Norbert regt sich auf vom 22.3.2005
über
Wir haben uns von unserer Führung nicht erholt
oder: warum die AntiKagoFirm bald in H0 Modelleisenbahnultrá macht
Das war’s, bitte jetzt alle Aufstiegsträume beerdigen! Hallo, liebe Offizielle, ab sofort nur noch für die 3. Liga planen.
Bereits morgens war ich mir sicher: Heute gibt es eine Klatsche (bestätige ich, d. Lekt.). Eigentlich hatte ich felsenfest mit einem 5-1 oder noch höher gerechnet. Und damit es richtig weh tut: mindestens 4 mal Bärwolf und einmal Schweinsteiger bei seinem Comeback. Nun, das Ergebnis und die Torschützen stimmen nicht, aber weh getan hat es trotzdem wie Hölle…
Ich arbeite ja in Bad Segeberg und eigentlich ist es eine Leichtigkeit, mit dem Auto von Bad Segeberg nach Lübeck zu fahren. Fahrzeit vielleicht 30 Minuten und die Lohmühle ist ja auch relativ einfach mit dem Auto zu erreichen. Aber so einfach macht es sich doch nicht ein Fussballfan. Insbesondere dann nicht, wenn er beim Fanladen versprochen hat, bei einer Aktion mitzumachen. So verließ ich mein Büro vorzeitig um 13 Uhr (immerhin hatte ich zu diesem Zeitpunkt 6 Stunden gearbeitet) und machte mich auf den Weg nach Hamburg, sprich erstmal in die entgegengesetzte Richtung. Um 14 Uhr am Millerntor angekommen, nutzte ich die Gelegenheit, den Rasen zu inspizieren. Und - oh Wunder! - er wurde gerade vom Schnee geräumt. Ob dies nun so sinnvoll ist, wenn es doch bis vor kurzem noch nicht sinnvoll war, mag mal dahin gestellt sein. Ich hätte den ja lieber im tiefgefrorenen Zustand geräumt und nicht, wenn er halb angetaut ist. Aber ich gebe vollkommen offen zu: Ich habe von Gärtnerei und Rasenpflege keine Ahnung (was jeder, der meinen Rasen zu Hause kennt, sofort bestätigen würde (s.o., d. Lekt.)). Nun ja, irgendwie muss man es ja pressen und so pilgerte ich danach zum Hähnchenbrater und pfiff mir das übliche Hähnchen rein um mich dann in Richtung Fanladen aufzumachen. Dort konnten noch kurz die Münsterkarten besorgt werden und von einem telefonierenden Heiko bekam man kommentarlos die Flugblätter in die Hand gedrückt. Flugblätter? Welche Flugblätter?
Um den Inhalt mal kurz zusammenzufassen: In den letzten Sonderzügen (das „Entlastungs“ lass ich mal aus Vereinfachungsgründen weg) ist es immer wieder zu extrem unschönen Szenen gekommen, sei es komplette Verdreckung, sei es mutwillige Zerstörung. Leider viel zu wenige Leute haben dagegen was gesagt oder Leuten geholfen, die was gesagt haben. Daher ein Flugblatt, das nicht nur zu vernünftigem Verhalten aufrief sondern auch dazu, eventuelle Vorkommnisse nicht einfach kopfschüttelnd hinzunehmen, sondern den Mund aufzumachen.
Zusammen mit einem Ultra und einer Filmemacherin ging es dann zum Bahnhof Altona, um von dort die Flugblätter zu verteilen. Erstmal musste aber auf den Zug gewartet werden. Bereits während dieser Wartezeit zeigte sich mal wieder, wie wichtig dieses Flugblatt ist. Stehen doch da ein paar Jugendliche, trinken Schnaps aus kleinen Flaschen und ballern diese wie selbstverständlich auf die Gleise. Immerhin fingen die sich sofort eine vollkommen verdiente Ansage von den Umstehenden ein. Insgesamt ist die Entwicklung der Sonderzüge einfach traurig. Während ich früher in einem solchen Zug mindestens 50 bis 100 Leute gekannt habe und diese als „korrekt“ und „im Notfall verlässlich“ einschätzen konnte, so kann ich heutzutage die Leute, die ich kenne an einer Hand abzählen. Natürlich war USP gross vertreten und auch die Skins hatten eine Abordnung geschickt, aber gerade aus dem Umfeld der Expassanten ist das echt dünn geworden. Schade eigentlich, denn mit vielen dieser Leute hat man jahrelang doch viel Spass gehabt.
Leider auch nicht im Zug war Familie West Brom, die aufgrund von leichten Irritationen den Zug verpasste. Nun ja, so konnte ich mir die verbindliche Bestellung für Nordhorn nicht persönlich abholen.
Das Verteilen ging ganz gut von der Hand auch wenn der Zug in zwei Teile zerfiel, so dass am Hauptbahnhof noch mal kurz gewechselt werden musste. Insgesamt fielen die Reaktionen ganz positiv aus. Selbst Aussagen wie „das ist doch das übliche, was hier immer gesagt wird“ zähle ich mal positiv unter „Lernaspekt“. Etwas komplizierter stellte sich das Verteilen der Plakate mit gleichem Inhalt dar. Für einen Teil des Zuges hatte ich diese Aufgabe noch abwälzen können, aber für den zweiten Teil des Zuges musste ich die übernehmen. Und Klebeband reisst natürlich nie, wenn es denn mal reissen soll...
So sorgte ich immerhin für die Belustigung der Mitreisenden, aber ich denke die Message kam ganz gut rüber.
Damit war die Hinfahrt eigentlich auch erzählt, denn kurze Zeit später kamen wir in Lübeck an. Hier erwartete uns der übliche Polizeiauflauf und ein paar Nachwuchsnazis, die auf dem Nebengleis rumhampelten. Natürlich gut geschützt durch die Polizei. Da fällt es leicht, den Lauten zu machen…
Der Weg zum Stadion wurde erstmal in eine kleine Antifaschistische Demo umgewandelt, die von der Polizei massiv begleitet wurde. Diesmal fiel der Stadtrundgang doch deutlich kürzer aus, so dass man bereits nach 10 Minuten in die Nähe der Lohmühle kam. Der nationale Widerstand war auch mal wieder fleissig gewesen und hatte ungefähr jeden Laternenpfahl mit „Anti Pauli“-Aufklebern und NPD-Aufklebern gepflastert. Diese sahen alle sehr frisch aus, da hat sich wohl wirklich jemand einen Abend vorher die Mühe gemacht, die ganzen Aufkleber zu platzieren. Sehr viel älter wurden die Aufkleber jedoch nicht, da sie von St. Paulianern entfernt wurden. Nebenbei immer unter den Augen der Polizei, die aber augenscheinlich damit keine Probleme hatte.
Direkt vor der Lohmühle trat dann der örtliche Danger Seeker in Aktion, der doch wirklich alleine dem vorbei strömendem Mob ein „Scheiss St. Pauli“ zurief und sich von der Polizei abdrängen liess. Der Mob reagierte gut und richtig, fiel er doch in lautes Gelächter und klatschte dann symbolisch Beifall.
Nun bog der Mob an der Tankstelle ab in Richtung Gästeblock. Warum üben eigentlich Tankstellen so eine magische Anziehungskraft auf Gesocks aus? Denn was sich hier hinter der Absperrung der Polizei versammelte lässt sich nur als „Nazipack“ der ersten Güte beschreiben. Laut Leuten, die sich da auskennen, waren wohl alle Demogrössen der Nazis anwesend. Hallo, VfB Lübeck: Ihr habt definitiv ein Problem, geht dieses mal an.
Ich machte mich also erstmal auf, meine Fotokarte zu holen. Hat auch mal wieder perfekt geklappt, jedoch kam jetzt der richtig grosse Hammer. Ich bekam – ohne Witz – ein Lunchpaket in die Hand gedrückt. Mit der Aussage „Hier, damit Sie nicht verhungern“. Warum unsere Kamerafrau keines bekam, ist mir nicht bekannt. Ich sah wohl hungrig aus. Aber das muss man dem VfB Lübeck lassen: neben einer Banane und einem geschmierten Brötchen fand sich noch ein gekochtes Ei und ein Getränk in der Tüte. Aufgrund des Hähnchenmordes zu Mittag liess ich aber alles ausser des Getränks unangerührt. Nun noch kurz eine Karte für meine Mitfotografin organisiert und dann habe ich es mir im Innenraum bequem gemacht. Der Rasen sah nicht wirklich bespielbar aus, insbesondere am Rand war der doch sehr rutschig. Wenn man jedoch mal auf das wirkliche Spielfeld trat, dann war der Rasen dort doch sehr fest und eben. Da kann man dem VfB lassen, das Spielfeld war vollkommen in Ordnung.
Von UPS bekam ich noch eine Bifi zugeworfen, dabei war ich doch schon mit dem Lunchpaket gut versorgt. Danke dafür, an Essen mangelte es damit nicht.
Dafür schon eher an Punkten, denn das Spiel ging verdient und vollkommen zu Recht verloren. Auch wenn man sich sehr über das letztendlich späte 2-1 ärgern kann, denn wenn Palikuca den Ball nicht vollkommen blind in die Mitte und direkt in den Fuss des späteren Torschützen geköpft hätte, dann wären wir mit einem 1-1 nach Hause gefahren. Jedoch: gerade zur Halbzeit hätte es locker 4-1 für Lübeck stehen können. Zwar spielten unsere Helden ein aggressives und effektives Vorchecking (gerade Dinzey stach hier heraus), aber wenn sich Lübeck erstmal daraus befreit hatte konnten sie tun und lassen was sie wollten. Es war erschreckend, wie sich in der 1. Halbzeit Bärwolf und der 11er von Lübeck jeden Ball nehmen konnten und eigentlich immer freie Fahrt hatten. Nun bin ich ja echt kein Fussballfachmann, aber können – und so sagen es alle Zeitungen – dann die beiden Innenverteidiger die besten Feldspieler sein, wenn die beiden Sturmspitzen so frei agieren können? Zur Halbzeit war es nur der Lübecker Unfähigkeit und Hollerieth zu verdanken, dass es Unentschieden stand. In der zweiten Halbzeit dann ein vollkommen anderes Bild. Das Spiel war viel offener, plötzlich hatten die beiden Stürmer keinen Platz mehr. Dafür schlief – wahrscheinlich auch aus Kräfteverschleiss – irgendwann das Vorchecking ein. Ja, und dann kam die ärgerliche Schlussphase. Erst hätte sich Sulentic einen Namen für lange machen können, aber statt des Tores traf er nur den Pfosten und dann kam die oben genannte Szene.
Seien wir realistisch: Das war der Aufstieg 2006. Ab jetzt können die Planungen 06/07 in der 3. Liga beginnen. Zwar sehen 5 Punkte bis Kiel nicht dramatisch aus, aber wenn man bedenkt, dass die noch 2 Spiele nachzuholen haben, dann können das im schlimmsten Fall auch 11 Punkte sein, und dies ist nicht mehr aufzuholen. Inbesondere da auch Lübeck und Jena bereits 3 Punkte Vorsprung haben. Nun gilt es also schnell einen Kader zusammenzustellen, der bezahlbar ist (sprich: keine geplanten Unterdeckungen im Etat). Und dies heisst für mich: Schnitt machen. Spieler, die höher spielen wollen bzw. können, wie z.B. Luz, Ralle, Morena etc. (und ich bewerte mal ganz ausdrücklich nicht, wer das aus meiner Sicht kann und wer es nur will) sollten nicht um jeden Preis gehalten werden. Gleiches gilt für vermeintliche Leistungsträger wie Hollerieth, Dinzey, Meggle, Shubi oder Scharping. Hier sollte auch bei teilweise noch laufenden Verträgen überlegt werden, ob die Spieler uns das wert sind. Meggle könnte vielleicht ein echter Leitwolf sein, aber dafür müsste er seine Seuche (Verletzungsanfälligkeit) ablegen. Wie schrieb so schön jemand im Forum? Wir haben drei Spieler (Shubi, Meggle, Scharping), die am liebsten hinter den Spitzen spielen, aber am besten füllt diese Position Schultz aus. Scharping hat bisher nix gebracht, was seine Verpflichtung rechtfertigt, Shubi ist seit seinen ersten Auftritten auf einem absteigenden Ast und Hollerieth und Dinzey müssten verlängern und sind ja nun nicht gerade mehr die jüngsten.
Leider zeigt sich auch in Lübeck, dass wir zwar eine erste Elf haben, die an guten Tagen alle schlagen kann, wir aber wenig Spieler in der Hinterhand haben, die Druck machen und so die erste Elf jeden Tag zu guten Leistungen zwingen, weil man Angst um seinen Stammplatz haben muss. Gewinner des Tages in Lübeck war im Endeffekt Hauke, denn in dem Hühnerhaufen, der sich da Defensive schimpfte, hat er sofort wieder irgendwo einen Platz (und dies obwohl er nicht sehr gut gespielt hat in letzter Zeit).
Und da auch nicht aus der 2. Mannschaft eine Mannschaft hochgezogen werden kann, da hier nur zwei bis höchstens vier Spieler wirklich Regionalligaformat haben, müssen wir uns wohl oder übel viel zusammenkaufen. Jedoch bitte nicht eine nicht bezahlbare Mannschaft nur damit man das – aus meiner Sicht immer unrealistischer werdende – Ziel Aufstieg verfolgen kann. Ehrlicher wäre es mit einem 1,5 Mio Etat und dem Ziel eines gesicherten Mittelfeldplatzes in die Liga zu gehen. Auch wenn dies vielleicht ein paar Erfolgsfans kostet.
Und um das Thema Aufstieg noch mal zu beerdigen: Wer es nicht schafft, in Oberhausen eine drückende Überlegenheit zu drei Punkten zu machen, und wer es nicht schafft, aus zwei 1-0 Führungen auswärts zumindest einen Punkt zu machen, dem fehlt es schlichtweg auch an der Cleverniss um aufzusteigen.
Nach diesem Exkurs in die neue Bescheidenheit kommen wir zurück zu den Ereignissen des Tages in Lübeck. Support - was ist das? Und das gilt für beide Seiten. Laut wurde es jeweils nur nach der Führung des jeweiligen Teams. In der Zeit, in der es unentschieden stand, hätte man beinah eine Stecknadel fallen hören. Und 90 Minuten irgendwas mit ca. 40 Leuten zu singen, wenn ungefähr 4000 Fans da sind, das ist kein Stimmung machen, das ist Stimmung verhindern, liebe USPler.
Die Rückreise begann und nachdem ich die Einladung, doch ein paar Fotos bei einem Match zu machen, dankend abgelehnt hatte, ging ich alleine zum Bahnhof. So bekam ich nicht viel von Auseinandersetzungen mit, aber es soll doch welche gegeben haben, inklusive eines gezielten Trittes nach einem St. Paulianer aus einem Hinterhalt heraus. Ganz toll auch wieder die Polizei, die einen anderen St. Paulianer mit den Worten „Na, wie habt ihr denn gespielt? Geh doch endlich über die Strasse, du Zecke“ provozierte.
Kurz vor dem Bahnhof wollte ich dann noch ein Match mit Sasel klar machen, aber wie immer war da nur heisse Luft und als es endlich zur Sache gehen sollte, kniff er (Achtung! Insider!).
Im Zug wurde dann der langen Rückfahrt gefröhnt, wobei noch ein paar Übersteiger verkauft und ein paar Fotos gemacht wurden und man sich fröhlich auf die 3. Liga freute. Die Überschrift wurde geboren (danke, Welf) und sich gefreut, dass man noch mal lustig durch Bargteheide fährt.
Warum der Zug dann noch eine Viertelstunde sich den Hauptbahnhof angucken musste, blieb unbeantwortet. Ein paar volltrunkene Labertaschen brachten mich noch zu einem kurzen Abteilwechsel und dann war ich endlich in Altona und auf dem Weg ins Bett.
Das hier ist Fussball, das hier sind Dramen.
… die Hamburger Polizei, die nun eine zentrale Verwahrstelle zur WM baut, damit sie Hooligans schneller „in Gewahrsam“ nehmen kann. Diese soll natürlich auch nach der WM weiter benutzt werden. Nun ist das Mittel der in Gewahrsamsnahme sowieso schon zweifelhaft (hier wird jemand aus präventiven Gründen der Freiheit beraubt, selbst wenn er nur Straftaten begangen hat, die eine solche Festnahme nicht begründen würden), jetzt soll es auch noch ausgebaut werden. Dazu folgende Gedanken: wie soll das Ding bei diesen Spielauslosungen bei 150 Plätzen ausgelastet sein, und um es politisch zu rechtfertigen muss es ja ausgelastet sein? D.h. also, man wird Mittel und Wege finden, das Ding wirklich auszulasten. Sprich: jeder Fussballfan, der mal ein Bierglas auf einen leeren Platz wirft, wird sich da wieder finden und jeder Streit unter Besoffenen wird zu einem Grosseinsatz der Polizei gemacht werden. Und auch danach soll das Ding ausgelastet werden und auch hier muss dies politisch so sein. Sprich: ab jetzt wird der USP-Marsch bei der Anschuldigung eines Hitlergrusses (wie bescheuert ist dies nebenbei) nicht mehr einfach nur aufgelöst, nein, nun nimmt man halt alle Teilnehmer