Norbert regt sich auf vom 30.5.2005

 

über

Abschlussfeier

Vorspiel

Es ist Freitagabend bei blendendem Wetter. Was macht man also in Hamburg? Man sucht sich irgendwas, wo man draussen sitzen kann. Und hier findet man immer wieder eine der grossen Schwächen dieser Stadt. Eine echte Biergartenkultur gibt es nicht. So testeten wir den neueröffneten „Central Park“ und kamen zu dem Ergebnis, dass ein Besuch eigentlich reicht. Langsame Bedienung, Yuppievolk ohne Ende und rosa Bierbänke aus Presspappe sind nun wirklich nicht mein Geschmack. Okay, war trotzdem ganz nett, aber das lag eher an der Möglichkeit richtig zu lästern und an den Ideen, was man so alles bei einem Auswärtsspiel in Rotterdam singen kann.

Aber noch andere Vorspiele fanden unter der Woche statt. So hatte man eine grosse Pro Fans-Aktion geplant, welche sich mit dem Thema „Willkürliche Stadionverbote“ beschäftigen sollte. Dazu sollten mehrere Tapeten in der Südkurve hochgehalten werden, die Slogans enthielten. Und damit das ganze nicht vollkommen sinnfrei bleibt, wollte man diese mit einem Infostand kombinieren. Was jedoch sehr anstrengend war, war die Herstellung der Tapeten. Man begann am Sonntag nach dem Wolfsburgspiel und bereits dort war die Zeit eher knapp bemessen und die Motivation der Leute nach einer langen Saison und viel Arbeit äusserst gering. Hinzu kam noch eine Materialknappheit, die dazu führte, dass man viele Arbeiten in die Woche verlegen musste. Nur dem heldenhaften Einsatz einzelner, insbesondere von Argh, Fahelor, Hülse und Knuffi ist es zu verdanken, dass die Tapeten wie geplant auf die Beine gestellt werden konnten. Und dabei mussten die noch einen Abend unter meiner schlechter Laune leiden. Naja, so konnte eine Blamage verhindert werden, hatte man doch die Choreo schon fröhlich bei Verein und Fans angekündigt. Etwas schade war dann schon, dass die andere Seite der Vorbereiter die versprochenen Doppelhalter nicht hinbekommen hat. Natürlich gelten dort ähnliche Argumente wie die oben genannten, die aber auf dieser Seite leider nicht überwunden werden konnten. Naja, aber auch so war die Aktion sehr gut vorbereitet.

Der Stress war aber noch nicht vorbei. Zugunsten des Fanladens hatte man ja auch noch Frikadellen versprochen. So guckte meinereiner müde Samstagmorgens um sieben in ein nicht weniger müdes Gesicht meiner Fru, aber nützt ja nix, da muss man durch. Und der leckere Frikadellengeruch, welcher ab ca. acht Uhr durch unsere Wohnung zog, versprach doch einiges. Leider durfte ich nicht direkt aus der Pfanne probieren, aber auch diese Qual hielt man für einen guten Zweck durch.

Früh ist ein gutes Stichwort, denn bereits um 11:20 befanden wir uns im Fanladen. Meinereiner ging nun erstmal sein Frühstück zu sich zu nehmen, welches aus einem Hähnchen und Pommes bestand. Was tut man nicht alles für den Aberglauben. Einschub: Ich merke immer mehr, dass es bei dem Aberglauben nicht darauf ankommt, was ich esse, sondern was ich trinke. Gewinnen tun wir nur dann, wenn ich eine Premium Cola und ein Astra im Fanladen trinke, ein Becks Gold in der Kleinen Pause und ein Bier beim AFM-Container. Dies tat ich aber nicht, da ich beim AFM-Container auf Alkohol verzichtete und dem Wasser den Vorzug gab.

So wirklich das Wetter für heisses Hähnchen war es nun auch nicht und daher wurde teilweise auch dem Eis der Vorrang gegeben. War eine heisse, aber doch sehr leckere Angelegenheit.

So gestärkt begab ich mich zum AFM-Container. Hier hatte UPS (Utrecht, Pöbeln, Saufen) ja übelstes angekündigt, was die Musikauswahl betraf. Scooter und irgendwelche ganz üblen Karnevalshits (die nebenbei einem verdammt lange im Kopf rumgeistern) bestimmten das Programm und waren beinah schon wieder erfrischend, wenn man von der sonstigen Punk/Ska-Einheitsmukke ausgeht. Nur: so wirklich mein Ding ist das auch nicht. Leider wurde meine Hoffnung, nun von Hollywood, Regnar oder dem Hessenbauer bedient zu werden enttäuscht, da die sich doch echt ein paar Mädels angeheuert hatten und selber vor dem AFM-Container feierten. Das gibt aber nun wirklich Abzüge in der B-Note, meine Herren. Aufgrund der Musik und der Wärme hielt sich der Andrang vor dem Container auch echt in Grenzen. Nur gegenüber im Schatten der Bäume war es etwas voller. Neben den üblichen Getränken gab es auch einige Eigenarten zu trinken, so konnte man u.a. Götterspeise auf Wodkabasis probieren. Und Leute, ich kann euch sagen, dass ist nix für schwache Menschen.

Nun für mich wurde es Zeit, mein Leibchen abzuholen. Hatte ich doch heute das Pech bzw. Glück aufgrund der oben geschilderten Aktion mit einer Innenraumkarte ausgestattet zu sein. Glück insofern, als dass ich mich in der Nordkurve sitzend niederlassen konnte, Pech insofern, dass ich zum einen voll in der Sonne sass, zum anderen halt alleine vor der Nordkurve und ich zu allem Überfluss noch dieses Plastikleibchen an hatte. Und Leute, ich kann euch sagen, dass ist echt atmungsaktiv.

So schön ja die Bilder werden, wenn man eine Innenraumkarte hat, so langweilig ist es, ein Spiel vor der Nordkurve zu verfolgen. Insgesamt ist in der Nord nicht viel los. Man hört hier USP und Block 1 gar nicht, sondern nur die Gästefans. Bei den Versuchen Wechselgesänge zu starten, hört man die Südkurve, diese dann aber auch ziemlich laut. Das wechselnde „St. Pauli“ wird auch von einigen Leuten zaghaft mitgemacht, aber ein echter Roar ist das noch nicht. Vielleicht nächstes Jahr, so dass es endlich zu dem Traum eines Wechselgesanges über das ganze Stadion kommt.

Ich drifte aber eigentlich zeitlich schon ab. Vor dem Spiel wurden noch zwei lebenslange Dauerkarten übergeben, welche von der Blödzeitung verlost wurden. Hierzu mal trocken folgende Fragen: Wie kann es sein, dass die Blöd solche Karten verlosen darf? Wollte Littmann nicht mal vor geraumer Zeit die Zusammenarbeit mit diesem Schmierenblatt einstellen? Warum dürfen die sich so auf unserem Rasen präsentieren? Warum gibt es eigentlich keine Pfiffe, wenn der Name Bild Zeitung fällt? Warum können hier schon lebenslange Dauerkarten fest zugesagt werden, wenn die normalen Besteller bisher überhaupt nicht Bescheid haben?

Weiterhin wurden vor dem Spiel auch alle Spieler verabschiedet, welche uns verlassen. Meine persönliche Verabschiedung lest ihr erst nächste Woche, denn erst dann habe ich die Saison beendet. Komisch finde ich nur, dass nicht etwa Littmann die Verabschiedung vornahm, sondern Guntram Uhlig. Hatte Littmann etwa Angst vor den zu erwartenden Pfiffen? Schwach ist es allemal, dass sich nicht der Präsident von den Spielern verabschiedet.

Bin ich jetzt beim Spiel angelangt? *überleg* ich glaube, ja. Also, nett anzusehender Sommerkick, welcher 2-2 endete, der vier wirklich hübsche Tore produzierte und niemandem wirklich weh tat. Hauke empfahl sich noch mal nachdrücklich als Stammspieler für nächste Saison und bei Cosmi muss man sich echt fragen, warum er erst so grossartig aufgespielt hat, als es schon zu spät war. Schade eigentlich. In dieser Form ist er für jede Mannschaft in der 3. Liga eine Zierde.

Die Stimmung passte sich dem Spiel an. Freudig, aber nicht überschwänglich und auch nicht zu laut. Nur als Trulsen als Geburtstagsgeschenk noch auflaufen durfte, war die Hütte richtig am kochen. Und plötzlich und spontan klappt der Wechselgesang im ganzen Stadion. Die GG ruft „Andre“ und die Nord sowie die Haupttribüne antworten wirklich mit „Trulsen“. Warum läuft das sonst nicht?

Aus meiner Sicht gibt es an dieser Einwechselung nebenbei nun wirklich nix zu kritisieren. Nein, mein lieber Pectoris, da bin ich vollkommen anderer Meinung. Es ging um nix mehr und da kann sich auch der Trainer mal einen Spass erlauben. Und Spielern wie Marc Nielsen gehört ab nächstes Jahr sowieso die Zukunft. Leider hat es nicht mit dem 3-2 durch Trulsen geklappt, das wäre auch zu schön gewesen.

Geklappt hat aber die Stadionverbots-Aktion, welche auf der Bilderseite sehr gut zu verfolgen ist. Ob Tapeten, welche erst mit den nächsten Tapeten einen Sinn ergeben, wirklich sinnvoll sind, sei hier aber doch bezweifelt. Aufgrund meines „Berufes“ musste ich ja auf alle Tapeten achten, trotzdem habe ich erst beim Ansehen der Bilder alle Sinne verstanden. Aber das sind Schönheitsfehler einer sonst sehr gelungenen Aktion.

Zeitlicher Nachtrag: Nur bedingt gelungen fand ich die „Summer of resistance“ „Senat stürzen“ „Studiengebühren stoppen“ Aktion. Zum einen, weil hier platte Parolen ohne Hintergrund verkündigt wurden, zum anderen weil ich mich frage, was damit erreicht werden soll. Mal ganz ehrlich: Die meisten St. Paulianer werden eher kritisch zu diesem Senat eingestellt sein, die meisten Leute wissen nix über Studiengebühren und können daher mit diesem Plakat nix anfangen. Ich persönlich finde es auch immer noch fraglich, ob man allgemeinpolitische Themen so ins Stadion tragen sollte. Ich sehe das immer etwas kritisch, kann aber irgendwie noch damit leben. Nur das nächste Mal bitte nicht so platt.

Nach dem Spiel liess sich die Mannschaft mit dem üblichen „Saison vorbei, wir tragen ein Plakat um den Rasen, welches wir nicht selber angefertigt haben, sondern welches uns gegeben wird“-Plakat feiern. Sorry, aber mir wirkt das zu gestellt um wirklich irgendeine Herzensrührung bei mir zu verursachen. Da finde ich Gunesch auf dem Zaun mit Megafon schon ehrlicher, spontaner und glaubhafter. Er machte seine Sache sehr gut und sollte es mal nicht mehr auf dem Platz klappen, so ist auf unserem Zaun garantiert Platz für ihn ;-).

Sehr zweischneidig sehe ich, dass Palikuca und Gunesch dann je einen Bengalo in die Hand nahmen und diesen abbrannten. Positiv sehe ich das, weil es a. genial aussah, b. der Polizei und allen Ordnungsliebhabern so richtig gegen das Bein pinkelte und c. es auch mal was „verbotenes“ sein darf. Negativ sehe ich es, weil es a. Ärger mit der Polizei geben wird, b. sie natürlich so ein schlechtes Vorbild für die Jugend sind und c. jeder Fan dafür Stadionverbot bekommen hätte.

Allemal zeigte mir diese Aktion, dass das Klettern auf den Zaun und das Abbrennen absolut nicht abgesprochen oder geplant war, sondern bei den beiden Spielern aus freiem und eigenem Entschluss kam. Und dies finde ich sehr positiv.

Ich hatte während des Spieles bereits 4 Becher mit jeweils 0,5 l Wasser getrunken und doch ging ich vollkommen ausgetrocknet in den Fanladen. Also erstmal drei Wasser zu je 0,25l bestellt und bei Harrys Vagabunden am Tisch auf Ex geleert. Bedanken muss ich mich dabei für das Öffnen der Flaschen, so dass ich die Flüssigkeit schnell in mich hineinbekam. Nach einer kurzen Pause ging es dann zur Saisonabschlussparty.

Ich habe nur die Bands draussen gesehen und die waren schlichtweg langweilig und schlecht. Lustig war es, Fotos zu machen und sich mit den üblichen Leuten zu unterhalten, aber die Party an sich war nicht grossartig. Auch werde ich nie verstehen, warum dies Pflichtveranstaltung für die Mannschaft ist. Wenn man ganz ehrlich ist, dann sieht man ca. 70 % an, dass sie überhaupt keinen Bock darauf haben. Aus meiner Sicht sollen die dann auch zu Hause bleiben. Was nebenbei einige wohl taten, obwohl es eine Pflichtveranstaltung war.

Die Ansprache unseres Kapitäns brachte dann einige Überraschungen, nicht nur, dass dieser fröhlich schwäbelt, nein, er erklärte ausdrücklich auch den Aufstieg zum einzigen Ziel der nächsten Saison. Selbst als Ralle von hinten anmerkte, dass er die Mannschaft damit ordentlich unter Druck damit setze, rückte Fabio kein Stück von dieser Zielsetzung ab.

Er verkündete nebenbei auch, dass er seinen Vertrag um ein Jahr verlängert habe. Lustigerweise steht heute (Montag der 30.5.) in den Zeitungen, dass sein Vertrag noch immer nicht verlängert sei. Irgendwer lügt hier und ich glaube mal eher dem Spieler direkt als den Zeitungen.

Benny Adrion durfte dann noch kurz ein Projekt vorstellen, welches er ziemlich alleine auf die Beine gestellt hat. Es geht dabei um die Wasserversorgung von Schulen in Kuba, welche mit Spenden etc. und mit Hilfe der Deutschen Welthungerhilfe verbessert werden soll. Absoluten Respekt davor, dass er sich so einsetzt. Solange die sportlichen Leistungen unter so etwas nicht leiden ist ein soziales Engagement nur zu begrüssen. Ich denke mal, dass man auf der offiziellen Page näheres erfahren kann.

Leider erwies sich die Leinwand für die Übertragung des Endspieles als nicht wirklich geeignet, so dass die Freibeuterin und ich es vorzogen, uns in die Marktlücke zu begeben. Dort traf man dann auch auf meine Fru, Pauline und den komischen Braunschweiger, so dass man in illustrer Runde das Finale verfolgen konnte. Leider versäumte es der schwache Schiri, Ballack vom Platz zu stellen, und auch sonst spielte Schalke einfach zu schwach, so dass mal wieder Bayern gewann und wir frustriert wieder gen Party gingen. Hier wurde noch ein bisschen gekickert, was aber insofern sich als absolut schwierig erwies, da der Kicker im Knust zum einen auf der einen Seite in Lokalrivalenfarben angemalt ist, zum anderen so schief steht, dass man mit den Lokalrivalenkickern nicht stoppen kann.

So begab man sich noch mal unter freien Himmel, liess den Abend ausklingen und als die Wahl zwischen „rein oder heim“ anstand, entschloss man sich doch relativ früh für „heim“. So endet der Bericht über das letzte Heimspiel der Saison 04/05. Ich freue mich jetzt schon, Euch alle wieder im nächsten Jahr im Stadion begrüssen zu dürfen. Meinereiner dann endlich mit der lebenslangen Version, bin ich dann doch nicht nur stolzer Träger einer Vereinstätowierung, nein, auch noch Inhaber einer lebenslangen Dauerkarte. Oder wie meinte Christof Hawerkamp so schön? „Euch wird man auch nie los“. Wahr gesprochen.

Bevor wir nun zu den Döntjes und allem anderen kommen noch ein kleiner Hinweis: Nächste Woche folgt – wie üblich – der lange Saisonrückblick. Dieser braucht immer etwas mehr Zeit, so dass ihr bitte nicht direkt am Montagabend einen Norbert regt sich auf erwartet.

Und dann war da noch…

… das Nachgetreten, welches ich eigentlich wieder sehr gelungen finde, aber leider mit etwas wenig Inhalt. Das Fanladeninterview ist aber sehr schön geworden und insgesamt sollte man das relativ kleine Herausgeberkollektiv immer wieder loben. Ich freue mich schon auf die ca. 3 Ausgaben der Saison 05/06.

… der Übersteiger, der eigentlich auch gelungen ist, auch wenn die Zeilen, wie toll man USP denn ansprechen kann, hier ausdrücklich anders gesehen werden. Schade finde ich, dass langsam vollkommen auf Döntjes verzichtet wird und der frühere Spass langsam vollständig auf der Strecke geblieben ist. Durch die Kolumne von Thees wird der Übersteiger nebenbei noch „rückwärtslastiger“. Ich denke, dass es nicht nur mir so geht, dass zuerst der Comic und dann eben diese Kolumne gelesen werden, um dann in die Blattmitte zu wechseln. Die Kolumne ist nebenbei erneut grossartig.

… die Gazetta, welche den kritischen Leserbrief enthält, was erstmal mit einem fetten Daumen hoch zu kommentieren ist. Dass die Antwort auf den Leserbrief äusserst dürftig ist, wird jedem aufgefallen sein, der sie gelesen hat. Ganz ehrlich: Der Leserbrief ist so klar, dass man weiss, worum es geht und dass man auch drauf hätte antworten können. Ausser man stellt sich bewusst doof um eben nicht antworten zu müssen. Hat man etwa keine wirklichen Argumente? Ansonsten eine routinierte Ausgabe.

… die Stadionzeitung, für die der Autor dieser Zeilen knipst. Auch wenn der Statistikteil echt dünne ist, finde ich sie immer noch gelungen und hoffe, dass sie mit ein paar Änderungen so bestehen bleibt. Ein voller Reinfall war in dieser Saison eigentlich nur die Aufarbeitung des Mopo/Kuba/Littmann Desasters und dafür mache ich die Macher nicht verantwortlich. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, auch nächstes Jahr wieder die Fotos beisteuern zu können. Dies – nur um das an dieser Stelle mal zu sagen – erfolgt nebenbei unentgeltlich.

… die Finanzen, welche immer noch undurchsichtig ohne Ende sind. In diesem Zusammenhang sind die Worte „Transparenz“, „Klarheit“ und „Ehrlichkeit“ auch noch immer nicht zu vernehmen. Beispiele? Da veröffentlicht die MoPo vorab die neuen Dauerkartenpreise und Modalitäten. Das Präsidium dementiert diesen Bericht durch eine Presseerklärung, um dann zwei Wochen später nahezu genau die von der MoPo berichteten Preise und Modalitäten offiziell zu verkünden. Dies ist äusserst peinlich. Leider ging die damit verfolgte Taktik, nämlich die Aufregung durch das Dementi abzukühlen und zu hoffen, dass sich diese aufgrund von Resignation bei der offiziellen Verkündung nicht wiederholt, voll auf. Es ist wirklich ärgerlich, dass diese erneute Preiserhöhung so nahezu geräuschlos über die Bühne gegangen ist. Okay, geh doch einfach nicht mehr hin, werden die Schlaumeier sagen. Aber sag das mal einem echten Fussballfan, der halt doch irgendwie abhängig ist und der so oder so sein Geld zusammenkratzt um seine Mannschaft spielen zu sehen.

Weiteres Beispiel? Die Informationspolitik zu den lebenslangen Dauerkarten. Da wird gesagt „250 Stück“ und es ginge danach, wann die Anträge eingehen. An der Zahl 250 Stück wird auch dann festgehalten, als feststeht, dass es sich um eine relativ beliebte Ware handelt. So lässt sich zumindest Fechner in der Welt zitieren, als unter der Hand schon von einer Erhöhung der Anzahl spekuliert wird. Heute (30.5.) schreibt auch die Blöd etwas über eine Erhöhung. Und von einer Vergabe nach dem Eingang der Anträge kann auch keine Rede mehr sein, denn warum bitte sagt der Stadionssprecher beim Spiel gegen Krefeld ausdrücklich (und das wird hier jetzt nahezu wörtlich wiedergegeben) „ja, man kann noch Anträge nach dem Spiel im Ligaraum abgeben, es sind zwar schon mehr eingegangen, als Karten verfügbar, aber man kann dies noch machen.“ Nur mit welchem Sinn, wenn danach entschieden wird, wann die Anträge eingegangen sind?

Ein wirkliches Vertrauen in die Arbeit des Präsidiums lässt die nun – wahrscheinlich heute dementierte und übermorgen dann bestätigte – Erhöhung des Kontingentes nicht aufkommen. Man darf nie vergessen: Wir verkaufen hier zur Finanzierung einer Saison zukünftige Einnahmen! Das ist im Bereich von jährlich ca. 50.000 Euro noch ganz okay, sollte der Bereich aber darüber liegen, dann wird das kritisch. Insbesondere, da man so – sollte das Projekt Aufstieg scheitern oder sollte man in zwei Jahren wieder in der Regionalliga spielen – alles verkauft hat, was man hat. Wäre man bei 250 Stück geblieben, dann hätte man als absoluten Notnagel vor der nächsten Saison noch mal 100 verkaufen können. Nur leider waren die Begehrlichkeiten oder die Nöte mal wieder zu gross.

Bedenklich ist, dass wir beim DFB eine Liquiditätsreserve von 1,2 Millionen Euro hinterlegen müssen. Dabei handelt es sich zwar um unser Geld, welches dann im Laufe der Saison auch verfrühstückt werden darf, nur man erkennt, dass der DFB kein Vertrauen in unsere Führung hat dieses Geld selbst so zu bewirtschaften, dass es im Laufe der Saison vorhanden ist. Immerhin müssen wir so ca. 60 % unseres gesamten Saisonetats absichern. Das ist nicht gerade ein Vertrauensvorschuss.

Woher soll dieser auch kommen, wenn unser Verein mit absoluten Luftbuchungen plant? Hier sei nur ein öffentlich diskutiertes Beispiel genannt. Aus einer Leinwand bei der WM will der Verein 600.000 Euro generieren. Mal ganz ehrlich: Dies ist absolut unwahrscheinlich. Folgende Gründe sprechen dagegen: Es wird bereits eine Leinwand auf dem Heiligengeistfeld geben. Da ist eine Leinwand im Millerntorstadion sehr unwahrscheinlich. Die Hauptsponsoren der WM werden versuchen, möglichst werbefreie Areale zu finden. Dies ist unser Stadion definitiv nicht. Selbst wenn es zu einem „Public Viewing“ (aua, was für ein Wort) in unserem Stadion kommt, so halte ich das ganze doch für absolute Luftbuchungen. Denn der ganze Spass kostet 200.000 Euro für die Rechte und einen mir nicht bekannten Betrag für die Leinwand. Hinzu kommen Kosten für Ordnungspersonal, Strom etc. etc. Eintritt kann man für den ganzen Spass nicht verlangen, sonst kommen nur ein paar 100 Leute, insbesondere da dann jede Kneipe billiger wird. D.h. die Kosten sind über Verzehr wieder reinzuholen. Und dabei noch einen Gewinn von 600.000 Euro machen? Da muss schon verdammt viel verzehrt werden. Insbesondere, da selbst bei voller Auslastung nicht sehr viel mehr Leute als 10.000 ins Stadion dürfen.

Wenn ein Verein seine Etatdeckung auf solchen Annahmen plant, dann würde ich mehr als 1,2 Millionen Reserve verlangen.

Immerhin ist angeblich der DFB-Pokal mit 0 Euro in den Rechnungen enthalten. Nun, so bitter es klingt, ein Los „Bayern München“ oder „Lokalrivale“ würde uns sanieren, auch wenn bei letzterem wahrscheinlich grosse Beträge wieder an den Lokalrivalen fliessen würden, da dann im Volkspark gespielt werden müsste, welches sich dieser wieder riesig bezahlen lassen würde. Allemal wäre ein Hammerlos oder aber das Erreichen der 2. Runde sehr wichtig um diese komischen Luftbuchungen des Präsidiums auszugleichen. Natürlich dürfte es aus Fansicht auch gerne das Finale in Berlin sein. Dann würden wir wenigstens auch die nächste Saison bezahlt bekommen.

… Benny, Fan von Hertha BSC, für den die Berliner eine beispiellose Sammelkampagne gestartet hatten, um ihn vor dem Krebs zu retten. Leider hat er diesen Kampf verloren, was sehr traurig ist. Zuerst mal Beileid an die Eltern, Freunde und Bekannten. Man kann nur hoffen, dass die vielen Typisierungen wenigstens anderen Opfern dieser heimtückischen Krankheit helfen können.

… Angie Merkel, die nun aufgrund der Unlust der Sozialdemokraten alle Chancen hat, ab September unsere Bundeskanzlerin zu werden. So sehr ich eine Frau begrüsse, musste es gleich Maggie Thatcher auf Deutsch sein? Ganz nebenbei finde ich es immer wieder erstaunlich, dass Angie ihre Biografie am 3.10.1990 beginnt.

… die Franzosen, welche die EU Verfassung abgelehnt haben und damit leider mal wieder bestätigt haben, dass Volksabstimmungen prinzipiell Mist sind. Leider sind sie der platten Agitation von links und rechts auf den Leim gegangen. Ganz ehrlich: Diese Verfassung hätte den bürokratischen Apparat durch eine Grundrechtecharta, durch Klagemöglichkeiten und durch mehr Demokratie endlich in die richtige Richtung und weg von der alleinigen wirtschaftlichen Denkweise gebracht, aber dies hat natürlich wieder niemand verstanden. Und die Gegner haben anscheinend nicht verstanden, dass diese Verfassung zum ersten Mal den Austritt aus der EU vorsieht.

Aber ganz ehrlich, wenn die Information genau so lächerlich war wie in Deutschland, dann ist diese Ablehnung nicht überraschend. Beispiel? Da macht sich die Hamburger Morgenpost darüber lustig, dass die EU Oberhemden etc. definiert und nennt dies bürokratischen Unsinn. Was sie nicht sagt ist, dass es sich hierbei um Definitionen aus dem Zollkodex handelt, welcher regelt, wie welche Waren mit Zöllen belegt werden. Und sorry, liebe MoPo, für den Rechtsanwender sind dort Definitionen, welche für den normalen Menschen vielleicht albern klingen, absolut notwendig. Guckt euch mal das deutsche BGB oder StGB an, die beinhalten auch teilweise so alberne Definitionen, selbst wenn die Gesetze schon über 100 Jahre alt sind. Ganz ehrlich: Wenn ich mir als Jurist so die deutschen Gesetze ansehe, dann bin ich froh, dass es die EU gibt. Deren Rechtsakte sind meistens noch relativ durchdacht und klar, während die Ergebnisse von Vermittlungsausschussnachts