Norbert regt sich auf vom 7.6.2006 (!!!!)
über
Der alljährliche Non-Fussballbericht
oder
R.i.P. 2006
Einmal pro Jahr gönn ich euch einen Bericht, bei dem es nicht um ein Spiel geht. Dieses Jahr fällt für mich das Hurricane aus, da ich mich mit diesen ganzen englischen Bands nicht auskenne und auch sonst das Lineup nicht wirklich meinen Geschmack trifft. Stattdessen wurde Rock im Park besucht, so dass zwar das Trinidadspiel dran glauben musste, aber auch ich Fussballjunkie kann mal andere Prioritäten setzen. Trotzdem möchte ich euch natürlich in gewohnter Manier über mein Wochenende informieren und ein bisschen in Erinnerungen schwelgen (wer meint, diese Berichte seien für die Leser, der ist schon häufig eines besseren belehrt worden. Diese Berichte sind einfach nur Therapie).
So machte ich mich am Freitagmorgen mit dem bequemsten und teuersten Reisemittel der Welt (ICE) auf nach Nürnberg. Nürnberg, werdet ihr fragen, warum nicht Rock am Ring? Nürnberg hat folgende Vorteile: Es ist in Franken beinah immer besseres Wetter als in der Eifel, und ich kann auf einem Sofa und nicht in einem Zelt schlafen. So wurde Franca zum Mitkommen verhaftet, so dass ich dort übernachten konnte.
Die Bahn brachte mich bequem und mit den üblichen paar Minuten Verspätung nach Nürnberg, wo mich meine Gastgeberin schon freudig erwartete. Ein kurzer Zwischenstop in ihrer Wohnung, und schon ging es ab zum Festivalgelände.
Dieses ist immer noch der Schwachpunkt des Festivals. Normalerweise nutzt man das Stadion und die Halle als Bühne und dazu dann das ehemalige Reichsparteitagsgelände als Zeltplätze. Das ganze wird jedoch vom Dutzendteich und vom „Doku-Zentrum“ (das ist die alte Reichsparteitagshalle) durchschnitten, so dass ein Festival der langen Wege entsteht. Dies lernten wir Freitag auch gleich kennen, als wir erst unsere Eintrittsbänder holten (nahezu ohne Wartezeit, das hab ich vor vier Jahren ganz anders kennen gelernt) und uns dann zur „Clubstage“ bewegten, wo „AK 4711“ das Festival eröffnen sollten. Die „Clubstage“ war ein Zirkuszelt, welches ganz versteckt am anderen Ende des Geländes lag als der Haupteingang und die Hauptbühne. So begann erstmal ein gut 2 km langer Marsch durchs Gelände. Was dabei auffällt: Zwar kann man richtig cool am Hang zelten, aber wirklich geschlossene Zeltplätze mit dem entsprechenden Feeling fehlen hier. Leider auch ein Manko von RiP ist, dass einige Leute einfach zu betrunken und schon Freitagmittag ein Totalausfall sind. Und dabei meine ich nicht so Typen wie der eine, der vollkommen nackt vor seinen Freunden rumsprang. Der hatte beinah die Figur, um das zu machen. Trotzdem reagierte die Damenwelt eher belustigt als begehrend.
Die Clubstage, wenig Leute hatten sich eingefunden, aber es gab Getränke, und so wartete man auf die erste Band. Wie schon letztes Jahr beim Hurricane möchte ich meine Kritik in kleine Unterspalten aufteilen „Musikrichtung“, „Typische Ansage“, „Wie wars?“. Das werde ich für alle gehörten Bands machen, wobei Musikkritik noch subjektiver ist als die Bewertung von Fussballspielern.
Bandname: AK 4711
Musikrichtung: Schlampenrock
Typische Ansage: Wer von euch hat schon mal ein AK 4711 Konzert gesehen?
Wie wars? Es gibt ungefähr keinen undankbareren Job für einen Musiker, als ein Festival auf der kleinsten Bühne am ersten Tag eröffnen zu müssen. Leeres Zelt und die Leute noch nicht wirklich in Feierlaune. Trotzdem präsentierten sich die vier Damen gutgelaunt und spielfreudig. Hinzu kam, dass sie eine schöne Mischung aus Tanzmusik und Punk machen und mit diesem „Ichbinsexyfrau“ sehr überzeugend spielen können. Lohnt sich!
Okay, das war dann die Clubstage für dieses Jahr RiP, denn diese wurde nicht wieder besucht, stattdessen begab man sich auf den langen Weg zur „Centerstage“. Diese war malerisch in einem kleinen Parkstück gelegen und wirklich hübsch. Jedoch muss man eine Sache bei RiP kritisieren: Es gab viel zu wenig Klos auf dem Gelände, und auf dem eigentlichem Festivalgelände gab es nur Dixies, Wassertoiletten sollten dazu noch 50 Cent kosten. Das ist und bleibt eine Frechheit, und das macht das Hurricane definitiv besser. Dementsprechend hat die Parkanlage natürlich richtig viel Urin über das Wochenende geschluckt. Falls die Stadt Nürnberg das Festival behalten will, sollte sie sich hier schnellstens in ihren Auflagen was einfallen lassen und es für den Veranstalter schlichtweg zur Pflicht machen, genügend Toiletten UMSONST bereit zu halten.
Zu den Kaiser Chiefs schreibe ich nun fairerweise nix, da wir nur die letzten vier Lieder gesehen haben, die waren aber klasse.
Bandname: Sportfreunde Stiller
Musikrichtung: Deutschrock
Typische Ansage: Wie hast du mich genannt? Geile Sau? Das darfst du natürlich.
Wie wars? Ne, irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Grossartige Lieder teilweise. Teilweise einfach nur deutschtümelnde Scheisse, eigentlich ganz locker am rocken, aber doch immer etwas arrogant rüberkommend. Und wenn meine Gastgeberin mir erzählt, dass sie Konzertanfragen ihrer Landjugend nicht mal beantworten können, dann finde ich das ganz schön schwach. Der Auftritt war okay, aber die labern zu viel für einen Festivalauftritt.
Pause. Luft holen, eben noch einen Platz rechts der Bühne unter einem Baum gehabt, nun wurde der Lieblingsplatz eingenommen, direkt am Mischpult an der Seite. Vorteil: Gedrängel ist nur von einer Seite möglich und man hat einen guten Blick auf die Bühne und einen guten Sound. Für mich kam noch hinzu, dass ich so mal mein frisch gespritztes Bein entlasten konnte.
Bandname: Franz Ferdinand
Musikrichtung: Frauenzumtanzenbringenpop
Typische Ansage: Kann keine Erinnern
Wie wars? Alex ist ne geile Sau. So können auch nur Briten (ich hätte jetzt beinah Engländer geschrieben, was bei einer schottischen Band ein ziemlicher Fauxpas gewesen wäre) sein. Cool wie Scheisse und rocken die Heide. Schwerpunkt der Lieder war auf das erste der zwei Alben gelegt (nur vier Lieder vom 2. Album), ein Fakt, der mich doch überrascht hat. Ansonsten musikalisch und stimmungsmäßig einfach nur gut.
Pause. Vor uns eine Dame im „gesetzten“ Alter, die ihre Tochter dabei hatte. Depeche Mode Fan? Wahrscheinlich, dachten wir uns. Ansonsten sehr viel Junggemüse, was wahrscheinlich mit solcher Musik nix anfangen kann. Wenn mal jemand älter war, dann glänzte er wahrscheinlich mit einem „Depeche Mode“ Shirt.
Bandname: Placebo
Musikrichtung: Düsterrock
Typische Ansage: Dankeschön „We play many songs from our new album“
Wie wars? Gut. Ich mag sie als Clubband lieber, aber leider hat der Erfolg sie aus diesem Bereich herausgetragen. Schwerpunkt der Lieder war auf dem neuen Album, aber a. ist das nicht schlecht, und b. ist das normal. Brain ist auch ne geile Sau. Er ist etwas runder (wenn man das bei dem Hungerhaken so sagen kann) geworden, was dazu führt, dass er noch weiblicher wirkt. Ansonsten präsentierte sich die Band teilweise etwas zu routiniert, aber insgesamt ein gelungener Auftritt. Und wer würde den schon von der Bettkante stossen?
Pause. Es leerte sich. Viele der Jungen verschwanden. Die Security am Mischpult war insgesamt relativ entspannt. Natürlich auf die Einhaltung der Regeln (nicht auf Gitter setzen etc.) bedacht, aber beim Rausholen der „Crowdsurfer“ mit einem Lächeln im Gesicht und teilweise noch mittanzend. Nur einmal als ein Typ ohne Berechtigung in ihren Bereich kam, wurden sie aus meiner Sicht zu schnell hektisch.
Bandname: Depeche Mode
Musikrichtung: Syntie-80ermucke
Typische Ansage: This is the first song we ever recorded
Wie wars? Geil! Dave ist die geilste Sau von allen. Natürlich kommt er in einer Halle, wo er Oberkörperfrei machen kann und seinen Hüftschwung richtig fett einsetzen kann, noch besser, aber die Jungs scheinen wieder Spass am Spielen gefunden zu haben und bringen alles mit: gute Musik, gute Show (die Videoshow ist einfach genial) und eine nette Aura. Und dabei wird fröhlich durch alle Epochen gesprungen, die diese Band hat.
Feierabend. Mein Knie liess einen Besuch bei Turboenegro nicht zu. So strömten wir gen Ausgang. Hier war erneut ein Organisationsmangel bemerkbar. Für öffentliche Verkehrsmittel war nicht gesorgt. Sowohl Straßenbahn als auch Bus machten Dienst nach Vorschrift. Nicht nur, dass dies dazu führt, dass nach dem letzten Konzert gar nix mehr fährt, nein es führt bei einem Zwanzig-Minuten-Takt auch schon vorher zu komplett überfüllten Bussen. So kam man noch zu ungewolltem Körperkontakt. Gut, irgendwann waren wir zu Hause, und ich konnte mein Sofa ausgiebig nutzen.
Eine Schwäche des diesjährigen Lineups war für mich der Samstag. Ich kann ja so gar nix mit „NuMetal“ anfangen, und dementsprechend sagen mir Bands wie Korn oder Tool so ja gar nix. Aber genau diese bildeten den Hauptteil des Lineups. Und auf der „Alternastage“ waren Bands angesagt, die ich absolut nicht kannte. Nun gut, dann hört man mal so rein. Aber erstmal gab es ein super leckeres Frühstück, welches absolut genossen wurde.
Erstmal entdeckten wir auf der Centerstage unseren neuen Lieblingsplatz, denn das Gelände endet in einem grasbewachsenen Hügel. Da kann man perfekt sitzen und über die Köpfe die Bühne beobachten. Nur der Becks-Laster störte etwas, da er Aufbauten hatte, über die man nicht gucken konnte.
Bandname: Alice in Chains
Musikrichtung: Metal
Typische Ansage: Nix mitbekommen
Wie wars? Bin ich nicht mit warm geworden. Mag super gewesen sein, aber mir ging das irgendwie nicht rein. Nach ungefähr fünf Liedern haben wir beschlossen, dass wir mal die Alternastage probieren.
Spaziergang. Die Alternastage ist nicht ganz so schön gelegen. Der Vergleich mit einem leeren Heiligengeistfeld drängt sich auf, sprich eine leere Steinfläche. Aber auch hier fanden wir einen schönen Platz und trafen sehr schnell auf bekannte Gesichter, hatten doch auch Kollege Ollio und seine Gang den Weg nach Nürnberg gefunden.
Bandname: The Zutones
Musikrichtung: Britisch
Typische Ansage: ?
Wie wars? War nett, aber irgendwie ist mir nix im Gehör geblieben
Bandname: The Editors
Musikrichtung: Wave
Typische Ansage: Viel mehr als „Dankeschön“ kam da nicht
Wie wars? Schön. Einfach klassischer Wave mit schöner Stimme, dazu kamen die noch relativ sympathisch rüber. Ich glaub, ich kauf mir ne Platte.
Pause. Es werden Bandtips ausgetauscht, gelabert, Erlebnisse getauscht.
Bandname: Kaizers Orchestra
Musikrichtung: Gute Frage
Typische Ansage: „We sing in norwegian"
Wie wars? Skurril. Da werden zwei Ölfässer und eine alte Orgel auf die Bühne geschleppt, und der erste Musiker kommt im weissen Anzug mit Gasmaske an auf die Bühne, setzt sich an die Orgel und orgelt los. Danach kommen die anderen, spielen komischen Rock und singen norwegisch. Aber irgendwie cool.
Pause. Das Gesehene musste verdaut werden. Glücklicherweise hatte meine Gastgeberin eine Decke mit, und so konnte ich immer mal wieder sitzen. Auch wenn Aufstehen für einen Menschen mit einem kaputten Knie und Übergewicht immer ein Drama ist. Neben uns sass nebenbei eine komplette Familie. Mutter und Vater im Turbojugendshirt, die Söhne beide in Metalkutten (wie wir später erfuhren, 9 und 14 die beiden), lustig. Haben für alle vier vollen Eintritt bezahlt, sprich war ein Kurzurlaub. Wie meinte ich dazu: „Wenn man gegen diese Eltern rebellieren will, dann muss man Klassik hören."
Bandname: Juliette & The Licks
Musikrichtung: Rock
Typische Ansage: Germany
Wie wars? Mag ja eine tolle Schauspielerin sein, aber die Musik war schlichtweg langweilig.
Kurz gesagt, es war wieder mal Wandern angesagt. Besuchen wir doch mal die Hauptbühne. Es wurde voller, und die Bühne war auch schon ziemlich voll. Trotzdem reagierte die Security eigentlich sehr entspannt auf alles. Auch die Eingangskontrollen waren eher der entspannten Art. Wirklich gefilzt wurde man eigentlich auch nie.
Bandname: Korn
Musikrichtung: NuMetal
Typische Ansage: Ansagen? Solche Typen machen keine Ansagen. Die ersten gesprochenen Worte zum Publikum waren irgendwas mit „Hands in the air“ bei einem der letzten Lieder. Vor der letzten Zugabe gab es dafür noch einen Roman an Worten, den ich aber nicht verstanden habe.
Wie wars? Vom Hügel aus genossen. Die Fans vorne gingen gut ab, muss also ein guter Auftritt gewesen sein. Ich kann mich für die Musik absolut nicht erwärmen.
Pause: Vor dem Hügel spielten Typen mit einem Football und auch die typischen „wir daddeln mal mit einem Stoffball“-Typen, die eigentlich auf jedem Festival anzufinden sind, fanden sich hier. Es fing leicht an zu regnen, aber unter Beschwörung aller höheren Mächte konnte ein wirklicher Regenguss vermieden werden.
Bandname: Tool
Musikrichtung: NuMetal
Typische Ansage: Ansagen? Was ist das?
Wie wars? Komisch. Auf den Videoschirmen wurden keine Bilder von der Bühne gezeigt, sondern Videoanimationen, die stark an den Mediaplayer von Windows erinnerten. Der Sänger auch nicht angestrahlt, sondern hinten im Dunklen stehend. Für Fans vielleicht sehr interessant, aber für jemanden, der nur reingucken wollte, war das gar nix.
So machte man sich auf zur Nebenbühne. Hier wurde der nächste Organisationsmangel deutlich. Der Ausgang war viel zu dunkel. Und dann endete der Hauptausgang direkt vor einer Hecke auf einem kleinen Weg. Irgendwie logisch, dass in die Hecke schon ein Trampelpfad geschlagen war.
Bandname: Pharrell
Musikrichtung: Soul HipHop
Typische Ansage: All the women in this bulding, oh it’s not a bulding
Wie wars? Nicht meine Kanne Musik, aber der zog alle Sachen durch, die man so auf der Bühne machen muss, um ein Publikum zu begeistern. Mit dem Publikum spielen, am Ende noch Mädels auf die Bühne holen etc etc. Auch die Band war gut, und singen kann der Typ auch noch. Aber halt meine Kanne Musik nicht.
Pause: Wir standen am Mischpult, und auch nun füllte sich die Alternastage nicht wie erwartet. Ich hatte nun richtig Auflauf für Bela B erwartet, aber in dieser Richtung passierte nicht viel. Es war nett gefüllt, aber nicht richtig packend voll.
Bandname: Bela B.
Musikrichtung: Roggnroll
Typische Ansage: „Bela, Bela, Bela“
Wie wars? Erstaunlich gut. Seine Musik ist viel ernster als die der Ärzte, aber insgesamt machte das Konzert Spass. Ob man sich nun das Machoding leisten muss, seine Backgroundsängerin als dumme Sekretärin in einem knappen Rock zu verkleiden, sei mal dahingestellt, aber sonst war es ein grundsolider Auftritt. Die jungen Herren, die am Ende „Wir wolln die Ärzte sehen“ brüllten, waren absolut in der Minderheit.
Feierabend, eine Bahn fuhr nicht mehr, und so machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi. Relativ schnell gefunden. Leider fanden wir ein Taxi, welches folgendes Schild vorne hatte: „Es fährt sie Michael Schumacher“. Hammer mit 80 durch die 30er Zone und frei nach der Devise: Was interessieren mich Vorfahrtsregeln?
Sofapause...
Das geniale Frühstück, und dann ging es wieder entspannt zum Festivalgelände. Diesmal direkt zur Alternastage, denn Dresden Dolls wollte man schon sehen.
Bandname: Dresden Dolls
Musikrichtung: Gute Frage. Avantgarde?
Typische Ansage: Wollt ihr ein Lied auf Deutsch hören (in einem süssen Deutsch mit amerikanischen Akzent
Wie wars? Begeisternd. Da sitzt ein Kerl am Schlagzeug, eine Dame am Keyboard, es werden keine Samples (oder nur wenige) genutzt, und trotzdem füllt der Sound das ganze Feld. Cool
Pause: Erwähnte ich schon, dass die wieder so Ansagetypen für die Bands hatten? Mann, waren die schlecht. Der auf der Alternastage kam immer auf die Bühne und sagte: „Unglaublich, ihr habt schon xy Stunden gerockt. Seid ihr noch gut drauf?“ Auf der Hauptbühne war ein Mädel, das in ihrer Begeisterung nur die Stimme überschlug. So etwas ist nervig.
Bandname: Babyshambles
Musikrichtung: Britpop
Typische Ansage: Schni-schna-schnappi (ohne Scheiss zwischen den Liedern gesungen)
Wie wars? Ist der nun den Hype wert? Ich weiss nicht. Definitiv ist dieser Mensch schlichtweg drogenkrank, denn seine Anwesenheit beschränkte sich ziemlich auf das Körperliche. Geistig wird der nicht viel mitbekommen haben. Die Musik ist sehr schön, aber singen kann der auch nicht wirklich. Der Höhepunkt war, dass er am Ende das Mikrofon inklusive Kabel in die Masse warf, was zu einem fröhlichen „Plopp“ führte. Und als die Ordner es wieder auf der Bühne hatten, warf er es nochmal. Aber auch diesmal kam es zurück.
Pause: Okay, Hamburger kommen. Rein ins Pit. Schön nah an die Bühne, in der Ferne muss man ja Hamburger unterstützen.
Bandname: Tomte
Musikrichtung: Hamburger Schule / Grand Hotel van Cleef
Typische Ansage: Es ist schlimm (er nutze ein anderes Wort), wie die Boulevardpresse diesen Mann ausschlachtet (bezogen auf die Babyshambles)
Wie wars? Gut. Tomte hat eigentlich nur eine Schwäche: Der Mann kann nicht singen. Aber live kommt seine Stimme viel besser, und so hatten wir ordentlich Spass.
Pause: O und Konsorten machten sich schon auf zur Hauptbühne, wir wollten noch bei Paul Weller reingucken. Okay, nach drei Liedern wussten wir: Nix für uns. Also zur Hauptbühne.
Den üblichen Platz auf dem Hügel eingenommen und auf Reamonm gewartet. Ollio outete sich noch als Fan, aber richtig ins Pit zum rocken wollte er auch nicht.
Bandname: Reamonn
Musikrichtung: U 2 für Arme
Typische Ansage: Show me your fuckin hands
Wie wars? Ne, da hat der Planer dieses Festivals den Jungs echt was angetan. Da steht eine lechzende Metalmeute und wartet auf Metallica, und Vorband sind diese Hardpopper. Das kann nicht gut gehen. Dementsprechend kam überhaupt keine Stimmung auf, da konnten die sich noch so mühen. Und wirklich schlecht waren die nicht. Ihr Liedmaterial brachten die gut rüber. Aber es kam keine Stimmung auf, und so gingen die wohl etwas frustriert ohne Zugabe und mit dem Satz „Viel Spass bei Metallica“
Pause: Wir gingen nach vorne. Metallica, was erwartet uns? Überhaupt alte Lieder? Stoff von der neuen Platte? Spannung.
An einem Weinstand fanden wir Platz mit gutem Blick auf die Bühne und direktem Weg zu Getränken und ich nehme es vorweg: Es wurde eine grosse Party.
Bandname: Metallica
Musikrichtung: Nomen est omen
Typische Ansage: You know this album
Wie wars? Unglaublich
...
Okay nochmal in lang: Fiktiver Dialog im Metallica-Proberaum: „Hey Jungs, was ist mit Tour dieses Jahr?“ - „Geht nicht, wir müssen die neue Scheibe aufnehmen“ *kollektive Enttäuschung* „Hey, lass uns doch zur Auflockerung der Studioarbeit ein paar Shows in Europa auf den Festivals machen?“ *Begeisterung* „Nebenbei wird dieses Jahr „Master of Puppets“ 20 Jahre alt, lass uns das Album bei der Show einfach vom ersten bis zum letzten Lied spielen!“ *Erstaunen* „Und lass uns 15 Jahre Bandgeschichte ignorieren, nämlich die letzten 15.“
So wurde es gemacht, es wurde kein Lied gespielt, was nach dem „Black Album“ erschienen ist. Und in der Mitte der Show wurde wirklich einfach das „Master of Puppets“-Album von Battery bis Damage Inc. gespielt, inklusive des Instrumentalstückes Orion. Für Fans – wie mich – ein Fest. Für Freunde der Spätarbeit von Metallica eher langweilig. Aber da das Feld rockte, waren wohl die Fans in der Überzahl. Und die Herren sind so Mitte 40, und die Energie, die Ulrich, Hetfield, Hammond und der neue Bassist auf die Bühne bringen, ist schier unglaublich. Es war einfach nur geil. Emotionaler Höhepunkt war letztendlich das „Seek and Destroy“ am Ende, was lauthals vom Publikum mitgebrüllt wurde. Geil, Geil, Geil. Definitiv eins der besten Konzerte, die ich jemals gesehen habe. Und Dienstag hab ich mir erstmal wieder das Master of Puppets Album zugelegt, hatte ich früher nämlich nur als Kassette.
Nun nach Hause? Ging nicht, ich hätte nie schlafen können. So wanderten wir in Richtung Alternastage. Die Ausgänge waren komplett überfüllt, weil diese einfach zu eng sind, wenn ca. 50.000 Leute raus wollen. Dementsprechend wurden die Zäune niedergetrampelt, und es schlängelte sich ein riesiger Wurm in Richtung Zeltplätze. Nun musste also noch locker zu Jamiroquai ausgetanzt werden...
Bandname: Jamiroquai
Musikrichtung: Funk
Typische Ansage: Er hat was gesagt, aber erinnern kann ich es nicht mehr.
Wie wars? Man kann bei dem Typen nicht stillstehen. Der Typ hat einen Knall, aber die Band ist super, die Songs gehen ins Bein, und so konnte wirklich locker ausgetanzt werden. „I got canned heat in my heels tonight“ war für die Nacht mein Ohrwurm.
Feierabend, das wars. Taxi, Sofa, schlafen, aufwachen mit dickem Kopf, da doch Party zu Metallica, nach Hause fahren, auf dem Sofa TnT – St. Pauli sehen und ausspannen.
Franca, Franca und nochmal Franca für alles. Ollio und Gang für viel Spass und der Deutschen Bahn für das Hin- und zurückbringen.
... das Skandalurteil des Verwaltungsgerichtes Saarland (das ist nicht die richtige Bezeichnung), welches es für rechtmässig hält, dass ein 16jähriges Mädchen vor einem Stadion in einer Kabine, welche nicht absolut blickdicht war, komplett (!!! Unterhose bis zum Knie, BH hochgezogen) auszuziehen und von der Polizei untersuchen zu lassen. Dies ist ein Skandal. Mehr kann man dazu nicht sagen. Man kann nur hoffen, dass Geld für die nächste Instanz da ist und diese endlich mal wieder gesunden Menschenverstand walten lässt und nicht den Verfolgungswahn der Polizei. Diese begründet diese Handhabung, weil insbesondere unauffälligen Frauen Rauchpulver etc. gegeben wird. Jedoch ist bei solchen Durchsuchungen noch nie etwas gefunden worden. Also ihr wisst, was uns nächstes Jahr in Dresden, Magdeburg, Berlin oder Lübeck drohen kann
... die freudige Nachricht, die ich zuletzt verkünden will. Dieser Fanclub ist Vater geworden, denn unser jüngstes Mitglied heisst Lisa. Passend zu den Eltern war die Geburt wohl Punkrock pur, aber nun sind Mutter, Vater und