Norbert regt sich auf vom 16.2.2005

 

über

London took all my money oder Steuer nahm alles Geld vom FC St. Pauli.

Vorwort

Ihr erwartet einen Bericht über das Abschiedsspiel? Oder über das Heimspiel der Zweiten gegen Emden? Kann ich leider nicht mit dienen, da ich mich in London befand, um den AFC Wimbledon zu besuchen. Aber darüber bekommt ihr natürlich alle Eindrücke geschildert

Tag Eins oder "Bus is full"

Ryanair heisst die Alternative, wenn man zu Spottpreisen nach London fliegen will. Dank Petruschka, unserer Reiseleiterin, konnten wir die Flüge billiger bekommen als eine Fahrt mit dem Bus nach München. Wie dieses Geschäftsmodell funktionieren soll, kann ich euch nicht erklären und es geht wahrscheinlich auch nur so lange gut, bis diese Flugzeuge mal schwer in Reperatur müssen. Ein kleiner Haken des Geschäftsmodelles ist jedoch, dass man ab Lübeck Blankensee fliegen muss. Da ich noch in Kiel arbeiten musste, konnte ich mein TöffTöff erstmal von Kiel nach Lübeck bewegen, was eine wirklich spannende, gut ausgebaute und wirklich einfach zu befahrende Strecke ist. Der einfachste und beste Weg ist es, über Plön und Eutin zu fahren. Nur leider handelt es sich bei dieser Strecke nicht gerade um eine gut ausgebaute Straße, sondern über eine relativ enge Landstrasse. Und da anscheinend in Deutschland die meisten Autofahrer eine Liebe zu ihrem Einheitstempo pflegen (egal, welche Geschwindigkeitsbegrenzung vorhanden ist, ob innerorts oder ausserorts, ich fahre überall 65), kommt man nicht wirklich voran. So hatte ich schon Angst viel zu spät zu kommen, aber meine beiden Reisebegleiterinnen waren auch noch unterwegs.

Interessant ist, wie die Lübecker meinen einen zum Flughafen Blankensee leiten zu müssen, wenn man denn meint, mit dem Auto kommen zu wollen. Aus Richtung Norden kommend ist der Flughafen zum ersten Mal beim Kreuz Lübeck ausgeschildert, sprich man wechselt auf die A 20. In diesem Moment bin ich jedoch schon einmal an Lübeck vorbei gefahren. In Lübeck Genin wird man dann von der A 20 heruntergeleitet und in Richtung Innenstadt. "Gut" denk ich bei mir, dann muss der Flughafen hier ja bald schon sein. Falsch gedacht! Man wird nahezu wieder bis zu der Innenstadt Insel geleitet, kann die Kirchtürme schon sehen, als man wieder raus aus der Stadt geleitet wird. Nix gegen eine Stadtrundfahrt, aber nicht, wenn ich schnell zum Flughafen will. Gerade wenn man dann merkt, dass es aus Richtung Norden kommend deutlich besser gewesen wäre über den Herrendamm (heisst der so?) hinten rum nach Lübeck reinzufahren. Denn soweit kenn ich mich in Lübeck dann doch aus, um zu wissen, dass dies kürzer wäre.

Gut, irgendwann tauchte dann der riesige Flughafen (Achtung Ironie!) aus dem Nichts auf und ich konnte einen Parkplatz direkt vor der Tür erobern. Grossartig! Das ist natürlich wieder der Vorteil eines Provinzflughafens. Du parkst direkt vor der Tür und der Spass kostet mal eben 4 Euro pro Tag.

Nur meine Begleiterinnen waren immer noch nicht da... Dies lag daran, dass ihr Bus, welcher eigentlich um 16 Uhr ab ZOB Hamburg fahren sollte, vollkommen überfüllt war, so dass noch ein zweiter Bus gerufen wurde, um die Leute nach Lübeck zu verfrachten.

Wirklich gross ist der Flughafen Lübeck nicht. Drei Schalter für Ryanair und das ist es. Die Kneipe gegenüber heisst auch noch "Zum Bruchpiloten" und mehr ist da nicht. Gut, wir checken uns ein, wobei Ryanair keine numerierten Sitzplätze auf seinen Flügen vergibt. Angeblich freie Platzwahl, wobei aber die Tickets fortlaufend nummeriert sind und man in Gruppen einsteigen soll. Und wie qualifiziert man sich für eine vordere Gruppe? Egal, wir haben eine nette Dreierreihe gefunden und konnten uns auf einen schönen Flug freuen.

Feststellen musste man, dass das Personal keine andere Sprache als Englisch spricht. Kurze Zeit später flogen wir dann los und während wir noch diskutierten, ob Flugzeuge denn nun für Starts und Landungen gemacht sind, erhoben wir uns auch schon in die Luft. Okay, vorher wurde mir noch kurz die Hand aufgrund von Flugangst gebrochen, aber dann konnten wir entspannt gen London fliegen. Einen ereignislosen Flug später befanden wir uns in Stansted. Hier mussten wir nun einen Bus nach London Innenstadt erwischen und hatten diesen auch relativ schnell gefunden. Auch unser Gepäck verschwand relativ schnell in dem Bus von einem jungen Mann dort verstaut, und wir stellten uns in die lange Reihe der Wartenden. Nur als wir dann endlich mit Einsteigen dran waren, hiess es "Bus is full" und mit einer eher abfälligen Handbewegung deutete uns der junge Mann, dass wir doch bitte unsere Koffer wieder aus dem Bus nehmen sollten. Hilfe konnte man dafür nicht erwarten und im absolut Dunkeln erwischte ich erstmal den falschen Koffer und musste nochmal zugreifen.

So durften wir noch eine halbe Stunde warten und das auch noch in absolut miesem Wetter, aber dann kam endlich ein Bus mit genügend Plätzen und wir konnten uns auf den Weg machen. Der Busfahrer erwies sich als Schumis kleiner Bruder. Da ist 50 ausgeschildert? Scheiss drauf, da kann man auch 90 fahren! Da kommt von rechts ein Auto? Egal, der ist kleiner als ich, also kann ich ihm auch den Weg abschneiden!

Gut, irgendwann waren wir da angekommen, wo wir hin wollten, und nahmen uns von dort ein Taxi. Ja, in die und die Strasse, da soll unser Hotel sein. Ja, ganz einfach, die ganze Strasse entlang gibt es nur Hotels...

Dank eines netten Taxifahrers hatten wir auch dieses gefunden und konnten unser Zimmer beziehen. Das Hotel war schon wieder so wie Hotels in London halt sind, wenn sie nicht gerade 100 Pfund die Nacht kosten. Eng, verwinkelt und leicht am Zerfallen. So fehlte im Teppich in unserem Zimmer ein grosses Stück, was aber nicht wirklich irgendjemanden interessierte. Egal, es gab ein Bett, es gab ein eigenes Klo und man wohnte zentral. Was will man mehr?

Den restlichen Abend verbrachte man noch mit einem kurzen spontanen Pubbesuch und dann war es auch Zeit zu schlafen.

Tag 2 / Sightseeing

Relativ früh klingelte wieder der Wecker und man machte sich auf, das "Full English Breakfast" zu geniessen. Und Leute, ich kann euch sagen: Ein echter Hammer! Schinken, Spiegeleier, Bohnen und das ganze wirklich so tief in Fett getaucht, dass der Teller nur so vor Fett schwamm. So muss es sein! Dazu gab es noch Toast und Marmelade, die natürlich auch unweigerlich dazu gehören.

So gestärkt konnte man sich dann in das wühligste Nahverkehrssystem Europas aufmachen, in die Londoner Tube. Ich glaube die Architektenauschreibung für eine U-Bahn Station enthält immer den Passus: "Die Übergänge zu einer anderen Bahnlinie und die Ausgänge müssen als Labyrinth-ähnliche Gänge konzepiert sein." Aber immerhin funktioniert das System und brachte uns zum vereinbarten Treffpunkt an der Tottenham Court Road. Einen besseren Treffpunkt hätten wir uns nicht ausdenken können, standen wir hier doch genau unter einer Plastik des wohl grössten Rocksängers des 20sten Jahrhunderts. (Nein, Orsen, nicht Angus Young...). Nur unsere Reiseleiterin lies sich doch etwas Zeit, so dass man erstmal die englischen Zeitungen und ihre Reaktion auf die Hochzeit von Charles durchgucken konnte. Schlagzeilen wie "Endlich die Frau, die er immer geliebt hat" oder "Was würde Diana sagen?" prägten das Bild. Nur die Financial Times titelte mit "Russen verhindern Investments".

Auch nachdem dieses erledigt war, war unsere Reiseleiterin immer noch nicht aufgetaucht. Ausreden wie dass wir viel zu früh waren oder dass die Northern Line unglaublich störanfällig ist, lassen wir hier definitiv nicht gelten ;-) Irgendso ein Securitytyp guckte auch schon ganz nervös, aber als wir dann anfingen normale Touristenfotos zu machen, entspannte er sich wieder.

Und dann erschien auch unsere Reiseleiterin, so dass wir diese Ecke verlassen konnten. Ziel war es, eine der grossen Attraktionen von London zu besuchen: das Grab von Karl Marx. So machten wir uns per Bus auf in Richtung Highgate. Busfahren in einem Doppeldecker hat was von einer wirklich schönen Stadtrundfahrt. Man sieht ganz viele normale Einkaufsstraßen, wie sie nahezu typisch für London sind. Fragen wie "woher kommen die ganzen Leute, wo gehen sie alle hin?" faszinierten uns während dieses Anblickes. Gestört wurde dieser meditative Moment nur durch einen Busfahrer, der wohl mit dem von Donnerstagabend verwandt war. Ich frage mich, wie häufig die Busunternehmen in dieser Stadt die Aussenspiegel der Busse erneuern müssen. Denn teilweise fehlten da mal gerade fünf Zentimeter für einen gehörigen Crash zwischen den Aussenspiegeln. Oder sind das alles solche Profis, dass das immer passt?

Ankunft in Highgate und wir mussten feststellen, dass unsere Tourplanung einen klitzekleinen Haken hat. Wir hatten nur einen relativ alten Reiseführer mit, welcher nur die absolute Innenstadt als Karte hatte. Zwar war der Friedhof dort beschrieben, aber nur mit dem Hinweis, dass man Archway aussteigen sollte und dann 15 Minuten zu Fuss gehen sollte. Und mit einem "O" hatte man gekennzeichnet, dass er ausserhalb des Kartenausschnittes liegt. Nur in welche Richtung man gehen sollte, war leider nicht angegeben. So fuhren wir in der Hoffnung auf einen Zufallstreffer noch ein bisschen mit dem Bus weiter, um dann anzufangen, Passanten zu fragen. Die schickten uns relativ gut in die richtige Richtung, so dass der nächste Stop zu einer Überraschung führte. Eingelegt wurde der Stop, um eine öffentliche Toilette zu besuchen. Mal ganz ehrlich: Wie kann es sein, dass hier eine öffentliche Toilette sauber und gut riechend ist, sogar Klopapier vorhanden war und dies bei uns nie der Fall ist? Zitat Petruschka: "Es hätte nur noch gefehlt, dass die uns das Klopapier auf goldenen Tabletts bringen." Gerade als ich diese göttliche Anstalt verlasse, bleibt mein Blick an einem Aushang vor dem Eingang hängen. Und siehe da, auf diesem befand sich ein Stadtteilplan. Und wir standen direkt auf einem Platz, von dem die Strasse Richtung Friedhof abging. Im Reiseführer stand weiterhin, dass man nur den östlichen Teil des Friedhofes besuchen dürfe und über den westlichen Teil nur Führungen angeboten würden.

Wir wollten aber auf den östlichen Teil und so konnten wir nach der Entrichtung des Eintrittsgeldes von einem Pfund und der Zahlung von einem Pfund für die Kamera den Friedhof betreten. Dieser wird nebenbei immer noch genutzt, was mich zu der Frage führt, ob ich eigentlich auch dann ein Pfund zahlen muss, wenn ich dort Verwandte habe.

Ihr wollt einen Horrorfilm mit lebenden Toten drehen? Dann dreht ihn in Highgate. Man hat die alten Grabsteine nicht vor dem Überwuchs mit Pflanzen bewahrt, sondern man hat sie einfach überwuchern lassen. Dies führt zu einem heillosen Chaos an Grabsteinen, die teilweise nicht mehr als Grabstein erkennbar sind. So kann man einige Bereiche überhaupt nicht mehr betreten, weil sie vollkommen von Pflanzen überwuchert sind. Karl Marx ist nebenbei nicht der einzige berühmte Mensch, der auf diesem Friedhof beerdigt ist, aber die meisten anderen sind eher englische Grössen, wie z.B. ehemalige Bürgermeister etc. Nur leider ist es wirklich schwer, die Gräber zu finden. Zwar gibt es einen Plan des Friedhofes, wo alle Gräber eingezeichnet sind, aber leider stehen diese so eng und sind so verrottet, dass man schnell die Orientierung verliert.

Gerade als ich die Hoffnung aufgegeben hatte noch irgendwas zu finden, nahm Knuffi die Sache in die Hand und führte uns soverän zu unserem Ziel. Und da Karl Marx auf diesem Friedhof das kleinste, unauffälligste und wirklich dezentralst gelegene Grab hat (Achtung Ironie!!!), konnten die Damen es dann doch relativ schnell finden. Nur war ich noch am fluchen und am suchen von Anhaltspunkten, als die beiden das schon lange gefunden hatten.

Das Grab ist wirklich beeindruckend und wir machten natürlich auch die üblichen Poserfotos. Irgendwann trieb uns dann aber der Hunger runter von dem Friedhof und wir begannen unsere Suche nach was Essbaren. Erstmal landeten wir in einer wirklich super hübschen Wohngegend, wo man mit Blick auf London in Häusern im Fachwerkstil wohnen kann. Wir alle wollten nicht wirklich wissen, was hier eigentlich ein Haus so kostet. Nachdem wir uns noch eine ganze Menge mehr Hunger angewandert hatten, entdeckten wir einen netten Pub, welcher draussen auch mit "Good Food" warb. So bestellten wir Getränke und wollten dann Essen bestellen, nur leider machte uns die defekte Küche einen Strich durch die Rechnung. So befanden wir uns mit unserem Bier und ohne was zu Essen in diesem Pub. Nicht wirklich gut, da man bei einem Pint auf nüchternem Magen doch gewisse Nebenwirkungen spürt. Okay, wir haben in Ruhe ausgetrunken und uns dann auf den Weg gemacht irgendwas essbares zu finden. Da wir in der näheren Umgebung des Pubs nicht fündig wurden, vertrauten wir uns mal wieder einem Bus an, fuhren einfach so lange in Richtung Innenstadt, bis irgendwo ein "Fish and Chips"-Zeichen erschien und stiegen aus. Der Fish and Chips-Laden war ein Erlebnis. Kein wirklich öffentliches Klo und wir die einzigen wirklichen Gäste. Dafür war das Essen exellent (wenn auch schon wieder tierisch fettig) und billig. Für 8 Pfund waren wir drei satt und konnten uns dann auf den Weg zurück in die Innenstadt machen.

Ziel waren die Docklands, eine Hochhausgegend, die unter Maggi Thatcher wie eine Art Denkmal für ihre Sicht der Dinge gebaut wurden. Altes East End weg und ein paar Wolkenkratzer (die jedoch nur deswegen an den Wolken kratzen, weil diese an diesem Tag so tief hingen) hin. Zwar stehen die Gebäude nun auch schon gut 15 Jahre und haben auch eine sehr interessante Architektur, aber irgendwie bleibt für mich immer dieser gewisse Beigeschmack. Wie lange ich nicht mehr in London war, zeigte sich daran, dass man früher noch zu Fuss unter der Themse hindurchgehen musste um nach Greenwich zu kommen. Heutzutage nimmt man die verlängerte Bahn und ist in kürzester Zeit drüben. Ein kurzer Besuch der Cutty Sark und der Entschluss, dem Nullmeridian keinen Besuch abzustatten, waren unsere nächsten Schritte. Wir rüsteten uns dann jedoch mit einem frischen "London A-Z" aus, welcher im Endeffekt ein Stadtplan ist, und konnten nun neue Abenteuer mit einer besseren Karte angehen.

Dieses neue Abenteuer fanden wir in Form einer Themse-Fähre, welche uns zurück in Richtung Innenstadt bringen sollte. Auf dieser hatte man dann schöne Ausblicke auf die ganzen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie z.B. die neue Tate Modern Gallery, welche in ein altes Kraftwerk gebaut wurde und die Bausubstanz des Kraftwerkes wirklich sehr schön nutzt. Aber auch Kuriositäten wie der grosse Glasdildo von Herrn Forster (ein Hochhaus, welches wirklich aussieht wie ein überdimensionaler Dildo) konnten begutachtet werden.

Wieder auf dem Festland angekommen, erinnerten wir uns an unsere diplomatischen Verpflichtungen. Denn für einen Besucher gehört es sich ja wohl, mal bei Toni und bei Lizzy vorbeizuschauen. Toni versteckt sich langsam hinter so vielen Absperrungen, dass man gar nix mehr sieht, da die Nr. 10 der Downing Street auch relativ weit hinten ist. Nur mit Mühe konnten wir Knuffi davon abhalten den Maschinengewehr tragenden Polizisten zu fragen, ob er sie mal reinlassen würde, um Fotos zu machen.

Die berühmten Horseguards hatten auch schon Feierabend, so dass nur noch ihre Kollegen zu Fuss dort hochwichtig patroullierten. Wen die auch immer mit ihren Säbeln in die Flucht schlagen wollen. Weiter ging es durch den Park in Richtung Lizzy. Neugierige Enten, Gänse und Squirrels mussten wir überzeugen, dass wir nix zu fressen für sie da hatten. Leider konnten wir aufgrund von fehlendem Bestechungsmaterial die Viecher auch nicht wirklich zu ein paar Starfotos überreden.

Lizzy war zwar zu Hause, winkte uns aber nicht noch mal gesondert zu. Das ist auch okay so, machten wir uns doch relativ schnell wieder aus dem Staub. Mit einem Taxi ging es zur nächsten Tubestation und von dort zur Station Angel. Bei dieser Station befindet sich eine Ansammlung von Pubs, wo wir uns mit L. und T., zwei englischen Freunden von Petruschka, treffen wollten.

Leider war der Pub, in dem wir uns treffen wollten, nicht wirklich als Pub zu erkennen, so dass wir doch eine ganze Zeit brauchten ihn zu finden. Aber danach entwickelte sich ein sehr netter Abend, welcher mit Bitter trinken (ich nahm jetzt das Bitter, was ich bisher noch nicht hatte) und danach mit super leckerem asiatischen Essen verbracht wurde. L. ist nebenbei St. Paulidauerkarteninhaber und damit wahrscheinlich der Mensch mit der zweitlängsten Anfahrt zu Spielen. Zumindest meinte er, dass Zürich wohl weiter ist. So konnte man gemeinsam in Erinnerungen schwelgen und sich über allen möglichen Fussball unterhalten.

Irgendwann war es dann aber Zeit, Kraft für Matchday zu sammeln.

Tag 3 oder "The queen talks so slow"-"That is because she is german"

Wimbledon spielt nicht wirklich in Wimbledon, sondern in einem Stadtteil daneben, welcher Kingston heisst. Egal wie man es sieht, es ist ein ziemlicher Weg von der Innenstadt dort raus. Und da ein Vorortzug nicht fuhr, den man eigentlich benutzt, wollten wir uns mit der Tube in die Richtung bewegen. Dafür wollten wir uns Earl's Court treffen, aber unsere Reiseführerin war doch etwas zu spät, da ihr Bus nicht wirklich sich voran bewegte. So hatten wir etwas Zeit und nutzen diese um erstmal bei Subways leckere Sandwiches zu essen. Da nimmt man schon bewusst einen Sandwich, welcher nicht als "Hot" gekennzeichnet war und dann beisst man mit seinem letzten Bissen in eine Peperoni. Danach war Flüssigkeit doch sehr knapp.

So konnten wir die Zeit überbrücken, bis unsere Reiseleiterin aufschlug und wir uns weiter Richtung Wimbledon bewegen. Bis zur Tubestation Wimbledon ging auch alles ohne Probleme und wir waren relativ früh. Den richtigen Bus fanden wir auch relativ schnell und dieser kam auch bald, ohne dass er auch nur einmal auf einer Anzeige erschien, die anzeigte, wann welche Busse kommen. War anscheinend ein Bus, der inkongnito fährt. Die Busfahrt dauerte relativ lange, da die Strasse doch sehr voll war, endete aber irgendwann perfekt vor dem Stadion.

Wir hatten noch eine Stunde, was bei einem St. Paulispiel sehr wenig sein würde, aber bei einem Spiel in der 8. englischen Liga war dies noch mehr als genügend Zeit. So gingen wir in einem Restaurant in der Nachbarschaft, welches passend "Fat Boys" genannt ist. Es gab English Breakfast mit allem drum und dran. Wie zum Teufel gibt es in diesem Land Menschen, die unter 200 kg wiegen?

Nach dem Essen hatten wir noch zwanzig Minuten bis zum Anpfiff, was vielleicht bei einem St. Paulispiel schon viel zu spät wäre, hier aber noch für einen Pint in der Stadiongaststätte reicht. Wobei die Gaststätte nicht hinter dem Eingang ist, sondern vor dem Eingang. Im Stadion ist in England Alkohol nicht erlaubt. So traf unsere Reiseleiterin viele bekannte Leute und wir bewunderten den St. Paulischal über dem Tresen.

Dann war es dann aber doch Zeit ins Stadion zu gehen. 8 Pfund kostete der Eintritt, was wohl selbst für englische Verhältnisse auf diesem Niveau teuer ist. Englische Fussballeingänge sind nebenbei nix für Leute, die Angst in engen Räumen haben. Der Eingang ist so schmal, dass ich gerade eben dadurch passe. Wohl gemerkt: seitlich gehend!

"The Fans Stadium - Kingsmeadow" heisst das Stadion von Wimbledon, welches dem Verein gehört, welches er sich aber mit dem örtlichen Verein Kingston teilt. Der Verein hat das Stadion gerade erst gekauft und hat dementsprechend auch noch erhebliche Schulden. Denn in London zahlt man auch für einen kleinen Fussballplatz mit vielleicht 4.500 Plätzen Unsummen.

Das Stadion hat drei Seiten Stehplätze von denen zwei überdacht sind. Dazu eine kleine Sitzplatztribüne. Gästefans würden theoretisch in dem unüberdachten Teil stehen, aber es waren keine Gästefans anwesend, war der Gegner doch letzte der Liga. Wir trafen D., welcher uns erzählte, dass er dem Stadionsprecher gesagt habe, er solle doch mal für die deutschen Gäste ein deutsches Lied spielen. Dass er nun gerade "Schnappi, das kleine Krokodil" dem DJ empfahl und dieser dies auch noch spielen musste, war nicht gerade zu unserer Begeisterung :-)

Das Spiel begann und es war von der ersten bis zur letzten Minuten ein Spiel auf ein Tor, nämlich das von Croydon (um mal den Namen des Gegners zu nennen). Insgesamt ging das Spiel 3-0 aus. Das Spiel hatte gutes Verbandsliganiveau und Wimbledon könnte mit der Mannschaft wohl auch in der Oberliga mithalten.

Der Support erinnert ziemlich an unsere Amateure. Mal Gesang, aber nicht wirklich 90 Minuten, und viel Gewitzel und viele böse Kommentare über gegnerische Spieler. Grossartig, dass viele eigene Spieler mit eigenen Anfeuerungen oder Gesängen unterstützt wurden. Lustig insbesondere die Anfeuerung für Andrew White, welcher lange dunkle Haare hat und deswegen "Jesus" gerufen wurde. Als er dann ein Tor machte (immerhin in seinem Heimdebüt für Wimbledon), spielte der Stadionsprecher wirklich als Tormelodie "Personal Jesus" von Depeche Mode, was mit grossem Gelächter auf den Rängen aufgenommen wurde.

Halbzeit, und es war Zeit, sich das Stadion mal genauer anzusehen. Die Essenstände hiessen hier "Tea Bar" und es wurde wirklich Tee ausgeschenkt. Grossartig war ein Typ, der mit einem Karton voller Tee mir entgegen kam. So wie bei St. Pauli jemand 10 Bier holt, holte hier jemand 10 Tee für seine Kumpels. Grossartig.

Das Stadionmagazin zeigt, dass es sich um einen Verein handelt, der von Fans gegründet und organisiert wurde, es wurde dort der Fans United Day in dem offiziellen Programm gross gehighlightet. Im Programm nebenbei auch der kleine aber deutliche Hinweis, dass rassistische oder schwulenfeindliche (!!!) Sprüche nicht erlaubt sind und zum Rausschmiss aus dem Stadion führen würden.

Wir wechselten nun hinter das andere Tor, wie es eigentlich die gesamte Kurvenbesatzung machte, spielte sich das Spiel doch eigentlich in einer Hälfte ab. Insgesamt guckten sich dieses Spiel 2.700 Zuschauer an, was ein Minusrekord für Wimbledon ist, was aber nur zu verständlich ist, wenn man bedenkt, dass hier der Erste in der Liga gegen den absolut Letzten spielte. Es ist nebenbei immer noch ca. dreimal so viel, wie bei den anderen Vereinen in dieser Liga. In der Liga spielt nebenbei auch das Team der Metropolitan Police. Was folgende Fragen aufwirft: Werden deren Fans auch von der Polizei schlecht behandelt? Haben sie auf dem Trikot das Wappen der Polizei, welches das Wappen der Queen ist?

Unsere Stimmung war dann doch etwas gedrückt, denn in der zweiten Halbzeit erreichten uns doch mehr und mehr Horrormeldungen über unseren Klub, welcher aber nicht jetzt hier Thema sein sollen, sondern erst weiter unten Thema sein sollen.

Nach dem Spiel fanden wir uns wieder im Klubheim wieder, wo wir fröhlich Pint vernichten spielten. Ein paar nette Gespräche später wurden wir von der Ehrung der Glückspielgewinner des heutigen Tages und des Spieler des Tages beiwohnen durften. So muss Fussball sein, die Spieler werden vor den Fans in der Kneipe geehrt und jeder kann noch mal einen langen Blick auf die Spieler werfen.

Es war Zeit zu gehen, und nun hatten wir ein klitzekleines Problem. Wir hatten eine ziemliche Tour mit dem Bus vor uns und wir hatten ziemlich viel Bier intus. So hatten wir einen Nothalt, bevor wir losfuhren, einen weiteren in Wimbledon Station und einen weiteren bei unserer Ankunft in Central London. Gerade der letzte zeigte, dass man auch mit einigen Jahren auf dem Buckel noch ohne weiteres den 100m Weltrekord brechen kann. Und dies in einer vollen Bahnstation.

Zwischendurch kam es noch zu der Behauptung von D., dass er nahezu alle Engländer nach ihrem Dialekt und ihrer Sprache in eine Gegend und einer Schulbildung zuordnen kann. Er meinte, er sei zu 75 % richtig. Knuffi meinte dann, man höre als Deutscher überwiegend Toni Blair und die Queen, und die Queen spreche so langsam. Tja, meinte D., dieses sei so, weil sie Deutsche sei.

Den Rest des Abends verbrachten wir noch in einem ziemlich netten Pub und dann hatten wir auch genug getrunken und gegessen.

Tag 4 oder Kann man einen Tag in Pubs verbringen?

Den Sonntag verbrachten wir trocken in Pubs. Grösstenteils um erst Man C. - Man U. zu gucken und um dann Six Nations zu gucken. Der Pub, den wir uns ausgesucht hatten, war erneut in Wimbledon und nicht wirklich eine Schönheit. Am Anfang roch es doch sehr deutlich nach Klostein, so dass wir unsere einzige Raucherin erstmal bitten mussten, deutlich viel zu rauchen. Wirklich voll war es nicht, so dass wir uns über den Barkeeper amüsieren konnten, welcher erhebliche Anzeichen von Alkoholgenuss zeigte. So hatten wir auch einen wundervollen Blick auf die Leinwand und konnten einen nie gefährdeten Sieg von Man United bewundern. L. war nicht wirklich begeistert, mochte er doch ManU nicht wirklich. Richtig ätzend wurden seine Kommentare dann aber beim Rugby. Aber ehrlich gesagt machte es so noch mehr Spass das Spiel zu gucken, welches jedoch von Frankreich gewonnen wurde. Naja, das hätte schon beinah schon wieder L. gefallen, denn er ist nicht wirklich Fan seiner eigenen Nation. Nur seine Vorherrsage, dass England ohne Versuch nur durch Strafkicks gewinnen würde, war falsch, England legte Versuche, aber Frankreich gewann ohne einen Versuch.

Nachdem wir genug Sport geguckt hatten, welchselten wir im Endeffekt nur den Pub und gingen in einen Pub in Camden. Dieser war nicht wirklich mein Cup of Tea, viel zu hipp und viel zu viele junge Leute. So nahmen wir noch eine kleine Mahlzeit zu uns und dann fuhren wir mit dem Bus nach Hause.

Tag 5 oder die letzten Reste müssen ausgegeben werden

Der letzte Tag brachte mal wieder zutage, dass England einfach nur teuer ist. So wollte man noch kurz die Westminster Abby besuchen, aber 8 Pfund Eintritt waren dann doch zuviel, so dass nur meine bessere Hälfte den Besuch wagte, mit einem Priester flirtete und vergeblich die Gräber von Lord Nelson suchte, welcher sich in der St. Pauls Cathedral, sowie die von Richard III, von dem es kein Grab gibt, und Henry VIII., der in Windsor Castle liegt. Also ein sehr erfolgreicher Besuch :-) Danach war unsere Zeit in London abgelaufen und es war Zeit, sich wieder Richtung Flughafen zu bewegen. Der Bus war diesmal nicht voll, wir kamen zwar langsam aber stetig voran, und so waren wir pünktlich am Flughafen. Der Rückflug war noch mal was für Adrenalin Junkies, da der Flieger beim Start doch erheblich wackelte, aber danach konnten wir ruhig nach Hause schweben.

Fazit

Es bleibt noch unserer Reiseleitung für eine perfekte Organisation und für viele nette Gesprächspartner zu danken. Irgendwann geht es wieder nach London.

Und was macht unser Verein in der Zwischenzeit?

Kommen wir erstmal zur positiven Meldung: Die Berufung von Frau Groeteke ist abgewiesen. Wie in dieser Kolumne schon mehrfach erwähnt, erfolgte die Kündigung vollkommen zu Recht und das Urteil ist dementsprechend vollkommen richtig. Zwar mag es vordergründig um eine relativ kleine Summe gehen, aber Untreue bleibt Untreue, und Untreue kann bei jeder Summe mit einer fristlosen Kündigung belegt werden. Man kann nur hoffen, dass Frau Groeteke nun zur Vernunft kommt, sich einen anderen Job sucht und endlich den Verein in Ruhe lässt. Sie kann doch nicht ernsthaft glauben, bei diesem Verein mal wieder angestellt zu werden.

Auch wenn der Posten des Geschäftsführers doch eigentlich mal wieder besetzt werden könnte...

Kommen wir also zum Negativen: Der FC St. Pauli hat angeblich 1 Mio Steuerschulden. Es soll sich um Umsatzsteuer für die Jahre 1996 - 1999 handeln und weiterhin um Umsatzsteuer aus dem Jahr 2002. Wobei letzteres darauf beruhen soll, dass eine Umsatzsteuervoranmeldung nicht oder nicht richtig abgegeben worden ist und die damals gemachte Festsetzung deutlich niedriger war als die eigentlich notwendige Festsetzung.

Soweit die Fakten. Kurze Atempause

Who is to blame? Würde der Engländer nun fragen.

Nun, für die Jahre 1996 bis 1999 ist das schwer zu beantworten. Dabei handelt es sich wohl um Feststellungen einer Betriebsprüfung, und dass dort mal eine Mehrsteuer festgesetzt wird, ist erstmal nichts ungewöhnliches. Genausowenig ungewöhnlich ist, dass man im komplizierten und echt nahezu unverständlichem Umsatzsteuerrecht mal einen Fehler macht und dieser nachträglich gefunden wird. Bedenket: Es ist immer einfacher nachher den Fehler zu finden als alles gleich von Anfang an richtig zu machen. Insofern würde ich für diese Summe grundsätzlich niemanden verantwortlich machen. Vielleicht könnte man seine Meinung ändern, wenn man im Detail wüsste, was die Betriebsprüfung aufgedeckt hat. Da dies uns aber niemand überliefert hat, sollte man sich hier mit einer Meinung zurückhalten.

Was jedoch schlimmer wirkt ist, dass man uns anscheinend nach Strich und Faden angelogen hat. Denn in der JHV 2004 war davon die Rede, dass eine Betriebsprüfung gerade stattfinden würde und beinah zu Ende sei, man ca. 200.000 Euro Nachsteuern erwarte und man für diese eine Rückstellung gebildet habe. Anscheinend war dies ja alles nicht wirklich so. Wenn eine Betriebsprüfung beinah zu Ende ist, dann ändert sich das Ergebnis nicht noch einmal um 180.000 Euro. Die Rückstellung scheint es auch nur auf dem Papier gegeben zu haben, denn sonst hätte man ja immerhin schon ca. die Hälfte der Forderung in der Bank gehabt.

Für das Jahr 2002 von einem "Versehen" auszugehen, halte ich für äusserst fragwürdig. Da es sich anscheinend genau um die Voranmeldungen handelt, welche die Monate betreffen, in denen der Verein seinen Hauptumsatz macht, bezweifele ich, dass so etwas unabsichtlich passiert. Und wenn doch, dann müsste es eigentlich gewissenhaften Buchführern und Geschäftsführern auffallen. Umsätze in einer Höhe von ca. 3,75 Mio (das ist der Umsatz, der eine Umsatzsteuer von ca. 600.000 Euro generiert) verschwinden nicht einfach so. Insbesondere, da unser Verein in dieser Saison (Zweitligaabstiegssaison) nur einen Gesamtumsatz von ca. 12 Millionen Euro hatte. Diese brutale Diskrepanz hätte spätestens bei der Bilanzerstellung auffallen müssen!

Hier sind also sowohl das Präsidium Koch als auch das Präsidium Littmann vollkommen verantwortlich. Koch, weil in seiner Zeit die Voranmeldungen fallen, Littmann, weil in seine Zeit die Jahressteuererklärung fällt. (Vielleicht zur Erklärung für Leute, die das System von Umsatzsteuer nicht kennen: man muss jeden Monat (Ausnahmen bestätigen hier die Regel) eine sog. Voranmeldung abgeben, in der man die Umsätze und die daraus resultierende Steuer meldet und diese dann an das Finanzamt abführt. Aus den jährlich 12 Voranmeldungen ergibt sich im besten Fall eine Jahreserklärung, welche mit der restlichen Steuererklärung (Einkommensteuer, Gewerbesteuer etc.) anzufertigen ist und abzugeben ist. Normalerweise werden in diesem Moment auch Fehler in den Voranmeldungen korrigiert, welche häufig passieren und dann eben erst bei den Bilanzarbeiten auffallen. Längste Frist für die Jahreserklärung ist Ende Februar des übernächsten Jahres, hier also der 29.2.2004 (Schaltjahr)). Gut, wenn man die Jahressteuererklärung mache, dann muss man dieser u.a. auch eine Gewinn und Verlustrechnung (GuV) beilegen. Der erste Punkt einer GuV ist "Umsatz", davon muss man nur 16 % nehmen und schon hat man ungefähr den Betrag, der in der Jahreserklärung als Umsatzsteuer auftauchen sollte. Das merkt selbst ein Theaterchef.) Okay, wenn ich den Sachverhalt richtig verstehe, ist für das Jahr 2002 wohl bisher gar keine Steuererklärung abgegeben worden. Dies ist dann ein absolutes Versäumnis des jetzigen Präsidiums.

Gut, laut Presse kommt es noch viel schlimmer. MDS Möhrle sind angeblich Tests verboten worden, es gab schon Hinweise durch einen Buchhalter, dass da was nicht in Ordnung ist. Wenn die Geschichte mit den Verboten stimmt, dann frag ich mich jedoch, warum Möhrle weiterhin sein Testat hergegeben und nicht das Mandat umgehend gekündigt hat.

Die Geschichte mit den Hinweisen glaube ich. Das wäre für die Blauäugigkeit dieses Präsidiums typisch. Was ich noch schlimmer finde: Auf der JHV 2004 war davon die Rede, dass man nun die Vergangenheit aufgearbeitet habe und man nun nicht mehr hinter jeder Tür eine neue Bombe erwarten müsse. Wie kann man sich so täuschen? Ich denke dies geht nur absichtlich oder zumindest grob fahrlässig. Kurz: Entweder ist unser Präsidium komplett unfähig oder es hat uns nach Strich und Faden belogen. Beides ist nicht gerade ein Grund, einem Präsidium weiterhin mit der Leitung des Vereines zu betrauen.

Kurz: Das Präsidium sollte zurücktreten oder muss abgewählt werden.

Ganz schwer zu beurteilen ist die Rolle des Aufsichtsrates. Es ist zumindest aus der Presse nicht wirklich zu erkennen, was der AR wusste und was nicht. Insbesondere darf man auch nicht vergessen, dass unser AR nicht alle einzelnen Tätigkeiten des Präsidiums überwachen kann bzw. muss. Nur nach dem oben genannten Punkten hätten auch die eigentlich nur einfach mal in die Bilanz gucken müssen.

Nächste Frage: Wie kommen wir aus der Scheisse wieder raus? Wenn mich jemand fragt, sollte man jetzt endlich mal einen klaren Schnitt machen. Diesen klaren Schnitt gibt es in zwei Möglichkeiten, die beide sehr schmerzhaft sind. Aber bevor ich diese skizziere, möchte ich kurz die Ausgangssituation klarstellen:

Es geistert das Wort Stundung durch die Presse. Kurz und bündig: Keine Chance! Es ist schlichtweg gesetzlich verboten, Umsatzsteuer zu stunden. Was man dazu aber auch sagen muss ist, dass damit nicht Ende der Fahnenstange ist. Wenn eine Stundung abgelehnt wird, dann gibt es immer noch die Möglichkeit einen Vollstreckungsaufschub zu gewähren. Hier sind die Möglichkeiten weiter, jedoch gilt dass man nachweisen muss, dass man zuverlässig ist und dass man ziemlich unverschuldet in diese Situation gekommen ist. Darüberhinaus darf u.a. der Anspruch durch den Aufschub nicht gefährden. Zuverlässig? Hey, wir können nicht einmal Raten bei unseren eigenen Abteilungen pünktlich begleichen und zahlen auch sonst keine Rate. Anspruch nicht gefährdet? Okay, ich denke dazu muss ich nichts sagen. Kurz: Mit viel gutem Willen vielleicht. Was man jedoch auch nicht vergessen darf: Wenn diese Sachen absichtlich erfolgt sind, dann sind wir im Bereich einer Straftat und dann ist auch mit Vollstreckungsaufschub zappenduster. Hinzu kommt noch folgendes: Pro Monat entsteht gesetzlich ein Säumniszuschlag von 1 %. D.h. pro Monat kommen bei einer Million Euro Schulden 10.000 Euro Säumniszuschlag hinzu. Eine Summe, die wir auch nicht gerade so ohne weiteres aufbringen können. (Für die Profis unter euch, das ist jetzt die steuerlich vollkommen verkürzte Version. Ich will euch nicht zu doll langweilen.)

Welche Lösungen gibt es nun also? 1. Insolvenz und Neuanfang in der Oberliga bzw. Kreisklasse. Aus meiner Sicht die klarste, sinnigste und beste Lösung. Es müsste dann versucht werden, den Verein wieder auf eine finanzielle Basis zu stellen. Klar ist dann nur, dass man sich grosse sportliche Abenteuer oder Träume für das nächste Jahrzehnt abschminken kann. 2. Durchwursteln: Sollte man die Lücken ohne Insolvenz schliessen können (und dazu gehören auch die angeblich 1 Millionen an Rechnungen, die sonst nicht bezahlt sind), dann müsste danach endlich dafür gesorgt werden, dass nicht immer wieder irgendwo neue Lücken entstehen und das heisst, dass man endlich einen strikten Sparkurs fährt. Und dieses heisst, dass der Etat für die Mannschaft deutlich (!!!) verringert wird. Fakt ist einfach, dass es nicht sein kann, dass man auf der einen Seite überall Löcher hat und auf der anderen Seite extrem teure Spieler wie Dinzey verpflichtet bzw. verlängert (Hollerieth). Klar ist aber auch, dass sich auch in einer solchen Situation sportliche Träume vollkommen verbieten. Was uns fehlt um in der dritten Liga mitzuspielen ist ein Mäzen, der bereit ist privates Geld in den Verein zu pumpen und diese Geld wirklich im Verein zu verlieren. Einen solchen sehe ich zur Zeit nicht.

Was nicht geht ist, dass