Norbert regt sich auf vom 26.2.2005

 

über

Neurotische Hasen, Kümmerlinge im richtigen Moment und fehlende Finger oder ARIFI!

Sag mal...

.. Stefan, ich will meine Tickets für die Rückrunde abholen." "Klar, kein Problem, macht XY Euro." "Wo müssen wir eigentlich hin?" "Ach, Norbert, das ist eigentlich kein Problem, du kommst einfach zum Bus und wir sagen dir dann, wo wir hin müssen." "Perfekt".

Naja, ein paar Wochen später fand man sich dann im Bus nach Osnabrück wieder. Oha, die Busbesatzung liess wieder eine grosse Fahrt versprechen. Wie meinte ein hier nicht namentlich genannter? "Das ist der kuttigste Bus, den wir jemals hatten." Naja, aufgrund gewisser Leute musste man gegen seine Gewohnheiten relativ weit hinten sitzen und musste die ärmsten in Hollenstedt Einsteigenden vorne alleine lassen. Immerhin hatte ich für meinen Freund und Kupferstecher Moritz einen Platz freihalten können.

Unterhalten wurden wir jedoch von den beiden Damen, welche hinter uns Platz genommen hatten. Frau H. berichtete über ihren neurotischen Exhasen (äh, Kaninchen), welcher sie bei einer Scheinschwangerschaft durch die Wohnung jagte (Zitat: "Man konnte sich nur auf das Sofa retten"). Aber Details zu den Sätzen "Gut, sie schläft gerade" - "Wollt ihr auch einen Kümmerling?" verschweige ich hier lieber aus Gründen der Pietät. Aber wir hatten unseren Spass. Auch bei der Raststätte, welche ohne Witz Scheibenwischmittel in der Geruchsvariation "Wildberry" verkaufte. Was dies auch immer sein soll.

Was passierte noch auf der Hinfahrt? Eigentlich nix. Selbst diese Busbesatzung schaffte auf dieser Tour nur eine Pinkelpause ausser Hollenstedt. Auch der Versuch, Paulchen zu Wetten zu überreden, die ihm seine Haarpracht gekostet hätten, klappte nicht. So widmete man sich dem entspannten Trinken (ich Cola, der Rest Cider) und dem lockeren Chillen. Erstaunlich war die Musik, spielte doch ohne Gemeckere eine "Placebo"-CD. Ups, gute Musik? Und das in einem Fanladenbus? Bin ich gar nicht gewohnt.

Kurz vor Osnabrück erreichten uns dann langsam die Horrormeldungen aus Osnabrück, Festnahmen wegen Fotos und eine äusserst nervöse Polizei. Gut, im Endeffekt stellte sich heraus, dass es sich nur um eine Personalienaufnahme handelte, aber diese erfolgte wirklich aufgrund des Fotografierens von Polizisten. So wurde unser Kuttenbus zwar auch von einer vollkommen unfreundlichen Polizei begrüsst, aber insgesamt liess man uns in Ruhe. D.B. entwickelte spontane und laute Heimatgefühle, als er die Pferdestaffel sah. Nun ja, Moritz und ich beschlossen, schnell Richtung Stadion zu gehen. Lustig in diesem Zusammenhang ist, dass man zwar von einer riesigen Polizeikette begrüsst wird, aber dann zu zweit ohne irgendwelche Beachtung durch die Polizei aufbrechen kann. Dass dies auch anders geht, erzählten Schädel und Sandra, welche aufgrund eines offenen Schnürsenkels von ihrer sozialen Bezugsgruppe getrennt wurden und dann zu zweit von vier Kampfpolizisten bewacht ihren weiteren Weg fortsetzen durften. Lag dies daran, dass sich Schädels Gefährlichkeit in Niedersachsen rumgesprochen hat, oder lag es daran, dass sie aus dem "bösen" Bus stammten?

Vor dem Stadion musste man sich wirklich fragen, ob Georg W. Bush das Spiel besuchte, oder ob die Polizei einfach nur so und ohne Anlass übertreibt. Auf jeden Gästefan kam mindestens ein halber Polizist. So beschloss ich aufgrund dieser ungemütlichen Situation schnell ins Stadion zu gehen, aber nicht ohne vorher Frau Springmaus zu begrüssen. Diese hatte den weiten Weg per Zug angetreten und fragte nun, was sie machen müsse, um nach dem Spiel durch die Polizeikette zu ihrem Schliessfach zu kommen. Insbesondere fragte sie, welchen Paragraphen sie denn der Polizei nennen müsse. Die Antwort "da gibt es keinen" befriedigte sie nicht wirklich.

Osnabrück hat immer noch eines der wirklich schönen Stadien in Deutschland. Eng, klein, laut und zu dreiviertel überdacht. Warum das Stadion nun nicht mehr Bremer Brücke heisst, sondern sich nun einen lächerlichen Sponsornamen gegeben hat, kann man wohl nur mit Kommerz erklären. Nicht so schön sind gewisse Details im Gästeblock. So hat der gesamte Gästeblock nur einen kleinen Eingang für ca. 2.000 Leute. Auch nicht schön ist, dass sich in dem Gästeblock kein Klo befindet, da sich diese in einem abgesperrten Block neben dem Gästeblock befindet. Im Gästeblock finden sich dafür sage und schreibe sechs Dixiklos. Genauso unsinnig ist, dass der Gästeblock durch einen Zaun in einen kleinen und einen grossen Teil geteilt wird und sich längs auf halber Höhe noch ein Zaun befindet, so dass die gesamten oben stehenden Leute über einen kleinen Durchgang gehen müssen. Diese ganzen Punkte führen dazu, dass es in dem Eingangsbereich zu einem grossen Gedrängel kommt, während auf der anderen Seite und oben alles frei bleibt.

Dieser kleine und enge Block führt natürlich auf der anderen Seite zu wirklich guter Stimmung im Block. So ging 90 Minuten wirklich einiges. Vorher gab es bei uns jedoch noch viele Fahnen und einige Wurfrollen zu bewundern, während auf Osnabrücker Seite eine grosse Filmklappe hochgezogen wurde, welche mit Konfetti untermalt wurde. Sah alles sehr gut aus.

Kommen wir nun also zum Spiel. Anpfiff, Angriff, Foul, vielleicht vor dem Strafraum? Naja, ich hätte eher gesagt, dass es vor dem Strafraum war, aber das Gespann war anderer Meinung, und so gab es Elfmeter. Bounua kannte die Regel mit gefoulten und selber schiessen nicht und verwandelte sicher. Grosser Jubel im Block und danach war natürlich der Bär am steppen. Nur leider vergass unsere Mannschaft, dass man auch mit einer Führung im Rücken weiter spielen kann und liess sich von Osnabrück absolut hinten rein drängen. Es ist leider so, dass in solchen Situationen bei uns vollkommen die Ordnung verloren geht, die Mannschaft plötzlich mit 10 Mann hinten auf einer Linie steht und so auch nicht wirklich Entlastungsangriffe fahren kann. Hier ist dringend der Trainer gefragt, denn nicht jede Mannschaft geht so schwach mit ihren Chancen um wie Osnabrück. Auch offenbarten sich im Rückwärtsgang erhebliche Zweikampfschwächen. Wirklich dagegen hielten Ralle und Mayer, welche wirklich wie die Tiere kämpften. Gerade Mayer möchte ich herausheben, da er wieder kämpferisches Vorbild war und wirklich absolut Kopf dieser Mannschaft ist. Zwar gelingt ihm wirklich nicht alles, aber alleine vom läuferischen und kämpferischen sollte man ihm dringend einen neuen Vertrag geben.

Irgendwann war der Ausgleich überfällig und fiel dann auch, insbesondere da erneut ein Osnabrücker vollkommen unbedrängt sich den Ball vorlegen konnte und schön ins lange Eck schlenzen konnte. Osnabrück machte nach dem Ausgleich einen Fehler, welcher eigentlich sehr typisch für unseren Verein ist. Sie spielten nämlich nicht weiter druckvoll, so dass die Zeit bis zur Halbzeit ohne weitere Chancen verging.

Die zweite Halbzeit begann erneut mit einem Sturmlauf von Osnabrück, wobei insbesondere unsere linke Abwehrseite vollkommen überfordert war. Insbesondere Arifi war mit seinem Gegenspieler vollkommen überfordert. Hey, es kann nicht sein, dass ein Abwehrspieler unseren Stürmer die ganze Zeit in die Abwehr drängt. Da muss man sich wehren, muss man den beschäftigen und kämpfen. Letzteres versuchte Arifi, aber trotzdem war vollkommen überfordert. Folgerichtig entwickelte sich aus einem Arififehler und einem anschliessenden Ralle-Bock das 1-2. Mann, waren wir am pöbeln. Immerhin machte Arifi seinen Fehler ein paar Sekunden später mit einem wunderschönen Tor wieder wett. Danach war sein Arbeitstag beendet und Akbel versuchte sein Glück.

Osnabrücks Druck reichte nur für 80 Minuten und nachdem noch ein Osnabrücker gelb-rot sah, spielten die letzten 10 Minuten eigentlich nur noch unsere Helden. Leider fiel trotz grosser Chancen nicht noch ein 3-2 für uns. Mayer und Wojcik vergaben leider noch beste Chancen. Insgesamt ein gerechtes Unentschieden, was vom Block entsprechend gefeiert wurde.

Nach dem Spiel kam es beim Jubeln leider zu sehr unschönen Szenen. Ein St. Paulianer stieg auf den Zaun, blieb beim Absteigen mit einem Ring hängen und trennte so seinen Finger von der Hand ab. Dazu folgende Anmerkungen: Leute, warum müsst ihr auch immer auf diese verfluchten Zäune klettern? Und wie kann es sein, dass diese messerscharfen Zaunkronen immer noch erlaubt sind? Eine Übersteigsicherheit könnte man auch mit anderen Mitteln erreichen.

Vor dem Stadion kam es zu den nächsten unschönen Szenen. Da stehen so vier St. Pauli Halbstarke und brüllen so ein Schwachsinn wie "Kniet nieder ihr Bauern, St. Pauli kommt." oder "Ihr Stricher". Mal ehrlich: Personen sind von Gesicht bekannt und wenn das so weiter geht, dann gibt es mal eine deutliche Ansage. Nur leider sind diese Personen immer so vollkommen betrunken, dass sie dies sowieso nicht kapieren werden. Aber insgesamt hat so eine dumpfe Provokation absolut nix bei uns zu suchen.

Wenn wir schon bei dumpfer Provokation sind, dann können wir uns gleich der Polizei zuwenden, welche ähnlich handelte. Neben uns stand der "böse" Bus, so dass beide Busse von ca. 15 Kampfpolizisten bewacht wurden. Als nun die Besatzung des "bösen" Busses einstieg, kam es zu einem kleinen Austausch von - wahrscheinlich - beleidigenden Worten zwischen einem Busmitfahrer und der Polizei. Zwischen diesem und der Polizei stand noch mit dem Rücken zur Polizei der Organisator des Busses. Nun meinte ein Polizist nun unbedingt zu dem Typen hinzugehen und rannte dabei mit Schwung den Organisator des Busses über den Haufen. Dies äusserst brutal und aggressiv. Danach nahm er nicht etwa die Personalien auf oder versuchte den Pöbelnden zur Rede zu stellen, nein er zog sich zurück in der Hoffnung, dass seine Provokation Wirkung zeigt. Glücklicherweise reagierte der Busorganisator vollkommen gelassen, so dass die Massenschlägerei ausblieb. Als Polizist darf so etwas nicht passieren. Gewalt darf dieser auch nur anwenden um sich zu wehren oder um Festnahmen oder Ingewahrsamnahmen durchzuführen. Reine Provokation ist einem Polizisten nicht erlaubt! Daher ist seine Aktion definitiv als Körperverletzung zu werten, insbesondere da auch noch ein unbeteiligter Dritter getroffen wurde. Ich weiss selber, dass es nicht immer einfach ist, auf Beleidigungen etc. nicht zu reagieren, aber ich erwarte von einem Polizisten, dass er deeskalierend vorgeht und so etwas lieber überhört.

Natürlich - und dies ist der eigentliche Skandal - wurde er nicht von seinem Vorgesetzen zurechtgewiesen, vielmehr feixte sich die gesamte Polizeigang in Halbstarkenmanier einen. So muss die Polizei nicht glauben, dass man Vertrauen und Ruhe in Stadien bringt. Da werden Straftaten provoziert um sich selbst zu rechtfertigen.

Gut, irgendwann ging es dann zurück. Martini und Heiko wetteiferten darüber, wer als erstes kotzt aufgrund des Erlebten beim Fingerabriss, aber mit gutem Zureden konnten beide davon abgehalten werden irgendwelche Schweinereien zu begehen. Und dies, obwohl der Brandy für Heiko nicht zu bekommen war.

Nun befinden wir uns auf der Rückfahrt, welche durch laute Musik, ruhige Leute und viel Gelaber geprägt ist. Ein in Rekordzeit gegessenes Schnitzel füllte das Loch in meinem Magen, wobei es sich dabei um das teuerste Schnitzel ever handelte, kostete das ganze doch mal eben 9,70 Euro!!!

In Hamburg angekommen drücken die Ereignisse des Tages irgendwie auf die Stimmung, so dass ich mich früh aus dem Jolly nach Hause machte und eine Verabredung brechen musste, aber irgendwie ging es halt nicht.

Noch ein paar deutliche Worte: Wer Frauen bespuckt, als Nazischlampe oder überhaupt als Schlampe beschimpft oder sich anders an Frauen vergeht, der hat aus meiner Sicht in dieser Szene nichts suchen, sollte sich mal ernsthaft fragen, ob er so super toll links ist oder ob er nicht einfach ein dämlicher Chauvi. Ganz ehrlich: Liebe ist ein seltsames Spiel und NIEMANDEN sollte man alleine darüber beurteilen, mit wem man zusammen ist. Klar verstanden? Wenn ihr Leute bespucken wollt oder irgendwie anders beleidigen wollt, dann sucht euch jemanden, der eure