Norbert regt sich auf vom 30.8.2005

 

über

Vorgeführt

Präskriptum

Dieser Bericht entstand am Mittwoch und Donnerstag während ich auf Fortbildung in Brühl war. Er konnte aufgrund von technischen Gründen erst jetzt erscheinen. Dies wird erst nach dem Oberhausenspiel sein, so dass unten noch ein zweiter Berichtsteil steht. Trotzdem will ich euch ein paar Worte zu diesem Spiel nicht vorenthalten.

Um 17:30 losfahren zum Auswärtsspiel

Bereits letzte Saison fiel das Spiel in Düsseldorf für mich sehr günstig, da es in meine Fortbildungswoche fiel. Auch diese Saison wollte ich gerade Urlaub nehmen, als ich feststellte, dass ich 90 % der Strecke als Dienstreise abrechnen konnte.

So machte ich mich um 17:30 nach dem Ende meiner Vorlesung auf den ca. 70 km langen Weg von Brühl nach Düsseldorf. Ich wollte eigentlich um 18:30 da sein, damit ich meine Pressekarte holen kann.

Einschub: Sind wir wieder bei meinem Hassthema Presseakkreditierung. Normalerweise läuft das in der 3. Liga wie folgt. Man ruft da freundlich an, schickt eine Mail oder Fax mit einem Link oder Ausdruck auf die offizielle Seite, schon wird die Akkreditierung irgendwo am Stadion hinterlegt und fertig. Ich bin dann gegenüber dem gastgebenden Verein noch so fair und kaufe mir eine normale Eintrittskarte. Nur bei Fortuna Düsseldorf ist das alles oberkompliziert. Auf eine Mail wird nicht geantwortet, obwohl der Pressesprecher eine eigene Mailadresse hat. Dann ruft man da an und wird erstmal angepampft. Man müsse eine offizielle Bestätigung des Pressesprechers haben und dann müsse die zugeschickt werden, weil man habe keinen Übergabepunkt. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass die bei „normalen“ Fans Ärger wegen der Kameras machen, dann kann man echt nur mit den Augen rollen. Als Begründung wird angegeben, dass man so viele Arena- Touristen habe und Pressekarten seien so teuer.

Wohlgemerkt: Wir sind in der 3. Liga und nicht in der Champions League!

Es kommt noch besser. Christian Bönig war dann so nett, da anzurufen und alles zu organisieren (Dankeschön!), dies war dann aber immerhin Montag erledigt. Und was macht nun Fortuna Düsseldorf? Die schmeissen die Karte ohne Witz am Montag in die Post. Glücklicherweise kam sie doch noch pünktlich am Dienstag in der Geschäftsstelle St. Pauli an und konnte wieder nach Düsseldorf transportiert werden. Ganz ehrlich: Sich aufführen, als ob man ein Champions League Spiel organisieren würde, aber jeder Kreisligist ist organisierter . Und es kommt noch besser, aber dazu später mehr.

Jetzt befanden wir uns erstmal wieder auf der Autobahn und ich bewegte mich dann mit kleinen Staus aber insgesamt ganz flüssig nach Düsseldorf. Aber selbst bei einer Stunde Fahrt sind Auswärtsfahrten alleine echt langweilig. Einem fehlt ein Ansprechpartner, jemand zum Lachen und nur CDs machen es auch nicht spassiger.

Schnell vorbei und aufgrund der Messenähe besitzt das Stadion eine eigene Autobahnausfahrt und grosse Parkplätze. Diese sind kostenpflichtig, wobei es doch etwas ungewöhnlich ist, dass man aufgefordert wird, das Ticket mitzunehmen und auf diesem notiert wird, wo man denn steht. Auf dem Rückweg musste ich feststellen, dass diese Sache ausserordentlich praktisch ist, da man sonst sein Auto nicht finden würde.

Nun begann die grosse Suche nach unserem Pressesprecher. Trotz kleinerer Verwirrversuche durch Ordner konnte ein Treffpunkt gefunden und die Karte übergeben werden. Als ich dann endlich die Karte hatte, stellte ich fest, dass die meisten Ordner schlichtweg keine Ahnung hatten. Ich wurde von A nach B, dann nach C und von dort wieder nach A und dann nach D geschickt, aber keiner hatte wirklich Ahnung, wo man eigentlich hin muss.

Irgendwann war es dann aber doch geschafft. Ich schweissnass und im Innenraum. Es regnete in Strömen und ein Ordner erzählte mir, dass sie zwar ein zufahrbares Dach hätten, aber das bräuchte eine halbe Stunde, so dass sich dieses nicht mehr lohnen würde. Alles klar. Insgesamt bleibt das Stadion einfach nur hässlich. Insbesondere diese bunten Sitze, die volle Ränge vorgaukeln sollen, sind echt hässlich.

Zum Spiel: Ohne Worte, ein arroganter Auftritt ohne Gegenwehr und eine vollkommen verdiente Niederlage. Bereits in der ersten Minute rennt Hollerieth wie ein Irrer auf einen Düsseldorfer los und mein Gedanke „rot, Elfmeter, danke, Hollerieth“ wurde nur dadurch gestoppt, dass der Schiedsrichter meinte, dass da gar nichts sei. Letztendlich pfiff er den Elfmeter, den man am wenigstens pfeiffen musste. Aber lassen wir das. Hollerieth wird aus meiner Sicht auch immer mehr zum Sicherheitsrisiko. Zum einen faustet er nahezu jeden Ball, auch die, die er sicher festhalten könnte. Zum anderen sind seine Rauslauf-Blutgrätschen so etwas von rotgefährdet, dass er auf kurz oder lang da ordentliche Strafen bekommen wird. Irgendjemand muss ihm dringend beibringen, dass es wichtig ist , den Ball zu treffen. Da können auch ein paar nette Paraden zur Zeit den Eindruck nicht verbessern. Bei diesem Spiel fand ich auch Shubi vollkommenen Mist. Was auch auffiel war, dass unsere Spieler überhaupt keinen Stand hatten, sondern nur auf die Nase flogen. Falsche Stollen? Wie soll das erst im Winter werden?

Die Stimmung auf Düsseldorfer Seite war natürlich gut, aber auch auf St. Pauliseite war trotz des grauenhaften Spieles ordentlich was los. Immerhin konnte man auf der Düsseldorfer Seite dauerhaft St. Pauli hören.

Kommen wir noch zu einem Fehler dieses Stadions. In einem Klo ging wirklich die Klinke von innen nicht. Der Ordner war eher desinteressiert und erst ein Polizist musste da kommen und dran basteln.

Nach dem Spiel brach ich auf, guckte noch kurz bei den Bussen aus Hamburg vorbei und suchte dann mein Auto. Nicht ohne den kleinen Nichtraucherbus (Fanladenbus) zu treffen und ohne lange zu suchen. Die Rückfahrt alleine war genauso spannend wie die Hinfahrt und um 23 Uhr hatte mich mein kurzfristiges zu Hause wieder. Glücklicherweise lief da noch die Weinprobe ;-)

Ein echter Arbeitssieg

Dann wurde es glücklicherweise Freitag. Bis 12:00 Uhr musste ich noch Körperschaftsteuer lauschen, dann konnte ich mich auf den Weg nach Hamburg machen. Köln – Hamburg? Na, mehr als fünf Stunden braucht man nun wirklich nicht, auch nicht an einem Freitag, dachte ich. Nachdem ich für die Strecke Köln-Wuppertal (ca. 40 km) locker über eine Stunde gebraucht hatte, dachte ich anders. Aus Verzweifelung wurde in Kamen die Autobahn auf die A 2 gewechselt und dann der Umweg über Hannover gefahren. Erwies sich als gute Lösung, denn so konnte ich durch einen beinah freien Elbtunnel fahren, anstatt in dem 30 km Stau auf der A 1 zu stehen.

So kam ich zwar nicht pünktlich, aber doch knapp pünktlich zum Hähnchen essen. Diesmal konnte ich aber nur ein halbes Hähnchen essen, mehr bekam ich bei allem Aberglaube nicht runter. Insgesamt war ich jetzt eigentlich nur müde, denn so eine Autobahnfahrt ermüdet denn doch sehr.

Vor dem Spiel konnte noch kurz der Fanladen besucht werden, wo man den Paupi traf und das, obwohl schwäbisch reden doch heute verboten war. Dieser gab mir auch den Demoaufruf für das nächste Heimspiel, aber den möchte ich noch gesondert unten kommentieren.

Gibt es sonst noch was zu berichten? Ich überlege. Oberhausener waren bis kurz vor dem Spiel nahezu keine anwesend, was wahrscheinlich an den oben beschriebenen Staus lag. Sonst passierte vor dem Spiel eigentlich nix.

Das Spiel war ein Synonym für „Arbeitssieg“. Nachdem das Tor in der 1. Minute gefallen war, wurde bei uns in der Ecke doch Aussagen wie „Frühe Tore konnten die noch nie“ oder „Das war zu früh, da war ja gar kein Spannungsbogen.“ gedroschen. Problem war wirklich, dass sie frühe Tore nicht können und daher das Spiel absolut vor sich hinplätscherte. Irgendwann fiel dann das 2-0 und der Tag hätte vollkommen ohne Aufregung enden können, wenn nicht Hollerieth, Hauke und noch ein Abwehrspieler das Spiel „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ gespielt hätten und nach ca. 3 Minuten ein Oberhausener beschloss den Ball rein zu schiessen. In der Nachspielzeit übte sich dann Oberhausen in üblen Abwehrfehlern, als ein Abwehrspieler locker den Ball an seinem herausstürzenden Torhüter vorbei spielte und Wojcik gekreuzigt worden wäre, hätte er den Ball daneben gesetzt. Erstaunlich dabei war, dass während des ganzen Spieles die Abwehrspieler mehrfach dem Torhüter den Ball aus den fangbereiten Händen geschossen hatten. Absprache gleich null.

Zu Einzelspielern: Nascimento: SO ein absoluter Gewinn. Stand wie eine Mauer und beinah jeder Pass von ihm lag auf dem Fuss des Mitspielers. Wo angeblich die „Fehlpässe“ gewesen sein sollen, die MoPo und Abendblatt gesehen haben wollen, weiss ich nicht. Shubi: Erneut ein richtig mieser Auftritt. Scheint so ein bisschen von der Rolle zu sein. Insbesondere fällt auf, dass er ohne Meggle viel weniger effektiv ist. Wojcik: Eigentlich nicht zu sehen, wird einmal angeschossen, staubt einmal ab, gibt einen guten Pass. Was will man mehr von einem Stürmer? Hollerieth: Siehe Düsseldorf. Hauke: Zu Recht nach seiner Verletzung mit Standing Ovations verabschiedet. In dieser Form eine echte Alternative. Lustig dass er von Anfang an spielte, nachdem er in Düsseldorf noch zur Halbzeit ausgewechselt wurde.

Nach dem Spiel noch kurz in den Fanladen und dann wurde Müdigkeit, Alter und Woche Tribut gezollt. Erstaunlich dabei war dass erneut keine Polizei vor dem Fanladen auf marschierte. Haben die endlich begriffen, dass das Blödsinn ist?

Nicht lachen, mitmachen

Und als wäre man nicht genug Auto gefahren, ging es dann noch nach Meppen. Um 14 Uhr unsere Autobesatzung am Klubheim vervollständigt und eigentlich sollten die Leute, die da standen, dort nicht stehen. Denn dort stand noch der gesamte Ultrabus. Nur leider ohne Bus. Okay, wenn man jetzt gemein wäre, würde man sagen „hättet ihr mal jemandem überlassen sollen, der das kann“, aber das ist nun wirklich nicht ernst gemeint, denn dies kann jedem Reiseleiter passieren und ist der absolute Albtraum. Daher mein vollkommen ernst gemeintes Beileid.

Die Hinfahrt war – mal wieder – ereignislos, wären da nicht zwei Umleitungen, drei Jesuskreuze (man merkt, wir kommen in katholische Gegenden) und ein Dorf namens Eltern gewesen.

Die Stadionsuche in Meppen war etwas komplexer, da die es nicht wirklich nötig haben, ihr Stadion auszuschildern, aber aufgrund eines Grafschafters im Auto, welcher über Ortskunde verfügte, konnten wir das Stadion dann doch finden.

Eine Stunde vor Beginn war da absolut nix los. Dank Freikarten von Hermann (Dank dafür!) enterten wir das Stadion über die Heimseite und vermieden so Ordner im schwarzen Kampfdress mit Handschellen. Das legendäre Klubheim verkaufte zwar leckere Getränke, aber zu Essen geben sollte es nur Schnitzelbrötchen, obwohl der Laden „Kartoffelklause“ oder so ähnlich heisst. Für unsere hungrige Vegetariern war dies irgendwie nix, aber glücklicherweise gab es noch Pommes am Stand draussen.

Erstmal setzten wir uns auf die Haupttribüne, da wir einen leeren Gästeblock erwarteten. Da hatten wir uns aber getäuscht, denn neben den örtlichen Punkern hatten sich dann doch ca. 5 Hamburger im Block versammelt. So wechselten wir nach einer halben Stunde die Seite, wobei wir bewusst nicht bis zur Halbzeit warteten, da sich im Meppenblock doch einige finstere Gestalten tummelten. Krank war dabei, dass wir direkt neben dem Gästeblock sassen, aber man einmal um das ganze Stadion rennen musste, um in diesen zu gelangen. Dies lernten auch unsere beiden zu spät kommenden Damen, welche hoppermässig erst zur 2. Halbzeit kamen.

Über das Spiel hüllen wir mal lieber den Mantel des Schweigens. Unsere Küken brauchen noch Zeit. Viele Ansätze, aber insgesamt sind die viel zu grün hinter den Ohren, um so ein Spiel mal 0-0 zu spielen. Ich denke aber, dass sich die Truppe im Laufe der Saison noch steigern wird.

Ratet mal: Die Rückfahrt war ereignislos ?

Und dann war da noch…

… der Demoaufruf gegen den Naziladen in der Talstrasse. Absolut unterstützenswert, absolut richtig und absolut überfällig. Nur muss das an einem Spieltag sein? Ich halte extrem wenig von Demos nach Spielen. Gründe? 1. Die Polizei ist sowieso schon hektisch aufgrund des Spieles 2. Es ist teilweise bei Leuten erheblicher Alkohol im Spiel und das hat für mich auf einer politischen Demo nix zu suchen. 3. Emotionen des Fussballes schwappen auf die Demo. Aus meiner Sicht nicht sinnvoll, wenn man eine taktisch gute Demo machen will. 4. Es laufen teilweise absolute Vollhonks mit, denen es nicht um die politische Aussage geht, sondern um betrunken Randale machen. So zumindest meine Erfahrung aus den Bambuledemos.

Aus diesem Grund auch kein Aufruf zu dieser Demo, obwohl ich – unter Zurückstellung meiner Bedenken – mitlaufen werde.

…. die Strassenkunstbewegung, die mir einen „Poptown“ Aufkleber beschert, an dem ich jeden Tag vorbei fahren muss. Ich krieg einen Knall!

… die selbe Bewegung, welche Bramfeld mit USP Aufklebern beglückte. Was auch die Polizei anscheinend sehr interessierte und von dieser – als ich da vorbeifuhr – fotografiert und sonst spurensicherungstechnisch untersucht wurde.

… die Auswirkungen des Berliner Derbys, wo die Polizei eine Disko auseinander genommen hatte und alle Anwesenden gepflegt verprügelt hat, weil angeblich „Rädelsführer“ der Hools da zu finden gewesen seien. Die Berichte lesen sich teilweise haarsträubend und wie Fans in den Medien behandelt werden, konnte man bei der BZ sehen, die ohne Witz mit einer Schlagzeile „Danke, Polizei“ aufmachte. Nun soll mal folgendes festgehalten werden: BFC ist ein Verein mit dem ich absolut keine Sympathien habe, denn da tummelt sich nun wirklich genug finsteres Volk. Die BFCler hatten Aufrufe wie „Bluten für Union“ mit dem Datum des Spieles laufen, so dass man sich nicht wundern muss, wenn die Polizei hektisch wird. Die Kneipe war wohl bekannter Treffpunkt der BFCler. Dies alles würde vielleicht eine Beobachtung der Kneipe rechtfertigen und Personenkontrollen, aber ein systematisches Auseinandernehmen des Ladens und ein Festhalten aller Anwesenden rechtfertigt dies absolut nicht. Und das schlimme ist: Die Polizei hatte damit medialen Erfolg, d.h. diese Nummer werden sie noch mal