Norbert regt sich auf vom 25.4.2005

 

über

Papa Schlumpf? Wann sind wir da?

Warum der Osten immer noch nervt

Die Überschriftenfrage begleitete unsere Hinfahrt bis nach Karl-Marx-Stadt (die Stadt, die nun fälschlicherweise Chemnitz heisst). Extremer OffTopic-Einschub: Kämen eigentlich Briefe an, die man nach "Karl-Marx-Stadt" adressiert? Kann man das ähnlich wie mit Derry sehen, dass die Besatzungsmacht die Stadt umbenannt hat? Wie meinte ein Freund von mir immer so schön? "Ich wollte auf die Schiffspapiere unter Londonderry schon immer in das "Notes" Feld schreiben "Port is called Derry, not Londonderry"" Kann ich nun bei Karl-Marx-Stadt auch hinschreiben: "Stadt heisst KMS und nicht Chemnitz"? Ende extremer OffTopic-Einschub.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei der Frage nach dem "Wann sind wir da?". Normalerweise überlässt man eine solche Frage ja unseren geliebten Fanladen-Adventure-Tours, aber diese hatten wir diesmal brutal im Stich gelassen. Der Grund war ein einfacher, wollten wir doch abends pünktlich wieder zurück sein um zu beweisen, dass wir nicht singen können.

So buchten neun verrückte Leute einen 9-Sitzer bei Europcar und nutzten diese Fahrvariante. Das grosse Ärgernis dabei war, dass irgendwie Pauline aufgrund ihrer Zartheit und Kleinheit verloren ging, so dass sich am Ende 10 Leute um die Plätze bewarben. Aber durch den freiwilligen Rücktritt einer jungen hübschen Dame hatten wir dann doch wieder genügend Plätze. Tja, Mist und vermisst, aber ging leider nicht anders.

Anstatt um 5 Uhr konnte man sich so um 7 Uhr ab Clubheim auf den Weg machen. Gerechnet hatten wir mit sieben Stunden, so dass auf die oben benannte Frage die Standardantwort lautete: "Ich würde sagen, so genau um 13 Uhr". Über Thieshope und Lehrte (mit jeweiliger Mitfahreraufsammlung) ging es also langsam Richtung Wilder Osten. Kommen wir doch mal zu den Mitfahrern. Ihr Berichteschreiber fuhr das Gefährt. Für die Musik waren auf den Beifahrersitzen die beste Tierärztin von Welt (Wie war die Kleintiersprechstunde?) und die beste Übersetzerin von Welt (die gerade das Buch "102 Gründe Chelsea zu hassen" verfasst) zuständig.

In der Mitte dann als Laberbeauftragte ein DOT und ein Standfussballer und mein ewiger Gefährte aus der Lüneburger Wildnis. Hinten dann als Fachmann für Fragen über das englische Empire L. und sein Gastgeber P. sowie eine nördliche Südzecke. Die drei auch in dem spannenden Film "Guck mal, alle die ich im Rückspiegel sehe, pennen."

Auf der A 2 hatten wir dann erstmal die unheimliche Begegnung der königsblauen Art. Man könnte auch sagen: Schalker bis zum Abwinken. Dazu folgende Frage: Es war 9 Uhr, die Entfernungsanzeiger sagten was von "Berlin 2XX km" und die fuhren da schon mit massig Bussen und Autos rum. Die Antwort in unserem Bus war folgende: "Hey, wenn du aus Schalke kommen würdest, dann würdest du auch so früh wie möglich aus der Stadt raus wollen." Gut, wir machten erstmal eine „menschliche-Bedürfnisse-befriedigen“-Pause. Nach kurzem Essen und der Klärung der Frage, wann Chelsea eigentlich das letzte mal in der 2. Liga war, fuhren wir weiter. Szene Abfahrt aus der Raststätte. "Du Pauline, brüll mal "Scheiss Schalke" aus dem Fenster". Pauline guckt hoch "Oh, das sind aber viele." "Ist doch egal, wir fahren doch jetzt." Von hinten: "Hey, fordert das Glück nicht heraus! Wir sind St. Paulifans und wenn wir so etwas machen, dann bleibt unser Auto direkt an der Ausfahrt dieser Raststätte liegen." Okay, Volltreffer, wir haben es gelassen.

So ging es weiter Richtung KMS. Irgendwann verliessen wir dann auch die Schalker und machten uns auf Richtung Dresden. Die A 14 ist immer wieder eine Quelle der Freude. Magdeburg-Reform und der Fluss Sülze sollten den Lesern aus alten NRSA hinlänglich bekannt sein, aber auch sonst bietet diese Autobahn immer wieder Spasselemente. So die ganzen "Leben"-Städte, die ihren Höhepunkt in Wanzleben finden. Auch gut sind die ganzen angezeigten Sehenswürdigkeiten, welche auf braunen grossen Schildern angezeigt wurden. Den Mitfahrern reichte dies irgendwie nicht, meinten diese doch, dass man doch ja wohl die auch von der Autobahn aus sehen müsse.

So ein Kleinbus mit neun Sitzen ist schon was Tolles. Über Preise sprechen wir hier nicht, aber die ganze Zeit knallt das Teil 160 und verbraucht selbst bei dieser Volllast nicht viel mehr als 10 Liter Diesel. Wären wir entspannt mit 100 gefahren, dann wäre man wahrscheinlich mit deutlich weniger ausgekommen, aber wir hatten nunmal keine Zeit. Dachten wir zumindest.

Um von der A 14 auf die A 4 zu kommen, kann man entweder bis beinah Dresden fahren und dann direkt wechseln oder man kann über eine Landstrasse abkürzen. Für letzteres entschieden wir uns und nach einer kleinen Tour de Dorf fanden wir uns auf der A 4 kurz vor KMS wieder. Noch viel besser war, dass uns direkt der Glatzenbus entgegen kam, unsere Verwunderung sich aber legte, als wir feststellten, dass dort ein Autohof lag, den wir bereits passiert hatten.

Ortschild KMS passiert. Es war 11:45... "Papa Schlumpf, wann sind wir denn da?" "Ich würde sagen, so ca. 13 Uhr". KMS ist eine der Perlen der deutschen Städte. Man kann auch sagen, dass ganze Häuser verfallen und leerstehend sind. Aber etwas belebter als vor einem Jahr sah das ganze doch aus. Soll man sich etwa Hoffnung machen? Dank einer grossartigen Beschreibung des Fanladens fanden wir das Stadion sofort und konnten direkt hinter der Gästekurve parken. Offiziell von der bereits reichlich anwesenden Polizei genehmigt. Auch wenn diese unsere Fragen etwas sehr wörtlich nahmen. "Moin, wo kann man denn hier parken?" (Bus steht mitten auf der Straße im Weg) Polizist: "Na, HIER wäre schlecht." Ach nee...

Kurze Zeit später fand man sich also am Eingang wieder. Ein kurzer Blick in das weite Rund ergab, dass es hier alles gab, nur nichts, was an menschliche Zivilisation erinnerte. Dafür Natur, verfallene Häuser und viel Polizei. Gross auch die Kamera, die auf ein Fernwärmehäuschen montiert war und den Gästeeingangsbereich nun filmte. Was sollte der Scheiss denn?

Tja, und da wir halt nicht um 13 Uhr da waren sondern viel früher, hatten wir nun Zeit die Sonne zu geniessen, uns über die beste Art der Strassenblokade zu unterhalten und sich mit unserem geliebten Fanladenpraktikanten Björn über Musik auszulassen. Unsere Träume, in einem verfallenen Abbruchhaus neben dem Gästeeingang eine Kneipe aufzumachen, blieben leider unerfüllt.

Dann galt es die Kontrollen zu überwinden und dies erwies sich mal wieder als deutliches Hindernis. Die Ordner Marke "Schwarz gekleidet, böse gucken" meinten es nun sehr genau und filzten einen vollkommen - bis zu den Schuhen und die Kameratasche auch ausführlich. Anders als in Düsseldorf war die Tasche hier aber prinzipiell kein Problem.

Probleme hatten die Ordner jedoch mit einem Remember-History-Fight-Fascim-Plakat. Das war "zu linksradikal". Seit wann sind denn bitte Selbstverständlichkeiten, die jeder politisch denkende Mensch befolgen sollte, linksradikal? Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang auch, dass auf Chemnitzer Seite eine schwarz-weiss-rote Fahne vollkommen unbehelligt am Zaun hing. War wohl rechtsradikal genug um da hängen zu bleiben. Der Verpflegungsstand verkaufte leckere Schnitzel im Brot und weniger leckeres Wasser, aber kein Bier. Nicht einmal Light Bier gab es!

Dank unseres geliebten Fanbeauftragten konnte es man sich kurze Zeit später im Innenraum bequem machen. Nein, nicht die ganze Gang, sondern nur drei Fotojünger. So musste ich mit der angereisten Franca durch den Zaun unterhalten, wobei sie mir gekühlte Getränke reichte. Was für ein Service. Klein Spaddel hingegen musste erstmal zum Zaun herbeitelefoniert werden. Nennen wir es mal die Spaddel-Zitate des Tages. Zitat 1 (vor dem Spiel): "Ich bin so müde und voll und soll gleich noch nach Prag, das wird nie was." Zitat 2: (Fünf Minuten später): "Und dann nach Prag und richtig Saufisauf. Das wird ein Fest!" Auf meinen Einwand, dass ich ihn dann ja um 12 Uhr nachts anrufen könne und fragen könne, ob sie noch dabei seien, antwortete er nur: "Du kannst mich um 12 Uhr Mittags anrufen." Kurz: Er war in Topform.

Der Rest der Zeit war mit in der Sonne stehen und sich mit der Pressestelle unterhalten (Zitat: "Bloss nicht verlieren und dann acht Stunden im Bus die Frage nach dem Warum") aufgebraucht, so dass man dem Anpfiff schnell näher kam. Chemnitz hatte irgendeine grosse Choreo vorbereitet, die jedoch nicht zu erkennen war. Auf unserer Seite hatten immerhin ein paar kleine braun-weisse Fahnen die Einlasskontrollen überlebt.

Topform? Das galt heute definitiv nur für Spaddel. Mannschaft und Fans nahmen sich kollektiv eine Auszeit. Die Mannschaft spielte unterirdisch und einige Spieler sollten sich mal fragen, warum sie Fussballprofi als Beruf gewählt haben, wenn ihnen dieser anscheinend überhaupt keinen Spass macht. Insbesondere Herr Lechner, den ich bisher für einen Gewinner der Saison gehalten habe, spielte, als ob die Ersatzbank bzw. die Tribüne ein erstrebenswerter Platz ist. Dröge konnte man bei beiden Toren keinen Vorwurf machen, aber die beeindruckenste Torhüterleistung brachte unser heutiger Ersatztorhüter (Name kann ich nicht annähernd schreiben), der beim Warmschiessen sich voll ins Zeug legte und alle noch gerade eben haltbaren Bälle hielt.

Auch die St. Paulifans waren heute deutlich unterlegen. Und dies selbst im Kreativwettbewerb. Denn auf "Für Bambule seid ihr ganz schön laut" ausschliesslich mit "Chemnitzer Arschlöcher" zu antworten fand ich ziemlich flach. Dafür war die KMSler Beleidigung doch zu kreativ. Sonst gab es zwar nur KMS-Einheitskost, aber eben bei uns auch nur normale Einheitskost. Und die ist halt nicht mehr kreativer als bei anderen Vereinen. Hinzu kommt noch, dass doch hörbar einige Leute was von "Schwulen Himmelblauen" brüllte. Einziger Pluspunkt war, dass in diesem Zusammenhang aus der kurzhaarigen Ecke was von "Lieber schwul als Homosexuell" kam. Der einzige Lacher heute.

Für ein bisschen Stimmung sorgte immerhin der Stadionsprecher mit der vollkommenen Falschaussprache der Namen in der Mannschaft. So spielt bei uns nun ein Ralf Günzel und in der 89. Minute (was für ein bescheuerter Einwechselungszeitpunkt, Herr Bergmann) wurde laut Stadionsprecher ein Festus Eger/Egler eingewechselt. Leider konnte auch diese Wunderwaffe nix mehr reissen, denn ein paar Sekunden später war Schluss. Und das war auch gut so. So schlecht fragt ihr? So schlecht, dass Taljevic entgegen normaler Spiele nicht negativ auffiel. Noch Fragen?

Tja, so konnten wir uns also auf den langen Rückweg machen. Etwas auf DOT und die Südzecke gewartet und dann ging es ab durch die Mitte. Kurz noch eine provisorische Strassensperre durchbrochen und schon fanden wir uns auf dem Weg zurück wieder. Unser erster Halt fiel etwas länger aus, hatten wir doch einen Autohof mit Bank in der Sonne gefunden, auf der wir uns unter "Und so sehen Verlierer aus"-Gesängen niederlassen konnten. Irgendwann mussten wir dann aber weiter und nach einer kleinen Ehrenrunde (weil Ausfahrt nicht ausgeschildert) entliess uns auch der Autohof wieder.

"Hip Hop Tip Top Reisen" stand auf einem Bus drauf, den der Fanladen diesmal gemietet hatte. Und Leute, ich kann euch sagen, eine solche Lüge habe ich noch nicht gehört. Nicht nur dass der Bus stinkealt war und kein Klo sein eigen nannte. Nein, er qualmte auch wie ein James Bond-Wagen, welcher durch Nebel Feinde abschrecken soll.

Nach einer Pinkelpause kam dementsprechend auch die geliebte und etwas angenervte Cathrin zu uns und meinte, dass dieser Bus die Hölle sei. Unser Mitleid hattest du und gen Münster sind wir ja wieder brav an Bord.

Danach ging es zügig gen Nordwesten. Lustig noch der Mercedes, der uns mit Schwung schnitt, woraufhin die vorderen Mitfahrerinnen feststellten, dass sie glücklicherweise ja nicht so testosterongesteuert seien. Lustigerweise sass dann eine Frau am Steuer. Anders bei dem Typen, der uns ca. 10 km mit 110 km/h auf der linken Spur blokierte, auch auf Nötigungen nicht reagierte und als wir dann zur Pinkelpause abbogen nicht auf unser Angebot, das ganze doch beim Match zu klären, reagierte. Hatte wohl auch gemerkt, dass er im Wagen zusammen mit seiner Schnecke gut eine dicke Hose machen kann, aber uns 9 Leuten auf der Raststätte doch unterlegen gewesen wäre. So ein Arsch.

Danach unterhielt uns DOT mit Anekdoten aus seiner Schul- und Zivizeit, sowie mit der Feststellung, dass Wolfsburg die langweiligste Stadt der Erde sein muss. Da gäbe es doch nicht mal Kneipen, die Sonntagsnachmittags auf haben. Und was mache man da so am Freitagabend, er kenne da niemanden und könne sich überhaupt nicht vorstellen, was man da macht. Tja, mein lieber DOT, Pech gehabt! Denn das finden wir raus, indem wir bereits Freitagabend nach Wolfsburg anreisen. Anmeldungen interessierter Mitreisender nimmt der Autor gerne entgegen. Wir müssen nur noch das örtliche Etap Hotel finden.

Danach verliessen uns in Lerthe und Thieshope wieder unsere Mitfahrer und pünktlich um 21:41 gab ich den Schlüssel des gemieteten Fahrzeuges ab. Das war auch gut so, denn 20 Minuten später hätte uns der ganze Spass die Miete für einen weiteren Tag gekostet.

Die meisten Mitfahrer gingen noch fröhlich zum Karaoke singen (danke DagDag für die Organisation), wo sich mal wieder zeigte, dass Fussballfans alleine nicht singen können. Kurze Zeit später traf auch die Mannschaft ein und die Pressestelle wurde nur mit einem fröhlichen "Na, wie war die Rückfahrt?" begrüsst. Relativ schnell zollte ich dann aber 980 gefahrenen Kilometern Tribut und begab mich in Richtung meines Bettes. Dies umso lieber, als dass ich am Sonntag ja noch meinen Zweitverein in Oberhausen die Daumen drücken wollte. Aber dies soll woanders Thema sein.

Und dann war da noch...

... unser Präsi, der laut Gerüchten am Samstag lieber beim Lokalrivalen in der VIP-Loge gesessen hat.

... unser Vizepräsi, der mit einem fetten SUV nach KMS gefahren wurde, die anwesenden St. Paulifans keines Blickes würdigte und auf den VIP Parkplätzen verschwand.

... der Hamburger Geschäftsmann, der 75 Mio in unser Stadion stecken will. Da er auf dem Gelände des ehemaligen "Heissen Ecks" auch schon alles mögliche bauen wollte und bisher nix gebaut hat, halte ich solche Angebote für so unseriös, dass es vollkommen richtig ist zu erklären, dass diese Person nix mit dem Projekt zu tun haben soll. Mal ganz davon ab, dass es natürlich sehr billige Werbung ist, wenn man sich bei einem solchen Projekt ins Gespräch bringt.

.... der Hamburger Senat, der im sozialen Bereich alles kaputt spart, aber mal eben 200 Mio in ein Denkmal für sich selbst investieren will. Denn was sonst ist die vollkommen überflüssige Elbphilharmonie. Notwendig ist ein solches Konzerthaus in Hamburg garantiert nicht, wenn man schon die sehr schöne Musikhalle hat.

... Jürgen Rüttgers, der meinte, der katholische Glaube sei anderen überlegen. Na dann mal gute Nacht Nordrheinwestfalen, wenn ihr einen solchen Politiker wählt. Nix gegen den Überschwang, den eine Papstwahl auslöst, aber dies war so zutiefst bigott, wie es nur sein kann.

... der neue Papst Benedikt, der sich nicht nur einen schönen Papstnamen ausgewählt hat, sondern - wie eine Karikatur im Internet deutlich machte - auch zeigt, dass die Bundesanstalt für Arbeit bei den Erntehelfern auf dem richtigen Weg ist. Ist er doch der erste Deutsche, der einen Polengastarbeiterjob übernimmt ;-). Nein, im Ernst: Ich wünsche ihm alles Gute und auch wenn ich viele Meinungen der katholischen Kirche nie verstehen werde, hoffe ich, dass er eine ähnliche moralische Instanz wie sein Vorgänger wird.

... wir, die feststellen müssen, dass wir bei der Polizei anscheinend absolut als Risikogruppe gelten. Denn wie wenig Polizisten am Sonntag in Oberhausen auf 1860 warteten war schon erstaunlich zu sehen. Und die übliche Polizeike