Norbert regt sich auf vom 14.9.2006 (!!!!)

 

über

Just give me a pain that I am used to

oder

Drei Busse an einem Dienstag machen noch lange keine drei Punkte

Vorwort

Ich habe mich lange gesträubt einen NRSA über dieses Spiel zu verfassen. Zum einen sind Wochenspiele sowieso nie so wirklich der Bringer, zum anderen geht es ja schon Freitag weiter. Aber ein paar Zeilen soll mir das ganze dann doch wert sein.

Kaffee!

Ich glaube Paulchen wollte mich um meinen Schlaf bringen, als er zwar – wie erwünscht – Kaffee mitbrachte, diesen aber erst auf der Rückfahrt ausschenkte. Aber fangen wir doch – wie es eigentlich immer sinnvoll ist – vorne an. Nachdem ich den Morgen mehr oder minder waschend verbracht habe, machte ich mich auf zum Klubheim. Nicht ohne mich vorher meines Autos zu entledigen, da ich bei einer erneuten Frustniederlage wenigstens die Möglichkeit des hemmungslosen Betrinkens nutzen wollte. Der Morgen wurde die ganze Zeit von einer Platte begleitet, deren Untertitel „Pain and suffering in various tempos“ ist. Wie passend dies war, zeigte sich dann ja später.

Am Bus mal wieder die üblichen Verdächtigen, die halt nix besseres zu tun haben als an einem solchen Tag Studium/Arbeit/Frau/Freundin/Mann/Kinder alleine zu lassen und sich gen Wilhelmshaven durchzukämpfen. Dank des üblichen Einsatzes beim Buseinsteigen wurden die ersten Reihen geentert und es konnte los gehen.

Hinter uns die Jungs von der Kurzhaarfraktion, die eher seltene Gäste in Fanladenbussen sind, dann aber immer gerne gesehen, alleine schon, weil sie a. immer für lustige Geschichten gut sind und b. Musik mitbringen. Zwar auch nur der übliche Punk/Ska Kram, aber immerhin hat man immer mehr als genügend Auswahl in diesem Bereich. Ansonsten unterhielten sie unsere Reihen mit Anekdoten aus 10 Jahren Fanclubgeschichte. Die hier wiederzugeben, würde jedoch den Rahmen sprengen. Irgendwann kam man dann auch auf das heutige Spiel und das Ergebnis zu sprechen und als R……… versprach sich bei einem 0-6 (für uns) nackt zu machen, da war klar: Es ist Zeit für das Bustipspiel. Also kurz von allen einen Euro eingesammelt und die Tips abgenommen. Und da niemand 0-6 getippt hatte, hab ich das halt genommen. Schön der Kommentar eines kurzhaarigen Freundes, der nur trocken meinte: „Das ist ein Optimistenbus, wenn wir mit unseren Bussen fahren, dann tippt beinah keiner auf St. Pauli“. Recht hatte er, denn unter den Ergebnissen fanden sich gerade mal zwei Unentschieden und zwei Niederlagen und über 40 mal der Tip, dass St. Pauli gewinnt.

Gerade als man sich auf eine entspannte Fahrt gefreut hatte, stockte der Verkehr doch erheblich. Und da wir ja noch die Hollenstedt Ultras einladen mussten, mussten wir auch auf der Autobahn bleiben. So ging es eine ganze Zeit mit Tempo 10 voran, aber dann kamen wir auch Hollenstedt an, wo auch Moritz gerade erst seinem Auto entstiegen war, da auch er in diesem Stau gefangen war. Nur leider blieb so die Pinkelpause auf der Strecke und ein gewisses Gefühl von Zeitlosigkeit machte sich breit. Und dies obwohl wir ein Navigationsgerät an Bord hatten und dieses noch eine Ankunftszeit prognostizierte, die weit vor dem Anpfiff lag.

Die Unfallstelle offenbarte dann einen komplett zerlegten LKW, welcher auch noch Beck’s Bier geladen hatte. War aber wohl nur Leergut.

Danach ging es flott nach Bremen und am Dreieck Stuhr hatten wir auch den Bus eingesammelt, der von der Autobahn abgefahren war. Der Ultra Bus war sowieso etwas hinter uns.

Eine Pinkelpause später war man in Wilhelmshaven. Leider ohne irgendein Gefühl fürs Klima, denn leider hatte der Bus eine gut funktionierende Klimaanlage. So nahm ich eine Jacke mit, die ich danach das ganze Spiel durchs Stadion trug. Immer wieder Quell stetiger Freude ist es, wenn man auf dem Dorf versucht seine Fotokarte zu holen. Zwar lag diese absolut perfekt bereit, aber Wilhelmshaven macht keinen Unterschied zwischen einer Pressekarte und einer Innenraumfotokarte, so dass wir erstmal aneinander vorbei sprachen. Aber auch das konnte gelöst werden und ich mich in den Innenraum auf machen.

So blieb mir der absolut schlimme und unglaubliche Gästeeingang erspart. Nicht nur, dass die keine weiblichen Ordner zum Abtasten hatten, nein der Gästeeingang ist eine Gitterbrücke, die noch eingezäunt ist und die viel zu eng ist. Sollte es hier zu einer Massenpanik kommen, dann ist Sheffield ein Nichts dagegen. Wie so etwas baulich abgenommen werden konnte, ist mir ein absolutes Rätsel. Das Ding ist hochgefährlich.

Hinzu kommt, dass die Notausgänge mit Vorhängeschlössern verschlossen sind und nicht etwa – und ich meine, auch das ist Vorschrift – mit solchen Panikhebeln, die im Notfall jeder aufmachen kann.

Ansonsten ist das Stadion sehr nett, klein und neugebaut, eigentlich ausser der Grösse absolut Zweitligatauglich. Peinlich ist es aber irgendwie schon, dass da eigentlich nie Leute kommen. Selbst gegen St. Pauli waren nur 5000 Zuschauer da und diese Zahl wird noch bejubelt. Die waren nebenbei beim Derby in Emden mit sage und schreibe ca. 50 Leuten vor Ort.

Auch ansonsten geht da supporttechnisch nicht viel. Das eigentlich schon überall ausgerottete „Arschloch-Wichser-Hurensohn“ können die, aber sonst geht da weder akustisch irgendwas, noch optisch. Letzteres so wenig, dass zum Anpfiff nicht eine einzige Fahne geschwungen wurde.

Zum Spiel: Mies, Mies, Mies. Über die Leistung einzelner Spieler enthalte ich mich nun völlig. Jeder der meine Schimpftiraden nach Abpfiff mitbekommen hat, weiss was ich von vermeintlichen Führungsspielern halte. Und wenn man dann noch eine klare Tätlichkeit begeht, dann sollte der Verein trotz der ausgebliebenen (und vollkommen verdienten) roten Karte über eine Geldstrafe nachdenken.

Trotzdem gab es Lichtblicke. Luz endlich mit zwei Toren, Takyi und Bruns haben sich definitiv in die 1. Elf gespielt und auch Borger spielte passabel (ob das zweite Tor nun haltbar gewesen ist, kann man Stunden diskutieren. Fakt ist jedoch, dass er kurz vor Schluss der 1. Halbzeit einen Ball sehr gut rausfischte und so den absoluten K.O. Schlag verhinderte).

Nach kurzem Gemotze am Bus ging es zurück. Die Rückfahrt verlief entspannt, mit einigen Pinkelpausen und genau pünktlich um die letzte Bahn nach Poppenbüttel zu bekommen.

Und dann war da noch…

… folgende Pressemitteilung der Ultras Frankfurt, bei der man sich fragt, ob wir hier in China oder in einem Rechtsstaat leben.

“'Pressemitteilung bezüglich der Vorfälle bei der Anreise zum Spiel OSC Vellmar – SG Eintracht Frankfurt U23 am 09.09.2006

Am Samstag, den 09.09. 2006, machten sich ca. 60 Fans von Eintracht Frankfurt auf den Weg nach Vellmar, um dort die zweite Mannschaft ihres Vereins zu unterstützen. Ein Teil dieser Anhänger hat bundesweites Stadionverbot. Unter anderem aus diesem Grund fuhr man parallel zum Spiel der Profimannschaft der Eintracht in Siegen vorzugsweise nach Vellmar, da auch laut Wortlaut des an sie gegangen Stadionverbotsschreibens die Stadionverbote in der Oberliga Hessen im Prinzip keine Gültigkeit besitzen sondern nur von Liga 1 bis Liga 3 (alle DFB/DFL-Veranstaltungen). Die Oberliga Hessen untersteht dem Hessischen Fußball Verband, somit ist das bundesweite Stadionverbot hier nicht pauschal gültig. Es wurden im Vorfeld fast alle Spiele der U23, heim wie auswärts besucht, wo es zu keinerlei Vorfällen gekommen war. Die Anreise erfolgte dabei diesmal per Bahn mit einer vorab veröffentlichten Verbindung. Der Polizei war somit bereits im Voraus bekannt, dass einige Fans zu diesem Spiel reisen werden, diese wurden dann auch durch Beamte der Bundespolizei begleitet. Die Fahrt verlief ohne Störungen bis Kassel - Wilhelmshöhe, wo die Gruppe umsteigen musste, um zum Bahnhof Vellmar zu gelangen. Bereits hier wurde die Abfahrt des Zuges durch die Polizei verzögert, bis Verstärkung eintraf. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Es gab keinerlei erwähnenswerte Vorfälle, nicht im Geringsten. Im Kasseler Hauptbahnhof stiegen dann weitere Polizisten zu, unter anderem eine Beweis- und Festnahmeeinheit. Dies kündigten nun an, eine Personalienkontrolle durchzuführen. Dazu wurde die Gruppe am nächsten Umsteigebahnhof, Espenau - Mönchehof, aus dem Zug befördert und am Bahnhof festgehalten. Hier erhielt man die Auskunft des so genannten „Communicators“ der Polizei, dass, wenn man sich kooperativ verhalte, diese Kontrolle schnell vonstatten gehen würde und Personen ohne Stadionverbot das Spiel noch sehen könnten. Dies war nachbetrachtend Lüge Nummer 1. Als Begründung wurde angeführt, dass der Verein OSC Vellmar ein Hausverbot gegenüber Personen mit Stadionverbot ausgesprochen habe. Alle Personen wurden videographiert, also per Videokamera wurden Gesicht und Körper genau festgehalten, und rabiat durchsucht. Dabei wurden Leute durch einige Polizisten mit Ausdrücken wie „[...]unterste soziale Schicht[...]“, „[...]Abschaum[...]“ oder „[...]Gesocks[...]“ bedacht. Diese Maßnahme zog sich dann, entgegen der Ankündigung der Polizei, über einen Zeitraum von ca. 1,5 Stunden hin, sodass es jedem Eintracht-Fan, ob mit Stadionverbot oder nicht, schon hier unmöglich gemacht wurde, das Spiel zu verfolgen. Nach dem Hinweis auf diesen Umstand wurde den Fans erklärt, man würde nach Beendigung der Kontrolle in einem Zug nach Frankfurt begleitet werden. Es wurde allen Anwesenden noch zusätzlich Platzverbot für den Raum Kassel/Vellmar ausgesprochen. Nachdem dann alle Personen kontrolliert wurden, kam es durch die Polizei zu Lüge Nummer 2. Es wurden einige Personen aufgerufen, die sich laut Ankündigung "[...]um die Ecke[...]" ihren Personalausweis abholen sollten, da für sie die Personenkontrolle beendet sei. Nachdem diese Personen dem Aufruf gefolgt waren, wurden sie hinter das Gebäude geführt. Hier wartete allerdings mitnichten ihr Ausweis, sondern ein Gefangentransporter, der die Fans zum Polizeipräsidium Kassel brachte, um sie dort noch länger in einer Zelle festzuhalten. Dies geschah, ohne dass es den restlichen Fans möglich war, die Szenerie zu beobachten. Auch hier wurde wieder kein Unterschied zwischen Personen mit Stadionverbot und Personen ohne Stadionverbot gemacht. Eine weitere Schikane leistete sich die Polizei, indem sie einen unsererseits hinzu gerufenen Anwalt, der bereits in Vellmar weilte, nicht zu seinem Mandanten ließ sondern auch ihm ein Platzverbot erteilte. Später wurden dann alle Personen wieder in den Zug nach Frankfurt gesetzt. Sie hatten bis hierhin niemanden beleidigt, nichts beschädigt oder sich sonst in irgendeiner nicht vertretbaren Weise verhalten. Allein ihre Anreise zu einem Oberliga-Spiel nach Vellmar genügte der Polizei, diese Fans über Stunden hinweg festzuhalten und zusätzlich auch noch einige, anscheinend willkürlich ausgewählte, Personen in Gewahrsam zu nehmen. Auch dem Gastgeberverein ging einiges an Einnahmen verloren. Und sei es "nur" das Geld für 60 Eintrittskarten, 60 Getränke und 60 Würste.

Die oben beschriebene Maßnahme empfinden wir als nicht hinnehmbar, zumal Recherchen und Anfragen beim gastgebenden Verein, dem OSC Vellmar, ergaben, dass der OSC Vellmar NICHT im Vorfeld von seinem Hausrecht gebraucht machte, um mit Stadionverbot belegten Fans den Eintritt zu verwehren, sondern ganz im Gegenteil erst während des Spiels von der Polizeiaktion erfuhr. Der Versuch, Fans den Eintritt zum Spiel zu verwehren, das sie rechtlich problemlos besuchen durften, ging also rein von der Polizei aus. Es kann nicht sein, dass das Bemühen von Fans mit Stadionverbot, sich weiter für ihren Verein zu engagieren, und die zweite Mannschaft lautstark und kreativ zu unterstützen, so torpediert wird. Wer auch immer diesen Leuten die Absicht unterstellt, in der Oberliga Hessen allgemein oder in Vellmar speziell, für negative Schlagzeilen sorgen zu wollen, muss völlig weltfremd sein. Umso trauriger stellt sich für uns die Tatsache dar, dass auch nach der WM weiterhin gezielt versucht wird, gewisse Fantypen loszuwerden und diese strategisch zu attackieren.

Ultras Fr