Norbert regt sich auf vom 18.7.2005

 

über

Wenn Pressesprecher ihre Wünsche erfüllt bekommen…

Vorwort

Trainingslager zu besuchen ist nun eine der Pflichten eines verrückten Fussballfans. Die ganze Woche mitzufahren bot sich dieses Jahr nicht wirklich an, da ich einfach beruflich zu eingespannt bin, aber wenigstens für ein kleines Wochenende wollte man dann die Jungs in Middels doch nicht alleine lassen. So buchten wir kurzfristig ein Ferienzimmer und verlegten uns für eine Nacht nach Ostfriesland. Es folgt nun der Bericht. Gleichzeitig folgen auch noch ein paar Worte zu Strompreisen und Motorrädern

„Ausser den schwarz-gelben Trikots hatten die mit Fussball nix zu tun“

Wie schon gesagt, kurzfristig wurde ein Ferienzimmer gebucht. Dabei fiel mal wieder auf, dass man in Deutschland echt nicht flexibel ist. „Ja wir haben Zimmer frei, wie lange wollen Sie denn?“ „Nur eine Nacht.“ „Oh ich sehe, wir haben doch nix frei.“ Tja, wer unser Geld nicht will, der hat halt schon. Aber nach kurzer Suche bekamen wir dann doch ein Zimmer, welches zwischen 13-17,50 Euro pro Person kosten sollte und machten uns auf den Weg.

Dieser Weg erwies sich als doch etwas heftiger, als er auf dem Plan steht. Zwischenzeitlich regnete es so stark, dass mehrere Fahrzeuge am Rande hielten und wir auf unserem Weg nur mit ca. 30 km pro Stunde unterwegs waren. Ansonsten verlief die Hinfahrt in dem Smart vollkommen entspannt und ereignislos, so dass wir hier eigentlich auch nix zu berichten haben. Die Ausnahme ist vielleicht, dass auf der Landstrasse nach Aurich wirklich die Ostfriesischen Inseln einfach nur mit „Inseln“ ausgeschildert sind. Einfach grossartig. Middels ist nicht gerade eine Grossstadt. Die Gemeinde ist nach Aurich eingemeindet worden und zieht sich über eine relativ grosse Fläche. Unser Fremdenzimmer war in der gleichen Strasse wie das Mannschaftshotel und insgesamt nicht sehr weit weg vom Trainingsplatz. Die Leute waren nett und wir hatten den gesamten Bereich für uns, denn weitere Gäste gab es nicht. Insofern war es auch kein Problem, dass wir das Klo nur auf dem Gang hatten. Als uns dann noch unsere Gastgeberin fragte, ob Ei und zwei Brötchen zum Frühstück okay seien, waren wir schon sehr positiv überrascht, wenn man mal den oben angegebenen Preis bedenkt. Einen kleinen Kühlschrank mit Getränken gab es auch, aber leider kein Jever, auf das ich dann doch scharf war. Aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch „ist ja kein Problem, gibt es ja gleich auf dem Platz“.

Tja, in einem solchen kleinen Dorf wird dann halt eine Strasse gesperrt und man muss vier Euro Eintritt bezahlen, um weiter zu fahren. Drei Leute bedienten die Kasse, wobei einer die Tickets übergab, einer das Geld zählte und einer die Kasse bewachte. Und sich auf Platt unterhielten. Wobei das Platt so unterschiedlich ist von dem Platt, welches ich kenne, dass ich echt Probleme hatte etwas zu verstehen.

Auf dem Platz trafen sich dann die üblichen Verdächtigen. Einen Veteran mit seiner Freundin, wir beide, der DOT und die BlöVo/Galaktic-Wohngemeinschaft waren vom harten Kern anwesend. Hinzu kamen noch ein paar Forengesichter mit Ostfriesischer Herkunft und das wars. Insgesamt 211 Zuschauer bedeuten wahrscheinlich absoluten Minusrekord für ein Spiel der ersten Mannschaft.

Das Spiel ging 27-1 für St. Pauli aus und ganz ehrlich, der Spielverlauf wird in der Überschrift vollständig wiedergegeben. Danke, BlöVoAndy, für dieses Zitat. Irgendwelche Erkenntnisse aus einem solchen Spiel ziehen zu wollen, erscheint mir vollkommen unsinnig und daher lass ich es auch.

Kommen wir zu den negativen Erscheinungen: Es gab kein Jever! Stattdessen lauwarmes Krombacher. Leute, das kann ja echt nicht angehen! Überall in der Republik gibt es Jever und dann kommt man in den Heimatkreis dieses Getränkes und plötzlich gibt es nur Plörre. Das geht ja gar nicht. Naja, ab dem ca. 5 Glas (nebenbei echt Glasgläser) schmeckte der ganze Kram dann doch und so wurde fröhlich getrunken und gefeiert.

Die örtlichen Jungdamen waren vollkommen erstaunt über einen Fussballfan, welcher Gläser trägt und noch mehr über das Tattoo, und die sonstigen Besucher erfreuten sich an der Aussprache des Stadionsprechers. Bei uns spielt nämlich seit neuestem ein Herr Wojc.

Nach dem Spiel kam bei uns irgendwie Hunger auf, obwohl ich doch schon ein zwei Bierchen intus hatte. Da man keine wirkliche Gelegenheit hatte ausser ins Spielerhotel zu fahren, wo eine Pizzeria war, machte man dieses. Wieder kein Jever vom Fass, aber immerhin als Flaschenbier. Das Essen war üppig, das Bier lecker und noch etwas voller machte man sich dann irgendwann in Richtung Bett auf. Die Mannschaft sass in einem abgeteilten Raum beim Abendessen, so dass es zu keinen Berührungspunkten kam, aber diese waren von mir auch nicht gewollt.

Noch kurz ein Fazitbier getrunken, die tolle Dachterrasse unseres Zimmers bewundert und dann in einen tiefen und festen Schlaf gefallen.

Am nächsten Morgen musste ich dann feststellen, dass das letzte Bier eindeutig schlecht gewesen war, denn woher sonst hätte der Kopfschmerz kommen sollen? Gut, kurz geduscht und sich dann dem Frühstück gewidmet. Zwei Brötchen? Ei? Okay waren da, aber von ungefähr 20 Scheiben Brot und riesigen Mengen Aufschnitt war nicht die Rede gewesen. Grossartig! Grossartig auch das Bezahlen, wo das auf dem Zimmer genommene Bier und die 0,7 Liter Flasche Wasser mit 1,70 Euro zu buche standen.

Gut ausgebildeter Nachwuchshool terrorisiert Wilhelmshaven (und seinen Vater)

Nun konnte der nächste Tag beginnen und natürlich wurde dieser erstmal zum Sightseeing genutzt. Kurz: Da wir zu früh zum Training waren, guckten wir uns erstmal die örtliche Granitquadersteinkirche an. Danach erschien man aber pünktlich um 10 beim Training. Hier traf man auch die anderen Trainingslagerhopper, die teilweise selbst das gestrige Spiel verpasst hatten und nun erstmal nur das Training begutachteten. Dass nicht nur bei uns der Euro kein Teuro gewesen war, machte unser Teammanager deutlich, der meinte, er habe gestern zwei Longdrinks bestellt, dann habe die Bedienung 3,20 Euro verlangt und sei auch bei diesem Preis geblieben, als er ausdrücklich darauf hingewiesen habe, dass es sich um 2 Longdrinks gehandelt habe. Auch sonst wurden einige Saufgeschichten ausgetauscht, was auch erklärte, warum alle Anwesenden etwas kleine Augen hatten. Nur BlöVoAndy und Begleitung erschienen nicht. Und das obwohl mein Handy um neun Uhr noch beschlossen hatte, die beiden anzurufen und deutlich zu machen, dass wir sie erwarten.

Die Trainingseinheit bestand aus ein paar Koordinationsübungen, dem üblichen 5-2 Spiel (teilweise super lustvoll, teilweise super lustlos ausgeführt) und ein bisschen Laufen am Ende. Nur der einzige wirklich gesunde Torhüter (Benedikt) durfte wie Sau arbeiten.

Danach kurz mit unserem neuen Pressesprecher geschnackt, welcher dann meinte, dass man ein Spiel in der Vorbereitung verlieren müsse, damit die Mannschaft nicht zu doll abhebt. Sein Wunsch sollte sich ja später am Tag erfüllen.

Wir machten uns nun erstmal in Richtung Wilhelmshaven auf. Nunja, wie soll ich sagen? Nicht gerade eine Perle der deutschen Städte. Zumindest die Fussgängerzone rockt nicht wirklich. Was wir nur wieder feststellen mussten ist, dass man in diesem Land ab Hosengrösse 34 als fett gilt und dazu verdammt ist, nur Sackklamotten in entsprechenden Läden zu kaufen. Zumindest wollte meinereiner eine kurze Hose kaufen, die vielleicht selbst ein bisschen modisch gewesen wäre. Okay, in den Laden rein, eine Hose in XXL gefunden und gedacht „Na die wird dir schon passen“. Falsch gedacht. Um in die Hose zu kommen müsste ich mindestens 40 kg abnehmen. Na herzlichen Dank.

Irgendwann hatten wir dann aber die Zeit bis zur Ankunft der „Reisegruppe Spaddel“ überbrückt und warteten fröhlich am Gleis auf deren Ankunft. Und siehe da, zuerst erschienen BlöVoAndy nebst Gattin. So konnten wir dann zu viert auf den erwarteten Riesenmob warten. Dieser bestand dann immerhin aus fünf Leuten, wobei gerade mal 2 Leute sich aus Hamburg auf den Weg gemacht haben. Schon etwas wenig, wenn mich jemand fragt.

Man begab sich zum Stadion, verstaute nicht stadiontaugliche Gegenstände in unserem Auto und kaufte Eintrittskarten. Alter Schwede, was für ein modernes Stadion haben die bitte? Und was bitte soll ein riesiger VIP-Bereich mit Glasfront in einem Stadion, in dem 4. Liga gespielt wird? Selbst in der 2. Liga gibt es nur sehr wenige Stadien, welche so modern sind und die mit soviel VIP Kram ausgestattet sind.

So langsam trafen dann doch einige mehr Hamburger ein, so dass sich im Gästeblock dann doch ein Mob von ca. 20 Leuten sammelte. Nur USP glänzte – mal wieder – mit kompletter Abwesenheit. Aber immerhin kleben ihre Aufkleber überall rum. Lebe Ultra? Das taten nur die weisen juvenilen Ultras, da dieser – angeblich ja nur im Internet vorhandene Fanclub – immerhin mit drei Leuten am Start war. Gut, die Biber hatten gewonnen, die hatten aber auch Heimvorteil :-). Insbesondere da Thorsten seinen kleinen Racker dabei hatte, der echt gut geschult ist. Loslaufen, Stein in die Hand nehmen und Gästeblock auf der Suche nach Gegnern umrunden. Nur der ärmste Papi kann sich Waldläufe in der Saisonvorbereitung bei dem Hinterhergelaufe echt sparen.

Noch ein Wort zu USP: Böse Sprüche a la „die sind mit Mami im Urlaub“ oder „seit wann interessiert die Fussball?“ waren die Folge der Abwesenheit. Über die Stories aus Montecchio verlier ich jetzt kein Wort, wenn diese nur halb stimmen, sollten sich einige Leute mal echt was überlegen. (das war jetzt ohne Zusammenhang zu dem ersten Satz).

Zum Spiel: Scheissleistung, die sich auch nur bedingt mit Trainingslagerstress erklären lässt. Auch in der zweiten Halbzeit gegen die 2. Mannschaft von Wilhelmshaven gelang gar nix. Und wie sagte ein Wilhelmshavener so schön? „Das ist die Landesligatruppe.“ Da kann ich auch mit schweren Beinen ein bisschen mehr verlangen. Interessant waren nur folgende Details: Nascimento durfte gar nicht mitspielen. Ob dies an einer Verletzung oder an seinen absolut dürftigen Trainingsleistungen lag, kann ich nicht sagen. Zumindest hatte er sich gar nicht umgezogen und sass mit einem Ipod im Ohr auf der Bank. Weiterhin wechselte Bergmann zum ersten Mal nicht nach 45 Minuten alle Spieler aus, sondern wechselte erst nach 60 Minuten komplett durch. Sollte dies ein Hinweis auf die Startelf sein? Dann finde ich zumindest den Sturm etwas überraschend (Wojcik und Shubitidze). Aber da sich alle nicht mit Ruhm bekleckert hatten, kann man weiterhin davon ausgehen, dass die Stammplätze noch nicht vergeben sind.

Ab nach Hause, wobei unsere Bahnbesatzung noch ihre Sachen holte und dann gen Bahn ging bzw. torkelte, wobei sich insbesondere bei Spaddel die Frage stellte, ob nun das Schwanken oder die Liebe ihn an seiner Begleitung festhielt ;-). Nun ja, gerüchteweise sollen die alle gut wieder angekommen sein und Spass hatten nun definitiv alle Beteiligten.

Rückfahrt, siehe Hinfahrt nur ohne Gewitter

Btw: ich verpasse heute mein erstes Testspiel.

und dann war da noch…

… die Harley Tage, die mal wieder zu einer Lärmbelästung des Stadtteil St. Paulis führten, wie ich Sonntagmorgen eindrucksvoll mitbekam. Nichts dagegen, dass das Vergnügungsviertel auch mal zum Vergnügen genutzt wird, aber ich verstehe langsam jeden Anwohner, der einen kompletten Hals hat. Bereits durch Cyclassic, Marathon und andere Veranstaltungen in Anspruch genommen würden bei mir die Lärmbelästungen durch den Schlagermove (und insbesondere seiner Vorparty) und dem Harleyday alle Zündkerzen durchbrennen lassen. Warum das Ganze nicht mehr gestreut werden kann in einer so grossen Stadt wird wohl auf immer das Geheimnis der Stadtplaner bleiben.

… die HEW, welche bald nicht mehr HEW sondern Vattenfall heisst. Dass sie bereits jetzt sich einen Scheissdreck um den Standort Hamburg kümmert, mussten nun die Mitarbeiter der HAW merken, die ihren Arbeitsplatz verlieren, da ein internationaler Konzern nahezu Monopolist ist und diese Macht ausspielt. Was interessiert dieses Unternehmen Kunden am Standort Hamburg? Nix! Viel schlimmer ist, dass all dies von der Politik zu verhindern gewesen wäre, wenn man nicht durch selbstverschuldete Haushaltsnot die HEW verkaufen hätte müssen. So geht nach Hein Gas der nächste Traditionsname verloren und die Interessen Hamburgs werden nicht mehr hier wahrgenommen, sondern in Konzernzentralen weit ab. Und dies alles nicht durch einen Liberal/bürgerlichen Senat, sondern durch Sozialdemokraten. Die Hamburger SPD sollte also jetzt nicht aus der Opposition rumreden, sondern sich für ihr