Norbert regt sich auf vom 25.10.2005
über
Hast du schon mal ein Kamel von hinten gesehen?
Ein perfektes Wochenende geht zu Ende. Alle Mannschaften von der 1. Mannschaft bis zur B-Jugend haben gewonnen und unser direkter Konkurrent um den Aufstieg verliert. Naja, hätte nicht gerade bei Lokalrivale II sein müssen, bei denen ich gerade hoffte, dass sie sich Richtung Oberliga verabschieden, aber man kann halt auch nicht alles haben. Natürlich findet ihr auch warme Worte zum Spiel der 2. Mannschaft. Lest selbst und freut euch. Nachtrag: Und da ich zu langsam war, kommt der Pokalbericht auch gleich hinten ran.
Heimspiel! Am Freitag vorher noch die Flaschenparty beim Betreuer unserer Wahl gefeiert, so dass der Wecker mal wieder definitiv zu früh klingelte. Etwas verschlafen machte man sich also auf den Weg in den Fanladen. Dieser war schon mit einem etwas übermüdeten Thorsten – neben anderen Personen – bevölkert. Wollte dieser doch am Freitag Abend noch ein Paar Biere trinken. Tja, wurde dann wohl noch ein Paar und noch ein Paar und noch ein Paar… Immerhin war er laut eigener Aussage um acht im Bett und um halb zwölf wieder fit und bei der Sache.
Natürlich galt es auch heute den besten Imbiss im Viertel zu supporten, auch wenn mein Aberglaube ja beim letzten Heimspiel gebrochen worden war. Insofern musste ich ja was anderes essen. Ist auch nicht wirklich schlecht, denn so langsam konnte ich auch kein Hähnchen mehr sehen. Ich bestellte mir also Currywurst Pommes, genoss diese und freute mich auf das Spiel das da kommen mochte.
Nach einem kurzen Zwischenstop im Fanladen ging es dann zum Stadion. Auf dem Weg dahin wurde die Überschrift geboren. Ein Ultra meint zum anderen, er sehe von hinten mit seinen zwei Beuteln wie ein Wüstenschiff aus. Auf das Erstaunen des Angesprochenen meint der Ultra nur, ob er noch nie ein Kamel von hinten gesehen habe. Sorry, viel Situationskomik, aber wir mussten doch sehr beherzt lachen.
Bei der AFM machte heute der anarchistische, vollkommen zu Unrecht aus dem Verfassungsschutz genommene Sender namens „FSK“ den Container. Dies führte nicht nur zu einer ungewöhnlichen (wenn auch nicht schlechten) Musikauswahl, sondern auch dazu, dass im Clubheim und über den Äther das gleiche lief. Nur natürlich habe ich es trocken verpasst, endlich Fördermitglied zu werden. So ging mir ein leckeres T-Shirt durch die Lappen. :cry: Und so wie ich Klau_s kenne hab ich den auch bald wieder an den Hacken ;-)
Im Stadion war es schon relativ voll, aber ich konnte noch einen netten Platz bei meinen Liebsten ergattern. Komischerweise hatte so richtig keiner Lust auf Fussball. Jeder war am Nörgeln und erwartete die nächste Niederlage. Elvis ging so weit, dass er bald wieder gehen wollte, weil er keine Lust hatte.
Beim Auflaufen wurde die Mannschaft nicht irgendwie angemacht und auch nicht ausgepfiffen. Vielleicht fiel der Beifall beim warm machen etwas dünner aus und die Choreo war von kreativer Unkreativität geprägt, aber irgendwelches Gepöbel etc. war nicht zu hören.
Die erste Halbzeit entwickelte sich dann auch zu ganz grossem Spass. Eine klasse Mannschaftsleistung mit einem absolut überragenden Hauke. Nur Meggle fiel etwas ab, da ihm ausser dem Pass zum 2-1 wenig gelang. Was man aber sagen muss ist, dass sein Einsatz absolut stimmte. Der hat wirklich gefightet wie ein Irrer. Schön, dass Hauke das Tor gemacht hat. Dass es nicht nur mir so geht, dass ich ihm alles gute wünsche, konnte man im Forum sehen, wo sich doch sehr viele sehr positiv geäussert haben. Bleibt nur zu hoffen, dass er nun endlich mal von Verletzungen verschont bleibt und so seine gute Form ein paar Spiele in Folge zeigen kann.
In der zweiten Halbzeit war dann Osnabrück überlegen und es zeigt sich, dass unsere Mannschaft noch zuviel Aufwand für eine gute Leistung bringen muss und so echt konditionelle Probleme bekommt. Hier muss sich spielerisch und im Stellungsspiel noch vieles tun, aber ich bin guter Hoffnung, dass sich hier auch noch was tun kann.
Die Stimmung war eher durchwachsen, wenn man mal bedenkt, wie klasse unsere Truppe in der ersten Halbzeit gespielt hat. Hier lässt sich garantiert einiges verbessern. Ob nun die jammernden Ultras schuld sind, wie in der Jungen Welt vermutet, wage ich mal zu bezweifeln. Aber Stimmungsdiskussionen bringen nix, so lange keiner Stimmung macht.
Nachdem das Zittern vorbei war konnte noch gross gefeiert werden. Ein Mädel erschnorrte sich durch Platzsturm noch einen Trikottausch bei Luz, wobei ich mal behaupte, dass sie das Ganze noch ordentlich bereuen wird, denn der Ordnungsdienst war nicht wirklich von dem Platzsturm begeistert.
Mein Weg führte mich nun in den Fanladen, wo bereits die fleissigen Köche dabei waren lecker Essen vorzubereiten. Die Nudeln mit Spinat-Sahne-Sauce (vollkommen vegetarisch nebenbei) wurden uns förmlich aus den Händen gerissen, so dass der Fanladen wieder ein bisschen was verdient hat und der ärmste Heiko leider hungrig bleiben musste, weil das Essen zu schnell alle war. Es ist nebenbei schön, dass der Fanladen wieder mehr angenommen wird. Bereits Freitag war er voll und auch am Samstag waren doch einige Leute da, obwohl die politisch sehr aktiven nach Harburg zur Demo gefahren waren. Und wenn es nun Reiner Wulff noch hinbekommt, das Essen richtig zu verkünden (und nicht vom Container in der Nordkurve spricht), dann kommen hoffentlich noch viel mehr Leute in den Fanladen und wir können bald doppelte Portionen Nudeln anbieten.
Danach ging es ins Jolly und hier ging echt grosser Tanzsport ab. Der OL lud zur Ü30 Party und wo sonst kann man schon um 19 Uhr wild tanzende Menschen und eine ausgelassene Stimmung erleben? Ich musste soviel tanzen, dass ich gar nicht richtig zum Cider trinken kam ;-) Etwas getrübt wurde der Abend von ein paar Celts, die einfach zu betrunken waren und doch etwas nervten. Leute, nix gegen Fanfreundschaft, aber nicht zum ersten Mal benehmen sich Celts im Stadion und/oder im Jolly/Fanladen etwas anstrengend. Leider kann zumindest ich sie nicht einmal darauf ansprechen, denn auch heute musste ich mal wieder lernen, dass die schottisch und nicht englisch sprechen und von schottisch versteh ich kein Wort.
Danach ging es mit Trulline und Ruhri nach Hause. Dabei weckten wir noch ganz Alsterdorf, da wir singend und laut redend durch die Strassen torkelten. Gut, dass mich hier mein ganz persönliches Taxi einsammelte, ins Bett brachte und ich nach kurzer Bildbearbeitung ins selbiges fallen konnte.
Die Teilnahme am Fanclubhallenturnier hatte sich Freitag aufgrund von Planungsfehlern (zu wenig Mitspieler?) zerschlagen, so dass ich die gewonnene Zeit zum Ausschlafen nutzte. Natürlich kann man auch als reiner Zuschauer zum Hallenturnier gehen, aber leider finde ich das immer eher langweilig und wenn man so gar kein Interesse an dem sportlichen Ausgang hat, dann ist das nix für mich.
Irgendwann hiess es dann aber doch früh auf der Schanze aufzuschlagen, galt es doch die erste reguläre Ausgabe des Amateurs unter die Leute zu bringen. Der Verkauf lief super gut, so dass bei 225 zahlenden Zuschauern 100 Stück weit vor Anpfiff verkauft waren. Das war auch gut so, denn bereits nach neun Minuten hatten unsere Amateure den Spitzenreiter abgeschossen. Und ich sag noch zu meiner diesmal anwesenden Mitfotografin, dass wir jetzt mal mutig sind und uns hinter das Nordhorner Tor stellen, auch wenn da nicht viel passieren wird. Falsch gedacht und trotzdem glücklich.
Lustig am Rande war zum einen der Nordhorner Torhüter, der nur am Meckern war, und wo ich die Mannschaftskollegen absolut bedauere, dass die mit dem im Bus zurückfahren mussten. Zum anderen der offizielle von Nordhorn, der sich erst lautstark darüber aufregt, dass der Amateur Geld kostet, um sich dann aufzuregen, dass Daggi taktisch klug die Einwechselung genau dann durchsagt, wenn der Elfmeterschütze bereit steht. Naja, dann soll man halt nicht kurz vorher auswechseln ;-). Und wenn der mich da anmacht wegen des Amateurs, dann ist das schon okay, wenn der Elfmeter verschossen wird.
Das Gewinnspiel in der Halbzeit brachte nebenbei (durch ungeschummeltes Losglück) zwei Tigerenten gegeneinander, wobei Orsen den Ball mit den Unterschriften der zweiten Mannschaft sein Eigen nennen kann, weil Elvis nicht wusste, wie das Oddsetpokalspiel in der ersten Runde ausgegangen ist. Dabei war er da und war eigentlich auch nüchtern. Aber es wird Wiederholungen geben, denn auch eine der nächsten Ausgaben des Amateurs wird wieder ein Gewinnspiel enthalten.
Damit war der Tag fast gelaufen, hätte mich nicht Ofos bei der Pressekonferenz gesiezt. Okay, ich bin alt, aber es schockt einen schon, wenn einen 21jährige Spieler siezen.
Warum ich am Mittwoch morgen mit „Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh“ auf den Lippen aufgewacht bin, kann ich euch nicht sagen. Irgendwie hatte das gestrige Spiel nun gar nix mit Gütersloh zu tun.
Es begann alles so gegen 17 Uhr, als ich im Fanladen eintrudelte. Im Fernseher lief irgendeine Dokumentation über brasilianischen Fussball und die Stimmung war eher abwartend als euphorisch. St. Paulifans sind viel zu doll Realisten, als dass sie einen Pokaltriumph vorhersehen würden.
Eigentlich wollte ich mit Blick auf meinen Bauch heute mal nix vor dem Spiel essen, aber Ryan Giggs überredete mich dann doch, in Richtung Kleine Pause aufzubrechen. Irgendwie lege ich in letzter Zeit mal wieder zu, was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegt, dass wir so viele englische Wochen haben. In der Winterpause ist dann erstmal Diät pur angesagt. Irgendwie muss man ja fit für die Rückrunde werden.
In der Kleinen Pause waren auch zwei Bochumfans. Mit denen unterhielt ich mich und meinte zu dem einen nur, dass ich ja jetzt was sagen könne von ärgerlich, dass man 400km nur für eine Niederlage im Pokal gefahren sei, aber so etwas würde ich nun nicht sagen, weil dies habe unser Verein noch nie gekonnt. So kann man sich täuschen…
Enttäuscht war ich im Stadion. Hatten sich doch offiziell nur 13.000 Zuschauer eingefunden. Inoffiziell wirkte das Stadion noch leerer. Ich schätze mal, dass höchstens knapp über 10.000 Zuschauer dem Spiel auch real beiwohnten. Selbst in unserem Bereich ist es bei normalen Ligaspielen noch viel voller als am gestrigen Abend.
Enttäuscht war ich auch von Thomas Meggle. Dieser beschloss auf diesem tiefen Rasen aufgrund von Verletzungen nicht spielen zu können. Sorry, aber ich hege langsam Zweifel an den Verletzungen des Thomas M.. Teilweise habe ich den Eindruck, dass es eher ein „Och nööö, ich habe mal keine Lust“ ist. Ich kann mich sehr gut täuschen, aber wenn er Samstag wieder wie ein junges Reh über den Platz hüpft, dann fühle ich mich in meinen Zweifel bestätigt.
So musste Dinzey im Mittelfeld mit ran. Auch unsere Abwehr war echter Zucker, Ralle und Palikuca als Innenverteidigung war schon immer mein Traum. Vor dem Spiel war ich mir eigentlich sicher, dass die uns eine ordentliche Reihe Tore einschenken. Ich sah eigentlich immer nur den langen Ball auf Edu, der Palikuca austanzt und dann unbedrängt einschiesst. Tja, so kann man sich täuschen.
Bereits nach 9 Minuten hatte Dinzey eine Führung rausgeschossen, und gestern spielte er wirklich klasse. Wenn er die Leistung konstant bringen würde, dann würde er in jeder Mannschaft der 2. Liga einen Stammplatz finden. Aber passt mal auf, wenn er nun in Wattenscheid wieder spielen darf, dann spielt er wieder lustlos und gelangweilt und schon ist es wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Vielleicht tue ich mich ja täuschen.
Das 1-0 brachte bei mir aber keine Euphorie oder so. Zu spielerisch schlecht agierte unsere Mannschaft. Ein Pass zu Luz war immer danach beim Gegner, Dinzey fand immer weniger statt und auch sonst gelang trotz höchstem kämpferischen Einsatzes nicht viel. Zu diesem Zeitpunkt habe ich immer noch gedacht „na, die hauen uns noch die Hütte voll. Wenn die sich erstmal an den Rasen gewöhnt haben, dann schiessen die uns ab.“ Dieser Eindruck wurde noch durch den verschossenen Elfmeter bestärkt. Als Dinzey sich den Ball schnappte, da war mir klar, dass er ihn daneben schiesst. Dementsprechend habe ich mich auch umgedreht und nicht hingeguckt. Und siehe da, ich tat mich mal nicht täuschen.
Kurz danach sagte ich in mein Umfeld, dass Luz so scheisse spielen würde, der würde gleich das 2-0 machen. Ich tat mich wieder nicht täuschen, denn kurze Zeit später schoss Luz ein klassisches „da muss ein Stürmer stehen“-Tor. Mehr angeschossen als wirklich eigene Aktion, aber so muss ein Stürmer halt spielen. Und der Kopfball war natürlich dann auch gut platziert.
Auch nach diesem 2-0 hatte ich das Gefühl, dass Bochum uns noch locker 5 Dinger einschenken kann. Als zu gefährlich sah ich den Sturm, als zu schwach unsere Abwehr. Insbesondere ging ich stark davon aus, dass der Mannschaft irgendwann in der 2. Halbzeit die Kraft ausgehen würde. So kann man sich täuschen.
Gerade als Bochum ein bisschen ins Spiel gefunden hatte, schossen unsere Helden das 3-0, man hätte beinah sagen können, dass Lechner uns den van der Vaart mimte. Aber Vergleiche mit Lokalrivalenspielern verbieten sich von selbst. So richtig gelöst war meine Stimmung aber immer noch nicht. Immer noch hatte ich den Eindruck, dass Bochum schon noch seine drei Tore machen würde. Aber seien wir doch mal ehrlich: Die hatten eine Chance, die hat Hollerieth gut gehalten, aber ansonsten war er vollkommen beschäftigungslos. Aber ich dachte zu diesem Zeitpunkt halt anders. So kann man sich halt täuschen.
Meine Nebenleute fingen schon an mit mir zu meckern, weil ich so pessimistisch war. Nur Pieper meinte, es sei ja alles okay, wenn es zum Erfolg führen würde. Irgendwann fiel dann das 4-0 und danach war selbst mir klar, dass heute hier nix mehr schief gehen würde (in Wahrheit meinte er, dass er sich zumindest sicher sei, wir würden uns in die Verlängerung retten…, gez. die Lektorin). Und diesmal würde ich mich nicht täuschen.
Trotzdem – und nun kommt die grosse Euphoriebremse – fand ich die Leistung unserer Mannschaft deutlich schwächer als gegen Osnabrück. Osnabrück war eine Mannschaft die mit allen Mitteln dagegen hielt, und umso höher ist der Sieg einzuschätzen. Bochum hingegen hatte sich spätestens nach dem 2-0 vollkommen aufgegeben und nie mehr den Willen, noch mal auf Sieg zu spielen. Und gegen einen solchen Gegner sieht man als Aussenseiter natürlich immer gut aus.
Zur Stimmung: Kann die nicht immer so gut sein? Nahezu 90 Minuten Gesang. Dabei nicht nur Rumgeeiere, sondern wirklich die ganze Gegengrade. Grossartig auch die Wechselgesänge, die ja immer mit einer Aufforderung an die jeweiligen Gesangespartner starten. Da wurde auch mal die Gästekurve (in der nur Bochumer standen) aufgefordert. Später dann die im leeren Südkurvenblock stehende Polizei. Beide wollten nicht wirklich mitmachen und wurden dafür ausgepfiffen. Der anschliessende Gesang „Scheiss Polizei“ musste mich dann doch schmunzeln lassen. Dann wurde auch mal der Pott bis nach Hamburg ausgedehnt („Die Nr. 1 im Pott sind wir“) und der alte „Pokalfinale“ Gassenhauer angestimmt. Da hatte ich nebenbei auch noch gedacht, dass Polizisten nicht singen, aber so kann man sich täuschen.
Kleine Randnotiz: In der Halbzeit bekam der „Fanclub mit Fanclub“, die St. Pauli Skinheads ihren Pokal vom Fanclubturnier. Herzlichen Glückwunsch dazu. Kinderwünsche an den Interviewgott des Tages (die Anworten hatten Volker Ippig-Niveau) blieben leider unbeantwortet. Was haben wir gelacht. Schön, dass ein so aktiver und – wie soll man sagen – lange etablierter Fanclub mal das Fanclubturnier gewinnt. Und noch schöner, wenn die Aussage von einem meiner Nebensteher wahr ist: „Unsere Zivis sind wahrscheinlich gerade richtig am Kotzen“.
Nach dem Spiel begann dann eine gut einstündige Feldparty mit Mannschaft auf dem Zaun, „Aux Armes“ von Boll angestimmt (Polizisten können doch singen) und vielen Wellen und Tänzen auf dem Rasen. Selbst vor der Gästekurve wurde die Welle geprobt und Palikuca liess es sich nicht nehmen, selbst dort auf den Zaun zu steigen. Die Bochumer ergaben sich in ihr Schicksal und klatschten unserer Mannschaft den verdienten Beifall.
Und gerade als man dachte, die Party sei vorbei, da musste man feststellen, dass man sich zum letzten Mal getäuscht hatte, denn unsere Helden kamen noch mal aus der Kabine und liessen sich feiern.
Kleine Randnotiz: Nicht nur glücklich wirkte Felix Luz, dieser schrie Stanislawki an, während die anderen Spieler feierten und wirkte auch danach nicht wirklich gelöst. Hatte ihm irgendwas nicht gefallen? Auffällig war, dass er im Fernsehen davon sprach, dass man ein Livespiel wolle, damit der Verein bestehen bleibe. Hatte seine Unmut irgendwas mit Geld zu tun? Wenn man nun wild ins Blaue hineinspekulieren möchte, dann könnte man da fehlende Spielergehälter reininterpretieren, aber ich kann mir so etwas nicht vorstellen.
Welcher Gegner ist nun der Wunschgegner? Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder einen schlagbaren Gegner oder einen, der eine Fernsehübertragung garantiert. Letzteres tut nur Bayern, denn selbst ein Spiel gegen Werder oder den Lokalrivalen würde eventuell nicht vom Fernsehen gezeigt, wenn Bayern z.B. nach Offenbach oder zu Lautern oder Frankfurt muss. Schlagbar wären Mannschaften wie Unterhaching oder der Sieger aus Offenbach/KSC. Und wenn man bedenkt, dass die nächste Runde ohne Übertragung 247.000 Euro und die übernächste Runde ohne Übertragung 559.000 Euro gibt, während die nächste Runde mit Übertragung nur 677.000 Euro gibt, dann ist der schlagbare Gegner riskanter, aber dafür attraktiver. Meines Wissens können nun auch Amateur gegen Amateur gelost werden. Und da wäre ein Los Osnabrück (wenn sie denn weiter kommen, was ich im Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen nicht weiss) auswärts natürlich der absolute Albtraum.
… die Trainerdebatte, die nun eigentlich ausgestanden sein müsste. Die Truppe funktioniert unter diesem Trainer und eine vermeintliche Krise wurde durch Umstellung des Trainings (auf zweimal den Tag) aufgefangen und die Mannschaft reagierte mit absolutem Kampf und mit Leidenschaft. Nur warum ist mir eigentlich jetzt schon klar, dass bei der nächsten schwachen Partie diese Diskussion von neuem aufbrechen wird? Aus meiner Sicht ist die jetzige Situation nicht Schuld des Trainers. Wenn man mal sieht, wie viele absolute (teilweise vermeintlichen) Führungsspieler dauernd krank sind, dann kann man bei unserem teilweise dünnen Kader nicht erwarten, dass man überzeugend Tabellenerster ist. Die Mannschaft hat bisher zwei richtig schlechte Spiele abgeliefert (Düsseldorf und Chemnitz auswärts) und sich in einigen Spielen schwer getan. Kiel ging aufgrund von dämlichen Fehlern eines einzelnen verloren, Jena war einfach unglaublich stark an diesem Tag. Ich weiss nicht, wo man grundsätzliche Fehler unseres Trainers erkennen kann. Natürlich – und das tut jeder – meckert jeder Fan rum und sagt, was er besser machen würde, aber zugunsten von Bergmann sollte man mal bemerken, welche Leidenschaft er in den beiden letzten Spielen bei der Mannschaft erzeugt hat. Es bleibt zu hoffen, dass wir einiges davon nach Wattenscheid rüber retten und vielleicht dort auch gewinnen können.
Wie sagte gestern jemand so schön? Sollte doch kein Problem sein, wir haben immerhin unsere Stammspieler geschont.
… der Übersteiger, dem man zur 75sten Ausgabe gratulieren kann (erschienen gegen Osnabrück). Gelesen habe ich sie noch nicht, daher kann ich inhaltlich noch nix dazu sagen. Gelesen habe ich nur den Artikel über Altona, da mir vorher „wieder mehr Amateure“ angekündigt wurde. Schade, etwas mehr hätte es noch sein können.
… das Nachgetreten, was auch wieder erschienen ist und – wie immer – äusserst brillant ist. Dringend auch die Nr. 2 auf dem Fanzine Markt kaufen. (wobei das jetzt nach Alter geht, liebe Gazettamacher. Dies umfasst keine inhaltliche Wertung).
… die Gegengrade vom Osnabrückspiel, die einen „wir machen unser Ding“-Artikel enthält. Sorry Leute, aber damit stosst ihr mehr Leuten vor dem Kopf als dass ihr irgendwas erreicht. Ich denke, dass eine konstruktivere Haltung hier mehr bringen würde. Aber diese Diskussion führen wir schon seit Jahren. Positiv ist aber, dass immerhin „Der Amateur“ positiv erwähnt wird. Nebenbei ist dieses kleine kostenlose „Gegengeraden“-Blatt insgesamt sehr positiv zu sehen und sei hier auch mal ausdrücklich gelobt. Ich weiss ja jetzt, was für eine Arbeit es ist, jedes Spiel zu erscheinen.
Der Fanladen, welcher folgenden Aufruf herausbrachte:
St. Pauli-Fans gegen Vorurteile und Gewalt!
Vor und nach dem Spiel gegen Carl Zeiss Jena kam es an der Budapester Straße und auf dem Heiligengeistfeld zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Gästefans wurden offenbar nur nach ihrer Kleidung oder ihrem Aussehen bewertet, gejagt und verprügelt.
Wir verurteilen diese Szenen aufs Schärfste. Gewalt hat beim FC St. Pauli nichts zu suchen! Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und dort soll es auch bleiben.
Alle Ossis sind Nazis?!
Schon seit Jahren gibt es leider immer wieder Übergriffe gegen Anhängerinnen und Anhänger von Ostclubs. Der in solchen Zusammenhängen ausgetragene Hass, aber auch Pöbeleien und Beleidigungen wirken wie ein Ersatzventil für Vorurteile, die bei St. Pauli sonst nicht auszuleben sind.
Die Fans des FC St. Pauli gelten und begreifen sich als menschlich, weltoffen und tolerant. Sie proklamieren das friedliche Zusammenleben aller Menschen, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur oder Hautfarbe.
Der Fanladen St. Pauli, das Fanprojekt für die Fans des FC St. Pauli, verurteilt – wie auch die Mehrheit der Fans – Hass, Gewalt, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. In diesem Sinne wenden wir uns ge-gen eine Diskriminierung von Menschen aus den Neuen Bundesländern, die aufgrund ihres Wohnortes oft vorschnell und pauschal als Nazis verurteilt werden.
Alle, die Kleidung der Marke „Thor Steinar“ tragen, sind Nazis?! Die Marke „Thor Steinar“ wird häufig von Rechtsradikalen getragen. Doch in den Neuen Bundesländern wird die Marke oft auch ohne politische Aussageabsicht gekauft und getragen. Nicht jeder „Thor Stei-nar“-Träger ist ein Rechter. Und selbst wenn er es wäre, ist Gewalt keine Lösung.
Selbstverständlich verurteilen wir auch das Verhalten aller Jena-Anhänger aufs Schärfste, die durch gewalttätiges Auftreten in Erscheinung getreten sind!
Wir fordern alle St. Pauli-Fans auf, sich nicht zu Gewalt hinreißen zu lassen! Wirkt auf Eure Nebenstehenden ein und verhindert, dass sich solche Szenen wiederholen!
Dazu von mir einen kleinen Kommentar: Erstmal ist dieser Aufruf richtig und wichtig. wir sollten immer überlegen, warum wir zu dieser vermeintlichen Kultszene geworden sind und ein Bestandteil davon war, dass man nicht offensiv Leute verprügelt hat. Und schon gar nicht, weil sie Ossis etc. sind.
Thor Steinar ist eine Drecksmarke und falls wirklich irgendjemand das Zeug trägt, obwohl er nicht weiss, was das heisst, dann habe ich im Fall der Abreibung kein Mitleid mit ihm. Aber vielleicht sollten wir dazu kommen einen Träger erst freundlich zu fragen, ob er ein dreckiger Nazi ist. Spätestens dann kann man sich wehren. Ob mit dem Text oben eine Verharmlosung der Marke Thor Steinar verbunden ist? Ich denke für einen klug lesenden Menschen nicht. Das Zeug bekommt man nur in einschlägigen Szeneläden. Und wer so doof ist sich das Zeug da zu holen ohne zu bemerken, welche Ideologie dahinter steht, den sollte man schon aufgrund seiner Dummheit zurechtweisen.
Was viele Leute auch gerne vergessen, ist dass unser Fanladen halt eine Organisation der Jugendgewaltprävention ist.
Stellt sich nur folgende Frage: Warum ist da eigentlich im Original nur der Fanladen als Unterschrift drauf? Ist das Präsidium anderer Meinung? Oder hatte man im Präsidium Angst, dass man Ärger auf sich zieht, wenn man so etwas mit unterschreibt? Wollte man etwa, dass der Ärger sich auf den Fanladen konzentriert? Fragen, die ich nicht beantworten kann, aber etwas komisch wirkt es schon.
Stellt sich noch eine Frage: Schmeissen unsere Ordner eigentlich Leute in Thor Steinar Klamotten raus? Ich will es doch hoffen!
… das Theaterstück von Lokalrivalenfans, welches im Thalia (???) Theater aufgeführt wird. Dabei spielen echte Fans ein Stück über Fans, was insoweit ja schon zu begrüssen ist und garantiert auch schick anzusehen ist. Warum aber auf dem Werbeflyer fett in der Mitte einer einen „Hamburg Riot Crew“-Sweater anhaben muss, wird wohl Geheimnis des Lokalrivalen bleiben.
… der verantwortliche Polizist in Hooliganfragen, der anscheinend so sinngemäss an die Presse gegeben hat, dass er 2006 erhebliche Randale erwarte und dass die Hools sich jetzt nur zurückhalten würden, damit sie nicht in das Visier der Ermittler geraten würden. Aber 2006 würden sich die deutschen Hools zusammenrotten und dann sich mit ausländischen Hools treffen. Man werde diesem mit ganz viel Polizei begegnen. Ich gebe zu, dass ich nicht gerade szenekundig bin, aber soweit mir bekannt ist sind grosse Turniere nicht gerade Spielwiese von Hools. Dies alleine schon deswegen nicht, weil die Polizei absolut den riesigen Sicherheitsapparat hochfährt. Aber natürlich ist so ein Statement – auch wenn vollkommen aus der Luft gegriffen – für die Polizei grossartig. Es rechtfertig nämlich folgendes: Pauschale Repressionen gegen alle vermeintlichen Hools. Pauschale lange Stadionverbote gegen jeden, der sich auch nur das kleinste zu schulden kommen lässt. Pauschale Provokation gegen Fussballfans, weil „zur Zeit halten sie sich ja zurück“ und da muss man die ja provozieren, um sie im Vorfeld abzufischen.
Es wird doch gerade nach Einsparmöglichkeiten in Deutschland gesucht. Wie wäre es damit, einfach alle Hooliganfachleute der Polizei zu entlassen? Ich garantiere, dass nicht eine Straftat mehr als jetzt passiert und di