Norbert regt sich auf vom 25.9.2005
über
Hast du Angst, weil du Ossi bist?
Ich habe mich entschlossen, den Bericht der AFM-Versammlung von den restlichen Ereignissen dieses Wochenendes zu trennen. Der Grund ist ein einfacher: Ich gewinne Zeit. Aber bevor ich jetzt in die Berichterstattung der Partie in Chemnitz einsteige, möchte ich euch warnen. Einen einfach zu lesenden Bericht kann ich euch aufgrund einer gewissen Langeweile nicht leisten. Dreht einfach die Uhr (und damit den Bericht) um und ihr werdet diesen Bericht nicht komisch finden. Oder anders gesagt: einen Satz wie „Fangen wir doch mal vorne an“ werdet ihr diesmal nicht finden.
Heute morgen um 10 Uhr, als alles vorüber war, sprang ich aus meinem Bett. Ein kurzer Blick auf mein Handy liess mich feststellen, dass um 6:13 eine SMS von H. angekommen war: „Hamburg hat uns wieder“. 25 Stunden also für eine Tour, die höchstens die Hälfte in Anspruch nehmen sollte.
Früher am Tag hatte ich noch geschlafen und dies hatte ich auch die ganze Nacht über gemacht.
Davor war ich bei Findus’ Party, wo ich von Hossa zur Sau gemacht wurde, da ich am Aufstieg zweifelte. Somit sei hier verkündet: Ich zweifele nicht am Aufstieg! Während der Party immer mal wieder mit H. telefoniert und sich die Ereignisse vom defekten Bus und dem Feld daneben erzählen lassen und sich um 0:07 Uhr gefreut, dass sie vermeldete, dass endlich ein Ersatzbus da sei, nur leider müsse der Fahrer jetzt erstmal 45 Minuten Pause machen.
Vorher musste ich aus Barum zu Findus kommen. Diese Fahrt endete vollkommen unpassend mit „Beautiful Day“von U 2. Passt doch richtig gut bei einer 0-0 Niederlage, einem defekten Bus und einer defekten Kamera. So einen guten Tag hatte ich eben nicht erlebt, so dass ich vorher zu Klängen von Kettcar doch etwas philosophisch wurde. Was ist eigentlich der Zweck von Auswärtsfahrten? Support der eigenen Mannschaft? Mal ganz ehrlich: Meint ihr, dass unsere Mannschaft irgendwie anders spielen würde, wenn sie ähnlich wie Burghausen von 10 Leuten begleitet werden würde? Treffen mit Freunden? Könnte man billiger und bequemer zu Hause haben. Dieser Abschnitt der Tour wurde bereits durch Telefonate mit H. durchbrochen. Da war noch kein neuer Bus in Sicht, die Leute irrten über Felder zu Kneipen, die da nicht da waren, und die grössten Probleme konnten werden, dass man kein Bier mehr haben würde, wenn man zurück fährt. Wenn man solche Probleme hat, dann hat man keine Probleme.
Zeitlich früher hatte ich Flo bei seiner Schwester abgegeben und Moritz zu Hause abgeliefert.
Zwischen Lüneburg und Wolfsburg wurde unsere Fahrt von der zweiten Wiederholung von Flos kleinem Kochbuch geprägt. Alleine schon die Erzählung, dass er ja keinen Käse möge, wenn überhaupt dann auf Toast Hawaii, aber das würde er sich nie selber machen. Mein Vorschlag, dann doch mal eine Wein- und Käseprobe zu machen, wurde von Flo mit „Wenn es Bier oder Alkohol gibt, dann komme ich mit.“ beantwortet.
Die Autobahn verlassen hatten wir in Wolfsburg, aber nicht ohne vorher unseren letzten Autohof zu checken. Bei unserer Weiterfahrt rollte ich beim Anfahren langsam auf einen parkenden Typen in seinem Fahrzeug zu, der die Beine rausbaumeln liess. Ich meinte noch zu meinen Mitfahrern, dass wir nun mal gucken würden, wann der Typ nervös werde. Dies wurde er sehr schnell so dass Flo sich fragte, ob er eigentlich Angst habe weil er Ossi sei. Ausserdem hatten wir mehrere Begegnungen der 7. Art (und das auf der A 2). So fand es die Verkäuferin nicht gerade lustig, dass ich die ganze Zeit fröhlich vor mich hinpfiff. Als dann noch Flo mit einer norwegischen Krone zahlen wollte, die er für ein 2 Euro Stück hielt, war ihr Humor wohl endlich aufgebraucht. Bereits bei unserer Ankunft beschlossen ein paar Bayernfans, dass es Zeit war weiterzufahren, dabei wollten wir sie doch gerade beschimpfen und ihnen erklären, dass sie gegen alle verlieren dürfen, aber doch bitte nicht gegen den Lokalrivalen.
Die Fahrt von Leipzig bis zu diesem Stop war der Reggae Party gewidmet. Wenn wir schon keine Jamaika-Koalition bekommen, dann machten wir wenigstens einen auf Ska und Reggae. Das ganze untermalt mit Tanzeinlagen im Auto und kleinen Discoblinkeinlagen. Glücklicherweise nur teilweise umgesetzt wurden meine Oberkörperfreiphantasien. „Ja, Herr Wachmeister, wir haben nichts getrunken. Warum wir alle drei oberkörperfrei im Auto sitzen und im Sitzen tanzen? Weil wir gerade scheisse Fussball gespielt haben, Herr Wachtmeister. Das Kago-Plakat? Das ist uns auf einer Raststätte bei Leipzig zugelaufen, Herr Wachtmeister.“
Auf besagter Raststätte trafen wir drei gesetzte Herren, die uns fragten, wie wir denn gespielt hätten. Unsere Antwort, dass wir 0-0 gespielt hätten und dies alles scheisse gewesen sei beantworteten sie nur damit, dass wir wenigstens einen Punkt unseres Teams gesehen hätten. Denn sie seien in Leipzig gewesen und ihr Team hätte verloren. Ihr Team war nebenbei die Handballdamen von Buxtehude. Ich muss sagen: Respekt! Zu dritt durch die Republik für Frauenhandball? Das sind echte Fans. Und deren Story erzählt keiner oder wird nie gewürdigt. Auf der Raststätte liess ich mir von H. auch erstmal Details des Busunterganges schildern. Eigentlich war der Busmotor nur kurz überhitzt, nur leider ging er dann nicht mehr an, so dass nun die Busbesatzung des Fanladenbusses auf bessere Zeiten wartete. Wer mir dabei am meisten leid tat war die ärmste Daniela. So ca. die dritte bis vierte Fahrt mit dem Fanladen als Reiseleiterin und dann so etwas.
In der Zeit, in der wir zu der oben benannten Raststätte fuhren, hörten wir nur die ersten News über den Untergang des Busmotors. Mehr passierte eigentlich nicht. Vorher hatten wir eine „Wir hören Bundesliga und futtern unseren leckeren Salat“-Pause gemacht. So richtig Spass hat es bei diesen Ergebnissen nicht gemacht. Und das „Wir schmeissen mit Steinen auf einen Lampenpfosten“ ging auch unbefriedigend aus, da wir nicht trafen. BTW: Liebe Osthooligans, wenn ihr einen perfekten Platz sucht, um euch auf die Nase zu hauen: Autohof an der A 14, Abfahrt Dömeln Nord. Grosser Parkplatz, so dass alle Anreisenden bequem parken können. Dahinter eine schöne grosse Wiese für das Match. Und natürlich eine Tankstelle, die Pre- und Postmatchgetränke bereithält. Und Fanartikel von Dynamo Dresden.
Nach Abpfiff ärgerten wir uns über das Spiel und fuhren dann unter der Suche nach einem Fussballsender durch die Gegend. Auf Tipp eines Polizisten, hatten wir uns für MDR Sachsen entschieden, mussten aber feststellen, dass dieser Sender mehr Volksmusik mit Ergebnisdienst lieferte als vernünftigen Fussball. Kurze Zeit später fanden wir dann aber den richtigen Sender.
Zum Spiel: Ich will diese Mannschaft in dieser Form nicht mehr sehen. Einige Spieler sollten sich mal ernsthaft überlegen, ob sie es verdienen, überdurchschnittliche Gehälter für durchschnittliche Leistungen zu bekommen. Ich finde es erschreckend, wie wenig Spieler bei uns kämpfen und wie wenig Laufbereitschaft im Mittelfeld vorhanden ist. Am Anfang der Saison war dies insbesondere bei Shubi und Meggle ganz anders. Da wurde aggressiv der Gegner gestellt und da wurde Pressing gespielt. Nun trabt man 90 Minuten in einem Tempo über den Platz und träumt vor sich hin. Beide sollten zumindest mal eine Denkpause auf der Bank bekommen. Shubi hat seit seinem Traumspiel gegen Burghausen nur noch Mist abgeliefert. Insbesondere als zweiter Stürmer ist er vollkommen verschenkt. Da ist Arifi viel effektiver, wie er auch in den 5 Minuten zeigte, die er spielte. Ich könnte auch schon wieder Bergmann würgen. Immer wird nur im System ausgewechselt. Eine Änderung der Spielweise in eine offensivere, indem man entweder einen Abwehrspieler oder einen defensiven Mittelfeldspieler gegen einen offensiven Spieler einwechselt? Nicht mit Bergmann! Und das bei einem Gegner, welcher zumindest die letzten 20 Minuten nix mehr tat um das Spiel nach vorne zu bringen. Komischerweise hat er auch einen Hang dazu, Spieler fünf Minuten vor Ende zu bringen. Das ergibt absolut keinen Sinn. Ich halte Auswechselungen, die nach der 75. Minute erfolgen, für vollkommenen Schwachsinn. So etwas kann man nur machen, wenn man führt und Zeit gewinnen will oder sich jemand verletzt. Etwas besser als „6 setzen“ haben mir eigentlich nur der überraschend eingewechselte Ansorge und die Abwehrspieler gefallen. Bei unserer Innenverteidigung sollte aber endlich mal ankommen, dass man sich auch mal in den Angriff einschalten kann, das erfolgt viel zu wenig.
Stimmung? Nix! Niente! Nothing! No! Ich habe nur langsam keine Lust mehr, die Stimmungsdiskussion zu führen. Ist nun italienisch geprägter Dauersupport mit einem Hang zu Liedern und Melodien sinnvoll oder eher der englische, dem Spiel angepasste Support? So lange in einem Block diese beiden Gruppen stehen und dazu noch eine Horde von Leuten, die sich gar nicht für Support interessiert, kommt halt so etwas dabei raus. Irgendjemand eine Idee, wie man einen gordischen Knoten durchschlägt? Vorschläge dann bitte an unitedwestand@dividedwefall.de. Noch eine ganz andere Frage: Was soll eigentlich 90 Minuten Fahneschwenken an Stimmung bringen? Also mich nervt es, wenn ich vom Spielfeld eigentlich immer nur die Hälfte sehe und daher habe ich mich dann woanders hingestellt. Okay, andere Leute finden das vielleicht super hübsch, war ja genug Platz im Block.
Introfotos oder überhaupt Fotos kann ich euch leider nicht präsentieren, da meine Kamera zwischen Foto 11 und Foto 12 den Geist aufgab. Leider macht sie seitdem nur noch Fotos, auf denen nur das obere Drittel zu sehen ist, während der Rest schwarz bleibt. Na super.
Hollerieth wurde kurz beim Auflaufen durch Grüsse zum Geburtstag gratuliert und immerhin hat er leise „Dankeschön“ gesagt. Klang richtig schüchtern.
Vor dem Spiel mussten wir durch wirklich unangenehme Eingangskontrollen. Da wurden Antifa-Fahnen von Ordnern eingesammelt, weil diese im Stadion verboten seien. Ob dabei der Satz „So einen Scheiss wollen wir hier nicht“ gefallen ist, weiss ich nicht, ich habe ihn nicht gehört, aber einige Zeugen haben ihn gehört. Immerhin mussten echt noch Ordner in den Block stürmen, um die Fahnen runterzuholen. Was das nun sollte? Keine Ahnung. Eine Frechheit ist und bleibt es. Einige Leute wurden selbst wegen entsprechenden Shirts oder Aufnähern abgewiesen, dies wurde aber nicht konsequent durchgehalten. So war ich zB mit dem neuen Fanladenpolo im Stadion (btw: Absolute Kaufempfehlung!!!!)
Vor dem Stadion trafen wir die ganzen Autofahrer, während die Busbesatzungen erst im Stadion begrüsst werden konnten. Beim Skinheadbus wurden wahllos Leute herausgezogen und die Personalien durch die Polizei kontrolliert. Einen anderen Anlass als lächerliche Schikane gab es dafür nicht. Vorher sassen wir ruhig an unserem Auto, schnackten mit der Fraktion Göttingen und Münster und tauschten Stories über Staus und übers Verfahren aus.
Hinfahrt? Verlief eigentlich ganz entspannt und ist mit wenigen Sachen zu erzählen. Eigentlich bemerkenswert war nur der Wagen, der durch und durch mit Lokalrivalenfanartikeln besetzt war und sich von Hamburg entfernte. Mehrfach gehupt und in die andere Richtung gedeutet, aber da der Fahrer neben (s)einer Frau sass, haben wir uns vorgestellt, dass diese durchgesetzt hatte, dass heute in Urlaub gefahren wird (Sexismus, ich weiss!).
Um sechs morgens klingelte übrigens mein Wecker. Ich wollte Flo und Moritz in der Lüneburger Wildnis abholen und dann nach Chemnitz mit dem Auto durchstarten. 5:30 mit dem Fanladenbus war mir nun wirklich zu früh und wer lässt sich schon gerne die A 14 entgehen? Leer, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und relativ grade. Perfekt für