Norbert regt sich auf vom 22.12.2005

 

über

Wie geil ist das denn?

Präskriptum

Liebe Leser, ich wünsche euch ein geruhsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich gehe mal davon aus, dass die nächste Ausgabe dieser Kolumne erst im neuen Jahr erscheint. Bis dahin möchte ich euch auch schon ein paar Termine auf den Weg geben. Hallenfussball wird ab dem 4.1. in der Alsterdorfer Sporthalle gespielt und dann noch in der Color Line Arena (ohne mich, da zu viele Rauten) und in Quickborn. Unterstützt unsere 1. und 2. Mannschaft und freut euch mit uns auf nette Hallenatmosphäre. Zum Turnier der 2. Mannschaft gibt es auch noch eine Hallenausgabe von „Der Amateur“, die dann käuflich zu erwerben ist.

Ist gestern irgendwas passiert? Muss ich irgendwas berichten? Eigentlich doch nicht, denn Hertha zu schlagen ist doch ganz alltäglich :-)

Okay, für euch liebe Leserschaft fass ich auch einen vollkommen langweiligen und ereignislosen Tag zusammen :-)

Hier steht Syliva / Das Vorspiel

Spiele haben Vorspiele. So bastelten die Passanten für dieses Spiel ihre wahrscheinlich letzte Ganzstadionchoreo. Wer in den letzten Wochen auf dem Fanladenklo war, der hat schon die ganzen Papierschals gesehen, die da lagen und die man laut der Aufforderung an die „Männer“ nicht anfassen sollte, denn sonst sei man ein dummer Lokalrivalenfan. Stellt sich nur die Frage, ob Mädels, die sich mal aufs Männerklo verirrt haben, die dann straflos hätten anfassen dürfen.

Meiner Einer hatte jedoch bis 15 Uhr zu arbeiten und machte sich dann in Richtung Fanladen auf. Lütten Sven konnte noch kurz durch frühen Feierabend und ein Ticket aus meinem Krankheitsvorrat versorgt werden, so dass bereits vor dem Spiel einmal Freude verbreitet werden konnte. Im Fanladen war es um 16 Uhr schon unglaublich voll, dabei viele Gesichter, die man lange nicht mehr gesehen hat. Insgesamt eine viel freudigere und entspanntere Stimmung als bei einem Ligaspiel. Ging es doch heute nicht um Leben und Tod und Aufstieg, sondern einfach nur um Pokal. Hinzu kam noch, dass man absoluter Aussenseiter war.

Was wäre jedoch ein Spiel ohne seine Rituale? Ich bin irgendwie komisch abergläubisch. So schick ich vor jedem Spiel an einem normalen Wochentag der Freibeuterin eine SMS, wenn ich Feierabend mache. Das hat mal irgendwann vor ca. 2 Jahren geklappt und seitdem haben wir auch nicht mehr zu Hause verloren, wenn ich es denn gemacht habe. Dann geh ich in der Kleinen Pause essen, trink im Pokal dazu Alsterwasser (in der Liga Bier), geh dann zum AFM Container, geh zu Tommy, guck ihn an und sag zu ihm laut „Scheiss AFM“ (das hab ich ohne Witz gegen Jena nicht gemacht), was immer für Belustigung bei Tommy sorgt, der nur mit „genau“ antwortet und etwas Verwirrung bei Leuten, die irgendwie gerade Karten abholen wollen.

So passierte es auch heute. Nicht kaufen wollte ich jedoch den neusten Marketinggag. Gab es doch „Santa Pauli“ Mützen für einen Euro zu erstehen. Da diese Dinger anscheinend jedes Jahr wieder gut laufen und der Erlös der Jugend zu gute kam, also insgesamt eine gute Sache. Ich allerdings finde die komplett hässlich, bin aber vielleicht auch nicht die Zielgruppe für so etwas.

Auch die zweite Karte aus meinem Krankenvorrat konnte noch jemanden glücklich machen, der seine ursprüngliche Karte verlegt hatte. Also wenn jemand irgendwo eine Nordkurvenkarte findet, die unbenutzt ist: dann ist es diese.

Was auffällig war, war die unglaubliche Polizeipräsenz vor dem Klubheim. Ein ganzer Zug der Polizei hatte seine Fahrzeuge dort abgestellt und der Bus der Herthaner wurde von einem Polizeikonvoi ins Stadion begleitet. Insbesondere letztere Massnahme war komplett übertrieben, da Pöbeleien gegen den Bus vollkommen ausblieben und auch die drei anwesenden Herthaner eher freudig belächelt als irgendwie angegangen wurden. Der Busfahrer schaffte es natürlich mal wieder nicht in die Einfahrt, aber das können halt nur die sehr guten Fahrer.

Nun galt es sich ins Stadion zu bewegen. Dieses war auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt sehr gut gefüllt. Trotzdem konnte ich meinen Platz problemlos einnehmen. Nur leider fehlte unsere werdende Mutter noch, so dass wir für sie einen Platz freihalten mussten. So entstand die Überschrift, denn jeder, der auch nur 0,5 Sekunden einen Blick auf die etwas breitere Lücke zwischen mir und meiner Schwester warf, bekam die oben angegebene Antwort. Der ärmste Thomas hat die ungefähr 100 Mal gehört, weil er immer mal wieder zum schnacken eine Treppe hoch kam.

Nebenbei schöne Geschichte: Die beiden werdenden Eltern haben vom Arzt einen Umschlag bekommen, in dem steht, ob das Kind nun in 18 Jahren den Profifussballbereich oder die Rugbydamen des FC St. Pauli unterstützt. Sie will es wissen, er nicht, so dass der Umschlag bis jetzt zu ist. Tips a la „wenn du das unter Wasserdampf öffnest, dann sieht man das nicht“ oder „gib ihn uns, wir sagen dir dann, ob es ein Sohn wird“ waren die Folge.

Erstmal galt es aber Fotos zu machen, und da Sylvia auf ihrem Platz immer noch nur virtuell stand, musste mein zukünftiger Stadionarchitekt (die Pläne liegen in der Schublade, es fehlt nur noch der zur Finanzierung notwendige Lottogewinn) den Platz mal kurz freihalten und seiner Liebsten mal 10 Minuten nicht so auf den Pelz rücken.

Wie voll es heute war, merkte man erst als man versuchte in die Meckerecke zu kommen. Fehlen bei normalen Spielen doch relativ viele Karteninhaber, so waren heute wirklich alle da was dazu führte, dass man doch lange brauchte, bis man seine Fotoposition einnehmen konnte.

Die „Hamburg ist braun-weiss“-Choreo sah klasse aus und es wäre echt schade, wenn sich keiner finden würde, der auch in Zukunft Choreos veranstaltet, die über das ganze Stadion gehen. Aber ich denke, dass sich vielleicht ein loser Zusammenschluss findet, der solche Sachen organisiert. Erster Versuch dann gegen Bremen? Fotos seht ihr zu genüge bei den Fotos (wo sonst).

Bereits zu diesem Zeitpunkt fielen die Herthaner negativ auf. Mensch, was ist das bloss für ein Pack? Leuchtkugeln in einen vollen Block sind aus meiner Sicht versuchter Mord und nix anderes. Man kann nur hoffen, dass der Täter geschnappt wurde und mehr als ein – für diese Straftat lächerliches – Stadionverbot erhält. Wenn man bedenkt, dass man als Vorsänger für „auf dem Zaun sitzen und einen Aufkleber anbringen“ drei Jahre Stadionverbot bekommt, dann fragt man sich, was so jemand bekommen soll, damit das im Verhältnis steht (was jetzt nebenbei nicht heissen soll, dass ich das Stadionverbot gegen den Bremer Vorsänger für gerechtfertigt halte. Hier würde eine Ermahnung und eine Schadenswiedergutmachung (wenn der Aufkleber denn überhaupt einen Schaden entstehen lassen hat) vollkommen reichen).

Ich begab mich durch ein bereits lautstarkes Stadion zurück zu meinem Platz. Damit endet der erste Abschnitt dieses Berichtes. Aber keine Panik, nach einer kurzen Pausenüberschrift geht es weiter.

einmal durchatmen…

Zuviel Respekt, nur Hauke grätscht = 1-2 zur Halbzeit / Die 1. Halbzeit

noch mal durchatmen… weiter geht’s

Was wünscht man sich als Amateur im Pokal? Man wünscht sich, dass man kein frühes Gegentor bekommt. Man wünscht sich weiterhin, dass der Platz kurz vor der Unbespielbarkeit ist, damit der Gegner keine Lust hat. Beides sollte an diesem Abend nicht passieren. Denn bereits nach acht Minuten traf Pantelic (Schreibweise egal) zur verdienten Führung der Herthaner. Bis dahin spielte Berlin auf ein Tor und unsere Mannschaft hatte viel zu viel Respekt vor dem Gegner und stand viel zu weit weg von den Leuten. Ich war ziemlich am Fluchen, denn der einzige, der ab der 1. Minute die rustikale Grätsche auspackte, war Hauke. Leute, Pokalspiele gegen höherklassige Gegner, wo man am Ende nicht eine gelbe Karte hat, gehen gar nicht (okay, wir haben am Ende – wenn ich es richtig gesehen habe – nur eine gelbe Karte bekommen, aber trotzdem wurde es irgendwann rustikaler). War dies nun Respekt? Wahrscheinlich. Nach dreissig Minuten schien alles gelaufen, machte Hertha doch das zweite Tor. Beide nach ziemlich üblen Abwehrfehlern, aber gut, die sind natürlich auch verrückt schnell und technisch gewandt. Und der Rasen war zwar tief, aber eben doch zu gut zu bespielen.

Die Stimmung zu diesem Zeitpunkt war eigentlich gar nicht schlecht, denn alles im allen schlug sich unsere Truppe ja sehr respektabel, wenn auch halt ziemlich unterlegen. Spätestens als Luz seinen ersten – nebenbei saugeil anzusehenden – Kopfball an den Pfosten setzte, hatte ich eigentlich gedacht, dass uns die Fussballgötter heute nicht so gesonnen sind. Aber nach aussen zeigte ich dies diesmal nicht, denn SMS, die den Tenor „wir verlieren, ich flipp aus“ hatten, beantwortete ich mit einem routinierten „Locker bleiben“.

Etwas zu gut war mir die Stimmung bei den Herthanern, die erneut mit Leuchtkugeln, Rauch und Bengalos negativ auffielen. Ich habe echt keine Sekunde Mitleid, wenn die in den Repressionsapparat der deutschen Polizei kommen. Ganz ehrlich nicht.

Kurz vor der Halbzeit wurde der Kampf dann durch „Michel-ich soll keine Elfmeter schiessen-Mazingu-aber aus dem Feld treff ich jedes Spiel-Dinzey“ belohnt. Bereits hier tickte das Stadion doch grossartig aus. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich in diesem Zeitpunkt auch keine Sekunde an unsere mittlerweile anwesende werdende Mutter gedacht habe, aber meine Schwester und die bereits habende Mutter nebenan gaben nicht nur Geburtstips („Geh nicht ins AK Altona, die sind unfreundlich“), sondern kümmerten sich auch um Sicherheitsabstand.

Danach war Abpfiff der 1. Halbzeit und zumindest etwas Hoffnung blieb.

Wir jedoch atmen mal wieder durch und kommen zu einer kleinen Überschrift

Gesangschoreo / Halbzeit

In der Halbzeit dann erstmal die Diskussion, ob das nun ein guter Zeitpunkt für den Anschluss war. Pieper wünschte sich, dass die 1. Halbzeit noch etwas dauern würde, aber ich war der Meinung, dass es so besser war. Musste doch so Hertha 15 Minuten darüber nachdenken, ob sie so weiter machen können.

Auswechselungen nahm noch keiner der Trainer vor, wobei ich vielleicht schon Shubi rausgenommen hätte, der als einziger abfiel.

Zur zweiten Halbzeit sollte die Mannschaft mit einem „You`ll never walk alone“ inklusive Schalparade begrüsst werden. Dies hatte sich ein einzelner St. Paulianer ausgedacht und das ganze dann per Internet und Flugblättern etc. verbreitet. 1. Hier sieht man mal, dass auch Leute, die im Internet so etwas schreiben, das dann auch durchsetzen können 2. Respekt vor der Arbeit. Kam die Mannschaft etwas früher aus der Kabine oder war das einfach nur die zufällige Choreografie dieses Abends, dass die Mannschaft nahezu das komplette Lied bereits auf dem Platz stand, während Hertha erst danach erschien? Wenigstens blieb mir Ralle in der Erinnerung, der nach dem Lied klatschend und irgendwie neu motiviert auf dem Rasen stand. Btw: Schalparaden sehen einfach schweinegeil aus und wem es bei dem Anblick nicht eiskalt über den Rücken gelaufen ist, der ist entweder tot oder taub.

Kampf, Glück und Können / Die 2. Halbzeit

Die 2. Halbzeit begann und die Stimmung litt etwas unter der Spannung. Mehr und mehr verstummte man und kaute auf den Nägeln. Das Spiel lief nun besser für uns. Hertha verlegte sich aufs Kontern und langsam holten unsere Jungs die Grätsche raus. Da knallte Boll mal dazwischen, dann wurde Schultz rustikal und insgesamt fanden unsere Jungs über den Kampf zu einer spielerischen Linie. Insgesamt wirkte das ganze nun ausgeglichener als in der 1. Halbzeit, aber Torchancen wollten einfach nicht entstehen. Im entscheidenden Moment kam immer wieder ein Herthaner Bein dazwischen, so dass es bei guten Ansätzen blieb. Aber auch Hertha brachte nur noch wenig zustande und wenn sie denn mal durch waren, hielt Hollerieth den Ball. Insgesamt gibt es eigentlich nicht viel zu berichten, denn die Zeit floss so ungenützt dahin. Irgendwann wurde es auch Bergmann zuviel und er wechselte mit Palikuca den dritten Stürmer ein. Warum Schultz den Rasen verlassen musste, konnte ich nicht wirklich verstehen, war er bis dahin eigentlich einer der Känpfer gewesen. Meine Idee doch Lucasz einzuwechseln, der dann Madlung beschimpft, bis der durchdreht, setzte Bergmann glücklicherweise nicht um. St. Pauli nun unglaublich offensiv, aber immer noch gab es wenig wirkliche Torchancen.

Das änderte sich, als ich gerade anfing die Nachspielzeit zu berechnen und überlegte, ob wir noch eine Chance haben. Luz steigt hoch, bekommt den Ball, drin ist er. Nun stand das Millerntor Kopf (ich weiss, abgedroschene Phrase, aber anders kann man das nicht in Worte fassen). Alleine schon das Erreichen der Verlängerung, das Ebenbürtig-mit-einem-Bundesligisten-sein muss als grosser Erfolg gewertet werden. So wirkte auch die Mannschaft, welche die kleine fünfminütige Pause zwar erschöpft, aber erhobenen Hauptes durchstand. Hollerieth ging erstmal pinkeln oder ist er abergläubisch und hatte am Abend vorher gesehen, dass Wache seinen Kasten verliess und dann mit Mainz gewann?

Als sehr positiv empfand ich nebenbei, dass die Stadionsprechercrew nicht auf die Idee kam Musik in dieser Pause zu spielen, sondern einfach die Atmosphäre wirken liess. Ich denke das beeindruckt jeden Spieler mehr als irgendwelche Musik.

Auch wir wollen noch mal eine Atempause nehmen und uns dann der Verlängerung widmen.

Mein Kater riecht Elfmeterschiessen / die 1. Halbzeit der Verlängerung

Die Verlängerung begann mit Herthaner Druck, welche nun ihren Fehler wieder gut machen wollten und auf die Führung drückten. Irgendwann wurde dann von unseren Helden gefoult und dieser doofe Brasilianer (Originalwortlaut meiner Ticker SMS) zeigte seine einzig gute Aktion und versenkte einen 30 m Freistoss im Tor. Leider wurde er dabei durch eine etwas schlecht stehende Mauer (warum auch nur mit drei anstatt mit vier Leuten besetzt?) begünstigt. Wieder sah es kurzfristig so aus, als ob wir wieder nur ehrenvoller Verlieren wären. Aber diese Rechnung hatte man ohne den Lechner gemacht, welcher schon über Krämpfe klagte, dann aber den Ball erspähte, ab durch die Mitte ging, mit letzter Kraft zum Schuss ansetzte und dann das Glück des Tüchtigen hatte. Ohne Berührung wäre der Ball weit daneben gegangen, aber durch ein Berliner Bein fiel der Ball genau ins Eck. Erneut war die Gegengrade am Toben!

Die Berliner, die sich zwischenzeitlich stimmungsmäßig etwas zurückgemeldet hatten, verstummten nun erneut. You only sing when you’re winning.

Etwas eigenartig war unser Stadionsprecher, welcher das Tor Joy zurechnen wollte. Dieser stand nicht annähernd in Ballnähe. Auch auf das Zeichen von anderen Spielern, dass die Zwei und nicht die Drei geschossen hatte, erfolgte keine Korrektur. Sehr interessant ist, dass auch die MoPo die Torschützenangabe ungeprüft übernahm und diese selbst ihren Weg auf Internetseiten fand. Und das obwohl von meiner Position der Torschütze eigentlich ganz klar erkennbar war (und die beiden sich nicht wirklich ähnlich sehen). Ich weiss sowieso nicht, was diese Saison mit Wulff los ist. Eigentlich die Zuverlässigkeit in Person, aber diese Saison hat er schon mehrfach Torschützen vollkommen falsch gehabt. Und gestern sagt er auch noch an, dass Friedrich ausgewechselt wird als Cairo raus geht. Okay, das war falsch auf der Auswechseltafel angegeben, aber die beiden sehen sich auch nicht wirklich ähnlich.

Nach dem Tor meinte die Freibeuterin, dass ihr Kater gerade von ihrem Schoss gesprungen sei, weil er Elfmeterschiessen rieche. Ich wollte vorsichtshalber schon Dinzey vorher entführen, aber nicht zu Unrecht kam der Einwand, dass er in dieser Situation wieder antreten MÜSSE. Nun ja, wie wir jetzt wissen, sind Samtpfoten schöne Geschöpfe, die eigentlich auch gut hören und riechen, aber halt nicht Elfmeterschiessen.

Eigentlich wird in der Verlängerung nur die Seite gewechselt, was für uns äusserst unglücklich gewesen wäre, da Lechner nun mit Krämpfen auf dem Rasen lag. Mit einem geschickten Platzsturm wurde etwas Zeit gewonnen, Lechner von Shubi vom Rasen getragen und dann behandelt. Danach konnte er dann wieder auf die Zähne beissen und weiter gings.

Aber hier ist mal wieder Zeit für eine kleine Pause….

Auch Finanzbeamte haben ein Herz oder „Fünf Minuten noch“ die 2. Halbzeit der Verlängerung

Weiter ging es. In Gedanken ging man schon mal die Elfmeterschützen bei St. Pauli durch (Morena, Hauke, Palicuka, Dinzey, Sulentic war so meine Idee, vielleicht noch Lechner oder Luz) und rechnete sich die Chancen aus, während unsere Spieler auf dem Platz weiter kämpften und sich weiterhin ebenbürtig präsentierten. Und dies obwohl man vielen schon ansah, dass sie auf dem Zahnfleisch gehen. Bereits kurz nach Wiederanpfiff machte Palikuca meiner Theorie aller Ehren, dass er Mittelstürmer werden sollte. Drückte er doch eine Flanke absolut schulbuchhaft über die Linie zur ersten Führung in diesem Spiel. Tollhaus ist auch noch so eine Floskel, die aber den Zustand am Millerntor sehr gut beschreibt. Leider gab es nun noch ein kleines Problem. Hertha hatte massig Zeit erneut auszugleichen. Und so begann das grosse Zittern. Gesänge oder so ertönten jetzt nicht mehr, was nicht an fehlender Stimmung lag, sondern daran, dass alle viel zu nervös waren um irgendwas von sich zu geben.

Hertha drückte nun und beinah hätte Hollerieth in Zusammenarbeit mit unserem Acker alles kaputt gemacht, als ein Herthaschuss vor ihm aufprallte und von ihm nur mit der Nase gehalten werden konnte. In diesem Moment merkte ich, dass auch Finanzbeamte ein Herz haben, denn meines blieb kurzfristig stehen.

Das Zittern ging weiter und Fragen nach der Spielzeit beantwortete ich immer noch mit „Fünf Minuten noch“, egal wie viel Zeit verstrichen war. Glücklicherweise gelang Hertha aber nix mehr und irgendwann waren zwar eigentlich immer noch fünf Minuten zu spielen, aber der Schiedsrichter hatte Erbarmen und pfiff ab. Jubelszenen waren die Folge, die Marketing hatte noch ein Shirt am Start („Wir sind Pokal“) und alles feierte und tanzte. Guckt euch einfach die Bilder an.

Nass und durchgeregnet ging es dann zum Fanladen, wo wir ziemlich die ersten waren, dann aber nach und nach eine feiernde Meute eintraf. Leider verpasste ich noch meinen Sektteiler, so dass ich süssen Sekt alleine trinken musste, machte aber alles nichts, denn an einem solchen Tag ist alles egal.

Lütten Sven meinte zu mir noch, dass er mir danke für diesen wundervollen Tag, aber dazu habe ich nur einen kleinen Teil beigetragen.

Zu Hause dann noch festgestellt, dass Weissbierwaldi schon ein paar davon hatte, als er behauptete, dass wir zu Bremen reisen müssten, und sich dann den Bildern und Harald Schmidt gewidmet.

Nachspiel

Bereits auf dem Weg nach Hause waren Polizeieinsätze zu bemerken. Laut Zeitungen sollen die Herthaner auch noch einen Balljungen verprügelt haben. Insgesamt ein sehr peinlicher Auftritt einer Fanszene die anscheinend in den letzten Jahren nix dazu gelernt hat. Auch hier sollten sich viele vermeintlich „normale“ Herthaner mal an die Nase fassen und sich fragen, wie es sein kann, dass Idioten bei ihnen in grosser Zahl agieren können.

Im Büro wurde ich dann heute mit einem „Herzlichen Glückwunsch“-Zettel und einem Zettel auf dem einfach nur „4-3“ stand begrüsst. So etwas hat dann doch schon wieder was.

Auch unsere etwas komische Serie der Gegner mit „B“ geht weiter. Nach Burghausen, Bochum und Berlin muss nun halt Bremen ans Millerntor. Natürlich ist das wieder eine Nummer härter (insbesondere da es sich ja nun wirklich um eine sehr erfahrene Pokalmannschaft handelt), aber Chancen auf einen schlechten Tag bestehen auch bei Werder. Und das sollte ja nun endlich das Livespiel sein, oder?

Danach bleibt dann ja eigentlich nur Bielefeld im Halbfinale, denn Bayern fällt aus dieser Reihe raus, handelt es sich doch um eine Stadt ohne B. Wie kann man nebenbei so ein Losglück wie die haben?

Und dann war da noch…

… der Fanladen, unser Halt und Mittelpunkt, welcher von einem Download eines Songs, den Thees von Tomte geschrieben hat unterstützt wird. Dieser Song kann zur Zeit nur im Internet runtergeladen werden und kostet 99 Cent. Die Einnahmen gehen dann an den Fanladen. Also Leute: Sympathischer Typ (das ist der, der diese abgedrehten Kolumnen für den Übersteiger geschrieben hat / schreibt), sympathisches Label (Grand Hotel van Cleef) und ein guter Zweck. Also Leute, macht euch selber ein Weihnachtsgeschenk und unterstützt den Fanladen. Link und Details gibt es unter www.stpauli-fanladen.de (bin zu faul für Link).

… das Jolly, welches am 24.12. geöffnet hat und welches von mir ab 0:00 besucht werden wird. Kommt vorbei und vielleicht kann man in weihnachtlicher Atmosphäre über die letzten erfolgreichen Monate plaudern. Ich würde mich freuen. Ach ja: Ich fordere :-)

… die Neuvergabe der Fussballrechte. Da schreiben die Zeitungen was von „Sieg der Fans“ - so eine schreiende Lüge. Sieg des Fernsehens wäre richtiger gewesen. Hinzu kommt, dass die Entscheidung erneut vollständig auf dem Rücken der 2. Liga ausgetragen wurde. Im einzelnen: Die Bundesliga erhält wieder ein Freitagabendsspiel. Ein Punkt, der natürlich ganz nett ist, denn Flutlichtspiele haben nun mal was. Nur es handelt sich dabei bei weitem nicht um eine erfüllte Forderung der Fans, diese wollten die Freitagabendspiele ANSTATT der Sonntagsspiele. Eine neue Zersplitterung des Spieltages wollte keiner. Handelt es sich bei der 1. Liga noch um einen gleich bleibend schlechten Zustand sind die Anstosszeiten der 2. Liga unerträglich. Diese soll 3 Spiele am Freitag bereits um 18 Uhr (!!!!!!!!) durchführen. Diese Anstosszeit ist eine Sauerei und für einen normal arbeitenden Menschen (der nicht zufällig gerade Beamter ist) nahezu nicht zu schaffen. Dies wird auf Dauer dazu führen, dass wir uns wieder auf Spiele mit unter 1000 Zuschauern in der 2. Liga einstellen müssen. Die 2. Liga wird mit diesen Anstosszeiten weitgehend unter Ausschluss der (Stadion-)öffentlichkeit stattfinden. Hinzu kommt noch, dass Sonntags bereits (und dies ohne wirkliche Not, denn auch bei 15 Uhr gab es keine Überschneidung mit der Bundesliga) um 14 Uhr angepfiffen werden soll. Auch dies ist vollkommen fanunfreundlich und ein schreiender Skandal. Insgesamt handelt es sich also nicht um einen Sieg der Fans, sondern um einen Sieg der Sesselsitzer über die Stadionfans. Insbesondere bei kleineren Vereinen, welche halt auch mal in der 2. Liga spielen. Vom unsäglichen Montagsspiel mal ganz abgesehen. Wenn ich diese Anstosszeiten sehe, dann möchte ich lieber in der 3. Liga bleiben. Festzuhalten bleibt, dass bisher jeder Fernsehvertrag nur Nachteile gebracht hat und die Anpfiffszeiten immer grauenvoller werden. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die ersten Spiele um 11 Uhr angepfiffen werden, damit man auch in Asien Geld machen kann. Hinzu kommt, dass Pay-TV nun teurer wird, da man halt Premiere für die Champions League und „Arena“ für die Bundesliga kaufen muss. Immer wohl gesagt, man möchte beides.

…. Die Löwenfans, welche mit Pro1860 nun endlich eine unabhängige Fanvertretung gegründet haben. Wenn man sich die Internetseite so durchliest, dann wirkt das alles erstmal recht harmlos, wenn man aber bedenkt, dass bei diesem Verein seit Jahren selbst der Hauch der Opposition zu den herrschenden Verhältnissen mit erheblichen Repressionen geahndet wurde, dann versteht man vielleicht die Beweggründe dieser Gruppe. Genauere Informationen gibt es unter www.pro1860.de (mal wieder zu faul einen Link draus zu machen). Begrüssenswert neben dem Fakt, dass diese Gruppe überhaupt existiert ist, dass sie sich ausdrücklich gegen Rassismus ausspricht. Bei Sechzig leider immer noch ein Thema.

Warum hat das ganze einen St. Paulibezug? Alleine schon deswegen, weil die Reaktionen auf diese Gruppe in unserem Forum mal wieder zeigen, wie engstirnig, eingebildet und arrogant St. Paulifans sind. In Foren von Vereinen, die nie irgendwas mit Sechzig zu tun hatten, wurde die Ankündigung eher positiv neutral aufgenommen. Nur beim ach so toleranten St. Pauli musste die Mehrheit der User wieder pöbeln und erzählen, wie Scheisse doch Sechzig ist. Peinlich Peinlich Peinlich. Da haben wir ja unser Image wieder super aufpoliert.

… die Hamburger Morgenpost, welche in der Spielerbenotung zum Spiel Lokalrivale Hamburg – Lokalrivale München Wicky in der 82. Minute auswechselte und dafür Wicky brachte. Von einem geheimnisvollen Zwillingsbruder ist mir nix bekannt und ich habe leider nicht viel von dem Spiel gesehen. Daher die Frage an alle Zeugen? Hat Wicky sich etwa selbst ersetzt? Auch das ist Doll noch zuzutrauen.

… der Weihnachtsmann, welcher heute morgen direkt hinter mir auf der B 432 in Richtung Bad Segeberg unterwegs war (und: ich war wieder nüchtern).

… Paulo di Canio, welcher erneut seine Lazio Fans mit einem Hitlergruss begrüsste. Ist es schon erschreckend genug, dass der so etwas machen kann ohne sofort von seinem Verein entlassen zu werden, so ist es noch erschreckender, wenn sich Berlusconi zitieren lässt, dass er ja ein anständiger Typ sei und der Gruss keine politische Bedeutung habe. Hinzu kommt, dass er für diesen Gruss gerade mal eine Sperre von einem Spiel (komplett lächerlich) erhalten hat. Faschisten kann man auch durch Verharmlosung stärken und dies passiert in Italien schon viel zu lange. Da muss man sich auch nicht wundern, wenn die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren rapide zurückgegangen sind. Da wird in den deutschen Medien spekuliert, dass das an den unmodernen Stadien läge. Blödsinn, es liegt einfach daran, dass im italienischen Fussball viel zu häufig Faschisten agieren können. Von einem ungelösten Gewaltproblem mal ganz zu schweigen.

Postskriptum

Gestern wurde ich gefragt, ob ich noch einen Halbjahresrückblick schreibe. Ich weiss nicht, habe ich gerade nicht so viel Lust drauf. Mal sehen, ob ich zwischen Weihnachten und Neujahr mich noch langweile, dann schreib ich mal was in diese Richtung. Gut ist ja, dass wir das Testspiel gegen Dortmund nun nicht mehr brauchen, denn wir haben ja nun unser Testspiel unter Wettkampfbedingungen gegen Bremen. Bleibt nur zu hoffen, dass dies auch das Fernsehen zeigt.

Was Ralle mit diesem Bericht macht, weiss ich nicht. Und der Bildzeitung glaube ich sowieso nicht (ich wiederhole nun nicht, was er laut di