Norbert regt sich auf vom 26.1.2005

 

über

Elvis, da draussen steht ein Baum, den kannst du volllabern!

Vorwort

Endlich wieder Freiluftfussball! Was bekommt ihr noch diese Woche? Ein paar Worte zum Kubaausflug, ein paar Worte zu den Hallenturnieren und ein paar warme Worte zum Rest der Fussballwelt.

Wenn ihr das mit Dresden macht....

Freiluftfussball? Ja, denn die zweite Mannschaft musste eine Woche verfrüht in die Rückrunde starten, da das Emdenspiel ausgefallen und nun nachzuholen war. Die schöne SWT Fahrt fiel ja damals ins Wasserl, und so musste ein Bus gebucht werden. Tja, und an wem bleibt so etwas hängen? Natürlich an mir! Die ersten beiden Mitfahrer waren in Form von Flo und Mia schnell gefunden, aber dann plätscherten die Anmeldungen doch sehr, so dass ich beinah schon dachte, dass ich zu wenig Mitfahrer habe, aber eine kurze Anfrage bei Schmiddel, und der Ablauf eines Mittwoches erbrachte eine Mail, welche ungefähr so lautete: "USP bitte zwanzig Plätze im Bus." Die Erleichterung war gross, und so konnte der Bus fest gebucht werden. Die beste Anmeldung kam von C., welcher nur folgenden Text schickte: "Will mit nach Emden! Hauptsache es geht geil ab."

Zu seinen prophetischen Qualitäten kommen wir dann später...

Morgens traf man sich am Klubheim, und der Bus war erfreulich früh da. So konnte die gesamte Besatzung bequem ihre Plätze einnehmen. Wir wären ja auch pünktlich weggekommen, wenn ja wenn ein gewisser Hossa nicht vollkommen entspannt fünf Minuten zu spät gekommen wäre; da er aber per Telefon erreichbar war, wartete man auf ihn. Nicht warten konnten wir hingegen auf R.H.. Dieser hatte am Abend vorher Petruschka eine SMS geschickt mit der Frage, ob noch ein Platz im Bus frei sei, und ob sie ihm nicht mal meine Handynummer geben könne. Da wir gerade beim Videogucken (nein, nicht Filme, sondern MTV Pop, Originalzitat "Oh guck mal, die hat ein 'Lieb mich wegen meines Verstandes Outfit an') waren, antworte ich kurz mit "Es ist ein Platz frei. Grüsse". Nur wer erschien morgens nicht? Richtig, unser Freund R.H.! So machte man sich mit einem freien Platz auf in Richtung Emden. Durch den vollen Bus machte ich einen kleinen Gewinn, den ich - so ehrlich möchte ich hier sein - dazu verwendete für mich die Fahrt kostenlos zu machen und für die ersten Reihen einen Kasten Becks zu stiften. Denke mal, dass damit keiner Probleme hat. Sonst empfehle ich jedem mal selber einen Bus zu organisieren und sich den ganzen Stress anzutun ;-)

Bis Bremen verlief die Fahrt eigentlich ganz entspannt. Wir benötigten zwar ein paar Pinkelpausen, da das Klo zugefroren war, aber da wir pünktlich losgekommen waren, hatten wir dafür auch mehr als genug Zeit. Irgendwo hinter Bremen wechselte das Wetter jedoch von Sonnenschein auf Schneeregen und irgendwie beschlug die Scheibe nach vorne doch erheblich. So bat mich der Busfahrer doch mal die Scheibe zu wischen und so kamen wir ins Reden und diskutierten, warum die Scheibe beschlägt. Und so guckte ich mir die Technik an und entdeckte einen Schalter, welcher auf "Umluft" stand und auch die Alternative "Frischluft" grafisch angezeigt hatte. Naja, denk ich, kein Problem, schalte ich den doch einfach mal um. Es machte sich relativ schnell ein verbrannter Geruch in der Kabine breit und von hinten kamen Rufe, dass der Bus brenne. Ein Blick nach hinten zeigte eine doch erhebliche Rauchwolke sowohl im Bus als auch hinter dem Bus, die wir uns so schnell nicht erklären konnten. Sprich: Warnblinker, rausfahren und - ganz wichtig - Hebel wieder umlegen. Eine Runde um den Bus zeigte keine Schäden und so konnten wir unsere Fahrt nach einer kleinen Schreckpause (welche auch zum Pinkeln genutzt wurde) fortsetzen.

Die A 31 brachte problemlos nach Emden, sie hat nur die etwas unangenehme Angewohnheit keine Raststätten ihr eigen zu nennen. So musste noch ein Parkplatz zum Pinkeln genutzt werden und dann war man endlich vor Ort. Wir fuhren mit dem Bus einfach vor das Stadion und wollten neben dem Mannschaftsbus parken, jedoch wollten uns die Ordner dort nicht hinlassen und stellten uns lieber einen Lotsen, der uns dann zu unserem richtigen Parkplatz geleitete.

Kneipen in Stadionnähe? Nicht vorhanden! Die Ordner wollten uns auch nicht aussen in Richtung Stadiongaststätte gehen lassen, sondern brachten uns in den Gästeblock, welcher ein unüberdachter Platz hinter dem Tor war. Der Durchgang zum Klubheim war versperrt und wurde erst nach langen Diskussionen wirklich aufgemacht. Da hilft es auch nix, wenn die Ordner einem die ganze Zeit erzählen, man könne zum Klubheim gehen, wenn sie jeden der dieses dann in die Tat umsetzt wieder zurückschicken. Erst als man den Ordnern klar machte, dass Essen und Trinken, sowie ein Klo in einem abgesperrten Gästeblock Pflicht sind, machten sie den Durchgang auf.

Das Klubheim war sehr nett und Bier 1,80 war ein echtes Angebot, welches doch ordentlich genutzt wurde. Schön auch, dass die Kaffeemaschine direkt vor uns stand. Wir haben natürlich keinen Kaffee geklaut, aber die Gelegenheit wäre echt da gewesen, da die Maschine in der hinteren Ecke stand. Petruschka wurde erstmal Radiostar, da sie vom NDR interviewt wurde. Für welche Sendung das Interview war, konnten wir leider nicht erfahren, aber wer irgendwelche intelligenten Statements im Radio gehört hat, dem sei eben gesagt, dass diese am Tresen in Emden entstanden.

Irgendwann war es dann aber soweit: Die Wärme des Klubheimes musste mit der Kälte der Tribüne getauscht werden. Meiner Einer begab sich mal wieder in den Innenraum, da ich ja Fotos machen wollte. Es ist eigentlich schön, dass man in der Oberliga einfach so über die Bande steigen kann, wenn man eine Kamera um Hals hat. Hier fragt einen niemand nach einer Akreditierung oder will ein Leibchen sehen.

Über einen örtlich ansässigen Journalisten konnte man erfahren, dass Emden extra eine zweite Pumpe angeschafft hat, damit das Spiel stattfinden kann. Ist ja schön, aber wenn ihr schon so eine anschafft, dann solltet ihr die auch benutzen. Kurz gesagt: Der Boden war grauenhaft. Insbesondere auf der Gegengeradenseite zeigten sich extrem tiefe Fussspuren. Eigentlich hatte ich gedacht, dass dies ein Vorteil für unsere Mannschaft ist, aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt.

Verlief die erste Halbzeit noch annähernd ausgeglichen, so wurde unsere Mannschaft in der zweiten Halbzeit vorgeführt und kam 5-0 unter die Räder.

Stimmung? Blue Sharks Emden? Nix war da. Auch von neutraleren Positionen im Innenraum war von Emdener Seite nix zu hören. Eine etwas zusammenhangslose Choreo am Anfang (die sehr nett anzusehen war, aber für mich keinen Bezug zu Fussball oder zu diesem Spiel hatte) war alles, was kam.

Leider auch gekommen war die örtliche Nazifraktion. Diese machte es sich - wie ich bei einem Besuch des Klubheimes zur Halbzeit feststellen musste - im Klubheim gemütlich. Es ist immer wieder beschämend, mit was für Symbolen Nazis offen rumlaufen können, ohne das die jeweiligen Vereine irgendwas dagegen unternehmen. Hier u.a. ein eisernes Kreuz, mehrere deutliche Abzeichen und Klamotten.

Tja, leider kümmerte sich um all dieses niemand, da in der zweiten Halbzeit Eskalation mit der Polizei angesagt war. Ich versuche das jetzt mal ein bisschen zu schildern und dann eine Wertung abzugeben.

Als wir im Stadion ankamen, wurden wir von den Ordnern bereits mit der Ansage begrüsst, dass man darauf verzichten würde, die Polizei zu holen, wenn wir uns denn wie "vernünftige" Fans verhalten würden. Nicht erwähnt wurde leider, was sich Emdener unter "vernünftigen" Fans vorstellt. Wahrscheinlich stellte man sich vor, ass man brav im Regen stehen bleibt und solche Forderungen wie "ich will was zu trinken/aufs Klo/auf die überdachte Tribüne" nicht stellt. Zumindest erschien kurze Zeit später die Polizei.

Der Amateuremob hatte es sich zwischenzeitlich unterm Dach gemütlich gemacht und die aus dem Klubheim dazu kommenden Leute stellten sich auch entspannt in den überdachten Block. Daneben noch ein paar Emdener, welche auch ein paar Plakate aufhängten. Alles war friedlich. Nur die Polizei war anscheinend anderer Ansicht. Sie stellte sich in den Block und versuchte per menschlicher Kette einen Gästeblock abzusperren. Dialoge wie "Wir müssen eine Kette bilden, sonst brechen die durch." wurden mir noch im Laufe der ersten Halbzeit berichtet. Wie schon gesagt: Sonst alles friedlich. Um die Polizisten kümmerte sich keiner, einige Mitfahrer mussten sich Witze gefallen lassen wie "Na? Hast du mit der Polizei gekuschelt?" weil sie direkt neben der Polizei standen, aber sonst beachtete keiner die Polizei.

Leider hatten einige Leute nix besseres zu tun als in regelmässigen Abständen Gläser auf der Tribüne zu zerschmeissen. Zum einen "selbst schuld" an das örtliche Klubheim, zum anderen ist das wirklich komplett unnötig und auch nicht irgendwie lustig oder so. Im Notfall verletzt sich noch irgendjemand an den Scherben und das muss nun wirklich nicht sein. Darüber war wohl auch die Polizei besorgt, so dass ich schon im Scherz zu jemandem mit Glas sagte (der seines nicht zerschmiss), er solle sich doch einfach mal einen Polizisten greifen und dann das Glas ganz entspannt wieder ins Klubheim bringen. Kleiner Einschub: als das Kind dann in den Brunnen gefallen war, sprach ich mit dem einen ortsansässigen Ordner und meinte nur zu ihm, dass sie doch mal dem Klubheim bescheid sagen sollten, dass die keine Gläser mehr an Spieltagen rausgeben sollten. Als er meinte "Haben wir schon mehrfach gesagt, wollen die aber nicht" konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Die Halbzeit war vorbei und alles vertrat sich die Beine. Auch ich verlies - wie oben geschildert - meinen Innenraumplatz und ging Richtung Klubheim. Dabei war auffällig, dass die Polizeihunde bereits hier teilweise ohne Maulkorb rumliefen. Warum dies? Keine Ahnung, aber die Nervösität des Hundes war deutlich zu spüren.

Nach der Halbzeit wurden von St. Paulianern Bengalos gezündet. Dies ist definitiv verboten und in dieser Situation aus meiner Sicht auch unglücklich. Bereits hier war klar, dass die Polizei uns für die letzten Hooligans hält und das sie auf diese Aktion nur mit Eskalation reagieren würde. Gut, es wurde trotzdem gemacht und dazu wurde noch eine erhebliche Menge Rauch gezündet. Die Polizei holte nun die Knüppel raus und isolierte den Block der St. Paulianer von den anderen Zuschauern. Erste Beleidigungen wurden ausgetauscht, aber schnell beruhigte sich das ganze wieder etwas. Nur das nun die Polizei dicht an den St. Paulianern stand. Das Spiel war unterbrochen worden und der Stadionsprecher forderte auf, das abbrennen von Feuerwerkskörpern zu unterlassen. Alles normal und weiterhin kein Problem. Etwas unglücklich fanden alle Beteiligten, dass der Stadionsprecher davon sprach, dass man doch "überaus freundlich und gastfreundlich" begrüsst worden sei und man sich nun benehmen solle.

Diesen - gelinde gesagt - Schwachsinn veranlasste mich nun meine Position vor dem Block aufzugeben und langsam in Richtung Sprecherkabine zu gehen. Den Block hinterliess ich pöbelnd. Die Polizei hatte nun die Hunde (nun ohne Maulkorb) direkt in den Block gebracht und diese bewegten sich an kurzer Leine direkt bei den St. Paulianern. Alleine diese nervösen und vollkommen überreizten Hunde reichten aus um die Situation langsam zu eskalieren. Einige St. Paulianer wandten sich leider auch nicht mehr dem Spiel zu, sondern sahen es nun als ihre Hauptaufgabe an die Polizei zu beschimpfen. Ich habe wenig Probleme mit kollektiven Gesängen, die deutlich machen, was man von der Polizeitaktik hält, aber wenn sich irgendjemand vor einen Polizisten stellt und ihn immer wieder als "Wichser" beschimpft, dann will er auch Eskalation. Und das ist absolut unsinnig.

Gerade als ich drüben angekommen war, drehte ich mich zum Block um. Während meines Ganges hatte ich das Gefühl, dass sich der Block wieder etwas beruhigt hatte, war es doch in meinem Rücken deutlich ruhiger geworden. Doch gerade als ich mich umdrehte um ein paar Fotos zu machen, knallte es richtig. Die Polizei lies die Hunde los, es kam zu mehreren Faustduellen zwischen Polizei und Fans und die Leute flüchteten aus dem Block auf das Spielfeld. Negativ bemerkbar machte sich bereits hier eine gewisse Planlosigkeit der Polizei. Denn diese lies sich zwar auf einzelne Boxduelle ein, aber hatte eigentlich kein Ziel, was sie damit verfolgen wollte. Irgendwann beruhigte sich das ganze wieder und ich ging weiter in Richtung der Sprecherkabine.

Szene: Sprecherkabine von Kickers Emden. Darsteller: Stadionsprecher, sein Gehilfe und ich. "Moin, mein Name ist H. ich bin freier Journalist aus Hamburg und ich möchte mich über ihre Ansage beschweren, denn wir sind hier nicht "gastfreundlich" empfangen worden" "Wie können Sie so etwas sagen?" "Ich bin mit dem Bus aus Hamburg gekommen. Die Ordner haben uns den Zugang zu Klo und Klubheim verweigert, obwohl dies in DFB Richtlinien vorgeschrieben ist" "Was? Davon weiss ich nichts." "Ja und erst haben sie gesagt, dass sie auf Polizei verzichten wollen, aber kurze Zeit später kam dann die Polizei" "Das aber nur, weil es schon vor dem Spiel Randale hinter der Haupttribüne Randale von St. Paulianern gegeben hat." "Aha, das kann aber nicht aus unserem Bus gewesen sein, denn die waren ja noch alle im Gästeblock und durften nirgendwo hin." "Aber es waren St. Paulianer" Abbruch der Diskussion mit "Jaja (was ja auf Norddeutsch gepflegt "leck mich am Arsch" heisst), schönen Tag noch". Dies ist jetzt keine wörtliche Weitergabe des Gespräches, aber von der inhaltlichen Diskussion gibt es das Gespräch doch sehr gut wieder.

Einschub: Wenn man dies bedenkt, dann versteht man auch erst, warum die Polizei so hektisch war. Die sind zu wahrscheinlich von diesem äusserst arrogant und äusserst unfreundlichen Stadionsprecher zu der Szene gerufen worden mit der Aussage, dass da eine Horde St. Paulifans "Randale" macht. Das dies einfach nicht der Wahrheit entspricht, ergibt sich vielleicht schon aus dem Gespräch oben. Denn ausser den Leuten, die im Bus angereist waren, waren noch ca. 5 Bremer vor Ort, die mit uns gingen und ca. 10 andere Personen, die nun alles gemacht haben, aber garantiert (und da meine ich mal garantiert) keine Randale. Einschub Ende

Gut, kopfschüttelnd verlies ich die Sprecherkabine und begab mich wieder in meine Kurve. Hier war die Situation ziemlich unübersichtlich. Teilweise waren die St. Paulianer wieder in den eigentlichen Gästeblock zurückgewichen, teilweise standen sie auf dem Platz, teilweise noch auf der überdachten Seite. Das Spiel lief zu diesem Zeitpunkt nicht und Hempen und Nielsen versuchten zu schlichten. Auch Hermann Klauck versuchte Ruhe reinzubringen. Die Polizei versprühte Tränengas, welches u.a. auch Herrmann Klauck volle Elle abbekam. Immer wieder brach Gewalt aus, wobei die Polizei vollkommen hektisch reagierte.

Irgendwann wurde plötzlich Hossa abgeführt. Naja, dachte ich mir, sag ich doch mal einem Polizisten, was die gerade gemacht haben, war Hossa doch auch im Auftrag der Hamburger Morgenpost unterwegs. Dialog: Ich zu Polizisten "Herzlichen Glückwunsch, sie haben gerade den Reporter der Hamburger Morgenpost verhaftet. Tut mir leid dies so zu sagen, aber das gibt keine gute Presse in Hamburg." Polizist guckt mich entsetzt an. Polizist zu seinem Kollegen: "Du wir haben gerade den Reporter der MoPo abgeführt..."

Ab jetzt versuchte ich nur noch zu beruhigen. Was nicht immer einfach war. Einige Leute von uns waren so in Rage, dass sie gar nicht beruhigt werden konnten und mit der Polizei war nahezu nicht zu reden. Beispiel? Nennen wir unseren St. Paulianer mal S. Sagen wir mal, dass S. augenscheinlich einen zu sich genommen hatte. Sagen wir mal, dass ich S. kenne, ihn für einen der absolut zuverlässigen, netten und ruhigen St. Paulianer halte. Sagen wir mal, dass S. zwar in seinen besten Jahren ist, aber nicht mehr wie zwanzig aussieht. Sagen wir mal, dass S. zwar betrunken, aber doch noch relativ ruhig sich bei der Polizei beschwerte. Nein, das letzte war so. S. sollte in den Gästeblock gehen, versuchte der Polizei zu erklären, dass er eine Sitzplatzkarte habe und darauf bestehe, diese auch zu nutzen. Daraufhin der eine Polizist: "Nein, sie haben jetzt hier Hausverbot." Sorry, ein Lachen konnte ich mir nicht verkneifen, denn bei aller Kompetenz der Polizei, diese Kompetenz hat sie nicht. Gut, aber bevor S. nun verhaftet wird, musste ich irgendwie in die Bresche springen. Zwischenzeitlich hatte sich S. mit dem Einsatzleiter angelegt. Diesem legte ich nun - um auf mich aufmerksam zu machen - leicht (und ich unterstreiche nochmal leicht) die Hand auf die Schulter und wollte gerade versuchen mich in das Gespräch einzumischen, als der Einsatzleiter herumfuhr und mich anschrie, ich solle ihn nicht anfassen. Okay, Diskussion zwecklos. S. hatte die kleine Auszeit aber zum Absetzen genutzt und so war die Situation auch bereinigt. Nur Soveränität oder Überblick versprühte dieser Einsatzleiter nicht.

Danach trat eine Beruhigung ein, insbesondere da sich nun zwischen Polizei und St. Paulianern ein Zaun war. Was ich aber nicht verstehe ist, dass einige Leute (und ich meine damit ausdrücklich Einzelpersonen und keine Gruppen!!!!!) immer wieder die Polizei provozierten oder auf unterstem Niveau auf gegnerische Spieler einbrüllten. Nein Leute, das ist einfach peinlich. Da mag einem noch soviel Unrecht geschehen sein, aber mit mehr Provokation erreicht man absolut nichts. Mal ganz davon ab, dass ich bei einigen Leuten das Gefühl habe, dass die darauf aus sind Ärger zu provozieren. Und das ist für mich stupider Hooliganismus und hat nix mit "verteidigen" oder "im Recht sein" zu tun. Etwas mehr Verständnis habe ich da schon für Leute, denen wirklich Unrecht geschehen ist und die sich nun nicht beruhigen können. Aber auch hier muss das Gehirn einschalten und sagen "Stop, ich erreiche nix."

Von der Auseinandersetzung nach dem Spiel am Bus bekam ich nix mit, war ich doch auf der Pressekonferenz. Einem Mädel von uns wurde noch ein "Du Schlampe, dich fasst doch niemand mit der Kneifzange an." von der Polizei an den Kopf geworfen. Jetzt war sie vorher auch nicht gerade zimperlich mit ihrer Wortwahl und hätte sich über eine Beleidigungsanzeige nicht wundern durfen, ABER nichts gibt einem Polizisten als Vertreter der Staatsmacht das Recht so etwas zu sagen. Das ist beschämend und würde bei mir sofort - und vollkommen zu Recht - zu Ärger mit meinem Vorgesetzten führen. Einschub: Falls es jemand noch nicht weiss, ich vertrete selber die Staatsmacht (wenn auch als Finanzbeamter und nicht als Polizist, aber halt auch eine Eingriffsverwaltung mit allen ihren unangenehmen Folgen).

Wenigstens ist es wohl Petruschka zu verdanken, dass der Bus nicht ohne uns abfuhr und so konnten wir uns dann auf dem Weg raus aus dieser gastunfreundlichen Stadt machen.

Noch ein paar Worte zur Pressekonferenz. Frank Bernhardt entschuldigte sich für das Verhalten der St. Paulifans. Und ganz ehrlich Frank, dass war ein Griff ins Klo. Denn die Polizei und ihre Planlosigkeit und ihre Aggressivität hatte grossen Anteil an dem entstehenden Ärger. Er hätte besser schweigen sollen, insbesondere da auch sein Obmann Tränengas abbekommen hatte.

Eine kleine Bewertung:

Es häuft sich der Ärger mit der Staatsmacht. Dies ist nicht unsere Schuld, da die Staatsmacht wirklich immer aggressiver und nerviger vorgeht. Aber unschuldige Opfer sind wir auch nicht. Denn eine ganz kleine Zahl an Einzelpersonen (und nochmal ausdrücklich eine Fangruppe ist damit nicht gemeint, bevor jetzt irgendjemand wieder pauschal USP verdächtigt) nutzt auch jede noch so kleine Gelegenheit sich daneben zu benehmen und sich mit der Staatsmacht anzulegen. Es ist schlichtweg unsinnig mit Gläsern zu werfen, es ist unsinnig Polizisten gezielt und geplant Beleidigungen an den Kopf zu werfen und es ist unsinnig sich von der Polizei provozieren zu lassen. Leider habe ich auch das Gefühl, dass einige Leute meinen sich so beweisen zu müssen. DAS MUSS AUFHÖREN! Wenn wir gegen die Staatsmacht und ihren Machtmissbrauch vorgehen wollen, dann müssen wir einen klaren Fall haben und nicht einen Fall, wo wir der Polizei tausende von Gründen für ihr absolut überzogenes Verhalten geben. Nochwas: Dieser Verein lebt nur noch und ausschliesslich von dem Ruf, welchen sich die Fans über Jahrzehnte erarbeitet haben. Und um es jetzt mal krass auszudrücken: Ich habe keine Lust, dass mir irgendwelche Halbstarken diesen Ruf kaputt machen, den die Älteren über Jahre aufgebaut haben. Wenn ihr euch prügeln wollt, dann wenigstens sinnig. Dann legt euch nicht mit der Polizei in Emden an, sondern mit den Faschos, die da fröhlich rumliefen und sich über unser Ding wahrscheinlich noch gefreut haben. Ich will ja gar nicht jeden zur Gewaltfreiheit bekehren (auch wenn ich immer noch absolut überzeugter Anhänger davon bin), aber mehr nachdenken würde doch sehr helfen.

Die Rückfahrt begann erstmal mit einem Sammeln der Verletzungen. Nix ernstes, so dass man sich in Richtung Heimat aufmachen konnte. Die Rückfahrt war von der Suche nach Klos geprägt, war sonst aber sehr entspannt. Ich nahm meine Auszeit, als ich ganz entspannt ein halbes Hähnchen essen ging. Ein bis viele Biere fanden auch noch den Weg in meine Kehle. E. sorgte mit viel Gesabbel noch für die Überschrift und glücklicherweise vergass meine Sitznachbarin, dass sie noch 2 Liter Cider im Rucksack hatte. So kam man zwar leicht angetrunken, aber eben nicht besoffen zu Hause an. @ Petruschka: Aber die machen wir dann bei der nächsten Tour leer.

Meine WG Partnerin hatte es sich zwischenzeitlich bereits im Jolly gemütlich gemacht, wo wir noch ein Fazitgetränk zu uns nahmen und dann ins Bett fuhren. Montagmorgen fuhr ich erstmal die halbe Strecke wieder zurück, bin ich doch diese Woche in Brühl.

Fazit: Immer wieder gerne mach ich den Reiseleiter bei Amateurspielen. Wo geht es das nächste mal hin? Meldet euch bei mir, ich organisiere gerne einen Bus. Nur: Bedenkt alle, das es was anderes ist, wenn man in diesem Bus als Gast sitzt, oder ob man Reiseleiter ist. So Gedanken wie "Du bist der einzige, der hier seinen vollen Namen angibt und du weisst nicht, was der Busfahrer seinem Chef erzählt" laufen einem doch durch den Kopf. Sagt der z.B. "Ich bin einen Haufen Hools gefahren, die haben nur Ärger gemacht" oder berichtet er positiver. Trotzdem: Hat Spass gemacht und ich freu mich auf die nächste Tour. Wie wäre es mit Cloppenburg?

Hallenfussball

Was ich euch nicht vorenthalten will, ist ein Bericht vom Hallenfussball, der jetzt bereits drei Wochen alt ist, den ich aber nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen will. Insofern entschuldigt die Inaktualität. Ein paar Worte über Kuba und ein paar Worte über das Testspiel der Amateure sind auch noch drin.

Vorwort

Okay, das Leid der Welt prasselt auf einen ein. Soll man in solchen Zeiten fröhliche Fussballberichte schreiben? In Zeiten in denen unzählige Menschen in einer Welle umkommen? In Zeiten in denen ein junges Leben am Rande des Hallenturnieres ausgelöscht wird, ohne das man dahinter einen Sinn erkennen kann? Ich denke, man muss, denn trotz dieser Ereignisse geht das Leben weiter. So bitter das klingt. Natürlich bleibt auch diese Kolumne nicht unberührt von diesen Ereignissen, aber sie ganz ausfallen zu lassen war dann nicht mein Entschluss. Was aber werdet ihr nun zu lesen bekommen? Hallen- und Tischfussball soll mein Thema sein.

Wir hauen uns fröhlich vor die Socken oder Qualifikationsturnier der Amateure

Mittwoch begann die Hallenwoche mit dem Qualifikationsturnier der Oberligamannschaften. Die Halle gut gefüllt und von uns eine stattliche Anzahl an Amateursupportern und Ultras anwesend. Eigentlich war alles für einen schönen Abend bereitet, wenn ja wenn mein geliebtes Auto nicht am Montag den Geist aufgegeben hätte. Eigentlich sollte ich es Mittwoch wieder bekommen, nur leider war die Werkstatt abends noch nicht fertig, so dass ich erstmal eine Stunde dort verbrachte und dann immer noch mit einem Ersatzwagen zur Halle aufbrechen musste. So kam ich zu spät und konnte das erste Spiel unserer Amateure nur zu einem Drittel verfolgen.

Dieses Spiel gewannen unsere Amateure durch ein Tor in der letzten Sekunde 2-1. Irgendwie eine sehr lustige Nummer, hatten sie doch kurze Zeit vorher das 1-1 eingeschenkt bekommen und hatten dann bei einem Eckball welcher mit 2 Sekunden auf der Uhr ausgeführt werden sollte, die völlige Unordnung des Gegners genutzt, welcher einen Spieler am lange Pfosten vollkommen frei stehen lies.

Spiel zu Ende und ich musste erstmal in der Halle ankommen und mich orientieren. Nennenswerte Fangruppen hatte sonst noch Altona und Meiendorf am Start. Letztere zeichneten sich dadurch aus, dass ein grosser Teil des Blocks aus ziemlich üblen Gestalten bestand. Vom Aussehen und Gepöbel würde ich mal sagen AltLokalrivalenfans, die wahrscheinlich bis heute kein Bundesligaspiel besuchen dürfen. Aber beweisen kann ich das nicht. Sympathisch wirkten sie allemal nicht. Altona hingegen war mit seiner üblichen komischen Mischung von Lokalrivalenfans und Punks am Start. Ich werde nie begreifen, wie das funktioniert, muss ich aber vielleicht auch nicht.

Zu den Preisen muss ich was sagen. Finde ich die Eintrittspreise in Höhe von 8 Euro für diesen Tag und 10 bzw. 12 Euro für die "Profi"turnier Tage noch gerade im Rahmen des Erträglichen, so sind die Preise für Verpflegung in der Halle schlichtweg ein Skandal. Wasser für 2,50 Euro und Bier für 3,10 sind einfach frech und vollkommen unangemessen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass diese Halle uralt ist und man nicht einmal über die Getränkepreise irgendwelche Zinsen für die Baukosten wieder reinbekommen muss. Wenn ich es richtig entsinne ist das Bier in der CoLiA mal eben 50 Cent billiger. Und 2,60 ist aus meiner Sicht schon der obere Rand für den 0,3 Becher. Gleiches gilt für die Essenspreise. Eine "Schlemmerzunge" (Baguette mit Käse überbacken) für 3 Euro ist einfach frech und unerträglich. Wer sich hier eine goldene Nase verdient, ist mir eigentlich egal, aber frech bleibt es einfach. Und die Preise in DM umzurechnen sollte man schon gar nicht.

Hallenturniere sind nicht wirklich mein liebstes Hobby. Das hat zwei Gründe: Zum einen fehlt mir einfach das Hauptelement des Fussballes, nämlich der lange Sprint an der Aussenlinie, der anschliessende Zweikampf und die dann gut abgestimmte Flanke, zum anderen kommt es nach den Spielen der eigenen Mannschaft immer wieder zu langen Pausen. Und die Duelle der anderen Oberligamannschaften waren nun nicht wirklich spannend. Mit einem halben Auge verfolgte ich noch Cordi, Altona und Vicky, da diese Vereine entweder Sympathien bei bekannten Leuten haben oder ehemalige Spieler von uns beinhalteten, aber sonst plätscherte das ganze so vor sich hin. Hinzu kam, dass nicht wirklich Budenzauber geboten wurde, sondern dass sich die Mannschaften viel zu ehrgeizig zeigten und sich teilweise erheblich auf die Socken droschen. Etwas besseren Hallenfussball spielten ausschliesslich Concordia und Bergedorf, welche am Ende auch zu Recht das Finale bestritten.

Unsere Mannschaft setzte sich zum grössten Teil aus A-Jugendlichen zusammen und konnte nicht wirklich überzeugen. Insbesondere in der Abwehr wurden teilweise üble Fehler gemacht, so dass die Mannschaft zu Recht in der Vorrunde scheiterte. Sehr schön der Kommentar von Hossa zu meiner Anmerkung, dass das Fehler einer Schülermannschaft seien. "Da gehen ja auch noch drei von vier auf dem Feld zur Schule".

Echte Helden waren mal wieder die Vickybüdchenfraktion. Da spielt ihr vermeindlicher Zweitverein und alle Spiele verbringen sie am Büdchen. Das dies auch auf die Cordifraktion abfärbte, war mir neu. ;-).

Concordia erreichte das Halbfinale nebenbei nur, weil in der letzten Sekunde Altona es nicht schaffte den Ball freistehend am Torhüter vorbei zu bringen. Dieser wurde dementsprechend gefeiert und leider waren die beiden Mannschaften mit den meisten Fans in der Vorrunde gescheitert. Für mich war damit auch das Turnier beendet, da ich ja doch den nächsten Tag arbeiten musste.

Erster Tag Salzbrennercup

Am nächsten Tag also sollten dann unsere Profis ins Turnier eingreifen. Aber vorher hatte ich mal wieder mit meinem Auto zu tun, welches nun eigentlich aus der Reperatur kommen sollte. Und Wunder oh Wunder es war fertig und für 900 Euro schnurte es auch wieder wie eine junge Katze. So konnte ich also endlich wieder mein Auto mit meinen CDs auf dem Weg zur Halle geniessen und kam dementsprechend gut gelaunt an der Halle an.

Hier stellte ich nur ein klitzekleines Problem fest. Ich hatte nahezu kein Bargeld mehr in der Tasche, was etwas schlecht ist, wenn man noch eine Eintrittskarte kaufen muss. So musste ich nach erfolgreicher Parkplatzsuche mir erstmal einen Geldautomaten suchen. Kleines Suchrätsel: Wo befindet sich von der Alsterdorfer Sporthalle aus gesehen der nächste Geldautomat? Gefunden habe ich einen am Winterhuder Marktplatz, welches aber schon ein ordentlicher Fussmarsch ist. So konnte ich dann auf dem Rückweg noch den HVV um eine Fahrkarte bereichern und mir endlich die Eintrittskarte kaufen, welche - ironischerweise- eine HVV Eintrittskarte beinhaltete.

In der Halle fanden sich heute deutlich weniger bekannte Gesichter, hatte doch die gesamte Amateuregang beschlossen zu Hause zu bleiben. Es fanden sich jedoch Familie Pieps und Familie Frida ein, so dass man es sich zu fünft unter USP gemütlich machte und auf die Spiele wartete. Vorher kam es jedoch zu dem ersten Höhepunkt des Turniers. Die Mannschaften wurden vorgestellt und sollten dann mit der jeweiligen Nationalhymne begrüsst werden. Diese wurden vom Band eingespielt, wobei die Trompetenstimme live von Peter Beil (vermeindlicher Startrompeter und Vater von Caroline) dargeboten werden sollte. Und Leute ich kann euch sagen... Ich bin ein Freund von Nationalhymnen, aber das hier war eine absolute Vergewaltigung der Stücke. Insbesondere die hohen Töne spielte er vollkommen schief und krumm. Höhepunkt Haydens Streichquartett, welches vollkommen niedergeblasen wurde. Wurde die deutsche Nationalhymne noch mit "Nie wieder Deutschland" Rufen und pfiffen aufgenommen, war der Jubel und das Gelächter gross, als Peter bei "blüh im Glanze dieses Glückes" vollkommen neben den eigentlichen Tönen lag. Btw: ich finde das auspfeiffen von Nationalhymnen immer noch ziemlich unpassend (das beklatschen aber auch). Aber leider ist unsere weihnachtliche Patriotismusdebatte ja nicht zu stande gekommen (Achtung! Insider!).

Kommen wir zum Sportlichen Teil der Veranstaltung. Schnell zeigte sich, dass der letztjährige Sieger wieder als absoluter Favorit gesehen werden musste, denn die Souveränität des Team Croatia war nicht zu überbieten. Absolut technisch überlegen führten sie ihre beiden ersten Gegner vor. Insbesondere die Nr. 10 und die Nr. 8 der Kroaten machten was sie wollten. Die Nr. 10 wurde auch Torschützenkönig des Turniers und vollkommen zu Recht zum besten Spieler gewählt.

Unsere Helden, welche durch eine gemischte Mannschaft der ersten und zweiten Mannschaft vertreten wurde, schlugen in ihrem Auftritt den polnischen Vertreter Plok nach einer durchwachsenen Leistung 3-2. Entsprechend durchwachsen war auch die Stimmung in der Halle.

Zu dieser durchwachsenen Stimmung trug aber auch bei, dass kein anderes Team am ersten Tag einen wirklichen Supportblock mitgebracht hatte. Zwar waren viele kroatische Fans anwesend, aber diese machten zu diesem Zeitpunkt nur bedingt Stimmung (dies sollte sich am zweiten Tag ändern). Lübeck war mit einem Support von vielleicht 15 Leuten anwesend, Braunschweig mit einem Support von vielleicht 20 Leuten. Finde ich 20 Leute aus Braunschweig noch relativ viel (man bedenke: unbedeutendes Hallenturnier an einem Donnerstag), so fand ich den Lübecker Support echt dünn.

Warum einige Leute von St. Pauli unbedingt meinten vor dem Braunschweigblock provozieren zu müssen, bleibt ausserhalb meiner Kenntnis. Man bedenke, dass es sich um 20 prollige Kinder handelte und nicht um irgendwelche bösen Faschos. Wie meinte ein älterer St. Paulianer zu mir? "Einen Ehrenkodex in dem Sinne, dass man sich nur verteidigt und nicht jeden anderen Fan angreift, gibt es nicht mehr." Ich muss ihm leider recht geben. Ich werde nie begreifen, wie man sich von jedem Kinderproll provozieren lassen kann.

Was wundert mich noch? Der Nachwuchs bei St. Pauli, der nicht "ultranah" ist, geht mir ziemlich auf den Senkel. Zum einen ist dort auch bei jungen Leuten schon ein erschreckender Alkohollevel zu erkennen, zum anderen werden da Sprüche gedroschen, die unter aller Sau sind. Beispiel? "Ey du bist ja voll lesbisch." "Ja, ich steh auf Frauen, ich will ja nicht schwul sein." Dies wohlgemerkt einmal durch die Halle gebrüllt. Das schlimme ist, dass es sich hierbei nicht um irgendwelche Leute handelt, die sporadisch auftauchen, sondern dass sich aus dieser Fraktion bereits grosse Teile der Auswärtsbusse zusammenstellen. Meine Generation hingegen wird immer weniger und wenn sie denn mal irgendwo hinfährt, dann möglichst abgeschottet von allen anderen. Schade eigentlich, denn so sind die Partyzeiten der 1. und 2. Liga wohl für immer vorbei.

Das zweite Spiel brachte dann ein 9-1 gegen eine russische Auswahl, die definitiv nicht zu dem Niveau des Turniers passte, sondern einfach viel zu schlecht war. Die Stimmung erreichte trotzdem ihren Höhepunkt, insbesondere da in der zweiten Halbzeit sieben Tore für unsere Helden fielen. Zuvor hatte es eine Vereinigung der bis dahin zwei St. Paulifanblöcke gegeben und so wurde der Support richtig laut.

Schade ist, dass anscheinend - wenn ich denn mal so die Forenreaktionen und einige Gespräche bewerte - einige Leute immer noch nicht akzeptiert haben, dass Ultras zu unserer Szene gehören und Ultras teilweise immer noch nicht akzeptiert haben, dass auch andere Leute zu unserer Szene gehören. Es ist nicht gerade schön, wenn man zwischen beiden Stühlen sitzt, da man mit beiden Seiten etwas anfangen kann. Ich hoffe, dass endlich alle Leute auch andere Strömungen akzeptieren und sich endlich mal vertragen. Vielleicht kann ja die Emdenfahrt dazu beitragen, wo alle in einem Boot sitzen müssen.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt, da ich nur noch versuchte schnell ins Bett zu kommen.

Tag 2 des Salzbrennercups oder Das einzige was ich im letzten Pfennig gelernt habe, ist rückwärts vom Stuhl zu fallen ohne umzukommen

Letztendlich wird das ganze erlebte von dem überflüssigen Tod eines Jugendlichen überschattet. Es ist mir vollkommen unverständlich, wie man einen Menschen erstechen kann. Es ist gut, dass der Täter anscheinend gefasst ist und nun seiner Bestrafung harren kann.

Etwas bitter fand ich die Presseberichterstattung in diesem Zusammenhang. Natürlich war der Täter mit dem FC St. Pauli assoziiert, aber "der St. Paulifan" oder "Pauli Fan" als Täterbeschreibung finde ich unpassend. Genauso komisch finde ich es, dass in der Presse davon gesprochen wird, er habe sich besonders euphorisch gezeigt. Macht man sich so etwa verdächtig? Oder war das schlichtweg nur eine Beschreibung? Aber was beschreibt das?

Für mich persönlich unangenehm ist natürlich auch die Berichterstattung bei HH1, wo die Täterbeschreibung mit Bildern aus unserem Fanblock untermalt wird und meiner Einer schön in Grossaufnahme zu sehen ist.

Gut, verlassen wir dieses mir sichtlich unangenehme Thema und widmen uns den anderen Geschehnissen des Tages.

Unser erstes Spiel sollte gegen den Lübecker VfB gehen. Diese hatten auch heute gerade mal eine Hand voll Fans mitgebracht. Die Braunschweiger hingegen hatten beschlossen heute überhaupt nicht zu erscheinen. Warum dies sich so entwickelte, ist mir nicht klar. Ich finde es komisch an einem Donnerstag noch mit einer ordentlichen Horde anzureisen um dann am nächsten Tag überhaupt nicht mehr in der Halle präsent zu sein.

Wie dem auch sei, das Spiel gegen Lübeck ging verloren und dieser Fakt ärgert mich jetzt immer noch! Es kann jedes Spiel bei einem solchen dämlichen Hallenturnier verloren gehen, aber die Spiele gegen die lokalen Konkurrenten und insbesondere gegen Lübeck sollten bitte gewonnen werden.

Einschub: Dieser Bericht ist nun auch schon ca. 10 Tage alt und hat bei mir geschlummert, da ich schlichtweg keine Zeit zur Fertigstellung gefunden habe. Ich stelle ihn nun fertig und ergänze ihn um neue Aspekte, aber er war schlichtweg zu lang um ihn einfach so unter den Tisch fallen zu lassen. So genug des "schlichtwegs" weiter geht es im Text.

Der Rest des Hallenturnieres ist aber auch schnell erzählt, St. Pauli kämpfte sich grossartig ins Finale vor und verlor dort unglücklich gegen die überragende kroatische Mannschaft.

Endlich wieder Freiluftfussball

...hiess es dann gestern abend. Und da unsere erste Mannschaft noch auf Kuba weilt (dazu unten mehr), musste ein Testspiel der zweiten Mannschaft herhalten um diese Sucht nach Männern in kurzen Hosen auf grünen Rasen zu befriedigen. So machte ich mich gestern nach der Arbeit auf zum Brummerskamp um dort das Testspiel der zweiten gegen Halstenbek Rellingen zu besuchen. Nach einigen abenteuerlichen Verfahraktionen (ich sage jetzt lieber nicht, wo ich überall in Hamburg war), traf ich kurz vor der angegebenen Spielzeit von 18:30 in der Nähe des Brummerskamp ein. Dort traf man dann auf den grössten Teil der absolut Verrückten (wir sprechen hier über insgesamt sechs Leute, die nix mit den Spielern zu tun hatten). Da wir zwar in der Nähe, aber noch lange nicht wirklich da waren, machten wir uns auf der Suche nach dem Platz. Diese gestaltete sich als etwas schwierig, da sich dort doch einige Sackgassen und Einbahnstrassen in unvorteilhafter Weise häufen. Aber immerhin konnte noch ein Kiosk gefunden werden, so dass die Versorgung mit Jahrgangscola und Jahrgangsflens gedeckt war.

Das Spiel fand auf dem Kunstrasenplatz statt. Mein erster Besuch am Brummerskamp und man muss sagen, alter Schwede, die Anlage sieht wirklich gut aus. Ich kann verstehen, warum man diese Anlage dringend halten möchte. Jedoch bleibe ich nach diesem Eindruck bei meiner Frage, ob ein Kunstrasenplatz, ein "echter" Platz und ein kleiner Platz ausreichen um wirklich alle Mannschaften darauf trainieren zu lassen. Dies gilt umso mehr, als das sich der "echte" Platz in einem bitteren Zustand befindet.

Das Spiel erwärmte einen nicht wirklich, St. Pauli spielte auf ein Tor ohne wirklich gefährlich zu werden und HR stand die ganze Zeit hinten drin. Hauke spielte nach Jahren der Abstinenz auch mal wieder Fussball, fiel aber weder negativ noch positiv auf. Unterhaltsamer als der Kick in der ersten Halbzeit war da schon der Hund von Hossa und der Hund von Marc Nielsen. Insbesondere letztere fiel durch komische Laute auf, die wie Asma klangen (ich hoffe mal, dass der Hund keines hat, sonst wäre unser gelächter ganz schön bitter gewesen).

Gut auch Herr H. aus H. welcher versuchte die Klotür zu öffnen, daran scheiterte, den Hausmeister fragte, ob er einen Schlüssel hätte, dieser meinte, die Tür sei offen, Herr H. etwas von "klemmt die?" murmelte und dann merkte, dass er drücken und nicht ziehen muss.

In der Halbzeit hielt man sich dann mit Dosenkickern warm, musste aber immer darauf achten, dass Laika nicht ihrer Beschäftigung als Wadenbeisser nachgeht.

Wer glaubte das Spiel würde in der zweiten besser werden, sah sich getäuscht. Es fielen zwar noch drei Tore, aber davon zwei auf der falschen Seite, wobei das 1-0 für HR ein richtig schöner Bock des Torhüters war. Ansonsten war das Spiel schwach. Unterhaltsam war aber ein Spieler, der sich kurz zu uns gesellte und tief die Taktik des Trainers erklärte. Zitat "Beim ersten Testspiel hatte ich die sechs gespielt. Und da hat der Trainer gesagt, da hast du noch nicht genug Kondition für, da sind der und der und der und der weiter. Und dann hat er gesagt, dann spielst du halt die 10." Okay, so geht das also. Und ich dachte immer, da stehen stundenlanges Videotraining und nächtelanges Grübeln hinter. ;-)

Aus vorbei, Groundpoint gemacht und wie sagt man so schön? Misslungene Generalprobe, gelungene Premiere. Auf gut deutsch: Wir holen Punkte in Emden!

Nachrichten aus Kuba

Kann ich irgendwie gar nicht mehr lesen. Es tritt zumindest in den Medien das ein, was ich befürchtet habe. Das ganze wird als Spasstrip gesehen und der sportliche Aspekt bleibt vollkommen ausser acht. Ich würde mir wünschen, dass mein Verein keine Schlagzeilen a la "Schüleraustausch geplant" macht, sondern Schlagzeilen a la "Stürmer verpflichtet". Man sollte doch endlich mal bedenken, das wir ein dämlicher Fussballverein sind und unsere Aufgabe weder ist die Welt zu retten, noch irgendwelche kulturellen Mauern einzustürzen. Und ich habe das Gefühl, dass sich Herr Littmann vollkommen wohl bei dieser Medienshow fühlt. Hier kann er glänzen und bewegt doch nix. Und damit auch ja nix sportliches im Trainingslager bewirkt wird, hat man das verantwortliche Präsidiumsmitglied gleich zu Hause gelassen. Würde ja auch nur stören, wenn man über so etwas profanes wie Spielerverträge reden würde.

Und wenn ich heute auch noch in der Bildzeitung sehe, dass sich unser Präsident mit einem Hässler Trikot abbilden lässt und wir angeblich wirklich um Hässler buhlen, dann bekomm ich das kalte kotzen. Nix gegen Hässler, der ist menschlich - so sagt zumindest die gV und die muss es eigentlich wissen - ganz in Ordnung, aber er ist a. nicht mehr der jüngste und b. etwas teuer und das Geld wäre definitiv besser anzulegen. Aber es ist ja auch egal, ob man ihn dann wirklich verpflichtet, wenigstens hat man die Schlagzeile gehabt.

Ach wie würde ich mir wünschen, dass mein Verein sein Trainingslager auf Pellworm abhält und man einfach keine Schlagzeilen liest.

Nochwas ist mir sauer aufgestossen: Wenn in den Kurzmitteilungen des Abendblattes Frank Fechner auf einen Geldgeber hofft, vielleicht aus dem "arabischen Raum" dann finde ich das latent rassistisch. Das ist so wieder die Idee von dem Scheich, der nix besseres zu tun hat, als sein Geld irgendwo hinzuwerfen. Sorry, für mich sind das Vorurteile, die vielleicht in Einzelpersonen bestätigt worden sind, aber garantiert nicht für die Mehrheit gelten.

Und dann war da noch...

.... di Canio, welcher mit dem Hitlergruss (oder dem römischen Gruss) den Derbysieg mit den Laziofans feiert. Mal ganz ehrlich: das wundert bei diesem Spieler absolut nicht. Er kommt aus der Lazio Fanszene und hatte sich schon mehrfach bedenklich geäussert.

... der Schiedsrichter, welcher uns verpfiffen hat um Wetten zu gewinnen. Nein, ich denke nicht, dass uns eine Spielwiederholung gegen Osnabrück irgendetwas bringen würde, aber sollten sich die Vowürfe bestätigen, so wäre dies mehr als bitter. Umso unverständlicher ist es, dass in den Regeln des DFB kein ausdrückliches Wettverbot für Schiedsrichter geregelt ist. Die Ausrede, es handele sich um eine Selbstverständlichkeit ist mehr als schwach. Da hat auch der DFB absolut gepennt.

... die WM Karten. BAFF hat immer gewarnt, niemand hat BAFF ernst genommen, nun kommt es, wie es kommen musste. Die Karten gehen an Sponsoren, VIPs und andere Leute mit Beziehungen. Nur Fans haben keine Chancen auf Karten. Naja, auf un