Norbert regt sich auf vom 23.1.2005

 

über

Letzter Test vor Werder

Lüneburger Waldstadion

Warum soll ich eine andere Überschrift nehmen als die einschlägigen Gazetten? Samstag brachte uns nun den letzten Test vor dem Spiel gegen Werder Bremen. Und da ich endlich mal den Lüneburger Ground machen und endlich mal Fotos im Hellen machen wollte, machte ich mich auf den Weg nach Lüneburg.

Morgens noch bei Ikea gewesen, so dass ich erst gegen 12:15 Uhr in Poppenbüttel loskam. Nun galt es also meinen Rekord nach Lüneburg zu brechen. Aber aufgrund eines freien Elbtunnels und eines Autos, was 160 km/h läuft, war es kein Problem kurz nach 13 Uhr in Lüneburg aufzuschlagen. Nun ist das Stadion auch vorbildlich ausgeschildert, nur zweifelt man zwischenzeitlich doch sehr an der Ausschilderung, da diese über eine Bahnbrache und mit einem uralten Weg durch den Wald geht. Und als dann geradeaus nur noch ein Waldparkplatz liegt und von einem Stadion nix zu sehen und die Ausschilderung auch verschwunden ist, beginnt man zu zweifeln. Ein kurzer Abbieger nach rechts machte aber deutlich, dass ich richtig und dort das Stadion des Lüneburger SK vorhanden war. Vor dem Stadion gab es eigene Presseparkplätze, aber auch sonst war noch genug Parkraum vorhanden, so dass ich mich ganz entspannt vor den Eingang stellen konnte. Fünf Euro Eintritt später war ich im Stadion.

Dieses ist eher alt und unspektakulär. Eine nette Tribüne und an drei Seiten kleine Stehtraversen. Eine davon endet direkt im Wald und hinter der Tribüne kann man in die weiten Felder sehen. An der Strasse des Stadions befinden sich ganz schicke Einzelhäuser und so soll es in Lüneburg auch Pläne geben das Stadion abzureissen und als Baugrund zu nutzen. Wobei mir die Fronten, wer da was will und warum, nicht wirklich klar geworden sind. Der Verein ist wohl pleite, aber das Stadion gehört wohl noch ihm. Ob er sich nun durch einen Abriss und Neubau an anderer Stelle sanieren oder das Stadion erhalten will, ist mir nicht klar geworden. Das eine habe ich gehört, für das andere spricht ein „Sportplätze statt Bauplätze“-Plakat im Stadion.

Sonst war nicht viel los, so dass ich mich mit ortskundiger Hotzenplotzcrewbegleitung ins Klubheim begab. Auf dem Weg dahin noch kurz Achim ein freundliches „Moin, heute nicht verletzten“ an den Kopf geworfen und rein in die Gaststätte. Wäre ein Büdchen nach dem Geschmack unserer Büdchenfraktion gewesen. Eng, alt und mit billigen Preisen (wenn man mal von der Currywurst mit Pommes absieht). Ich wurde erstmal dankenswerterweise zu einem Bier eingeladen und so konnte ich frisch gestärkt meinen Fotoplatz einnehmen.

Zwischenzeitlich war auch die Lüneburg/Nordheidischewildschweingegend-Fraktion anwesend, so dass man auch Unterhaltung fand. Nur die Lauenburg/Bergedorffraktion schwächelte und hatte keinen Vertreter entsandt.

Vor dem Spiel galt es noch den Stadionsprecher zu geniessen, der okay war und dazu beinah alle unsere Spielernamen richtig aussprach. Nur leider wurde er von „DJ Snoopy“ mit der „heissen“ Musik unterstützt und die war im GästeFANblock (was für eine geile Bezeichnung) leider deutlich und sehr laut zu hören.

Das Spiel war eine Schlammschlacht und so dauerte es doch lange, bis St. Pauli seine eigentlich vorhandene Überlegenheit ausspielen konnte. Dem ersten Tor ging ein ganz übler Fehler des Lüneburger Torhüters voran, der einen Abschlag perfekt in den Rücken eines Mitspielers bolzte. Luz musste den Ball dann nur noch versenken, was er elegant mit einem Heber tat.

Erst nach diesem Brustlöser hatten sich unsere Jungs warm gespielt und zeigten auch ein paar schöne Kombinationen. Höhepunkt war der 4-0 per Scherenschlag durch Fabian Boll.

Letztendlich ging das Spiel verdient 0-6 aus Sicht des Gastgebers aus. Erwähnenswert war eigentlich nur noch, dass Meggle durchspielte und sich in der 2. Halbzeit nicht über eine rote Karte hätte beschweren müssen, als er mit einem Lüneburger die jeweilige Spannkraft der Trikots teste und ein paar Nettigkeiten austauschte. Dazu wurde Palikuca noch übel umgetreten (was von dem Schiedsrichter nicht einmal als Foul gewertet wurde), so dass St. Pauli die letzten 20 Minuten zu zehnt bestreiten musste.

Doch, noch eine Sache war erwähnenswert. Hauke wurde nach seiner Auswechslung in der 70sten Minute mit Beifall von der Auswechselbank gefeiert. Keine Ahnung ob das einen besonderen Grund hatte, aber es war schön anzusehen, dass anscheinend die Leistung der Mitspieler anerkannt wird.

So nun galt es wieder den kalten Ort zu verlassen, und nach einer kleinen Einweisung durch die Lüneburgcasuals war dies auch kein Problem. Nur leider wirkte die eine Holzbrücke nicht wirklich fest und gerade auf der musste ich im Verkehrsstau natürlich stehen bleiben. Gut, auch das wurde gemeistert und ich konnte zu einem kleinen Fototermin mit Vierbeinern starten.

Und dann war da noch…

… der Fakt, dass ich seit zwei Wochen keine Kolumne mehr geschrieben habe und nun Tausende von Anmerkungen aufarbeiten muss.

… der Fanladen, der – absolut zu Recht – zur Nutzung des Sonderentlastungszuges nach Lübeck aufruft:

„Nach den Vorfällen im letzten Entlastungszug nach Kiel und drumherum bitten wir alle St. Pauli-Fans, die sich das nicht mehr anschauen, sondern engagiert eingreifen wollen, mit dem Sonder-Entlastungszug zu fahren. Wir wollen eine angenehme Fahrt ohne Sachbeschädigungen, Belästigungen, rassistischen Sprüchen und anderem Arschloch-Verhalten und hoffen auf Eure Mithilfe. Um so mehr Leute mitfahren, die sich so ein Verhalten beim FC St. Pauli nicht bieten lassen wollen, um so angenehmer wird die Fahrt für alle.

Meldet Euch als Gruppe bei uns an und wir werden die größeren Gruppen auf verschiedene Waggons verteilen.

Reclaim the Trains!“

… WM I / Der Stadiontest: Die Stiftung Warentest, welche in mehreren Stadien die Fluchtkonzepte bemängelt. Nun ist der Stiftung Warentest definitiv Populismus vorzuwerfen, denn nix anderes ist es, wenn man diese Studie auf WM-Stadien begrenzt und sie auch noch zu diesem Zeitpunkt herausgibt, obwohl die Stadien teilweise schon Jahre im Gebrauch sind. Eine Studie, die alle Jahre wieder wirklich alle Profistadien untersucht hätte, hätte ich ernster genommen. Jedoch: Viele Punkte kann der Laie so schon nachzuvollziehen und insofern ist es der falsche Weg, diese Studie rundum als Dünnsinn darzustellen. So hat sich wahrscheinlich jeder schon mal den Gedanken gemacht, wie man eigentlich bei Berlin nach vorne aus dem Block kommt. Da helfen einem auch Hinweise a la „Das Fluchtkonzept sieht eine Flucht nach oben vor“ nicht wirklich weiter. Denn was ist, wenn gerade dieser Weg (z.B. durch ein Unglück wie in Sheffield) versperrt ist? Ändern wird sich trotzdem nix, denn die Arroganz mit der die FIFA-Verantwortlichen die Studie abbügeln, zeigt, dass man nicht gewillt ist an ihrer Göttlichkeit zu zweifeln. Da sagt Blatter was von „machen ja sonst nur Preisvergleiche“ und Beckenbauer labert ähnliche Scheisse. Kurz: Mit Kritik wird sich nicht befasst. Auch der Hinweis darauf, dass man doch die Bauvorschriften eingehalten habe, greift aus meiner Sicht zu kurz. Denn seien wir doch ehrlich: Keine Stadt wird ihrem örtlichen Fussballverein den Bau des Stadions verbieten. Und die Auflagen werden dann halt in der Realität nicht eingehalten. Erinnert ihr euch noch an die Choreo beim Derbyrückspiel in der 1. Liga? Da hiess es plötzlich unsere Zettel und unsere Planen seien eine Brandlast und die dürfe in dieses Stadion nicht gebracht werden. Erinnert ihr euch noch, wie der Stadtvertreter schwamm, als man ihm erklärte, dass auch von den Lokalrivalenfans Konfetti und Programmhefte etc. in dieses Stadion eingebracht werden? Das ist Sicherheitspolitik einer Stadt. Dann schreibt man halt irgendwo in die Auflagen „es dürfen keine zusätzlichen Brandlasten eingebracht werden“ ist sich aber eigentlich schon klar, dass Konfetti und Programmhefte etc. etc. genau dieses sind (das ist jetzt nicht eine Kritik am Lokalrivalen, sondern zeigt halt die Genehmigungspolitik von Städten).

Seien wir doch mal ehrlich: Auch im Millerntor möchte ich keine Panik erleben. Da ist weniger der fehlende eigene Ausgang der Haupttribüne das Problem (ich finde es erstaunlich, auf welche Ideen der DFB teilweise kommt, um Vereine zu teuren Umbauten zu zwingen). Nein, seien wir mal ehrlich (um meine Lieblingsredewendung zweimal in einem Absatz zu nutzen): Gerade bei Dom und dem gerade mal fünf Meter breiten Gang, der dann vor dem Stadion entsteht, möchte ich nicht aus diesem Stadion fliehen müssen.

… WM II / Die Sponsoren: Laut Kölner Express (ich weise gleich darauf hin, dass es sich nicht gerade um eine seriöse Zeitung handelt) hat die FIFA noch immer nicht die Idee aufgegeben, Fans jegliche Vereinstrikots etc. zu verbieten wenn diese Sponsoren zeigen, die nicht FIFA-Sponsor sind. Dazu sollen auch Trikots von anderen Herstellern als Adidas gehören. So soll es zumindest im Kleingedruckten der Karten stehen. Nicht nur dass es echt unglaublich ist, auf was für Mist die kommen, nein, ich wünsche dem Ordnungsdienst jetzt schon sehr viel Spass, wenn sie den Kroaten oder Polen erklären sollen, dass sie leider ihr Nationaltrikot nun auf links drehen müssen, weil es leider nicht von Adidas ist. Viel Spass.

WM III / Die Gala: Die Eröffnungsgala der Fussball WM ist abgesagt worden. Angeblich, weil der Rasen nicht mehr hinzubekommen gewesen wäre. Aber seien wir ehrlich: Rasen und Fussball hat bei den Organisatoren noch nie jemanden interessiert. Die wahren Gründe liegen schlichtweg darin, dass mit dem ganzen kein Geld zu verdienen war. Das ist natürlich auch nicht verwunderlich, wenn man für die Karten Mondpreise zwischen 100 und 750 Euro (!!!!) verlangt, dazu mit Andre Heller jemanden verpflichtet, der vorher ungefähr 15 Jahre von der Bildfläche verschwunden war und man bis heute sich absolut nix darunter vorstellen kann. Nun gibt es ein Eröffnungsfest am Brandenburger Tor und vielleicht hat dieses ja mehr mit Fussball zu tun. Sprich: Bier, Bratwurst, Roggnroll.

…. Der FC Köln, welcher wieder eine Steigerung der Fanschikane hinlegt. Will er doch Auswärtstickets nur noch dann an Leute abgeben, wenn diese Mitglied des Vereins, des Fanprojektes oder von eingetragenen Fanclubs sind. Soweit vielleicht noch ganz normal, aber nun kommt der Hammer. Die Fanclubs müssen einen Vertrag unterschreiben, in dem sie unter anderem die Haftung für alle Taten von Leuten, die über sie Karten bekommen haben übernehmen. Nicht nur, dass das juristisch absolut zweifelhaft ist (seit wann kann ich eine Gefährdungshaftung in Formularverträgen vereinbaren?), nein es werden auch mal wieder Versäumnisse des Vereines (in der Fanarbeit) auf die Fans abgewälzt und zwar auf unschuldige Fans, die vielleicht selbst im guten Glauben einem Freund ein Ticket besorgt haben. Es bleibt zu befürchten, dass dieses Beispiel Schule machen wird.

… Sepp Blatter, der noch mehr Dünnsinn zum besten gegeben hat: „- Auf den Stehplätzen bin ich immer in Bewegung. Dort muss ich noch kämpfen um meinen Platz. - Eine Sitzplatztribüne habe auf alle Fälle eine familienfreundliche Atmosphäre. Auf Stehplätzen herrsche dagegen eine größere Gewaltbereitschaft, so Blatter.“ Zitat laut AP. Ich frage mich, was uns von dieser Pest befreit? Spontantsunami in Zürich? Vogelgrippe? Die Blatter? Es ist echt nicht mehr zum Aushalten. Wenn man denn noch Besserungswilln bei diesem Irren sehen würde, dann würd ich ihn ja gerne mal in die Gegengrade einladen. Dann kann er sehen, wie familienfreundlich stehen wirklich ist.

… Ivan Klasnic, welcher im Trainingslager in der Türkei unserer A-Jugend eine Busfahrt von ihrem relativ nah gelegenen Trainingslager zum Werder Trainingslager bezahlte und so ein Treffen zwischen beiden Mannschaften organisierte. Das wird ihm nicht viel gekostet haben, aber insgesamt eine sehr schöne Idee, die zeigt, dass er irgendwo noch mit seinem ersten Profiklub verbunden ist. Umso mehr habe ich die Hoffnung, dass wir ihn dann in fünf bis sieben Jahren als Spielertrainer verpflichten können.

… die Bahn, die nun nicht nach Hamburg kommt. Es war schon sowieso zweifelhaft, ob ein Verkauf der HHLA (wie kommt man eigentlich auf Hala als phonetische Abkürzung?) wirklich im Sinne Hamburgs gewesen wäre, denn dann hätten ähnliche Nummern wie bei der HEW oder bei Hein Gas passieren können, dass nämlich der neue Eigentümer sich einen Dreck um Hamburg kümmert. Umso bitterer ist, dass diese Sündenfälle der Privatisierung von einer „linken“ Regierung beschlossen wurden. Es ist aber noch peinlicher, dass unser Schönling von Beust, der ausser seiner braun gebrannten Haut keine Qualifikation als Politiker nachweisen musste, erst das als in trockenen Tüchern gross ankündigt und dann auf die Schnauze fällt. Es ist nebenbei zum ersten Mal, dass von Beust irgendwo selber etwas verkündet, was schief gehen kann. Sonst lässt er seine Senatoren in den Brunnen fallen und spielt dann den grossen Schlichter oder Aufräumer. Es wird endlich Zeit, dass unsere schöne Stadt wieder einen Bürgermeister bekommt, der nicht durch braungebrannt sein auffällt, sondern dadurch, dass er sich 24 Stunden ehrlich für diese Stadt einsetzt (und dabei ist mir das Parteibuch egal. Das Schicksal „hübsch aber unfähig“ teilen wir ja mit Berlin).

… der Wasserturm im Schanzenpark, bei dem die Renovierer nun festgestellt haben, dass die Aussenfassade nicht hält. Diese Erkenntnis kommt nicht wirklich überraschend, wenn man bedenkt, dass es sich um ein uraltes schon lange baufälliges Gebäude handelt. Aber ähnlich wie beim Astraturm geht es auch hier nicht wirklich darum dieses – erhaltenswerte – Gebäude bestehen zu lassen. Vielmehr hat man den Verdacht, dass man so lange rumwerkelt, bis das Ding einstürzt und dann kann Hadi Tehrani wieder mit einem seiner Glasungeheuer die Stadt verschandeln. Es ist traurig dass man es nicht geschafft hat hier ein vernünftiges Konzept zu entwickeln, was schon vor Jahren (als die Bausubstanz noch besser war) umgesetzt werden müssen.

… der Fotograf dieser Seite, der sich seit Samstag über einen neuen Akku und eine neue Speicherkarte freut. Insofern hab ich theoretisch beim Spiel gegen Bremen für 1400 Fotos Akku und Speicherkarte. Sollte auch für Verlängerung, Elfersc