Norbert regt sich auf vom 14.8.2006 (!!!!)

 

über

Was soll man dazu schreiben?

oder

Null Tore, ein Punkt und viele Gründe, sich zu betrinken

Präskriptum

Es wird auch einen ausführlichen Bericht über die AFM-Versammlung geben, dieser wird aber Zeit in Anspruch nehmen und daher werde ich ihn erst nach diesem Spielbericht erstellen. Erleichternd ist, dass auch die 2. Mannschaft wieder ins Saisongeschäft eingestiegen ist, so dass man auch wieder entspannten Schanzenfussball geniessen kann. Dies ist in Zeiten des Abstiegskampfes mit der 1. Mannschaft um so wichtiger. Alles weitere nun in einem neuen NRSA.

Pinkelpause muss sein

Der Fanladen weigert sich diese Saison Sonderentlastungszüge zu stellen. Dies ist aus meiner Sicht eine gute Entscheidung. Vermasselt hat diese sinnvolle und bequeme Anreiseform die Polizei des Bundes, welche nach Essen unbedingt den Sonderentlastungszug begleiten musste und damit eine normale Fahrt mit allen Fangruppen vollkommen unmöglich machte. Aber anstatt aus diesen Fehlern zu lernen war in den Regelzügen nach Lübeck massig Polizei vertreten. Und bereits Freitag hatte die Polizei eine neue Lunte gelegt, drohte sie doch damit, überfüllte Züge zu räumen und rief deswegen extra im Fanladen an. Was lernen wir daraus? Ein Fehler wird nicht korrigiert sondern genutzt um noch mehr staatliche Gewalt und Repression anzukündigen. Gerade um diese Überfüllungen zu vermeiden hatte sich der Fanladen ja auf die Sonderentlastungszüge eingelassen. Hätte also auch nach Lübeck gut geklappt, wenn nicht irgendwelche Spinner bei der Polizei letzte Saison hätten Rambo spielen müssen. Selber schuld. Unfähigkeit ist das wenigste, was man der Staatsmacht immer wieder beim Umgang mit Fussballfans bescheinigen muss.

So machten sich die Allesfahrerassis mit dem Bus nach Lübeck auf. USP nutze den Regelzug und die kurzhaarigen Freunde des gepflegten Fussballs machten sich mit ihrem Bus bereits in aller Herrgottsfrühe in die Marzipanstadt auf.

Insgesamt fanden aber wirklich nur 1.500 St. Paulianer den Weg nach Lübeck, was nicht nur absoluter Minusrekord ist, sondern einfach erschreckend wenig. Über Gründe zu forschen ist schwierg, aber ich behaupte mal, dass alleine die Gewaltankündigungen der Staatsmacht uns mindestens 100 Mitfahrer gekostet haben.

Wir machten uns um 11 nach Lübeck auf. Bereits vor der Abfahrt wurde eine Pinkelpause vereinbart. Dies nicht, weil die Leute die 45 Minuten nicht durchhalten können, sondern weil es Lübeck auch im mindestens 10. Jahr Profifussball nicht geschafft hat, ein kleines Toilettenhäuschen in den Gästeblock zu bauen. Der Zustand der sanitären Anlagen vor Ort ist einfach nur als „peinlich“ zu beschreiben.

Netterweise war ich auf der Hinfahrt von den Veteranen auf einen Schuss Whisky-Cola eingeladen worden, so dass ich meine Alkoholvorräte unangetastet lassen konnte. Und dies obwohl mir doch ein ganzer Teil weggeklaut wurde. Ansonsten war die Hinfahrt vorbei, bevor man eigentlich richtig bequem im Sessel sass. So philosophierte man über den Vorteil von 16 Stunden Auswärtstouren und war kurz nach 12 in Lübeck. Hier noch alles ruhig und entspannt, so dass wir mit unserem Bus schnell hinter die Auswärtskurve gelangen konnten, wo uns anscheinend aber noch niemand so richtig erwartete, so dass die Polizei eher verwirrt guckte, wo denn nun unser Bus stehen sollte. So stellten wir ihn einfach mitten in den Weg und stiegen erstmal aus.

Nun galt es für mich meine Fotokarte zu besorgen, was gut gelang. Nicht ganz so gut gelang das bei unserem Ultrafilmer, der erst ohne Karte da stand, dann diese aber doch bekam, da sie einfach auf seinen persönlichen Namen hinterlegt war, was er nicht einberechnet hatte. Sehr nett in Lübeck ist, dass man zu der Fotokarte ein Lunchpaket bekommt, welches ohne Witz aus einem geschmierten Brötchen, einem geschmierten Brot, einem gekochten Ei, einem Joghurt und ganz viel Obst besteht. Da noch Zeit war, tingelte ich erstmal wieder zur Gästekurve, wo ich das ganze in Ruhe verzehrte.

Unsere dort vorhandene Schnackrunde wurde irgendwann aber durch Regen aufgelöst, so dass es mich ins Stadion zog. Während offiziell noch kein Einlass war (jetzt hatten wir eigentlich nur noch etwas über eine Stunde…), durfte ich schon ins Stadion, was sehr gut war, denn ein paar Sekunden später regnete es aus Eimern.

Ich bin sonst nicht der Typ, der die Annehmlichkeiten eines Presseplatzes ausnutzt. Nur da es schlichtweg in Kübeln goss beschloss ich erstmal auf der Tribüne zu verweilen. Und als der Wind auch dort das Wasser hinbrachte, verzog ich mich in Richtung Presse- und VIP Raum (Weichei! die Korr.). Nett gemacht mit Blick aufs Spielfeld, aber Getränke umsonst nur von 13:30 bis 16:30. Nun ja, wieder raus aus diesen Gefilden, die einem Fussballfan nicht gefallen können, und wieder in Richtung Spielfeld. Auffällig war, dass die Sponsorenlogen doch mit relativ vielen St. Paulisympathisanten (das Wort Fans verbietet sich hier) besetzt waren. Hat Lübeck im Land der Reichen und Schönen etwa nicht genug Fans?

Wo es uns aber definitiv an Mittel fehlt sieht man dort auch. Obwohl die nun wirklich nicht den Super-Service bieten hängen in der VIP-Loge all die ganzen Kleinsponsoren, die da Sitze haben. Und wenn man das zusammenrechnet dann können wir unsere 1000 Business-seats wahrscheinlich doch problemlos verkaufen.

Die Lübecker beschimpften erstmal Scharping, der das Ganze mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm. Sonst war es bis Anpfiff eher langweilig. Das sollte sich ändern. Beide Mannschaften kamen mit vollem Schwung aus der Kabine und eigentlich waren unsere Helden in den ersten drei Minuten besser. Meggle hat eine schöne Einschussmöglichkeit auf dem Fuss, wird geblockt. Dann der Gegenzug. Eigentlich schon geklärt, der Lübecker ist in einer Position aus der man unmöglich schiessen kann, der hält drauf und drin ist er. Absolut unhaltbar. Und wenn der Spinner heute in den Zeitungen behauptet, dass sei gewollt gewesen, dann kann man nur den Kopf schütteln. Das war ein solcher Zufallstreffer. Wie sagte unser Pressesprecher so schön in der Halbzeit? „Den trifft er einmal im Leben“. Normalerweise hatte ich jetzt bei unserer Mannschaft eigentlich eine mindestens 30 minütige Auszeit erwartet, aber nein, es wurde weiter gut gespielt, das hohe Tempo von Lübeck wurde angenommen und das Mittelfeld auch gut überbrückt. Dann Freistoss. Takyi läuft an. Und hier genau war der Unterschied: sein Ball geht gegen den Pfosten. Die erste Halbzeit war das Tempo noch hoch, aber Fakt ist, dass wir uns viel zu wenig Chancen aus der spielerischen Überlegenheit erarbeiten. Das liegt auch insbesondere daran, dass einfach Flanken und Standards bei St. Pauli harmlos und extrem harmlos sind. Die zweite Halbzeit war dann viel langsamer, aber auch hier waren die Standards einfach so etwas von harmlos. Wir hatten in der Schlussphase mindestens noch vier Ecken und die wurden teilweise so etwas von einfach geklärt. Da konnte der Abwehrspieler den Ball rausköpfen ohne dass ein Angriffspieler auch nur in der Nähe des Balles stand. Und so etwas kann man doch eigentlich im Training üben? Auch ein Techniker wie Takyi schlägt einfach absolut blinde Flanken. Und durch die Mitte ging noch weniger. Gute kurze Pässe in die Spitze werden beinah gar nicht gespielt.

Fakt ist: Wir haben kein Abwehrproblem, nein, wir haben ein Sturm- und Mittelfeldproblem. Technische Überlegenheit wird nahezu gar nicht in Chancen und gefährliche Pässe umgesetzt. Und wir haben einfach nicht die Clevernis solche typischen 0-0 Spiele einfach mal 0-0 zu spielen. Oder auch 1-1. Das war schon letztes Jahr das Problem und das ist dieses Jahr nicht anders.

Zur roten Karte nur soviel: Schön dumm so dahin zu gehen, Rot vollkommen berechtigt. Was Hirsch da abzieht ist eine so unsportliche Schauspielleistung, dass man nur begrüssen könnte, wenn auch er schlichtweg gesperrt wird. Sich noch die falsche Wange zu halten ist einfach nur schlecht.

Stimmung? Von Lübecker Seite einfach nur peinlich. Zwei mal Wechselgesänge und ansonsten weniger Gesang als bei uns bei einem 0-3. Auf St. Pauliseite eigentlich ganz gut (wenn man mal das etwas langweilige Spiel in der 2. Halbzeit einbezieht), USP mal wieder mit alten Dingen, der Junge auf dem Zaun macht das ziemlich gut. Warum macht der nicht auch Heimspiele? Nur: Lasst die Trommel weg. Zuviele Leute stören sich extrem daran und da wäre es ohne wahrscheinlich besser.

Feierabend, back to the Bus. Dort in Kürze sich auf das Niveau von einigen Haupttribünenbesuchern getrunken ;-) Noch länger auf Veteranen gewartet und nach Hause gefahren. Im Jolly noch den Rest der Gehirnzellen in Alkohol eingelegt und nach Hause gefahren.

The day after

Sonntag dann mit dickem Kopf zu den Amateuren. Die spielten auch nur 0-0, wenn auch etwas gefälliger als die Profis. Ich denke aber, dass dort ein Team heranreift, welches zumindest nix mit dem Abstieg zu tun haben sollte. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, ausser dass der Amateur zum ersten Mal Verluste gemacht hat und ohne Lektor (der krank war) auch ohne Deutsch auskam. Aber das mit dem Verlust mag auch daran liegen, dass am Millerntor gespielt wurde. Irgendwie gehören die Amateure eben doc