Norbert regt sich auf vom 27.2.2005

 

über

Ein schmerzhaftes Wochenende

Vorwort

Ich habe mir gestern beim Spiel gegen Altona so das Knie verdreht, dass meine Kniescheibe rausgesprungen ist. Zwar ist wohl nix schlimmer beschädigt, aber so wirklich nutzen kann ich das Bein heute nicht. Und natürlich genau in einem solchen Moment ist morgen schon wieder ein Spiel. Ich hoffe, ich bin bis morgen irgendwie wieder auf den Beinen, aber garantieren kann ich es nicht. Immerhin konnte ich heute arbeiten, wobei sich da wieder der Vorteil eines Berufes zeigt, bei dem man seine Tätigkeit eigentlich zu 100 % im Sitzen verrichten kann.

Warum ich erstmal nicht mehr nach Oberhausen will

Viele von euch waren ja lange nicht mehr in der Kanalkurve, da unser Heldenverein doch eine ganze Zeit nicht mehr das „Vergnügen“ hatte, in Oberhausen anzutreten. Meinereiner war jedoch im letzten Frühjahr dort, als mein Zweitverein dort spielte. Damals habe ich das definitiv mieseste Fussballspiel ever gesehen (0-0 ohne eine Chance auf beiden Seiten), so dass meine Hoffnungen auf ein gutes Spiel schon vor der Abfahrt nicht gerade hoch waren. Insbesondere wenn unser Coach bereits in der Zeitung sagt, dass es ein Scheissspiel werden wird.

Aber erstmal nahm ich um 5:48 den Wagen 4602 der Hamburger S-Bahn ab Poppenbüttel. Da man um diese Uhrzeit noch keine Zeitungen bekommt, konnte ich die Zeit nur mit dem Lesen der Werbetafeln überbrücken. So lernte ich, dass der Tag des Eigenheimes ist und ich auch heute leben, aber schon an morgen denken soll. Ich tat wie von der Werbung gewünscht und dachte also schon mal über das Spiel morgen nach.

Kurze Zeit später kam ich bei meiner Teilmitfahrgelegenheit an, welche sich unglaublicherweise verspätete. Sonst sind die beiden Damen immer super pünktlich, aber heute hatten sie mal verschlafen. Sei ihnen gegönnt, und da wir immer noch viel zu früh am Klubheim aufliefen, war dies auch ohne Auswirkung. Die Busse erschienen zwar deutlich zu spät für unseren Geschmack, aber immerhin noch früh genug um ein ruhiges Einsteigen zu gewährleisten. Und eigentlich hätte es jetzt in einem modernen Bus mit entspannten Busfahrer los gehen können, wenn ja wenn nicht ein Herr verschlafen hätte. So warteten wir eine Viertelstunde, bis er angesprintet kam und sich entschuldigte. Als Strafe musste er das Bustippspiel organisieren, was er später auch mit Bravour machte.

Endlich konnte es losgehen, da brüllt doch wirklich einer, dass sein Kumpel noch zum pinkeln gegangen sei. Aber nein, er hatte das Busklo benutzt, wohlgemerkt bevor wir überhaupt auf der Budapester Straße waren...

Nun hielt Björn die übliche Begrüssungsansprache, die aber diesmal etwas abgewandelt wurde, benötigte die Fanladenfilmerin doch ein Haarband. Erstaunlicherweise fand sich doch wirklich eines, so dass auch dieses Problem gelöst wurde.

Hatte man nach den ersten Eindrücken damit gerechnet, dass es eine Chaotenfahrt werden würde, entwickelte sich im Anschluss eine Tour, die beinah schon zu ruhig war. So verlief die Hinfahrt eigentlich komplett ereignislos. Da kommen selbst solche Witze wie „Oh wir sind in Senden, da kann man gut SMS senden“ in diesen Bericht mit rein. Und trotz unserer späten Abfahrt waren wir kurz nach zwölf in Oberhausen und am Stadion.

Die Polizei Oberhausen hat aus der Friedensfahrt vor Jahren nicht gelernt. Immer noch glauben die, da kommen die wilden Horden und wollen dritten Weltkrieg spielen. Als wir ankamen, sprangen die aus ihren Fahrzeugen und schnallten sich wild die Knüppel um. Die aufgrund dieser Hektik befürchtete Busfilzung blieb aber aus. Nur natürlich gab es – mal wieder – für absolut friedliche Fussballfans keinen Bewegungsspielraum. Nein, man durfte nur in Richtung Kurve gehen und sonst nirgendwo hin. Komplett überflüssiger Blödsinn, aber in Köpfen von Polizisten und Sicherheitsfanatikern kommt diese Botschaft nicht an. Dies alles gilt in Oberhausen umso mehr, als das Heimfans nicht anwesend waren.

Nun musste ich ja meine Innenraumkarte holen und trotzdem ich neutral gekleidet war gab es natürlich sofort die nächste Diskussion mit der Polizei. Aufgrund meiner Kamera konnte ich sie aber überzeugen, dass ich nun nicht alleine den Hooligankrieg heraufbeschwören, sondern einfach Fotos machen will.

Nun sucht mal in Oberhausen den „Infostand“, echt grosses Tennis. Überall steht nur „Karten für xy“ dran, aber nix von Infostand. Erst als mich eine Ordnerin darauf aufmerksam machte sah ich das in Schriftgrösse 8 gedruckte „Infostand“. „Guten Tag, mein Name ist Norbert H., hier soll eine Fotokarte für mich hinterlegt sein“. (Ein Herr ca. Mitte Siebzig fängt an suchen). „Nein, hab ich hier nicht.“ „Vielleicht auf den Namen Fabian Kieselbach oder FC St. Pauli?“ „Nein hab ich hier nicht“. Ich rollte schon mit den Augen, da sagt er plötzlich „Halt, doch hier“ und zückt einen Umschlag auf dem fett und in Schriftgrösse 14 die genannten Namen stehen. Nunja, so durfte ich glücklich ins Stadion, in das ich mich auch gleich begab.

Eben noch Sicherheitswahn, nun plötzlich nette Ordner. Selbst die Jungs vor der Gästekurve im Innenraum waren hilfsbereit und auch von den Einlasskontrollen ist mir nix negatives bekannt. Zaunfahnen durften im Innenraum aufgehängt werden (heutzutage die absolute Ausnahme) und auch sonst waren die echt nett drauf.

Das Rund füllte sich nur langsam und ich verbrachte meine Zeit mit schnacken durch den Zaun und Bilder machen. Für den Liveticker holte ich noch kurz eine Mannschaftsaufstellung und dann konnte der Spass auch losgehen.

Das Spiel war aber eigentlich nur jeweils zehn Minuten Spass. Zu Beginn der 1. und der 2. Halbzeit spielten unsere Helden wirklich göttlichen Fussball und hätten Tore verdient gehabt, aber Luz und Meggle scheiterten jeweils am Aluminium. Danach war unsere Mannschaft zwar vollkommen überlegen, aber insgesamt zu verkrampft und zu durchsichtig, als dass der Druck gleich hoch blieb. Für einen solchen Gegner fehlt einfach der absolut super kreative Spieler, der dann mal was vollkommen ausser der Reihe machen kann. Und um den Gegner niederzukämpfen fehlte dann doch so eine Kampfmaschine wie Schultz. Das schlimme ist, dass ich unseren Spielern insgesamt nicht einmal einen Vorwurf machen kann, denn im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie echt gut gekämpft. Nur der Oberhausener Zerstörerfussball wurde leider mit einem Mauerpunkt belohnt. Trotzdem nicht Kopf hängen lassen, es wird wieder. Was ein bisschen Sorge macht sind jedoch unsere beiden 6er. Sowohl Hauke als auch Boll wirkten beide irgendwie verunsichert. Ich hoffe, dass die Schwächephase dieser beiden absoluten Leistungsträger ganz schnell wieder endet. Denn wir brauchen beide in Topform.

Die Stimmung war okay. Die erste Halbzeit stand ich auf Oberhausener Seite und der St. Pauliblock war insbesondere dann immer zu hören, wenn wirklich die gesamte Kurve mitgerissen wird, was leider bei den üblichen USP Dauergesängen nicht der Fall war. Oberhausen hat endlich erkannt, dass ein Teil seiner Kurve überdacht ist und hat dort eine „normale“ Ultragruppe, die nicht weiter positiv oder negativ auffiel. Für die paar Leute war das schon ganz okay. Nur ortsübliche Rituale wie ein „Pickel auf den Zaun“ Doppelhalter mit entsprechenden Gesängen habe ich nicht verstanden, muss ich aber vielleicht auch nicht.

Noch ein paar Worte zu den Plakaten von USP in der Halbzeit: Bei dem ersten Plakat wäre es vielleicht mal sinnvoll eine Sprache zu benutzen, die mehr als ein paar Insider verstehen. Wir schrieben die Schalker Ultras damals so schön auf chinesisch bei uns? „Auch in einem italienischen Restaurant wird kein chinesisch gesprochen“ (oder so ähnlich). Und das „Fanszene grüsst Webgemeinde“ ist aus meiner Sicht der Versuch eine Spaltung herbeizuführen, wo definitiv keine ist.

Danach ging es zurück zum Bus. Ich wollte endlich mal als Letzter ankommen, trödelte, aber ich schaffte es trotzdem nicht. Auf dem Weg wurden noch unsere Stadionverbotenen begrüsst, die letztlich einen kleinen Saufausflug gemacht hatten, was zu Aussagen wie „Mann, was bin ich voll“ führte. Soll aber wohl doch Spass gemacht haben. Und beim Spiel hatten sie ja nix verpasst.

Rückfahrt siehe Hinfahrt, diesmal nur mit Alkohol. Und da ich im Jolly noch ordentlich Cider getrunken habe, fiel ich irgendwann vollkommen trunken ins Bett.

Keine Tausend Zuschauer, dafür drei Punkte und ein kaputtes Knie

Sonntag galt es dann Altona zu schlagen. Wo soll man anfangen? Wenn selbst der Kicker (der sonst nie über Fans und schon gar nicht positiv über Fans berichtet) die Polizeitaktik eine Posse nennt, dann muss man ja wohl nix mehr sagen.

Aus irgendwelchen absolut nicht verständlichen und für uns absolut nicht nachvollziehbaren Sicherheitsbedenken sollte das Spiel nicht an der Sternschanze, sondern am Millerntor stattfinden. Die Polizei wollte eine Fantrennung herstellen, was angesichts der Tatsache, dass einem ca. 25 % des Altonablocks als Fan der 1. Mannschaft von St. Pauli bekannt sind, schon ziemlich lächerlich ist.

So mussten wir unsere garantiert nicht schöne, aber eben mit einem 1 A Catering ausgestattete Schanze gegen das Millerntor, geliebte Heimat, aber eben nicht mit lecker Wurst und Meckerhecke ausgestattet, tauschen. Es ist schon witzig, dass viele Leute damals den Umzug kategorisch abgelehnt haben, aber die heutige Generation der Amateursupporter lieber an der Schanze spielt.

Wir waren um 13:30 anwesend und begannen mit dem Verkauf des Amateurs. Zu Beginn war keine Kasse in der Südkurve auf, so dass wir nur vor dem Klubheim verkauften. Ein Fehler, da später wohl noch eine Kasse in der Süd aufgemacht wurde. Dank tatkräftiger Mithilfe von H. erzielten wir trotzdem ein Rekordergebnis. Die Fantrennung war wie schon gesagt zu Beginn eine noch grössere Farce, da eben die Altonesen zur Gegengrade mussten um eine Karte zu erstehen. Auch während des Spieles standen einige Altonesen einfach auf der Gegengrade, was an sich ja auch vollkommen okay ist.

Einige Amateursupporter waren sowieso zweigeteilt, weil sie es halt mit beiden Vereinen halten. So hatte ein Stammkäufer eine St. Paulimütze auf und einen Altonaschal um. Als ich ihn fragte, wo er denn hinginge meinte er nur, dass er dies noch nicht so richtig wüsse, immerhin sei seine Mutter in Altona und sein Vater auf St. Pauli geboren (oder andersherum, so genau hab ich das nicht behalten).

Wenigstens waren noch ein paar Stuttgarter Ultras anwesend, die seit Mittwoch unterwegs waren (erst Boro, nun Hamburg) und dementsprechend etwas müde waren. Aber so konnte die Polizei noch mal in Hektik ausbrechen, denn die haben ernsthaft diskutiert, ob sie die Stuttgarter nicht noch von beiden trennen müssten.

Immerhin durfte ich ohne grosses Drama in Innenraum (ein Punkt, der mir später zum Verhängnis wurde) und widmete mich den Fotos.

Die Stimmung war auf beiden Seiten okay. USP machte unterm Dach ganz gut Alarm und auf Altonaer Seite war der übliche Pöbel an Bord. Wobei mich die Altonaer Siffpunks eher nervten, dies insbesondere als die beim Halbzeitamateurverkauf doch wirklich ernsthaft diskutieren wollten, ob es das Heft auch für 5 Cent gibt. Bin ich bescheuert oder was?

Während Samstag in Oberhausen noch ein leckeres grün (Promi Schneider würde von einem „Vegetariertraum“ sprechen) zu bewundern war, zeigte sich der Platz am Millerntor als richtig fieser Acker. Was macht Oberhausen anders? Oder liegt das wirklich nur an den zwei Pokalspielen? Der Rasen hat überhaupt keine Konsistenz und löst sich sofort vom Fussboden und fliegt herum.

Deswegen nebenbei auch – liebe Amateurleser – das etwas hektische Layout der Zeitung. Ich wollte natürlich nicht drucken, bevor das Spiel definitiv stattfinden sollte. Und dies stand ja erst Freitagmittag fest.

Das Spiel war von Abstiegskrampf geprägt und erst sehr spät gelang unseren Helden der Siegtreffer. Dieser aus meiner Sicht aber verdient, da Altona es nach einer guten ersten Halbzeit versäumt hat weiter zu spielen. Und wer ein 0-0 nach Hause schaukeln will, der hat dann eben Pech gehabt.

Ich muss ja nebenbei Kalla mal ausdrücklich loben, der hat in der Rückrunde richtig einen Schritt nach vorne gemacht und war auch diesmal einer der Besten. In dieser Form dauert das nicht mehr lange, bis Mutter Kalla ihn bei der 1. Mannschaft bewundern kann.

Nach Abpfiff klettere ich also auf den Platz, um die Welle zu fotografieren. Und als ich den Platz wieder verlassen wollte um zu unseren Stadionsprechern zu gehen, da passiert es: Mein Standbein rutscht weg, mein Knie dreht sich, es macht ein hässliches Geräusch und meine Kniescheibe sitzt definitiv nicht mehr da, wo sie hingehört. Nun sprang diese schnell wieder zurück, aber an Aufstehen und bewegen war nicht wirklich zu denken. So durfte ich dann erstmal von den Ordnern vom Platz gebracht werden (die Schmach der Trage blieb mir glücklicherweise erspart) und nach einer Erstbehandlung durch den Masseur der ersten Mannschaft (der meinte schon, das sehe gut aus, da sei nix schlimmes kaputt) ging es ins Krankenhaus. Welches ich glücklicherweise eine Stunde später mit einem zwar dicken aber gesunden Knie verlassen durfte.

Nur kann ich heute nicht wirklich auftreten und hoffe, dass ich morgen bis Lübeck wieder irgendwie fit bin.

So konnte ich die Fantrennung im Jolly nicht bewundern, sondern musste das AK St. Georg supporten. Insgesamt soll aber auch hier alles ruhig geblieben sein und man kann nur sagen: Liebe Polizei, das war der grösste Schwachsinn ever. Es hätte wirklich gereicht an der Schanze drei, vier Polizisten aufzubieten und alles wäre locker geblieben. Aber wahrscheinlich wird die Polizei diese absolut zu erwartende Ruhe als Erfolg ihrer Taktik ansehen.

Man kann nur hoffen, dass von den 909 Zuschauern ca. 750 (der Rest waren Fans von Altona) gelernt haben, dass die 2. Mannschaft Spass macht und sie sich i