Norbert regt sich auf vom 27.3.2005
über
It’s a long way to the top if you wanna Roggnroll
oder
It ain’t over until the fat lady sings
oder
Die Hoffnung stirbt zuletzt
oder
Von der Schwierigkeit Überschriften zu finden, die man noch nie benutzt hat
Liebe Leser, wann wisst ihr, dass ihr alt werdet? Ich will es euch genau sagen: wenn ihr Montag Morgen noch merkt, dass ihr Samstag gesumpft habt. Nun gut, es gab genug Grund endlich mal wieder zu feiern und nicht das ganze Wochenende in Trübsal zu verbringen. Und das Beste ist, dass wir morgen mit der 9-Punkte-Woche beginnen. Innerhalb von einer Woche holen wir neun Punkte. Oder höre ich bei irgendeinem der Leser Widerspruch?
Soll euch ja nicht anders gehen als uns auf dem Rückweg. Wobei der Autor offen und ehrlich zugibt, dass er an einer Schuld war. Tja, aber Norbert ist immer an allem Schuld…
… beginnt der Bericht über die Tour. Wie üblich machte ich mich zu meiner Mitfahrgelegenheit auf, wo ich um kurz nach sieben auftauchte. Wie immer viel zu früh, aber das ist bei mir vollkommen normal. Kurz das St.Pauli-Mobil meiner Mitfahrgelegenheit gesucht, Sachen drauf gelegt und gewartet. Die Zeit vertrieb ich mir, indem ich mir die daneben parkenden Autos mal genauer ansah. Fall 1: Ein Porsche, vollkommen verdreckt von innen und von aussen. Wer zum Teufel lässt bitte einen Porsche einfach so verrotten? Selbst mir, der sich nun wirklich nicht viel aus Autos macht, tut so etwas vollkommen in der Seele weh. Laut Aussage meiner Mitfahrgelegenheit steht das Teil da auch schon geschlagene drei Jahre. Nach diesem traurigen Fall kommen wir zu Fall 2: Ein Auto in Frauenfarbe (türkis würde ich diese Farbe nennen), Kleinwagen. Da drin ein Fressalien Korb. Dieser gefüllt mit Steaksaucen, mit Chips, einer Kerze und einer Grosspackung Kondome. Alles noch nicht geöffnet. Romantischer Abend geplant? Und warum fehlt mir altem Alkoholiker in dieser Zusammenstellung nur der Wein? Kommen wir zu Fall 3: Kleinwagen, dunkel, eher Männerauto. Hinten drauf ein Aufkleber, dass er 92 im Snakepit bei Metallica war (den Aufkleber würde ich auch absolut hegen und pflegen. Geile Tour damals). Innen drin ein normal dreckiges Auto, aber auf dem Fussboden auf der Beifahrerseite gut sichtbar der „Matador“ (wer das nicht kennt: Playboykonkurrenz aus dem Springerverlag) Jahreskalender. Wohlgemerkt standen diese drei Autos in einer Spanne von ca. 5 Autos nebeneinander. Nun galt es aber Fall 4 zu besetzen, hatte meine Mitfahrgelegenheit sich doch auch auf den Weg gemacht. Leicht beschädigt, da statt einer Zigarette in Lübeck der Fuss ausgetreten wurde, aber sonst wie immer fröhlich und optimistisch.
Natürlich kamen wir mal wieder viel zu früh am Bus an. Alte Krankheit von uns. Nun ja, da Cathrin – unsere heutige Reisebegleitung – auch schon da war, beschlossen wir ihr Gesellschaft zu leisten und taten dies mit den üblichen Verdächtigen. Warum sind eigentlich immer die gleichen Gestalten eine Stunde vor Abfahrt da?
Der Bus war natürlich noch nicht da und so wurde die ärmste Cathrin ungefähr alle 2 Minuten mit der oben zitierten Frage genervt. Sowieso erstaunlich, dass sie ihre Fröhlichkeit behielt, hatte sie doch ihren Fanbetreuerausweis verlegt und selbst auf unser Bohren in der Wunde „Kannst du dich eigentlich ausweisen? Sonst glauben wir dir nicht, dass du uns betreust“ reagierte sie gelassen und mit einem Lächeln. Hoffen wir mal, dass der Ausweis warm und trocken zu Hause lag und sich somit wieder angefunden hat. Cathrin versuchte dann den Bus zu erreichen, wählte erstmal die falsche Nummer und weckte so den Münsteraner Fanbeauftragten. Nun ja, so musste der den Tag länger ertragen.
Der Bus kam, H. und M. organisierten wieder in Bravoru die vorderen 8 Plätze und so konnten wir langsam und entspannt gen Münster starten. Die Busbesatzung erwies sich als etwas komisch. Neben den üblichen Veteranen, den Chaotikern und uns befanden sich im Bus nur Gestalten, die ich noch nie gesehen hatte. Teilweise schon klasse angetrunken. Ich hatte schon Angst, dass dies die letzte Assifahrt wird, aber so schlimm wurde es letztendlich nicht, wenn man mal von gewissen Pinkelpausen absieht, weil das Klo – mal wieder - nicht funktionierte.
Erstaunlich diesmal die Musikleistung. Ich habe an dem gesamten Tag nur 2 Skastücke gezählt. Sonst gab es Rock der 80er und Gleichstrom/Wechselstrom auf die Ohren. Letzteres hatten zwei alte Herren verbrochen, welche nun mit leuchtenden Augen in ihren Sesseln sassen. Der jüngeren Generation, die etwas unglücklich direkt unter den Boxen sass, gefiel die Musik nicht ganz so, aber das schoben wir auf das Alter.
So näherten wir uns Münster. Dort angelangt holte uns mal wieder eine Polizeieskorte ab (ein Unsinn, den ich bei so „normalen“ Spielen nie verstehen werde). Unser Jubel, als wir an dem ersten Polizeifahrzeug vorbeifuhren, ohne das dies hinterher fuhr, wich leider sehr schnell Enttäuschung, als wir feststellten, dass dies nicht die gewesen sind, die uns abholen sollten. Auch ein dichtes Auffahren auf den Vordermann im Stau konnte letztendlich nicht verhindern, dass wir uns mal wieder einer freundlichen Polizeibegleitung versahen und direkt in den Käfig hinter der Gästekurve gefahren wurden. Es ist echt traurig, dass man sich überhaupt nicht mehr frei in Städten bewegen kann. Und dies selbst bei Spielen bei denen eigentlich nicht viel passieren kann.
Ich überbrachte noch Karten und machte mich dann auf den Weg in den Innenraum. Dabei stolperte ich einmal, was mein blödes Knie so gar nicht mochte, aber dann fand ich mich im Innenraum wieder.
Insgesamt gut 1.500 St. Paulianer hatten sich auf den Weg gemacht, was nach meinen Schätzungen mehr als in den letzten Jahren ist. Erstaunlich nach den in letzter Zeit doch durchwachsenen Leistungen.
Unser Trainer hatte komplett umgestellt und alles verändert. Dreierkette, Luz auf die Bank, Lechner auf die Bank und Scharping hinter den Spitzen. Ein mutiger Schritt, ein Schritt, den ich bei Lechner nur bedingt verstehe, aber vielleicht auch ein Schritt um auf eine gewisse Selbstzufriedenheit zu reagieren, die sich eingeschlichen hatte. Und aus meiner Sicht hat das Ganze was gebracht. Die 1. Halbzeit war zwar mehr Kampf und Krampf, aber auch dort hätte St. Pauli bei besserer Chancenverwertung schon führen können. Was dann in der 2. Halbzeit gespielt wurde, war grosses Tennis und eine gute Reaktion der Mannschaft auf die zuletzt schlechten Auftritte. So will ich das sehen. Krise gehabt, Scheisse gespielt und nun an dem eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Und plötzlich wieder mitten drin im Aufstiegskampf, auch wenn es nun richtig schwer wird (siehe später). Vielleicht sollte ich noch ein paar Spieler herausheben. Wie habe ich z.B. über Thornieporth diese Saison schon geschimpft? Und plötzlich dreht der komplett auf und bereitet beide Tore vor und haut gerade in der zweite Hälfte eine Brandbombe nach der anderen in den Strafraum. Wie haben alle über Scharping geflucht? Wahrscheinlich komplett zurecht, und die Spritzigkeit fehlt ihm immer noch völlig, aber in Münster übte er sich als kluger Ballverteiler und auch Ballhalter. Über Dinzey kann man eigentlich nicht fluchen in den letzten Monaten. Es bleibt dabei, er ist der Knipser, der uns angeblich fehlt. 10 Tore, und dies obwohl er zu Beginn der Saison nicht spielte, sprechen eine deutliche Sprache. Wenn es nun noch mit den Elfmetern klappen würde.
Und obwohl wir die letzten 15 Minuten ohne unseren etatmäßigen Torhüter auskommen und die letzten 13 Minuten zu 10 spielen mussten, gewannen wir. Bene machte seine Sache ordentlich, auch wenn er unter einer Flanke klassisch durchtauchte. Aber in Unterzahl noch den Siegtreffer zu erzielen zeigt den Charakter der Mannschaft. Ich hatte am Morgen der Fahrt gesagt, dass wir irgendeinen Kick brauchen um eine Serie starten zu können. Irgendwie ein Spiel mal drehen oder durch einen Kraftakt gewinnen oder so. Ist nun dieser – wirklich verdiente - Sieg dieser Kick? Ist die Mannschaft nun wieder wach? Wir werden es sehen. Durch die Punktverluste der Konkurrenz ist der Aufstiegskampf natürlich noch nicht entschieden, klar ist aber, dass wir die schlechtesten Karten haben. Gehen wir mal davon aus, dass Essen im Endeffekt durch ist (natürlich würde mich eine grosse Krise freuen, aber daran glaub ich nicht), dann prügeln sich noch vier Mannschaften (Jena, Kiel, Lübeck, St. Pauli) um einen Aufstiegsplatz. Kiel muss noch zu uns, so dass wir uns gegen die alleine einen entsprechenden Vorteil holen können. In Jena dürfen wir absolut nicht verlieren. Irgendwie einen Punkt entführen und alles wird gut. In dieser Musterrechnung ist nur ein kleiner Haken. Wir haben 48 Punkte und noch 10 Spiele. Die von mir angepeilten 80 Punkte können wir nicht mehr holen. Es bleibt aber dabei, dass man doch schon knapp 75 für einen Aufstieg holen sollte. Aus den Heimspielen können und müssen wir also 21 Punkte holen (das wären 69 Punkte) und dann irgendwie am besten noch mindestens 4 Punkte auswärts. Ob dies bei Osnabrück, Essen, Jena realistisch ist? Ich weiss es nicht. Aber nachdem wir uns den leichten Weg durch verschenkte Punkte in Wuppertal, Chemnitz, Oberhausen, Leverkusen und Lübeck verbaut haben (rechnet das ganze mal mit 4 Punkten aus diesen Spielen, dann kann einem das Heulen kommen), müssen wir nun für einen Aufstieg das Unmögliche möglich machen.
Wenn es dann nicht reicht, dann haben wir wenigstens alles versucht. Und das genau hoffe ich nun auch: Das Fans und Spieler alles versuchen. Klar ist, dass gerade sieben Heimsiege nicht sehr einfach wird (da sind immerhin auch noch Mannschaften wie Kiel oder auch Hertha 2 bei), aber wie schon gesagt: It’s a long (and hard) way to the top, if you wanna roggnroll. Und wer würde mir widersprechen, wenn ich sagen würde, dass St. Pauli die Ur-Inkarnation des Rock’n’roll ist?
Oder wir machen das ganz einfach: Wir gewinnen einfach die nächsten 12 Pflichtspiele. Das wäre der Aufstieg und der Pokalsieg. Und alleine schon die Ideen, wo man sich überall das Bild mit Morena, der den Pokal stemmt hintätowieren lassen kann, die alleine sind diesen Traum wert.
Nach einer Jubelnummer und dem spontanen Wunsch mit ungefähr jedem vor dem Bus Walzer zu tanzen, ging es auf die Rückfahrt, die in einem seeligen Alkoholdunst endete. Im Bus wurde die Niederlage des Lokalrivalens noch entsprechend gewürdigt (der Torjubel war ungefähr so gross wie bei den Toren in Münster) und dann war man auch schon wieder in Hamburg (kurzer Offtopic-Einschub: Rechnet mal die Tabelle der ersten Liga, wenn der Lokalrivale nicht zu Hause gegen Wolfsburg (!!!), Stuttgart und Dortmund verloren, sondern dreimal unentschieden gespielt hätte. Dann wäre nicht nur die Meisterschaft noch offen, nein dann wäre Wolfsburg endlich da, wo sie alle haben wollten).
Kurz noch im Jolly den Tag ausklingen lassen und dann ins Bett. Sonntag dann für das Gesumpfe mit einem dicken Kopf bezahlt, aber bei lecker Essen und viel Ruhe konnte das alles wieder behoben werden.
Morgen (erstes Heimspiel nach 53 Tagen, so lange dauert sonst eine Winterpause) beginnt also nun die 9 Punkte Woche. Sollte dies gelingen, dann wären wir wieder gut dabei. Liebes Kiel, Liebes Jena. Ihr spielt zum gleichen Zeitpunkt gegeneinander. Und irgendwie kann ich mir nicht helfen, aber ich finde ein tolles 7-7 würde garantiert beide Fangruppen absolut zufrieden stellen, aber gleichzeitig unsere Chancen auf den Aufstieg erhöhen. Immer wohlgesagt unsere 9 Punkte Woche wird auch wirklich eine 9 Punkte Woche. Auf geht’s.
… unser Bürgermeister, der sich von seinem Studienfreund Roger getrennt hat. Endlich muss man sagen, aber mal wieder hat unser Bürgermeister gezeigt, dass er nicht gewillt ist Politik zu machen, sondern sich nur als Held feiern lassen will, wenn seine vollkommen unfähige Senatorenriege mal wieder alles an die Wand gefahren hat. Wie man mit nichts tun so erfolgreich sein k