Norbert regt sich auf vom 20.2.2005

 

über

Das ist die Cannabissekunde

oder: wie ich lernte, Bierflaschen mit dem Feuerzeug aufzumachen

Vorwort

Ich habe lange keinen Sonntag komplett auf dem Sofa verbracht. Normalerweise ruft spätestens um 13 Uhr die 2. Mannschaft nach ihrem Recht. Da diese aber parallel zur 1. spielte (und Kropp sich so um ca. 100 Zuschauer und einen Klubheimrekordumsatz gebracht hat) war der Sonntag komplett frei. Und ich habe das Sofa erst um 20 Uhr mal etwas länger und ernsthaft verlassen. Auch mal schön, aber halt doch sehr ungewohnt. Daher auch erst heute abend Bericht und Fotos. Ich hatte keinen Bock gestern irgendwie einen Finger krumm zu machen. Was gibt es nun zu berichten? Viele Worte zum Heimspiel und ein paar kleine Döntjes.

Die Überschrift ist schon wieder eine Erinnerung an bessere intergalaktische Tage

Warum eine gefühlte Niederlage plötzlich ein tabellarischer Sieg ist

Bereits Freitag war das Jolly voller Düsseldorfer. So war unser normaler Kickerfreitag etwas gestört, da sehr voll, aber insgesamt gaben sich die Jungs sehr freundlich, feierfreudig und trinkfest. Sonst gibt es eigentlich nur noch drei kleine Döntjes vom Freitag zu berichten. Das Wieselchen und ich haben einmal im Kickern gegen Elvis/Freibeuterin gewonnen! Ich habe eine kleine Exklusivführung vom Bauleiter durch die JollydayInn Baustelle bekommen (dazu unten mehr) und bei zwei Düsseldorfern dachte man erst, die wollen ins Theater und haben sich nur verlaufen. Aber sie wollten doch im Jolly trinken. Weiterhin werden wir im Kickerraum neben der Tür zum Kühlraum bald an der Wand folgendes Schild aufhängen: „Du bist zu weit gegangen / You have gone too far, mate“. Weitere Erklärungen sind eigentlich nicht erforderlich, aber es ist erstaunlich, wie viele Leute an den Klos vorbei gehen und an der Kühlraumtür rütteln.

Kommen wir zu Samstagmorgen. Der Fanladen wurde schon mal mit Kartoffelsalat und Würstchen bestückt, wobei diesmal nicht nur die Poppenbütteler Koch-Fraktion etwas beisteuerte, sondern auch der Sasel-Ultra einen ultraleckeren Kartoffelsalat machte. Aber auch dazu später mehr.

Im Fanladen das übliche Hallo und einfangen der Westfraktion. Auch die Oberhausenkarten wollten eingesammelt werden. Kurze Zeit später fand man sich dann auch in der Kleinen Pause wieder, wo man aufgrund von Vorbestellung schnell und unbürokratisch zu seinem Hahn kam. Dieser wurde entspannt verspeist und dabei die Leere der Kleinen Pause am Vormittag genossen. Danach galt es, sich Richtung Stadion zu bewegen, hatte ich doch ein paar Karten loszuwerden.

Dies gestaltete sich eigentlich ganz unproblematisch, auch wenn die Hannoverfraktion etwas verspätet kam. So konnte ich das Stadion betreten, die Oberhausenkarten unter das Volk bringen und dann aufgrund der neuen Aufgänge schnell zu meinem Platz gelangen. Man muss ja sagen, diese Änderung war schon lange überfällig und insgesamt ergibt sich so eine bessere Verteilung der Leute. Fakt ist jedoch, dass der USP-Block durch diese Massnahme erheblich voller geworden ist. Daneben (unter der 2) ist die Verteilung der Leute aber gleichmässiger geworden. Sprich oben stehen die Leute nicht ganz so gedrängt und unten ist etwas weniger Platz. Mal sehen, ob diese Entwicklung anhält oder ob es sich um eine Beobachtung bei einem Spiel handelt.

Ein Ärgernis war mal wieder die Abnahme von digitalen Kameras am Eingang. Diesmal traf es E., der seine Kamera erst durch Vermittlung unseres OLs mitbekam. Okay, wenn es sich nun wirklich um professionelle Videokameras handeln würde, so dass es zu Rechtsproblemen kommen würde, kein Problem, aber mit dem Knipskasten von E. kann man nun wirklich keine Sachen machen, die irgendwie Rechte verletzen. Lustigerweise wurde ich am gleichen Eingang problemlos durchgelassen. Wie chaotisch das ganze läuft zeigt die Rückgabestory. Denn als er seine Kamera zurückholen wollte, bekam er eine andere – deutlich höherwertige – unter die Nase gehalten und konnte nur durch laute Intervention verhindern, dass ihm diese ausgehändigt wird. Da hätte sich aber irgendjemand richtig bedankt. Und da wundere sich einer, dass ich mich weigern würde, meine Kamera in eine Aufbewahrung zu geben.

Introtechnisch war heute ziemlich tote Hose. Ein – eher langweiliges – Kapitel der Biber/LostBoyz Saga wurde geschrieben und auf Düsseldorfer Seite gab es nix zu bewundern. Warum die Polizei bereits bei Anpfiff Leute vom Zaun holte, ist aus GG Sicht nicht zu klären. Zumindest kam es weder zu Rauch noch war irgendeine Bewegung im Block zu erkennen. So bleibt der Grund für das Vorgehen gegen die Düsseldorfer mir unbekannt. Gleiches gilt für die Verhaftungen während des Spieles.

Zum Spiel: Es ist erschreckend, wie schwach wir spielerisch agiert haben. Immer nur „langer Hafer“ (ich danke dem AFM-Radio für diese Redewendung) auf Luz. Das kann doch nicht wirklich alles sein, oder? Wenn man beobachtet, wie sicher Düsseldorf durchs Mittelfeld kombinierte, dann war schon ein sehr deutlicher Unterschied zu bemerken. Erstaunlich dabei ist, dass trotzdem St. Pauli mehr Chancen hatte und gewonnen hätte, wenn Hauke nicht einen vollkommen gebrauchten Tag erwischt und vor dem Ausgleich einen riesigen Bock geschossen hätte. Aber auch so hätte St. Pauli gewinnen können, aber Meggle (zweimal) und Dinzey trafen nur den Düsseldorfer Torhüter oder den Ball nicht.

Ärgerlich natürlich auch, dass Feinbier zum Zeitpunkt des 1-1 eigentlich nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen, denn seine Blutgrätsche im Mittelfeld war definitiv rot.

Andererseits: mit ein bisschen mehr Pech bekommen wir in der 89. Minute noch einen eingeschenkt und sind vollkommen raus.

Insgesamt habe ich im Stadion gedacht, dass dies nun definitiv zu wenig für einen Aufstieg ist. Aber Kiel und Lübeck haben es auch nicht besser gemacht und Punkte gegen Abstiegskandidaten verschenkt. Insbesondere unser Lokalrivale erweist sich ja immer mehr als Aufstiegsversicherung. Bekommen gegen uns zu Hause ´ne Packung und schlagen Kiel und Lübeck. Vielen Dank dafür.

Trotzdem ein ärgerlicher Punktverlust. Mit einem Sieg hätten wir uns ein paar Punkte Vorsprung erarbeiten können und dies wäre Gold wert gewesen, wenn man bedenkt, dass wir noch in Lübeck, in Jena, in Essen und gegen Kiel antreten müssen. Wichtig ist es nun in Oberhausen alle drei Punkte zu holen und sich so weiter oben festzusetzen. Insbesondere Jena kommt mir ja zur Zeit viel zu gut auf. Nicht dass die noch zum Durchmarsch ansetzten. Es bleibt zu hoffen, dass denen irgendwann die Kraft ausgeht. Da die aber sehr effektiv spielen ist beinah zu befürchten, dass dieses nicht passiert.

Nach dem Spiel ging es in den Fanladen, wo erstmal lecker Essen gekocht wurde. Kartoffelsalat mit Würstchen gab es diesmal und die gingen auch weg wie warme Semmeln. Nur die Vegetarier erwiesen sich diesmal als etwas bestellungsschwach und kauften nicht die gewünschten Mengen.

Insgesamt hat sich das Fanladenessen etabliert und gehört zum festen Bestandteil des Postmatchritual. Dies sorgt für einen insgesamt sehr gut gefüllten Fanladen. Nur nächstes Mal müssen die Besucher wohl auf Essen verzichten, denn die Köchin fällt dann aus.

Danach ging es ins Jolly, hier entstand beim Kickern die Überschrift (nachdem der Stürmer sehr lange mit dem Schuss gezögert hatte) und ein netter Düsseldorfer erklärte mir doch wirklich das Bierflaschenöffnen mit dem Feuerzeug, welches dann auch funktionierte. Mal sehen, ob ich das nächste Woche auch noch kann. Die Düsseldorfer hielten auch die teilweise eingestreute kölsche Musik aus (auch wenn einer meinte, dass deren Hools das nicht hören dürften) und eigentlich war es eine ganz nette Feier. Irgendwann kurz vor elf war meine Kraft auch weg und ich kurze Zeit später zu Hause. Was ich halt erst Montagmorgen wieder verlassen habe.

Und dann war da noch…

… der Pokalfinale-Song, dessen Erlöse der Jugend und dem Fanladen zugute kommen sollen. Hätte ich nicht gedacht, möchte ich positiv erwähnen und daher keine Kritik der Marke „da wird sich an Fankreativität bereichert“. Da mir das Lied aber geschmacklich vollkommen gegen den Strich geht, mag ich keine Kaufempfehlung aussprechen. Aber Geschmäcker sind eben vollkommen verschieden.

… die Gazetta, deren Emdenbericht zum Kopfschütteln einlädt. Lese ich diese Zeitung doch eigentlich sehr gerne, so ärgere ich mich ab und zumal. Und sich irgendwie wirr über angebliche Internetforenschreiblinge im Zusammenhang mit den Celts aufzuregen ist vollkommen daneben. Insbesondere wenn man sich dann ein paar Seiten weiter über mangelnde Solidarität aufregt. Sorry, aber Solidarität und auch „united we stand“ ist keine Einbahnstrasse. Vielleicht mal weniger Rundumschläge gegen andere Leute mit anderen Lebensinhalten und dann könnte man bei aller Verschiedenheit gut miteinander.

… noch mal die Gazetta, welche ein Ende der Lounge Resistance ankündigt und dabei ziemlich verbittert klingt. Ich gebe ja auch zu nur einmal da gewesen zu sein, aber ich denke auch, dass Solidarität weder eine Einbahnstrasse noch Zwang ist. Wenn sich beschwert wird, dass die üblichen Gesichter immer genau dann nicht da sind, dann muss man sich andersherum fragen, warum das Konzept nicht angekommen ist. Weiterhin versteh ich, dass das richtig Arbeit macht, aber bei so etwas ist halt langer Atem vonnöten. Insgesamt ist es aber schade um eine gute Veranstaltung, die vielleicht nur auf das falsche Umfeld gestossen ist.

… einer meiner Lieblingskurzhaarigen, auf dessen Anwesenheit wir leider bis 30.6.07 verzichten müssen, da Gegenwehr gegen Nazis leider nicht immer gern gesehen wird. So hat das Bremer Hinspiel doch noch ein Nachspiel. Leider. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zeit schnell vorbei ist und wir ihn bald wieder am Millerntor begrüssen können. Bis dahin freu ich mich schon auf einen treuen Sternschanzenbesucher und dass er immer in Bussen zur 2. willkommen ist, weiss er sowieso.

… die Worte Pokal, Bayern und Finale, die ich am liebsten bis zum 9.4.2006 aus unseren Köpfen tilgen möchte. Wie schwer das wird, zeigten die Düsseldorfer, die in Blockstärke ein fröhliches „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ nach dem Spiel zum besten gaben.

… die zweite Mannschaft, die sich nächstes Wochenende AM MILLERNTOR gegen Altona garantiert über ca. 1000 Zuschauer freuen würde. Sonntag 14:30. Vergesst unseren Nachwuchs nicht. Es gibt da auch noch die Schmach vom Hinspiel zu tätigen, als uns Altona ein 5-1 einschenkte.

…. Das Jollyday Inn, welches nun langsam Konturen annimmt. Kurz noch mal die Idee: Es wird eine Übernachtungsmöglichkeit für Fussballfans auf Jugendherbergsniveau direkt über dem Jolly entstehen. Das ganze soll ca. zum 1.4. eröffnen und dann erschwingliche Preise (so ca. 20 Euro) haben. Für die Umbauten werden aber immer noch Helfe gesucht, insbesondere mit handwerklichen Fähigkeiten (was den Schreiber dieser Zeilen komplett ungeeignet macht). Meldet euch gerne bei mir, ich geb das gerne an die entsprechenden Stellen weiter. Renoviert wird jedoch in der Woche tagsüber. Inwieweit man schon buchen kann entzieht sich meiner Kenntnis. Da müsst ihr mal direkt bei Ballkult nachfragen.

… das Hamburger Abendblatt, welches über das King Calavera in seiner „Party Nachlese“ folgendes schreibt: „Ein guter Laden zum Abhängen, wenn man sich nicht an besoffenen St.-Pauli-Ultras stört.“ Dies ist entweder die Ente des Jahres - denn seit wann sind unsere Ultras auffällig besoffen? - oder aber ist es der letzte Schritt zum Erreichen der Weltherrschaft durch Arschrock? Was euch lieber ist, bleibt jedem selbst überlassen. Ich glaub ich werde da mal nach dem nächs