den Corny mit seriösen Zahlen und offenen Büchern spielt und fertig ist die Dauerkrise. Da wird man auch nicht von einem Team gerettet, welches wirklich erstklassigen Handball spielt.

Noch nicht so erfolgreich war bisher das Eishockeyteam, auch wenn es sich ja grösste Mühe gibt. U.a. damit, dass es grundsätzlich alle Publikumslieblinge verkauft. Um das ganze noch zu toppen, verkaufte das Team vor der Saison alle jungen Spieler und kaufte sich dafür alte Spieler ein. Und wundert sich nun, dass es zwar den höchsten Eta