Norbert regt sich auf vom 19.9.2005
über
Warum frei pinkeln in Berlin verboten ist
Liebe Leser, ich mag unsere Hauptstadt nicht. Ich kenne genau drei nette Berliner und das ist bei einer Stadt, welche ungefähr 4 Mio Einwohner hat, nicht gerade viel. Ich finde die Stadt zu grau und mit dem Dialekt kann ich nix anfangen. Dies sei gleich erwähnt. Was erwartet euch heute? Ein Bericht über das Spiel bei Hertha II, ein Bericht über das Spiel gegen Brinkum und natürlich ein Gejaule über die Bundestagswahl. Lest und freut euch. Oder auch nicht.
Ein Roman muss mit einem Satz beginnen, welcher den Leser fesselt und ihn dazu verleitet, das weitere Buch zu lesen. So etwas lernt man, wenn man Snoopy und Co. in der MoPo liest. Und genau damit begann der Tag heute. Fesselt euch also der erste Satz dieser Kolumne? Oder die Überschrift? Ich weiss es nicht, aber ich schreibe ja auch keinen Roman. ;-)
Warum ich bereits um sieben Uhr am Clubheim war, kann ich euch rückblickend nicht sagen, aber es war definitiv zu früh. Ich war nämlich der Erste. Naja, kurze Zeit später kamen bekannte Gesichter und man konnte gemeinsam auf die Abfahrt warten. Sehr früh erschienen heute mal die Busse unseres geliebten Busreiseunternehmens „Hamburger Sportreisen“, so dass wir uns bereits Sorgen machten, dass unser Reiseleiter nicht pünktlich kommt. Aber gerade als der Bus die Auffahrt heraufgefahren war, kam auch unser Reiseleiter und wurde mit der allseits beliebten Frage „1, 2 oder 3?“ begrüsst. Das Licht sagte uns dieses nicht wirklich, aber kurze Zeit später hatte jeder Bus seine Nummer und wir konnten beginnen, unsere Plätze einzunehmen.
Da meckere ich in letzter Zeit darüber, dass niemand „organisiertes“ mehr mit dem Fanladen fährt und plötzlich bekommen wir einen Bus hin, der beinah ausschliesslich aus organisierten Leuten besteht. Dieser war auch noch von Heiko gemanagt, so dass einer entspannten Fahrt nichts mehr im Wege stand. Nicht ganz so gut hatte es der Praktikant des Fanladens getroffen, hatte er doch einen Bus erwischt, der zum grössten Teil aus fröhlichen Saufnasen bestand. Oder wie sie spontan genannt wurden „Kutten ohne Gruppen“ (KoG). Diese lieferten sich morgens nebenbei auch schon ein echt tolles Gespräch. „Ich habe mir da so ein Heft gekauft, da gibt es in Kneipen so 2 für 1. Und bei Pauli (gemeint ist das Klubheim) gibt es ein Besteck.“ (Seine Kumpels schweigen tief und fest; nach einer langen Gedankenpause endlich eine Antwort) „Du meinst ein Gedeck.“
Schnell mussten wir feststellen, dass wir es mal wieder mit einem grossen Busfahrer zu tun hatten. Klo angeblich überfüllt (wer es glaubt…) und die Sprüche waren auch nicht wirklich der Hammer. Aber egal. Spätestens als er zu dem etwas später eintreffenden Ultra-Bus meinte, dass der ja eine tolle Klimaanlage habe, man müsse nur das Fenster aufmachen und so wirklich keiner darüber lachen konnte, war auch ihm wohl klar, dass hier zwei Arten von Humor aufeinander trafen. Irgendwann waren auch alle verspätet ankommenden Mitfahrer anwesend, und es konnte los gehen.
Der Anfang der Fahrt wurde durch die NPD-Wahlzeitung aufgelockert. Wie soll ich sagen? Wenn sie nicht so traurig wäre dann wäre sie schon wieder lustig. Da wird sich darüber aufgeregt, dass es 14 Millionen Einwohner in Deutschland gibt, welche einen „Immigrationshintergrund“ haben. Was soll das denn bedeuten? Haben dann die Schimanskis dieser Welt einen „Immigrationshintergrund“? Kommt da nur mir die unschöne Assoziation zu „Halbjuden“ und „Vierteljuden“? Schön auch, dass sich darüber aufgeregt wird, dass irgendwie 50 % aller in Deutschland geborenen Kinder „Ausländer“ sind und eine Seite weiter dann eine Anzeige steht „bekommt mehr Kinder“. Auch hier bekommt man irgendwie hässliche Assoziationen, wenn diese Anzeige mit einem blondem (arischen?) Kind verziert ist.
Vorher hatten wir Wetten angenommen, ob wir es ohne Pinkelpause in die Ex-DDR schaffen würden, aber knapp wurde das Ziel erreicht und wir hielten es immerhin bis zur ehemaligen Grenzstation aus. Dort konnte man in Ruhe pinkeln gehen und traf auf einen Bus, welcher voller Menschen im gesetzten Alter war und neben uns hielt. Die guckten von sofort absolut schockiert, als sie uns sahen und dies obwohl wir nahezu keine Fussballinsignien an der Kleidung hatten. Der Busfahrer und die Reiseleitung dieser gesetzten Menschen baute erstmal einen Tisch auf, auf dem er Schnittchen und Sekt für die Mitfahrer bereitstellte. Neben Aussagen wie „Heiko, warum bekommen wir so etwas nicht?“ musste sich dieser Bus auch Sprüche wie „Gleich gibt es die versprochenen Heizdecken“ oder „Heute wieder billige Heizdecken“ anhören, aber irgendwie schlimm war das alles nicht. Danach entspann sich aber folgender Dialog zwischen einem Mitreisenden unserer Gruppe (nennen wir ihn mal MuG) und einer Mitreisenden Dame der anderen Gruppe (nennen wir sie mal MDaG). MDaG: „Wir sind keine Heizdeckenfahrt, wir fahren zur Goya-Ausstellung nach Berlin. Wir haben nämlich Kultur.“ MuG: „Kultur haben wir auch, wir fahren zum Fussball nach Berlin.“ MDaG: „Das ist ja eher Subkultur.“ MuG: „Sehen Sie, dass ist der Unterschied zwischen Menschen, ich wähle Linkspartei, Sie CDU“ MDaG: „Ich wähle nicht CDU.“ MuG: „Ach so, dann wählen sie NPD.“ Danach Beschimpfung durch MDaG und Erheiterung bei unserer Gruppe. Weiter ging es und die Idee, doch alle Goya-Karten schnell aufzukaufen, wurde nur aus fehlenden finanziellen Mitteln nicht umgesetzt.
Was macht man noch auf einer solchen Fahrt? Ein Bustippspiel organisieren. Regeln wie immer: 1 Euro Einsatz, der Gewinner bekommt den Pott, doppelt tippen ist erlaubt und wenn keiner es richtig hat, dann bekommt Heiko das Geld für den Fanladen. Alle tippen irgendwas und dann kam ein kurzhaariger Freund, welcher seiner Freundin, die noch unentschlossen war, nur folgendes sagte: „Tipp mal 0-0, das tippt sonst nie jemand“. Sie tat wie ihr geraten wurde und konnte sich ein paar Stunden später über den Pott freuen. Es stimmte aber nur der erste Teil der Prognose, denn 0-0 wurde noch ein zweites Mal getippt.
Sonst lauschte man den Erzählungen von Andy, welcher im VIP-Raum bei Bremen-Barcelona war. Zusammenfassend zitiere ich ihn wie folgt: „Das hat mit Fussball nix zu tun.“ Ich geh mal davon aus, dass Beweisfotos bald auf bloedesvolk.de zu bewundern sind.
Sonst spielten noch ein paar Leute Quartett. Ein Fussballerquartett nebenbei, was als Zahlen solche Sachen wie Anzahl der Länderspiele etc. hatte. Ein Mitspieler agierte dabei aus der Position einer nichtvorhandenen Stärke heraus, als er meinte „Null Nationale Titel. Gebt ihr auf und gebt mir die Karten?“. F. bekam die Auszeichnung für die kleinste Blase des Monats und bescherte uns so zwei Pinkelpausen im Abstand von ca. 5 km. Kurze Zeit später hatte uns dann die Bundeshauptstadt einen Tag vor der Bundestagswahl in Empfang genommen. Wie soll man sagen? Auch mit Wahlplakaten wird diese Stadt nicht schöner. Sehr interessant war es jedoch das Wahlplakat von Günter Nocke zu sehen, auf dem stand etwas von „Ganz Berlin für Günter Nocke“. Hmm, das witzige ist, dass er dies als Erststimmenkandidat geklebt hatte und es zumindest mir neu wäre, dass Berlin nur einen Wahlkreis hat.
Ab ins Stadion. Hier die erste unliebsame Überraschung. Anstatt uns in die schönen überdachten Blöcke zu lassen, hatte man diesmal für uns einen Block direkt hinter dem Tor vorgesehen. In diesem Block wurde die Sicht aber noch durch ein Footballtor behindert, so dass der Blick doch sehr eingeschränkt war. Glücklicherweise wurde direkt vor Anpfiff noch ein weiterer Block geöffnet und man konnte ganz rechts im Block um die Hindernisse gucken. Vorher galt es aber die Wurst zu probieren, welche von der Marke „Außen verbrannt, innen kalt“ war. Nun hatte ich Heiko ja noch versprochen ihm zu helfen, das neue Tourshirt unter die Leute zu bringen. Aber trotz Einsatzes von Allegra als Model („Wollen Sie auch so gut aussehen wie unser Model? Dann kaufen Sie das neue Tourshirt!“) und anderen windigen Werbesprüchen („Das Tourshirt, heute im Sonderangebot, eines für 10 Euro und wer zwei kauft bekommt sie im Paketpreis zu 20 Euro“) konnte mein selbstgesetztes Ziel von 36 verkauften Shirts nicht erreicht werden. Aber immerhin konnte Heiko während des Spieles den mitgeführten Vorrat unter die Leute bringen.
Zum Spiel: Die definitiv beste Saisonleistung. Der ja eigentlich nicht schwache Gegner wurde an die Wand gespielt und es wurden sich beste Chancen erarbeitet. Das Mittelfeld arbeite effektiv, stellte die Räume zu und erarbeitete immer wieder schönste Angriffe. Nur leider bekam man den Ball nicht über die Linie. Den Vogel in dieser Beziehung schoss Dinzey ab, der damit eine eigentlich sehr ordentliche Leistung vollkommen konterkarierte. Brauchen wir nun einen Knipser oder so? Nein, ich denke, dass Luz ein Knipser ist, wenn er mal im Strafraum angespielt wird. Wenn er jedoch versucht die Wojcik Rolle zu übernehmen und weite Wege geht, dann ist er nur halb so effektiv. Leider ist Shubi als zweiter Stürmer nicht einsetzbar und ich hätte es für effektiver gehalten, dann auf dieser Position Arifi zu bringen. Aber diesen Mut brachte Bergmann nicht auf. Leider auch nicht den Mut einfach mal Smith in den Kampf zu werfen, so dass er nur einmal und dies auch erst in der 85. Minute auswechselte. So hat man zwei Punkte verloren und nicht einen gewonnen. Dies galt umso mehr, als dass Kiel schon wieder gewonnen hatte. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, auch wenn es nun ganz ganz schwer wird und ich den Optimismus von Veteranen Bernd „In Kiel? Das sind sichere drei Punkte für uns.“ nicht wirklich teile.
Zur Stimmung: Die war mäßig. Herthaner waren nicht wirklich anwesend und bei uns in der Kurve überforderte USP diesmal die Leute. Sorry Jungs, nix gegen Dauersupport, aber bei jedem Spiel eine neue Melodie ist einfach zu viel. Mal ganz davon ab, dass sich melodiöse Lieder für eine langgezogene unüberdachte Kurve nicht eignen. Erst in der 2. Halbzeit sorgten einfache „St. Pauli“-Rufe für mehr Alarm in der Kurve.
Meinereiner hatte sich zu Teilen der Biberbahnfahrer (+ Verstärkung) gesetzt und musste feststellen, dass diese nicht nur gut drauf waren, sondern auch ihre Dildodiskussion (siehe Biberbericht) hier fortführten. Grosses Tennis war dabei die erstaunte Feststellung einer Dame, dass anscheinend alle Dame ausser ihr einen Dildo im Schrank hätten. Als dann der Autor meinte, naja, sie habe vielleicht fünf gesunde Finger, da schoss eine andere Dame den Vogel mit der Feststellung ab, dass fünf Finger nicht reichen würden, man bräuchte schon acht. Dies liess die erste Dame auf ihre Hände blicken und ihre Finger sortieren. Okay, nach ca. 10 Minuten waren die Lachkrämpfe ausgestanden und man konnte sich wieder aufs Spiel konzentrieren. Und nein, ich will gar nicht wissen, wie man acht Finger dafür benutzt. Ich bin der Meinung, es muss auch Geheimnisse zwischen den Geschlechtern geben.
Nach dem Spiel ärgerte ich mich erstmal stark über den verschenkten Sieg, um dann in Richtung des verabredeten Busabfahrplatzes zu gehen. Nur leider stand da unser Bus nicht. Björn erklärte mir, dass dieser direkt im Stadion geparkt sei. Okay, also wieder zurück und dabei festgestellt, dass es echt unsinnige Ordneranweisungen geben kann. Der Weg zum Gästeblock geht nicht direkt am Zaun lang, sondern bewegt sich ca. 50 Meter vom Aussenzaun weg. Vor diesem Aussenzaun ist ein Gelände, welches mit Büschen und Gras bewachsen ist und natürlich eigentlich für kleine Pinkelaktionen wie geschaffen. Hinzu kommt, dass für ca. 1.500 Leute das Klo nicht gerade ausreichend dimensioniert ist. Wenn man nun aber dort kurz im Gebüsch verschwinden wollte, dann wurde man von Ordnern mit Hund daran gehindert und auf den Weg zurückgeschickt. In Richtung Stadion, wo sich auch ein paar Büsche befanden, konnte man aber ungehindert gehen, um dort zu pinkeln. Und was sollte das ganze nun? Meine Frage an den einen Ordner, ob er sich nun wichtig vorkomme und was er denn letztes Mal getan habe, damit er diesen Strafdienst verrichten müsse, wurde nur mit einem bösen Blick beantwortet.
Doch halt, warum musste unser Bus eigentlich woanders halten? Anweisung der Polizei, da wir die ganz bösen Skins (Ironie!) an Bord hatten? Keine Ahnung, aber vorstellen kann man sich alles. Polizei ist nebenbei ein gutes Stichwort. Was soll es bitte, dass ein Zivilpolizist sich in Thor Steinar-Klamotten kleidet? Das ist ein mittlerer Skandal und sollte zur sofortigen Entlassung aller Verantwortlichen führen. Es kann bei aller vermeintlich szenetypischen Tarnung nicht sein, dass ein Polizist noch eine solche Marke durch den Kauf von Klamotten unterstützt. Wollte er damit provozieren, so wäre dies noch schlimmer, denn dies kann ja wohl nicht die Aufgabe der Polizei sein. Leider entging er durch sein Amt der fälligen Abreibung, aber wenigstens musste er sich wohl ordentlich was anhören.
Die Rückfahrt begann und durch einen kleinen illegalen Schlenker unseres Busfahrers waren wir schnell auf der Autobahn. Irgendwie kam mir die Lust auf Wein und da ein Korkenzieher sich nicht an Bord versteckt hatte, liess man ab der ersten Raststätte die 1,5 Liter Schraubverschluss zu viel zu wenig Geld kreisen. Über Folgen am nächsten Morgen, berichte ich dann später. Wenigstens verlief die Rückfahrt so ganz entspannt. Leider hatten wir ja nicht gewonnen, denn für diesen Fall hatte Heiko versprochen, jede volle Stunde oberkörperfrei ein Lied zu singen. So entfiel die Animation, aber wir sind guter Hoffnung, dass wir bald diese nachholen können.
In Hamburg ging es zu einem sehr kurzen Zwischenschluck ins Jolly, welches von Frankfurtern übersät war (nein, keine neue Fanfreundschaft, auch wenn Sonntag von vielen netten Leuten berichtet wurde), bevor ich mich noch zu einem Geburtstag aufmachte. Dort Würstchen gefuttert, auf doofe Ideen gekommen (siehe Fotoseite) und mich dann ins Bett geschlagen.
Und während ich jetzt so ein bisschen geschlafen habe, könnt ihr liebe Leser, einmal tief Luft holen, euch überlegen, ob es euch bis hierhin gefallen hat, und dann weiter lesen.
Während sich unsere 1. Mannschaft ja eigentlich ganz prächtig entwickelt, ist dies bei den Mannschaften 2 und 3 des Vereines nicht wirklich der Fall. Die A-Jugend ist in die Regionalliga abgestiegen und hat dort die erste Spiele alle verloren und unsere Amateure spielen sich zur Zeit einen grauenhaften Stiefel zusammen. Beide sollten am Sonntag ein Heimspiel austragen, so dass ich mich bereits gegen neun Uhr aus dem Bett quälte und mich in Richtung Sternschanze begab. Natürlich nicht ohne vorher erstmal meiner staatsbürgerlichen Pflicht nachzukommen und zu wählen. Wählen ist für mich nebenbei immer eine Reise in die Vergangenheit, denn ich wähle direkt in meiner ehemaligen Schule und diesmal selbst in einem Klassenzimmer, welches von meinem ehemaligen Klassenlehrer belegt war. Das Schwelgen in alten Zeiten hielt aber nur kurz an und nach dem Kreuz an der für mich richtigen Stelle begab ich mich in Richtung Innenstadt. Die bequeme Fahrt mit dem Auto endete aber am Kaifubad und den Rest des Weges liefen mein Dröhnkopf und ich zu Fuss. Nicht ohne die magischen Worte „Kaffee“ einem Brötchendealer entgegenzuschleudern. Insgesamt ging es mir danach und nach 0,5 Litern Milch doch deutlich besser und ich konnte zur A-Jugend.
Die Sternschanze am Morgen. Ein wirklich idyllischer Fleck. Zuschauer waren beinah keine anwesend und über dem Platz hing noch der Schatten des Fernsehturmes (auch dazu verweise ich auf die Fotos). Unter den letztendlich versammelten ca. 50 Zuschauern befand sich immerhin unserer Trainer Bergmann, der Betreuer der 2. Mannschaft und M., welche für den Kracher St. Pauli A-Jugend gegen Lübeck A-Jugend immerhin den Battle of Barmbek (Paloma – BU) schwänzte. Ein Blick in die Zeitung verrät mir gerade, dass sie als BU-Fan da falsch gelegen hat.
Stimmung kommt an einem solchen frühen Morgen und dieser Zuschauerzahl natürlich nicht auf, so dass wir uns ganz dem Spiel widmen konnten. Die ersten 10 Minuten spielte unsere A-Jugend super, hatte grosse Chancen und hätte eigentlich führen müssen. Dann verflachte das Spiel etwas und als man dachte „Naja, wenn hier irgendjemand ein Tor macht, dann sind wir es“ da griff unser Torhüter elegant daneben und es stand 0-1. In der Folgezeit trat unsere A-Jugend absolut nicht als Einheit auf, verlor vollkommen den Faden und hatte keine Chancen. Erst nach der viel zu kurzen Halbzeit (der Schiedsrichter pfiff bereits nach fünf Minuten zum Weiterspielen) fingen sich unsere Nachwuchshelden wieder und kamen zu vielen Chancen. Nur leider wurde alles verballert, inklusive eines Elfmeters, und erst spät fiel das 1-1. Leider, wäre dies früher gefallen, dann wäre mehr drin gewesen. Fussball spielen können die Jungs, nur leider fehlt es vollkommen an Selbstvertrauen und mannschaftlicher Geschlossenheit. Da muss dringend was passieren, sonst werden die locker durch die Regionalliga durchgereicht und dies obwohl das Ziel eigentlich war in die Bundesliga zurückzukehren. Davon jedoch ist diese Mannschaft sehr weit entfernt.
Nachdem also das frustrierende Endergebnis feststand, ging es in Richtung Schanze zum Brunch im Schanzenstern, ziemlich teuer mit 15,50, aber doch sehr lecker und vollständig aus kbA. Insbesondere das Gulasch hatte es mir angetan, so dass ich ein paar Stunden später erneut vollgefressen an der Schanze erscheinen konnte, damit ich Teil 2 des sonntäglichen Abstiegskampfes erleben konnte. Diesmal hatten sich 148 Zuschauer mehr versammelt und wohnten einem Trauerspiel bei, welches 0-2 verloren ging. Unsere 2. Mannschaft spielte nicht zusammen, viele wollen mit Ball und Kopf durch die Wand, das Rezept „Ball und Gegner laufen lassen“ hat diese Mannschaft noch nicht gesehen. Insbesondere Ansorge schafft es trotz seiner überragenden technischen Qualitäten nicht, den Ball mal schnell zum Mann zu bringen. Traurig aber wahr: Diese Mannschaft wird es in der Oberliga sehr schwer haben. Und da hilft auch der aushilfsweise eingesetzte Benny Adrion nicht, obwohl er versuchte, die Mannschaft zu lenken. Was der Mannschaft fehlt ist einfach ein Wortführer. Insgesamt wird auf dem Platz nahezu nicht miteinander gesprochen. Und wenn, dann wird geschimpft. Ganz anders da Brinkum, welche einfach heiss waren und sich immer wieder anfeuerten. Wobei der Trainer (Uwe Reinders), sich mit seiner Nr. 3 auch heisse Diskussionsduelle bei laufendem Spiel lieferte. Kurz und im Jargon unserer 2. Mannschaft: „Das war gar nix, Dicker“.
Was gibt es positives zu berichten? Nur die Begleitumstände werden besser. Daggi und Hossa übernehmen ab jetzt das Mikrofon und lieferten eine gute, wenn auch noch nicht perfekte Leistung ab („Da ist die 13 im Spiel, da ist wohl ausgetauscht worden.“). Die 198 Zuschauer konnten ihren Frust an einem vollkommen überforderten Schiedsrichter ablassen, aber sonst gab es wenig bis gar nix zu lachen. Enttäuschend finde ich die Zuschauerzahl. 198 ist echt wenig und dies obwohl alle aktiven Gruppen in staatlicher Anzahl vorhanden waren. Leute, in den Jahren, in denen die Amateure Spass machten, waren immer 300 Leute an der Schanze und nun, wo es mal schwierig wird, aber die Jungs Unterstützung brauchen, kommt plötzlich 1/3 weniger. Schämt euch! Aber ihr könnt alles wieder gut machen, denn am Tag vor Kiel spielt unsere 2. Mannschaft bei Eider Büdelsdorf. Es soll einen Bus geben, der für 10 Euro (Spottpreis) fährt. Meldet euch an, Abfahrt ist um 18 Uhr, das Spiel beginnt um 19:30. Ach ja, und der Tag ist der 14.10. Anmeldung bitte per Mail an den Autor dieser Zeilen. Fahrt natürlich nur dann, wenn genügend Leute mitkommen. Ich sag mal 25 brauch ich, ich habe 4. (Stand Schanze gestern)
Bemerkenswert ist noch Coach Bergmann, welcher auch dieser Partie beiwohnte (Hat der kein Zuhause?) und dabei selbst noch einen anderen Pulli als am Morgen trug.
Nun ging es nach Hause, um die Bundestagswahl zu belauschen. Schon die ersten Prognosen, welche noch im Radio verfolgt wurden, liessen einen doch staunend und überrascht zurück. Viel besser waren jedoch die Reaktionen der Politiker, als man dann endlich vor dem Fernseher sass. Eigentlich gibt es ja nix langweiligeres als Wahlabende. Denn diese laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Der Spitzenkandidat, dessen Partei gewonnen hat, gibt ein Statement ab, welches folgende Versatzstücke enthält: „Wir haben einen glorreichen Sieg errungen; ich danke meinen Wählern; die anderen sind mit ihrer Politik auf ganzer Linie gescheitert; sie haben die Quittung für X-Jahre Stillstand bekommen; wir sind für unsere überzeugende Arbeit belohnt worden“. Danach wird noch mal das Wahlprogramm wiederholt und ein bisschen über die Koalition spekuliert. Der Verlierer nutzt folgende Versatzstücke: „Ich danke meinen Wählern; wir haben einen engagierten Wahlkampf geführt; insbesondere die Basis hat gute Arbeit geleistet; es ist uns nicht gelungen unsere Ideen dem Bürger verständlich zu machen; die Gegenseite hat leere Versprechungen gemacht; wir werden nun eine konstruktive Opposition machen.“ Danach folgt die Wiederholung des Wahlprogrammes und eventuell ein Rücktritt. Nur was passiert an einem Tag, an dem keiner gewonnen und keiner verloren hat?
Meine erste Reaktion auf die Hochrechnungen war, dass Merkel nun wohl zurücktritt. Macht sie aber nicht, nein, sie will nun Kanzlerin werden. Und ab hier begann etwas, was ein Kollege von mir heute als „gelungene Satire“ bezeichnete, wobei der gedacht habe, dass seien Schauspieler und immer gemeint habe, die seien echt den richtigen Politikern ähnlich. Es begann schon mit dem Interview von Angi Merkel in der ARD. Da steht doch echt Koch hinter ihr. Und was wahrscheinlich aussehen sollte wie Unterstützung wirkte doch eher so, dass er da steht, damit Angi nix Falsches sagt. Für mich kam folgende Nachricht rüber: „Ich zeige ihr noch mal, dass sie bei uns nix zu sagen hat und ich alles bestätigen muss.“ Danach die Bonner Runde, welche von Wein, Weib und Gesang geprägt war. Schröders Auftritt kann man nur als „überheblich“ bezeichnen, als er meinte, nur er bekäme eine stabile Regierung hin, dass könne kein anderer. Merkels Problem war, dass sie darauf nicht souverän antworten konnte, denn jeder hatte das Gefühl, dass Schröder gerade das gesagt hatte, was Stoiber im gleichen Moment gedacht hatte, nämlich das Merkel es nicht kann. Westerwelles Aussage „Ich weiss ja nicht, was Sie vorher gemacht haben, Herr Schröder.“ war da doch sehr passend. Ich sag mal: „Prost“. Ihrer fehlenden Machtstellung entsprechend wurde Merkel dann auch über lange Phasen gar nicht ins Gespräch eingebunden, was zu solchen Fragen wie „Sag mal, ist die Merkel schon gegangen?“ führte. Sorry, aber eine Person mit uneingeschränktem Führungsanspruch sieht anders aus. Westerwelle war in einem Dilemma aus dem er nur als „beleidigte Leberwurst“ heraus kam. Vor drei Jahren war die FDP noch selbstbewusst, eigenständig und mit offener Koalitionsaussage angetreten (Projekt 18 Prozent sag ich nur), da bekam sie so lockere 7,irgendwas. Drei Jahre später spielt sie CDU II, indem sie sämtliche andere Koalitionen ausschloss und schon im Wahlkampf ziemlich unumwunden zugab, dass sie alles schlucken würde, was die CDU macht. Und siehe da, sie kommt ihrem Projekt 18 näher, als sie es jemals geglaubt hätte. Mal ganz ehrlich, da muss man doch an Komplexen als Partei leiden, wenn man nicht für sein eigenes Programm, sondern für das Programm eines anderen gewählt wird. Warum Westerwelle auch die Jamaika-Koalition vehement ausschliesst, wird auf immer sein Geheimnis bleiben, machttaktisch klug war dies nicht. Jamaika-Koalition ist ein schönes Stichwort, denn nur sehr naive Leute werden bei Fischers Aussage, da denke er an etwas anderes als eine Regierung mit Stoiber, nicht an Fischer mit einem gepflegten Joint in der Hand und Reggae-Musik im Hintergrund gedacht haben. ;-)
Was nun? fragt sich der Wähler. Ich würde die Jamaika-Koalition ja äusserst interessant finden. Die Grünen als linksliberale Partei (nix anderes sind sie mehr, auch wenn sie es immer nicht wahr haben wollen) mit der rechtsliberalen FDP und der bürgerlich konservativen CDU? Warum nicht? Wirtschaftspolitisch stehen sich die drei garantiert näher als weite Teile der Grünen der SPD. Nur innenpolitisch kann ich mir dieses Bündnis nicht vorstellen. Ich glaube gerade in Fragen der Drogenpolitik und der Sicherheitspolitik kann man einen Beckstein und einen Ströbele nicht unter einen Hut bringen. Nur waren nicht wirtschaftspolitische Themen die Themen des Wahlkampfes?
Grosse Koalition? Ich halte das ja nicht für den Untergang des Abendlandes, nur gibt es in dieser Konstellation ein paar Pferdefüsse. Pferdefuss 1: Merkel ist geschwächt und die Mitglieder des Andenpaktes (Koch, Wulff, Oettinger, von Beust) wollen sie nun entmachten. Und nix ist schöner als eine bereits geschwächte Merkel vier Jahre im Bundesrat vorzuführen. Nur: so richtig weiter bringt das niemanden. Mal ganz davon ab, dass dann auch drei Parteien Deutschland regieren, denn für eine Mehrheit im Bundesrat braucht man immer noch die FDP. Pferdefuss 2: Sagen wir mal, die CDU entmachtet Merkel und Schröder bleibt Bundeskanzler. Eine Vorstellung, die auf den ersten Blick abenteuerlich erscheint, welche aber aufgrund der besagten Andenpaktler nicht vollkommen unvorstellbar ist. Dann haben wir plötzlich Koch in der Bundespolitik, und das muss ich nun wirklich nicht haben (wobei die Titanic dann erneut mit „Darf das Kanzler werden“-Postkarten auf den Markt kommen kann), und wir haben immer noch das FDP-Bundesratsproblem.
Ampel? Da haben wir einen gegenläufigen Bundesrat, der in dieser Konstellation zwar nicht vollkommen blockieren kann (sonst gibt es das „immer nur blockieren wollen“ Argument und das zieht irgendwann beim Bürger), aber doch hinderlich wäre oder man müsse vier Parteien unter einen Hut bringen. Das schlimme ist, ein solches Bündnis steht sich wahrscheinlich innen- und aussenpolitisch näher als ein Jamaika-Bündnis. Nur wahr haben wollen das die Westerwelles dieser Welt nicht.
Ganz rot mit Grünen Tupfern? Geht nicht, insbesondere da man der Linkspartei eine Halbwertszeit von unter 4 Jahren bescheinigen muss. Mit Träumern wie Lafontaine ist leider keine Politik zu machen. So begrüssenswert eine linke Partei mehr ist, so traurig ist, dass diese gesamtdeutsch erst mit dem Demagogen Lafontaine möglich war, der nun alles ist, aber nicht wirklich links.
Neuwahlen? Nix da! Wahlergebnisse sollten von Politikern genutzt werden und nicht passend gemacht werden. Sollte es dazu kommen, dann wähl ich APPD, da weiss ich wenigstens gleich, dass meine Stimme im Müll landet.
Lassen wir uns also überraschen
Noch ein Wort zu meinen geliebten Mitbürgern in Hamburg. Liebe Mitbürger, irgendetwas macht ihr falsch. Entweder bei der Bundestagswahl oder bei der Landtagswahl. Wenn ihr mit Ole von Beust so zufrieden seid, warum gebt ihr seiner Partei dann bei einer Bundestagswahl mal eben ca. 20 Prozent weniger Stimmen? Und wenn ihr seine Partei nicht mögt, warum wählt ihr dann in Bürgerschaftswahlen CDU? Nur Spitzenkandidatenpopularität kann dies nicht sein, oder?
Franz Beckenbauer, der 60 Jahre als ist und von dem man nur hoffen kann, dass er nun in die wohlverdiente Rente geht. So grossartig er als Spieler war, so sehr nervt er mit seinem Gelaber als Funktionär.
die Hamburger Morgenpost, nach der die Blue Devils gegen Hannover spielten (Überschrift) und gegen Stuttgart gewannen (Fliesstext). Richtig ist, dass sie gegen Stuttgart gespielt haben.
die Verantwortlichen des Lokalrivalens, die sich wundern, dass die Haupttribüne keine Stimmung macht. Liebe Lokalrivalenverantwortliche: Das haben euch echte Fussballfans immer gesagt: VIPs machen keine Stimmung. Und noch mehr VIPs machen noch weniger Stimmung. Vielleicht endlich der erste Schritt dazu wieder mehr Plätze für echte Fussballfans zu schaffen? In diese – sehr begrüssenswerte – Richtung gehen ja auch Pläne im Volksparkstadion mehr Stehplätze (nämlich auf der Gästeseite) einzurichten. Man kann nur hoffen, dass diese umgesetzt werden.
Chelsea London, welches nach sechs Spielen in der Premiereleague noch nicht einmal ein Gegentor kassiert hat und mit 18 Punkten die Tabelle