Norbert regt sich auf vom 5.9.2005

 

über

Spaghetti oder Antipasti?

Vorwort

Ich muss meinen letzten Bericht klar stellen. Natürlich sollt Ihr wählen gehen! Das „Bitte nicht wählen“ bezog sich nur auf die Linkspartei, welche aus meiner Sicht einfach populistisch ist und nicht ernsthafte Politik betreibt. Aber dazu noch an anderer Stelle mehr. Ich kann es ja nicht lassen, mich zu den Steuerkonzepten mal auszulassen. Denn was da für ein Mist gesagt und geschrieben wird, geht auf keine Kuhhaut. Aber erstmal sollten wir uns mit den wichtigen Dingen im Leben beschäftigen, und dies ist nun mal Fussball.

Frühe Tore sind Gift für St. Pauli

Ich hatte letzte Woche frei und da bot es sich doch mal an, zum Training zu gehen. So besuchte ich am Montag und am Freitag die Trainingsstätte unserer geliebten Profis an der Kollaustrasse. Man kann viel über das Training reden, aber so richtig verstehen wird man als Aussenstehender Trainingsformen im Fussball nie. Was mir an beiden Tagen auffiel ist, dass eigentlich nur die Torhüter sich eines speziellen Trainings erfreuen. Alle anderen Mannschaftsteile trainieren zusammen und ohne Unterschied, ob es nun Stürmer, Mittelfeldspieler oder Defensivspieler sind. Ob dies normal ist, weiss ich nicht, aber teilweise denke ich, dass mehr Individualität nicht schlecht wäre. z.B. Flanken üben mit unseren Aussenspielern. Aber ich bin kein Fussballlehrer und Andy Bergmann wird dafür hoch bezahlt, dass er weiss was er da tut. Montagnachmittag wurde auch noch gepflegt gelaufen (oder „den Forrest Gump machen“, wie das so schön genannt wurde). Sonst ist es echt faszinierend, was sich alles am Rande tut. Da rennen echt Tausende von Leuten über den Platz, und bei einigen weiss man echt nicht, was die da wollen. Und damit meine ich nicht die Vereinsangestellten, sondern die „Trainingskiebitze“, die sich teilweise gar nicht aufs Training konzentrieren.

Nach einem ruhigen Freitagabend erhob man sich am Sonnabend zeitig, um auch pünktlich zum rituellen Hähnchenfuttern zu kommen. Da sich aber Trulline und Ruhri noch im verdammt entspannten Urlaub befanden und die Vagabunden lieber Junggesellenabschied feierten (an einem Spieltag!!!), waren wir heute nur in der kleinen Besetzung unterwegs. Aber netterweise unterstützten uns Flo und Pauline. Flo hat sich nebenbei ein Trikot offiziell beflocken lassen und zwar mit dem Namen von Philip Albrecht. Und nun kommt der Gag: Die Nummern sehen nicht etwa aus wie auf den Originaltrikots. Nein, das sind ganz einfache Nummern in einem anderen Design. Mal ganz ehrlich: Das finde ich ziemlich unprofessionell.

Nach dem Hähnchentod noch zum Fanladen. Dieser hatte heute eine Aussengalerie, da auf der Brigittenstrasse Strassenfest war. Einfach nur schön. Das können wir bitte ab jetzt jedes Mal haben, so mit Bier vom Fass (das bekommt nicht mal der Fanladen schal hin ;-)) und ein bisschen Trubel drumherum. So könnte es immer sein. Insbesondere über das Bier vom Fass sollte der Fanladen echt mal nachdenken. Obwohl mir klar ist, dass diese Idee alleine schon wegen des damit verbundenen Aufwandes beinah nicht umzusetzen ist.

Danach ging es Richtung Stadion, wo ich meine Dauerkartensammlung unter das Volk bringen wollte. Aufgrund von unzähligen Urlauben hatte ich insgesamt 6 Dauerkarten in der Tasche, was einen nicht wirklich entspannter macht, da ein Verlust dazu führt, dass man 5 Freunde weniger hat. Ist aber alles gut gegangen.

Vor dem AFM Container der übliche Menschenauflauf. Leider gelang es mir nicht, ein Foto vom Mannschaftsbus der Leverkusener zu machen, hatten die doch ohne Witz die Damenvolleyballmannschaft (oder zumindest deren Bus) geschickt. Im Stadion war es dann doch ziemlich leer. Leverkusener waren keine vorhanden und erschienen auch nicht – wie von der Freibeuterin per SMS vermutet – zur 2. und 3. Halbzeit. Und die beiden Alibi-Leverkusener, welche Pauline begleiteten, zählen wir jetzt mal nicht. Auch ansonsten waren von den offiziell 14.000 Zuschauern einige nicht anwesend, da wohl Dauerkarte gekauft und heute doch mal keine Lust gehabt.

Zum Spiel: Nach 2 Minuten fiel das 1-0, ich habe es nicht gesehen, da ich noch auf dem Weg zurück vom Fotos machen war, und danach bekam unsere Mannschaft nix mehr gebacken. In der zweiten Halbzeit hätte Leverkusen ausgleichen MÜSSEN und gewinnen MÜSSEN, scheiterte aber an der eigenen Unfähigkeit und einem gut aufgelegten Hollerieth, welcher wirklich grossartig hielt. Erstaunlicherweise pflückte er auch mal wieder Flanken runter, anstatt sie einfach irgendwo in die Gegend zu ballern. Irgendjemand meinte während des Spiels zu jemanden, den ich kenne ;-), dass er anscheinend meine Kolumnen liest. Wenn es denn hilft: umso besser. Na, dann hoffe ich auch, dass Shubi hier mal reinguckt und endlich lernt, den Ball abzugeben oder einfach mal draufzuballern anstatt auf das Foul im Strafraum zu warten. Seine Stolpereinlage freistehend im Strafraum sorgte doch für deutlich mehr graue Haare auf der Tribüne. Meggle betätigte sich heute als Standfussballer, aber er sei mal aufgrund seiner Verletzung entschuldigt. Was mich extrem gestört hat ist dass in der zweiten Halbzeit das ganze Verschieben im Mittelfeld und das frühe Stören absolut nicht mehr klappten. Da lief wieder jeder Angriff schnurstracks durchs Mittelfeld und die gegnerischen Spieler konnten ungestört durch unsere Abwehr marschieren. Das muss sich bis Berlin dringend ändern, sonst bekommen wir da mindestens 5 Tore eingeschenkt.

Irgendwann war dann Schluss und nicht wirklich alle glücklich. „Arbeitssieg“ ist wahrscheinlich die absolute Killerphrase für dieses Spiel. Unbeliebt machte sich noch Meggle, der seinen Frust bei den Fans ablud und nach mehreren Zeugenaussagen auf Höhe unserer Ultras an dem „Jubelsitzen“ rumnörgelte. Ich kann Frust verstehen, aber den lässt man doch bitte nicht bei den Fans ab und schon gar nicht an einer Jubelform, die von den Spielern aufgebracht wurde, nicht von den Fans, jetzt aber aktiv von den Fans mitgestaltet wurde.

Genausowenig versteh ich, warum Hollerieth sich da beinah eine Schlägerei mit Leverkusenern liefert. Wenn es da schlecht läuft, dann geht da keiner zwischen woraufhin der DFB ermittelt und Hollerieth für ein paar Spiele auf der Tribüne sitzt. Er muss dringend seine Nerven zusammenhalten lernen, sonst ist er ein echtes Risiko.

Nach dem Spiel ging es zur Demo, welche erstaunlich diszipliniert, erstaunlich ruhig (im Sinne von gesittet) und erstaunlich gut ablief. Insgesamt ca. 2.000 Teilnehmer (warum nur jeder 7. Stadionbesucher?) lieferten eine eindrucksvolle und auch deutlich sicht- und hörbare Demonstration ab. Hinzu kamen gute Wortbeiträge und ein absolut friedlicher Verlauf. Schade, dass diese Form der Demonstration nur der MoPo einen grösseren Bericht wert war. Das Abendblatt immerhin noch mit einer Kurznotiz, die Blöd schweigt das Thema tot. Wie wäre es gewesen, wenn man die Talstrasse gestürmt hätte und alles kurz und klein geschlagen hätte? Ich persönlich bedauere es sehr, dass friedliche Demos anscheinend keine Mitteilung und schon gar nicht einen grösseren Bericht wert sind.

Ganz ehrlich: Meine Vorbehalte gegen Demos an Spieltagen sind deutlich geringer geworden. Zwar immer noch nicht ganz weg, aber doch durch einen sehr guten Verlauf deutlich zurückgegangen. Aber ich irre mich in solchen Fragen sehr gerne.

Der Tag klang dann auf dem Strassenfest aus, wo es wieder gezapftes Bier, nette Unterhaltungen, komische Plattensammlungen (die sind von the one and oly und gehören nicht in unsere Poppenbütteler Wohnung, nur um das Foto mal aufzuklären) und rumlungern in der Sonne geprägt. Und eigentlich wäre auch der Rest des Tages sehr schön geworden, wenn ich nicht bei einem leckeren Italiener Spagetti Bolognese und Antipasti gegessen hätte. Eines von beiden war schlecht und so hing ich die Nacht überm Klo. Und nein, es lag nicht am Alkohol, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich vielleicht über den Tag verteilt vier Bier getrunken.

Na, immerhin kam ich so in den Genuss der langen Leone-Nacht und konnte mir so den Klassiker „Für eine Hand voll Dollar“ reinziehen.

„Hör auf zu meckern, du Student“

Dementsprechend war ich Sonntag dann doch etwas angeschlagen. Aber das war schon okay, denn die Fraktion der kleinen Augen war doch sehr gross. Klar bei einem Spiel, welches aufgrund irgendwelcher nicht bekannten Gründe bereits um 14 Uhr beginnen sollte. Ob Altona mit Verlängerung gerechnet hatte?

Das Spiel ist schnell erzählt: Für unsere 2. Mannschaft gab es absolut nix zu erben und sie ging sang- und klanglos mit 5-1 unter. Zwar waren beide Elfmeter für Altona lächerlich und ein Tor war Abseits, aber das ändert nix an dem Fakt, dass dies nicht spielentscheidend war und Altona wahrscheinlich sonst noch reguläre Tore erzielt hätte.

Was fehlt unserer Truppe? 1. Die Stimme. Wenn man hört, wie viel Altona auf dem Platz miteinander kommuniziert und wie viel gegenseitig sich angefeuert wird, dann ist die Schweigsamkeit unserer Mannschaft echt auffällig. Da fehlt ein Kopf, jemand der das Heft in die Hand nimmt und der die jungen Dinger leitet. Dies ist auch nicht Michi Hempen, denn dazu ist er viel zu doll alleiniger Abwehrspieler, womit wir auch schon bei 2. Ein Mittelfeld sind. Es fehlt ein Balltreiber. Erinnert ihr euch an Cosmi? Das wäre so einer vom Typ her.

3. Eine Abwehr. Sorry, ohne den Mann mit den vielen Os im Namen ist diese Abwehr nicht oberligatauglich. Hempen ist schlichtweg zu langsam, der Rest viel zu unerfahren bzw. schlecht. Hier muss dringend was passieren. 4. Ein Trainer? Ich weiss es nicht. Fakt ist, dass es natürlich nicht förderlich ist, dass Frank Bernhard genau jetzt seinen Fussballlehrer macht, aber irgendwann muss er den nun mal machen. Fakt ist natürlich auch, dass Frank Bernhard mit seiner ruhigen, teilweise schüchternen Art schnell ein Kommunikationsproblem bekommen kann. Es gilt abzuwarten, wie er die Krise nun meistert. Normalerweise fängt sich unsere 2. Mannschaft im Laufe der Saison noch, mal sehen, wie es diesmal kommt.

Was gibt es sonst noch zu berichten? 990 Zuschauer sahen das Spiel. Die Mehrheit hielt Altona die Daumen. Was nervt in Altona? Allemal die ca. 15 Lokalrivalennasen, welche hinterm Tor standen, ziemlich finster aussahen und auch mit „Scheiss St. Pauli“-Rufen auffielen. Diese wurden aber – und dies sei hier mal sehr respektvoll gesagt – aus dem „Schwarzen Block“ der Altonesen mit „Halts Maul, Stellingen“ gekontert. Insgesamt gibt es ja wohl kein Publikum, welches so pöbelt wie die Altonesen. Siehe Überschrift. Da kann man denen echt nur ein Kompliment aussprechen. Lustig auch, wenn sich dieses Gepöbel mit definitiv vorhandenem Fussballsachverstand kreuzt. Block brüllt „Abseits“, Linienrichter hebt Fahne, obwohl nicht zwingend, Block lacht herzhaft, weil Linienrichter gut pariert.

In diesem Zusammenhang sei mal folgendes erwähnt. Es waren auch zwei Lokalrivalenfans anwesend, die gerne mal als Nazis bezeichnet werden. Auffällig daher, wenn auch nicht zwingend freisprechend, ist, dass diese beiden im „Schwarzen Block“ standen und sich ganz entspannt die Schilderungen der Demo von Samstag anhörten.

Richtig doof stellte sich Herr Palikuca an, der sich eine dämliche rote Karte wegen Nachtretens einhandelte und auch vorher nicht gerade überzeugte. So wird das in nächster Zeit nix mit einem neuen Auftritt in der 1. Mannschaft.

Ich mache während eines Amateurespieles im Durchschnitt 250 Fotos. Diesmal waren es nur 150, was schon zeigt, dass es nicht viel von unserer Truppe zu sehen gab. Da ich auch noch meine Spaghetti-Geschichte zum besten gegeben hatte, durfte ich mich das ganze Spiel über fragen lassen, ob ich nicht Lust auf Spaghetti hätte oder ob ich mit zum Italiener wolle. Jaja, wer den Schaden hat muss für den Spott nicht sorgen. Dass dann abends noch eine SMS kam, in der gefragt wurde, ob man mich nicht mit einem Kilo Hack einreiben dürfe, schoss dann endlich den Vogel ab. Auch gerade weil diese SMS auch noch von einer Vegetarierin (zwar im Auftrag einer Gruppe, aber immerhin) geschrieben war.

Nach dem Spiel habe ich noch unsere Fahrradkünstlerin im Krankenhaus besucht (Gute Besserung, Maike) und dann den Abend entspannt ausklingen lassen.

Nachtrag zu beiden Spielen: Ich sage bewusst immer möglichst wenig zu Schiedsrichterleistungen, daher ist dieses Thema beim Leverkusenspiel auch ausgespart.

Und dann war da noch…

…. unsere eben besungene 2. Mannschaft, welche nächste Woche 16 Uhr an der Sternschanze spielt. Vorteil 1: Man kann ausschlafen. Vorteil 2: Man kann in Ruhe vorher wählen oder die A-Jugend begucken (diese spielt um 11 Uhr). Vorteil 3: Man sieht Bounoua, da wir gegen dessen neuen Verein spielen. Vorteil 4: Es gibt ein neues Stadionsprecherteam. Dieses sucht nebenbei noch eine vernünftige Einlaufmusik für unsere 2. Mannschaft. Vorschläge entweder ins Forum oder an mich, ich leite die dann gerne weiter. Sprich: mit etwas Glück hört man noch seinen eigenen Favoriten! Vorteil 5: Es gibt dort lecker Bier und Wurst, und da es später am Tag ist, schmeckt die umso mehr. Vorteil 6: Spass und Spannung ist immer garantiert. Daher: Ich will mindestens 500 Zuschauer sehen! Wer macht mit mir einen Aufruf? Kommt alle zur 2. Mannschaft! Brinkum ist nebenbei Tabellenletzter, so dass das Spiel dringend gewonnen werden muss.

… Dynamo Dresden, deren Fans nach dem Spiel in München – mal wieder – negativ auffielen, da sie u.a. eine Tankstelle plünderten und dort mit Leuchtspur schossen. Es ist einfach unglaublich, was die sich rausnehmen. Ich bin sonst wirklich kein Freund harter Strafen oder so, aber es ist nun zum wiederholten Male so, dass die absolut negativ auffielen. Und bei einem Verein, der fett vor dem Gästeblock ein „Hooligans Elbflorenz“ hängen hat, kann man auch nicht von einer kleinen Minderheit sprechen. Ganz nebenbei: Ich finde das Klauen in Tankstellen nebenbei unter aller Sau und sollte ich das jemals bei uns mitbekommen, dann gibt es eine entsprechende Ansage. Man schädigt nämlich nur die Pächter der Tankstellen und nicht etwa die grossen Konzerne. Und glaubt mir, wenn man eine Tankstelle gepachtet hat, dann ist man eine ganz arme Sau. Aber zurück zu Dresden: Langsam helfen nach Ausschreitungen zu Hause gegen Chemnitz, DSC, Auswärts in Karlsruhe nur noch Massnahmen wie allgemeines Auswärtsverbot etc. Tut mir Leid für eventuell vorhandene friedliche Dresdener, aber ich habe auch keine Lust mit meinem Verein die Suppe auszulöffeln, welche diese Nasen allen Fussballfans einbrocken.

… die Gazetta, welche diesmal ein sehr interessantes Thema in der Packungsbeilage anreisst, nämlich das übernehmen von Rebelsongs, bzw. das Mitbringen von Flaggen, welche eine politische Meinung vertreten (in diesem Zusammenhang die Palästina-Fahne). Interessante Ansicht (die kritische Ansicht der Gazetta) zu den Flaggen, die jedoch genauso für weitverbreitete kommunistische Fahnen gelten müsste, oder? Allemal eine schwierige, notwendige und wichtige Diskussion, die in der Gazetta am Thema „Fanfreundschaften“ aufgehängt wurde, aber garantiert noch mehr Platz und Aufmerksamkeit verdient. Nur viel Spass dabei, denn da werden verdammt viele unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen. Ansonsten absolute Bewunderung für die 14-tägliche Erscheinungsweise.

… der Wahlkampf, welcher nach dem guten alten Prinzip: „Lügen, Lügen, Lügen und immer an die Stimmen denken“ (entnommen dem Focus, ehrlich gesagt musste ich sehr lachen, obwohl ich die Zeitung sonst gar nicht mag) geführt wird. Sehen wir uns doch mal ein paar Thesen genauer an:

These 1: Wir besitzen ein durchgerechnetes Steuermodell (so CDU/FDP): Dem mag so sein, die Wahrheit wird aber trotzdem verschwiegen. Denn was diese Parteien nicht besitzen, ist ein durchgerechnetes Gesundheitsmodell. Die Kopfpauschale soll über Steuermittel „sozial gerecht“ gemacht werden. Aber wo diese Mehrausgaben durch Mehreinnahmen bzw. Mehreinsparungen herkommen sollen, dass weiss niemand. Die 2 % Mehrwertsteuer reichen dafür definitiv nicht, werden von der FDP immer noch angezweifelt und sind von der CDU schon mehrfach verplant worden.

Ganz ehrlich: Ich halte es für eine absolute Lüge, wenn man behauptet, man wolle das Steuersystem vereinfachen, bevor man nicht sagt, wie man Gesundheit und Rente weiter finanzieren will (denn dieses Geld soll nach CDU denken aus dem Steuerhaushalt bezahlt werden). Und dazu gibt es zwar Schlagwörter wie „Kopfpauschale“ und „Bürgerversicherung“, aber was wirklich dahinter steht, dass hat uns bisher keiner gesagt.

These 2: Kirchhof ist bezahlbar bzw. nicht bezahlbar (Alle): Das weiss absolut keiner, denn wozu Kirchhof bisher keine Aussage gemacht hat sind Fragen der Unternehmensbesteuerung. Und da kommt immer noch ein grosser Teil der steuerlichen Auswirkungen her. Mal ganz davon ab, dass niemand wirklich Kirchhof umsetzen will.

These 3: Kirchhof ist unsozial bzw. man kann Deutschland doch nicht zum Versuchsfeld von Kirchhof machen (SPD): Unsozial? Der Spiegel bezweifelt dieses, aber wirklich wissen tut dies keiner, da man wieder wissen müsste, welches Gesundheits- bzw. Rentensystem dazu gehört. Und das mit dem Versuchsfeld ist ein Scheinargument, denn dann darf man ja nie neue Gesetze machen, denn alle diese haben irgendwo „Versuchscharakter“. Mal ganz davon ab, dass keine Partei Kirchhof wirklich umsetzen will.

Das nur mal exemplarisch an der Steuerpolitik. Jeder will ein einfacheres Steuersystem, aber wirklich gesagt, wie es gehen soll, hat keiner. Insgesamt ärgere ich mich sehr über den Wahlkampf, denn inhaltsleerer habe ich ihn noch nicht erlebt. Das führt auch dazu, dass ich mich immer noch zu den unentschlossenen Wählern zähle, wobei ihr euch von meiner politischen Grundausrichtung vorstellen könnt, dass gewisse Parteien eher nicht in Frage kommen.

Aber ich bleib dabei: Geht wählen! Sprüche wie „Würden Wahlen was verändern, wären sie verboten.“ sind absolut inhaltsleer und falsch. Wenn ihr was ändern wollt, dann engagiert euch und dann werdet ihr was ändern. Nur halt nicht von heute auf morgen. Nur was