Norbert regt sich auf vom 11.9.2006 (!!!!)
über
Sagt mal, was haben wir eigentlich gegen Bayern gemacht?
oder
Zumindest waren wir der letzte Vertreter Hamburgs im DFB Pokal
Der letzte Bericht auf dieser Seite liegt 14 Tage zurück. Dies liegt daran, dass ich zwischenzeitlich mal andersweitig beschäftigt war und auch auf meiner Fortbildung keine Zeit gefunden habe, etwas zu schreiben. Daher kann ich nur in einem Nachwort zu diesem Bericht auf das Union Spiel eingehen. Dies umso mehr als dass auch die Bildbearbeitung hinterherhängt und morgen ja bereits das nächste Spiel ansteht.
„Hey, Phil, was machen wir eigentlich gegen Bayern?“ war eine schon beinah lieb gewonnene Begrüssungsformel zwischen mir und den Millerntoristen. Nach der Auslosung hatten wir uns sofort bei Sven angemeldet, dass wir was machen, jedoch hatten wir sehr lange gar keine Idee, was wir denn nun eigentlich machen sollten. Dies liegt zum einen daran, dass unsere Haupttribüne sich nicht wirklich eignet um Bilder auszulegen, zum anderen daran, dass wir auch keine fetzige Idee für einen Spruch hatten.
Irgendwann kam irgendwer auf die Idee den Werbespruch des ZDF abzuändern und einfach „Mit dem Zweiten siegt man besser“ als Spruch zu machen. Hatte den Vorteil, dass man bei einem Einzug in die 2. Runde wahrscheinlich in jedem Highlightfilm des ZDF gewesen wäre... Dazu wollten wir dann die Tribüne einfach nur braun-weiss auslegen, wobei wir irgendeine diagonale Teilung vornehmen wollten.
So, unsere Ideenlosigkeit gut gerettet, traf man sich also am Spieltag um 13:30 zum Aufbau. Jedoch auch schon vorher war ich unterwegs, so dass ich für ein Spiel um 20:20 das Haus bereits um 9:00 Uhr verlies. Vor dem Choreobeginn musste ja noch der Amateur abgeholt werden und die Choreoanweisungszettel kopiert werden. Letzteres besorgte unser Amateurdrucker in bekannt gekonnter Manier, so dass ich hier mal hemmungslose Werbung für Kafaii im Hauptbahnhof machen muss!
In der Zwischenzeit wurde noch kurz Ilona zum Triathlon-Erfolg geklatscht und dann ging es auch schon zum Stadion. Wo nebenbei auch die USPler schon früh auf waren und sich mit der Schickeria München trafen.
Der Aufbau ging dank fleissiger Helfer flott und unproblematisch von der Hand. Vielen Dank an alle Beteiligte. So blieb nach dem obligatorischen Poserfoto (diesmal natürlich in „Mit dem Zweiten sieht man besser“-Haltung) Zeit genug, Essen zu gehen. Interessant, dass bereits um 16 Uhr der Bayern Bus die brisante Kurve hinter der Süd nahm, anscheinend um schon mal Material abzuliefern. Dann also Essen und machten uns gut genährt auf zum Fanladen. Hier tummelte es sich schon gar heftig, aber ohne Probleme ging es zum Tresen um die Karten für den Ligaalltag abzuholen. Insgesamt war ich noch überhaupt nicht in Spielstimmung, insbesondere da ich fest mit einer Klatsche rechnete.
Vor dem Stadion wurde die Freibeuterin erstmal mit einer Karte versorgt, so dass sie ihr letztes Spiel als Hamburgerin live im Stadion gucken konnte. Karten ist sowieso ein gutes Thema. Kein freier Verkauf, nur Verlosung für die Mitglieder waren die Regularien. Dabei konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass soviel Nachfrage bestehen würde. So war es auch nicht verwunderlich, dass am Spieltag noch Südkurventickets zu kaufen waren, die von den Jugenden zurückgekommen waren. Ich hoffe nur, dass der Verein die noch alle verkauft hat, sonst wäre es ein wirklich ärgerlicher Einnahmeausfall. Zwar nur im Bereich von ein paar hundert Euro, aber auch Kleinvieh macht Mist. Noch eine Bemerkung zu den verlangten Eintrittspreisen: Die waren erneut unverschämt und der Verein sollte sich mal seiner sozialen Verantwortung bewusst werden und überlegen, ob er wirklich die Preismöglichkeiten bis zum äussersten Rand ausnutzen muss. Insbesondere, da wir nun ja nicht mehr finanziell am Abgrund stehen.
Nun aber ab ins Stadion. Dies war letztendlich gut gefüllt, aber nicht überfüllt, wie es letztes Jahr der Fall war. Sehr schön war Falko, der morgens die Bayern-Karte von seiner Pinnwand abnimmt, bereits die Körperkontrollen am Millerntor überwunden hat und dann feststellt, dass er die Bayernkarte vom letzten Jahr mitgenommen hat und die neue Bayernkarte noch warm und trocken zu Hause liegt. „Gut, dass ich nicht in Düsseldorf wohne“ war sein einziger Kommentar. Nun ja, er fand sich gut bei uns ein und dementsprechend war für Spass und Unterhaltung gesorgt. U.a. stellte er bereits vor dem Spiel fest, dass wir ja mal wieder der letzte Vertreter Hamburgs im DFB-Pokal waren.
Die Choreo klappte gut und hat auch super ausgesehen. Das gilt garantiert auch für die USP-Blockfahne + Konfetti-Fahnenchaos. Hatte ich bis zu diesem Moment überhaupt keine Einstellung zum Spiel so änderte sich dieses unter der Blockfahne schlagartig. Und das wegziehen der Blockfahne kam einer Explosion gleich.
Die Stimmung war einzigartig, auch wenn die Wechselgesänge gar nicht klappten. Das lag aber, glaube ich, an der lauten Anspannung aller Tribünenteile. Selbst der Kuchenblock stand immer wieder minutenlang auf den Sitzen. Und die Stimmen am Sonntag an der Sternschanze zeigten, dass wirklich alle alles gegeben hatten.
Das kann man auch von der Mannschaft sagen, die in der 1. Halbzeit den vermeintlichen Deutschen Meister vorführte. Das war ein Klassenunterschied. Aber Bayern war eine Klasse schlechter. Und muss sich bei einem gut aufgelegten Rensing und unserer schon beinah legendären Abschlussschwäche bedanken, dass es nur mit einem 1-0 in die Kabine ging. Und hier war der Knackpunkt. St. Pauli hatte gerade seine beste Halbzeit seit mindestens 5 Jahren gespielt, hatte sich aber nur mit einem 1-0 belohnt. Und jedem im Stadion war klar, dass man dieses Tempo nicht 90 Minuten gehen konnte.
Aber alleine der hochrote Kopf von Hoeness wird mich noch Monate grinsen lassen. Mann, war der sauer. So wechselte er dann auch Podolski für Makaay ein, der ca. 40 Sekunden später zeigte, dass die Entscheidung, ihn ursprünglich draussen zu lassen, falsch war. Nun war Bayern absolut überlegen und es bleibt Paddy Borger zu verdanken, dass wir nicht ein gepflegtes 5-1 kassiert haben. Bayern war ständig alleine durch und scheiterte am eigenen Unvermögen und an einem überragenden Torhüter. Nach 90 Minuten hatten wir keine Torwartdiskussion mehr und ich formulierte gedanklich schon meinen Beitrag im Forum, in dem ich gewissen Leuten einen schnellen Wechsel zum Lokalrivalen oder in andere Höllen nahe legen würde. Nun ja, dann kam der Bock und nun sind wieder die Schlaumeier da, die ihn ja die ganze Zeit unsicher gesehen haben und nur von Glück sprechen in den Aktionen vorher etc. etc. etc. Genauso unsinnig finde ich ja Beiträge wie „Mit Bene hätten wir schon nach 90 Minuten verloren“ oder „Mit Reus hätten wir gewonnen“ Zum einen ist das vollkommen hypothetisch und zum anderen vollkommener Schwachsinn. Vielleicht noch ein Wort zu Reus: 1. Mag ein netter Kerl sein aber 2. ein komplett unsinniger Einkauf, da letzte Saison an genügend Gegentoren beteiligt (der stand immerhin in der Schiessbude der 2. Liga) und definitiv niemand, der besser ist als Paddy und Bene ist. Sprich 3. rausgeworfenes Geld und 4. erneut kein Zeichen, dass man unseren Torhütern helfen will, sicherer zu werden. Denn wenn man Paddy die ganze Woche per Zeitung kommuniziert, dass ja Reus spielt, dann muss man sich über Unsicherheiten nicht wundern. Selbst wenn diese erst in der 105. Minute kommen. Hier hat die sportliche Leitung es schlichtweg komplett versäumt durch klare Ansagen an die Presse „Paddy spielt, egal ob wir Reus verpflichten“ für Sicherheit und für Klarheit zu sorgen. Und Sprüche wie „Das ist ein Profi, damit muss er umgehen“ sind gepflegter Schwachsinn. Ihr seid auch alle Profis in eurem Job, aber würdet ihr eure beste Leistung bringen, wenn euer Chef indirekt immer kommunziert, dass er euch bald durch einen Besseren ersetzt?
Nun ja, nach 90 Minuten war bei uns noch Zeit für Sprüche a la „Warum haben wir ein Torwartproblem, wenn dies nur die Nr. 2 ist?“ Und nach 120 Minuten muss man feststellen, dass unsere Torhüter natürlich weder mental noch körperlich richtig trainiert sind, nicht richtig unterstützt werden und wir die ganze Saison ein Torwartproblem haben werden, egal ob da nun Paddy, Bene oder Reus im Tor steht. Bla bla…
Zu sonstigen Spielern: Endlich war Meggle mal der Antreiber, den man sich die ganze Saison von ihm gewünscht hat. Zwar ging seine Formkurve schon gegen Union nach oben, aber gegen Bayern war er absolut überragend. Und endlich klappte das Zusammenspiel mit Boll und Schultz perfekt. Leider musste Schultz viel zu früh raus, denn auch der spielte eine überragende Partie. Etwas ab fiel Luz. Nicht weil er schlecht gespielt hat, sondern weil er im System einfach in der Luft hängt. Er kämpft wie Sau, aber er wird viel zu häufig im Mittelfeld angespielt und läuft auch viel zu häufig im Mittelfeld rum. Wenn hier mal jemand mit ihm an Laufwegen und Taktik arbeiten würde, dann könnte er noch 100 mal besser werden. Und obwohl er teilweise so viele uneffektive Wege ging, hatte er in der 1. Halbzeit der Verlängerung noch beinah das 2-1 auf dem Kopf, aber leider rettete van Buyten. Als absolute Verstärkung entpuppt sich immer mehr Carsten Rothenbach. Der wird von Spiel zu Spiel stärker und spielte auch gegen Bayern klasse. Gleiches gilt für Lechner.
Trotzdem: Wir haben verloren und das ist absolut enttäuschend. Wie sagte mein Lieblingsschweizer so schön „Ich hasse ehrenvoll verlieren“. Zwar hat sich Bayern auf die Knochen blamiert, aber wenn die am Ende den Pokal in den Händen halten, dann wird niemand mehr davon sprechen. Ich gewinn lieber 100 mal unverdient, als dass ich einmal unverdient verliere.
Nun gilt es trotzdem den Schwung in die Regionalliga zu retten und 6 Punkte aus den nächsten beiden Spielen zu holen. Nur so ist die Saison noch zu retten. Falls das nicht passiert ist die Saison vorbei und wir können uns auf die nächste konzentrieren. Insbesondere da wir nächstes Jahr höchstwahrscheinlich nicht im DFB-Pokal spielen werden, denn am 7.10. ist der Lokalrivale haushoher Favorit (man gucke sich nur die Tabelle an) und wird uns wahrscheinlich auch aus dem Oddsetpokal werfen. Gut, dass ich an diesem Tag auf einer Hochzeit weile.
So war dies wahrscheinlich auch die letzte schöne Pokalnacht für ein paar Jahre. Nun sind wir nicht mehr Pokal.
Was sich die Polizei nach dem Spiel leistete kann man kurz nur als Skandal bezeichnen. Man fragt sich in diesem Zusammenhang, warum es so etwas wie „Szenekundige Beamte“ gibt. Da stehen ca. 200 Polizisten mit Helmen am Ausgang Telekomgebäude im Spalier um USP zu empfangen, so dass alle ablaufenden St. Paulianer durch eine dichte Polizeiallee mussten. Warum, dass bleibt vollkommen unklar, insbesondere da ein Spiel gegen Bayern ja nun wirklich nicht als Risikospiel qualifiziert werden kann (insbesondere da die vermeintlich gefährlichen Gruppen miteinander befreundet sind). Fehlte eigentlich nur noch, dass die Polizei Räumpanzer und Wasserwerfer aufgefahren hätte. Hier werden Steuergelder verschwendet. Insbesondere die Stellen der angeblich Szenekundigen Beamten kann man ersatzlos streichen wenn man sowieso zu jedem Spiel mit Kräften anrücken will, die auch für einen mittleren Aufstand gereicht hätten.
Danach wurde kurz noch im alten Loyalisten Pub getrunken und dann machte man sich müde und irgendwie zufrieden/unzufrieden nach Hause. Der ärmste Schweizer wollte bereits um sechs seinen Zug nehmen und leider musste man das Versprechen, ihn zum Bahnhof zu fahren, brechen, denn weder ich noch Knuffi waren in der Lage aus dem Bett zu kommen.
Erst um 11:30 gelang mir so etwas wie körperliche Regungen und so machte man sich auf zur Sternschanze, um die 2. Mannschaft zu sehen. Normalerweise fordere ich bei einer Zuschauerzahl von 218 auf doch endlich mal wieder an die Schanze zu kommen, aber jeder, der sich den grauenhaften Kick am Sonntag nicht angetan hat, hat gut daran getan zu Hause zu bleiben. Das Spiel war einfach mies. Es ist erstaunlich, wie sich die Mannschaft, die – bei beinah gleicher Besetzung – letzte Saison gutes Oberliganiveau erreicht hatte, von Spiel zu Spiel zurückentwickelt und wie selbst hoffnungsvolle Talente sich zur Zeit überhaupt nicht aufdrängen.
So scheitern natürlich auch alle Ideen, das Erlebnis Sternschanze wieder etwas lustiger zu machen. Daher die Überschrift.
… das Spiel gegen Union, welches die beste Saisonleistung unserer Helden sah, die leider nicht mit einem 1-0 gekrönt wurde. Peinlich nur wieder die überhaupt nicht vorhandene Fantrennung und die Polizei, die mit Wasserwerfern USP jagte anstatt gleich den Marsch von Typen mit tätowierten Reichsadlern im Nacken zu stoppen. Unglaublich, wie die Polizei es zulassen konnte, dass sich nach dem Spiel ca. 100 dieser Gestalten an der Telekomgebäudeecke sammelten.
… das Spiel in Ramlingen, was auch schon absolut schlecht war und wo 14 mit der Bahn angereiste St. Paulianer insgesamt 3 mal auf dem Hinweg und 3 mal auf dem Rückweg (3 km Fussmarsch) von der Polizei überholt wurden. Haben die geglaubt, dass wir das Kaff in Schutt und Asche legen? Spass macht es so nicht.
… die Einführung der 3. Liga, die eine absolute Totgeburt ist. Denn nicht nur, dass sich die Erstbesetzung der 4 2. Mannschaften sportlich nicht qualifizieren muss (nein es werden einfach die vier besten genommen, selbst wenn die es sportlich nicht geschafft haben), nein es können auch ab der Folgesaison alle 2. Mannschaften aufsteigen. Sprich: Danach sammeln sich da 2. Mannschaften. Das Ergebnis wird später eine absolut unattraktive Liga, die nur Kosten verursacht, die auch im Fernsehen keine erhöhte Präsenz bekommen wird (wer will schon Werder II – Stuttgart II sehen?) und die absolut eine Totgeburt wird. Auch für die Traditionsvereine, da Spiele mit regionalem Bezug noch mehr Mangelware werden und man sich das 100 mal überlegen wird, ob man für 3. Liga nach Burghausen fährt (ist ja nicht jeder so irre wie ich). Hinzu kommt, dass garantiert noch Versuche gestartet werden der Bundesliga und der 2. Liga auszuweichen (Regelspieltag am Dienstag oder so). Auch der Unterbau mit den 3 Regionalligen wird absolut unattraktiv und wird dementsprechend bei kleineren Vereinen sehr ungeliebt sein.
... der 11.9., der vor fünf Jahren einfach nur fassungslos macht. Und bis heute bei mir Gänsehaut und Kopfschütteln darüber wozu Menschen fähig sind auslöst. Ich hasse es, dass viel Solidarität verspielt wurde und das auch viel im Antiamerikanismus untergeht, aber ich habe bis heute Mitgefühl mit den Opfern.
… und dann war da noch die Freibeuterin, die ich mit diesem NRSA auch aus Hamburg verabschiede. Nun habe ich innerhalb etwas von einem Jahr zwei Weggefährten in Hamburg verloren. Auch wenn ich wahrscheinlich ähnlich wie bei Petruschka mit ihr Kontakt halten, sie wird mir hier fehlen. Alleine schon für gemeine Anmerkungen zu meinen Sprachfehlern, fürs Kickern und für das Spielen mit dem Zungenpiercing