Norbert regt sich auf vom 5.10.2005
über
Wank for peace oder Lose for Promotion
Es ist 22:43 an einem Sonntagabend und ich sitze vor dem Fernseher und starte mit diesem Bericht. Die deutsche Einheit hat auch ab und zu mal gute Seiten. Ob ich den Bericht heute fertig schreibe und dann morgen noch einen kurzen Oddsetpokal-NRSA mache oder ob ich erst morgen fertig bin (es wurde dann vier Tage später…), weiss ich jetzt noch nicht. Mal gucken. Heute habe ich auch zum ersten Mal meine Gedanken auf Papier verkauft. Nein, NRSA ist ein Internetgebilde und wird es immer bleiben, aber heute ist zum ersten Mal „Der Amateur“ erschienen, die neue Sportplatzzeitung der Amateure. Aber dazu mehr, wenn wir bei der 2. Mannschaft sind.
Jena? Erinnern kann ich mich an ein 2-1, wo wir beide Tore in der Nachspielzeit geschossen haben, aber das ist Jahre her. Seitdem liefen sich die beiden Vereine nicht mehr über den Weg. Im Vorfeld des Spieles haben alle gedacht „Okay, Ostverein, aber die sind eigentlich ganz okay“. So konnte auch die Polizei überzeugt werden, dass es sich nicht um ein sicherheitsrelevantes Spiel handelt. Dass sich das als Fehleinschätzung herausstellte, werden wir später noch betrachten.
Freitag hatten wir Christine in den Kreis der gereiften Menschen aufgenommen. Wir alle sind ja der Meinung, dass wir wie Weine sind. Wir werden nicht älter, sondern besser! Aber daher waren wir Samstag Morgen doch etwas müde. Petruschka und ihr Schatz waren bei uns zu Besuch, so dass wir uns alle durch das Nadelöhr Bad zwängen mussten. Und das bei einer Ankunftszeit im Fanladen von 11 Uhr. Während die anderen drei Mitstreiter sich von ihrem Hunger versuchten abzulenken, kopierte ich noch ca. 40 weitere Ausgaben des Amateurs (was das ist, kommt noch). Danach konnten wir dann aber endlich die vorbestellten Hähnchen in Empfang nehmen. Leider gab es ein Vorratsproblem, da irgendwie viel zu viele Leute dabei waren, so dass ich nur ein halbes Hähnchen bekam. Ich glaube, genau hier nahm der Tag die falsche Richtung. Damit ist mein Hähnchen-Aberglaube aber immer noch nicht wirklich erledigt, denn der wäre nur nach einer Heimniederlage mit einem ganzen Hähnchen erledigt. Trotzdem ess ich vor dem nächsten Heimspiel ´ne Currywurst. So, bah!
Ziemlich genährt war man dann wieder im Fanladen, dort aber nur kurz und in der Hoffnung, dass doch endlich das Wetter besser werden würde.
Der Weg zum Stadion wurde schnell und nass überbrückt. Die AFM ging diesmal im Kartenverschachern leer aus, hatte ich doch schon Kartenwünsche von Ultrafreunden befriedigt. Viel zu labern gab es vor dem AFM-Container nicht, da es einfach zu nass war. So wollte ich gerade Richtung Stadion gehen, als es das erste Mal diesen Tag interessant wurde. Kamen mir doch vier Typen entgegen, Marke 17-jähriges Hemd. Davon zwei in Thor Steinar-Pullis. Ups, denke ich gucke mal, Gefahrensucher. Naja, geh ich doch mal hinterher. Viel zu lange passiert denen nix, aber dann merkt doch jemand, was die tragen und sie bekommen, was sie verdienen. Sprich einen auf die Nase. Zumindest einer von denen, denn die anderen drei üben sich in kameradschaftlicher Solidarität und laufen schon mal vorweg. Die Polizei (sonst nebenbei an diesem Punkt immer massiv vorhanden) war auch noch nicht warm und brauchte ca. fünf Minuten, bis sie reagierte. Ach ja, $liebe Polizei: Ich kenne die Täter nicht und rechtfertige natürlich auch keine Gewalt.
Im Stadion stand ich dann doch eine ganze Weile unterm Dach, bevor ich meinen üblichen Platz einnahm. Das Wetter führte dazu, dass das Stadion unglaublich leer war. Wenn es hoch kommt, dann waren vielleicht 10.000 Zuschauer wirklich anwesend. Ich habe den Block ganz links in der Gegengrade noch nie so leer gesehen.
Gibt es noch irgendwas von vor dem Spiel zu berichten? Ich denke nicht. Das Intro hab ich diesmal nicht gesehen und nach Fotos, die ich gesehen habe, handelte es sich um ein paar Meckereien über die Presse. Ob nun aus konkreten Anlass oder generell kann ich nicht sagen, ich bin in diesem Thema einfach zu abgestumpft, als dass ich mich über die Hamburger Presse noch wirklich aufregen kann (ausser sie macht solche Lokalrivalenwerbung wie zur Zeit, aber dazu unten mehr).
Vielleicht noch erwähnenswert ist der Kauf der Gazetta, deren Inhalt aber diesmal einen eigenen Absatz verdient hat.
Zum Spiel (um mal wieder die langweilige übliche Aufteilung von NRSAs zu benutzen): 15 Minuten wurde super gespielt, dann fing die Mannschaft an nervös zu werden und dies war es im Endeffekt. Dann musste Eger verletzt raus, Palikuca machte innerhalb von 10 Spielminuten zwei blinde Fehler und da wir Spiele nahezu grundsätzlich nicht drehen, war in diesem Moment klar, dass das heute in die Hose geht. Danach plätscherte das Spiel so dahin und erst in den letzten 15 Minuten wurde noch gekämpft. Ich krieg langsam ein Horn, wenn ich Shubi sehe. 15 Minuten spielt er toll und ich denk schon „Wow, er fängt sich“, danach fängt er jedoch an, sich auf dem Flügel auszuruhen und nimmt nicht mehr am Spiel teil. Ganz ehrlich: So absolut ein Kandidat für die Tribüne. Palicuka hat zum 1000sten Mal gemerkt, dass er kein Spieler für die Innenverteidigung ist. Wenn diese Rübennase endlich merken würde, dass er eigentlich am besten als Stürmer ist, dann hätte er wahrscheinlich schon einen Stammplatz. Luz und Wojcik bekommen bald den Titel als „Ärmste Säue des Vereines“, so wie die alleine gelassen werden. BTW: Mal die beiden im Strafraum anspielen? Mal über die Flügel spielen? Bei unserer Mannschaft nie! Irgendwann habe ich mal gelernt, dass es das Beste gegen eine Viererkette ist, an der Aussenseite bis zur Grundlinie zu spielen und dann in den Strafraum zu flanken.
Ich muss die beiden aber auch erheblich kritisieren. Jena spielte mit einer sehr guten Viererkette, die u.a. sehr gut rausschob und Stürmer abseits stellte. Und bei unseren Stürmern dauert es echt Stunden, bis die merken, dass sie im Abseits stehen. Dadurch wird das Mittelfeld noch enger und die Angriffe noch aussichtsloser. Hinzu kommt, dass wir ja echt niemanden haben, der mal einen im Mittelfeld ausspielen kann.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass wir den Aufstieg abhaken können. Selbst bei einem Sieg in Kiel wären wir noch drei Punkte hinter denen und die hätten trotzdem noch ein Spiel weniger als wir. Ne, Leute, da kann man immer sagen „Saison ist noch lang und bla“, aber die entscheidenden Punkte werden nun mal am Anfang der Saison gemacht. Kiel, Lübeck und Essen werden das ziemlich alleine unter sich ausmachen. Und wir können uns schon mal überlegen, welche Retteraktion wir nächsten Sommer erleben oder ob unser Präsidium endlich mit diesen schwachsinnigen „Ziel ist der Aufstieg“ aufhört. Fakt ist, man kann den Aufstieg nicht kaufen. Meggle, Hollerieth, Shubi und Nascimento sind unsere Topverdiener, und was bringen die? Mal ganz ehrlich: Nix! Man kann den Aufstieg nicht kaufen und es wäre wahrscheinlich ehrlicher, endlich mit einem vernünftigen 1,2 Millionen Etat in die Liga zu starten und endlich mal sagen, dass man versucht, sich in der Liga zu konsolidieren. Und mal ganz ehrlich, dass sollte doch bei 500.000 Euro Fernsehgeldern finanzierbar sein. Und wenn man vielleicht endlich Spieler findet, die nicht nur zum Kassieren da sind, sondern auch kämpfen, dann spielt man besser als jetzt.
Genug ausgekotzt. Gute Besserung, Marcel, du wirst uns den Rest der Saison fehlen. Schade, gerade als er zum absoluten Leistungsträger wurde, verletzt er sich schwer. Ein Ersatz wäre Nascimento - wenn der denn Bock hätte, aber während er seine Rückenprobleme auskuriert, verletzt er sich beim Nichtstun das Knie. Grosses Tennis. BTW: Ich gehe nebenbei jede Wette ein, dass Wojcik und Hollerieth auch in diesen zwei Wochen mindestens zweimal wegen Wehwehchen nicht am Training teilnehmen. Ganz ehrlich: Da glaube ich auch nicht mehr an Verletzungen.
Zur Stimmung: USP ziehen jetzt laut Gazetta ihr eigenes Ding durch. Okay, sollen sie gerne machen, sie müssen sich aber nicht wundern, wenn andere Leute auch ihr Ding durchziehen und sie gepflegt ignorieren. Besser wird die Stimmung weder dadurch dass ca. 300 Leute (und das ist nun viel geschätzt) 90 Minuten irgendwas durchsingen, was keiner kennt und auch keiner mitsingen kann/will, noch dadurch, dass sich der Rest darüber aufregt und nix selber macht. Letzteres war bei uns auf der Höhe gegen Jena jedoch nicht der Fall. Es gingen immer wieder Chants durch die Reihen und selbst nach dem 0-2 war auf unserer Höhe eigentlich immer was los.
Die zweite Halbzeit verbrachte ich dann bei den Kiezwichteln. Da kann man oben eigentlich nicht stehen, da zu voll. Aber heute ging das vollkommen locker. Auch das spricht dafür, wie wenige Leute wirklich anwesend waren. War nett dort und etwas trockener.
Nach dem Spiel verliess ich das Stadion fluchtartig, denn Borussia Banana wollte ich nun absolut nicht mitbekommen. Bereits vor dem Spiel wurde – vollkommen zu Recht – zum Boykott aufgerufen und ganz ehrlich, es ist traurig, dass für so einen Scheiss unser Rasen noch mehr ramponiert wird und das Prädikat „Kult“ mal wieder überstrapaziert wurde. In solchen Momenten wünsche ich mir entweder, als Fan eines Regionalligisten mit ca. 3000 Zuschauern und ohne „Kult“ geboren zu sein oder endlich mal ein Präsidium zu haben, welches auch „Nein“ sagen kann.
Nach einem kurzen Aufenthalt am AFM-Container wollte ich mich eigentlich gerade in Richtung Fanladen verabschieden, als ich an der Budapester Strasse in den Jena Mob geriet. Und ab nun begann ein Lehrfilm aus der Reihe „Polizeitaktik, die 100 übelsten Fehler“. Da kommt ein definitiv gewaltbereiter Mob die Strasse runter. Die Strasse ist nicht abgesperrt (eine Sache, die sonst bei jedem dämlichen Spiel gemacht wird), die Gruppen mischen sich und es kommt zu den ersten Zwischenfällen. Die Polizei fängt an, die Leute zu trennen, guckt dabei absolut nicht auf Vereinsfarben. Sprich: nach kurzer Zeit stehen die Jenaer auf der Seite Heiligengeistfeld und ca. 20 verstreute St. Paulianer stehen vor dem AOL-Hochhaus. Zuerst stand meinereiner aber zusammen mit Discotizer bei den Jenaern. Da die irgendwie nicht nach „Hey, lass uns mal zusammen ein Bier trinken gehen“ aussahen und wir auch nicht so gut im spontanen sächsisch sprechen sind, beschlossen wir aber schnell, die Seite zu wechseln. Btw: sind das überhaupt Sachsen? Helft mir auf die Sprünge…
Nun tobte also auf der Heiligengeistseite der Mob, während wir eigentlich sehr ruhig und beobachtend auf der AOL-Hochhausseite standen. Hier muss ich ja mal meine Sankt Paulianer loben. Ruhig, gefasst, kein unnötiges Gepöbel gegen die Polizei, aber doch die Situation im Blick. Irgendwann merkten aber auch die Jenaer, dass sie frei übers Heiligengeistfeld Richtung Klubheim laufen konnten. Dies geschah, und es soll fröhlich gekracht haben. Dies führte zu der lustigen Situation, dass die Polizei immer noch mit einer Gruppe die Clemens-Schulz-Strasse sperrte und vor der Absperrung genau noch zwei Leute standen, die entspannt an einem Auto lehnten: H. und ich. Als ich zu den Polizisten meinte, dass ich sie ja nicht kritisieren wolle, aber sie gerade uns beide am durchbrechen hindern würden, da mussten selbst die Polizisten lachen. Ausser des Chefs.
Das alles wäre verhinderbar gewesen wenn die Hamburger Polizei endlich mal lernen würde, dass man gewisse Gruppen nicht fröhlich laufen lässt. Man muss nicht Kutten aus Jena begleiten, aber eine Gruppe von mindestens 200 Leuten, die zum grössten Teil keine Haare und Militärjacke tragen, kann man sich dann doch mal genauer angucken. Sorry, liebe St. Pauliskins, aber ich weiss nicht, wie ich diese Nasen beschreiben soll, ohne dass diese Beschreibung auch auf euch passt. Es ist eigentlich schade, dass die einen so ähnlichen Look nutzen.
Laut Ohrenzeugen des Polizeifunkes hat es danach fröhlich im ganzen Viertel gekracht. Vor dem Miller bekamen noch ein paar Thor Steinar-Typen einen mit, wie schon oben erwähnt: Selbst schuld, wenn man so seine Gehirnlosigkeit durch die Gegend trägt. Btw: Jena-Kutten wurden zumindest hier vollkommen in Ruhe gelassen und zumindest die, mit denen ich schnackte, waren vollkommen korrekt und selber entsetzt über die Nasen, die da rumrockten.
Endlich im Fanladen angekommen, konnte man sich endlich dem gemütlichen Teil des Abends widmen. Lecker essen, lecker Bier und später im Jolly lecker Cider. Dazu ein DJ, der ca. alle meine Lieblingslieder auflegte. Wisst ihr, was das Nette an Spielen um 14 Uhr ist? Man ist um 21 Uhr definitiv bettreif. So waren sowohl ich als auch mein englischer Besuch ganz nett angeschossen. Warum eine Person (vollkommen anonym) unbedingt einen Freiluftpiss ca. 10 Sekunden nach Verlassen des Jollys ansteuerte, wird wahrscheinlich immer ihr Geheimnis bleiben.
Am Sonntag galt es dann, die Sternschanze zu entern. Wir waren sehr früh da, galt es doch, die Testausgabe von „Der Amateur“, der inoffiziellen Stadionzeitung der Amateure zu verkaufen. Warum dieses und was soll das? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es an der Zeit ist, eine neue Generation Amateurgeher zu begeistern und zu informieren. Im Übersteiger, dem Nachgetreten und der Gazetta finden die Amateure leider nicht bzw. beinah nicht mehr statt. Dies ist garantiert auch mit Platzsorgen und auch Aufwandsproblemen erklärbar, aber irgendwie sollten auch die Amateure ihr Printmedium haben. Und das von allen absolut geliebte Hossa erscheint ja nur noch sehr sporadisch. Leider kann auch ich zeitlich kein wirkliches Fanzine schreiben, aber ein kleines Infoblatt sollte es schon sein. Insbesondere da es auch keine offizielle Zeitung mehr gibt. So kam mir die Idee, eine Stadionzeitung zu verfassen. Diese hat folgende Grundprinzipien: Kein Fanzine sondern eher sportliches und Fakten; Layout der Marke „KISS“ (Keep it stupid simple); Erscheinungsweise alle 14 Tage zu den Heimspielen; Umfang ca. 4 bis 8 DIN A5 Seiten. So wurde die erste Ausgabe an zwei Abenden geschrieben und „layouted“ und dann Sonntag für 10 Cent auf den Markt geworfen. Im Impressum ist von 75 Stück die Rede, meine geschätzte Mitredakteurin wollte 50 machen, letztendlich hatten wir 90 am Start.
So ausgerüstet stellten wir uns an den Eingang und versuchten nun, das Ganze unter das Volk zu bringen. Zwar gab es einige Nörgler „Was? 10 Cent? Ne, dann nicht.“ Aber insgesamt war der Verkauf viel besser als von uns erwartet. 15 Minuten vor dem Spiel waren alle Exemplare vergriffen und es gab immer noch eine erhebliche Nachfrage. Okay, teilweise haben wir die Leute belogen. So sagten wir zu den Bergedorfern, dass auch alles über Bergedorf in dem Heft sei (es war gerade mal die Mannschaftsaufstellung drin) und bei den Kapeiken „mit den besten Tipps nach dem Spiel“ und so ähnlich und so fort.
Nur Hossa hat meinen Spruch kritisiert. Der meinte, dass es sich doch nicht um eine Stadionzeitung handeln würde, sondern um eine Sportplatzzeitung. Okay, als Sportplatzzeitung verkaufte sie sich aber auch. Wir nahmen nebenbei ca. 19 Euro ein, wobei wir eigentlich nur 9 Euro einnehmen sollten. Diesen ganzen „Rest kannst du behalten“-Spendern ist es zu verdanken, dass wir bei der nächsten Ausgabe mit acht Seiten erscheinen können. Leider hat uns bisher wenig Kritik bzw. Anregung erreicht. Ich hoffe da wirklich noch auf mehr, denn perfekt und alle Bedürfnisse befriedigend war die erste Ausgabe garantiert noch nicht.
Der Rest des Tages dann ganz entspannt da ich keine Kamera hatte, so dass ich ruhig auf den Rängen ein 0-0 der besseren Sorte verfolgen konnte. Details? Könnt ihr in der nächsten Ausgabe von „Der Amateur“ nachlesen :-) Also kommt zahlreich zur Sternschanze.
Auf dem Rückweg dann noch eine echte Show. Über das Wochenende habe ich für eine Bekannte ihre Monster gefüttert. Und als ich da das erste Mal auftauche klebt ein Zettel an der Scheibe, dass ich ein Paket in der neben gelegenen Kneipe abholen kann. Okay: Frage 1: Warum geben die das einfach so in der Kneipe ab? Gut, zumindest fahr ich nun nach den Amateuren da hin um das Paket aus der Kneipe zu eisen (nebenbei hatte in diesem Moment die Besitzerin der Wohnung mir schon gesagt „pack den Inhalt mal zu dem einen Monster ins Wasser“). Ich komm da rein und sag „Sie haben ein Paket für XYZ“. Sagt der Kerl, ja habe er und verschwindet hinten. Mein Blick schweift durch die Kneipe, bleibt beim Lokalrivalenschal an der Wand hängen und kurze Zeit später kommt der Typ wieder und gibt mir das Paket. Glücklicherweise will er eine Legitimation nicht wissen und dies, obwohl der Zettel draussen an der Tür klebte. Gut, ich will gerade gehen, da guckt er auf mein England Trikot und fragt, was für ein Trikot das denn sei. Ich antworte, dies sei ein England Trikot. Darauf fragt er mich, wie die denn heute gespielt hätten. Noch Fragen?
Montag dann Oddset-Pokal bei Atlantik 97. Eigentlich nix Besonderes, und wahrscheinlich hätte ich das Spiel hier nur mit zwei, drei Sätzen erwähnt, wenn dieser Verein nicht das zweitgrösste Stadion Hamburgs nutzen würde. Schade, dass dieser absolut schöne Ground (eingelassen in Hügel und Bäume) nicht genutzt werden darf bzw. aufgrund nerviger Nachbarn nicht genutzt werden kann. Fotos findet ihr garantiert irgendwo, ansonsten guckt euch einfach mal ein Spiel von Atlantik 97 an. Hinzu kommt, dass es wirklich gut aussehendes Essen gab und Organisation und Fans sympathisch wirkten, trotzdem ich die Ordner vom Aussehen erst nicht sympathisch fand, diese aber vollkommen okay agierten. Nicht okay war die vorgenommene Fantrennung (warum? Um mal deutlich zu werden, Samstag bei Ostverein machen sie es nicht, Sonntag mit ca. 100 fröhlichen Russen machen sie es) und die anwesende Polizei (warum?). Diese war mit einer Hundertschaft angerückt und noch vielen Streifenwagen. Um dann ihre Präsenz bei einem vollkommen friedlichen Spiel zu rechtfertigen wurde nach einer grossen Wunderkerze (mehr war das wirklich nicht) ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz konstruiert und grundlos Taschen von Anwesenden durchsucht. So etwas von lächerlich. Nach dem Spiel wurden selbst noch Personalien von irgendwelchen angeblichen Tätern aufgenommen. Liebe Polizei: Habt ihr eigentlich einen Knall? Ohne euch wäre es ein netter Tag geworden, so habt ihr wieder mal nur genervt, keiner will euch mehr bei Fussballspielen haben und ihr müsst euch nicht wundern, wenn kein Fussballfan mehr friedlich und freundlich auf eure Anwesenheit reagiert. Lasst uns endlich in Ruhe und seid vielleicht dann mal da, wenn man euch braucht (siehe Jena).
Das Spiel ging 8-0 aus und zu allem Überfluss verletzte sich Thorni noch schwer. Mal sehen, was in der nächsten Runde wartet.
… die Gazetta, über die man meistens nicht viel reden kann, weil vieles halt Meinungen sind, die man vielleicht nicht vertritt, aber die halt alleine schon aufgrund von gelebter Meinungsfreiheit sehr wichtig sind. Diesmal jedoch vergreift man sich in den Fakten wenn man behauptet, dass die Amateureszene tot sei, es sich um immer wechselnde Spieler handele, die man nicht kenne und da sowieso nix los sei. So etwas kann nur jemand geschrieben haben, der sehr selten bei den Amateuren ist. Die Szene ist mit einem neuen aus der Szene stammenden Stadionsprecherduo, einer vollkommen ausverkauften Busfahrt nach Büdelsdorf und einem neuen Stadionblatt, was einem aus den Händen gerissen wird, garantiert nicht tot. Natürlich ist es nicht mehr die Erfolgsmannschaft der letzten Jahre, aber die Truppe kommt zu 90 % aus der eigenen Jugend und die sind zwar einfach, aber doch sehr sympathisch. Schade, dass die Gazetta als Kollektivwerk erscheint, obwohl es von einzelnen geschrieben ist. Sonst hätte man dem Schreiber mal einladen können die Amateureszene genauer zu begutachten. Aber vielleicht können dies ja die immer zahlreich bei den Amateuren vertretenen USPler übernehmen.
Zum Thema eigenes Ding habe ich ja schon oben einen Kommentar abgegeben.
… die Polizei, die ohne Witz Leute beim Heimspiel wegen Haschisch (!!!!!) rauchen (!!!!!) festgenommen hat und untersucht hat. Unglaublich, aber wahr!!!!! Ich weiss gar nicht, wie ich das kommentieren soll.
… die Blödzeitung, die zur Zeit ja nur den Lokalrivalen abfeiert. Grosses Tennis dabei die seit Tagen auf jeder Seite erscheinende kleine Kolumne „Ich liebe den Lokalrivalen, weil…“ in der irgendwelche Hamburger nun erzählen, warum sie nun den Lokalrivalen lieben. Die beiden grössten Antworten bisher? „… weil die nicht eine zusammengekaufte Truppe haben.“ (Wie meinte dazu ein mit mir befreundeter Gladbachfan? „Alles eigene Jugend“) und „… weil da schon immer so eine tolle Stimmung ist.“ Sorry, aber letzteres werden nicht einmal eingefleischte Lokalrivalenfans behaupten.
Ganz ehrlich: Wäre ich Lokalrivalenfan, würde ich aufgrund dieses medialen Hypes schon am schreien seien. So sehr es ja auch den leidgeplagten langjährigen Fans gegönnt sei (und das mein’ ich beinah ernst), so sehr gehen mir all diese Modefans auf den Sack, die ihre Rauten sonst immer brav im Schrank lassen sie aber nun bei Erfolg rausholen. Wie meinte meine GMB so schön? „Sonst heisst es immer „wie haben DIE denn gespielt?“ nun heisst es „WIR haben gewonnen.““ Mal sehen, was