Norbert regt sich auf vom 21.9.2005
über
90 Minuten sind lang oder wie man mit 270 Minuten ohne Torerfolg 7 Punkte holt
Ich danke Block 1 und Moritz von den Intergalaktischen für die Überschriftenidee
Ich mag Wochenspieltage nicht. Für mich sind das im Endeffekt zwei verlorene Arbeitstage. Tag 1 geht drauf wegen Nervosität und früh Feierabend machen, Tag 2 geht drauf, weil ich nach Fussballspielen grundsätzlich schlecht schlafe. Und dies potenziert sich noch, wenn ich eigentlich früh aufstehen muss und dann darüber im Bett nachdenke. So war ich dann immerhin um 23 Uhr im Bett und habe so gegen 2 Uhr vernünftig geschlafen. Was nicht wirklich toll ist, wenn man um 6 Uhr aufstehen will…
Ich bin zum ersten Mal seit Jahren mit der S-Bahn zu einem Fussballspiel gefahren. Normalerweise fahre ich faule Sau immer mit dem Auto und lass mich dann betrunken nach Hause fahren. Heute aber brauchte meine Herzallerliebste das Auto noch, so dass ich wirklich den HVV nutzte. Eigentlich alles nicht so schlimm, war bequem, ich hab rausgeguckt, habe mich über komische Werbungen amüsiert und war schnell an der Sternschanze. Nur ab da platzte mir mal wieder der Kragen. Es war 16:22 und es stiegen zwei so blau-graue Sicherheitsleute ein. Es stand ein Fahrrad an dem dafür vorgesehenen Platz. Kein „Guten Tag“ oder so, nein nur ein „Wem gehört das Fahrrad hier?“. Als sich dann jemand meldete, sofort „Das Mitführen von Fahrrädern ist in der Zeit von 16 bis 18 Uhr verboten“. Als der Reisende erklärte, dass er dies vergessen habe und ihm das peinlich ist, meinte der Typ „Dann müssen wir ja wohl mal nächste Station aussteigen“. Dies wollte der Radfahrer sowieso, so dass es nicht zu Diskussionen kam. Aber mal eine ganz ehrliche Frage: Der Zug war vollkommen leer. Kann man da nicht auch mal fünfe gerade sein lassen, den Radfahrer auf die Regeln hinweisen und sagen „Ist gut, fahren Sie bis zu ihrer Endhaltestelle“? Anscheinend würde dies den deutschen Ordnungsstaat überfordern.
Im Fanladen die üblichen Gesichter, der übliche Heiko, die üblichen Vorbereitungen auf das Spiel. Insofern: In der Brigittenstrasse nix neues. Auch in der Wohlwillstrasse gab es das übliche Hähnchen, welches jedoch diesmal von unangenehmer Unterhaltung gestört wurde. Neben uns sass nämlich eine Gang, die doch schon ordentlich getankt hatte. Plötzlich stellt der eine Typ ein geöffnetes Bier auf den Tisch und meinte, wir sollten dies trinken. Als wir ablehnten (mal ganz ehrlich: würdet ihr einer unbekannten Person eine geöffnete Flasche abnehmen? Selbst wenn der versichert, da sei nix mit?), fing der uns an zu beschimpfen. Zitat (mein Lektor wird sich bald beklagen, dass ich zuviel wörtliche Rede benutze): „So sind sie wohl die Paulis, zuviel Geld, die haben alle zuviel Geld. Damals als wir noch hingingen und die noch Jack Daniels hiessen - ja, damals!“ Den Hinweis, dass ich schon hinging, als die noch Deutscher Ring hiessen und dass das Sankt uns heilig ist, habe ich lieber unterlassen.
Einschub: Als ich auf Klo ging, stellte ich fest, dass die 2. Liga schon spielte. Was soll es bitte, an einem Wochenspieltag nur fürs Fernsehen um 17:30 zu beginnen?
Okay, immerhin konnte eight fingers noch ihr Geburtstagsständchen gebracht werden und dann begab man sich über den Fanladen (gehen Sie nicht über den Fanladen, ziehen Sie keine Premiumcola ein…) in Richtung Stadion. Bekannte Gesichter, fröhliches Gelaber und VDS am AFM-Büdchen waren die Folge.
Im Stadion erstmal in die Nordkurve gegangen. Wollte ich doch mal den neu gestrichenen Container bewundern. Hab ich gemacht und danach fassungslos den Torhütern beim Warmmachen zugesehen. Ganz ehrlich: Es ist schon ein Witz, dass wir am Ende 3 Torhüter auf dem Spielberichtsbogen haben, aber absolut witzlos wird das, wenn man Hollerieths Warmmachen gesehen hat. Der brach immer wieder ab, ging einmal selbst noch in die Kabine und war definitiv nicht fit. Wenn wir bei diesem Spiel unter Druck geraten wären, dann wäre dies absolut zu unserem Nachteil ausgegangen. Glücklicherweise schreibt das Abendblatt heute davon, dass man auch Bubu ins Tor hätte stellen können.
Nun aber schnell auf meinen Platz beim Fussballgott. Dieser hielt mir dankenswerterweise auch meinen Platz fürs Fotografieren frei und so konnten wir in geliebter Runde das Spiel verfolgen.
Nur eine Gang will ich nun wirklich NIE wieder bei uns sehen. Vor zwei oder drei Spielen fallen sie damit auf, dass sie beim Torjubel uns wie bescheuert in den Rücken springen und sich wundern, wenn man dann pampig wird. Diesmal hatten sie nix besseres zu tun, als dumme Kommentare über mein Verschicken von SMS zu haben. Okay, solche Leute können keine SMS verschicken, weil sie keine Freunde haben, die diese empfangen wollen. Ich hingegen habe u.a. einen schweizerischen Freund und eine englische Freundin, die nichts lieber täten, als auch in diesem Stadion zu stehen. Und dass die brandheiss informiert werden wollen, ist verständlich. Aber nicht für solche Nasen. Den Vogel schossen sie ab, als sie meinten, dass der eine ja nicht mitreden dürfte, weil er ja erst 2 Jahre da hinging und sie schon drei Jahre. Okay, hätte ich sagen sollen, dass es bei mir 20 Jahre sind? Da dies kein Argument ist, habe ich es nicht gesagt, aber ich fand es echt schon bezeichnend.
Stimmung? Die stadionweiten Wechselgesänge entwickeln sich echt zum Renner. Was dabei lustig ist, dass man bei Nordkurve und Haupttribüne zuerst sein Echo hört, bevor man überhaupt eine Reaktion der Haupttribüne sieht. Ich würde gerne mal wissen, wie sich so etwas auf dem Feld anhört. Auf den Rängen kommt das ziemlich gewaltig. Sonst war stimmungstechnisch absolut flaue Hose, was aber auch an einem langweiligen unemotionalen Spiel lag.
Besagter Schweizer meinte nebenbei die ganze Zeit, dass wir in der 85. Minute das 1-0 machen würden. Und hier sehen wir es: Kein Fussballsachverstand, denn er hatte sich um 4 bis 5 Minuten geirrt :-)
Münster stand mit 8 Mann hinten drin, einer spielte Abfangjäger im Mittelfeld und einen nominalen Stürmer hatten die auch aufgeboten. Unsere Mannschaft schaffte es nicht, das Spiel schnell und breit zu machen, so dass nahezu keine Chancen entstanden. Insbesondere von aussen kam viel zu wenig. Dinzey mit einer kämpferischen 1a Leistung, aber leider kommt zu wenig dabei raus. Sulentic will alle naslang in die Mitte ziehen. So wird das absolut nix. Er muss auch mal versuchen aussen an seinem Mann vorbei zu kommen, damit er dann die Flanke spielen kann. Meggle kommt langsam wieder ins Laufen, aber 100 % ist das immer noch nicht. Ein „echter“ Spielmacher wird er nie, aber immerhin bewies er zum wiederholten Male, dass er torgefährlich wie kein Zweiter ist. Ärgerlich ist, dass sich in unserer Abwehr Viererkette zwar vier absolut herausragende Abwehrspieler befinden, welche aber alle vier das Mitstürmen nicht erfunden haben. Nur Ralle traute sich mal wirklich ernsthaft nach vorne und seine eine Aktion endete sehr unglücklich. Daher auch Kritik an Bergmann. Dieser wechselt immer sehr konservativ aus. D.h. gleiche Position gegen gleiche Position. Zwar finde ich es richtig, grundsätzlich bei immer dem gleichen System zu bleiben, aber etwas mehr Flexibilität wäre hier angebracht gewesen. Ein Wechsel Lechner/Eger gegen einen Ansorge/Adrion hätte aus meiner Sicht Sinn ergeben, um mehr Druck zu erzeugen. Insbesondere da mit Schulz oder Dinzey noch Spieler auf dem Platz standen, welche im Notfall (sprich einer dann erzielten Führung) die Viererkette wieder auffüllen könnten. Hier sollte insbesondere wenn alle wieder fit sind dran gearbeitet werden.
Noch ein Wort zu unserer Abwehr: 5 Gegentore ist absolut Ligaspitze. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Lübeck (mit 4 Gegentoren) noch 2 Spiele weniger bestritten hat. (Stand vor dem Spiel heute).
Dinzey möchte ich auch noch mal lobend erwähnen. Nicht nur, dass er endlich Kampfgeist und Laufbereitschaft zeigt (Punkte, welche ich bei ihm immer vermisst habe), nein, er ist auch nicht mehr der Erste in der Kabine nach einem Spiel, sondern feiert mit und feiert auch mit seinen Kameraden. Hat er sich etwa gewandelt?
Fakt ist, wir werden uns noch an einige solcher Gurkenspiele gewöhnen müssen. In dieser Liga spielen viele Mannschaften, welche sich bei uns absolut nur hinten rein stellen werden. Und wir haben – genauso wie alle anderen Mannschaften in der Liga – nicht die spielerischen Mittel die auszuspielen. Aber immerhin brauchen wir nicht wie Lübeck unberechtigte Elfmeter.
Die Stationen nach dem Spiel sind schnell erzählt: 10 Minuten AFM Container, 5 Minuten Jolly, 15 Minuten Fanladen. Danach hat mich Moritz dankenswerterweise nach Hause gefahren. Lag auch genau auf dem Weg nach Lüneburg und ich konnte das rumwälzen im Bett beginnen.
Abschlusshinweis: Freitag ist AFM-Versammlung. Falls ich hingehe (Vicky – Cordi lockt doch sehr), dann bitte ich jetzt schon um Verständnis, dass der nächste