Norbert regt sich auf vom 6.3.2005
über
Hättest du geschwiegen, wärst du Präsident geblieben
Okay, ich versuche sachlich zu bleiben. Ich möchte nicht, dass mir irgendjemand vorwirft, ich würde diesen Präsidenten nur aus Prinzip ablehnen. Aber dem ist nicht so. Ich will auch gar nicht auf andere Aussagen von ihm kommen, sondern nur kommentieren, was unser Präsident bei Rasant (HH 1) so zum besten gegeben hat.
Fakt ist: Wir haben Aussenstände von ca. 1,6 Millionen Euro. Davon sind ca. 1 Million Steuerschulden und ca. 600.000 andere Schulden. Wobei die Zahlen variieren. Die Steuerschulden sind nun langfristig gestundet, müssen aber immer noch zurückgezahlt werden. Wann und wie die anderen Verbindlichkeiten zurückzuzahlen sind, ist mir nicht klar. Wir haben als Gesamtverein vielleicht einen jährlichen Umsatz von ca. 5 Millionen Euro. D.h. wir sind grob mit 20 % unseres Umsatzes verschuldet. Gewinn machen wir nicht, sondern wir machen pro Jahr 250.000 bis 500.000 Jahr Verlust (verharmlosend "Unterdeckung" genannt). Irgendwelches Tafelsilber haben wir nicht. Die Marketingrechte sind im Endeffekt verkauft und an Immobilien besitzen wir ein Jugendhaus im Wert von vielleicht 300.000 Euro. Mehr haben wir nicht.
Der Lokalrivale mag irgendwas über 100 Millionen Verbindlichkeiten haben. Dies mag verglichen auf den Umsatz mehr sein, aber das grosse "aber" kommt gleich..
Zitat Littmann (laut Abendblatt): "Der FC St. Pauli ist im Vergleich zum HSV ein überaus wirtschaftlich gesunder Verein. Der [...] hat wesentlich mehr Schulden als wir."
Der letzte Satz ist richtig. Wenn man einfach nur die absolute Zahl nimmt, dann hat der Lokalrivale wirklich mehr Schulden als wir. Mehr Schulden als wir haben z.B. auch Microsoft, die Deutsche Bank, die Allianzversicherung und garantiert auch Beiersdorf.
Kurz: Die Schlussfolgerung im ersten Satz ist schlichtweg Unsinn und zeigt, dass Herr Littmann von Wirtschaft und wirtschaftlicher Gesundheit keine Ahnung hat. Was nun ist der Unterschied: 1. Der Lokalrivale hat seine Schulden aufgrund einer Investition in ein neues Stadion. Diese Schulden sind längerfristig zurückzuzahlen, wobei dies von Anfang an so geplant war. Der Lokalrivale ist bisher noch nie mit einer Rückzahlungsrate in Verzögerung gekommen. Sprich: Seine Schulden sind für eine Investition getätigt worden und sind somit zukunftsgerichtet. Unsere Schulden sind Schulden beim Finanzamt und bei irgendwelchen Lieferanten. Sie sind bei Fälligkeit nicht bezahlt worden, sprich anders als beim Lokalrivalen kann unser Verein eben nicht pünktlich zahlen. Die Schulden sind auch nicht Folgen von geplanten Investitionen, sondern davon, dass wir regelmässig mehr ausgeben als einnehmen.
Wirtschaftlich gesund ist aber derjenige, der seine Ausgaben planen kann und nicht der, der alle naslang Löcher stopfen muss.
Insofern ist der Satz halt unsinnig. Und jetzt zur Taktik: Wenn ich so eine Aussage mache, die - zumindest - gewagt ist, dann mach ich sie jeden anderen Moment, nur ich mache sie nicht vor einem Spiel gegen eben diesen Verein. So hetze ich diesen nur auf und mache mir eigentlich nur Feinde.
Noch erschreckender ist, dass unser Präsident mal wieder versucht, von unseren Problemen abzulenken. Selbst wenn der Lokalrivalen wirtschaftlich ungesünder gewesen wäre, dann wäre das kein Grund, sich darüber lustig zu machen. Wenn beide gleichzeitig pleite machen, dann nützt uns das wenig, sondern erfreut nur zwei Insolvenzverwalter. Kurz: Maul halten und im eigenen Haus aufräumen und nicht mit dem Finger auf andere Schmuddelkinder zeigen, wenn man selbst eines ist.
Oder ist unser Präsident so blöd und glaubt diese Aussagen wirklich? Dann hätte er seine wirtschaftliche Inkompetenz endgültig bewiesen. Dann fragt man sich aber, welche Kompetenz er eigentlich als Präsident hat? Sportliche? Keine! Wirtschaftliche? Keine! Kontakte in Hamburg? Nur zum Bürgermeister! Integrationsfigur? Doch nicht Herr Littmann! Idol? Wofür?
Warum nun aber war Herr Littmann eigentlich Unternehmer des Jahres geworden?
Nächstes Zitat (laut MoPo): "Ich finde es widerlich, ekelhaft, mich kotzt es an, immer wieder mit dieser alten Scheisse belästigt zu werden", kommentierte er die Steuerschulden aus den Jahren 1996-99 und 2002. "Als ich Präsident geworden bin, habe ich eine Tür aufgemacht, und dahinter war ein Haufen Scheisse." Außerdem gehöre der Verein in die 2. Liga "und nicht in diese Scheiss-Regionalliga".
Hallo, gehts noch? Es spricht nicht gerade für die Seriösität und Gelassenheit unseres Präsidenten. Mal ganz ehrlich: Wenn er nichts mit dem "alten Scheiss" zu tun hat, warum reagiert er dann so? Warum antwortet er nicht sachlich, ruhig und gelassen?
Es kann auch nicht sein, dass die Liga, in der man spielt, als "Scheiss-Liga" bezeichnet. Die Regionalliga hat nun wirklich ihre Probleme, aber es gibt viele Vereine, die dort spielen müssen, dort aber auch spielen wollen. Und man kann nicht einfach eine Liga pauschal beleidigen und diffamieren weil es einem nicht passt dort zu spielen.
Petruschka sprach heute (sprach ist in diesem Zusammenhang eine Lüge ;-)) von vereinschädigendem Verhalten und sie hat Recht. Es kann nicht sein, dass unser Präsident ständig Amok läuft, intern wie extern, und er den Verein eigentlich nur benutzt, um sich zu profilieren. Dann darf man mal fragen, warum der Ehrenrat nichts unternimmt. Womit wir eigentlich bei dem nächsten Thema sind.
Warum macht eigentlich niemand was?
Weil Littmann zwei Sachen exellent geschafft hat:
1. Er hat es geschafft, die meisten am Vereinsleben Interessierten mit Posten oder Pöstchen zu versorgen. Ist dies nun in der AFM oder über eine vermeintliche Beteiligung an der Macht durch den "ständigen Ausschuss" (nebenbei: dieses Gremium mag mal grundsätzlich eine tolle Idee sein, wird aber immer mehr zum Schattenparlament ohne einer wirklichen Kontrolle durch die Mitgliederversammlung unterlegen zu sein. So zumindest mein Eindruck, der mir wahrscheinlich wieder Steinigung einbringen wird). Natürlich nutzt er diese Gremien nur teilweise, denn sie waren vorher geschaffen. Aber keiner schafft es so elegant wie er, diese zu nutzen. Aus Angst, diesen vermeintlichen Einfluss zu verlieren, würde niemand dieser Leute in eine Fundamentalopposition gehen, denn bei einem neuen Präsident müsste befürchtet werden, dass es diesen Einfluss nicht mehr gibt. So zumindest mein Eindruck. Offiziell verschanzt man sich dann hinter der Formulierung "Wir haben keine Alternativen".
Das zweite, was Littmann geschickt wie jeder andere nutzt, ist, dass es Insider und Outsider gibt. Und leider ist es bei unserem Verein so, dass Kritik immer und sehr schnell mit der Argumentation "Du hast ja keine Ahnung" abgebügelt wird. Und im Notfall ist "intern alles geklärt". Gerade so machen sich auch gewisse Gremien zum Teil des "System Littmann" und daher würde ich nie auf die Idee kommen, da mitzuarbeiten (nur damit nicht wieder das Argument kommt "komm doch zur AGiM"). Denn intern geklärt heisst nur, dass man den nächsten Fettnapf nochmal in blumigen Worten erklärt bekommt. Wirklich was ändern für die Zukunft wird Littmann nicht. Und genau dies ist das Problem des "intern klären" im System Littmann. Während unter Koch oder auch unter Weisener ein "intern klären" auch zu Änderungen des Verhaltens geführt hat, ist es jetzt nicht mehr der Fall. Und da müsste eben irgendwann mal Schluss sein mit "intern klären". Aber anstatt nun mal die "einfachen Mitglieder" zu informieren, wird lieber alles intern gehalten. Wie will ich so neue Leute heranzüchten? Ich erinnere mich mal an die Hochzeiten der Fanbeteiligung, da schrieb nicht nur der Übersteiger alle naslang, was im Verein los ist, nein, da hatte man auch noch Infos von anderen Gremien. Jetzt herrscht aber auch in der Fanszene ein Management by Champignons. Immer wenn sich irgendwo ein heller Kopf zeigt und vielleicht auch ungewöhnliche Ideen und andere Ideen hat, dann wird er abgeschnitten.
2. Littmann hat es - ähnlich wie Gerber - geschafft, dass eine sachliche unvoreingenommene Diskussion nicht mehr stattfindet. Es gibt nur noch ein dogmatisches für-ihn-sein oder gegen-ihn-sein. Da aber auch wenig Fakten nach aussen dringen, muss man irgendwelchen Leuten glauben. Eine Institution, der man absolut glaubt, gibt es nicht mehr. Dies war früher mal der Übersteiger, aber diese Position hat der Übersteiger - leider - nicht mehr. Aus meiner Sicht teilweise aus eigener Schuld, teilweise auch, weil der Realitätsverlust vieler Leute einfach sektenhafte Züge angenommen hat. Diese Dogmatik verhindert aber auch eine vernünftige Oppositionsarbeit.
Oder liegt es daran, dass nach all diesen Horrormeldungen keiner mehr Lust hat, sich im Verein zu beteiligen? Wahrscheinlich. Denn es ist auf der anderen Seite auch erschreckend, wie wenig Leute wirklich bereit sind, sich für den Verein einbringen. Denn ausser USP hat eigentlich jede Organisation Nachwuchsprobleme. Und ob USP wirklich neue Leute gewinnt, die wirklich über eine längere Zeit gebunden werden können, wage ich zu bezweifeln.
Kurz: Auch wir Fans haben eine erhebliche Mitschuld an dieser Misere. Zum einen haben wir dem Verein nahezu alles verziehen, zum anderen haben wir uns in Kleinkriege verstrickt und uns mit unserem vermeintlichen Einfluss begnügt. Und dadurch, dass Littmann wie einer von uns wirkt, haben wir nichts getan, was ihm wirklich weh tun konnte. Zum Beispiel wird sich - auch von mir - immer wieder darüber beschwert, dass sowohl AFM-Versammlung wie auch JHV-Versammlung viel zu ruhig abgingen. Aber ausser einem kritischen Beitrag von Kollege LeoManzi kann ich mich nicht erinnern, dass auch nur irgendjemand - auch ich nicht - auf beiden Versammlungen das Maul aufgemacht hat. Und mal ganz ehrlich: Wenn man eine echte Opposition zu diesen Verhältnissen schaffen will, dann muss man jetzt anfangen und auch mal klare Ziele formulieren. Sei es nun das Ziel, Littmann ganz zu entmachten (ein Ziel, das mir gefallen würde) oder sei es nun den gesamten Ablauf zu ändern. Aber hierfür bräuchten wir einen "Anführer", den wir nicht haben, da sich keiner traut, dies zu machen. Daran nicht unschuldig ist natürlich auch das Ende des letzten Oppositionsversuches. Denn wie Holger damals in der Presse zerrissen wurde, ist nicht gerade eine Ermutigung für neue Oppositionsversuche.
Was man vielleicht deutlich machen sollte: Es geht hier nicht um die Person Littmann. Es geht um das System, welches das von ihm geleitete Präsidium eingeführt hat. Teilweise hat der Bericht eine sehr persönliche Note, aber so ist das nunmal.
Und zwar noch zu einem, welches einen Vereinsbezug hat: Denn in den Zeitungen war zu lesen, dass für die Steuerschuld 50.000 Euro sofort, dann monatlich 6.000 Euro, dann den Rest im Sommer 2006 zu zahlen sind. Dies heisst umgekehrt, dass wir im Endeffekt die Schulden nur fortschreiben und im Sommer 2006 zurückzuzahlen haben. Es fallen nämlich pro Monat 1 % Säumniszuschläge an, so dass unsere Steuerschulden (wenn wir mal wieder von ca. 600.000 bis 900.000 ausgehen) um ca. 6.000 bis 9.000 Euro pro Monat steigen. D.h. im Klartext, dass im Jahr 2006 irgendwoher ca. 500.000 Euro kommen müssen. D.h. dass wir entweder bis dahin aufgestiegen sind oder in der Saison 2006/2007 wieder erhebliche Probleme mit der Liquidität haben werden. Sprich: Von einer Lösung des Problemes zu sprechen, ist schlichtweg eine Lüge. Nicht die erste und nicht die letzte in der Ära Littmann.
... die Schleswig Holsteinische Wahl, zu der ich eigentlich nichts sagen wollte, aber der Nachklang in der Presse war echt an Rassismus nicht mehr zu überbieten. Nur um das nochmal deutlich zu machen: Der SSW vertritt Deutsche mit dänischer oder friesischer Herkunft. Er ist aus irgendwelchen Gründen, für die er im Notfall nicht einmal was kann, von der 5 %-Hürde befreit. Seine Mandate waren schon immer vollständige Mandate. Und so hat er sie auch immer behandelt. Und der SSW stand auch schon immer politisch eher der linken Seite näher. Auch dies ist nicht neu. Es ist daher schon unglaublich frech und peinlich, wie die CDU sich aufführt. Den Vogel schossen aber die Leserbriefschreiber in der Hamburger Morgenpost ab. Zitat: "Ich finde es ein Unding, dass wir nun von Ausländern regiert werden" ÄH! Hallo? Geht es noch? Nochmal: Es geht um eine Partei, die DEUTSCHE mit dänischen Wurzeln vertreten. Also nix Ausländer. Und selbst wenn! Machen Ausländer grundsätzlich schlechte Politik?
Erschreckend auch das Abendblatt, welches in einem Interview eine Grünen Politikerin (Krista Sager (?)) wirklich davon sprach, dass sie "Halbdänin" sei. Diese Formulierung erinnert zumindest mich sehr an dunklere Zeiten in Deutschland.
... die Hamburger Bevölkerung, welche in Umfragen immer noch zu 48 % CDU wählen will. Hallo, liebe Mitbewohner! Ein Bürgermeister ist nicht dann gut, wenn er braun gebrannt in die Kamera lächeln kann. Gut ist er, wenn er gute Politik macht. Und das wage ich bei einer Partei, welche ihre Sparbemühungen damit krönt, Familien durch höhere Kita-Kosten, Abschaffung der Lehrmittelfreiheit und anderen Numme