Norbert regt sich auf vom 3.4.2005
über
Das sind wir…
oder
Das Protokoll notiert bei der Beifahrerin Apartheid und im Gästeblock Nazis
oder
Du bist sexuell unattraktiv
oder
Hubschraubereinsatz
Oder ganz einfach: Zwei Tage Fussball und das Fazit, dass St. Pauli immer noch etwas besonderes ist. UNd ich nutze jetzt so lange „oder“-Überschriften, bis die Galaktischen wieder einen Bericht geschrieben haben…
Heimspiele beginnen ja doch relativ früh für die Poppenbütteler WG. Es galt auch diesmal, Futter „für nach dem Spiel“ zu organisieren, so dass ich Freitag noch eine grössere Einkaufstour plante und noch jemanden für Hippie-Futter (das ist Slang für vegetarisch) organisieren musste. Letzteres Problem wurde Am Pool mit Bravour gelöst, so dass wir Samstag morgen in Ruhe alles einpacken und zum Fanladen fahren konnten.
Auf dem Weg dahin wollte ich das Hauptwort zu „apathisch“ bilden, als meine Beifahrerin nicht wie gewünscht auf ihre Musik reagierte, aber irgendwie bildete ich den oben zitierten Satz (nun ja, das mit den Nazis natürlich nicht). Lernen wir heute also wieder was: Apartheid ist nicht das Hauptwort zu „apathisch“.
Im Fanladen angekommen wurde das Futter kurz verstaut, eine – sehr enge – Parklücke genommen, die neuesten Frisuren bewundert und dann begab man sich zum rituellen Hähnchenessen. Hier hatten wir dann eine Begegnung der eher unschönen Art, kamen doch ca. 20 Chemnitzer (zur Vereinfachung sprech ich jetzt mal von Chemnitzern, auch wenn mir bei diesen ganzen Hoolgruppen absolut nicht klar ist, ob die überhaupt zu irgendeinem Verein wirklich gehören) der Marke „unfreundlich“ an der Kleinen Pause vorbei. Ca. 12 von denen kamen dann auch in den Laden und irgendwie ging wahrscheinlich nicht nur mein Puls auf 200. Okay, wir waren insgesamt 8 St. Paulianer, davon drei Mädels, meine Kamera mitten im Weg und die zwar jung, aber garantiert Hauerprobt. Unsere Chancen standen in meinen Gedanken schlecht. Glücklicherweise verzogen sie sich so schnell wieder wie sie gekommen waren. Einer sagte noch „Lass mal, die haben zwei Frauen dabei“ und schon gingen sie wieder aus der Tür. Aber selbst eine solch brenzlige Situation hatte eine gewisse Komik, denn beim Herausgehen will einer von denen doch tatsächlich den Cheeseburger von Trulline mitnehmen. Sie also hin zu dem Typen, ihm den aus der Hand genommen und gesagt: „Halt, das ist meiner!“ Setzt sich hin, guckt den Cheeseburger an und sagt nur: „Der ist ja wieder mit Tomaten“. Erst danach regt sie sich am Tisch über die Chemnitzer auf und fragt uns, ob sie diese Eskapade eben geträumt hätte, dass ein Haufen Chemnitzer in die Kleine Pause kamen und versucht hätten, ihren Cheeseburger zu stehlen…
Zurück zum Fanladen, der wohl auch einen kurzen Blick dieser Typen erhalten hatte, die aber, als sie merkten, dass sie hier auf eine ihnen gewachsene Anzahl von Leuten treffen würden, Reissaus nahmen.
Der Weg zum Stadion wurde mit äusserster Vorsicht überbrückt, aber im Verlauf kam es zu keiner weiteren Begegnung mit diesem Pack.
Nun endlich vor dem Stadion und damit auch endlich in vertrauten Gewässern. Vor dem AFM-Container war aufgrund des Wetters nicht viel los. So spulte ich meine Rituale ab und machte mich dann auf zu dem ungewohnten Platz im Innenraum. Afroh hatte es vorgezogen diesem Spiel nicht beizuwohnen und so musste ich den Platz im Innenraum einnehmen. Nicht wirklich mein Lieblingsplatz bei Heimspielen, aber na guuuut, auch mal eine lustige Abwechslung.
Nach einer Runde im Matsch der Innenraumbänke machte ich es mir auf der Südseite unseres Stadions bequem und wartete auf den Anfang. Bereits mit Einlaufen der Mannschaften machten die Chemnitzer klar, welch Geistes Kind sie sind, denn „Galatasary, wir hassen die Türkei“ ist als Liedgut ja wohl deutlich. Das wurde nebenbei von keiner Minderheit gesungen, sondern von ziemlich dem gesamten Block. Dazu zeigten die Chemnitzer noch drei bis vier rote Fahnen, die in der Mitte einen weissen Kreis hatten. Nicht gerade die Vereinsfarben der Himmelblauen, nein, hier sollte sich der Betrachter schon das Hakenkreuz in die Mitte denken. Seit langem war es am Millerntor nicht zu einer solch offenen Darstellung von Nazigedankengut gekommen. Nicht einmal gegen Jena (als auch schon eine Horde dieser Typen da waren) haben die Gäste sich getraut, so etwas zu zeigen. Es ist traurig, dass die Nazis immer mehr ungestört agieren können.
Leider wissen die auch ganz genau, was sie zeigen können und was nicht. Natürlich ist diese Flagge nicht verboten, denn sie zeigt ja nicht das, was jeder damit assoziiert. Von den Nazis der heutigen Generation wird man keinen Hitlergruss sehen oder ein offenes Symbol. Nein, sie sind clever geworden und wissen ganz genau, was sie bringen können und was nicht. Und ihre kranken Hirne kann man ihnen leider nicht verbieten.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich die reggaefarbene Choreo von USP, die zum einen ein „Get up, stand up“ Plakat umfasste und ein „Freiheit für alle politischen Gefangenen der Linken“-Doppelhalter. Letzteres find ich definitiv zu pauschal, da Zweck halt nur bedingt Mittel huldigt. Aber gerade später kam man mit dieser Haltung schwer in Gewissensbisse.
Das Spiel begann, und in der ersten Halbzeit war das schlichtweg ein mieser Kick, bei dem Chemnitz als cleveres (es tut mir leid diesen Begriff nun zweimal verwenden zu müssen) Team zu Recht führte.
Das Berichtenswerte spielte sich leider auf den Rängen ab. Die Idioten im Gästeblock liefen zu Hochform auf und brannten eine Mischung aus Klamotten, mitgebrachtem Rauch und anderen Textilien ab. Das Spiel wurde unterbrochen und zwei Spieler von Chemnitz versuchten die Situation zu beruhigen, was ihnen aber nicht wirklich gelang, denn diese Idioten interessiert so etwas natürlich einen Scheissdreck. Stattdessen flogen noch Knallkörper in die Haupttribüne und ein paar Chemnitzer (zu dieser Vereinfachung siehe oben) rüttelten am Zaun zur Haupttribüne. Dachte ich hier schon, dass ich die Kandidaten für die „Idioten des Monats“ gefunden zu haben, wurde es zur Halbzeit noch schlimmer. Standen da doch echt zwei so Idioten und präsentierten gutgelaunt die oben beschriebene Flagge. Diese hängten sie später an den Zaun und es ist dem Mut einiger St. Paulianer aus unterschiedlichsten Strömungen unseres Vereines zu verdanken, dass dieser Dreckslappen da nicht die ganze zweite Halbzeit hing. Kurzer Einschub: Was mich immer wieder bei diesen Doofköpfen wundert ist, dass die fröhlich schwarz-rot-goldene Sachen (diesmal Hüte) tragen. Die Farben schwarz-rot-gold haben in Deutschland nicht gerade eine nationalistische Tradition…
Ich ging rüber und als ich an meinem normalen Stehplatz vorbei ging, winkte ich kurz und deutete dann an, dass ich am liebsten kotzen würde bei diesem Nazipack. Eine „Ruhig Norbert“-SMS brachte da wenig.
In der Nordkurve war es dann doch deutlich angenehmer. Hier entspannte Ordner und keine hektischen Polizisten. So kann man arbeiten. Die zweite Halbzeit begann und das Spiel hatte sich vollkommen geändert. Dies nicht nur weil Shubi nun auf dem Feld stand für einen Dinzey, der definitiv mit dem falschen Bein aufgestanden war, nein, nun sah es so aus, als ob sich die Mannschaft vorgenommen hatte diesen Gegner richtig niederzuringen. Und auf einem fürchterlichen Acker, der Fussball SPIELEN nahezu nicht zuliess, nutzen unsere Helden ihre Laufbereitschaft und kämpften wie die Verrückten.
Interessant war, dass ich mich vor dem Spiel im Fanladen mit einem unserer kurzhaarigen Freunde darüber unterhalten habe, dass unsere Mannschaft so leblos wirkt. Er meinte, dass ihm auffiele, dass nie ein Spieler versuchen würde, das Publikum und seine Kollegen mitzureissen. Das nie ein Spieler mal ins Publikum winkt oder eine kleine Auseinandersetzung mit einem Gegner sucht, um das Publikum hinter sich zu bringen.
Genau dies passierte plötzlich heute. Shubi feuerte mehrmals die Haupttribüne an und plötzlich ging man auch wieder diese Symbiose zwischen Fans und Mannschaft ein, die zu den Erfolgen des FC St. Pauli führt.
Shubi war sowieso heute mal der Matchwinner. Spielt wochenlang wie Arsch und dann haut er mal wieder so einen Tag raus, wo er ein Tor macht und ein Tor vorbereitet. Wenn er das konstant bringen könnte, dann wäre er aus einer Anfangsformation nicht wegzudenken. Meggle zeigte diesmal auch wieder seine Stärke, und das ist nun mal Tore schiessen. Ich frag mich nur, wie oft in dieser Saison sich Luz noch den Ball für einen Elfmeter greift um ihn dann nicht schiessen zu dürfen. Aber Meggle verwandelte sicher.
Ich habe beschlossen, dass ich nicht mehr rechne. Nach meiner Rechnung können wir nicht mehr aufsteigen, da fehlen uns zu viele Punkte. Aber der Witz ist, dass wir mit einem Sieg in Jena (okay, das ist nicht gerade einfach, das ist die absolute Mannschaft der Stunde) mit ein bisschen Glück auf einem Aufstiegsplatz stehen könnten. Wahrscheinlich ist man als Fussballfan einfach zu ungeduldig. Vielleicht sollte man einfach die letzten beiden Spieltage abwarten und sehen, was dann noch so geht.
Insgesamt haben wir jetzt eine Woche Pause und dann die 10 Tage der Wahrheit. Innerhalb der Spanne vom 8.4. bis zum 18.4. haben wir nun vier Spiele, die alle absolute Hammer sind. Nach dieser Spanne können wir im schlimmsten Fall aus allen Entscheidungen raus sein, im besten Fall sind wir Tabellenzweiter und stehen im Pokalfinale. Hoffen wir, dass die Wahrheit sehr nah an den besten Fall rankommt. Der Traum dieser Saison (Aufstieg und Pokalerfolg) kann enden, er kann aber auch weiter gehen. Natürlich wird diese Saison durch den Pokal unvergesslich, aber wenn wir gegen Bayern ausscheiden und 5. werden, dann war es doch nur eine erfolglose Saison.
Die Ehrenrunde wurde mal wieder von den Rängen überschattet, denn die Chemnitzer Spieler hatten wirklich noch die Frechheit, sich bei den mitgereisten Leuten zu bedanken. Bezeichnend dabei, dass Amadou nach meinen Bildern den Weg in die Kurve nicht antrat.
Coach Bergmann machte mit einer deutlichen Handbewegung klar, was er vom Gästeblock hielt (leider hab ich das nicht auf dem Foto, die Doppeldeutigkeit, wie Bergmann der Gegengrade den Fuckfinger zeigt, wäre genauso wie die Klarheit der Geste (die deutlichst dem Gästeblock gewidmet war) ein Foto wert gewesen). Es wundert mich aber trotzdem, dass keine der – teilweise peinlichst berichtenden – Hamburger Zeitungen was von „Unzufriedene Fans von Bergmann beleidigt“ schreibt.
Nach dem Spiel wollte ich eigentlich zum Fanladen und Hot Dogs verkaufen (man merkt, das sportliche tritt heute irgendwie in den Hintergrund). Nur die Situation, die man an der Budapester Strasse vorfand, liess einen dann doch verweilen. Als ich aus dem Stadion kam, hatte ich eigentlich gedacht, dass die Chemnitzer schon lange abgeführt sind und ich mich aufgrund der üblichen Sperrung des Viertels eher nicht beeilen muss, da ich sowieso nicht zum Fanladen komme. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Zwar stand auf der Budapester Straße ein Wasserwerfer, aber abgesperrt war nichts. Die Polizei agierte komplett planlos. Wenn man solche Penner schon schützen muss, dann sollte man sie doch schnell und ohne warten nach Abpfiff aus dem Stadion und aus der Stadt bringen. Diese –früher sehr effektive Taktik – hat die Polizei vollkommen verlernt. Dabei wollte der Verein der Polizei noch helfen und dem gesamten Gästeblock zur Halbzeit ein Hausverbot erteilen. Hätte die Polizei dies durchgesetzt, hätte sie fröhliche 45 Minuten gehabt um alle Leute entspannt zum Bahnhof zu bringen. Natürlich hätte dies auch unbeteiligte Fussballfans getroffen, aber diese waren im Chemnitzblock heute definitiv in der Minderheit.
So sammelten sich immer mehr St. Paulianer auf und an der Budapester Strasse. Schnell kam die – stillschweigend getroffene – Übereinkunft aller Beteiligten zustande, dass man die nicht so einfach aus dem Stadion lassen würde. Zuviel Mist hatten die sich erlaubt. Das lustige ist, dass die Polizei mit einfachsten Mitteln zur Weissglut getrieben werden konnte. Es befand sich keine Sitzblockade auf der Budapester Strasse und es wurde auch nicht gegen die Polizisten vorgegangen. Trotzdem erteilte man Platzverbote, setze Wasserwerfer ein (aber komischerweise keine Schlagstöcke) und versuchte, die Gruppen aufzulösen. Dies gelang nicht. Ich musste langsam in Richtung Fanladen (nützt ja nix, wenn man Essen verspricht, dann muss man es auch halten) aber laut Erzählungen standen letztendlich mehrere Spieler und ein Offizieller mit auf der Strasse und zeigten, dass man sich dies nicht gefallen lassen würde. Diese waren nebenbei laut Abendblatt alle gewaltbereit. Und selbst die Domschänke wurde kurzfristig zum Hort der Anarchie, denn selbst diese – absolut harmlose – Gesellschaft bekam volle Elle einen Wasserwerfer ab.
Littmann soll noch eine Rede durch den Wasserwerfer gehalten haben, aber davon hab ich, wie schon gesagt, nix mehr mitbekommen. Die Chemnitzer haben dann noch mal gelernt, wie scheisse man sich in Bussen eingezwängt fühlt, wenn die mit Steinen beworfen werden. Volle Gönnung dafür. Schade, dass es nicht ihre eigenen Reisebusse waren, sondern das Eigentum der Stadt Hamburg darunter leiden musste.
Und hier sind wir bei der oben aufgeworfenen Frage. Welche Mittel heiligen hier eigentlich den Zweck, Nazis zu vertreiben? Ich kann es nicht sagen, ich stehe hier vor einem moralischen Problem, das ich für mich nicht lösen kann. Dieses Pack verdient jede Abreibung, soviel steht allemal ausser Frage. Und noch eines ist klar: In unserem Viertel agieren diese Penner nicht ungestraft. Nur für mich sich an Recht und Gesetz haltenden Menschen ist das immer noch eine Straftat. Aber vielleicht muss man es so sehen, wie K_laus das am Ende vorm Jolly zusammenfasste: „Das sind wir“. Es haben sich viele Leute gegen diese Nazis gerade gemacht, gegen das Pack gestemmt und nicht nur einfach weggesehen, und es hat jeder eben das gemacht, was er machen will und kann.
Die Polizei hat es auch nicht geschafft, einen Keil in die Leute zu treiben. Trotz der Aufforderung, sich doch von „den Schlägern“ zu distanzieren (und diese kam zu einem Moment, wo alles ganz friedlich an der Strasse stand), ist keiner nach Hause gegangen, sondern eine bunte Mischung von St. Paulianern stand da, um ihrem Unmut Luft zu machen und den Nazis die Abfahrt möglichst unmöglich zu machen. Wie schon erwähnt inklusive Offizieller und Spieler.
Ich machte mich irgendwann vom Fanladen in Richtung Jolly auf und dort wurde man auch von der Polizei gestoppt: diese hatte doch ohne Witz den Durchgang zwischen Paulinenplatz und Budapester Strasse mit einer Polizeikette gesperrt. Was denn dazu führte, dass u.a. Jens fröhlich winkend an der anderen Seite vorbei ging. Schon bescheuert, wenn man St. Paulianer von St. Paulianern trennt. Oder waren das die Schläger und die Unbeteiligten?
Irgendwann war das Hindernis überwunden und im Jolly konnte der gemütliche Teil des Abends begonnen werden. Nur einmal kam noch kurz Hektik auf, als irgendwelche Penner beim WalMart rumhampelten. Ich bin aber definitiv zu langsam mit meinem Knie und konnte Details nicht erkennen.
Coach Bergmann kam auch noch auf ein Bier vorbei und sagte noch mal deutlich, was er von den Chemnitzer Fans hielt und dass er es unangebracht fand von der Mannschaft, dann in die Kurve zu gehen.
Irgendwann waren bei mir alle Lampen aus und die Lichter an. Die Bahn brachte mich bis Barmbek, die Knuffi bis nach Hause.
Noch ein paar Worte zur medialen Nachbetrachtung: Während MoPo und Blöd noch gerade gehen (der MoPo Kommentar ist am Ende jedoch einfach falsch, friedlich gegenüber Nazis war hier noch nie irgendjemand), ist das Abendblatt einfach peinlich. Nennt doch mal Ross und Reiter! Nazis sind Nazis und sollten auch in aller Deutlichkeit so genannt werden.
oder
Trotz dieses ja nicht ganz unanstrengenden Tages machten sich am Sonntag morgen 23 Supporter auf den Weg nach Nordhorn. Bereits der Blick auf den Routenplaner offenbarte, dass dies nicht gerade eine kurze Tour werden würde.
Viel zu früh standen wir mal wieder am Klubheim rum, aber da auch die Mannschaft und einige Mitfahrer anwesend waren, konnte man sich die Zeit relativ schnell vertreiben. Immerhin mussten wir nur zwei spontane Ausfälle verkraften und hatten auch noch eine spontane Mitfahrerin, so dass wir mit eben den genannten 23 (war da nicht irgendwas mit Verschwörung) Leuten uns auf die Reise nach Nordhorn machen konnten. Und nicht nach Nordheim, wie unser Busfahrer behauptete. Dieser war sowieso eigenartig zu seinem Auftrag gekommen, gehörte sein Bus doch zu einer Firma, die wieder rum von einer dritten Firma beauftragt war, die dann von Sportreisen beauftragt war. Alles etwas wirr, hat aber letztendlich geklappt, auch wenn die Busfahrer sich am Ende als nervig herausstellten.
Weiterhin handelte es sich um einen Nichtraucherbus, so dass wir auf dem Hinweg zwar keine Pinkelpausen benötigten, dafür aber ordentlich Raucherpausen. Kleinere Kabbeleien mit den Rauchern sollte ich aus dem Weg gehen, wenn ich denn mal ein souveräner Reiseleiter werden möchte. Ich übe dies, versprochen.
Sonst verlief die Hinfahrt sehr ruhig, da niemand passende Musik mithatte. Es wurde getrunken, sich an unterschiedlichen Jugendzeitungen erfreut (steht eigentlich in jeder was über Tokio Hotel drin?), der Bild am Sonntag gehuldigt (alleine schon wegen dem „Bombe im Stadion“) und sich nett unterhalten. Spaddel war um den weiblichen Anschluss bemüht und machte Heiratsanträge, die aber nicht sofort zündeten.
Etwas erstaunen taten die unzähligen Lokalrivalenfans, die bereits in Richtung Schalke unterwegs waren. Der Kontakt bei den Raucherpausen verlief von freundlich „Was macht ihr denn hier, ihr habt doch gestern gespielt?“ über nervig (Mädels, die vollkommen aggressiv werden und Typen, die unseren Bus mit albernen CFHH-Aufklebern vollkleben mussten) bis hin zu einfach unterirdisch. Letzteres Niveau erreichten drei Typen, die an einem Tisch sassen und nix besseres zu tun hatten als unsere weibliche Vorhut als „Pornofotzen“ zu beschimpfen, es sich aber nicht trauten, bei den Männern das Maul aufzumachen. Sehr grosse Leistung von die Herren. Nun ja, wir haben uns von soviel Unsinn nicht provozieren lassen und hatten unseren Spass. Insbesondere als die Busbesatzung mit „Hamburger Jungs“-Gesängen anfing und eine Mitfahrerin meinte, nun ja, dies stimme ja, ausser vielleicht bei den zwei Mädels. Einen nackten Arsch aus einem vorbeifahrenden Kleinbus mussten wir uns auch noch angucken, aber das war eher unter der Rubrik „Lustig“ einzuordnen. Insbesondere da der passende Kommentar folgender war: „Das waren keine Pickel, das waren schon Furunkel.“
In Nordhorn noch kurz die Stadtrundfahrt gebucht und dann waren wir auch am Stadion. Ach, ich liebe Amateurfussball! Zwei Polizisten ohne Hut, drei Rentnerordner und alles super entspannt.
Nur: wenn die wirklich in die 3. Liga wollen, dann müssen die was tun. Das Stadion besteht aus einer kleinen Stehplatzgegengeraden und einer Tribüne. Mehr ist da nicht. Das Klubheim ist ganz nett, aber der Kracher ist es auch nicht. Insgesamt finden vielleicht 5.000 Leute Platz, so dass für die Regionalligaanforderungen (10.000 Plätze) noch ordentlich was getan werden müsste. Fans haben die schon ein paar, wenn auch nicht viele. Diese sind eher in der Rubrik „Rentner und Fussballfachleute“ einzuordnen. Der kleine Stimmungsblock mit ca. vier Leuten und fünf Trommeln (oder so ähnlich) verbreitet nicht gerade südamerikanisches Flair. Da ist bei Emden oder in Wilhelmshaven mehr los.
Unser Mob schaffte es noch, sich in drei Supportblöcke aufzuteilen, aber für 23 Leute war der Support doch schon lustig. So mit Wechselgesängen und allem drum und dran. Unsere Truppe spielte gut mit, aber leider konnten Hauke, Arifi, Adrion und Ansorge nur bedingt die Truppe verstärken. Letztendlich verlor man unglücklich, aber doch irgendwie verdient 3-1.
Die Rückfahrt begann und ja, ich muss auf Raucherpausenwünsche souveräner reagieren. Ansonsten gab es gute Unterhaltung: Elvis (vorlesend aus einer Mädchenzeitschrift): „Warum sieht mich kein Junge an?“, darauf Spaddel: „Kann ich Dir sagen: weil Du sexuell unattraktiv bist!“ Spaddel hatte seine Bemühungen auch noch nicht ganz eingestellt, das weibliche Geschlecht zu bezirzen. Aber selbst ein Hubschraubereinsatz (seht euch einfach die Fotos an…) führten nicht zum erwünschten Erfolg. Mit ein bisschen Biernachschub kam man mit gutem Pegel in Hamburg an. Es bleibt nur zu hoffen, dass Forrest (und so könnt ihr ihn nach diesem Sprint nun wirklich nennen) seinen Zug nach Lüneburg bekommen hat und ihr alle nun folgendes merkt: Auswärtsfahren mit St. Pauli 2 macht Spass, ohne wenn und aber. Anmeldungen für den Osterbus nach Cloppenburg nehm ich gerne entgegen. Bisher Preis 25 Euro. Für Osterhasen und anders kostümierte auch 20 Euro. Meldet euch bis Mittwoch!
… die letzten Gazettas. Ich muss sagen: Endlich! Sachliche Argumente, die ich teilweise selbst nachvollziehen kann, teilweise schlichtweg anders sehe, wo ich aber eine deutliche Versachlichung der Diskussion sehe und kein plattes Parolen ausbreiten. Die eine Spitze gegen mich nehm ich mal so hin, da kann ich mit leben, heisst es doch, dass sich neckt, was sich liebt ;-) Ist eigentlich schade, dass es wirklich nur noch einen Kommentator gibt, der nicht aus dem Ultra-Umfeld kommt. Nix gegen dieses, aber St. Pauli ist nun mal bunt und es wäre nur zu hoffen, dass noch mehr Leute sich gerade in Schriftform ergiessen. Und nix gegen Fotoseiten, aber ich lese immer noch am liebsten das geschriebene Wort (dem Chaot sei daher auch hier mal wieder gehuldigt!). Trotzdem mag ich den Autoren doch in einigen Punkten widersprechen. Das mit der Sprache für „Protest“plakate mag so sein. Wenn ihr das nur als Gruss verstanden haben wollt, macht es so. Dann finde ich es nur schade, dass so wenig Öffentlichkeit über einen Kreis hinaus geschaffen wird, der versteht, was die Plakate und umgedrehte Zaunfahnen sollen. Das Stichwort „breite Öffentlichkeit“ bietet sich da irgendwie an. Das mit der Internetszene seh ich vollkommen anders. Insbesondere ist die auch derbe arm geworden (ich will jetzt nicht mit früher kommen, aber früher gab es die Biberberichte (immer noch Friede ihrer Asche), die West-Brigaden-Berichte, die Intergalaktic-Berichte, die Passantenberichte, die Kiezkickerberichte und noch vieles mehr (teilweise kurzfristig, aber es gab sie)). Heute gibt es zwar klasse Fotoseiten (auch natürlich durch das bessere Fotoequipment), aber es fehlen einfach die regelmässigen Chronisten. Das haben andere Vereine viel besser (es sei hier nur auf schwatzgelb.de verwiesen). Auch sehe ich immer noch nicht diesen Gegensatz zwischen aktiv und Internetnutzer. Ich bin selber als „Internetnutzer“ auf die aktive Fanszene gestossen und habe mich dann engagiert. Und ich denke so kann man das Medium auch nutzen, indem man nämlich durch Berichte und auch Fotos Leute darauf aufmerksam macht, wie viel Spass die ganze Arbeit macht. Und wenn ich sehe, wer so Hauptnutzer des Forums ist, dann sind da viele Leute, die sich auch engagieren, aber halt nicht Ultrastyle. St. Pauli bleibt halt bunt. Nebenbei wird die Haupttribünenchoreo gegen Bayern nahezu ausschließlich von Internetjunkies gemacht. Klar gibt es auch irgendwelche Trittbrettfahrer, die meine Seite gesehen und gelesen haben und sich nun als fetter St. Pauli Ultra fühlen, aber ich denke, dies ist eher die Ausnahme.
Aber wie schon gesagt, ich fand den relativ sachlichen Ansatz (es war halt mal mehr als ein „Internet fuck off“, mit dem ich ehrlich gesagt argumentativ nix anzufangen weiß) sehr gut. Der Satz mit den Suffköpfen, die nur alle 10 Minuten singen etc. ist super arrogant und überflüssig, aber wenn der Autor meint…
Also, liebe Leser: Es ist nicht schwierig, sich zu engagieren! Kontakte vermittelt immer der Fanladen und nach den Spielen gibt es da auch regelmäßig lecker Essen. Und auch sonst findet man dort eigentlich an jedem Tag nette Leute zum Reden (auch wenn man als aussenstehender immer in so eine Wand läuft – nicht abschrecken lassen).
… der Alltagsrassismus, der nun … von Sachsen Leipzig entgegensprang, der von Fans aus Halle 90 Minuten rassistisch beleidigt wurde und mit einem – zugegebenermassen unangemessenen – Hitlergruss in die Kurve reagierte. Während einige Zeitungen sehr deutlich machten, dass es ja wohl nicht angehen kann, dass ein Spieler 90 Minuten rassistisch beleidigt wird, ohne dass der Stadionsprecher was sagt, machte die Blöd einfach Opfer zu Täter und sprach nur von Beleidigungen ohne den Rassismus zu nennen und machte dann einen riesigen Wirbel über den Hitlergruss. Wird eventuell ein deutscher Verein der erste Fall für die Punktabzüge?
… der AS Rom, der auch die neue Fifa-Regel im Kopf hatte, die Punktabzüge und Lizenzentzüge für Rassismus vorsieht, als er Journalisten verbot, Bilder von den entsprechenden Aktionen seiner Fans zu machen. Das ist ja wohl noch mehr der Hammer.
… der Aufsichtsrat des HSV Axel F. (das ist nicht nur eine schöne Assoziation, sondern auch notwendig, denn den Namen kann ich definitiv nicht schreiben), welcher sich im Abendblatt lobenswert deutlich äusserte. Nun ist beim Lokalrivalen in den letzten Jahren ja schon sehr viel passiert (das sei hier auch mal lobend erwähnt), aber es gibt immer noch was zu tun und darauf machte er gut aufmerksam. Umso verwunderlicher, dass er – laut Abendblatt – auf teilweise komplette Ablehnung getroffen ist. Man mag den Weg (warum macht er das nicht in einer Vereinspostille?) und vielleicht auch Einzelheiten kritisieren, abe