Norbert regt sich auf vom 30.3.2005

 

über

Alle Richtungen

Vorwort

Zwei Spiele in vier Tagen und plötzlich ändert sich die gesamte Lage in der Liga...

Ich stinke wie ein Mantelpavian

Frage: Wie riecht eigentlich ein Mantelpavian?

Aus Gründen, die hier nicht interessieren, beschloss man nach Bielefeld mal nicht die Fanladentours zu benutzen, sondern sich fröhlich per Auto Richtung der Stadt, die es gar nicht gibt, zu bewegen.

Da wir erstmal eine kleine Abholrunde vor uns hatten, mussten auch wir relativ früh los. So war der ärmste Maulwurfbeobachter bereits um 8 Uhr unser Beifahrer. Kurze Zeit später erreichten wir das Land of hope and Squirrels und konnten unseren Kopfschussteil abholen. Schön, wenn man klingelt und als Aussage nur "Ich bin schon so gut wie unten" bekommt. Traumhafter Service. Dabei waren wir eigentlich vor unserem Zeitfenster, welches wir schon vorsichtshalber genannt hatten. Besser als eine genaue Zeit, die man im Hamburger Verkehr sowieso nicht einhalten kann.

Nun begann aber das Abenteuer, sollten wir doch noch Moritz abholen. Und dieser wohnt in der Elbwildnis, so dass man von der B 404 irgendwo über einen Feldweg fahren muss. Gerade als man dachte, man habe die Zivilisation hinter sich gelassen, traf man auf die örtliche Freiwillige Feuerwehr, welche das Osterfeuer vorbereitete.

Hübsches Haus jedoch hat unser eingesammelter Moritz. Mit einem eigenen Gebrauchtwagenhandel und einem sehr hübschen Garten. Die gepflegten sanitären Anlagen wurden auch ausgiebig genutzt, stellte doch unsere Petruschka fest, dass Kaffee morgens anders durch den Körper läuft als Bier. Tja, nun hatten wir ab jetzt ein kleines Problem. Eine A Klasse ist zwar "AH KLASSE" aber für fünf Menschen, welche irgendwie ein bißchen grösser als 1,60 m sind, ist dieses Auto ein bisschen klein. So konnte ich während des Fahrens eigentlich jede Bewegung des ärmsten in der Mitte Eingequetschten beobachten konnte. Wenn er sich denn bewegen hätte können.

So mussten wir uns beim ersten Stop von unserem Maulwurfbeobachter trennen und die Reise ohne unseren Freund fortsetzen. Nein, keine Panik, wir haben ihn weder irgendwo ausgesetzt mit einem Schild a la "Bitte füttert mich" noch haben wir ihn irgendwo verbuddelt. Wir haben ihn einfach an OlleZicke und Pieper abgegeben, welche morgens sich spontan entschlossen hatten auch nach Bielefeld zu fahren. So konnte man sich so ein spannendes Wettrennen liefern, welches unentschieden ausging, da ich das schnellere Auto hatte, aber unser Gegner sich ein bisschen weniger an Geschwindigkeitsbegrenzungen hielt.

Kommen wir doch überhaupt mal zu dem Verhalten von Autofahrern auf deutschen Autobahnen. Mehr als einmal musste ich volle Elle in die Eisen, da irgendwelche Nasen mir fröhlich in den Sicherheitsabstand fuhren. Hey, kein Problem, ich bin nun wirklich nicht der Typ, der durchgängig 190 fährt, aber ein bisschen gucken in den Rückspiegel würde das Fahren doch entspannter machen.

Den Rest der Fahrt wurde damit verbracht, sich auf einen Musikgeschmack zu einigen, was bei dieser Autobesatzung leider nicht möglich war, denn die Mischung aus Punkrock/Metal/HitsderAchziger/Britpop/Gruftimukke muss erst erfunden werden. Aber mit Kettcar (man habe ich mich lange geweigert, die gut zu finden), den SchücoShox und anderen CDs schafften wir es uns nach Bielefeld zu hangeln.

Was macht man, wenn man in einer Stadt ankommt und nicht weiss, wo das Stadion ist? Man fährt zuerst in Richtung Zentrum. Diese Taktik führte erstmal zu einem Teilerfolg, fand man doch sehr schnell eine Ausschilderung, welche Richtung "SchücoArena" zeigte. Jubel im Auto und fröhlich blinkend folgte man dem Schild. Was nun folgte, hätte Homer in ein sehr langes Buch gefasst. Man fuhr und fuhr und fuhr. Die Ausschilderung "SchücoArena" erschien nicht noch einmal, dafür an jeder Kreuzung das Schild "Alle Richtungen", irgendwie ein Witz, fuhr man doch die ganze Zeit in genau EINE Richtung. Nämlich um Bielefeld herum. So fuhren wir ca. 15 Minuten, drei Leute der Besatzung im Auto wurden immer ruhiger, der Fahrer war immer mehr am fluchen. Besonders, als er merkte, wo die Ausschilderung endete. Nämlich an den Parkplätzen der Universität. Schöne Parkhäuser, aber das Stadion weit und breit nicht zu sehen. Und eine neue Ausschilderung war nicht zu finden. Die Laune des Fahrers besserte sich nicht wirklich, als man als Auskunft von einem Passanten bekam, dass man ca. 20 Minuten zu Fuss zum Stadion gehen müsse. Okay, super Parkplätze, wenn man zu den Profis will, aber wenn man zu den Amateuren will mit ca. 1500 Zuschauern, dann sind die Parkplätze einfach zu weit weg. Okay, mit Fragen und ein bisschen kurven kam man dann am Stadion an und konnte einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe erobern. Da waren auch schon unsere Busse vor Ort, so dass man sich langsam fröhlich mit der ganzen Gang treffen konnte.

Um meinen aufgestauten Frust loszuwerden, beschloss ich den ersten Biber zu verprügeln, den ich sah. Glücklicherweise war das unser Freund DOT und nicht Onkel Hollywood :-) Aber nach einem kleinen Scheingefecht ging man dann doch lieber in die fröhliche Begrüssung über.

Ich bin ja eigentlich ein absoluter "ich kaufe Stehplatz"-Dogmatiker, aber es gibt eine absolute Ausnahme auf dieser Welt und dies ist die Bielefelder Alm. Der Gästeblock ist und bleibt eine absolute Frechheit. Glücklicherweise öffnete man den Nebenblock, so dass die Leute wenigstens ein bisschen was vom Spiel sehen konnten.

Da doch einige dachten wie ich, füllte sich auch der Sitzplatzblock sehr akzeptabel. Sehr schön ist auch immer das Mitnehmen von Schwenkfahnen auswärts. Die uns bekannte Erlaubnissituation war, dass wir drei Schwenkfahnen schwenken durften, aber nur im Innenraum. Erster Kommentar von den Ordnern: "Die müsst ihr wohl abgeben." Okay, die uns bekannte Situation erläutert und nach einer längeren Untersuchung jeder einzelnen Fahne und jeder einzelnen Fahnenstange konnte man alles mit reinnehmen. Was hier absolut wichtig war dass man sehr freundlich mit den Ordnern umging. Denn nur so waren die Fahnen problemlos durch die Kontrollen zu bekommen. Ganz ehrlich: Ich war ziemlich nervös aufgrund dieser Mutantenordner, aber mit ein bisschen Deeskalation ging alles glatt.

Was klar ist: Wir lassen uns nicht freiwillig in den Innenraum verfrachten. Innenräume sind nix für Schwenkfahnen, sie gehören in den Block und sollten in der Menge geschwenkt werden. So bauten wir die Fahnen im Block auf, mussten uns aber auf zwei Fahnen beschränken, weil wir, wie sich herausstellte, nur zwei heile Stangen hatten. Und siehe da: Kein Ordner, der uns das Schwenken verbot, kein Ärger, alles locker.

So stand man nun entspannt in der Sonne und erfreute sich an dem Spiel auf dem Rasen. Wie soll ich es beschreiben? Einfach geil. Ein Traumtor (Arifi), ein geiles Gewalttor (Mayer), ein richtiges "leck mich am Arsch, ich bin so cool"-Tor (Wojcik) und ein herrliches Tor aus dem Gewühl (Eger). Oder um es in einem Lied zusammenzufassen:

(auf die Melodie von "Ostwestfalen-Idioten, Scheiss Arminia Bielefeld")

Marcel Eger, Basti Wojcik, Andy Mayer, Arifi

4-1 am Ostersamstag, sowas schönes gabs noch nie

Text: Knuffi, Melodie: Keine Ahnung

Okay, die Euphorie war mit Händen zu greifen. Ich weiss, die Realisten unter euch werden - nicht ganz unrecht - über einen Pflichtsieg gegen den Tabellenvorletzten sprechen, aber die Art und Weise, wie die Mannschaft einen Rückstand aufholte und dann 80 Minuten grossartig spielte, war wirklich super. Kritikpunkt war, dass man in den letzten 10 Minuten viel zu viele Chancen zuliess. Ob dies fehlende Kondition war oder ob es einfach Lässigkeit war, kann ich nicht sagen. Ein Wort noch zu Mayer: Wie soll man einen Spieler bewerten, welcher 90 Minuten nicht einen Pass an den Mann bekommt, der zwar kämpft, dem aber nix gelingt, der aber ein absolut schönes Tor machte und das vierte Tor traumhaft vorbereitete?

Okay, es sind immer noch viele Punkte auf Paderborn und Braunschweig, aber zum einen muss Braunschweig noch zu uns, so dass man den Abstand verkürzen kann und Paderborn wird da oben vielleicht noch rausfallen. Fakt ist: Trotz der zwei Siege brauchen wir immer noch sechs Punkte aus den beiden jetzt folgenden Heimspielen und dürfen in Düsseldorf nicht verlieren. Aber zur Zeit stehen der Mannschaft alle Richtungen offen.

So begann die Rückfahrt doch sehr fröhlich gelaunt. Ein kleiner Haken: Trikots in der Sonne neigen dazu, etwas sehr viel Schweiss beim Träger zu provozieren. Kurz: Ich stank wie ein Mantelpavian. Und das trotz Deo und allem. Unsere Spieler tun mir leid, wenn unsere "echten" Trikots auch so schnell zu stinken neigen wie die Replikatrikots. Das würde auch das mangelhafte Zusammenspiel in den letzten 10 Minuten erklären.

So machten wir uns wieder auf in alle Richtungen, fröhlich hupend und laut singend. Ich kann euch sagen, die erste halbe Stunde war eine Euphorie-pur-Nummer. Was geschah sonst so auf der Rückfahrt? Ein Überfall auf einen McDreck, welcher direkt neben der Autobahn lag, aber erst nach ca. 45mal Abbiegen zu erreichen war. Und dies war nun endlich der McDreck, wo man mit einem Bus durch den Drive hätte fahren können, weil er kein Dach hatte. Und genau in diesem Moment sind wir nur ein Auto mit vier Personen. Die U 16 half uns noch beim Plündern und so konnten wir uns bald mit vollen Bäuchen wieder auf die Reise machen. Kleines Detail am Rande: Der Parkplatz war riesig und auch für Laster geeignet. Und der grosse Gag war, dass am äusseren Ende des Parkplatzes ohne Witz an einem Mülleimer das Schild "3 Minuten" angebracht war. Zu Fuss bis zum Eingang?

Bis zu unserem erneuten Trip durch die Wildnis war die Tour relativ ereignislos. Aber die Fahrt aus der Wildnis nach Hamburg rein war dann doch ein Erlebnis, brannten doch überall die Osterfeuer. Kurz noch Petruschka in Richtung letztem Abenteuer Europas geschubst und dann die Osterfeuer am Elbstrand genossen. Dialog: "Fünf Astra bitte!" "Fünf?" "Ja" "Das nenn ich doch mal einen Mann von Welt."

Noch ein paar Worte zu Mittwoch

Wollt ihr mal richtig Spass haben? Dann lest euch die offizielle Seite des SC Paderborns und deren Meinung zu dem Spiel von Mittwoch durch. Da steht was von "Spielverlauf auf den Kopf gestellt" und "Glückstor" etc. Mal ganz ehrlich: Ich glaube, Hollerieth hat in seiner gesamten Zeit bei uns nicht einen solchen entspannten Abend gehabt. Was lustig ist, dass mir am Mittwoch der Sturm nicht 100 %-ig gefiel, dafür aber die Abwehr und dies in Bielefeld genau andersherum war. Insgesamt war der Sieg aber absolut verdient, auch wenn Paderborn etwas anderes behauptet.

Aufgrund des Wochentages fiel das Pre- und Postmatch-Ritual weitesgehend aus. Nur ein kurzer Besuch im Fanladen nach dem Spiel stand noch auf der Rechnung. Hier konnte man auch sehen, dass USP langsam unter Verfolgungswahn leidet. Jeder silberne VW wurde mit "Zivis raus" (naja bzw. einem inhaltlich ähnlichen Spruch) bedacht. Selbst als das Auto von Pauline hielt, waren die am brüllen und meckern. Leute, erst auf das Kennzeichen gucken, dann reagieren. Oder am besten gar nicht reagieren, dann wird man auch in Ruhe gelassen.

Und dann war da noch...

... die Fans der deutschen Nationalmannschaft, denen wir mal wieder verdanken können, dass unsere Polizei ihre Repressalien gegen alle Fans verschärfen kann. Vielen Dank dafür! Schilderungen von Besuchern dieses Spieles sind haaresträubend. Es war - mal wieder - ein grosser Teil an Nazis im Block, wobei gereckte rechte Arme und singen des Horst Wessel-Liedes Begleiterscheinungen waren. Wie schrieb so schön ein mir bekannter Besucher? "Habe noch nie so viele Hitlergrüsse live gesehen".

Was nun die Folgen daraus sind, ist ja wohl klar. Die Blöd bringt ja schon heute alles, was die "wahren" Fans schützen soll, wie z.B. Videoüberwachung und Ausweitungen von Stadionverboten. Kurz: Alle Bemühungen die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, dass diese Instrumente zum grössten Teil als Repressalie gegen Fans benutzt werden, die absolut nix verbrochen haben, sind mal wieder für die Katz und unsere Position erheblich geschwächt. Und die Polizei wird sich in ihrer brutalen Gangart mal wieder bestätigt fühlen. Na das kann ja heiter werden in Düsseldorf.

Was nun passieren müsste ist einfach, dass sich der Verband endlich mal wirklich um seine Fans kümmert und sie auch unterstützt, wenn solche Leute endlich aus dem Block geprügelt werden. Aber dafür würde man ja wahrscheinlich auch noch Stadionverbot bekommen. Und die ach so unpolitischen Hooligans sollten sich mal überlegen, mit was für Idioten sie da teilweise rumlaufen.

... unser Präsident, der am Mittwoch wegen der Angst vor tätlichen Angriffen mit Bodyguard erscheint. Hallo, geht es noch? Hat ihm irgendjemand auch nur annähernd etwas angedroht? Was soll diese mediengerechte Inzenierung, welche natürlich auch elegant der Zeitung gesteckt wurde? So sollen doch nur alle Kritiker als Chaoten dargestellt werden und eine sachliche Auseinandersetzung bei der Littmann mehr als alt aussehen würde, vermieden werden.

Littmann raus! (Achtung: hier in einer anderen Schriftart als im Stadion ;-))

Littmann raus? Ich habe jetzt gelesen, dass viele Leute sagen, dies sei nicht der richtige Weg so lange man keine Alternativen anböte. Mal ganz ehrlich: Nahezu jede Alternative ist besser als ein Präsident, welcher den Verein zwangsläufig in die Pleite schickt, der die Gemeinnützigkeit gefährdet, der die Nutzung des Vereines zum Sporttreiben immer wieder verhindert, in dem er Konten der Abteilungen plündert und der so viel Bockmist gebaut hat wie kein Präsident vor ihm. Was schlimmeres soll denn noch kommen? Ich kann mir eigentlich nur noch einen Wildmoser-Typen vorstellen, dass wäre noch schlimmer, alles andere wäre besser als dieser Sonnenkönig. Und mal ganz ehrlich: Eine Alternative findet sich dann leichter, wenn das System Littmann mit all seinen Helfern beim FC St. Pauli nicht mehr existiert.

... die hier schon gehighlightete Platte von Kettcar. Ich weigere mich ja immer noch diese Band gutzufinden, aber irgend