Norbert regt sich auf vom 12.12.2004

 

über

Deja vú in Kiel oder "Gibt es hier einen Fanblock?"

Vorwort

Endlich Winterpause mögen viele Leute denken, aber so geht es mir dieses Jahr erstaunlicherweise diesmal nicht. Eigentlich könnte es jetzt weiter gehen. Ein Gefühl der Ausgebranntheit, was ich in den letzten drei Jahren extrem hatte, habe ich dieses Jahr nicht. Auch meine Motivation sich für den Verein zu engagieren steigt langsam wieder, wenn auch von einem sehr sehr niedrigen Niveau.

Und falls einem die St. Pauliszene mit ihren Selbstdarstellern und ihren Meinungsnazis mal auf den Sack geht, dann fahre ich zu meinem Zweitverein. Dort bin ich ein Niemand, was ich auch mal äusserst angenehm finde. Insgesamt macht Fussball zur Zeit mir Spass und das obwohl meine Vereine sich mit Unfähigkeit und Lustlosigkeit überbieten.

Jetzt wird auf Kopfschuss rumgehakt...

So irgendwie ab Mittwoch machte ich mir Gedanken über diese Fahrt. Hatte ich doch vielen Leuten versprochen, ihnen Cider mitzubringen. Eine PN, welche den Treffpunkt erfragen sollte, ergab, dass es einen solchen noch nicht gab. Okay, so lies ich mein Organisationstalent spielen (ÄH) und kurze Zeit später hatte man einen schönen Treffpunkt um nach Kiel zu fahren.

Aber bevor wir jetzt endlich zum Samstag kommen, möchte ich ja noch kurz berichten, was ich so am Freitag trieb. Aus mehreren Gründen fuhr ich zu Vicky um dort deren Duell mit Neumünster halb zu sehen und den restlichen Abend im Vicky Büdchen zu verbringen.

Neumünster? Zu unseren Amateuren waren die mit 30 Leuten am Start, davon die Mehrzahl Kinderultras und Rentner. Bei Vicky waren die mit insgesamt 150 Leuten, davon ca. 30 ziemlich üble Kanten. Auch das "VFR Szene Neumünster" Plakat, welches noch nie bei unseren Amateuren hing, fand sich bei Vicky. Hat da etwa jemand Angst? Zur Erinnerung: Diese Zaunfahne war damals die einzige, die vor dem deutschen Block in Polen hing, als dieser dieses absolut unterirdische "Schindler Juden wir grüssen euch" präsentierten.

Okay nach einer Halbzeit riefen mich andere Geschäfte, welche im Vicky Büdchen erledigt wurden. Eine Kneipe, die definitiv seit neustem zu einer meiner Lieblingskneipen gehört. Freundliche Bedienung, die unglaublich schnell ist und die Bestellung eines Wassers wird mit "0,3 oder 0,5?" beantwortet.

So jetzt aber zu Samstag. Eigentlich wollte man sich früh treffen um alle Leute bereits vor dem Einlaufen des Zuges am Start zu haben, damit man dann gemütlich Plätze besetzen kann. Leider machte einem der Zug einen Strich durch die Rechnung, da dieser bereits 40 Minuten vor Abfahrt einlief. Dem heroischen und selbstlosen Einsatz meiner (Fussball-)mutter ist es zu verdanken, dass wir 20 sehr schöne Plätze inklusive unseres eigenen Klos hatten.

Okay, nun musste man nur alle anderen zum Zug bringen, so dass ich eine Reihe SMS mit dem Text "Beeilt euch, Zug schon da, sitzen ganz vorne" losschickte. Die Antworten reichten von einem "Jaa, beeile mich" bis zu einem "Schöne Grüsse aus Diebsteich, ich sass im falschen Zug". Letzteres kam von einem namentlich jetzt nicht genannten Untoten.

Naja, irgendwann hatten wir dann alle unsere Schäfchen zusammen, nur Kopfschuss war wieder voll auf Spalten aus und wollte nicht bei uns sitzen. Fadenscheinige Begründungen wie "wir brauchen mehr Plätze" lass ich hier nicht gelten. Auch gerade, weil diese Mäuse ja nicht mit Speck, sondern mit Cider fängt. Kurze Zeit später hatte man also Kopfschuss in stattlicher Anzahl in unserem Abteil.

Sonst verbrachte man die Fahrt mit entspanntem Trinken und labern. Ein Gang durch den Zug zeigte, dass insgesamt nur fünf Wagen hatte. Wenn man bedenkt, dass insgesamt mal 11 bestellt waren, dann ist das schon ganz schön bitter. Leider hatten auch mal wieder alle aktiven Gruppen ziemlich geschlossen beschlossen den Zug zu boykottieren, so dass die Paulisuff Fraktion überwiegte. Wie meinte ein Bekannter von mir so schön? Er sei über das Bierkisten/Mitfahrerverhältnis doch sehr erstaunt. Dieses sei heute doch so hoch wie lange nicht mehr.

Grosse Klasse auch die beiden Ordner vor unserem Abteil. Die Aussage "Ordner dürfen nicht in unser Abteil" beantworteten die beiden damit, dass sie ihre Jacken zu machten und dann meinten, sie seien gar keine Ordner. Später sassen sie dann in der Ecke beim Klo um in Ruhe zu rauchen. So entspannt wünsche ich mir Ordner.

Kiel nahte. Vorsichtshalber bin ich nochmal auf Klo gegangen. Mein Speiseplan bestand nämlich nicht aus Cider, sondern aus Clausthaler Alkoholfrei, da ich mal keinen Alkohol trinken wollte. Nur leider drückt das Zeug richtig auf die Blase. So wurde die ca. 15 minütige Bustour zum Stadion zu einer Tortour. Am Ende war ich knapp davor in eine leere Flasche zu pinkeln, so doll musste ich. Glücklicherweise war in diesem Moment die Tour zu Ende und ich sprintete zum nächsten Baum. Kennt ihr das, wenn man so doll auf Klo muss? Dann kann man nicht einfach so locker lospinkeln, sondern dann muss sich die Verkrampfung erstmal lösen. Dann lief es und ich fühlte mich ein paar Kilo leichter.

Dank unseres Fanbeauftragten kam ich in den Besitz einer Foto Innenraumkarte und ging so an den Kielern vorbei in den Innenraum.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe lange nicht so viel Pack auf einem Haufen gesehen wie an der berühmten Tankstelle in Kiel. Da ich keine St. Paulisachen an hatte, hat mich natürlich keiner behelligt, sondern ich konnte mich problemlos zum Innenraumeingang begeben. Komische Ordner dort. Eine Frau und zwei Männer und die Frau fragt mich, wer von den beiden nun der hübschere sei. Okay, kurze Zeit später war ich im Innenraum und harrte der Dinge die da kommen sollten. Insgesamt hatte ich noch eine Stunde bis zum Anpfiff, so dass ich mich erstmal entspannt umschaute. Während die St. Pauli Kurve bereits gut gefüllt war und mit Plakaten vollgehangen war, hing in der Kielkurve bis ca. 50 Minuten vor dem Spiel nicht eine (!!!!) Zaunfahne. Selbst zum Anpfiff hing da immer noch nur zwei Plakate. Selbst die FastFoodKolonne (örtliche Ultragruppe) scheint es nicht mehr zu geben.

Kurz vor Anpfiff schiessen unsere Spieler nochmal alle nacheinander auf das Tor, bevor sie in die Kabine gehen. Wie man bei unseren Helden kennt, schiessen die ca. 90 Prozent der Balle weit über das Tor. Hinter dem Tor waren zwei kleine Balljungen, welche die Bälle auffingen und zurückwarfen. Leider befand sich hinter dem Tor auch ein Ordner mit einem scharfen Rottweiler. Und als einer der Jungen zu nah an diesen rankam, biss der sofort zu. Der Junge musste von einem Ordner, welcher mit St. Pauli angereist war aus dem Stadion getragen werden, während sich der Ordner mit dem Hund einen Scheissdreck um den Jungen kümmerte. Was für ein Skandal! Und mal wieder der 1.000.000ste Beweis, dass scharfe Hunde, insbesondere ohne Maulkorb NICHTS aber absolutt NICHTS im Stadion zu suchen haben.

Der Anpfiff nahte und ich stand mit meinem OL entspannt hinter unserem Tor. Er brachte auch die Überschriftenfrage, als er fragte, ob Kiel eigentlich auch einen Fanblock habe. Also ich habe keinen gesehen und selbst als ich zwischendurch mal auf die Kieler Seite gewechselt war, habe ich nichts bemerkt, was nach einem Supportblock aussah. Viele Leute, die auf der Kieler Seite standen hatten St. Pauliklamotten an und waren mit Kielern anwesend. Zwar hatten vor dem Stadion noch genug Leute gestanden, die nach Support aussahen, aber im Stadion war nix zu sehen.

Irgendwann hatte ich genug Fotos gemacht und stellte fest, dass es im Innenraum kalt, einsam und langweilig ist. So verlies ich den Innenraum und bewegte mich zum St. Pauliblock. Wieder vorbei an der berühmten Tankstelle, welche nun etwas komisch wirkte, denn logischerweise stand da niemand rum. Ausser eine unglaubliche Masse an Polizisten, welche die Tankstelle zu der best bewachten überhaupt in Deutschland machte.

Im Block angekommen hatte ich es mir gerade bei meinen Enten bequem gemacht, als auch das 1-0 fiel. Von mir nicht gerade euphorisch bejubelt, da ich noch im "ich bin Fotograf im Innenraum, ich darf jetzt hier nicht pöbeln" Modus war. Ein sehr schänes Tor, welches Dinzey mit dem Kopf erzielte.

Eine SMS für meinen privaten Ticker beschrieb meine Gefühle zur Leistung der Mannschaft: "Sie kämpfen und Dinzey läuft wirklich". So will ich Dinzey sehen, lauffreudig, kampfstark und auch mal dazwischenhauend. Und das galt für die ganze Mannschaft. Natürlich hatte Kiel die besseren Chancen, natürlich haben wir am Ende nur durch eine grossartige Torhüterleistung gewonnen, aber trotzdem hat die Mannschaft mehr gekämpft, als in Krefeld oder in den Spielen vorher. Und ganz ehrlich ein Spieler machte heute auch noch den Unterschied. Kollege Smith (an den Vornamen wage ich mich nicht). Bis vor kurzem nichteinmal Stammspieler in der zweiten Mannschaft, überzeugte er in Kiel durch einen absolut unermütlichen Einsatz und eine ständige Torgefährlichkeit. Leider wurde seine Leistung nicht durch das 2-0 gekrönt, aber immerhin lieferte er so die Vorlage und war für mich der beste Feldspieler. In dieser Form definitiv ein Spieler, welcher uns im Sturm weiterhelfen kann.

Stimmung konnte ich nicht wirklich heute liefern, da ich eine sehr hartnäckige Erkältung mit mir rumschleppe, die nicht gerade zu einer lauten Stimme verhilft. Aber habt ihr schoneinmal unser Aux Armes vom Innenraum aus mitbekommen? Wahrscheinlich nicht, aber das ist absolut hammer. Das ist einer der wenigen Gesänge, die bei uns wirklich druckvoll und beängstigend kommen. Vieles andere versackt einfach oder bleibt sehr leise.

Und nichteinmal das Aux Armes wird wirklich von der gesamten Kurve gesungen. Es ist wirklich schade, wie wenig Leute bei uns mitmachen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass in Bussen und Sonderzügen gesungen wird ohne Ende und dabei insbesondere die neuen von USP ausgedachten Sachen. Nur im Stadion, wo es drauf ankommt, da kriegen die gleichen Leute leider nicht den Mund auf und singen insbesondere bei den Sachen, die von den Ultras kommen nicht mit.

In der Halbzeit setzen meine Enten andere Prioritäten und gingen einen trinken, so war ich Anschlusslos und beschloss mich zu den Kopfschüsslern zu stellen. Leider musste ich so meine Hose einsauen, da ich sonst nicht unter den etwas komischen Absperrungen in Kiel nicht durchkonnte. Aber zur zweiten Halbzeit konnte ich es mir bei Kopfschuss bequem machen. Diese outeten sich kurze Zeit später als deutsch-nationaldenkend, als sie "Walk on" auf Deutsch anstimmten. Immerhin konnte ich noch einen Namensvetter kennen lernen.

Okay, da Kiel nichteinmal Elfmeter wirklich gut schiessen konnte, (Frage: Der wievielte Elfer war das, den Hollerieth gehalten hat?) hatten wir irgendwann gewonnen und konnten mit der Mannschaft eine kleine spontane Weihnachtsfeier feiern. Schön, dass nahezu alle Trikots den Weg ins Publikum fanden. Und alleine Smith mit einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf war das Eintrittsgeld wert.

Petruschka und ich beschlossen, dass es doch ganz gut wäre mit der ersten Fuhre zum Bahnhof zu fahren und begaben uns mitten in der Feier Richtung Bus. Rückblickend war dies eine gute Idee, denn während wir im relativ geschützten Bahnhofsgebäude warten konnten, musste der ärmste Moritz gut 40 Minuten vor dem Stadion waren, bis ein Bus kam und ihm zum Bahnhof brachte. Mal ehrlich: Wer kommt auf die bescheuerte Idee einen Sonderzug mit vier Bussen befördern zu wollen?

Ich würde jetzt gerne was von "wir hatten dann irgendwann alle unsere Schäfchen wieder beisammen" aber dies würde einfach nicht stimmen, hatten wir doch eine Person verloren. Leider brachte eine grossangelegte Suchaktion (inklusive Bahnhofsmission und Polizei) keine Klärung des Aufenthaltes, so dass wir reduziert um eine Person zurück fahren mussten. Natürlich war nun die Stimmung erstmal im Keller.

So kann es auch nicht verwundern, dass Silke (welche als Unbeteiligte nichts von der Sache wusste) irgendwann fragte, ob sich irgendjemand eigentlich über den Auswärtssieg freuen würde. Irgendwann war die Stimmung aber wieder okay und man sang Lieder vor sich hin. Kopfschuss unterhielt den Waggon mit irgendwelche Arbeiterliedern, diese teilweise mit abgewandelten Texten. Jaja, jetzt waren sie wieder politisch korrekt. ;-) R. von Kopfschuss wollte sich noch einschleimen, aber das gelang ihm auch nicht mehr. Dieser Fanclub ist einfach untragbar. Jetzt kommt auch noch raus, dass sie nicht nur ihre Frauen zum Bierholen missbrauchen, nein, sie behaupten auch noch danach, dass eigentlich immer die Männer Bier holen und die Frauen nur schickten, nachdem sie 100 mal gegangen waren. Wollen wir denen glauben? Ich glaube nicht!

Irgendwann war man dann in Hamburg und während Kopfschuss das ÖFeuer durch ihre Anwesenheit verpestete, die Enten ihren Stammplatz im Jolly einnahmen, beschloss ich mich bei dem Schalkeassi mit Wildschwein vollzuhausen. Warum wir uns aber am Sonntag um 10 Uhr bei der Freibeuterin treffen sollten, dies sein einer anderen Internetseite überlassen. Wobei eigentlich ja unsere Planung war, uns um zehn bei ihr zu treffen. Aber wir haben uns dann entschieden, dass es eigentlich Unsinn ist und es besser wäre uns um 10 bei ihr zu treffen. Aber wie schon gesagt: Diese Story überlasse ich einer anderen Internetseite.

Und für alle, die das nicht verstanden haben: Ich mag die auswärtsfahrenden Kopfschüssler. Lange nicht einen so angenehmen Haufen Mensch kennen gelernt, der trinkfest aber nicht nervig, humorvoll aber nicht dümmlich ist. Freue mich schon euch irgendwo wieder in einem grossen Haufen zu treffen.

Winterpause! Erwartet nicht wöchentlich von mir Updates. Ich m