Norbert regt sich auf vom 18.4.2006 (!!!!)

 

über

Zuviel Plastik, keine Stimmung – PVC!

Was anderes kann man an einem Ostermontag machen als nach Cloppenburg zu fahren um die 2. Mannschaft zu unterstützen? Da ein „echter“ Bus nicht zustande kam, machte sich der Amateuresupport mit einem 9er Bus und einem Privatwagen auf den Weg.

Den 9er Bus holte ich morgens bei der Vermietung ab und erlebte dabei die erste positive Überraschung des Tages: weil das Fahrzeug aussen verschmutzt war gab man mir Ganze für mich. Etwas unverständlich dabei war jedoch, dass man beim besten Willen nicht sagen konnte, wo das Fahrzeug überhaupt verschmutzt war. Egal.

Die Privatwagenfahrerin (gleichzeitig meine bessere Hälfte) hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Weg zum Klubheim gemacht um die gestrandete Betreuerbetreuerin mit einem gemeinsamen Frühstück zu unterhalten. Aus irgendwelchen nicht erklärbaren Gründen war die Mannschaft nämlich bereits um 10:00 Uhr losgefahren...

Ich sammelte inzwischen die Mitfahrerbesatzung ein, erst die Cocktaildamen an ihrem Wohnort, dann wollte ich eigentlich Klaus am Schulterblatt einsammeln, aber da dieser noch was zu trinken besorgen wollte, bekamen wir nur eine Flagge („Wenn wir so wenige sind, dann müssen wir Flagge zeigen“) in die Hand gedrückt. Die restliche Mitfahrgang fanden wir dann am Millerntor, wobei alle Mitfahrer grundsätzlich pünktlich waren.

Auf ging es also, wobei ich heute nicht den Reiseleiter, sondern den Busfahrer mimte. Dieser Umstand führte zu blühenden Fantasien. Wie wäre es, wenn wir uns einfach einen Bus kaufen würden, zwei Allesfahrer würden den Busführerschein machen und dann könnten wir immer unseren eigenen Bus fahren? Okay, nicht wirklich realistisch, aber eine schöne Fantasie.

Die Hinfahrt verlief schleppend, denn die Autobahn war doch ganz schön voll. Unser einzelnes Auto wurde beinah von einem Camper von der Strasse gedrängt, der von ganz links ohne Unterbrechung nach ganz rechts fuhr. Im 9er Bus planten wir nun einen Camper zu kaufen oder zu mieten und damit mal auswärts zu fahren. Blühende Fantasien, ob man den bei einem Spiel in Nordhorn dann gleich in Holland vor einem Koffeeshop parken kann, seien hier nur mal angedeutet. Auch die Idee, Kahn mal LSD in die Wasserflasche zu tun, damit er mal das richtige Tier im Tor wird, blieben vage. Zitat: „Ich habe noch nie auf LSD Fussball gespielt“.

Auch diesmal gab es Begegnungen mit Fans von anderen Vereinen. Zuerst wurde ein Auto mit einem Aachen-Schal überholt. Waren aber wohl keine Fussballfans, denn mit unserem braun-weiss und einem freundlichen Hupen konnten sie irgendwie gar nix anfangen. Die hatten wahrscheinlich den Schal nur mit, weil ihre Stadt mal Erstligist werden kann.

Später überholten wir einen Schalke-Fan mit lautem Gehupe und rausgehaltener Fahne.

Dann kamen wir in Cloppenburg an – immer noch viel zu früh, so dass wir uns entschieden, nicht beim Stadion zu halten, sondern direkt bei unserer letztjährigen Kneipe. Der Grund war auch, dass wir eventuell anwesender Polizei entgehen wollten und selbst entscheiden wollten, wo und wann wir das Stadion betreten.

Die Kneipe war gut vorbereitet, denn die ersten beiden von uns wurden gleich mit einem „Ah, da kommen doch noch mehr, oder?“ empfangen und ihr „Ja, zapf mal“ führte dazu, dass mit dem Hinsetzen die erste Runde Bier da war. Nur die ganzen ausgestopften Tiere, die uns letztes Jahr noch erfreut hatten, waren nun etwas dezenter platziert. Die Cloppenburger kamen auch, begrüssten uns, wunderten sich, dass vor der Tür diesmal kein Polizeiwagen stand, und trugen ihre grosse Trommel vorbei. Was zu der Anmerkung „Ihr habt Trommeln, wir haben Telefon“ und Ideen einer Handyklingeltonchoreo führte.

Es war nun Zeit, sich in Richtung Stadion aufzumachen, und so fuhren wir unsere Fahrzeuge zum Gästeblock. Aber Wunder, oh Wunder, wir fanden den Eingang verschlossen vor. Kein Ordner, keine Polizei. Wir waren schockiert. Letztes Jahr wird man hier noch als Schwerverbrecher behandelt und dieses Jahr – obwohl wir gerade mal 10 Leute weniger sind – ist alles vollkommen entspannt. Dies zeigt im Nachhinein mal wieder, wie bescheuert der Polizeieinsatz vom vergangenen Jahr gewesen war.

So machten wir es uns auf der Gegengrade bequem, direkt neben dem Supportblock der Cloppenburger. Hier entwickelte sich trotz eines starken Gegenwindes ein absolut genialer Support. Aus meiner Sicht der beste Support, den ich diese Saison erlebt habe. Anfeuerungsrufe, die teilweise zu dritt gestartet und durchgehalten wurden; ein „Aux Armes“, bei dem der Vorsänger genauso laut ist wie der Mob (was aber an seiner extrem lauten Stimme lag); kompletter Schwachsinn, „Ein Tor“-Gesang mehrstimmig (das war absolut berauschend und einfach geil), „Zuviel Plastik, keine Stimmung - PVC“ (da Cloppenburg sich BVC abkürzt); „Paddy-Borger-Torwartgott“ (mit eigener von mir nun vergessener Melodie und spontan beim Singen erdacht), „Ihr habt Trommeln, wir haben Telefon“ (was von einer BVC-Anhängerin belustigt aufgenommen wurde), Wechselgesänge (erst wurde es mit den vier ortsansässigen Jugendlichen versucht, da die das aber nicht kapierten, dann antworteten immerhin zwei Typen, die ganz oben auf der „Gästetribüne“ sassen) und das alles beinah 90 Minuten ohne grössere Pause. Dazu wurde die Nr. 2 von Cloppenburg mit „Du bist fertig“ und „ Du kannst doch nicht mehr“-Rufen in die Auswechselung getrieben. Der Stadionsprecher machte uns diesen Erfolg insofern sehr deutlich, als er nach der Halbzeit erst eine andere Auswechselung ansagte und dann mit Verzögerung die der Nr. 2. Herrlich! Jeder ausgewechselte Spieler unserer Truppe wurde mit Applaus und der Welle bedacht.

Unsere Helden revanchierten sich mit einem beherzten Auftreten gegen einen Gegner, der immerhin Tabellenvierter ist und spielerisch eigentlich überlegen. Aber unsere Jungs hielten mit Kampf dagegen und wurden von Minute zu Minute stärker. Verdient nahmen sie einen Punkt mit und waren doch frustriert, fiel der Ausgleich dann fiel - erstens sehr spät und zweitens durch einen dummen Fehler der Abwehr. Natürlich bringt der Punkt an sich einen im Abstiegskampf nicht weiter, aber insgesamt zeigt sich die Truppe viel besser als in der Hinrunde und wird so wohl die Klasse halten können. Zumindest bleibt dies zu hoffen. Zu hoffen bleibt auch, dass Sosnowski zu seinem fussballerischen Talent mal etwas Disziplin lernt. Er zeigte nämlich den Auswechselspielern von Cloppenburg beim Torjubel den ausgestreckten Mittelfinger und muss von Glück reden, wenn er für sowas nicht Rot bekommt.

Nach dem Spiel wurden die Spieler noch gefeiert, auch wenn sie unsere gute Laune aufgrund der Enttäuschung nicht teilen konnten.

Nach der Pressekonferenz setzten wir zur verdienten Heimfahrt an, die mit einer Regenbogenjagd (wir hätten ihn gehabt, wenn sich der Verkehr nicht kurz gestaut hätte), einer verlorenen Zigarette (keine Details, aber glaubt mir, es war sehr lustig) und beinah ohne Staus sehr kurzweilig ve