Norbert regt sich auf vom 28.11.2005
über
Ich kann Rauten nicht mehr sehen…
Worüber soll man eigentlich schreiben, wenn es nix zu schreiben gibt?
Ich weiss, alle Jünger der Raute würden mir jetzt wieder widersprechen, aber gemütlich wird dieses Stadion nicht mehr. Ich vermute ja immer noch dass dies daran liegt, dass eine ursprünglich mal geplante Aussenverglasung den fehlenden Finanzmitteln zum Opfer gefallen ist. Insgesamt finde ich es erschreckend, in welchem Zustand das Stadion ist. So schön es oberflächlich innen ist, so stark fällt doch auf, dass sich in nahezu jeder Ecke Schutt und Abfall sammelt (ich meine jetzt Bereiche, die für einen „normalen“ Zuschauer nicht zugänglich sind) und dass der Beton teilweise erhebliche Sprünge hat. Ich will mal für die Lokalrivalenfans hoffen, dass mein Eindruck täuscht, denn diese scheinen mit ihrer Spielstätte ja ganz zufrieden zu sein. Nur wenn ich das mit dem Bremer Weserstadion vergleiche, welches bis in die letzte Ecke einen aufgeräumten und „gesunden“ Eindruck macht, dann kommen mir Zweifel. Was ich nur nicht will ist, dass nächstes Jahr die Stadt für die Betonsanierung aufkommt, dann schrei ich.
Einen grossen Bericht vermag ich nicht zu schreiben. Ich bin alleine angereist, da mir eine Bahnanfahrt zu nervig erschien. Ich hatte nahezu keinen Kontakt zu St. Paulifans, da ein Ordner aus einem – zugegeben dummen – Scherz (ich hatte die Raute auf meiner Fotografenkutte mit einem „… nix gut“-Aufkleber überklebt) ein Staatsdrama machte. Ein freundliches Lächeln und ein „Nimm den mal ab“ hätte auch gereicht, aber diese Grösse hat man anscheinend auch als Tabellenzweiter und klare Nr. 1 in der Stadt nicht. Nein, man muss einen erstmal aus dem Stadion führen, sich bei seinem Chef gross beschweren und auch sonst ein Drama machen. Nunja, vielleicht sollte man nicht gleiches mit gleichem vergelten (insofern halt eine dumme Idee von mir), aber auf einer zumindest halboffiziellen Seite des Lokalrivalens werden Bilder immer noch mit „2. Mannschaft – St. Pipi“ angekündigt, in derem Forum kann man immer noch Aufrufe von Seiten verlinken, die ansonsten einen faschistischen Hintergrund haben (sagt mal, liebe Lokalrivalenadmins, guckt ihr euch so etwas nicht an?) und das mit dem Spielertunnel damals (wollten nicht durch unseren mitgebrachten Spielertunnel gehen) vergess ich denen auch nie. Okay. Ich weiss, als Hausfotograf sollte man seine Emotionen zu Hause lassen und daher darf das nächstes Jahr auch wieder meine Kollegin machen. Diese hatte nebenbei mal wieder Probleme ihre Kamera als normale Zuschauerin mitzubringen. Hier wären klare Richtlinien endlich mal sehr wünschenswert. Wobei ich das Problem immer noch nicht begreife. Meines Wissens sind die Rechte für Fotografien nicht verkauft, sondern werden von jeder Zeitung selbst wahrgenommen. Warum soll ich dann als normaler Zuschauer keine (Spiegelreflex-)Kamera mitbringen können? Ich halte das dauernde Meckern wegen den Kameras zumindest in der Regionalliga für absolut übertrieben. Insbesondere auch deswegen, weil es absolut unmöglich ist mit einem 300 Tele von der Tribüne Fotos zu schiessen, die auch nur annähernd kommerziell verwertbar sind.
Wie schon gesagt: Fanmässig kann ich wenig berichten. Der Lokalrivalenanhang glänzte in 45 Minuten Hörzeit durch 40 Minuten Beleidigung des Gegners und 5 Minuten Anfeuerung der eigenen Mannschaft (naja – auch eine Form des Dauersupports). Die Beleidigungen verliessen aber nicht ein fussballnormales Niveau, so dass das eher Geschmacksfrage ist als dass man sich hier wirklich darüber länger aufregen muss. Mein Geschmack ist es nicht. Ganz einfach. Unser Mob war eigentlich 90 Minuten von jedem Standpunkt im Stadion aus gut zu hören. Und die Beleidigungen in Richtung Lokalrivale hielten sich in engen Grenzen. Das ist auch gut so.
Spielmässig lässt sich das eigentlich mit den Worten von Ralle sehr gut beschreiben: „War nicht so gut wie die letzten Wochen, aber wir haben vier Buden gemacht.“ Ja, der Gegner hatte ein bisschen viel Spielanteile, aber wenn man so souverän die Dinger versenkt, dann reicht es halt aus in den ersten 80 Minuten nur fünf Mal aufs Tor zu schiessen. Eigentlich gab es nur zwei Situationen wo das Spiel hätte kippen können. Gleich zu Anfang, als der Lokalrivale beinah unsere Anfangsnervösität ausnutzte und ein zweites Mal, als die zu Beginn der 2. Halbzeit aufkamen und die Nachwuchshoffnung knapp verzog (ich halte ja Laas für das grössere Talent, gebe aber natürlich zu nur oberflächlicher Beobachter von Lokalrivale II zu sein). Was mir gefällt bei unserer Mannschaft ist die extrem hohe Laufbereitschaft aller 10 Feldspieler. Was mir noch nicht so wirklich gefällt ist, dass wir diese Laufbereitschaft auch brauchen um solche Spiele zu gewinnen. Aber jetzt such ich das kleine Haar in der Suppe.
Danach wieder zurück nach Hause gefahren und den Abend ganz entspannt vor dem Fernseher verbracht. Wie schon gesagt, es gibt nix zu berichten. Ich wäre nur froh, wenn wir zwischen den Lokalrivalen und uns eine Abstandsliga legen könnten. Und die 2. Mannschaft muss dann nächstes Jahr dort ohne mich auskommen, denn ich besuch dieses Stadion erst wieder, wenn wir da auswärts in der 1. oder 2. Liga (die Hoffnung auf einen Abstieg des Lokalrivalens stirbt ja zuletzt) spielen. Sollte unser Präsident (jetziger und zukünftiger) auf die Idee kommen ein Heimspiel in das Land der Rauten zu verlegen, dann schwänz ich.
Ernsthaft was mit Fussball hatten die Geschehnisse an der Sternschanze am Sonntag nix zu tun. Der Platz war definitiv unbespielbar und nur aus mir nicht erklärlichen Gründen wollte man unbedingt spielen. So entwickelte sich ein Rutsch- und Grätschfestival der komischen Art, welches 2-0 für den Bundesliganachwuchs endete. Leider hatte Hannover nicht nur Spieler mitgebracht, sondern auch ziemlich nervige Typen. Ca. 20 davon hatten den Weg aus dem Landeshauptdorf in die Weltstadt zurückgelegt, der Rest kam eher aus Lokalrivalengefilden. Nun bin ich ja der letzte, der jedem Lokalrivalenfan unterstellt gewaltbereit und doof zu sein, aber der grösste Teil der da mitgehenden Fans war genau dieses. So nervte alleine schon die ständige Provokation während man unsere Stadionzeitung verkaufte. „10 Cent? Da steckt garantiert die Mafia hinter“ war dabei noch der klügste Spruch. Hinzu kam, dass die alle erfolgreich an dem Kurs „wie guck ich möglichst böse“ teilgenommen hatten. Sprich: das normale „entspannt gucken eines Amateurspiels“ fiel heute aus. Der Träger von Thor Steinar Klamotten ist zwar aufgrund massiver Polizeipräsenz ohne körperliche Schäden aus dem Stadion gekommen, aber ob der mit der Drohung eines anwesenden Heimfans, dass man ihm am liebsten ins Gesicht beissen würde, ruhig geschlafen hat, sei mal dahin gestellt. Dies nebenbei in Hörweite von zwei wurstessenden Polizisten vorgetragen, die jedoch gleicher Meinung oder zu konzentriert auf ihre Wurst waren um einzugreifen.
Ich für meinen Teil bin wieder froh, wenn Bergedorf mit Trommeln anrückt und nicht Hannover mit diesen Nasen. Ein Blick auf den Spielplan verheisst jedoch nix Gutes, denn der nächste Gegner ist Neumünster.
Ich muss jetzt nebenbei mal ganz viele böse Worte über unsere Szene aussprechen. Erneut waren es unter 300 Zuschauer, wobei ca. 70 Anhänger von 96 anwesend waren. Das ist äusserst schwach. Das Wetter war zwar kalt, aber doch erträglich, und es hat nicht geregnet oder geschneit. Da können auch mal mehr als 250 eigene Leute kommen. Zwar geht es diese Saison nur gegen den Abstieg, aber auch gerade dort könnte unser Nachwuchs mal Unterstützung gebrauchen. Oder seit wann sind St. Paulifans Schönwetterfans? Nächste Chance alles besser zu machen und an der Schanze zu erscheinen habt ihr am 11.12. um 14 Uhr gegen den VfR Neumünster. Und haltet gleich hinter dem Eingang mindestens 10 Cent bereit um von unserem freundlichen Verkäufer einen Amateur zu erstehen :-) Restexemplare der Ausgabe gegen 96 könnte es ab morgen Abend im Fanladen geben. Ich habe jedoch noch nicht um Erlaubnis gefragt, so dass ich das hier mal unter Vorbehalt ankündige.
Noch ein Wort zu den Amateuren: Kennt ihr den Film „Convoy“? Da geht es um Trucker, die sich ungerecht behandelt fühlen und dann einen Konvoi gründen. Das ganze hat absolut keinen tieferen Sinn, lässt sich aber sehr spasshaft ansehen. Gleiches gibt es nächsten Sonntag nach Wolfsburg. Da spielen unsere Amateure nämlich bei Wolfsburg II im grössten und gleichzeitig langweiligsten Stadion der 4. Liga. Wer uns begleiten will, der melde sich doch mal bei mir. Gut wäre ein eigenes Auto, die entsprechende Besatzung bekommen wir dann vermittelt. Zumindest zwei Autos sind schon gebucht für einen Konvoi durch die Panzergegenden und die B 4. Ein Besuch im Panzermuseum ist jedoch nicht geplant.
Die Bilanzsaison der Hamburger Fussballvereine. Fangen wir erstmal mit dem grösseren an, sprich mit dem Lokalrivalen: Mich wundert, dass da anscheinend wenig Zweifel an der Vereinsführung bestehen. Die Bilanz offenbart ein Fehlbetrag, welcher nicht durch Eigenkapital gedeckt ist von 21 Millionen Euro. Mal kurz zur Erläuterung für Leute, die sich nicht so mit Bilanzen auskennen. In der normalen Sprache werden viele Begriffe durcheinander gewürfelt wie „Schulden“, „Verbindlichkeiten“, „Verluste“ etc. Schulden an sich sind erstmal nix schlimmes. Sie heissen nur, dass man Sachen über Kredite finanziert und dies nicht aus eigenem Geld getan hat. Das macht jeder Häuslebauer auch und das ist vollkommen okay. Am Beispiel des Lokalrivalen (mit falschen Zahlen) heisst dass, dass 40 Millionen Schulden nix schlimmes sind, wenn diese z.B. für den Bau der Volksparkarena ausgegeben wurden. Über die wirtschaftliche Gesundheit können Schulden erstmal nix aussagen. Verbindlichkeiten ist ein ähnlicher Begriff und bezeichnet ziemlich das gleiche. Schulden werden nur dann schlimm, wenn ich sie nicht für ein Investitionsobjekt gemacht habe, sondern z.B. viele kurzfristige Schulden bei Lieferanten habe, weil ich die eben nicht bezahlen kann. Ein Verlust ist da schon schlimmer. Dies heisst dass ich in einem Wirtschaftsjahr (vereinfacht gesagt) mehr ausgegeben habe, als ich eingenommen habe. Dies ist aber auch nicht schlimm, weil ich als normale Gesellschaft vielleicht schon einmal Gewinn gemacht und dadurch Rücklagen gebildet habe, die ich dem Verlust nun entgegen stellen kann. Richtig schlimm wird es nur dann, wenn der Verlust eines Jahres oder der Verlust in der Addition mehrerer Jahre diese Rücklagen und anderes Eigenkapital übersteigt. Dann bekomme ich einen Verlust, welcher nicht durch Eigenkapital gedeckt ist. Dies nennt man eine bilanzielle Überschuldung. Diese bilanzielle Überschuldung ist ein Grund in Insolvenz zu gehen (!!!!). Nun ist es so, dass man nur dann in Insolvenz gehen muss, wenn man diese bilanzielle Überschuldung nicht irgendwie ausgleichen kann. Ausgleichen kann ich sie, wenn ich z.B. so genannte stille Reserven habe oder andere ausgleichende Posten.
Diese wird der Lokalrivale haben, also bitte nicht zu früh freuen, aber allein die erhebliche Grösse von 21 Millionen bei einem Umsatz des Unternehmens von hoch geschätzten 100 Millionen sollte jedem Lokalrivalenfan zu denken geben. Ein gesundes Unternehmen sieht anders aus.
Was nebenbei nur mit ein paar Nullen weniger auch für unsere Bilanz gilt. Wir haben immerhin 1,5 Millionen nicht gedeckten Fehlbetrag. Dieser ist gegenüber dem letzten Jahr noch gestiegen, so dass wir uns nicht in die richtige Richtung bewegen. Hinzu kommt, dass wir 700.000 Euro Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen haben. Sprich: Wir haben Lieferanten nicht sofort bezahlt. Das kann nie gesund sein, selbst wenn es vielleicht geplant war. Unser Jahresergebnis ist immer noch ein Fehlbetrag, wobei dieser auch durch eine ausserordentliche Belastung zustande kommt, die jedoch eher peinlich ist, handelt es sich doch um Zinsen für Steuerforderungen, eine Lizenzverstossgeldstrafe (hört, hört) und Abschreibungen von Spielerwerten. Hinzu kommt, dass das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit noch positiv ist, jedoch sich gegenüber dem Vorjahr verringert hat.
Was auffällt ist, dass unsere Verwaltungskosten immer noch hoch sind. Das Containerdorf (bzw. seine Besatzung) kostet dem Verein immer noch ca. 300.000 Euro. Wenn man bedenkt, dass da nun wirklich Leute entlassen und Gehälter gekürzt wurden und dies gerade mal 30.000 Euro an Ersparnis gebracht hat, dann fragt man sich doch teilweise, wo das Geld denn nun bleibt. Klar, die aktuellen Einsparungen (Fechner, Haverkamp) waren erst nach dem hier in Frage stehenden Berichtszeitraum, es wird interessant zu sehen sein, wie sich dies auswirkt.
Was ist sonst noch interessant? Interessant ist, dass bei unseren Steuerschulden immer noch das Prinzip Hoffnung vorherrscht, sagt das Präsidium doch selber, dass diese längerfristig durch höhere Einnahmen (man lese „Aufstieg“) getilgt werden sollen. Einen Plan B scheint unser Präsidium in diesem Bereich nicht zu haben. Sehr interessant ist auch, dass unser Verein erneut eine Betriebsprüfung der Jahre 2000 – 2002 und eine Umsatzsteuersondeprüfung 2003 – 2004 angeordnet hat. Bei unserem Chaos in finanzieller Hinsicht würde mich eine erneute hohe Nachforderung nicht erschüttern. Ich hoffe jedoch, dass es d